Lex credendi, lex orandi: Der Glaube kommt nicht vom Schauen, sondern vom Hören!

Von Felizitas Küble

Es gibt zwei verschiedene Vorstellungen davon, der Glaube komme vom „Schauen“, sei also vor allem eine Sache unserer Sinne und des Erlebens, weniger eine Angelegenheit des Verstandes bzw. unseres Willens. 

Eine dieser Varianten des Gefühlschristentums ist die charismatische, die ihren Glauben besonders auf religiös-persönliche Erfahrungen, außergewöhnliche Charismen, Visionen und Erlebnisse aufbaut.

Die zweite, eher konservative Form einer stark gefühlsorientierten, sinnlichen Frömmigkeit ist der traditionelle Ästhetizismus, also das intensive Empfinden für liturgische Schönheit und Erhabenheit, für erhebende Gesänge, erlesene Rituale, festliche Meßgewänder usw.

Keine Frage, daß solche besonders feierlichen und würdig zelebrierten Gottesdienste  – die man vor allem in der überlieferten „alten Messe“ vorfindet – den Glauben stärken und ihm durch einen gewissen Schimmer von „Glanz und Gloria“ das besondere „Etwas“ verleihen können.

Für manche stark kulturell geprägten Menschen war und ist solch eine Herz und  Gefühle ansprechende Liturgie sogar das „Sprungbrett“ für ihre Bekehrung, sie ist dann eine individuelle Brücke zum Glauben.

Gilt also doch der Grundsatz „Lex orandi, lex credendi“?  – Also das Prinzip: Aus dem Gesetz des Betens folgt das Gesetz des Glaubens.

In Einzelfällen ja, auch in dem Sinne, daß das Gebet der Kirche – also die Liturgie – dem Glauben neue Innerlichkeit und Freude ermöglichen kann.

Aber grundlegend für unseren Glauben sind weder außergewöhnliche religiöse Erlebnisse – wie bei der Charismatik – noch besonders erhebende Rituale – wie beim Liturgismus – sondern vielmehr unser bewußtes JA zu den von Gott geoffenbarten Wahrheiten.

Denn der Allmächtige hat sich den Menschen mitgeteilt durch sein Wort, durch die Propheten des Alten Bundes, vor allem durch das menschgewordene WORT (Logos), durch Christus selbst, denn „zuletzt hat GOTT gesprochen durch seinen Sohn“, wie der Hebräerbrief betont.

In diesem Sinne betont der Apostel Paulus: „Der Glaube kommt vom Hören“ (Röm 10,17), er ist also eine Auswirkung der christlichen Verkündigung. Der Völkermissionar fügte hinzu: „Wir wandeln im Glauben, nicht im Schauen“ (2 Kor 5,7).

Somit gilt der Grundsatz: Lex credendi, lex orandi: Aus dem Gesetz des Glaubens folgt das Gesetz des Betens!

Aus dem Glauben der Kirche ergibt sich somit ihr Gottesdienst, ihre Liturgie, ihre amtliche Gottesverehrung. Diese ist nicht Ursache, sondern Ausdrucksform des Glaubens.

Auch die Frömmigkeit des Einzelnen ist eine ANTWORT auf das WORT  –  und seine Ver-ANTWORT-ung besteht darin, dieses Wort in die Tat umzusetzen, denn der Glaube ohne Werke ist tot, wie der Apostel Jakobus schon vor fast zweitausend Jahren einschärfte (vgl. Jak2,4).

Je nach Auslegung und Zusammenhang haben also beide Prinzipien ihre Gültigkeit, wobei jedoch eine übertriebene Ausweitung der liturgischen Sicht („Lex orandi, lex credendi“) zu vermeiden ist.

Auch Papst Pius XII. forderte in seiner 1947 veröffentlichten Enzyklika „Mediator Dei“ eine stärkere Betontung des lex credendi (Gesetz des Glaubens) gegenüber dem lex orandi (Gesetz des Betens, der Liturgie), da „die lehramtlich zu bestimmende Glaubensregel […] auch die Regel des Gottesdienstes zu bestimmen“ hat.

Mit anderen Worten: Aus der Glaubenslehre folgt das Gebet, auch der Gottesdienst und die gesamte Liturgie.


5 Kommentare on “Lex credendi, lex orandi: Der Glaube kommt nicht vom Schauen, sondern vom Hören!”

  1. Neukatholikin sagt:

    Das halte ich für eine sehr gute „Umschau“ über verschiedene Liturgie-Auffassungen. Ichn habe nie verstanden, warum manche Vertreter der Piusbruderschaft so empört waren, weil Pius XII angeblich in „Mediator Dei“ die richtige Reihenfolge auf den Kopf stellte. Es bedingen sich eben beide Grundsätze, man könnte lange diskutieren, was eher da war – wie bei der Henne und dem Ei 🙂

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  2. Anonymous sagt:

    „Eine dieser Varianten des Gefühlschristentums ist die charismatische, die ihren Glauben besonders auf religiös-persönliche Erfahrungen, außergewöhnliche Charismen, Visionen und Erlebnisse aufbaut.“

    Das ist völlig einseitig und pauschal so schlicht falsch. Oder anders gefragt: Was kommt zuerst? Die Henne oder das Ei?

    Es geht vielmehr um das HERZ des Menschen. Im Zuge der Pfingstpredigt traf das, was Petrus verkündete die Menschen ins Herz und sie stellten die Frage. „Was muss ich tun, um errettet zu werden?“

    Es ist sowohl eine evangelikale als auch eine charismatische Erfahrung von einem Wort Gottes ins Herz getroffen zu werden. Gott aber spricht nicht nur mit Worten. Franz von Assisi soll sinngemäß gesagt haben:

    „Verkünde das Evangelium der ganzen Schöpfung. Wenn es unbedingt sein muss, dann benütze dafür Worte.“

    Jesus wirkte viele Wunder, die bei seinen Zuhörern und Zuschauern die Bereitschaft zum Trauen = zum Glauben an IHN selbst wecken sollte. „Glaubt mir um meiner Werke willen!“ Natürlich gibt es so etwas wie eine Vorgefasstheit des Herzens. Und wer ein verhärtetes Herz hat, wird auch nicht durch das größte Wunder bekehrt werden. Auch Jesus hat das erlebt.

    Der Mensch wird von Gott in seiner Totalität angesprochen, also auch gefühlsmäßig. Der Verstand selbst ist nach hebräischem Denken wie die Gefühle Teil der Seele, die erneuert werden muss. Deshalb ist ein verstandesmäßiges Bejahen von Glaubenswahrheiten noch kein Glaube, sondern für sich gesehen nur ein „Für-wahr-halten.“ Von echtem Glauben spricht die Schrift erst dann, wenn er zur Tat führt. Ein kleines fiktives Beispiel:

    Wenn ich vor die Tür unseres Hauses trete und wirklich glauben würde, dass dort unmittelbar ein großer, unsichtbarere Baum stünde, dann würde ich um ihn herum laufen. Was meine Nachbarn sicher belustigen würde, wenn sie das beobachten sollten. Wenn ich hingegen zwar bekennen und beteuern würde, dass ich glaube, da stünde dieser Baum – etwa, weil Jesus das gesagt hätte (was er natürlich nicht getan hat) – aber bedenkenlos mitten durch meinen imaginären Baum liefe, würde ich an seine Existenz nicht wirklich glauben.

    „Glauben heißt: zuversichtlich vertrauen auf das, was man hofft, und fest überzeugt sein von Dingen, die man nicht sieht.“ (Hebr. 11, 1 in einer modernen Übersetzung)

    Der Gegenstand des Glaubens ist zunächst unsichtbar. Dennoch wird er im Menschen bereits etwas auslösen. Er wird also Wirkung erzielen. Sonst ist es kein Glaube. Und wenn er etwas Sicht- oder Fühlbares bewirkt, wird er bestätigt und gefestigt.

    Mein persönlicher Glaube an Jesus Christus hatte seine Initialzündung in einem biblischen Zitat, das ein Mensch predigthaft gebrauchte. Plötzlich „erkannte“ ich, das Jesus selbst mich damit ansprach. Und dieses Wort forderte explizit eine Reaktion von mir, die ich dann auch im Vertrauen erbrachte. Es ging nicht nur um die bloße Information, die damit transportiert wurde. Das Wort musste in meinem Herzen einschlagen. Das ist zutiefst charismatisch, denn es ist eine Gabe des Heiligen Geistes sowohl an den, der das Wort geistgeführt ausspricht als auch an den, dessen Herz dadurch geöffnet wird. Der Verstand allein kann das nicht vollbringen.

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  3. Cornelia Vogt sagt:

    Christen richten sich nach dem, was fast Aus der KIRCHE war/ist.
    Der Schwarze Fleck setzte sich FEST bei den restlichen Gläubigen noch.
    Das alles hat jedoch nichts mit Jesus zu schaffen.
    Trotzdem kann man an der heiligen Messe teilnehmen .
    Den Leib Jesu zu empfangen, gibt Kraft, am Glauben festzuhalten.
    Man gibt JESUS die Ehre und nicht den Priestern schließlich.
    Jeder ist für sich selbst verantwortlich vor Gott.
    Reformen sind GENERELL UNMÖGLICH GEWESEN.
    ES VERWÄSSERTE.
    DAS RESULTAT SIEHT MAN MEHR ALS OFFENSICHTLICH ALS NORMALER MENSCH.
    Jedoch widerspreche ich manchem ANDEREN Inhalt des Textes.
    Doch das steht auf einem anderen Blatt.
    Das Alte Testament.
    EIN GOTT GLAUBE.
    Ich hörte heut früh ein Video des Schwertbischof, welcher nicht der Amtskirche zugehört.
    Kein MENSCH kann RELIGION NEU ERSCHAFFEN.
    Wahr ist das, denn NIEMAND ANDERER ALS GOTTVATER HAT DAS RECHT.
    Der ZORN GOTTES ist kein Spaß.
    Altes Testament ZEUGT DAVON EBENSO.
    Und PROPHETEN wurden NIE GEPRIESEN, EH GOTT NICHT WUNDER WIRKTE, DAMIT GEGLAUBT WURDE.
    MENSCHEN BRAUCHEN IMMER BEWEISE ERST.
    DAS NEUE WURDE AUCH BEKÄMPFT ZU JESUS LEBZEITEN, BIS ER AN KREUZ SEINEN GEIST AN GOTT ZURÜCKGAB .
    ERST DURCH DEN TOD JESU ERKANNTEN JENE, DIE SO HÄßLICH UND BÖSE WAREN ZUVOR.

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