Synodaler Weg: Eigener Satzungsentwurf von Bischof Voderholzer und Kardinal Woelki

Die Deutsche Bischofskonferenz hatte entschieden, im Rahmen eines sog. „Synodalen Prozesses“ Weichen für die Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland zu stellen. 

Papst Franziskus begrüßte in einem Brief an die deutschen Katholiken den Weg, mahnte aber gleichzeitig an, die Neuevangelisierung in den Mittelpunkt der Beratungen zu stellen und bei der Themensetzung die Einheit und Gemeinschaft der katholischen Kirche zu wahren.

Nun schrieb Kardinal Marc Quellet, der Präfekt der Kongregation für die Bischöfe, einen Brief an Kardinal Reinhard Marx, den Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz.

Darin stellt er zum Entwurf über das Statut für den Synodalen Weg fest, es entspreche weder den Maßgaben des Papstes noch dem Kirchenrecht.

Zu den Kritikern des von Rom beanstandeten Statuts zählt auch der Bischof von Regensburg, Dr. Rudolf Voderholzer (siehe Foto):

„Ich kritisiere die konkrete Gestaltung, nicht den Weg als solchen. Papst Franziskus hat uns in seinem Schreiben vom 29. Juni ausdrücklich zu diesem Weg ermutigt.

Er hat freilich sehr deutlich auch die Leitplanken aufgerichtet, die einem solchen Synodalen Weg die Richtung geben und ihn davor bewahren, in den Straßengraben der Spaltung abzurutschen: Primat der Neuevangelisierung; Beachtung des ’sensus ecclesiae‘; Rücksicht auf die Einheit mit der Weltkirche.“

Bischof Voderholzer betont durchaus die Notwendigkeit von Reformen und eines Neuaufbruchs im Glauben:

„Der Neuausrichtung auf Christus – und das ist der einzige Sinn von ‚Reform‘ in biblischer Perspektive – bedarf es immer; sowohl des Einzelnen wie auch der Kirche insgesamt. Aber was im Vorfeld des Synodalen Weges – auch mit großer theologischer Gelehrsamkeit bemäntelt – als Reform vorgeschlagen wird, ist bei genauerer Betrachtung die Aufgabe des katholischen Profils und die Preisgabe wichtiger Elemente.“

Gemeinsam mit dem Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hatte der Regensburg Oberhirte deshalb einen alternativen Entwurf zur Satzung des Synodalen Weges in die Diskussion eingebracht.

Bischof Voderholzer dazu:

„Dieser Entwurf entspricht dem Reformverständnis der Kirche, er richtet sich nach den Maßgaben von Papst Franziskus, in ihm sind alle Punkte berücksichtigt, auf die Kardinal Marc Quellet in seinem Schreiben an Kardinal Reinhard Marx kritisch hinweist und vor allem: er stellt genau die Herausforderungen in den Mittelpunkt aller Beratungen, vor denen die Kirche hier und jetzt wirklich steht.“

Hier finden Sie den alternativen Satzungsentwurf und eine Zusammenfassung des Entwurfs, in dem Kardinal Woelki und Bischof Voderholzer die wesentlichen Inhalte und Merkmale des Entwurfs darstellen.

Quelle: https://www.bistum-regensburg.de/news/synodaler-weg-alternativer-satzungsentwurf-von-bischof-voderholzer-und-kardinal-woelki-6946/


2 Kommentare on “Synodaler Weg: Eigener Satzungsentwurf von Bischof Voderholzer und Kardinal Woelki”

  1. Thomas May sagt:

    Ein Vergleich der von der DBK beschlossenen Synodalforen („Macht, Partizipation und Gewaltenteilung“ – „Sexualmoral“ – „Priesterliche Lebensform“ – „Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche“) mit den Synodalforen des Woelki-Voderholzer-Entwurfs („Sexueller Missbrauch“ – „Die Sendung der Laien im Dienst der Evangelisierung“ – „Jugendpastoral/Jugendkatechese in den Pfarreien,Verbänden und Gemeinschaften“ – „Ehe- und Familienpastoral in den Pfarreien,Verbänden und Gemeinschaften“ – „Berufungspastoral“ – „Theologie und Religionsunterricht im Dienst der Evangelisierung“ – „Spiritualität und Evangelisierung“) zeigt sehr deutlich den unterschiedlichen Zuschnitt.
    Während sich die DBK mit Themen von weltkirchlicher Tragweite übernimmt und die Gläubigen schon im Vorfeld erbittert gegeneinander aufbringt, fokussieren Woelki/Voderholzer unter dem Primat der (Neu-)Evangelisierung pragmatisch auf die einzelnen Arbeitsfelder vor Ort, die dringend zu „beackern“ sind.
    Hier wären handfeste Ergebnisse zu erwarten, die geeignet sind, endlich in Gang zu bringen, was Papst Franziskus in seinem ersten Apostolischen Schreiben „Evangelii Gaudium“ (2013) angemahnt und was in den deutschen Kirchengemeinden bisher so gut wie gar nicht umgesetzt wurde: Mission als „Querschnittsaufgabe aller Christen in allen Ländern und Kulturen“.
    So fänden auch die vielfältigen Initiativen der neuen geistlichen Gemeinschaften Resonanz und Anschluss, wie sie zum Beispiel im „Mission Manifest“ (2018) von J. Hartl, K. Wallner und B. Meuser vorgestellt wurden.
    Schade, dass das praxisnahe Konzept von Woelki/Voderholzer vom „Ständigen Rat der DBK“ abgelehnt wurde. Worum ging es hier eigentlich?

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    • Anonymous sagt:

      Herr May,

      vielleicht ist es im Rahmen der klerikal ausgerichteten Hierarchie den katholischen Laien etwas zu wenig, auf Geheiß und als verlängerter Arm des Klerus zu agieren und an der „Sendung der Laien im Dienst der Evangelisierung“ teilzunehmen? Vielleicht ist überhaupt das hierarchisch-autoritäre System der Katholischen Kirche als solches etwas problematisch? Mir ist schon klar, weshalb die katholische Kirche früher so sehr gegen die Demokratie gewettert hat. Schließlich könnte sie die „Laien“ auf dumme Ideen bringen und die von Christus angeblich gestiftete Hierarchie in der Kirche gefährden.

      Noch in der Kirchenordnung des Hippolyt von Rom aus dem 3. Jahrhundert heißt es, derjenige solle zum Bischof ordiniert werden, der vom ganzen Volk erwählt worden sei. Lang ist es her.

      Im Rahmen vehementer Kritik an Papst Franziskus klärte mich ein Katholik auf, es sei ja nicht Gott selbst, der den jeweiligen Papst wähle, sondern die Kardinäle, die frei entscheiden würden. Gott würde daher nicht die richtige Person gegen deren Willen einsetzen, aber das Amt schützen.

      Den angeblich ersten Papst Petrus wählte freilich Christus noch höchst persönlich aus. Scheinbar zog er sich dann irgendwie zurück und wurde zu einem reinen Ämterschützer. Das klingt jetzt aber gar nicht nach Fortschritt und Leitung der Kirche durch den Heiligen Geist.

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