Versöhnungswege: Deutsche Vertriebene – Traumatisierte in Burundi und Ruanda

Von Stefan P. Teppert

Dass die Kette von Hass und Vergeltung durch verzeihende Liebe durchbrochen werden muss, war die Grundeinsicht katholischer deutscher Vertriebener nach dem Zweiten Weltkrieg.

Eine Tagung versuchte, deren Lösungsansätze mit jenen im Afrika der Großen Seen nach den dort verübten Gräueltaten zu vergleichen.

Getragen und organisiert war die Veranstaltung von der sudetendeutschen „Ackermann-Gemeinde“ und dem afrikanischen Netzwerk „Rapred Girubuntu“, gefördert durch Mittel des Landes Baden-Württemberg und der „Stiftung Entwicklungszusammenarbeit“ (SEZ).

Im Bildungszentrum der Caritas in Freiburg i. Br. trafen sich am 21. September 2019 Referenten, Diskussionsteilnehmer und Interessierte aus Afrika und Deutschland.

Im Namen der SEZ begrüßte deren stellv. Vorsitzender Philipp Klein (siehe Foto) die Teilnehmer. Von einem Besuch in Ruanda kam er beeindruckt vom Mut und der freudigen Kraft der Menschen zurück. Ihre Haltung bei der Lösung ihrer vielschichtigen Probleme sei mustergültig. Bei den schweren seelischen Verletzungen könne die Lösung nur darin bestehen, alle Aspekte zu beleuchten.

Als Ehrengast hielt Bischof Mgr. Joachin Ntanhondereve (siehe Foto), der Präsident der Katholischen Bischofskonferenz in Burundi, das Eröffnungsreferat.

Er nannte eine Agenda von sechs sich gegenseitig ergänzenden und sogar aufeinander aufbauenden Aufgaben seiner Kirche, um in Burundi, dieser kleinen Nation des ehemaligen Deutsch-Ostafrika, dieVersöhnung mit Gerechtigkeit und Vergebung in Verbindung zu bringen.

Um die mit tiefen Wunden und großem Misstrauen nebeneinander lebenden Minderheiten, insbesondere jene der Hutu und Tutsi, ins Gespräch zu bringen, müsse die Kirche bei aller Notwendigkeit, einig im Geiste Christi zu bleiben, ihre Aktionen über die Konfessionen hinaus ausdehnen, sich im weltlichen Bereich für Wahrheit und Gerechtigkeit einsetzen; das sei die Voraussetzung dafür, dass die Konfliktparteien ihre Sichtweise ändern.

Zweitens müsse die Kirche einen pastoralen Dienst, in allen Diözesen eine Synode in Gang setzen, die eine Kultur des Friedens und der Versöhnung fördern. Drittens bedürfe es einer gründlichen Analyse der Ursachen für Spaltung und Konflikte. Dazu gehören Fragen der sozialen Gerechtigkeit, Chancengleichheit und Freiheit.

Die vierte Herausforderung bestehe in der Erziehung der Burundianer zur geschichtlichen Wahrheit in der Schul- und Hochschulbildung, wobei die gemeinsame Korrektur der bisherigen Historiographie nicht fehlen dürfe.

Eine katholische Universität solle sich fünftens dem Auftrag widmen, ein dem Gemeinwohl, der Subsidiarität und Solidarität dienendes Menschenbild zu befördern, in dem die unveräußerliche Würde jedes Einzelnen gewahrt ist.

Die sechste und letzte Verpflichtung sei es, Traumata zu heilen. Dies sei nur möglich, zitierte der Bischof Bundespräsident Richard von Weizsäcker, wenn alle gemeinsam, ob schuldig oder nicht, alt oder jung, die Vergangenheit und ihre Konsequenzen annehmen. Wer sich weigert, sich an die geschehene Unmenschlichkeit zu erinnern, sei neuen Infektionsrisiken ausgesetzt.

Dr. Martina Bär (siehe Foto), Gastprofessorin für Systematische Theologie an der Freien Universität Berlin, sprach zum Thema Vergebung, Verantwortung und Versöhnung aus christologischer Perspektive.

Jesus habe Feindesliebe nicht nur gepredigt, sondern unabhängig von der Schwere der Schuld bestürzend konsequent und langmütig auch vorgelebt, selbst noch in seinem Leiden am Kreuz, indem er als unschuldiges Opfer für seine Peiniger und Verräter um Vergebung bat.

Im Unterschied zu der an der Tora orientierten Umkehrpredigt Johannes des Täufers sei für Jesus der Heilsraum durch Gott selbst und seine bedingungslose Zuwendung zu allen Menschen schon eröffnet. Die Menschen müssten weder heilswirksame Opferkulte noch Sühnerituale einhalten, es bedürfe keiner ethischen Vorleistung.

Was allein zählt, sei die Umkehr und der Glaube an die frohe Botschaft Jesu. Das Kreuz lade, befreiungstheologisch verstanden, zum Kampf gegen die Herrschaft todbringender Mächte ein, die Auferweckung Jesu sei ein Triumph der Gerechtigkeit.

Doch nicht seine Wunden, sondern dahinter die Liebe Gottes wirken heilend und rettend. Wenn Gott Barmherzigkeit vor Gerechtigkeit walten lässt, könne dies jedoch nicht heißen, dass der Prozess der Schuldvergebungohne zwischenmenschliche Versöhnungsprozesse in Gang kommt.

Ein Opfer kann nach einer Aussprache über seine Verwundungen freiwillig zur Vergebung geneigt sein, sofern dies beim Täter vom Eingeständnis seiner Schuld und Reue, der Bitte um Gnade und dem Versprechen der Wiedergutmachung flankiert wird.

Versöhnung sei also kein Automatismus, sondern brauche Wahrheit, müsse von Täter- wie von Opferseite ausgehen und beruhe beiderseits auf freien Entscheidungen.

Arbeiten Nach(bürger)kriegsgesellschaften ihre Vergangenheit nicht auf, um zukunftsfähig zu werden, kann ein zerbrechlicher Friede von extremistischen Kräften missbraucht werden. Opfer und auch Täter dürften aber auf die durch Jesu Opfer bezeugte Empathie Gottes vertrauen. Das sei der Beginn eines Vergebungs- und Erlösungsgeschehens, schloss die Theologin.

Prof. Dr. Rainer Bendel (siehe Foto) aus Tübingen widmete sich in seinem Vortrag den langfristigen Folgen der Vertreibung in der deutschen Erlebnisgeneration, die kaum ein anderer so umfassend reflektiert habe wie P. Paulus Sladek OESA, der sich in den 1950er Jahren mit tiefenpsychologischen Studien auseinandersetzte, um das Problem des Heimatverlustes und Heimatfindens zu verstehen.

Sladek gehörte zu den ersten, die ihre Verblendung eingestanden, dazu aufforderten, sich der Situation zu stellen und Mischverhältnisse zwischen Tätern und Opfern wahrzunehmen.

Wichtige konsolidierende Elemente waren für ihn die Seelsorge und karitative Maßnahmen, Multiplikatorenarbeit, die Pflege gewohnter religiöser Formen, sozialer Ausgleich, Verständigung zwischen Vertriebenen und Einheimischen, Verzicht auf Rache- und Hassgefühle gegenüber den Vertreibern durch christliche Feindesliebe, letzteres auch als eine Forderung der Selbstachtung.

Aber keineswegs wollte Sladek damit politisches Unrecht sanktionieren, Besänftigungspolitik decken oder die legitime Forderung nach Gerechtigkeit und Wiedergutmachung ausschließen, hegte er doch die Hoffnung, dass auch die Verbrechen der Alliierten gegen die Menschlichkeit nach Kriegsende vor einem internationalen Gerichtshof verhandelt würden.

Der Kampf für das Recht auf die Heimat ist eine Konstante der Forderungen Sladeks, er hat auch den Kampf für Freiheit und Menschenwürde der Nachbarvölker im Osten zur Konsequenz. Den Vertriebenen dachte er dabei als Brückenbauern eine große Verantwortung zu.

Seine Überzeugung, man müsse unbeirrt der ganzen Wahrheit nachforschen, sollte allerdings nicht zu einer gegenseitigen Aufrechnung oder Relativierung von Schuld führen. Dennoch betrachtete er Versöhnung immer als ein zweiseitiges Geschehen.

Erinnerung an vergangenes Unrecht dürfe jedoch nicht Versöhnungsbereitschaft zerstören, das Verhältnis von Völkern dauerhaft belasten und zu Feindseligkeiten führen. Notwendig sei es, die Schuldfrage zu versachlichen. Langer Atem sei notwendig, um in zähem Ringen zu Aussöhnung ohne Revanchismus zu gelangen und Baustein für etwas Neues zu werden.

Dr. Adome Blaise Kouassi (siehe Foto), der an verschiedenen Universitäten Afrikas lehrt, nahm sich des Beitrags an, den Mediation bei der Suche nach Gerechtigkeit, Vergebung und Versöhnung leisten kann.

Mediation ist weltweit anerkannt als Methode zur Lösung oder Aufarbeitung von Konflikten, sowohl an traditionellen wie auch modernen Gerichten. Sie kann generell als das Führen eines streitlosen Verfahrens mit Hilfe von neutralen Personen beschrieben werden.

Diese können im traditionellen Recht ausgewiesene Persönlichkeiten der Dorfgemeinschaft oder im modernen Recht gut ausgebildete Rechts- und Sozialwissenschaftler sein. Dabei soll ein für beide Parteien günstiges Ergebnis, eine sog. Win-win-Lösung erzielt werden.

Bestimmte Aspekte der Mediation hat das Europäische Parlament am 23. April 2008 angenommen und den Mitgliedsstaaten für die jeweilige Durchführung grünes Licht gegeben. Der deutsche Gesetzgeber hat bereits 1999 die gerichtliche Mediation in das Zivilprozessrecht eingeführt.

Auch Österreich und Frankreich, die Niederlande, England und Wales kennen den Mediator als neutralen Dritten bei Verhandlungen.

Auch in afrikanischen Ländern wie Gabun, Marrokko und Algerien ist Mediation gesetzlich normiert. Länder wie Togo, Madagaskar oder Elfenbeinküste lehnen sie im modernen Gerichtswesen ab und überlassen sie dem traditionellen Recht, mit dem bei den zahlreichen Konflikten und sozio-politischen Krisen bessere Erfahrungen zum Schutz und der Sicherstellung des sozialen Gleichgewichts und der Harmonisierung zwischen einzelnen Dorfbewohnern bzw. der gesamten Gemeinschaft gemacht worden sind als mit moderner Justiz, die mangels Personal und Finanzmitteln häufig überfordert ist.

In vielen anglo- wie auch frankophonen Ländern Afrikas südlich der Sahara existieren im traditionellen Recht ähnliche Formen der Mediation, deren zentrales Element die Gerechtigkeit ist. Der Mensch wird mit Respekt und Fingerspitzengefühl behandelt, es herrscht kollektive Verantwortlichkeit. Dr. Kouassi konzentrierte sich auf das Beispiel der Elfenbeinküste, um die dortige Mediation mit ihren Organen (wie Familie, Dorfrat und Stamm) und Inhalten (wie Wahrheitssuche, Strafe und Wiedereingliederung) darzustellen.

Pater Dr. Déogratias Maruhukiro (siehe Foto) aus Freiburg wollte anschließend kein Referat halten, sondern einen Impuls geben, indem er fragte, ob die Gerechtigkeit Voraussetzung sein muss für Vergebung und Versöhnung. Er beantwortete die Frage mit den Worten, die Jesus an den Apostel Petrus richtete, man müsse nicht nur 7 Mal, sondern 77 Mal vergeben.

„Wir als Kirche müssen verzeihen“, betonte er und fragte, was zuerst existiert: Verzeihung oder Gerechtigkeit? Die Justiz sei nicht in erster Linie wegen der Strafe da, sondern solle die Wahrheit aufdecken, Klärung und Differenzierung herbeiführen, um den Frieden der Gemeinschaft zu wahren, sei es mit traditioneller oder moderner Vorgehensweise.

Die Justiz gebe den Opfern ein Gesicht, sonst hätte es nie existiert, und sie schaffe Rehabilitation durch Erinnerung.

Zum Abschluss der Tagung erzählten bei einer Podiumsdiskussion, bei der Dr. Bendel die Fragen stellte, vier Personen von ihren Traumatisierungen und den Beweggründen ihres jeweiligen Engagements.

Im Alter von 19 Jahren musste Bischof Ntanhondereve 1972 bei einem Massaker in Ruanda den Verlust von vier befreundeten Priesterseminaristen hinnehmen, die von Sicherheitskräften unter der Beschuldigung ermordet wurden, Rebellen zu sein. Unter großen Schmerzen und unbeschreiblicher Angst habe er sich zunächst nur noch wie ein wandelnder Kadaver gefühlt, bis Freunde ihm zu einer Wiedergeburt verhalfen, er nach Burundi zurückkehren konnte und seither nach Wegen zur Versöhnung sucht.

Erzbischof em. Dr.Robert Zollitsch (siehe Foto), der ehemalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, berichtete als Betroffener eines Genozids am Ende des Zweiten Weltkriegs. Der heimatvertriebene Donauschwabe, geboren im heutigen Serbien –  damals Jugoslawien – erlebte im Alter von sechs Jahren den Einmarsch der Sowjets in sein Heimatdorf Filipowa, die Übernahme der Herrschaft durch Titos Partisanen, die Enteignung und Entrechtung der Deutschen des Landes, ihre Internierung in Arbeits- und Vernichtungslager.

Erst nach 60 Jahren konnte er seinen Heimatort und sein Elternhaus wieder aufsuchen. Er plädiert dafür, einerseits nichts zu verschweigen, man dürfe aber auch nicht unnötig daran erinnern oder Aufrechnung betreiben. Nur über das Geltenlassen des Anderen lassen sich Brücken bauen und Wege in die Zukunft finden. Wer verzeihen kann, erlebe eine Befreiung, das Erlebte verliere an furchtbarer Last.

Dr. Marie Louise Baricaco (siehe Foto) aus Ruanda musste den Tod zweier unschuldiger Minderjähriger miterleben, woraufhin sich ihre Leidenschaft entzündete, etwas zu verändern und Hilfe für vergewaltigte Frauen zu leisten. Sie gründete 1995 in Burundi den „Le Mouvement des Femmes et des Filles pour la Paix et la Sécurité“.

Diese Bewegung der Frauen und Mädchen tritt mit den Mitteln des gewaltlosen Protests und des Dialogs nicht nur für Frieden und Sicherheit, Aufklärung, Toleranz und Versöhnung ein, sondern auch für die Respektierung der durch Präsident Pierre Nkurunziza gebrochenen Verfassung, wodurch zahlreiche Menschen getötet und vertrieben wurden, sowie die Rückkehr zur Legalität und Beachtung des Abkommens von Arusha.

Aline Ndenzako (siehe Foto) gründete 2017 in Paris zusammen mit Beate Klarsfeld die Vereinigung „Mémoires communes, Avenir commun“ (Gemeinsame Erinnerung, gemeinsame Zukunft), eine Plattform der burundischen Opposition im Exil, die sich zum Ziel gesetzt hat, die interethnischen Konflikte zu beenden.

Damit eines Tages Gerechtigkeit geschehen kann, werden nach dem Vorbild der Opfer der Shoa die Namen der Toten und Vermissten gesammelt. Die Enkelin des ehemaligen Königs von Burundi, Mwambutsa IV., wurde schon früh auf die Ungerechtigkeit aufmerksam, die ihre Familie zu erdulden hatte; ihre beiden Onkel wurden ermordet, einer davon ein Held im Kampf gegen das koloniale Joch.

Als Angehörige der Aristokratie und einer vierten ethnischen Gruppe neben den Twas, Hutus und Tutsis hat Aline Ndenzako einen neutralen Status, der es ihr ermöglicht, die Vorurteile zwischen den Gruppen abzubauen und nach Eintracht zu streben.

Die sowohl in deutscher wie französischer Sprache gehaltenen Referate und Redebeiträge wurden von zwei jungen, aus Afrika stammenden, aber in Freiburg beheimateten Lehrerinnen simultan in die jeweils andere Sprache übersetzt.

Vergleichende und vertiefende Betrachtungen zu kriegsbedingten Traumata aus verschiedenen Epochen und Zonen und das Sprechen über sie sind sinnvoll und hilfreich; so kann das Fazit dieser Tagung lauten – und dies nicht nur, weil sie solidarische Sorge um und Verantwortung für das Thema gegenüber Tätern wie auch Opfern signalisieren, sondern auch, weil sie aufklärend und als Dialog therapeutisch wirken und gegenseitig den noch anfänglichen oder schon fortgeschrittenen Versöhnungsprozess bestärken können.

 

 


HERR, erfreue Deinen Knecht, denn ich erhebe meine Seele zu Dir!

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche:
Psalm 86 (85),3-4.5-6.9-10.

Du bist mein Gott. Sei mir gnädig, o HERR!
Den ganzen Tag rufe ich zu dir.
HERR, erfreue deinen Knecht;
denn ich erhebe meine Seele zu dir.
 

HERR, du bist gütig und bereit zu verzeihen,
für alle, die zu dir rufen, reich an Gnade.
Vernimm mein Beten,
achte auf mein lautes Flehen!

Alle Völker kommen und beten dich an,
sie geben, HERR, deinem Namen die Ehre.
Denn du bist groß und tust Wunder;
du allein bist Gott.


Warnung vor „Öko-Diktatur“: Aktion „Berlin-Blockieren“ von Klima-Rebellen kritisiert

Am Montag startete eine Aktivistengruppe namens „Extinction Rebellion“ ihre für die ganze Woche angekündigten Aktionen namens „#BerlinBlockieren“. Ziel ist es, den Verkehr in der Hauptstadt an neuralgischen Punkten zu blockieren, um so auf den angeblich menschengemachten Klimawandel und die angeblich unzureichenden Gegenmaßnahmen aufmerksam zu machen.

Infolgedessen kam es zu örtlichen Behinderungen, auch wenn – vermutlich wegen der Herbstferien in Berlin – das befürchtete oder evtl. von den Organisatoren gewollte Chaos ausblieb.

Der rechtspolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Roman Reusch, beobachtet die Geschehnisse auch noch aus einem anderen Grund mit Unbehagen:

„Seitens des Berliner Innensenators Geisel (SPD) war zu vernehmen, dass diese Aktionen von ‚Extinction Rebellion‘ durchaus als spontane Versammlungen gewertet werden können, die nach dem Demonstrationsrecht zulässig seien.

Abgesehen davon, dass eine Spontaneität angesichts der Vorankündigungen wohl schwer zu begründen sein dürfte, sollte der Innensenator dann aber, wenn er schon die grundrechtlich geschützte Versammlungsfreiheit bemüht, auch deren Grenzen nicht aus den Augen verlieren.

So zog eine vermummte Aktivisteneinheit namens ‚Red Rebels‘ in einheitlicher, nämlich roter Kleidung in fast durchgängiger Zweierreihe, wenn auch nicht  im Gleichschritt, vom Potsdamer Platz zum Großen Stern – ausgerechnet in Berlin, wo in unseliger Vergangenheit schon so oft Uniformierte mit ihren ‚Märschen‘ Angst und Schrecken verbreitet haben.

Sowohl die Vermummung als auch das Tragen von Uniformen, Uniformteilen oder auch nur gleichartigen Kleidungsstücken als Ausdruck einer gemeinsamen politischen Gesinnung in Versammlungen sind zu Recht verboten und erfüllen die jeweiligen Straftatbestände nach dem Versammlungsgesetz.

Da davon ausgegangen werden kann, dass der Innensenator diesbezüglich nichts unternimmt, wird von hier aus eine entsprechende Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft samt Beweisen zur weiteren Prüfung eingereicht werden.

Hier ist entschlossenes Handeln im Sinne eines ‚Wehret den Anfängen!‘ gefragt – denn wer in einer Demokratie schläft, läuft Gefahr, ggf. in einer Öko-Diktatur aufzuwachen.“

 


Das katholische St.-Gerhardswerk traf sich in Stuttgart zur Mitgliederversammlung 2019

Von Stefan P. Teppert

Am 20. September 2019 trafen sich Vorstand und Mitglieder des St.-Gerhardswerks  – der Organisation für die deutschen Katholiken aus und in Südosteuropa  –  zur diesjährigen Mitgliederversammlung in der Stuttgarter Geschäftsstelle, Jahnstraße 30.

Die vierstündige Sitzung  – unterbrochen vom Mittagessen –  eröffnete der Vorsitzende, Erzbischof em. Dr. Robert Zollitsch, mit einer gemeinsamen Erinnerung an die verstorbenen Mitglieder Johann Reppmann und Pfr. Peter Zillich.

BILD von links nach rechts: Josef Lutz, Bischof em. Dr. Robert Zollitsch, Udo Lauther, Hans Vastag, Prof. Dr. Rainer Bendel, Pfr. Paul Kollar

Einstimmig wurden Sylvia Kocks und Gerhard Karrer als neue Mitglieder aufgenommen, die Mitgliedschaft von Msgr. Otto Barth wurde erneuert. Die Zahl der Mitglieder bleibt somit bei 72.

Im Rechenschaftsbericht des Vorstands und der Geschäftsleitung wurden folgende Punkte angesprochen bzw. befürwortet:

Durch Mitarbeit im Partnerschaftskomitee und bei gemeinsamen Reisen soll der Vorstand das Bemühen des Landes Baden-Württemberg um Kontakte zur Woiwodina und zu Serbien nachhaltig unterstützen.

BILD: Der heilige Gerhard  – er war Missionar in Ungarn – ist Namensgeber des St.-Gerhardswerks

Auch durch eigene Aktivitäten soll der Vorstand weiterhin die Beziehungen zu den Ländern des Balkans ausbauen. Bei dem zunehmenden Verfall der Kirchen in Südosteuropa blieb unklar, wie hier Hilfe geleistet werden kann.

Offen blieb auch die Frage, in welcher Form die Ideen zum Aufbau von Museen in Bacs, Apatin und Sombor über die Geschichte der Donauschwaben des Landes realisiert werden können. Der Vorstand wird versuchen, sich an den weiteren Planungen zu beteiligen und sieht es als unbedingt erforderlich an, sie zu koordinieren.

Die vom St. Gerhardswerk organisierten und mitbetreuten Wallfahrten waren dank des Engagements der Verantwortlichen auch in diesem Jahr wieder sehr erfolgreich.

Pater Wendelin Grubers Buch „In den Fängen des roten Drachen“ ist nun auch in ungarischer Sprache erschienen. Es entstand die Frage, ob auch eine serbische Ausgabe sinnvoll wäre. Eine für den heutigen Leser kommentierte deutsche Ausgabe wird demnächst herauskommen.

Ein neues, modernes, aussagekräftiges Logo für das St. Gerhardswerk wurde mit großer Mehrheit beschlossen und soll von der Geschäftsführung umgesetzt werden.

Hans Vastag zeigte mit dem Projektor eine Reihe von Bildern zu Werk und Wirkung des Hl. Gerhard, die sich vielfältig manifestiert haben, allerdings bisher weder als Roman oder Film noch in einem Gedenktag oder einer Wallfahrt bzw. einem Pilgerort. Auch im liturgischen Kalender fehlt der Missionar der Ungarn.

Vastag will im Auftrag des St. Gerhardswerks zu dessen 1040. Geburtstag im April 2020 eine Schrift im Umfang von rund 40 Seiten verfassen, die zahlreiche Abbildungen enthalten soll.

Nach Ablauf einer dreijährigen Wahlperiode war der Vorstand neu zu wählen. Die Neuwahl erfolgte unter Leitung des Geschäftsführers Prof. Dr. Rainer Bendel.

Zum Vorsitzenden wurde abermals Erzbischof em. Dr. Robert Zollitsch gewählt, zu Stellvertretern Pfr. Klaus Rapp, Hans Vastag und Josef Lutz, zum Kassier wiederum Pfr. Paul Kollar, zum Schriftführer Udo Lauther, zu Rechnungsprüfern Horst Zimmermann und Adam Kupferschmidt, zum Geistlichen Beirat Pfr. Paul Kollar. Die Wahlen erfolgten einstimmig bei Enthaltung der Kandidaten. Alle Gewählten haben die Wahl angenommen.