Joseph Roth aus Köln: ein katholischer Familienvater und Märtyrer in der NS-Diktatur

Von Dr. Eduard Werner

Joseph Roth (siehe Foto) war Volksschullehrer und stammte aus einer katholischen Familie in Köln. Drei seiner Brüder waren Priester und eine Schwester von ihm war Ordensfrau.

Mit seiner Frau Katharina und seinen drei Kindern lebte Joseph Roth in Friesdorf bei Bonn. Neben seiner Familie und seiner Berufstätigkeit fand er auch noch Zeit für die Politik. Er hatte Funktionen in der katholischen Partei „Das Zentrum“. Er war Mitglied im Kreistag Bonn-Land und auch Mitglied im Kreis-Ausschuss.

Für den Katholiken Joseph Roth war von Anfang an klar, dass der „neuheidnische Nationalsozialismus“ mit christlichen Wertvorstellungen nicht vereinbar ist. Überdies hatten die Bischöfe schon 1932 in kirchlichen Rundschreiben bereits verboten, die Nationalsozialisten zu wählen. Diese Überzeugung vertrat Joseph Roth in der Öffentlichkeit.

Der monatliche Empfang des Beichtsakramentes und der Kommunion waren damals wie in vielen katholischen Familien auch in der Familie Roth selbstverständlich.

Als die Nationalsozialisten 1933 die Macht übernommen hatten, rächten sie sich an ihren weltanschaulichen Gegnern. Auch Joseph Roth wurde gezwungen, vorübergehend aus dem Schuldienst auszuscheiden.

Nur mit Unterstützung seiner Schwiegereltern und durch Artikelschreiben in den wenigen noch nicht verbotenen Zeitungen konnte er seine Familie ernähren. Seine Texte durften nur unter einem Pseudonym erscheinen. #

Von den Nationalsozialisten in seinem Wohnort Friesdorf wurde die Familie Roth heftig angefeindet. Eines Nachts wurden sogar ihre Fenster eingeschlagen und beide Eltern durch Steinwürfe verletzt.

BILD: Buchtitel unseres Autors Dr. Eduard Werner: „Helden und Heilige in Diktaturen“ (Media-Maria-Verlag)

Da tat Roth etwas Außerordentliches: Um seiner Familie etwas Ruhe zu verschaffen, stellte er einen Aufnahme-Antrag in die NSDAP. Solche Schutzversuche hatten in manchen Fällen zwar Erfolg, aber bei einem so bekannten Katholiken wie Joseph Roth lehnte die NSDAP den Aufnahme-Antrag sofort ab. Die Familie musste weiter leiden.

Erträglicher wurde das Leben für die Familie Roth erst, als am 1. September 1939 der Krieg ausbrach. Das Militär brauchte Joseph Roth als Soldaten. Nach einer kurzen Verwendung als Soldat kam er wieder nach Hause, weil er noch an einer Verwundung vom Ersten Weltkrieg her litt. Auch als Lehrer wurde er nun wieder eingestellt.

Das ging gut bis zum Stauffenberg-Attentat am 20. Juli 1944. Nun wurden viele politisch verdächtige Personen verhaftet. Am 22.8.1944 traf es auch Joseph Roth.

Morgens um 4 Uhr wurde er von der Gestapo vor den Augen seiner Frau und seiner Kinder aus dem Bett geholt und in Handschellen abgeführt. Der Sohn Wilhelm wurde einige Tage später vom Gymnasium weg gewiesen.

Nach einem Gefängnisaufenthalt in Köln kam Roth ins KZ Buchenwald. Dort wurden an ihm medizinische Versuche durchgeführt. Todkrank wurde er dann nach Hause entlassen. Am 22. Januar 1945 starb er.

Nun verlangten Parteidienststellen, dass der Tod als Folge von Bombenangriffen dargestellt werde. Sie verweigerten auch die Bereitstellung eines Leichenwagens. Treue Freunde schafften den Sarg frühmorgens auf Schlitten auf den Friedhof und nahmen die Bestattung in aller Stille vor.

Was mussten damals auch Katholiken unter Hitlers Terrorsystem nicht alles erleiden! Wer selbst nie in einer Diktatur gelebt hat, kann den Mut der Bekenner und den Hass ihrer Gegner kaum gerecht beurteilen.

Eduard Werner ist Historiker und Mitarbeiter der katholischen Monatszeitschrift DER FELS – Erstveröffentlichung des Beitrags hier: http://blog.forum-deutscher-katholiken.de/?p=10195


6 Kommentare on “Joseph Roth aus Köln: ein katholischer Familienvater und Märtyrer in der NS-Diktatur”

  1. Josef Roth sagt:

    Durch Zufall bin ich hier auf diese Seite gestoßen. Es freut mich sehr und berührt mich tief, dass hier an meinen Großvater gedacht wird. Nun, eines noch zum heutigen Verhalten einer Partei mit einem große C im Namen: Als ich unseren OB (der Stadt Bonn) anfragte, was die Stadt denn zum Andenken zum 75. Todestag meines Großvaters im Januar nächsten Jahres vorhabe, da wurde mir vom OB der Stad schriftlich (per mail) mitgeteilt, dass die Stadt Bonn dazu sich nicht zuständig fühlt. Begründung: Er, mein Großvater, sei ja kein Ehrenbürger der Stadt (wie hätte er das denn damals werden können????) und ausserdem sei sein Grab ja auf Godesberger Gebiet liegend, also solle ich mich an die dortige Bezirksverwaltung wenden. Bum! Das saß! Dabei hatte die Stadt Bonn sein Grab im Jahr 2005 zu einem Ehrengrab der Stadt Bonn (nicht Godesberg) gemacht. Dann dachtei ich, die Landesregierung könnte doch vielleicht einen Kranz schicken, da mein Großvater ja auch Kreistagsmitglied war… auch da Fehlanzeige. Immerhin wird im Januar ein zweiter Stolperstein (diesmal nicht weit ab vom Schuss wie der erste) mitten in Godesberg verlegt. Ende des nächsten Jahres kommt dann meine Biographie über sein Schicksal als Buch heraus.
    Josef Roth (Bonn- Bad Godesberg)

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    • Guten Tag,
      besten Dank für Ihre freundlichen Zeilen.
      Die Antwort des Bonner OB und die (Fehl-)Haltung der Landesregierung enttäuschen.
      Umso besser, wenn Sie ein Buch über Ihren Großvater verfassen.
      Bitte schicken Sie es uns zu, wir rezensieren es gerne.
      Freundlichen Gruß!
      Felizitas Küble

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  2. peter hormes sagt:

    Zitat:“ Überdies hatten die Bischöfe schon 1932 in kirchlichen Rundschreiben bereits verboten, die Nationalsozialisten zu wählen. Diese Überzeugung vertrat Joseph Roth in der Öffentlichkeit.“- Zitatende!

    Das ist „gelebte“ Demonkratie in Reinform!Bravo ,es darf geheu….ähem geklatscht werden!

    Wurden doch im III.Reich die Volksgenossen ständig damit bedrängt ,in irgendwelchen Volksabstimmungen ihre Meinung kundzutun! fürwahr ein wahrhaft diabolisches Terrorregime!

    Zitat:“ Wer selbst nie in einer Diktatur gelebt hat, kann den Mut der Bekenner und den Hass ihrer Gegner kaum gerecht beurteilen.“ – Zitatende!

    Willkommen in der Real existierenden BRD-EU-DSSR2.0 !

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    • Guten Tag,
      die „Wahlen“ und „Volksabstimmungen“ im 3. Reich waren nicht rechtsstaatlich, schon weil Zeitungen und Rundfunk staatlich gelenkt und das Volk dadurch mit Propaganda eingelullt wurde.
      Die Bischöfe können ihren eigenen Gläubigen sehr wohl erklären, daß Christentum und NS-Ideologie unvereinbar sind, weshalb sie 1932 den Katholiken die Mitgliedschaft in der NSDAP verboten haben. Es wurden auch andere Mitgliedschaften untersagt, zB. der Freimaurerei oder den Kommunisten beizutreten.
      Freundlichen Gruß
      Felizitas Küble

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    • Anonymous sagt:

      „peter hormes“,

      wer unser heutiges Deutschland mit einer Diktatur vergleicht, ist entweder bescheuert oder böswillig.

      Und was die katholische Kirche ihren Gläubigen sagt, ist nur für diese maßgebend. Mal abgesehen davon, dass die Kirche das Wahlverhalten der Gläubigen gar nicht kontrollieren konnte.

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  3. Anonymous sagt:

    „Was mussten damals auch Katholiken unter Hitlers Terrorsystem nicht alles erleiden!“

    Und wie können dann Katholiken heute die AfD unterstützen, die einem rechtsextremen Klientel Unterschlupf und Führungspositionen anbietet, die die Hitlerzeit relativieren und eine „erinnerungspolitische Wende“ (Höcke) herbei führen wollen? Es ist unfassbar!

    Davon abgesehen mussten natürlich nicht nur Katholiken unter Hitler leiden. Man denke an Dietrich Bonhoeffer und viele Andere.

    Wir haben heute die Pflicht, aber auch die Chance gegen Rechts aufzustehen und so Menschen wie Joseph Roth oder Dietrich Bonhoeffer zu ehren und dafür zu sorgen, dass sich so etwas wie Hitler nicht mehr wiederholt.

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