Abtreibungswerbung: Hänel erneut verurteilt

Es geht nicht um „Absaugen von Schwangerschaftsgewebe“

Zum erneuten Prozess vor dem Gießener Landgericht gegen Abtreibungsärztin Kristina Hänel erklärt die Bundesvorsitzende der Aktion Lebensrecht für Alle (ALfA), Cornelia Kaminski (siehe Foto):

„Auf die Frage der Richterin, ob die Texte, die zu der Anzeige gegen sie wegen unerlaubter Werbung für Abtreibungen geführt hatten, nach wie vor auf ihrer Homepage zu finden seien, antwortete Kristina Hänel mit Ja – und fügte hinzu, sie habe auch nicht vor, die entsprechenden Texte von ihrer Homepage zu nehmen.

Dass sie also erneut wegen unerlaubter Werbung für Abtreibung verurteilt werden würde, war ihr nicht nur klar, sondern auch erklärtes Ziel ihrer Handlungsweise. Was sie freuen dürfte: Das Gericht setzte das Strafmaß um mehr als die Hälfte herab.

Aber nicht nur das deutlich mildere Urteil ist bemerkenswert, sondern auch die Ausführungen der weiteren Prozessbeteiligten. Niemand, weder Richterin noch Staatsanwalt und natürlich auch nicht Frau Hänels Rechtsanwalt, war willens, darauf hinzuweisen, dass die Formulierungen in Frau Hänels „Informationen“ eindeutig eben genau das nicht sind, sondern Werbung.

Wer behauptet, er sauge „Schwangerschaftsgewebe“ ab, führt sowohl Frauen als auch die Öffentlichkeit bewusst hinters Licht.  Eine sachliche Information darüber, was bei einer Abtreibung wirklich geschieht, wäre ja durchaus wünschenswert.“

Die Vorsitzende der ALfA weist darauf hin, dass Frau Hänel keineswegs damit gerechnet hatte, nicht verurteilt zu werden, das habe sie schon vorher bekannt gegeben.

„Es wäre auch bei der Verfolgung des eigentlichen Ziels nur hinderlich gewesen, da es den Weg zum Bundesverfassungsgericht erschwert hätte – und dort wollen Frau Hänel und ihr Anwalt sowie die Organisation, die sie unterstützt (mit Kersten Artus war sogar die Vorsitzende von Pro Familia Hamburg im Gerichtssaal anwesend) den §219a verhandelt sehen.“

Dies Gesetz sei weder sinnvoll noch verfassungsgemäß, so Hänels Anwalt Dr. Merkel, sondern einfach aus der Zeit gefallen. Die Aussage, der §219a diene dem Schutz des ungeborenen Lebens, sei Unfug, und zu diesem Zweck auch gar nicht erlassen worden, sondern damit die moralische Bewertung der Abtreibung nicht erodiere.

„50 % der Menschen, die heute leben, waren damals noch gar nicht geboren – soll man da an einer Rechtsvorschrift festhalten, die die Moral von 1974 schützt?“, so Merkel vor Gericht.

Cornelia Kaminski erläutert hierzu:

„Merkel verkennt, dass damals wie heute die Tötung eines anderen Menschen als abscheuliches Verbrechen eingestuft wird. Die Tötung eines unschuldigen Kindes ruft ganz besondere Abscheu hervor.“

Was sich geändert habe, sei jedoch die Wahrnehmung dessen, was ein Kind ist, und das habe unmittelbar etwas mit der Art und Weise zu tun, wie Rechtsnormen angewandt werden.

Kaminski weiter: „Wenn weder Staatsanwalt noch Richter im Rahmen des Prozesses gegen Frau Hänel in der Lage sind, darauf hinzuweisen, dass bei einer Abtreibung kein Schwangerschaftsgewebe entfernt, sondern ein kleiner Mensch getötet wird, braucht sich niemand zu wundern, wenn die öffentliche Wahrnehmung dessen, was bei einer Abtreibung passiert, sich wandelt. Daraus nun zu folgern, die Moral habe sich geändert und deswegen müsse Werbung für Tötung nun erlaubt werden, ist jedoch fatal.“

„Wir brauchen keine Werbung für Tötung, sondern für das Leben,“ so Kaminski weiter. „Frauen benötigen Unterstützung und Ermutigung für ihr Ja zum Kind. Schade, dass das auf der Homepage von Frau Hänel gar nicht vorkommt.“

 


5 Kommentare on “Abtreibungswerbung: Hänel erneut verurteilt”

  1. Holger Jahndel sagt:

    Die vergessenen Toten – Neun von Zehn ungeborenen Kindern mit Down Syndrom werden vor der Geburt getötet

    https://gesundealternative.de/die-vergessenen-toten-kinder-neun-von-zehn-ungeborenen-kindern-mit-down-syndrom-werden-vor-der-geburt-getoetet/

    Eva Hermann: Schwangerschaftsabbruch – oft ein lebenslanger Albtraum

    https://gesundealternative.de/eva-herman-schwangerschaftsabbruch-oft-ein-lebenslanger-albtraum/

    https://gesundealternative.de

    „Philosophia Perennis“ – Weblog des Philosophen und Journalisten und Theologen David Berger

    https://philosophia-perennis.com/2019/02/27/eva-herman-abtreibung-oft-ein-lebenslanger-albtraum/

    https://philosophia-perennis.com/

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  2. Rita Renner sagt:

    Hier werden Tatsachen auf den Kopf gestellt. Natürlich wird bei einer Abtreibung nur Schwangerschaftsgewebe abgesaugt. Und wenn Frau Lehrerin Kaminski behauptet, wer sagt, bei einer Abtreibung werde lediglich Schwangerschaftsgewebe abgesaugt, der würde die Frauen und die Öffentlichkeit hinters Licht führen, dann führt Kaminski die Leute hinters Licht, wenn sie so tut, als wäre ein Embryo ein Mensch, als würden „Kinder abgetrieben“, als wäre Abtreibung „vorgeburtliche Kindstötung“, „Mord im Mutterleib“ und anderer Quatsch. Jede schwangere Frau hat das alleinige Recht, zu entscheiden, ob sie die Schwangerschaft austrägt oder abbricht, basta. Und die Paragrafen 218, 219 und andere hätten nie im StGB stehen dürfen. Abtreibung ist eine ganz normale medizinische Dienstleistung wie jede andere auch und auch die „Werung“ hierfür muss erlaubt sein.

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  3. Jürg Rückert sagt:

    Im Ärzteblatt Baden-Württemberg erschien jetzt ein Bericht eines Vorstandsmitglieds der Landesärztekammer.
    („Schwangerschaftsabbrüche im Südwesten“, ÄBW 12/19 S.632)

    „Was sind die möglichen Ursachen für die zunehmende Versorgungslücke“ (keine flächendeckende Abtreibungsgelegenheiten)? So fragt u.a. das ÄBW.
    Unter Punkt 3. „Der Druck auf Ärztinnen und Ärzte durch Abtreibungsgegner (sogenannte Lebensschützer) wächst. Das Land selbst kann keine Schutzzonen einrichten und verweist hier auf die Möglichkeit einer einer Ermessensentscheidung der zuständigen Behörden, um Frauen, Beratungsstellen und Ärzte zu schützen …“
    Unter Punkt 5. „Die Rahmenbedingungen müssen deutlich verbessert werden, um den beim Land liegenden Sicherstellungsauftrag noch besser unterstützen zu können. … Einbindung bestehender Klinikstrukturen und Schutz derselben vor Druck durch sogenannte Lebensschützer …“

    Die relevanten Aussagen der Ärztekammer:
    – „Sogenannte“ Lebensschützer: Eine Herabsetzung und Zuweisung in den Dunstkreis von Lügnern?
    – Sie bedrohen Frauen und Ärzte: Es beginnt eine Kriminalisierung (schon von Rosenkranz beten vor der Klinik).
    – Sicherstellungsauftrag des Landes, die Rahmenbedingungen zur leichteren Abtreibung verbessern: Immer nur als Einbahnstraße, als ein glatt geseifter „highway to hell“?

    Wo bringt sich die Ärztekammer konkret ein für Schwangere in Not?
    Wer schützt die Schwangeren, wer hilft ihnen in Notlagen anders als durch „saug ab“? Feten mit Down-Syndrom („Ballastexistenzen“?) als Beispiel dürfen (zur „Leidminderung“?) auf Wunsch der Mutter zu jedem Zeitpunkt der Schwangerschaft getötet werden.Was Pro Familia tatsächlich als Lebensschutz leistet interessiert niemanden. Gruppierungen mit helfenden Händen wie „1000plus“ werden verleumdet, beschmiert und sogar „entglast“ wie jüngst in Berlin (von sogenannten Frauenschützern?). Der Geist, der sich hier ausbreitet ist übel. Die Ärzteschaft wechselt die Seite. Ich schäme mich dafür. Die erfolgte Entkriminalisierung der abtreibenden Frauen kontrastiert mit der beginnenden Kriminalisierung der Abtreibungsgegner, an der sich auch Teile der organisierten Ärzteschaft beteiligen.

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    • Rita Renner sagt:

      Sehr geehrter Herr Rückert,

      Sie fragen „wer schützt die Schwangeren“? – Das ist eine mehr als merkwürdige Frage, denn die Schwangeren brauchen keinen „Schutz“ durch Bevormundung, durch Verleumdung („Vorgeburtliche Kindstötung“, „Mord im Mutterleib“), durch Androhung von Gefängnisstrafen, durch Verbot der „Werbung“(Information) zur Abtreibung.

      Solange keine schwangere Frau Sie auffordert, die schwangere Frau vor Abtreibung zu „schützen“ besteht Ihrerseits auch kein Handlungsbedarf.

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