Ich empfehle das kritische Buch „Eine Reise nach Medjugorje“ von Pfr. Rudo Franken

Von Cordula Mohr

Ich habe seit geraumer Zei feststellen müssen, dass Medjugorje-Freunde sich in Gemeinden und Ordenshäusern immer mehr Gehör verschaffen und Räume bekommen für ihre charismatischen Gebetsabende. 

Traurig auch, dass selbst bodenständige Gläubige  – vielleicht teils aus Neugier oder Effekthascherrei  – diesen angeblichen Erscheinungsort in Bosnien-Herzegowina besuchen.

Somit dachte ich mir, dass es wieder an der Zeit sei, selber noch einmal zu lesen und zu bedenken, was mich vor über zehn Jahren so eindeutig von meiner Hinneigung zu Medjugorje abgebracht hat und wodurch mein nüchterner Glaube eingeläutet wurde.

Viele vermeintlichen Besonderheiten von Medjugorje finden wir ähnlich auch an anderen „Erscheinungsstätten“, die kirchlich nicht anerkannt sind.

Ich las also erneut in dem interessant geschriebenen Buch „Eine Reise nach Medjugorje“ von Pfarrer Rudo Franken, einem holländischen Priester, das in mehreren Auflagen und Verlagen erschien, die erweiterte Auflage im gediegenen Augsburger Dominus-Verlag, den der katholische Theologe Dr. Peter Düren leitet.

Auffällig an den angeblichen Erscheinungen ist, dass anfangs zwei Seher/innen wieder abgesprungen sind und stattdessen andere Visionäre dazukamen, was ich recht seltsam finde. Zusätzlich gibt es dann noch die sog. Seher der „zweiten Generation“, die später folgten.

Und anscheinend hat diese „Madonna“ keinen bestimmten Ort, an dem sie erscheint, wie das etwa in Lourdes der Fall war, sondern sie folgt den Jungen und Mädchen „hinterher“, je nachdem, wo diese sich gerade befinden; so ist sie z.B. der Vicka auf einer Zugreise erschienen. Passenderweise spricht Vicka gern von einem „Plaudern“ mit der (angeblichen) Gottesmutter.

Aus der Beweisführung dieses Buches geht klar hervor: Von Anfang an wurde nicht die volle Wahrheit gesagt. Die visionären Mädchen und Jungen, die vom Kaplan der Pfarrei bei den ersten Befragungen unter Eid gesetzt wurden, haben sich mehrfach durchgeschwindelt.

So gingen sie vor der ersten Erscheinung eben nicht zu den Schafen, um diese zu suchen, sondern sie wollen Zigaretten rauchen – und dies gegen das ausdrückliche Wort der Eltern. Das stellte sich später nach Aussage einer Seherin heraus; auch beim amtlichen Gespräch mit Bischof Zanic konnten die Gruppe das nicht mehr leugnen.

In dem Buch sind viele Tonbandaufnahmen nachzulesen und man merkt deutlich, wie gründlich sich Pfarrer Franken (siehe Foto) mit Medjugorje und den Ereignissen befasst hat. Dabei werden einige „Botschaften“ auch theologisch in Frage gestellt. Mittlerweile wird es nach bald 40 Jahren immer absurder mit diesen „Offenbarungen“.

Für mich aufschlussreich ist auch der Test, der bei einer „Erscheinung“ vorgenommen wurde. Vicka und die anderen Seher/innen behaupteten nämlich, immer in einen Trancezustand zu geraten, wenn sie „Maria“ sehen.

Bei einer dieser Erscheinungen wurde ein Fingertest durchgeführt: Vicka zuckte erkennbar zurück, als ihr die beiden Finger vors Auge kamen. Nachher sah man sie mit Pater Vego gestikulierend im Gespräch, wohl um sich „abzusprechen“, wie man die peinliche Situation erklären soll. Danach gab sie bekannt, dass der Madonna das Jesuskind aus den Armen gefallen sei; sie habe es auffangen wollen. Bei dieser faulen Ausrede vergaß sie aber, daß sie sich bei einem solchen (ohnehin unsinnigen) Auffangen nach vorne und nicht nach hinten bewegt hätte.

Ein weiterer Punkt unter zahlreichen Ungereimtheiten: 

Etliche Seher/innen hatten vor dem Bischof mehrmals in Briefen sowie persönlich ausgesagt, die ungehorsamen Franziskaner Vego und Prusina nicht zu kennen.
Dabei waren ihnen diese Patres sehr wohl bekannt. Angeblich hat sich die Erscheinungsdame für die zwei Priester ausgesprochen, obwohl sie kirchliche Strafen erhielten, teils wegen unsittlichem Lebenswandel. Der für Medjugorje damals zuständige Bischof Zanic hatte nicht zuletzt durch diese Lügen sein anfängliches Vertrauen in die Medjugorje-Seher gänzlich verloren.

Es lässt tief blicken, wenn eine der Visionärinnen berichtet, einmal sei ihr nicht die angekündigte Madonna erschienen, sondern eine als „Maria“ verkleidete Gestalt, die sich plötzlich zum Teufel veränderte, worüber sie natürlich sehr erschrak.

Auffällig ist, wie sich die katholisch-charismatische Bewegung von Anfang an positiv über Medjugorje äußerte und sich vielfach dort sogar niederließ, teils bis heute (z.B. die „Gemeinschaft der Seligpreisungen“).

Diese Beispiele aus dem fundierten Buch, die sich beliebig vermehren ließen, haben mir erneut deutlich gemacht, dass man bestimmt nicht nach Medjugorje zu reisen braucht, um seinen Glauben zu stärken und zu beleben. Wir haben in Deutschland genügend bewährte und kirchlich anerkannte Wallfahrtsorte von Kevelaer am Niederrhein bis Altötting in Südbayern.

BUCH-Daten: Rudo Franken. Eine Reise nach Medjugorje. Bedenken hinsichtlich der Erscheinungen. Mit Beiträgen von Mark Waterinckx und Manfred Hauke. – 2., aktualisierte und erweiterte Auflage 2011. 320 Seiten. Paperback. ISBN 978-3-940879-15-8. Preis 19,80 €.

Bestellungen bei uns oder direkt hier beim Dominus-Verlag: https://shop.strato.de/epages/61306125.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/61306125/Products/%22061%20Eine%20Reise%20nach%20Medjugorje%22


3 Kommentare on “Ich empfehle das kritische Buch „Eine Reise nach Medjugorje“ von Pfr. Rudo Franken”

  1. piomolaioni sagt:

    Kevelar mag schon am Niederrhein liegen, Altötting aber keinesfalls im Bayerischen Wald!

    Liken

  2. th.neumann sagt:

    Ich habe das Buch gleich nach Erscheinen gelesen und habe es weiterempfohlen. Zu dem Autor hatte ich Kontakt aufgenommen, er war freundlich und entgegenkommend.
    Ich habe ihm Unterlagen über diverse Medju-Aktivitätengeschickt. Aktivitäten, die im Bistum Münster stattgefunden hatten – mit Wissen der Bistumsleitung.
    Unvergesslich die Live Inszenierung einer Marienerscheinung durch eine Medju-Seherin im November 2011 im Pilgerzentrum Kevelaer, eingeladen von der Gebetsgemeinschaft Maria Pacis, unterstützt vom ehemaligen Wallfahrtsleiter Schulte-Stade und seinem gerade eingeführten Nachfolger Lohmann (jetzt Weihbischof). Ein Skandal sondergleichen! Besorgte Nachfrage beim Generalvikariat wurde nicht beantwortet.
    2013 habe ich mich darüber und über andere Medju-Angelegenheiten an die Diözesanstelle für Sekten-und Weltanschauungsfragen gewendet. Die Leiterin dieser Stelle, im letzten Jahr in Rente gelobt und von Kirche und Leben als „mutige Frau“ gewürdigt, bat mich, doch einfach selbst nach Rom zu schreiben. Wörtlich sagte sie: „Wenn unsere Bistumsleitung so etwas duldet, möchte ich mich da nicht selbst reinhängen. Ich möchte mich nicht mit der „Schaltzentrale“ anlegen!“ (Soviel zum vielgelobten „Mut“ dieser Diözesanbeauftragten Person).

    Ein Kirchenrektor einer Kirche der Münsteraner Innenstadt sagte 2012 zu mir: „Mir ist es nicht wichtig, ob Medjugorje echt ist oder nicht, kirchlich anerkannt oder nicht, wichtig ist mir nur, dass sich die Menschen dort in Massen bekehren und in Massen zu Kommunion gehen…und das möchte ich unterstützen…..“
    Man bedenke, wie aufdringlich bis letztes Jahr die Pfarrei Sankt Mauritz in Münster mit der Medjugorje-Madonna auf ihrer offiziellen Webseite geworben hatte. Auf Anfrage wollte sich der verantwortliche Pfarrer nicht äussern und verlegte sich auf den Pastoralstil „Schweigen und Aussitzen.“

    Ich bin froh, dass Pfarrer Franken dieses Buch geschrieben hat.
    Zeitgleich kam damals noch von einem anderen Geistlichen das kritische Buch „Medjugorje verstehen“ heraus, das aber leider viel teurer als das Buch von Pfarrer Franken war.
    Pfarrer Franken hat theologisch fundiert und sehr volksnah geschrieben und sehr anschaulich die Lügen der angeblichen Seher und ihres Umfeldes aufgedeckt.

    Gefällt 4 Personen


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