Theologin Hoffmann auf der MEHR-2020: Denkfaulheit contra Glaubenszweifel?

Von Felizitas Küble

Heute geht die charismatisch-öumenische MEHR-2020 in Augsburg zu Ende. Erstmals wurden in die emotional geprägte Konferenz auch speziell theologische Impulsreferate eingebaut, um dem Vorwurf entgegenzuwirken, die Veranstaltung setze nur auf rauschhafte Gefühle und Schwärmerei.

Das bischöflich-katholische Internetportal „Katholisch.de“ berichtet aktuell über diesen Versuch des Gebetshauses Augsburg, das intellektuelle Profil der Konferenz zu stärken: https://www.katholisch.de/artikel/24106-theologin-auf-mehr-konferenz-zweifel-ist-fuer-glaeubige-wichtig

In dem erwähnten Artikel heißt es:

„Zweifel ist nach Ansicht der Theologin Veronika Hoffmann kein Zeichen eines schwachen Glaubens. „Wenn man Anbetung und Zweifeln gegenüberstellt, ist das nicht fromm, sondern denkfaul“…Die Dogmatik-Professorin äußerte sich beim Forum „Mehr Theologie“ auf der ökumenischen Christenkonferenz „Mehr“….Hoffmann erklärte weiter: „Ist Zweifeln gefährlich? Ja – für die eigene Bequemlichkeit, Naivität und heimliche Arroganz“ in Bezug auf das vermeintliche Wissen über Gott.“

 
Die hier dargestellte Position der Theologin ist etwas durchwachsen, weil sie zwischen Zweifeln und Glaubensschwierigkeiten nicht unterscheidet:
Wenn ein Christ nicht an den Glaubenslehren zweifeln  w i l l , sondern einfach bestimmte Inhalte rational nicht versteht, dann ist das nur eine Glaubensschwierigkeit, denn sie findet lediglich im „Kopf“ statt, nicht in der Willensabsicht.
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Unter „Zweifel“ versteht man in der katholischen Theologie aber üblicherweise etwa anderes, nämlich ein bewußtes, willentlich gesteuertes Abstandnehmen bzw. Distanzieren von der amtlichen Glaubenslehre.
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Recht hat die Dogmatikerin freilich mit ihrer Aussage: „Persönliche Gotteserfahrungen seien wichtig, doch sie könnten nicht allein stehen. „Nicht alles, was sich fromm anfühlt, ist von Gott.“ Man könne etwa auf der „Mehr“-Konferenz auch „psychisch gepusht“ sein.“
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Genau dies ist einer unserer Kritikpunkte seit Jahr und Tag!
Ähnlich mißverständlich bis irreführend wie das Zweifel-Thema erscheinen die Ausführung des Neutestamentlers Thomas Schumacher. Wie „katholisch.de“ schreibt, ging es um die Frage, ob die biblischen Inhalte stimmen: Der Professor antwortete, eine geistige Betrachtung der Heiligen Schrift könne mehr zu Jesus führen als Fragen nach historischen Fakten. Wichtig sei das Echo der Lektüre im Leser.“
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Damit macht es sich der Herr Theologe aber zu einfach – und zwar zweifach:
1. Die Frage nach der historischen Richtigkeit der Heiligen Schrift kann nicht mit dem schlichten Hinweis hinweggefegt werden, eine „geistige Betrachtung“ der Bibel könne mehr zu Jesus führen (als ob das jemand bestritten hätte). Damit weicht der Referent nämlich einem klaren JA zur Zuverlässigkeit der Heiligen Schrift geschickt aus.
2. Die Aussage „Wichtig sei deas Echo der Lektüre im Leser“ ist auch nur halbrichtig, denn damit wird erneut der Focus von der objektiven auf die subjektive Ebene verschoben. In einem frommen Stuhlkreis mag das angehen, für einen theologischen Standpunkt ist dies aber schmalspurig.
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Es zeigt sich somit, daß diese beide Vortragsredner auf der MEHR-Konferenz ihren Hörern keine klare Orientierung vermittelt haben, sondern dem ohnehin schon vorhandenen Subjektivismus dieser schwärmerisch geprägten Konferenz auch  noch eine quasi-theologische Rechtfertigung anboten.
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HIER weitere ca. 20 Artikel über die MEHR-Konferenz und das Gebetshaus Augsburg von Dr. Johannes Hartl: https://charismatismus.wordpress.com/category/visionen-und-charismatik-kritik/gebetshaus-augsburg-j-hartl/

16 Kommentare on “Theologin Hoffmann auf der MEHR-2020: Denkfaulheit contra Glaubenszweifel?”

  1. Holger Jahndel sagt:

    Griechisch „Mystaerion“ – siehe auch Ambrosius bzw. Ambrosios zu den Mysterien „De Mysteriis“ und den Glaubensgeheimnissen und den Benediktiner Odo Casel und Clemens von Alexandrien als Heiliger Klemens und seinen Schüler Origenes und Gregor Thaumaturgus und Lactantius als Laktanz und Dionysios Areopagita und Justin den Märtyrer als Kirchenlehrer und Kirchenvater und den Heiligen Irenaeus von Lyon und Philo(n) von Alexandrien und Euebius und Johannes Chrysostosmus und Johannes „Scottus“ Eriugena

    https://www.ricpet.de/vom-ehelosigkeit-ehescheidung-vom-ehebrechen.html

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  2. Anonymous sagt:

    Frau Küble,

    Ihre Logik funktioniert nicht. Sie vergleichen Äpfel mit Birnen und vertreten so eine Art verbrämten Cessationismus. Deshalb ist der Glaube, den Sie hier präsentieren, nicht wirklich lebendig, sondern starr und formelhaft. Sie errichten Gedankengebäude um den christlichen Glauben herum wie Zäune, um ja nicht versucht zu werden und die Kontrolle zu behalten. So funktioniert es aber nicht und so hat es Christus auch nicht eingerichtet. Der Geist weht vielmehr wo er will und die, die aus dem Geist geboren sind und leben, sind jeder menschlichen Beurteilung entzogen.

    Zumal uns ja auch „nachbiblisch“ verheißen ist, dass diese Zeichen denen folgen werden, die IHN verkünden: Dämonenaustreibungen, Heilungen u.a. Insoweit ist die Heilsgeschichte immer noch am Laufen. Biblisch abgeschlossen sind NUR heilsnotwendige Lehren bzw. das, was das Evangelium ist und NICHT alles das, was Leben im Geist und in der Vollmacht Jesu betrifft. Wobei nicht einmal das Neue Testament eine historische Abgeschlossenheit bezüglich aller Ereignisse, die mit Jesus Christus zusammenhängen, behauptet. Was wir dort lesen, ist nur eine Auswahl der Geschehnisse.

    Wenn unser Heil darin besteht, den Vater und Jesus zu kennen, dann müssen wir ihm begegnen. Und das geht nicht, ohne etwas mit ihm erleben.Gott hat uns so geschaffen.

    Aber Sie können gerne Karl Rahner widersprechen, der als DER Konzilstheologe schlechthin Ihrer Kirche gilt.

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  3. Anonymous sagt:

    Herr May,

    ich denke, dass Sie falsch liegen. Sie beziehen sich auf einen einzigen Vers zur Begründung ihrer „Null-Erfahrung-Nötig-Theologie“, den Sie ohne weitere Begründung frei auslegen. Das ist nie haltbar. Um Wiederholungen zu vermeiden, verweise ich auf meine Schriftbetrachtung zu diesem Thema vom 06.10.2019, die man hier finden kann:

    https://charismatismus.wordpress.com/2019/10/05/geistliche-irrefuehrung-durch-die-letzte-reformation-des-torben-sondergaard/#comment-95822

    In diesem Zusammenhang weise ich darauf hin, dass das Neue Testament ohne erlebbare Zeichen und Wunder schlicht nicht denkbar ist. Ohne die übernatürliche Menschwerdung Christi, ohne den Engel, der Maria verkündet, dass sie den Erlöser gebären wird, der Josef dazu auffordert, Maria nicht zu verlassen, und ohne alle die anderen oft einschneidenden übernatürlichen Ereignissen hätte das NT nicht geschrieben werden können. Dies lässt allein den Schluss darauf zu, dass es Gottes Wille ist, das wir übernatürliche Erfahrungen mit ihm machen.

    Echter Glaube selbst ist bereits übernatürlich. Und deshalb können wir zu Recht erwarten, dass er Übernatürliches erlebbar offenbart. Natürlich nicht nach unseren Vorstellungen und Bedingungen. Und auch nicht ständig. Aber doch eindeutig realitätsverändernd.

    Sollten Sie darauf antworten wollen, bitte ich um eine fundierte Stellungnahme, die alle wesentlichen neutestamentlichen Aussagen zu dem Thema berücksichtigt.

    Mit freundlichen Grüßen

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    • Guten Tag,
      schon auf den ersten Blick erkennt man in Ihrer „Logik“ eine Verwechselung:
      Die Heilige Schrift ist göttlich inspiriert, daher sind ihre Berichte zuverlässig und wir glauben als Christen mit Recht an die biblische Botschaft samt ihren Wundern, übernatürlichen Ereignissen usw.
      Es handelt sich um die Selbstmitteilung, um die Offenbarung Gottes, die uns in der Hl. Schrift und der apostolischen Überlieferung verkündet wird.
      Diese gläubige Gewißheit einer göttlichen (!) Inspiration haben wir aber nicht bei nach-biblischen „Wundern“ (mit oder ohne Gänsefüße), „Propheten“, vermeintlichen „Geistträgern“, übrigens auch nicht ohne weiteres bei eigenen Glaubenserfahrungen.
      Sie vergleichen also diese beiden Ebenen miteinander, als seien sie gleichartig, dabei sind sie nicht nur graduell, sondern essentiell verschieden.
      Natürlich sind Fügungen und übernatürliche Erlebnisse eine schöne Stärkung unseres Glaubens, aber nicht das Fundament und auch nicht notwendig.
      Wie sagte doch Paulus: „Wir wandeln im Glauben, nicht im Schauen.“
      Freundlichen Gruß!
      Felizitas Küble

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      • Anonymous sagt:

        Frau Küble,

        ich verwechsel gar nichts, sondern bezog mich ausdrücklich auf die Schrift.Nirgends habe ich behauptet, persönliche Glaubenserfahrung sei der Schrift gleich zu stellen. Das können Sie auch nicht belegen.

        Aber gerade die Schrift selbst ermutigt uns, ein lebendigen Glauben zu haben, der das Erleben mit Gott beinhaltet. Denn die Gläubigen sind selbst Empfänger und Träger göttlicher Selbstmitteilung. Paulus schreibt dazu:

        „Unser Brief seid ihr; eingeschrieben in unsere Herzen und von allen Menschen erkannt und gelesen. Unverkennbar seid ihr ein Brief Christi, ausgefertigt durch unseren Dienst, geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes, nicht auf Tafeln aus Stein, sondern – wie auf Tafeln – in Herzen von Fleisch.“ (2. Kor. 3, 2 und 3) „Er hat uns fähig gemacht, Diener des Neuen Bundes zu sein, nicht des Buchstabens, sondern des Geistes. Denn der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig.“ (2. Kor. 3, 6)

        Sehen Sie, dass er damit unser geistliches Leben, welches Erleben mit Gott notwendig beinhaltet, als Botschaft Gottes betrachtet?

        An unserer Liebe zueinander soll man Gott erkennen. Christus in uns ist die Hoffnung der Herrlichkeit.

        Das alles bedeutet nichts anderes als dass Gott das Risiko eingeht, sich nicht nur durch die Schrift, sondern durch uns selbst in all unserer Subjektivität zu offenbaren. Das geschieht durch Christus in uns. Der Neue Bund ist eben davon geprägt, dass die Selbstoffenbarung Gottes letztgültig eben nicht durch die Schrift, sondern durch den Sohn erfolgt. (vgl. Hebr. 1,1) Und wenn wir mit ihm verbunden sind durch Taufe und Glauben, dann werden wir zu Trägern dieser Selbstoffenbarung.

        Wenn wir also persönliche Erfahrungen mit Gott machen, dann hat das immer Einfluss darauf, wie wir Gott repräsentieren. An dieser Tatsache zerbricht einseitiger Rationalismus im Glauben.

        Natürlich trifft es zu, dass Menschen manchmal entweder lügnerisch vorgeben, eine Erfahrung mit Gott zumachen bzw. gemacht zu haben oder sich diesbezüglich irren. Deswegen sollen wir ja die Geister prüfen. Aber das führt eben nicht dazu, den wichtigen Erfahrungsaspekt des christlichen Glaubens zu negieren und über Bord zu werfen.

        Gott geht mit uns hohe Risiken ein. Deshalb können wir dieses Risiko auch nicht vermeiden. Gerade Katholiken sollten das im Blick auf die Kirchengeschichte wissen. Gerade Katholiken betonen ja immer die „Tradition“ oder die Überlieferung, was aber im Ergebnis nichts Anderes bedeutet als dass offenbar die Schrift allein nicht ausreicht. Insofern verwundert mich Ihr „protestantischer Ansatz“.

        Ich bin selbstverständlich der Überzeugung, dass jedes Erleben mit Gott dem Gesamtzeugnis der Schrift nicht widersprechen darf. Aber das ist eben geistlich zu beurteilen und nicht nach dem Buchstaben.

        Jesus gibt sich in den Evangelien große Mühe, den Glauben an seinen Vater „erlebbar“ zu machen durch Zeichen und Wunder. Wieso sollte er das gleichzeitig gering schätzen? Ich halte ihn nicht für eine in sich widersprüchliche Persönlichkeit. Es sind persönliche Erfahrungen mit Gott, die die Weltgeschichte verändert haben. Mose vor dem brennenden Dornbusch, Abraham, der sich von Gott ansprechen lässt und mit ihm sogar verhandelt; Jakob, der mit Gott ringt usw. usf. Ohne diese persönlichen „Geschichten“ hätten wir keine Heilsgeschichte.

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      • Guten Tag,
        Sie haben die Wichtigkeit heutiger Zeichen und Wunder bzw. Erfahrungen sehr wohl ausdrücklich damit begründet, daß dergleichen in der Heiligen Schrift vorkommt, obwohl diese Bezugnahme nicht haltbar ist, weil die Bibel von objektiver Gültigkeit und Gewißheit ist, nachbiblische Erlebnisse, Phänomene aber nicht.
        Ich hatte doch ausdrücklich die „apostolische Überlieferung“ neben der Bibel erwähnt, von „protestantischem Ansatz“ also keine Spur.
        Zudem ist es gerade die katholische Dogmatik, welche betont, daß die göttliche Offenbarung mit dem Tod des letzten Apostels abgeschlossen ist.
        Das ist genau genommen nicht „nur“ ein Dogma, sondern ein Axiom, eine Denkvoraussetzung bzw. theologische Grundgegebenheit der katholischen Lehre.
        Übrigens kam dieser Satz über die Abgeschlossenheit der göttl. Offenbarung auch im Antimodernisteneid vor.
        Freundlichen Gruß!
        Felizitas Küble

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    • Thomas May sagt:

      Leider reden Sie, nicht zum ersten Mal, am Thema vorbei.
      Eine von Ihnen so genannte „Null-Erfahrung-Nötig-Theologie“, die Sie mir unterstellen, habe ich gar nicht vertreten.
      Ich spreche von Joh 20,29b ausgehend von Beweisen (objektiv), Sie sprechen von Erfahrungen (subjektiv), in deren Nebel sich alles Mögliche unterbringen lässt.
      Solange Sie Begriffe nicht sauber unterscheiden und Ebenen durcheinanderbringen, ist eine Auseinandersetzung mit Ihnen fruchtlos.

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      • Anonymous sagt:

        Sorry, aber Sie versuchen, Ihre subjektive Auslegung von Joh. 20, 29 als objektiv zu verkaufen. Der Kontext und das Gesamtzeugnis der Schrift trägt Ihre Auslegung aber nicht. Oder wollen Sie mir jetzt im Ernst behaupten, Thomas und alle anderen Apostel, deren Glauben auf dem SEHEN des Auferstandenen beruhte, seien „nicht selig“, weil sie nicht „blind“ geglaubt haben?

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  4. Anonymous sagt:

    Frau Küble,

    meiner Ansicht nach frönen Sie einem einseitigen religiösen Rationalismus, den Sie zum Maßstab zur Beurteilung alles „Religiösen“ nehmen. Das kann aber nicht funktionieren. Genau deshalb haben Sie in Wahrheit keine geistliche Handhabe, das Charismatische zu beurteilen.

    Denn Gott kann man nicht begreifen. Das liegt daran, dass Gott kein Objekt der Schöpfung ist. Man kann ihm nur Vertrauen schenken. Im Buch der Sprüche 3, 5-6 heißt es, man solle nicht auf den eigenen Verstand setzen, sondern in ALLEM den Herrn suchen und ihm vertrauen. Gott selbst zeigt in Jesaja 55, 8 und 9 auf, wie wenig unsere Rationalität geeignet ist, IHN zu erkennen:

    „Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der HERR. Denn wie der Himmel höher ist als die Erde, so sind meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.“

    Nicht von ungefähr gibt es auch unter den Scholastikern die sog. „negative Theologie“, die letztlich besagt, man könne eigentlich nur wissen, wie Gott nicht ist. Das ist für mich auch immer wieder sehr tröstlich.

    Dieser große Gott, den wir nicht im Ansatz begreifen können, offenbart sich uns. Und das haben wir bitter nötig. Doch auch insoweit ist unsere Erkenntnis Stückwerk. (vgl. 1. Kor. 13,9) Das neutestamentliche Zeugnis besteht im Wesentlichen darin, dass sich Gott als Vater durch Jesus Christus offenbart. Damit aber sind wir schon beim Kern:

    Es geht um Beziehung mit Gott und nicht um Wissen „über“ ihn. Den Vater und Jesus persönlich zu kennen, ist das ewige Leben. (vgl. Joh. 17,3) Deshalb sagt Paulus auch, dass er Jesus so erkennen möchte, wie er von Jesus erkannt wurde. Alles „Religiöse“, was dahinter zurück bleibt, reichte Paulus einfach nicht aus. Und mir auch nicht.

    Das bedeutet natürlich nicht, dass der christliche Glaube keine objektiven Tatsachen kennen würde oder dass diese unwichtig wären. Sie sind insoweit sehr wichtig, als sie der Aufnahme und Beständigkeit dieser Beziehung zum Vater und zum Sohn notwendig vorausgehen und ihr dienen. Zu solchen unverzichtbaren objektiven Tatsachen gehören vor allem, aber nicht nur, die Kreuzigung und Auferstehung Jesus Christi.

    Das Problem ist nur: Man kann das alles glauben im Sinne von „für wahr halten“ und dennoch keine erlösende Beziehung zu Gott haben. Einseitiger Rationalismus, der so tut, als sei es unwichtig, Gott persönlich zu begegnen und auch etwas mit ihm zu erleben, fördert leider einen blutleeren Glauben.

    Auch deshalb tut es mir immer wieder weh, wenn Sie pauschal verurteilend von „Schwärmerei“ reden. Denn für mich sind Momente der persönlichen Begegnung mit Gott kostbar.

    Karl Rahner hat das so ausgedrückt:

    „Der Fromme von morgen wird ein ‚Mystiker‘ sein, einer, der etwas ‚erfahren‘ hat, oder er wird
    nicht mehr sein.“

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  5. Thomas May sagt:

    Leider herrscht heute in der Kirche geradezu ein überschwängliches „Lob des Zweifels“ vor.
    Zweifel (an Gott, am Glauben insgesamt oder einzelnen Glaubensartikeln) gehören sozusagen zum guten Ton des („kritischen“) Christen, sind Ausdruck der Ernsthaftigkeit, Reflektiertheit, Aufgeklärtheit seines Christseins.
    Wer dagegen niemals zweifelt, macht sich verdächtig. Wahrscheinlich ein Fundamentalist, der seine insgeheime Unsicherheit nur nicht zulassen will, sich leichtgläubig abspeisen lässt, zu faul zum eigenständigen Denken ist oder sich sektenmäßig „abschotten“ möchte.
    So findet eine groteske Umwertung statt: Wer zweifelt, ist ein guter (fortschrittlicher) Christ, wer treu zu Gott und zum Glauben steht und an den von der Kirche gelehrten Wahrheiten festhält, ist ein schlechter (rückständiger) Christ.
    Dazu ist zu sagen: Natürlich können (Glaubens-)Zweifel positiv sein, den Zweifelnden weiter bringen, als er ohne den Zweifel gekommen wäre, seinen Glauben sogar vertiefen, wenn es ihm gelingt, seinen Zweifel zu überwinden. Der die Wunden des Auferstandenen berührende „ungläubige“ Jünger Thomas ist das beste Beispiel dafür.
    Und doch gibt der Herr denen den Vorzug, die nicht sehen und doch glauben.
    Es gibt tatsächlich Menschen, die so tief im Glauben verwurzelt sind, die so nah und innig in Verbindung mit Gott stehen, dass sie niemals zweifeln. Das ist nicht allein ihr „Verdienst“, sondern hat viel mit Gnade zu tun.
    Verdächtig ist es nicht im Geringsten.

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    • Anonymous sagt:

      „Und doch gibt der Herr denen den Vorzug, die nicht sehen und doch glauben.“

      Das ist nicht richtig. Es geht nicht um einen Vorzug. Alle 12 Jünger haben den Auferstandenen gesehen und daraufhin geglaubt. So hat es Gott vorgesehen. Waren die also nicht bevorzugt = benachteiligt? Paulus beruft sich ausdrücklich darauf, als er sich gegen solche wendet, die die Auferstehung bezweifeln. So wie er sich auf seine eigene Begegnung mit dem HERRN beruft. Auch Johannes auf Patmos braucht diese Begegnung.

      Bei dem Wort von Jesus gegenüber Thomas geht es deshalb um die, die nach seiner Himmelfahrt Christen sein werden. Sie können Jesus nicht so sehen wie Thomas und alle anderen Jünger. Das ist ein faktischer Unterschied, kein qualitativer.

      Es bedeutet vor allem nicht, dass unser Glaube erfahrungslos sein soll. Das ganze Neue Testament sagt etwas Anderes.

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      • Thomas May sagt:

        „Selig sind die, die nicht sehen und doch glauben“ (Joh 20,29b).
        Die Seligpreisung Jesu ist ein unmissverständliches Statement zugunsten derer, die auch ohne „Beweise“ glauben.
        Der wirkliche Glaube benötigt keine Beweise, er kann zum inneren Frieden kommen ohne letzte Gewissheit.
        Die von Ihnen bemühte moderne (und oft modisch überhöhte) Kategorie der „Erfahrung“ ist viel zu vielschichtig und diffus, um an dieser Stelle etwas Brauchbares für die Auslegung herzugeben.

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  6. gerd sagt:

    „Der Professor antwortete, eine geistige Betrachtung der Heiligen Schrift könne mehr zu Jesus führen als Fragen nach historischen Fakten.“

    „Das ist der Jünger, der von diesen Dingen Zeugnis ablegt und dies geschrieben hat; und wir wissen, daß sein Zeugnis wahr ist.“ (Joh:21,24)
    Der hier von sich selber spricht, ist Johannes, der Jünger, den Jesus liebte. Dieser fordert den Leser auf, die historischen Fakten nicht zu leugnen, weil sein Zeugnis wahr ist. Das zumindest ist mein Ergebnis aus der geistigen Betrachtung dieser Schrifstelle.
    Lukas z.B. berichtet von „Tatsachen, die unter uns völlig erwiesen sind“ (Luk:1,1) Im weiteren Verlauf nennt er Namen und Zeiten „In den Tagen des Herodes, des Königs von Judäa, lebte ein Priester mit Namen Zacharias, aus der Abteilung Abijas. (Luk:1,5)
    Auch hier komme ich nach der geistlichen Betrachtung zu dem Ergebnis, dass die Evangelisten keine Phantasten oder Märchenerzähler waren, sondern Wert darauf legten, ihre Berichte als Tatsachen zu lesen. Erst wenn das geglaubt wird, lohnt eine geistige Betrachtung. Ansonsten könnte ich auch über jedes Grimmsche Märchen geistig nachdenken.

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  7. Cornelia Vogt sagt:

    Keine DenkFAULHEIT liegt vor im Glauben.
    GOTT FEHLT.
    SIE LAUFEN JENEN HINTERHER, WEIL SIE FÜHRUNG SUCHEN.

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    • Anonymous sagt:

      Wer läuft denn wem nach? Und liegt es nicht im Wesen des Katholizismus, menschlichen „Führern“ nachzulaufen wie dem Papst und den Bischöfen? Und wenn diese dann die Richtung scheinbar nicht klar vorgeben, erhebt sich sofort ein Wehklagen und Angst vor Orientierungslosigkeit und Glaubensabfall. Das haben ich jedenfalls in letzter Zeit sehr oft gehört und gelesen.

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