MEHR-Konferenz: Weniger wäre MEHR…

Von Felizitas Küble

Das erscheinungsbewegte Infoportal „Kath.net“ befand sich während der charismatischen MEHR-Konferenz wohl unentwegt im 7. Himmel mit täglich mehreren Jubel-Artikeln. Da kam zusammen, was zusammengehört.
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Gestern berichtete Kathnet-Autor Peter Winnemöller unter dem Titel „MEHR geht immer“ live von der MEHR-2020 – natürlich voll des Lobes, wenngleich er sich als bodenständiger Westfale outet, dem es z.B. bei der charismatischen Lobpreismusik schwerfalle, die Hände noch oben zu strecken.
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Doch grundsätzlich nimmt er die MEHR-Konferenz stark in Schutz vor den  – wie er wörtlich und vielsagend schreibt  – „üblichen Verdächtigen“.
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Nächster Satz: „Es sind gerade alle jene, denen alles Fromme, alles Beten suspekt ist. Jene, denen Mission als Kampfbegriff erscheint.“
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Der Verfasser verrät uns aber nicht, welche schlimmen Kampf-Atheisten die MEHR angeblich bekämpfen. Charismatische Großveranstaltung
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Immerhin fällt ihm dann ein, daß es z.B. neben der „akademischen Theologie“ noch weitere Kritiker gibt:
„Auch Vertretern des konservativen Spektrums ist die MEHR mehr oder weniger ein Dorn im Auge. Hurra-Katholizismus nannte es der Cathwalk schon vor vier Jahren und wiederholte diese Kritik aktuell auf Facebook….Der Begriff „Hurra- Katholizismus“ ist sicher ein Kampfbegriff, den man einfach als solchen ansehen sollte. „
Hallo, Herr Winnemöller, unser CHRISTLICHES FORUM geht seit vielen Jahren deutlich weiter in seiner Skepsis, was Ihnen vielleicht entgangen sein mag.
Aus unserer Sicht ist die MEHR und das Gebetshaus Augsburg nicht nur geprägt durch ein gefühlsbetontes Halleluja-Christentum (was noch relativ harmlos wäre), sondern deutlich MEHR, nämlich geradezu schwarmgeistig.
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Noch etwas: Indem man Kritikerworte rundweg als „Kampfbegriff“ herabwürdigt, hat man noch kein einziges Gegenargument vorgebracht, sondern lediglich eine sprachliche Abwertung vollzogen.
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Die enormen Kosten der MEHR rechtfertigen aus Winnemöllers Sicht die hohen Eintrittspreise und Spendenaufrufe:
„Schönheit spielt eine enorme Rolle. Wenn gilt, dass das Auge auch beim Gebet mit isst, wird man hier für Wochen oder Monate genährt. Dann wird auch einsichtig, dass Schönheit einen Preis hat. Die MEHR kostet und nicht zu knapp. Trotz der hohen Preise decken die Eintrittskarten die Kosten nicht….Man kann fragen, ob man alles so teuer und so hochwertig machen muss. Die Antwort auf die Frage geben die Teilnehmer. Sie kommen und zahlen ohne zu murren den Preis den kostet. Also ist es ihnen das wert und damit hat man die Antwort.“ (Die Tipp- und Kommafehler entstammen dem O-Ton.) 
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Spielt „Schönheit“ in der Verkündigung Christi auch eine „enorme Rolle“? Oder geht es bei IHM statt um Schoweffekte und Ästhetik in erster Linie um den Inhalt, um Gottes Wort und Wegweisung?
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Würde weniger „Schönheit“ nicht mehr Inhalt in den Mittelpunkt rücken? Aber wäre dann die Konferenz noch charismatisch? Gilt doch in diesen Kreisen das begeisterte Gefühl  – man kann auch sagen: ein Erfahrungsglaube – mehr als das „Brot“ einer vermeintlich „trockenen“ Lehre!
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WENIGER Show, Krachmusik und Glitzerkam wäre tatsächlich MEHR – aber das setzt ein MEHR an wirklichem Glauben voraus, der es nicht nötig hat, ständig auf Wolke 7 zu schweben.
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Weitere 20 kritische Artikel zu MEHR und dem Gebetshaus Augsburg siehe hier: https://charismatismus.wordpress.com/category/visionen-und-charismatik-kritik/gebetshaus-augsburg-j-hartl/

10 Kommentare on “MEHR-Konferenz: Weniger wäre MEHR…”

  1. Neukatholikin sagt:

    Bin keineswegs ein Fan der MEHR-Konferenz, möchte aber doch deren Bemühen um Schönheit verteidigen. Allerdings habe ich mir die Ausstattung nicht angesehen (sollte ich nachholen). Aber eines der Argumente für die „Alte Messe“ ist gerade, dass für Gott und daher für Seinen Altar nichts schön genug ist. Daher das Gold, die Blumendekoration, auch die Gewandung der traditionellen Priester.

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    • Guten Tag,
      Schönheit ist nicht gleich Schönheit, so wie Kitsch nicht gleich Kunst ist.
      Zwischen grellen Blitzlichtern im Disco-Stil und einem gediegen-schönen Altar besteht vielleicht noch ein Unterschied.
      Freundlichen Gruß!
      Felizitas Küble

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  2. killema sagt:

    NIcht jeder, der HERR HERR sagt, wird ins Himmelreich eingehen, sondern wer den Willen meines himmlischen Vaters erfüllt.“———————————————————-

    Sehr geehrte Frau Küble.Es wurde Zeit,dass das mal geschrieben wurde.Nicht jeder,der in der Kirche in der ersten Bank sitzt,ist dort um zu Beten.

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    • Guten Tag,
      vielleicht beruhigt es Sie: ich sitze fast immer in der letzten Bank.
      Aber auch hierauf kommt es nicht an.
      Freundlichen Gruß!
      Felizitas Küble

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    • Marienzweig sagt:

      Ich gestehe, dass ich mich aufgrund der Frage, in welcher Bankreihe man sitzt, etwas getroffen fühle.
      In der Regel sitze ich nicht gerade in der ersten, aber doch in der dritten Bank.
      Dafür gibt es zwei Gründe.
      Der erste ist der, dass ich nicht mehr so optimal höre, aber die Predigt hören möchte.
      Der zweite Grund ist, dass ich dem Geschehen am Altar folgen möchte und nicht auf die mehr oder weniger breiten Rücken der vor mir Stitzenden schauen.
      Lange kämpfte ich mit der Sorge, ob die Tatsache, dass ich mich recht weit vorne aufhalte, dies als Stolz interpretiert werden könnte und als das Bedürfnis, gesehen werden zu wollen.
      Inzwischen spielt diese Befürchtung keine Rolle mehr, da ich ja ohnehin nicht darüber bestimmen kann, was die anderen Kirchenbesucher denken.

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  3. Cornelia Vogt sagt:

    Den Glauben „LEIDENSCHAFTLICH LEBEN“.
    FALSCH!!!
    IN SICH GEKEHRT, ABGEWANDT VON KRACHMACHERN UND SHOW.
    OHNE JEGLICHES GELD EINZUNEHMEM…..
    G R A T I S VON A BIS Z.
    D A S IST NACHFOLGE JESU.
    SELBSTKOSTEN TRAGEN.
    S E L B E R ZAHLEN, G E B E N.

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  4. gerd sagt:

    Ich schätze Peter Winnemöller als katholischen Blogger sehr und lese dort regelmäßig. Er sagt vieles richtig und seine Analysen über die katholische Kirche in Deutschland sind sehr treffend und auf den Punkt gebracht, ohne etwas zu beschönigen.
    Seine wohlwollenden Worte über die MEHR-Konferenz seien ihm unbenommen, rühren sie m.E. auch aus der Tatsache, dass die Amtskirche vollkommen herunter gewirtschaftet ist und diesen Bankrott nun im synodalen Weg entgültig machen wird, es sei denn, Gott schreitet ein.
    Der „Erfolg“ der MEHR ist auch auf die Tatsache zurück zu führen, dass wir als Christen zu 99,9% Analphabeten in Sachen Glaubenswissen sind. Einfachste Glaubenswahrheiten, die unsere Großeltern und Eltern noch im Schlaf aufsagen konnten, sind heute unverständige Formeln für scheinbar aufgeklärte, mündige und kritische Christen.
    Seit zwei Generationen findet der Glaube und die dafür notwendige Katechese in unserem Land nicht mehr statt. Die Erlösungsbedürftigkeit des Menschen ist allerdings nach wie vor vorhanden. Da ist ein Event wie die MEHR, die in allererster Linie auf zeitgemäße Projektion ihrer Inhalte setzt, für die suchenden und fragenden Menschen ein verlockendes Angebot.
    Wenn Herr Hartl z.B. zu einer Rosenkranzandacht einlädt, in einer kleinen Dorfkirche, gegen den offenen oder subtilen Widerstand der örtlichen Geistlichkeit, entfällt all das bombastisch aufbereitete Eventpotential und weicht der nüchternen Realität in den Niederungen des Alltags.
    Genau dieser Alltag, das sind in Bezug auf die MEHR-Konferenz 361 Tage im Jahr, braucht einen standfesten Glauben ohne Eventcharakter.
    Gestern feierten wir das Hochfest (!) der Erscheinung des Herrn. Wenn man dann mit 7 (von 2000) anderen Gläubigen in der Messe ist, ist die Vorstellung von Laser-Show und Gefühlswallung relativ schnell verschwunden, wenn sie denn überhaupt vorhanden war. Vergessen wir nicht, die Sterndeuter kehrten auf einem anderen Weg in ihr Land zurück, weil es Menschen gibt, die angeblich Jesus anbeten wollen, aber nur dessen Ermordung im Sinn haben.

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  5. RF sagt:

    Liebe Frau Küble,
    es ist Ihre Entscheidung, dass Sie Ihren Glauben auf Sparflamme leben, auch wenn es Jesus anders vorlebte.
    Aber hören Sie auf, diejenigen zu tadeln, die von Jesus begeistert sind und ihren Glauben leidenschaftlich leben.
    Politisch sind Sie kein Gutmensch, dafür umso mehr bei allen Glaubensdingen.
    Da erteilen Sie die gleiche Art Ratschläge, wie sie die AFD von links bekommt.

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    • Guten Tag,
      interessant, wie genau Sie wissen, daß ich meinen „Glauben auf Sparflamme lebe„, nur weil ich mich über eine bestimmte charismatische Konferenz kritisch äußere.
      Ich wußte auch nicht, daß der Besuch eines „Pop-Event“ (Bayerischer Rundfunk) ein Beweis dafür ist, daß man seinen Glauben „leidenschaftlich lebt“.
      Mein Sparflammen-Glaube sorgt immerhin dafür, daß ich dieses CHRISTLICHE FORUM seit Sommer 2011 komplett ehrenamtlich (!) betreibe – ein Einsatz von täglich vielen Stunden fürs Apostolat.
      Aber klar, das zählt alles nicht, wenn der charismatische Stallgeruch fehlt.
      Freilich erinnere ich mich genau an das Wort Christi:
      NIcht jeder, der HERR HERR sagt, wird ins Himmelreich eingehen, sondern wer den Willen meines himmlischen Vaters erfüllt.“
      Ihre Reaktionsweise ist nach meiner jahrzehntelangen Erfahrung wieder einmal typisch für das charismatische Lager und bestärkt mich weiter in meiner Skepsis.
      Freundlichen Gruß!
      Felizitas Küble

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      • gerd sagt:

        Vielleicht noch der Hinweis, dass RF anscheindend nicht genau weiß, was Jesus vorgelebt hat. Bezeichnend hierfür sei die Schriftstelle angeführt, in der davon die Rede ist, dass Petrus den Herrn zurecht stößt, weil dieser offen über seine anstehende Kreuzigung gesprochen hatte.
        „Geh weg von mir, Satan! Du willst mich in die Falle locken. Du siehst die Dinge nur mit den Augen der Menschen und nicht, wie Gott sie sieht.“ Matthäus 16,23
        Eine Schriftstelle, über die es nachzudenken lohnt.
        Nimm alle menschlichen Vorstellungen von Gott weg, und seien sie auch noch so human und verständnisvoll, erst dann werden wir verstehen, was Gott wirklich von uns will.

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