Schwärmerisches Halleluja-Christentum will am Kreuz vorbei zum „Sieg“ gelangen

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Insofern war es naheliegend, daß sich der Blog auch einmal mit der wachsenden charismatischen Bewegung und den damit verwandten Strömungen befaßt.
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Der Autor Josef Jung bezeichnet diese Richtung in einem älteren, aber sehr lesenswerten Artikel kurzerhand als „Hurra-Katholizismus“: https://www.thecathwalk.de/2016/07/18/die-falsche-mission/
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Wir nennen dieses Phänomen im CHRISTLICHEN FORUM mitunter das „Halleluja-Christentum“ (es ist ja genauso im Protestantismus präsent, dort sogar noch stärker) oder sprechen schlicht von religiöser „Schwärmerei“.
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Dieser Text von Jung erregt derzeit einige Gemüter, denn auch in traditionelleren Kreisen gibt es durchaus Befürworter der Charismatik oder zumindest MEHR-Versteher (Verteidiger der MEHR-Konferenz und ähnlicher Gruppen).
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Vielleicht ist Cathwalk im Titel von Jungs Beitrag etwas zu stark mit der Tür ins Haus gefallen: „Die falsche Mission: „Warum Hurra-Katholizismus“ gefährlich ist“.
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Gleichwohl ist seine kritische Analyse durchaus treffsicher und in wesentlichen Punkten berechtigt. 
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Eingangs erklärt er, wie auch „romtreue“ Kreise sich zunehmend des Erfolges wegen mit „Methoden der modernen Film- und Popindustrie“ anfreunden. Er fügt hinzu: „Was sich eigentlich abstößt, soll sich vermischen: Tradition in der Moral und Moderne in der Methode.
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Allerdings meint er, diese Kombination habe auf Dauer keinen Bestand, weil sie einander fremde Bereiche zusammenfügen wolle.
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Grundsätzlich bzw. theologisch hat der Verfasser zwar recht, aber äußerlich-formal leider nicht: Es hat sich gezeigt, daß bei dieser Verschmelzung – die nicht zuletzt durch Medjugorje vorangetrieben wurde –  nicht etwa der „Lack ab“ ist (wie ich selber auch vor zwanzig Jahren noch erhoffte), sondern vielmehr mit wachsendem Erfolg zu rechnen ist.
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Der Autor meint sodann:
„Die Inszenierung kann – wegen ihrer Methoden – nur eines sein: Show. Und das ist das große Problem. Gefährlich wird diese Show, weil sie mit dem Anspruch auftritt, rechtgläubig zu sein und dadurch emotionalen Druck aufbauen kann. Wahrheit mit Gefühl zu verbinden birgt eine kaum zu überschätzende Gefahr. Die Inszenierung ist oberflächlich, über den Seelenzustand soll man aber in der Tiefe sprechen. Es kommt zusammen, was nicht zusammen gehört. Wahr kann etwas nur sein, wenn es vernünftig ist und mit der Wirklichkeit übereinstimmt. Das Gefühl kann hier genauso täuschen wie helfen. Es ist wie der Apostel Paulus sagt: „Der Glaube kommt vom Hören“ – nicht vom Fühlen.“
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Hierzu kann man nur sagen: Gut gebrüllt, Löwe!  – und ein weiteres Pauluswort hinzufügen: Wir wandeln im Glauben, nicht im Schauen!
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Trotzdem unterschätzt Kritiker Jung dieses Halleluja-Christentum, wenn er meint, es beruhe auf oberflächlichen Show-Effekten. Dann wäre das Problem halb so wild, dann hätte er zudem recht, daß sich diese (Mode-)Welle irgendwann von selber auflöst.
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Doch bei der Charismatik  – und das gilt weitgehend auch für die MEHR-Konferenz – geht es (wie der vielsagende Name schon andeutet) um   m e h r  als nur einen emotionalen Event, nicht etwa nur um ein popartiges Festival mit „frommer“ Hochstimmung auf Wolke 7. Das wäre zwar auch schon bedenklich, befände sich aber noch im eher harmlosen Vorfeld des Schwarmgeistigen.
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Das grundsätzliche Problem liegt vielmehr darin, daß sich die starke Sehnsucht nach dem religiösen „Erleben“, gleichsam nach einem emotionalen „Gottesbeweis“, leicht in eine Art Sucht steigern kann, die gerade kein Zeichen eines starken, sondern eines schwachen (!) Glaubens darstellt – denn ein in sich ruhender, ein wirklich fester Glaube benötigt keine ständigen „Bestätigungen“ durch Gefühlserfahrungen oder „außergewöhnliche“ Phänomene.
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Wenn Christen sich in diese irrgeistige Haltung hineinbegeben, verwechseln sie  – ohne dies zu bemerken  – gerne ihre Gefühlserlebnisse mit „Gotteserfahrungen“, sie verlagern den Glauben insgesamt von der objektiven auf die subjektive Ebene.
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Natürlich ist auch eine bodenständige, nüchterne Frömmigkeit nicht frei von Glaubenserfahrungen – und soll es auch nicht sein. Aber diese bilden nicht das Fundament des Glaubens, sondern sind eine „Zugabe“ von oben, die dankbar angenommen, aber nicht erwartet, geschweige verlangt wird.
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Sehr treffsicher stellt der Autor sodann  in puncto Halleluja-Christentum Folgendes fest:
„Der Glaube rückt zudem gefährlich nahe in den Bereich des Totalitären, wenn Zweifel und Widerspruch nicht erlaubt sind. Als „Praise-the-Lord-Anhänger“ kann man Menschen gefügig machen, indem man sie emotional beeinflusst. Das ist immer dann der Fall, wenn man fühlen soll, was Gott will – statt auf objektive Kriterien zu achten und diese mit dem eigenen Leben zu verbinden.“
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Seit Jahrzehnten melden sich bei mir geistlich und seelisch geschädigte Personen aus der Charismatik, auch in dieser Woche wieder ein halbes Dutzend. Oft werden mir bis tief in die Nacht erschütternde Lebensgeschichten erzählt, nicht selten sind es Tragödien mit psychischen, sprituellen und gesundheitlchen Langzeitfolgen.
Hierzu gibt es im CHRISTLICHEN FORUM dutzende Artikel über geistlichen Missbrauch (ein Themenkreis, im Grunde eine Zeitbombe, welche die konservative Schwärmerszene fast völlig ignoriert): https://charismatismus.wordpress.com/category/geistlicher-pastoraler-missbrauch/
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Dabei geschieht genau das, was der Verfasser äußert, daß nämlich die Spiritualität in die Nähe des „Totalitären“ abgleiten kann, weil man mit „emotionalem Einfluß“ Menschen gefügig machen kann.
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Ich nenne es anders, meine aber im Grunde dasselbe: Es handelt sich häufig um eine verderbliche Mischung aus Schwarmgeisterei und Fanatismus, Sentimentalität und Panikmache, um eine Achterbahn der Gefühle, die viele Gläubige in Abhängigkeit von selbsternannten Propheten und falschen Heilungsversprechen führt.
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Dazu kommt die „Magie der großen Zahl“ – oder mit anderen Worten: Es gibt bekanntlich nichts Erfolgreiches als den Erfolg.
Hierzu schreibt der erwähnte Verfasser ebenfalls: „Die anscheinend vollen Kirchen und Events werden mitunter herangezogen, um den Weg zu rechtfertigen. Wer Erfolg hat, muss sich nicht hinterfragen lassen.“
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Eben das ist der springende Punkt: Kritische Rückfragen sind nicht angesagt, wenn 10.000 Leute die Halle füllen, das haben gefälligst alle Leute ganz toll zu finden!

Geradezu genial bringt Jung die Substanz des Problems auf den Punkt: „Das Kreuz ist unser Weg zum Heil, nicht das Gefühl.“

Genau an diesem Kreuz können sich die Halleluja-Lobpreissänger gleichsam verbeimogeln, wobei dieser Schwärmerweg vielen als besonders starker Glaube erscheinen mag, man also in bester Absicht irregeht, worin aber gerade die verhängnisvolle Tragik liegt.

Diese Gläubigen suchen so sehr die „Tabor-Stunden“, sie wollen die Herrlichkeit des HERRN sehen und erleben, konzentrieren sich auf „Sieg“ und „Segensfülle“ von oben, auf Triumph und Verherrlichung im Glauben, auf „Heilung“ und „Befreiung“ (die Zauberworte des Charismatismus).

Die sogenannte „Heilung“ erscheint wichtiger als das Heil, Befreiung wird vor allem innerseelisch verstanden, das Kreuz im Christenleben (z.B. Krankheit, Schicksalsschläge) in manchen Kreisen sogar als dämonischer Einfluß mißdeutet. 

Als wachsame und bodenständige Christen sollten wir darauf achten, weder links noch rechts in den Straßengraben zu fallen:

Nicht nur der Unglaube ist eine Gefahr, sondern auch der Aberglaube und der Schwarmglaube – nicht nur der Modernismus und Rationalismus ist vom Übel, sondern auch der Irrationalismus und eine ungesunde Wundersucht.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.


6 Kommentare on “Schwärmerisches Halleluja-Christentum will am Kreuz vorbei zum „Sieg“ gelangen”

  1. Holger Jahndel sagt:

    Horst Kochs Aufklärungsseite, u.a. auch zum Thema Charismatismus und Schwarmgeisterei

    https://horst-koch.de/startseite-home/

    Der Lutheraner Horst Koch mit seiner Website als Lutheraner zur schwarmgeistigen Bewegung

    https://horst-koch.de/horst-koch/ Immerhin sind die Lutheraner zumindest größtenteils bibeltreu

    Schwarmgeistiges

    https://horst-koch.de/schwarmgeistiges/

    https://horst-koch.de/

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  2. dorrotee sagt:

    Man hört ja viel von dieser sogenannten Neuevangelisierung, die sich auf eigene Art in der MEHR-Konferenz zeigt. Viele Gläubige meinen, dort einen neue Weg zu erkennen.

    Was soll das heißen? Den Glauben „neu “ erfinden und die schweren Passagen der Bibel in etwas schwärmerisches auslegen? Die Bibel nicht mehr nüchtern betrachten, wie Paulus uns aufruft?

    Auch denke ich an die vielen Menschen, die im Glauben durch schwere Schicksalsschläge in die Kirche gehen, um Kraft zu schöpfen. Die vielen Trauernden, die einen lieben Menschen verloren haben. Diejenigen, die vor schweren Problemen stehen.

    Denen hilft sicherlich in diesen Momenten kein „Halleluja-Festival“ und keine Show , wie es der Autor des Artikel gut beschrieben hat.
    EIne Rückbesinnung auf die vielen Gebetsschätze der Kirche würde den Menschen helfen. Besuch einer hl. Messe, eucharistische Anbetung in der Stille oder mit guten vorgetragenen Gebeten, Rosenkranz…

    Diese Charismatiker meinen, mit ihren Ideen junge Menschen für Jesus zu begeistern, vergessen aber, dass es auch den Jungen zuviel ist mit den Events.

    Es besteht in den marianisch-charismatischen Kreisen zudem ein Leistungsglaube. Siehe die vielen zusätzlichen erfundenen Rosenkränze für alles mögliche.

    Mein Sohn berichtete mir von „Tootu tuus“, dass die in Medjugorje bis in die Nacht Trommelmusik spielten und Lobpreislieder sangen. Und morgens fingen die wieder an mit den Trommeln. Er beschrieb auch deren Gruppendynamik. Ich bin froh, dass er das so erkannt hat und nur 2 x mitgefahren ist.

    Wenn ein Mensch ein Kreuz zu tragen hat, hilft dieser charismatische Glaube nicht weiter. Man kann allenfalls durch diese Events vieles vergessen und hinter sich lassen, was einem bedrückt.
    Fast wie wenn man eine Droge nimmt!
    Wer seine Probleme mal vergessen möchte, sollte sich nüchtern Kraft holen an den unzähligen bewährten anerkannten Wallfahrtskirchen.

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  3. Stella sagt:

    Das Problem ist doch ein ganz anderes und geht viel viel tiefer.
    Hier moderne Welt mit Urknall, Weltraumforschung und Darwinismus und dort Gottes Schöpfung, die ohne Schöpfer nicht funktioniert.
    Wer sein Weltbild nicht komplett vom Kopf auf die Füsse stellt, wird immer nur an der Oberfläche des Glaubens kratzen, ob mit Alter Messe oder Show-Events.
    DAS ist das eigentliche Dilemma gerade der jungen Leute.

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  4. Liebe Felizitas!

    Du hast hier einen Superartikel geschrieben, dem ich zu 100% zustimmen kann. Mich hat ein Satz von Max Thürkauf, den Du sicher kennst, sehr geprägt, sodaß ich ebenfalls wie Du immer in „Hab Acht Stellung“ bin: „Das Gute am Bösen ist das Geschenkpapier des Teufels“: Nochmals herzlichen Dank und liebe Grüße

    Günter

    Gefällt 2 Personen

  5. gerd sagt:

    „Die anscheinend vollen Kirchen und Events werden mitunter herangezogen, um den Weg zu rechtfertigen. Wer Erfolg hat, muss sich nicht hinterfragen lassen.“

    Das kommt auch darauf an, wie man Erfolg definiert. Wenn 12 000 Christen verschiedener Konfessionen an einem mehrtägigen Event teilnehmen, dann sind das, in Relation auf die Gesamtzahl der Christen in den deutschsprachigen Ländern, genau wieviel Prozent?

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  6. Cornelia Vogt sagt:

    Genau das IST ES…
    Am Kreuz VORBEI.
    ALS OB ALLES EIN KINDERSPIEL GEWESEN SEI UND GOTT EIN COOLER TYP.
    SO EMPFAND ICH ES BEI DER MEHR-KONFERENZ STETS.
    Alle weiteren Vereinigungen dieser Art will ich gar nicht kennenlernen .
    Psychologisch betrachtet kommt scheinst niemand mehr KLAR, einfach nur seinem Glauben treu zu bleiben, wenn er denn überhaupt einen hat.
    Aber dieses Schwarmgeistige, wie Sie es nennen, zieht Teilnehmer an wie Motten das Licht.
    Sie verschreiben sich dem, ohne zu DENKEN.
    Es gab im AT nicht eine Person, DIE LACHEN UND TANZEN KONNTE, WEIL GOTT SIE ERWÄHLT HATTE.
    Kein einziges Werkzeug Gottes wurde geheilt, im Gegenteil, sie wurden geprüft bis sonstwo.
    Dann kam JESUS auf die Welt und starb am KREUZ für die Sünden aller damals.
    Ich verstehe nicht, wie man da singen und tanzen kann, als wäre dieses Heilswerk degradiert zu einem EVENT ANSTATT WUNDERWERK GOTTES.
    Ein heillose WIRRWARR.

    Gefällt 3 Personen


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