ALfA lehnt Widerspruchsregelung ab: Es gibt keinen Anspruch auf ein fremdes Organ

Im Vorfeld der Entscheidung des Deutschen Bundestags zur Neuregelung der Organspende (Do., 16.1. ab 9 Uhr) erklärt die Bundesvorsitzende der Aktion Lebensrecht für Alle (ALfA) e.V., Cornelia Kaminski (siehe Foto):

Es gibt keinen Anspruch auf ein fremdes Organ. Daher muss eine Organspende, unabhängig davon, wie der Einzelne zum Hirntod als Entnahmekriterium für lebenswichtige Organe steht, immer eine freiwillige Angelegenheit bleiben.

Die Aktion Lebensrecht für Alle (ALfA) lehnt deshalb die von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und anderen vorgelegte Widerspruchsregelung ab.

Der Gesetzentwurf (Drucksache 19/11096) läuft auf eine Vergesellschaftung des Körpers hinaus und degradiert den menschlichen Leib zu einem Ersatzteillager. Dass Menschen einer Organentnahme erst ausdrücklich widersprechen müssen, um ihr im Falle eines diagnostizierten Ausfalls sämtlicher Hirnfunktionen auch entkommen zu können, macht aus der Organspende unter der Hand eine Organabgabepflicht.

Der Entwurf der Abgeordneten um Grünen-Chefin Annalena Baerbock (Drucksache 19/11087) hält dagegen erfreulicherweise an der Organspende als einer ungeschuldeten Gabe fest. Man muss das „Nudging“, sich für oder gegen eine Organspende zu entscheiden, das mit diesem Gesetzentwurf einhergeht, nicht mögen, andererseits zwingt dieser Gesetzentwurf auch niemanden dazu, eine Entscheidung zu treffen.

Aus Sicht der ALfA  – mit mehr als 10.000 Mitgliedern eine der größten Lebensschutzbewegungen in Europa –  ist dieser Gesetzesentwurf in jedem Fall vorzuziehen.

Der Antrag der AfD (Drucksache 19/11124) zielt auf eine Verbesserung der derzeit geltenden Gesetzlage, insbesondere durch eine umfassendere Aufklärung potentieller Spender sowie eine bessere Betreuung der Angehörigen von Organspendern. Diese richtigen Forderungen dürften jedoch keine Aussicht haben, im Bundestag eine Mehrheit zu finden.

Was in der Debatte grundsätzlich fehlt, ist eine vorurteilsfreie und ergebnisoffene Auseinandersetzung mit der Kritik, die zahlreiche Experten – darunter auch Neurologen, Chirurgen und Anästhesisten (z.B. D. Alan Shewmon, UCLA / Robert D. Truog, Harvard Medical School) – an der Hirntod-Theorie vorbringen.

Diese ist als solche zwar nicht grundsätzlich neu, hat aber in den letzten Jahren derart beachtliche Weiterungen erfahren, dass es nicht länger statthaft sein sollte, zu behaupten, ein Patient, bei dem ein Ausfall sämtlicher Hirnfunktionen korrekt diagnostiziert wurde, sei auch in jedem Fall bereits tot. Vielmehr muss davon ausgegangen werden, dass es sich bei ihnen zumindest in vielen Fällen um Sterbende handelt, für die eine Rückkehr in ein bewusstes Leben medizinisch unmöglich geworden ist.

Das mag, wie eine qualifizierte Minderheit des Deutschen Ethikrates in der Stellungnahme des Gremiums (Hirntod und Entscheidung zur Organspende, Berlin 2015 S. 84ff) vermerkt, eine Entnahme lebensnotwendiger Organe nicht in jedem Fall unmöglich machen, sollte allerdings nach Ansicht der ALfA bei der Aufklärung potenzieller Organspender zwingend Berücksichtigung finden.

Die unterschiedslose Rede von „postmortaler Organspende“ ist jedenfalls so unseriös wie falsch und verbietet sich daher.“

 


5 Kommentare on “ALfA lehnt Widerspruchsregelung ab: Es gibt keinen Anspruch auf ein fremdes Organ”

  1. Willibald Reichert sagt:

    Dieser Einordnung als kriminell kann ich aus ganzem Herzen beipflichten. Leider werden zumindest unter der jetzigen Regierungschefin seit Jahren Gesetze so definiert, wie man es gerade braucht. Wer sich gesetzestreu verhält, wird halt wie der vorherige Verfassungsschutzpräsident entlassen. Es gab sogar Stimmen aus der „C“DU, die ihn als unzumutbar für die Partei ansahen. Als die Kanzlerin zur Vermeidung eventuell unerfreulicher Bilder aus ihrem Bauchgefühl heraus die Grenzkontrollen einfach aufhob, wurde dieser Gesetzesbruch als Akt der Menschlichkeit. eingestuft ohne daß das Parlament jemals darüber debattierte. Eine Verteidungsministerin, deren größte Leistung der Umbau von Panzern ist, um damit schwangeren Soldatinnen gerecht zu werden, wird nach Jahren totalen Versagens auf einen EU-Posten gehievt, der sie mehr verdienen läßt als ihre Kanzlerin. Damit ihre Mißwirtschaft nicht mehr nachprüfbar ist, hat sie alles aus ihrer Ministerzeit löschen lassen und dem Untersuchungsausschuß des Bundestages jeden Nachweis eines Fehlverhaltens genommen.Ein nicht gerade ganz unbekannter deutscher Journalist sagte vor lägerem bereits, daß dieses Land von Idioten regiert werde, die sich nach meinem Dafürhalten auch noch einer grenzenlosen Narrrenfreiheit erfreuen dürfen. Wie sagte vor rund zweihundert Jahren bereits Heinrich Heine:Denk‘ ich an Deutschland in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht.

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  2. Cornelia Vogt sagt:

    Für mich persönlich ist das ein zweischneidiges Schwert.
    Die zu einnehmenden Organe müssen frisch sein.
    Es muß innerhalb einer gewissen Zeit verpflanzt WERDEN.
    Aber es ist erwiesen,dass die Seele erst später den Körper verlässt und deshalb der Mensch es mitbekommt ,HAUTNAH,EINE ENTNAHME.
    Bei verunfallten ,plötzlich Verstorbenen, weiß ich das nicht.
    Menschen auf diese Art zu helfen,ist eine Ehre .
    Trotzdem ist jeder einzelne Mensch ein Individuum samt dessen Organen,genau auf den jeweiligen Körper abgestimmt .
    Abstoßung ist daher LOGISCH.
    Ich bekenne mich leider glasklar DAGEGEN.
    Ich war jedoch,Gott sei Dank,auch noch nie in einer Situation,wo ich mich schnell ENTSCHEIDEN muß,jemandem, z.Beispiel aus meiner Familie ,zu spenden,weil dieser sonst stürbe.
    Ich hatte während meiner Berufstätigkeit immer einen Spenderausweis parat,jedoch mit den Gedanken,hoffentlich bin ich dann auch wirklich TOT.
    Nicht, dass ich das alles mitbekomme,OHNE SPRECHEN UND STOPP SAGEN ZU KÖNNEN.
    ES KAM NOCH NIEMAND ZURÜCK AUS DEM JENSEITS MIT ERFAHRUNGSWERTEN DIESBEZÜGLICH.
    Auf YouTube existieren kleine Videos darüber,wie es sich verhalte.
    Das ist eine Thematik der EINSTELLUNG EINES JEDEN MENSCHEN SELBER.

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  3. dorrotee sagt:

    Gestern Abend wurde auf dem Sender ARD wieder die Werbetrommel für die Organspende gerührt. Ärzte stellten ihre Arbeit vor. Die Vorgänge wurden als ganz normale lebensspendene Methoden vorgestellt.
    Und immer wieder wollen die Ärzte uns potentiellen Spender weissmachen, wir seien bei der Organentnahme bereits tot bzw. „hirntot“ und könnten nicht mehr „zurückgeholt“ werden.

    Jedoch gibt es Fälle durch eine andere angesetzte Methode, diese Menschen wieder zurück ins Leben zu holen. Leider wird diese Methode nur selten angewandt. Und nur Ärzte setzten sich für diese Methode ein, die Organspendegegner sind. Dabei werden die Angehörigen stark miteinbezogen.

    Im Internet gibt es viele Informationen zur Organspende und ihren sehr kritischen Fragen dazu.

    Ich stimme Marienzweig zu, was ist mit Menschen, die sich nicht entscheiden können? Sollen das dann die Betreuer übernehmen? Das wäre doch die „Entmündigung“, wovon die Gerichte und Ämter immer mehr Abstand nehmen.

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    • Thomas May sagt:

      Die genannte ARD-Sendung ging ziemlich technisch und geschäftsmäßig mit dem Thema „Organspende“ und dem Prozedere der Organentnahme um.
      Die im Film angesprochenen Fälle der strikten Ablehnung der Organentnahme durch Angehörige des/der Verstorbenen konnte ich gut nachvollziehen.
      In dem gegen Schluss der Sendung gezeigten Fall, als die Erlaubnis für eine Totalentnahme der verwertbaren Organe vorlag, schienen die Ärzte wie Heuschrecken über den „auszuschlachtenden“ Körper „herzufallen“. Und anschließend die Verteilung – „die Leber für Hannover“, „der rechte Lungenflügel für…“ usw. Schrecklich!
      Meinen Nicht-Spendeausweis trage ich immer bei mir.
      M. E. sollte man künftig generell die Angaben zur Organ(nicht)spendebereitschaft auf der elektronischen Gesundheitskarte speichern.

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  4. Marienzweig sagt:

    Es kann nicht angehen, dass ich meinen Körper zur Verfügung zu stellen habe, wenn ich nicht ausdrücklich widerspreche.
    Die Argumente sind genannt, doch einen weiteren Einwand möchte ich noch hinzufügen:
    Was ist mit den Menschen, die gar nicht die Kraft aufbringen, zu widersprechen?
    Weil sie psychisch krank sind oder in einer tiefen Depression gefangen, weil sie gerade großes persönliches Leid erfahren und deshalb ohne jeden Antrieb sind, eine solch wichtige Entscheidung zu treffen.
    Solche seelischen Zustände können Monate oder gar Jahre dauern.
    In dieser Situation sich ihrer Organe zu bemächtigen, empfinde ich geradezu als kriminell.

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