Luftverschmutzung: weltweit führendes Gesundheitsrisiko für Herz und Lunge

Verschmutzte Luft ist gesundheitsschädlich und erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf- und Atemwegs-Erkrankungen.

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Chemie und der Universitätsmedizin Mainz haben in einer neuen Studie berechnet, dass Luftverschmutzung die Lebenserwartung der Menschen im globalen Durchschnitt stärker verringert als Infektionskrankheiten oder andere Herz-Kreislauf-Risikofaktoren wie beispielsweise Rauchen.

Danach verursachte Luftverschmutzung im Jahr 2015 weltweit 8,8 Millionen vorzeitige Todesfälle. Dies entspricht einer durchschnittlichen Verkürzung der Pro-Kopf-Lebenserwartung von 2,9 Jahren.

BILD: Die Autoren der hier erläuterten Studie (Foto: Peter Pulkowski)

Im Vergleich dazu reduziert Rauchen die Lebenserwartung um durchschnittlich 2,2 Jahre (7,2 Millionen Todesfälle), HIV / Aids um 0,7 Jahre (1 Million Todesfälle), parasitäre und durch Vektoren – also durch Lebewesen wie Stechmücken oder Läuse – verursachte Krankheiten wie Malaria um 0,6 Jahre (600.000 Todesfälle).

„Luftverschmutzung übersteigt Malaria als Ursache für vorzeitigen Tod um den Faktor 19 und HIV / Aids um den Faktor 9. Da die Auswirkungen auf die Gesundheit so enorm sind und die Bevölkerung weltweit betreffen, könnte man sagen, dass unsere Ergebnisse auf eine Luftverschmutzungspandemie hindeuten“, sagt Prof. Dr. Jos Lelieveld, Direktor am Max-Planck-Institut für Chemie und Erstautor der Studie.

Diese Studie ist die erste, die globale Auswirkungen von Luftverschmutzung auf die Gesundheit der Menschen im Vergleich zu anderen Risikofaktoren weltweit untersucht.

„Unser Vergleich zeigt, dass Luftverschmutzung eine der Hauptursachen für vorzeitige Todesfälle und den Verlust an Lebensjahren ist. Die frühere Sterbewahrscheinlichkeit wird insbesondere durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursacht“, sagt Univ.-Prof. Dr. Thomas Münzel, Direktor am Zentrum für Kardiologie der Universitätsmedizin Mainz und Mitautor der Studie.

Die Wissenschaftler untersuchten den Zusammenhang zwischen einer Schadstoff-Exposition und dem Auftreten von Krankheiten. Um die weltweite Belastung mit Schadstoffen, wozu vor allem Feinstaub und Ozon zählen, zu berechnen, verwendeten die Forscher ein atmosphärenchemisches Modell: Dann kombinierten sie die daraus resultierenden Expositionsdaten mit dem Global Exposure – Mortality Model, das auf epidemiologischen Kohortenstudien basiert. Mithilfe dieser Daten wurden die Auswirkungen verschiedener Verschmutzungsquellen kalkuliert.

Dabei differenzierten die Wissenschaftler zwischen Emissionen natürlichen Ursprungs, wie beispielsweise durch Waldbrände oder Wüstenstaub, und anthropogenen – das heißt, von Menschen verursachten – Quellen wie beispielsweise der intensiven Nutzung fossiler Brennstoffe. Basierend auf diesen Ergebnissen haben die Wissenschaftler dann eine krankheitsspezifische Sterberate und den Verlust der Lebensjahre in allen Ländern der Welt berechnet.

Die Studienergebnisse zeigen: Die durch die Luftverschmutzung verursachte vorzeitige Sterblichkeit ist in Ostasien und Südasien am höchsten (35 Prozent bzw. 32 Prozent), gefolgt von Afrika (11 Prozent), Europa (9 Prozent), Nord- und Südamerika (6 Prozent). Australien hat mit 1,5 Prozent die niedrigste Sterblichkeitsrate – und die strengsten Luftreinhaltungsstandards.

„Wir verstehen mehr und mehr, dass Feinstaub in erster Linie Gefäßschäden und damit Krankheiten wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzrhythmusstörungen und Herzschwäche begünstigt. Daher erachten wir es als äußerst wichtig, dass Luftverschmutzung als kardiovaskulärer Risikofaktor sehr ernst genommen wird und in den Richtlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie zu den Bereichen Prävention des akuten und chronischen koronaren Syndroms sowie Herzinsuffizienz ausreichend Niederschlag findet“, ergänzt der Kardiologe Münzel.

Fast zwei Drittel der durch Luftverschmutzung verursachten Sterbefälle, nämlich rund 5,5 Millionen pro Jahr, sind den Erkenntnissen der Studie zufolge grundsätzlich vermeidbar, denn der Großteil verschmutzter Luft stammt aus dem Einsatz fossiler Brennstoffe. So schätzen die Forscher auch, dass die durchschnittliche Lebenserwartung weltweit um etwas mehr als ein Jahr steigen würde, wenn die Emissionen aus der Nutzung fossiler Brennstoffe wegfallen würden.

Die Forscher der Universitätsmedizin Mainz und des Max-Planck-Instituts für Chemie haben im vergangenen Jahr eine ähnliche Studie veröffentlicht, die sich mit den Folgen der Luftverschmutzung in Europa befasste: Danach sterben jedes Jahr fast 800.000 Europäer vorzeitig an Krankheiten, die durch Luftverschmutzung mit verursacht werden. Verschmutzte Luft verkürzt die Lebensdauer der Europäer im Schnitt um mehr als zwei Jahre.

Quelle: Universitätsmedizin Mainz


14 Kommentare on “Luftverschmutzung: weltweit führendes Gesundheitsrisiko für Herz und Lunge”

  1. Anonymous sagt:

    „Verschmutzte Luft ist gesundheitsschädlich und erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf- und Atemwegs-Erkrankungen.“

    Es ist eigentlich eine Binsenwahrheit, aber viele Menschen stecken den Kopf in den Sand. Und genau deshalb ist auch eine Verschärfung der Gesetzgebung im Hinblick auf den Ausstoß von Feinstaub bei Kraftfahrzeugen so gerechtfertigt. Ich selbst leide seit Kindheit an leichtem Bronchialasthma. Das kommt zwar vielleicht nicht von der Luftverschmutzung. Durch diese Erkrankung spüre ich aber sehr schnell die Auswirkungen von Inversionswetterlagen. Das sind Wetterlagen, die es verhindern, das kontaminierte Luft nach oben entweicht und deshalb zu einer hohen Konzentration an Luftverschmutzung führt. Das führt bei mir nicht nur zu Husrten und Atemnot, sondern langfristig zu einem erhöhten Lungenkrebsrisiko, obwohl ich nicht rauche. Dazu kommt dann noch das in der Studie festgestellte erhöhte Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall.

    Das bedeutet, dass selbst ohne die Diskussion um den Klimawandel durch den menschengemachten Anstieg des CO2 Gehalts in der Luft eine Umweltpolitik, die eine Reduzierung der Nutzung fossiler Energieträger anstrebt, extrem sinnvoll ist.

    Wenn hier die Angaben zur erhöhten Sterblichkeit bezweifelt werden, dann zeigt das nur, wie wenig informiert manche Menschen sind. Unsinn ist es auch, hier mit Abtreibung zu argumentieren. Denn das ist eine andere Todesursache, die mit dem hier genannten Risiko durch die Feinstaubbelastung keine Wechselbeziehung hat.

    Verhütung tötet überhaupt keine Menschen. Es sei denn, man bezeichnet die „PIlle danach“ als Verhütungsmittel. Was sie aber nicht ist, weil sie die Befruchtung der Eizelle nicht verhindert.

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  2. Bernhard sagt:

    … dann frage ich mich natürlich, warum gerade „konservative“ Parteien meist gegen schärfere Abgasgrenzwerte und erneuerbare Energien sind.

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    • Anonymous sagt:

      Das ist in der Tat nicht nachvollziehbar. Konservative Parteien sind aber am Stärksten von der Industrielobby beeinflusst, die Kosten möglichst gering halten und möglichst keine Verantwortung für die gesundheitlichen Auswirkungen ihrer Produkte übernehmen wollen. Politischer Konservatismus ist eben oft keineswegs im positiven Sinne „bewahrend“.

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  3. Gottfried-Joseph Zech sagt:

    Wieder so eine Gefälligkeitsstudie für das linksgrün-dominierte Europaparlament. Ausgerechnet Ozon als Hauptursache neben „Feinstaub“ für Lebenszeitverkürzung anzugeben entlarvt die ganze Panikmache als eben solche. Es wird nur ins selbe Horn geblasen wie die „Wissenschaftler“ , welche CO² als Luftverschnutzungsgas brandmarken, obwohl es DAS wichtigste Spurenfgas überhaupt ist, damit daraus Pflanzen den Lebensnotwendigen Sauerstoff produzeren können. UNd seltsamerweise werden die Europäer seit dem Anstieg des „Feinstaubes“ trotzdem immer älter.

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  4. Roland Will sagt:

    Haben diese Wissenschaftler den normalen Todeszeitpunkt gewusst, da sie meinen, sagen zu können, der Mensch stirbt so und soviel Jahre früher?
    Wenn man in der Lebenserwartungsstatistik die, wie es eigentlich gehört, gezeugten Kinder mit einbezieht, die durch hormonelle Verhütung und Abtreibung frühgetötet wurden, dann sinkt die Lebenserwartung wieder erheblich. Früher hatten die Leute mehrere, viele Kinde, wovon im Kindesalter oft einige starben, doch jetzt werden pro Jahr mehr vorgeburtlich getötet als normale Stefbefälle. Die fehlenden Kinder wurden nämlich gezeugt, sie lebten, wenn auch nur kurz, sie gehören mit 0 Jahren in die Statistik. Dann sieht’s anders aus, dann kommen wir heute unter der Lebenserwartung von früher. 90 und Hundertjährige gab es vor 1000 Jahren auch, die Nachkommen von Adam und Eva waren erheblich älter. Dieses vorgeburtliche Töten kann man ändern, das sind wesentlich mehr als durch die fadenscheinige Tötung durch verschmutzte Luft, (wenn der Wind weht, ist erstklassige Luftqualität), oder durch Corona. Somit ist die wissenschaftliche Studie nichts wert, sie täuscht über die Realität.

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    • Bernhard sagt:

      Ich würde sagen: Thema verfehlt.

      In diesem Artikel geht es um die Gefahren der Luftverschmutzung. Und das hat mit Abtreibung relativ wenig zu tun.
      In einem weiteren Sinne geht es darum, wie lange ein Mensch bis zu seinem natürlichen Tod leben kann. Der gewaltsamen Tod bleibt hier erst mal außen vor, das hat mit der Fragestellung des Artikels nichts zu tun.

      Darüber hinaus ist es hier im Westen so und war es schon immer so, dass das Lebensalter erst ab der Geburt gezählt wird. Das mag in gewisser Hinsicht inkonsequent sein, weil gerade im Christentum das Menschsein ab der Zeugung sehr wichtig ist. Formal-statistisch ist die Aussage dieses Artikels aber richtig.

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    • Anonymous sagt:

      Das ist einfach Unsinn. Abtreibungen beeinflussen nicht die Sterblichkeit durch Luftverschmutzung. Wie sollte das auch möglich sein?

      Würden Abtreibungen nämlich statistisch berücksichtigt, dann würde das die Kindersterblichkeit erhöhen, hätte aber keinen Einfluss auf andere Ursachen frühzeitigen Versterbens.

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      • Gottfried-Joseph ZECH sagt:

        Es wird ja auch nicht behauptet, es bestünde ein Zusammenhang zwischen Luftverschmutzug und Abtreibung. Der Einwand „Abtreibungen“ kann nur so gemeint sein, daß ein mords Hype um „Luftverschmutzung“ entfesselt worden ist von bestimmten Interessengruppen, weil daran angeblich Millionen Menschen etwas früher sterben, obwohl sie de facto immer länger leben, aber ein viel wichtigerer Hype um die Tötung ungeborener Menschen bis einschließlich 9. Schwangerschaftmonat in den Medien ausbleibt. Der Einwand soll also diese scheinheilige Doppelmoral aufzeigen.

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      • Anonymous sagt:

        Herr Zech,

        wem genau wollen Sie denn Doppelmoral vorwerfen? Sicher nicht den Wissenschaftlern, die sich hier mit den Folgen der Luftverschmutzung befassen. Natürlich ist menschliches Leben durch viele Faktoren bedroht. Eine Ursache ist Abtreibung. Nur ist es Unsinn, zu fordern, dass immer dann, wenn eine Ursache für Todesfälle genauer betrachtet wird, GLEICHZEITIG oder VORRANGIG die Abtreibungsproblematik behandelt werden muss. Meiner bescheidenen Meinung nach jedenfalls.

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  5. Anonymous sagt:

    Wir werden immer älter

    Die durchschnittliche Lebenserwartung bei der Geburt in Deutschland belief sich 2015 für Männer auf 78,4 und für Frauen auf 83,4 Jahre. Damit hat sich die Lebenserwartung seit dem 19. Jahrhundert rasant entwickelt und sich gegenüber der 1870er Jahre mehr als verdoppelt. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland knapp hinter der Spitzengruppe der Länder mit der höchsten Lebenserwartung.

    https://de.statista.com/statistik/daten/studie/273406/umfrage/entwicklung-der-lebenserwartung-bei-geburt–in-deutschland-nach-geschlecht/

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    • Anonymous sagt:

      Auch das hat mit dem Thema nichts zu tun. Diese Erhöhung der Lebenserwartung hängt mit folgenden Faktoren zusammen:

      Weniger Tote durch Kriege.
      Entdeckung von Antibiotika.
      Impfschutz
      Mehr Hygiene
      Sauberes Trinkwasser
      Bessere Krankheitsbekämpfung allgemein
      Bessere Ernährungssituation für die breite Masse

      Die Frage der vorzeitigen Sterblichkeit wird immer am Iststand der Lebenserwartung gemessen.

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