Medjugorje: Charismatisches „Totus Tuus“ erwartet eine „neue Gnadendekade“

Von Felizitas Küble

Seit dem 24. Juni 1981 soll es in Medjugorje (Bosnien-Herzegowina) zu regelmäßigen Marienerscheinungen gekommen sein, die bei einigen Visionären bis heute anhalten. Sechs Kinder und Jugendliche – damals zwischen 10 und 17 Jahre alt – sprachen damals von täglichen Besuchen der „Gospa“ (Madonna, Gottesmutter).

Der zuständige Bischof Zanic äußerte sich zunächst positiv über die Phänomene, wurde aber immer kritischer, nachdem er Lebenswandel und Lügen der Seherschar genauer unter die Lupe nahm und eine Untersuchungskommission einrichtete. Auch sein Nachfolger Peric hat sich bis heute eindeutig ablehnend gegenüber den „Offenbarungen“ von Medjugorje positioniert.

Die Erscheinungs-Maria stellt sich ihren Seher/innen als „Königin des Friedens“ vor, wobei sich ihre Kundgaben endlos im Kreise drehen und fast immer aus Banalitäten bestehen. 

Neuestes Beispiel hierfür ist die Medju-Botschaft vom 25. Februar dieses Jahres:

Liebe Kinder! In dieser Zeit der Gnade möchte ich eure Gesichter im Gebet verwandelt sehen. Ihr seid so überschwemmt von irdischen Sorgen und ihr spürt nicht, dass der Frühling vor der Tür steht. Meine lieben Kinder, ihr seid zur Buße und zum Gebet aufgerufen. So wie die Natur in der Stille um neues Leben kämpft, seid auch ihr aufgerufen, euch im Gebet Gott zu öffnen, in dem ihr den Frieden und die Wärme der Frühlingssonne in euren Herzen finden werdet. Danke, dass ihr meinem Ruf gefolgt seid.

Statt dass diese „Gospa“ das Corona-Virus vorausgesagt und damit Menschenleben gerettet hätte, statt dass sie wenigstens im Frühstadium der Epidemie wirksame Maßnahmen empfohlen hätte, bleibt dieses Erscheinungsphantom bei ihrem Frühlingssonnen-Geplapper, wofür es bestimmt keiner himmlischen Offenbarungen bedarf.

Diese Schwarmgeistereien werden noch getoppt durch den neuesten Einfall von „Totus Tuus“.

Diese aus der Medjugorje-Verehrung entstandene Jugendgruppierung versteht sich ausdrücklich als charismatisch und praktiziert bei euphorischen Veranstaltungen fleißig den „Hammersegen“, also das tranceartige „Ruhen im Geist“ bzw. Rückwärtskippen, das ursprünglich aus der protestantischen Pfingstler-Szene stammt. (Deren Selbstdarstellung siehe hier: http://www.totus-tuus.de/site/totus-tuus/spiritualitat/charismatisch/)

In ihrem Monatsrundbrief vom Februar 2020 ruft die in Rheinbreitbach ansässige Organisation nichts weniger als eine „neue Gnadendekade“ aus.

Da die Gospa schon fast vierzig Jahre in Medjugorje erscheine, heißt es in dem Schreiben, erhoffe man sich vom „gerade begonnenen Jahrzehnte“ eine „weitere Gnadendekade“, also quasi fortgesetzten „Gnadenfluß“ von oben durch die Erscheinungen usw.

In der Stellungnahme heißt es weiter: „Den Wert ihrer Botschaften werden wir vermutlich erst im Nachhinein so richtig begreifen“.

Mir scheint, daß bei soviel überflüssigem Blabla nach keine Nachbetrachtungen zu substantiellen Erkenntnissen führen.

Danach wird zu weiteren Medju-Wallfahrten eingeladen, natürlich auch zum unvermeidlichen charismatischen „Lobpreis“, auf daß man „der Muttergottes erneut die Möglichkeit“ gebe, „uns an der Hand zu nehmen“.

Anscheinend brauchen diese jungen Gläubigen hierfür eigens Wunder, Zeichen und Erscheinungen!

Daß es bei soviel Schwärmertum auch zu geistlichem Missbrauch in den eigenen Reihen kommt, erstaunt Kenner dieses Spektrums überhaupt nicht. Auch ich kenne seit Jahren Betroffene und Aussteiger. Im Bistum Münster läuft wegen spiritueller Übergriffe in Totus-tuus-Reihen seit Jahren eine kirchliche Untersuchung bzw. Visitation.

Wir haben hierüber bereits im Frühjahr 2019 berichtet: https://charismatismus.wordpress.com/2019/05/29/spiritueller-missbrauch-in-der-charismatischen-jugend-gemeinschaft-totus-tuus/

 


6 Kommentare on “Medjugorje: Charismatisches „Totus Tuus“ erwartet eine „neue Gnadendekade“”

  1. anonym sagt:

    Bezüglich der Eigenwilligkeiten der Seher wurde ja schon seit 35 Jahren immer wieder berichtet. Aber jetzt nun das … die Mirjana, die nur 1x im Monat eine private Botschaft bekommen hat, wurde von der Gospa eiskalt abserviert:

    „Heute, am 18. März 2020, informieren wir, dass Mirjana – nachdem sie die Botschaft unserer Lieben Frau heute verkündet hat – erklärt hat, dass Unsere Liebe Frau nicht mehr am zweiten eines jeden Monats erscheinen werde. Mirjana kam weinend aus ihrer Wohnung und hat sich dann isoliert“ schreibt die Website Medjugorje.com. Das ist einfach nur mehr eine Farce, das darf bitte nicht wahr sein.

    Was heißt das „sie hat sich dann isoliert“ – in Zeiten der Corona-Krise, raus aus der Wohnung und dann isoliert ???

    Da kriegt man richtig Angst, dass sich jetzt die Mirjana etwas antut: sozialer Rückzug – ein Hauptsymptom für Depressionen. Warum geht sie nicht einfach wieder – entsprechend der Ausgangsbeschränkungen – wieder zurück in die Wohnung.

    Besonders leid ist´s mir um die Souvenirstandln in Medjugorje, war alles alleredelste Ware … nun wohl im Konkurs. O jemine.

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  2. piomolaioni sagt:

    Ein böses und tückisches Spiel wird hier inszeniert. Wem fallen solche dümmlichen „Botschaften“ ein? Wer treibt hier bewußt mit falschen Behauptungen die Gläubigen in die Irre?

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  3. Resl Newman Bavaria sagt:

    Totus tuus hat bis einschliesslich 2013 im Bistum Münster zum Beispiel in der Innentadt jahrelang für seine Wallfahrten werben dürfen. Es lagen in sämtlichen Kirchen der Innenstadt Flyer mit Botschaften und wissentlich falschen Angaben über MEDJU (Zum Beispiel, dass sich Papst Johannes Paul II dafür eingesetzt habe und selbst daran glauben würde) aus.
    Ausserdem eine Stellungnahme der Bischöfe aus dem ehem. Jugoslavien, die zu Medjugorje negativ war, aber von Totus tuus auf ihren Flyern textlich so verstümmelt wurde – pünktchen, pünktchen – dass es sich plötzlich als Bestätigung anhörte.
    Schummelei ist das nicht – das ist schon schlimmeres, aber wenns der Gospa und Medju dient, wird es den Seligpreisungen nur recht sein.
    Beschwerden darüber beim Bistum Münster nutzten nichts. Zum Beispiel hat das Generalvikariat (unter Norbert Kleyboldt) auf eine besorgte Anfrage und einen Hinweis auf diese Zustände nicht einmal geantwortet.
    Übrigens waren die Plakate für die Medju-Wallfahrten in Münster jahrelang mit dem offiziellen Stempel (!) der inzwischen ach so bunten Pfarrei Lamberti versehen. Auf Nachfrage im Pfarrbüro erfuhr man, dass dies mit der ausdrücklichen Erlaubnis von Dr. Winner geschehe.
    Egal, ob echt oder unecht – Hauptsache, die Leute würden sich Massenhaft bekehren und zu den Sakramenten gehen. So um 2012 sagte dies zu mir ein weiterer münsteraner Kirchenrektor mit akademischem Titel.
    Was sagte 2013 die Sektenbeauftragte vom Bistum Münster auf eine Beschwerde (zB. über die inszenierte Live-Marienerscheinung im Pilgerzentrum Kevelaar mit ausdrücklicher Genehmigung von Wallfahrtsleiter Rolf Lohmann): „Schreiben Sie das bitte selbst nach Rom…..wenn unsere Bistumsleitung so etwas duldet, möchte ich mich nicht reinhängen, ich möchte mich nicht mit der Schaltzentrale anlegen…“

    Zu obigem Artikel: Die Madonna spricht hier ja eher von einem erneuten Frühling in diesem Jahr. Sie sagt nichts über eine Pandemie, sie hat auch nie etwas über Aids in Afrika gesagt, Umweltzerstörung, und hat sich mitschuldig gemacht, in dem sie jahrzehntelang über sexuellen Missbrauch geschwiegen hat.
    Aber glauben Sie mir: Das alles ist nicht wichtig, wichtig ist lediglich die Bekehrung von Massen und der massenhafte Gebrauch der Sakramente vor Ort. Selbst am Katholikentag in Münster durfte jeder am Medju-Stand lesen, wieviel tausend Kommunionen in welchem Zeitraum ausgeteilt wurden. Naja, wenn einem die Argumente ausgehen…..

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    • anonym sagt:

      Medjugorje-Anhänger sind leider sehr clever, wenn sie keine Argumente haben. Sie „bestrafen“ dann durch diverse Tricks. Ich weiß bis heute nicht, wie manche es schaffen, sich öfter als 1x im Leben mit schrecklichen Autobussen an diesen öden schrecklichen Ort karren zu lassen. Sind vermutlich lauter „Geheilte“, denen diese Strapazen es wert sind – verglichen mit den Gnaden. Ich kapiere es einfach nicht. Und wenn man dann „zu Hause“ bleibt und die weltweit verbreiteten Botschaften durchliest, dann kriegt man Hohlraumsausen. Also bitte … es ist einfach schlimm, dass Medjugorje so ein Breitenphänomen geworden ist. Männer gehen ins Fußballstadion – Frauen fahren nach Medju.

      Wo so viele Menschen auf einem Haufen sind, ist mir zu wenig Sauerstoff zum klar denken. Aber ich beneide die Leute um das Gemeinschaftserlebnis. Irgendwie möchte ich auch so sein – für 1 Woche – … und dann mit dem schiachen Plastikrosenkranz aus Medju wieder heimfahren.

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  4. "GsJC" sagt:

    Heute schon den Frühling gespürt?

    „… und ihr spürt nicht, dass der Frühling vor der Tür steht.“

    Was lassen sich die Anhänger verschaukeln. Das ist so ein albernes Geschwätz.

    MfG

    P.S.

    Medjugorje ignorieren ist für Christen unentschuldbar (P. Amorth)

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