Münster: Warum Bischof Genns Hirtenwort zur Fastenzeit enttäuschend ist

Von Felizitas Küble

Der Oberhirte von Münster, Dr. Felix Genn, hat zur österlichen Bußzeit einen Hirtenbrief herausgebracht, der am 1. Fastensonntag in allen Sonntags- und Vorabend-Messen des Bistums verlesen wurde.

Daß darin nichts von der Corona-Krise erwähnt wird, kann man dem Bischof wohl nicht ankreiden, da er seine Stellungnahme bereits am 2. Februar verfaßt hat, somit vier Wochen vor der öffentlichen Verlesung in den Kirchen seiner Diözese. (Wir wollen freilich davon absehen, daß unser CHRISTLICHES FORUM schon am 24. Januar über das Corona-Problem informiert hat: https://charismatismus.wordpress.com/2020/01/24/universitaetsmedizin-mainz-zum-corona-virus/)

BILD: In manchen Kirchen wurde Bischof Genn bei der Verlesung seines Hirtenworts auf einer großen Leinwand präsentiert

Das Bischofswort enttäuscht vielmehr aus anderen Gründen – einige seien hier aufgeführt:

1. Als „geistliche Übungen“ der Fastenzeit erwähnt er das Gebet, das Fasten und das Geben. Und was ist mit der Beichte? Diese kommt im gesamten Hirtenwort nicht ein einziges Mal vor.

2. Stattdessen erweckt es den irreführenden Eindruck, als sei der „Synodale Weg“ eine Folge der Missbrauchskrise: Durch den daraus entstandenen „Vertrauensverlust“ in die Kirche hätten die deutschen Bischöfe sich für den Synodalen Prozess entschieden. Was hat aber das eine mit dem anderen zu tun?

Soll etwas dieser Synodale Prozess eine gründliche Aufarbeitung der Missbrauchstaten und ihrer häufigen bischöflichen Vertuschung ersetzen oder zumindest aus dem Fokus rücken?

Indirekt gibt Bischof Genn freilich selber zu, daß es bei diesem Synodalen Weg um etwas ganz Anderes als die Missbrauchsproblematik geht, wenn er erklärt, man wolle hierbei Antworten suchen auf Fragen, „die seit vielen Jahren in der Diskusson sind“ – eben: die altbekannten Reformforderungen nämlich!

Dann schlägt er den Gläubigen das „gemeinsame Gebet zum Synodalen Weg“ vor und empfiehlt sogar das Fasten als „leibhaftigen Ausdruck“ der „inneren Anteilnahme“ – am Synodalen Weg und Gebet wohlgemerkt. Damit vereinnahmt der Bischof die traditionellen Fastenübungen der Gläubigen für sein eigenes Plädoyer zugunsten dieses Synodalen Prozesses.

3. Sodann erläutert der Münsteraner Oberhirte, der Heilige Geist sei „bei diesen Überlegungen anwesend“. Wir sollten diesem Geist „zutrauen“, daß er uns führe und auch „mit Lösungen überraschen“ könne, die wir jetzt noch „gar nicht erahnen“ – und so werde dieser Synodale Weg „Früchte des Geistes“ tragen.

Wie dürfen wir das verstehen?

Sollte der Heilige Geist der Kirche Christi nach 2000 Jahren sozusagen ein neues Licht aufsetzen? Benötigt ER hierfür zudem einen von deutschen Bischöfen angestoßenen „Synodalen Prozess“ mit Mehrheitsprinzip bei Abstimmungen? Soll der Heilige Geist das absegnen, was der Herren eigener Geist sich ausgedacht hat – als „Überraschung“ für das gläubige Kirchenvolk?

4. Merkwürdig erscheint auch folgende „Logik“ des Bischofs:

So wie wir auf die anderen Menschen hören, können wir uns auch innerlich ganz dem Wort Gottes, das uns in der Verkündigung in den Texten der Heiligen Schrift entgegenkommt, einlassen. Bringen wir die unterschiedlichen Wirklichkeiten unseres Lebens mit dem Wort Gottes ins Gespräch, so werden wir fähig, sie als Zeichen Gottes in die-ser Welt und in dieser Zeit zu deuten.“

Wir sollen also „sie“ (!)  – nämlich die „unterschiedlichen Wirklichkeiten unseres Lebens“  – als „Zeichen Gottes in dieser Welt“ deuten. Wohlgemerkt: Nicht „es“ (das Wort Gottes!), sondern „sie“, diese Wirklichkeiten nämlich!

5. Im Hirtenbrief kommt nicht nur das Bußsakrament nicht vor, auch die Gebote Gottes werden nirgends erwähnt. Stattdessen heißt es, eine „Fastenübung“ könne in dem „Verzicht“ bestehen, „unter Druck zu schnellen Lösungen zu kommen“, weil dies danebengehen könne.

Weiter: „Wir werden erst sehen können, ob eine Entscheidung richtig ist, wenn daraus Friede, Trost, tiefe ruhe und Zuversicht erwachsen.“ – Das sind sicherlich erfreuliche Empfindungen, aber der eigentliche Maßstab sind nicht unsere Gefühle und Gemütsstimmungen, sondern der Vergleich unserer Taten mit den Geboten Gottes und der Botschaft Christi.

Quelle für die Zitate: https://www.bistum-muenster.de/fileadmin/user_upload/Website/Downloads/Aktuelles/Publikationen/Kirchliches-Amtsblatt/2020/2020-02_Amtsblatt_Nr._2_Beilage.pdf


7 Kommentare on “Münster: Warum Bischof Genns Hirtenwort zur Fastenzeit enttäuschend ist”

  1. Aus diesem Bistum würde ich auch nichts anderes erwarten, machte es doch durch Generalvikar Winterkamp bereits überdeutlich, wo es steht. Kürzlich hielt dieser es für angebracht, die Übernahme von Leitungsaufgaben in der Kirche durch AfD-Mitglieder zu untersagen (siehe katholisch.de). Ein vorauseilendes Signal der Botmäßigkeit gegenüber den dominierenden politischen Ansichten der Eliten, denn, wie er selbst einräumt, gibt es im Bistum Münster überhaupt keine Personen in kirchlichen Leitungspositionen, bei denen eine Mitgliedschaft in der AfD bekannt wäre. Offenkundig kam es darauf an, schon vorab die richtige „Haltung“ zu signalisieren.

    Wenig überraschend ist derselbe auch in Sachen Gottesdienstverbote ein zuverlässiger und williger Vollstrecker politischer Vorgaben – das Bistum habe „aber ohnehin von sich aus öffentliche Gottesdienste untersagt“ (so Winterkamp auf domradio.de vom 17. März 2020).

    Es paßt ins trostlose Bild, wenn dem Münsteraner Liturgiewissenschaftler Clemens Leonhard zu Ostern und Pandämie eine so schlichte wie pragmatische Lösung einfällt: Der Ostertermin möge aufgrund der Corona-Pandemie einfach verschoben werden (www.feinschwarz.net vom 30. März 2020). Das höchste Fest der Christenheit gleichgehobelt auf die Größe von Fußball-Wettbewerben, Olympia u. ä. – Ostern kann warten und wird eben gefeiert, wenn es uns gerade in den Kram paßt.

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  2. cherusciano sagt:

    Man kann sich nur wundern, wie eine Mehrzahl deutscher Bischöfe sich offenkundig in den Dienst des Zeitgeistes stellen und ernsthaft zu glauben scheinen, durch „den deutschen Weg“ der Gesamtkirche einen Dienst zu erweisen. Oder gar, wie offenbar Bischof Genn, eine besondere Erleuchtung durch den Heiligen Geist für sich in Anspruch nehmen zu können. Eher sind wir auf dem Weg zu holländischen Verhältnissen. Grassierende Entkirchlichung, lange bevor die Missbrauchsfälle ein Thema waren. Nachzulesen in einem Beitrag von Professor Hubert Gindert im CHRISTLICHEN FORUM: „Hintergründe der Entkirchlichung in den Niederlanden und ihre Auswirkungen“. Abgelegt unter: KIRCHE + RELIGION. Sehr lesenswert. Auch für die Synodalen!

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  3. Anonymous sagt:

    Nur zu einem Punkt will ich etwas anmerken:
    Sie kritisieren, dass Bischof Genn mit keinem Wort die Beichte erwähnte. Meines Wissens hat auch Jesus nie ein Sündenbekenntnis oder gar eine Beichte gefordert. (Jedenfalls ist mir keine Bibelstelle dazu bekannt. Bitte korrigieren Sie mich, wenn ich mich irre.)
    Jesus sagte mehrmals „dein GLAUBE hat dich gerettet“ – nicht: „dein Sündenbekenntnis“ oder „deine Reue“. Der Gelähmte (Mt 9,1) musste nicht einmal selbst seinen Glauben beweisen; Jesus reicht bereits der Glauben seiner Begleiter: „Man brachte einen Gelähmten auf seinem Bett zu ihm. Als Jesus IHREN Glauben sah, sagte er zu dem Gelähmten: Hab Vertrauen, mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben!“
    Sie können jetzt mit dem Katechismus, den Kirchenvätern und der Tradition argumentieren. Ich halte mich lieber an Jesus.

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    • Guten Tag,
      die Kirche hält sich lieber an Christus, der seinen Aposteln nach seiner Auferstehung sagte: „Empfanget den Heiligen Geist! Welchen ihr die Sünden erlaßt, denen sind sie erlassen – und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.“ – Das setzt logisch ein Sündenbekenntnis voraus – oder wie sollen die Apostel sonst eine Entscheidung treffen?
      Bei Christus, der als GOTT allwissend ist, war das doch etwas ganz anderes!
      Übrigens haben auch die Leute bei der Bußpredigt des Johannes ihre Sünden bekannt, bevor sie von ihm getauft wurden.
      Auch Johannes war wie die Apostel im Unterschied zu Christus n i c h t allwissend.
      Die Kirchenväter haben schon ihre biblischen Gründe gehabt, weshalb sie das Bußsakrament – damals hauptsächlich durch den Bischof verwaltet – als apostolische Überlieferung ansahen. Oder meinen Sie, die frühe Kirche hätte etwa keine Verbindung zu den Ursprüngen gehabt? Wer denn – wenn nicht gerade sie!
      Freundlichen Gruß!
      Felizitas Küble

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    • Holger Jahndel sagt:

      @Anonymous:

      Im Neuen Testament der Bibel steht sehr wohl, dass man seine Sünden bekennen soll bzw. dass die Christen einander ihre Sünden bekennen sollen. Ursprünglich geschah dies sogar öffentlich im Kreis der Gemeinde als Selbstanklage und Bekenntnis, insofern ist auch das Beichtgespräch mit dem Priester der in der katholischen Kirche im Beichtstuhl die Beichte abnimmt schon eine Erleichterung für die katholischen Christen und Laien und Sünder. Denn in der Tat geschieht auch heute noch in vielen Baptisten-Gemeinden und bei Evangelikalen das Sündenbekenntnis öffentlich im Geist der Gemeinde ganz wie im Urchristentum usw.

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      • Guten Tag,
        es gab in der frühen Kirche zwar die öffentliche Buße, aber nicht die öffentliche Beichte, zumindest nicht als Regelfall, da stets das Beichtgeheimnis wichtig war. Der Büßerstand in den ersten Jahrhunderten bezog sich auf „öffentliche Sünder“ (deren Irrweg ohnehin bekannt war), aber schon der hl. Augustinus schrieb darüber, daß das Sündenbekenntnis bei ihm als Bischof abgelegt wurde, nicht im Kreis der Gemeinde.
        Die Gefahr von geistlichem Missbrauch liegt doch auf der Hand, wenn das Beichtgeheimnis fehlt.
        Öffentlich war hingegen die Wiederannahme bzw. Aufnahme der „Büßer“ in die Kirche, indem sie wieder zur Eucharistie zugelassen wurden.
        Freundlichen Gruß!
        Felizitas Küble

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