Der „gute Ruf“ von Kardinal Müller – und wie man ihn weiter beschädigt

Von Felizitas Küble

Seit Jahrzehnten freut sich das „konservative Lager“  – und hier vor allem das familienorienterte Spektrum  – darüber, daß es mit Kardinal Gerhard Müller einen hochrangigen Kirchenmann als Unterstützer vorweisen kann, der nicht „nur“ gelehrte Bücher schreibt, sondern auch wortstark und charakterfest auftritt.
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Zu diesen familienbewegten Persönlichkeiten, die sich zugleich kritisch mit der Gender-Ideologie befassen, gehört nicht zuletzt der Publizist und Journalist Jürgen Liminski, der selbst kinderreicher Familienvater ist (einer seiner Söhne leitet die NRW-Staatskanzlei).
Allerdings fragt man sich, was ihn dazu bewegt haben mag, am 12. Mai 2020 in einem Kommentar unter dem Titel „Der gute Ruf“ in der JF-Wochenzeitung dafür zu sorgen (sicherlich unbeabsichtigt, wie zu hoffen ist), daß der gute Ruf von Kardinal Müller noch weiter beeinträchtigt wird. (Quelle: https://jungefreiheit.de/debatte/kommentar/2020/der-gute-ruf-2/)
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Zunächst lobt der Autor den derzeit von fast allen Seiten attackierten Würdenträger als „begnadeten Dogmatiker“ und gesteht ihm zu, als Präfekt der Glaubenskongregation eine „solide Arbeit geleistet“ zu haben: „solide“ –  das ist immerhin besser als nichts…
Sodann erzählt Liminski dem Leser, Müller habe sich nach seiner Quasi-Amtsenthebung zurückgezogen und „geschwiegen“, wobei dann in der „Stille“ sein Ansehen gewachsen sei. In Wirklichkeit hat der Kurienkardinal diverse Vortragsreisen  – auch durch Deutschland  –  unternommen, fleißig Bücher geschrieben und zahlreiche Interviews gegeben –  von Schweigen keine Spur.
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Vielleicht wollte der Autor mit seiner Bemerkung andeuten, es wäre besser gewesen, Müller hätte sich weiterhin auf diese (herbeigeschriebene) „Stille“ konzentriert…?
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BILD: Ein Titel aus der Auswahl guter familienbewegter Bücher von J. Liminski
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Nachdem danach bezüglich der kath. Kirche in Deutschland eingeräumt wird, „etwas mehr zur Selbstbehauptung“ in der Coronakrise wäre schon wünschenswert gewesen, kommt Liminski auf den Vigano-Aufruf zu sprechen, über den sich die veröffentlichte Meinung derzeit allenthalben empört – bis weit hinein ins kirchliche Lager.
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Dieses von Kardinal Müller mitunterschriebene Manifest warnt u.a. davor, die derzeitige Pandemie zu missbrauchen, um damit unverhältnismäßig Bürgerrechte einzuschränken und zudem eine künftige Weltregierung, „die sich jeder Kontrolle entzieht“, zu forcieren.
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Liminski kritisiert, der ehem. Glaubenspräfekt habe auf die Gegenstimmen reagiert, indem er die Kritiker in das „trübe Licht der Intoleranz gestellt“ habe.
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Zwar distanziert sich der Autor von „Kübeln von Häme und Hybris“ (gemeint sind damit wohl besonders scharfe Attacken gegen Müller), doch fragt man sich, warum er dem Kardinal zugleich vorhält, dieser habe darauf mit dem Intoleranz-Vorwurf reagiert – als ob dies nicht allzu berechtigt wäre! 
Damit nicht genug, schreibt Liminski weiter, Müller habe sich verrannt mit „in der Tat kruden Theorien von einer Weltregierung und Totalüberwachung“.
Wie angeblich „krude“ diese Besorgnis über einen womöglich künftigen Weltstaat  ist, kann hier gerne nachgelesen werden: https://charismatismus.wordpress.com/2020/05/13/weltregierung-eine-verschwoerungstheorie/
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Liminski belehrt den Kardinal sodann über das Einmaleins der Weltpolitik, denn Milliardäre wie Gates und Soros würden auf dem „Weg der Beeinflussung“ agieren, wofür man keine „Weltregierung“ benötige. – Na und? Als ob mit einer solch beiläufigen Einlassung das grundsätzliche Thema bereits erledigt wäre, schließlich geht es hierbei nicht in erster Linie um die Herren Gates und Soros.
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Doch Kardinal Müller scheint mit beiden Beinen fest auf der Leitung zu stehen, glaubt man Liminskis Lamento: „Solche simplen Zusammenhänge und Nicht-Zusammenhänge hätte auch ein Kardinal Müller schnell begriffen, wenn er denn politisch besser beraten wäre.“
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Ja, hätte der Ex-Glaubenspräfekt erst bei Herrn Liminski nachgefragt, bevor er ein Manifest unterzeichnet, dann wäre jetzt alles in Butter.
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Vergessen wir aber nicht den „springenden Punkt“, erläutert der Autor weiter: „Jede große Organisation hat automatische Filter. Die hatte der Kardinal auch, als er noch im Amt war.“
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Jetzt fehlt dem hochrangigen und gelehrten Kirchenmann wohl einfach das ihn umgebende und beratende Personal. Auf die Idee, daß der „begnadete Dogmatiker“ (Liminski über Müller) auch selber denken kann, scheint er nicht zu kommen.
In diesem arrogant-süffisanten Stil geht es fröhlich-ironisch bis zum Schluß weiter:
„Seit Müller nun ein Fürst mit Titel, aber ohne Land und konkrete Verantwortung ist, ist er offenbar Beratern ausgeliefert, die selbst niemandem Rechenschaft abzulegen haben.“
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Persönlichkeiten aus dem „Umkreis“ des Kardinals würden sich weder um ihren eigenen Ruf noch um den von Müller „scheren“.
Umso mehr aber wohl Jürgen Liminski mit seinem ebenso überflüssigen wie oberlehrerhaften Sermon über einen Würdenträger, der derzeit ohnehin schon von fast allen Seiten angegriffen wird.
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Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.
 Müller-Fotos: Bistum Regensburg
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8 Kommentare on “Der „gute Ruf“ von Kardinal Müller – und wie man ihn weiter beschädigt”

  1. Holger Jahndel sagt:

    Postmoderne Ideologen zerstören die Universität – und bald die gesamte Gesellschaft | Cathwalk

    Postmoderne Ideologen zerstören die Universität – und bald die gesamte G…
    In einem Gespräch mit Dennis Prager spricht Jordan B. Peterson, Professor an der University of Toronto, über den…

    https://www.thecathwalk.de/2019/12/22/postmoderne-ideologen-zerstoren-die-universitat-und-bald-die-gesamte-gesellschaft/#comment-8980

    https://www.thecathwalk.de/

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  2. Marienzweig sagt:

    Ich fand den Aufruf gut und habe deshalb auch unterschrieben.
    Erstaunlich – alle Welt fällt über Kardinal Müller her.
    Haben nicht auch Weihbischof Athanasius Schneider, ein amerikanischer Bischof sowie Kardinal Zen unterschrieben.
    Kardinal Zen hat ja als Vertreter der chinesischen Untergrundkatholiken besondere Erfahrungen mit einem Regime gemacht. Er wird sich deshalb seine Unterschrift sehr gut überlegt haben, sie war ihm wichtig.
    Was also macht die Unterschrift von Kardinal Müller so viel schlimmer, dass man dermaßen über ihn herfallen müsste?

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  3. gerd sagt:

    Auch ich verstehe hier Herrn Liminski nicht so ganz.
    Es könnte ein Zeichen der allgemeinen Verwirrung unter den Völkern sein, dass sich nun so langsam aber sicher die Spreu vom Weizen trennt.
    Herr Liminski schreibt: „Zu Beginn der Corona-Krise kritisierten beide (Sarah und Müller), daß die Kirche (implizit auch der Papst) sich gegenüber der Politik zu unterwürfig zeige. Für Italien, gefangen in der Schreckstarre angesichts so vieler Särge, waren die kirchlichen Reaktionen verständlich.“
    Wenn das Handeln der kirchlichen Institutionen in Italien von Bildern mit Särgen geprägt ist, dann wäre das durchaus erstmal zu hinterfragen, zumal jeder Anfänger an einem PC sich das Foto so zurechtpixeln kann, wie er will. Das genau haben Sarah und Müller nun doch folgerichtig gemacht, daran ist nichts verschwörerisch oder spekulativ. In unserem Land gab es ja anscheinend überhaupt keine Särge, trotz allem wurden Gottesdienste untersagt.
    Von welcher Schreckstarre sind denn unsere Bischöfe gefangen?
    Auch das Zitieren des Patrons der Journalisten, Franz von Sales: „Von allen Gütern dieser Welt ist der gute Ruf das Wichtigste“, ist nur ein Teil der Wahrheit. Für einen kirchlichen Würdenträger wird der „gute Ruf“ keinen Ausschlag haben, wenn sie, wie wir alle, vor unserem Richter stehen. Den „guten Ruf“ haben wir nur Gott gegenüber zu erreichen, alles andere ist nur Spiegelfechterei.
    Bischof Dyba scherte sich einen feuchten Kerricht um seinen „guten Ruf“, als er sich weigerte, sog. Tötungslizenzen in kirchlichen Beratungsstellen zu verteilen. Gerade weil sich dieser Bischof so standhaft weigerte und danach gehandelt hat, ist sein guter Ruf unantastbar.

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  4. protestant sagt:

    Wer heute noch die Idee einer Weltregierung, wie auch immer gestaltet, als krude Verschwörungsidee abtut, scheint noch nicht den Blick für das „Ganze“ zu haben.
    Fast täglich bekommt man doch vorgeführt, wie das Parlament umgangen wird, mehr Befugnisse auf die Regierung übertragen, immer mehr EU-Bestimmungen den Ländern aufgedrückt, UNO und WHO-Aktionspläne von den Ländern umgesetzt werden.
    Auf der ganzen Welt muss „Gleichheit“ herrschen. Eine Weltregierung muss her, um ökologischen Probleme in den Griff zu bekommen, wirtschaftliches Funktionieren sicherzustellen, Epidemien und Pandemien weltweit zu beherrschen.
    Die EU-Größen sind ja sehr traurig, wenn sie durch Gerichte der Mitgliedsländer ausgebremst werden.
    Viele unserer Mitbürger halten es ja kaum mehr aus, wenn Länderregierungen – aus gutem Grund – unterschiedlich handeln.
    In den TV-Nachrichten ist ein Aufschrei nach mehr Gleichheit zu hören. Warum dürfen die Kinder hier schon zur Schule und dort nicht? Wie kann Schweden anders handeln als die BRD?

    Es ist nicht nur die Frage nach einer Instanz von Weltregierung, sondern auch einer allgemeinen geistigen Haltung, die wie eine Weltregierung wirkt. Es ist gefährlich, anders zu denken als der Mainstream. Wer sich solches getraut, wird „ausgespuckt“.

    Und auch das könnte von der Geistlichkeit durchaus noch mehr herausgearbeitet werden: Die Menschen streben von sich aus immer nach Größe und Macht (auch die Religionen). Am Ende steht ein Turmbau zu Babel, mit dem Ergebnis der Sprachenverwirrung, ein gottloses Treiben, mit der Folge einer Flut oder dem Untergang einer Stadt, Königreiche, die am Ende zerschmettert werden (Buch Daniel), ein „tausendjähriges Reich“, das in der Zerstörung endet…

    Jetzt gehöre ich wohl auch zu den Weltverschwörern.

    Kardinal Müller gebe ich vollkommen recht. Ich bin Protestant.

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  5. Adolf Breitmeier sagt:

    Ich wollte, unsere ,,Regierung“ hätte wenigstens ein bisschen den gesunden Menschenverstand des Kardinal Müller!

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  6. Anonymous sagt:

    Warum sich gerade das „konservative Lager“ (der katholischen Kirche) über Kardinal Müller freut, verstehe ich nicht. In einem Interview mit der Wochenzeitung DIE ZEIT, das gestern veröffentlicht wurde, sagte Müller, er betrachte es als „Frechheit“ (!), als konservativ bezeichnet zu werden.
    (https://www.zeit.de/2020/21/gerhard-ludwig-mueller-corona-massnahmen-italien)

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