Die Bistumsleitung Essen polemisiert gegen das Vigano-Manifest und Kardinal Müller

Von Felizitas Küble

Mit dem Kirchenrecht pflegen einige Bistumsleitungen kein sehr inniges Verhältnis, stattdessen umso mehr mit dem Zeitgeist – oder dem, was diese Herren dafür halten.

Am 11. Mai 2020 erschien z.B. auf der amtlichen Internetpräsenz der Diözese Essen eine scharfe Attacke auf den „umstrittenen“ Vigano-Aufruf, der auch von Kardinal Müller unterzeichnet wurde: https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/bischof-overbeck-und-generalvikar-pfeffer-wenden-sich-gegen-corona-aufruf-konservativer-bischoefe/

Das großformatige Foto dort zeigt Bischof Franz-Josef Overbeck und rechts neben ihm seinen Generalvikar Klaus Pfeffer, wobei dieser Geistliche erkennbar seine kirchenrechtliche Pflicht mißachtet, als Priester eine Klerikerkleidung zu tragen (mindestens Kollar = römischer Kragen). Eine Krawatte und ein Kreuzlein am Revers sind beileibe kein Ersatz dafür.

Aber nicht „nur“ das Kirchenrecht wird links liegen gelassen. sondern auch das ABC der Fairneß:

Unter dem Titel „Bischof Overbeck und Generalvikar Pfeffer wenden sich gegen Corona-Aufruf konservativer Bischöfe“ wird dem Vigano-Manifest vorgeworfen, es enthalte „krude Verschwörungsmythen“ (gemeint ist damit wohl vor allem die Warnung vor einer Weltregierung), wobei „keine Fakten und Belege präsentiert“ würden.

Hierzu sei klargestellt:

1. Ein öffentlicher Appell ist keine Doktorarbeit und enthält üblicherweise keine Fußnoten. Vielmehr handelt es sich um einen „Weckruf“, der zum Nachdenken anregen, zu Diskussionen aufrütteln und zu diesem Zwecke sicherlich auch „provozieren“ will.

2. Generalvikar Pfeffer veröffentlichte seinen Rundumschlag ausgerechnet im „Spiegel“. Bernhard Zand, der Auslandskorrespondent dieses Hamburger Magazins, hat selber am 19.3.2020 eine Weltregierung vorgeschlagen, um die Corona-Pandemie besser zu bewältigen:

„Krisen wie diese bräuchten eine Art Weltregierung – so vorläufig und unvollkommen sie unter dem Druck der sich überschlagenden Ereignisse auch sein mag. Solche Krisen brauchen Abstimmung und Zusammenarbeit weit über nationale Grenzen, ja über Kontinente hinweg.“  (Quelle: https://www.spiegel.de/politik/ausland/coronavirus-krise-wir-brauchen-eine-weltregierung-a-058a25cf-646a-466f-a969-7a40a517feb0)

Auch von anderer Seite ertönt jetzt verstärkt der Ruf nach einem Weltstaat  –  wie kürzlich hier im CF aufgelistet: https://charismatismus.wordpress.com/2020/05/13/weltregierung-eine-verschwoerungstheorie/

Weiter heißt es auf der Bistumsseite Essen, den Generalvikar mache es „fassungslos“, wenn „hochrangige Vertreter“ der Kirche „so etwas“ verbreiten. Danach werden Kardinal Müller sowie der chinesische Kardinal Zen namentlich erwähnt, die das Vigano-Manifest unterzeichnet haben.

Sodann wird auf einen Text von Ruhrbischof Overbeck verwiesen, der den speziellen Beitag der Kirche in der Corona-Krise wie folgt beschreibt: „Solidarität zu üben als deutliches Zeichen der Entschlossenheit, sich für das Gemeinwohl und für soziale Gerechtigkeit einzusetzen“.

Geht es dem Oberhirten von Essen nur noch um das „Gemeinwohl“ und die „soziale Gerechtigkeit“? – Von Gott und seinem Reich steht hier kein Wort.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

Fotos: Bistum Regensburg (1), Dr. Bernd F. Pelz (2)


21 Kommentare on “Die Bistumsleitung Essen polemisiert gegen das Vigano-Manifest und Kardinal Müller”

  1. gisela jäschke sagt:

    Die Richtigstellung erleichtert mich und erfüllt mich mit Dankbarkeit.
    Das Gebet um Frieden und Einheit scheint mir wichtiger denn je.

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  2. Anonymous sagt:

    Ich wollte nur anmerken, dass gar keine Polemik vorliegt. Jedenfalls nicht nach der Definition des Begriffs. Es fehlt bereits an der Absicht dazu.

    Der „Spitzweg“ – Anonyme 🙂

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  3. dorrotee sagt:

    @Anonymous
    dessen Lesrkommentar mit „Hallo Dorrotee …“ anfing.
    Dann denken Sie sich doch einen Nicknamen aus und es kommt zu keinen Missverständnissen wegen der Anonymous-Kommentare.
    Vorschlag: Spitzweg

    Nur mal zum Nachdenken..

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  4. Anonymous sagt:

    Und noch eine Ungenauigkeit: Generalvikar Pfeffer veröffentlichte seinen „Rundumschlag“ nicht im SPIEGEL, sondern auf Facebook (https://www.facebook.com/klaus.pfeffer.948/posts/1377121475807407). Allerdings ist er danach von vielen Medien zitiert worden.

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    • Guten Tag,
      was Sie nicht alles „herausfinden“. Aber beschweren Sie sich doch bitte passenderweise bei der Pressestelle des Bistums Essen, die in ihrem – von mir korrekt zitierten – Artikel wörtlich schrieb:
      „Generalvikar Pfeffer kritisierte im Interview mit dem Magazin „Spiegel“ (Online, Sonntagabend): „Das sind krude Verschwörungsmythen, es werden keine Fakten und Belege präsentiert.“
      Freundlichen Gruß!
      Felizitas Küble

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    • dorrotee sagt:

      @Anonymous
      sie bewirken bei mir den Eindruck, dass Sie spitzfindig nach angeblichen journalistischen Fehlern bei Frau Küble suchen. Sie suchen meiner Ansicht nach ständig das Haar in der Suppe.

      Es stört mich, immer zuvor ihre Leserkommentare zu lesen. Da man befürchten muss, Sie haben evtuell wieder eine klitzekleine Kleinigkeit gefunden und wollen darüber vom eigentlichen SInn des Artikels hinwegschreiben und wegiskutieren.

      Oftmal scrolle ich ihren Leserkommentar weg. Es sei denn der Artike-Autor, meistens Fr. Küble, schreibt etwas zur Richtigstellung.

      Nur mal zum Nachdenken!

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      • Anonymous sagt:

        Hallo Dorrotee,

        ich weiß nicht, wen Sie meinen. Der Artikel von Anonymous vom 16. Mai 2020 um 22:15 ist jedenfalls nicht von mir. Daher auch hier der Hinweis:

        „Anonymous“ ist jeder, der keinen anderen Nick verwendet und daher nicht immer die gleiche Person. Dieser „Name“ wird von der Software des Blog vergeben und nicht von den Kommentatoren selbst.

        Nur mal zum Nachdenken!

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  5. Solche Kirchenmänner wie Overbeck haben sich von der katholischen Religion verabschiedet und gehen mit dem linksgrünen Mainstream, während sie uns gläubige Katholiken verdrängen, uns in unserer eigenen Kirche kaum noch Raum geben. Denen muss unbedingt der Geldhahn (Kirchensteuer) zugdreht werden. Wie gut, dass es die FSSPX gibt.

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  6. Anonymous sagt:

    Mit dem Kirchenrecht ist das so eine Sache:

    „Can. 284 — Die Kleriker haben gemäß den von der Bischofskonferenz erlassenen Normen und den rechtmäßigen örtlichen Gewohnheiten eine geziemende kirchliche Kleidung zu tragen.“

    http://www.vatican.va/archive/DEU0036/_PY.HTM

    Von einer Pflicht zum Collar steht da jetzt nichts. Und insbesondere steht nicht drin, dass die Kleidung erkennen lassen müsse, dass ihr Träger ein Kleriker ist.

    Ganz offensichtlich entspricht es „den rechtmäßigen örtlichen Gewohnheiten“ des Bistums Essen, dass ein Generalvikar „nur“ sichtbar ein Kreuz am Revers träg. damit die Kleidung „geziemend kirchlich“ ist. Denn sonst hätte das der Bischof durch seine Anwesenheit doch sicher nicht „abgesegnet“.

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    • Guten Tag,
      wie freundlich von Ihnen, auch noch den Can des CIC für uns herauszubröseln, vielen Dank aber auch!
      Hier ist wörtlich von
      „kirchlicher Kleidung“
      die Rede – ein Kreuzlein am Revers ist keine KLEIDUNG – schon klar?
      Ich habe auch nicht geschrieben, es müsse ein Kollarhemd sein – es darf gerne auch gleich ein schwarzer Talar bzw. Soutane getragen werden

      Freundlichen Gruß!
      Felizitas Küble

      PS: Auch ein Bischof steht nicht über dem Kirchenrecht, sondern hat es zu beachten – und nur, weil er bei seinem GV dies oder jenes duldet, ändert sich nicht das Kirchenrecht, das nicht der Willkür irgendwelcher Ober- oder Unterhirten ausgesetzt ist.

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  7. Anonymous sagt:

    Ich kann jeden einzelnen Satz, den Herr Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck und Generalvikar Klaus Pfeffer gesagt haben, nur nachdrücklich unterschreiben. Das ist angewandter christlicher Glaube.

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  8. dorrotee sagt:

    In diesr ANgelegenheit ist man als „kleiner“ Mensch und Christ dermassen ratlos.

    Einerseits ist klar, wir haben es mit einer Pandemie zutun und wir wissen nicht, was dieses recht unbekannte Virus uns noch bescheren wird. Aber es ist nicht eine harmlose Grippe, denn mittlerweile ist bekannt, dass das Virus Langzeitschäden an den inneren organen hervorrufen kann. Obwohl es erstmal unbemerkt im Körpr ist und nur kleine Symtome hervorruft.

    Andererseits sind die Zahlen noch verhältnismäßig wenig und eine frühere bekannte Grippe (Hongkong-Epidemie) liegt mit Toten gar noch darüber.

    SOmit stellt sich die Frage: Was steckt dahinter? Warum diese „elende“ Maskenpflicht, die so viele Experten als unsinnig, gar kontraproduktiv beurteilen. Wer hat das Sagen bei solchen Massnahmen? Warum macht die Kirche teils strengere Auflagen als der Staat?
    U.v.m.
    Komisch finde ich, dass manche POlitiker sich nicht an diese Massnahmen richtig halten: Abstand , Maske falsch getragen. Wissen die mehr, was abgeht?

    Deshalb werte ich das Schreiben Vigano nicht, weil wir erst in frühestens 1 Jahr mehr wissen. Bin jedoch dankbar für diesen Aufruf, damit wir wachsam bleiben. Es könnte sein, dass wir unsere Grundrechte wieder neu erkämpfen müssen.
    Ich halte es nicht für eine Verschwörungstheorie.

    Eine Verschwörungstheorie wäre dies: Es gibt im Grunde gar kein Corvit 19 Virus.
    Und das liest man schon mal auf Schildern der Hygiene-Demonstration.
    Da würde ich niemals mitlaufen.

    Dennoch bete ich für die vielen Opfer der Corona-Krise, die einsam sterben müssen. Ohne priesterliche Beistand, weil die Priester sich zu“ fein“ dafür sind. Alles ginge auf Abstand.
    In Italien standen wenigstens welche vor dem Krankenhaus und segneten. Teils wurde noch die Absolution erteilt.
    Möge diese Krise die Menschen neu zu Gott und seinen uns geschenkten Sakramenten führen. Das ist die Riesenchance. Ergreift sie.
    Auch wenn mal der 2. oder 3. Urlaub ausfällt.

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  9. Joachim Walter sagt:

    Diesen Leuten sei das Buch von Kardinal Sarah empfohlen.

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  10. Anonymous sagt:

    „Das sind krude Verschwörungsmythen, es werden keine Fakten und Belege präsentiert“
    Aber das stimmt doch! Der Viganò-Aufruf enthält doch nur unbelegte Behauptungen!

    „Geht es dem Oberhirten von Essen nur noch um das ‚Gemeinwohl‘ und die ‚soziale Gerechtigkeit‘? – Von Gott und seinem Reich steht hier kein Wort.“
    Reich Gottes ohne Gemeinwohl und soziale Gerechtigkeit? Wie soll das funktionieren?

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    • Guten Tag,
      ich schrieb doch, daß ein Manifest keine akademische Arbeit mit einem Fußnotenapparat ist. Zudem ist die Forderung nach einer Weltregierung, die sich in letzter Zeit verstärkte, eine schlichte Tatsache und keine Verschwörungsmythe: https://charismatismus.wordpress.com/2020/05/13/weltregierung-eine-verschwoerungstheorie/
      Natürlich gehören Gemeinwohl und Gerechtigkeit zum Reich Gottes (welche Erleuchtung aber auch – nee: eine Binsenweisheit), aber das Gottesreich erschöpft sich nicht darin – denn es geht über irdische Werte hinaus, sonst wäre es lediglich ein humanistisches Anliegen, wozu es keines Christentums bedarf.
      Freundlichen Gruß!
      Felizitas Küble

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