Ist die deutsche Ratspräsidentschaft wirklich eine „Hoffnung für Europa“?

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Im Leitartikel des Konradsblatts „Hoffnung für Europa?“ vom 21.6.2020 meint Brigitte Bottner: Die deutsche Ratspräsidentschaft ab 1. Juli 2020 „weckt Hoffnungen in vielen europäischen Mitgliedsstaaten“, zumal im ersten Amtsjahr der deutschen Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.

„Hoffnungsvoll sind auch die Kirchen… Europa ist kein loser Staatenverbund, den strategische und wirtschaftliche Interessen zusammenhalten; hier geht es um ein großartiges, einzigartiges Erbe mit christlichem Fundament“.

BILD: Prof. Gindert leitet den Dachverband „Forum Deutscher Katholiken“

In einem weiteren Artikel der gleichen Ausgabe mit dem Titel „Solidarisches Europa statt nationaler Alleingänge“ plädieren der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) Bätzing und der Vorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bedford-Strom, in einer gemeinsamen Erklärung (17.6.2020) zur deutschen Ratspräsidentschaft für ein „solidarisches Europa, das die Schwächsten der Gesellschaft“ im Blick hat und für die „Bewahrung der Schöpfung“.

Sie äußern die Überzeugung, dass unser aller Zukunft nicht allein bei den Nationalstaaten, sondern in Europa liegt.

Die wichtigsten Herausforderungen sehen beide Kirchen in der „Bekämpfung der Wirtschaftskrise“. Gleichzeitig wollen sie auf dem Weg zu einer „klimaneutralen Gesellschaft“ weitergehen. Sie haben „strukturschwache Länder und ärmere Bevölkerungsschichten weltweit“ im Blick. Schließlich fordern sie eine „menschenwürdige, gerechte und solidarische Asylpolitik, die schutzsuchenden Menschen sichere Zugangswege ermöglichen mit „hohen Aufnahme- und Verfahrungsstandards“.

Die „gemeinsame Erklärung“ liest sich wie eine Aufzählung von Wünschen von „Gutmenschen“, die nicht in politischer Verantwortung stehen und zumeist Allgemeinplätze wiederholen.

Eine „öffentliche Stimme“ wird man so nicht.

Von dem „großartigen, einzigartigen Erbe mit christlichem Fundament“, wie es im Leitartikel heißt, ist da nichts zu lesen. Wie sollte das in einer europäischen Union auch sein, die sowohl den Gottesbezug in der Verfassung wie die Nennung der christlichen Wurzeln Europas abgelehnt hat und eine Kultur entwickelt, die Gott aus dem öffentlichen Bewusstsein verbannt.

Dieses Erbe wird in der „gemeinsamen Erklärung“ nicht angesprochen.

Weiter hieß es im Leitartikel, die Kirchen sähen Europa nicht nur als losen Staatenverbund. Die gemeinsame Erklärung hat als „wichtigste Herausforderung“ die Bekämpfung der Wirtschaftskrise, nicht aber die geistige Krise Europas.

Die Zukunft läge nicht bei den Nationalstaaten, sondern in Europa. Das ist ein Allgemeinplatz, der aber nichts darüber aussagt, wie ein gemeinsames Europa zusammengehalten werden kann, in dem die Übergriffe des Europäischen Gerichtshofes und der Kommission das Subsidiaritätsprinzip immer mehr aushöhlen.

Auch das hätten die Verfasser der „gemeinsamen Erklärung“ ansprechen müssen, wenn ihnen der Fortbestand der Europäischen Union am Herzen liegt.


4 Kommentare on “Ist die deutsche Ratspräsidentschaft wirklich eine „Hoffnung für Europa“?”

  1. Peter Kiefer sagt:

    Zuerst die Bitte an Frau Brigitte Bottner: Nennen Sie bitte „die vielen europäischen Mitgliedsstaaten“, die sich von der deutschen Ratspräsidentschaft etwas erhoffen, und vielleicht auch noch, was sie sich erhoffen.
    Dann zur ‚gemeinsamen Erklärung‘ der beiden Kirchenfürsten, die offenbar in ihrer eigenen Blase leben. Perfekte Kritik von Prof. Hubert Gindert: „Die „gemeinsame Erklärung“ liest sich wie eine Aufzählung von Wünschen von „Gutmenschen“, die nicht in politischer Verantwortung stehen und zumeist Allgemeinplätze wiederholen.“
    Über die wirklichen Probleme sprechen die beiden Oberchristen ja nicht, an erster die Bevölkerungsexplosion in Afrika (manche Länder haben eine Geburtenrate zwischen 7 und 8!), dafür faseln sie von der „Bewahrung der Schöpfung“.
    Herrn Bedford-Strohm ist es offenbar auch gleichgültig, dass in Afrika und in der arabischen Welt Christen zu Hunderten verfolgt und getötet werden, er rettet lieber „In Seenot“ geratene ‚Flüchtlinge‘, die es sich leisten können, teure Schlepper zu bezahlen, um sie dann zur weiteren Alimentierung an den deutschen Steuerzahler weiterzugeben. Das nennt sich wahre christliche Nächstenliebe! Verwundert stellt er fest, dass immer mehr Mitglieder seinem ‚Verein‘ den Rücken zukehren, schwadroniert aber unverdrossen von „hohen Aufnahme- und Verfahrungsstandards“ und für eine „menschenwürdige, gerechte und solidarische Asylpolitik, die schutzsuchenden Menschen sichere Zugangswege ermöglichen.“ Was ist eigentlich mit den Kriegen und Bürgerkriegen, die für ständigen Nachschub an Flüchtlingen sorgen?

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    • Holger Jahndel sagt:

      Es gibt schon seit Jahrzehnten Christenverfolgungen in der islamischen Welt, die liberalen Medien brachten es nicht und verschwiegen und zensierten es systematisch und so weiter.

      Gefällt 2 Personen

  2. David sagt:

    Den Herren Bätzing und Bedford-Strom scheint der eurpäische Gedanke wichtiger zu sein, als die Verkündigung des Evangeliums in unsicherer Zeit. Darauf warten die Menschen und nicht auf Tagesschau-Plattitüden.

    Gefällt 1 Person


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