Prälat Georg Ratzinger verstorben: R.I.P.

Am Mittwoch, dem 1. Juli 2020 verstarb Prälat Georg Ratzinger, apostolischer Protonotar, Ehrendomherr am Regensburger Dom, Kanonikus am Kollegiatstift St. Johann und ehemaliger Domkapellmeister.

Seine schwere Erkrankung und zunehmende Schwäche wurden bekannt, als der emeritierte Papst Benedikt XVI. ihn, seinen älteren Bruder, vom 18. bis zum 22. Juni 2020 in Regensburg besuchte. Seine Wohnung in der Regensburger Luzengasse wurde daraufhin weltbekannt.

Der Tod des 96-Jährigen kam nicht überraschend.

Die Mutter, Maria Ratzinger, brachte ihren ersten Sohn Georg am 15. Januar 1924 im oberbayerischen Pleiskirchen zur Welt. Der Vater, Joseph Ratzinger, arbeitete dort als Ortspolizist. Kardinal Michael von Faulhaber weihte Georg am 29. Juni 1951 zum Priester – zusammen mit seinem drei Jahre jüngeren Bruder Joseph. Das 70-jährige Weihejubiläum hätten beide gerne im kommenden Jahr zusammen gefeiert.

Am 1. Juni 1964 übernahm Georg Ratzinger das Amt des Domkapellmeisters am Regensburger Dom und verantwortete seitdem 30 Jahre lang die musikalische Leitung der Domspatzen. 1976 konnte er mit dem Chor das 1000-jährige Bestehen feiern. Der Chor erwarb sich unter seiner Leitung internationales Renommee. Im Zentrum seines Wirkens stand immer die musikalische Entfaltung der Liturgie im Regensburger Dom. Musik war für Georg Ratzinger eine die Sinne erhebende Ausdrucksform des Gebets und der Verherrlichung Gottes.

1994 übergab Georg Ratzinger sein Amt an Roland Büchner und lebte seitdem als Kanonikus des Kollegiatstifts St. Johann in Regensburg. Im Rahmen der Aufklärung von Gewalt bei den Domspatzen bedauerte er persönliche Fehler.

Georg Ratzinger wirkte nicht nur als Chorleiter, sondern auch als Komponist. Unter seinen Werken wurde die Messe L’Anno Santo bekannt, die er dem Heiligen Jahr widmete, das Papst Johannes Paul II. zur Jahrtausendwende ausrief.

Seiner Schwester Maria, die am 2. November 1991 verstarb, und seinem Bruder Joseph blieb Georg Ratzinger sein ganzes Leben lang eng verbunden. Die Geschwister einte ein tiefer gemeinsamer Glaube. Sie waren einander Halt und Hilfe. Nachdem Bruder Joseph am 19. April 2005 als Benedikt XVI. zum Papst gewählt wurde, reiste Georg – bereits hochbetagt – regelmäßig in den Vatikan, um an der Seite seines Bruders zu stehen.

Bischof Rudolf Voderholzer erklärt:

„Lieber Domkapellmeister, Sie waren mir ein priesterlicher Mitbruder und Ratgeber. Ihre Musik war Gebetsschule, Glaubensunterweisung und Predigt. Unzählige Eucharistiefeiern im Regensburger Dom und in anderen Kirchen verdanken Ihrem Dirigat Schönheit, Herzenswärme und Erhabenheit. Konzertsäle konnten Sie in Gebetshäuser verwandeln.

Für diesen ganz besonderen priesterlichen Dienst danke ich Ihnen in tiefer Verbundenheit – auch im Namen der Vielen, deren Herzen und Sinne Sie erfüllten.“

Kondolenzbuch für Beileidsbekundungen: https://www.bistum-regensburg.de/news/heimgegangen-praelat-georg-ratzinger-7523/

Auf der Webseite des Bistums Regensburg steht ein detaillierter und differenzierter Bericht zum Leben und Wirken des Verstorbenen bereit: http://www.bistum-regensburg.de

Quelle: Bistum Regensburg


One Comment on “Prälat Georg Ratzinger verstorben: R.I.P.”

  1. Anonymous sagt:

    Leider hatte Herr Georg Ratzinger auch eine dunkle Seite:

    „In seinem Abschlussbericht, der am 18. Juli 2017 vorgelegt wurde, kam der Rechtsanwalt Ulrich Weber zu dem Ergebnis, Ratzinger habe „kein Wissen über sexuelle Gewalt“ gehabt. Bei Fällen körperlicher Gewalt griff er jedoch trotz Kenntnis nicht ein. Ratzinger werde, so der Anwalt, von damaligen Chormitgliedern als musikalischer Perfektionist geschildert. Er sei zwar kein Sadist gewesen, aber ein Choleriker, der oft in „rasende, unkontrollierte Wutausbrüche“ geraten sei, auf Sänger eingeschlagen und mit Notenständern geworfen habe. Domkapellmeister Roland Büchner sagte in einem Interview nach der Veröffentlichung des Berichts: „Es herrschte ein System der Angst“. Ratzinger sei als Chorleiter „impulsiv, ja fanatisch“ gewesen, „wenn er seine Vorstellungen von musikalischer Qualität durchsetzte“. Manche Schüler hätten ihn als Vorbild gesehen, „andere fürchteten ihn als Schläger“.

    Eine vom Bistum Regensburg in Auftrag gegebene kriminologische Studie kam 2019 zu dem Ergebnis, dass Domkapellmeister Ratzinger „den ihm übertragenen Erziehungs- und Fürsorgeauftrag aus kriminologischer Sicht gegenüber zahlreichen ehemaligen Schülern der Domspatzen aufgrund seines Gewaltverhaltens nicht erfüllt“ habe. Er habe den betroffenen Schülern sowohl „in Form der Vernachlässigung zuvorderst im Hinblick auf seine diesbezüglich nicht wahrgenommenen Aufgaben als Vorsitzender des Direktoriums der Stiftung der Regensburger Domspatzen und Kuratoriumsmitglied in Etterzhausen – wie direkt – in Form ausgeübter physischer und psychischer Gewalt – schweres Leid zugefügt.“ Typologisch habe Domkapellmeister Ratzinger im Untersuchungszeitraum „zur physisch-expressiven Gewalt“ tendiert, es sei „über die Jahrzehnte hinweg gemessen am Verhalten kein Wille erkennbar, an der eigenen Unbeherrschtheit und damit verbundenen spontan-reaktiven Gewaltausübung etwas verändern zu wollen.“

    Eine vom Bistum Regensburg in Auftrag gegebene historische Studie beschrieb 2019 die Einrichtungen der Domspatzen als „totale Institution“, in der das Wohl der Schüler den Interessen der Institution untergeordnet worden sei.“

    https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Ratzinger_(Kirchenmusiker)#K%C3%B6rperliche_Misshandlungen_und_sexueller_Missbrauch

    Liken


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