Seelsorge auf Abwegen: Pfr. Albert Franck und das charismatische „Binden und Lösen“

Von Felizitas Küble

Der Priester Albert Franck leitet in Luxemburg die „Charismatische Erneuerung“ (CE). Dieser halbamtliche Teil der katholischen Pfingstbewegten umgibt sich nach außen mit einem relativ gemäßigten Mäntelchen, ist aber in ihrer Substanz schwarmgeistig geprägt  –  einschließlich der in dieser Szene üblichen Phänomene (Fixierung auf Prophetie, Zeichen und Wunder, Rückwärtsfallen in Trance, „Heilung und Befreiung“ etc).

Pfarrer Franck betreibt seit längerem im  katholischen Privatrundfunk „Radio Horeb“ seine Seelsorgsstunden – meist an einem Samstagnachmittag.

Auf der Homepage seiner CE-Luxemburg wird der nächste Termin „Gebete um Heilung mit Pfarrer A. Franck“ für morgen angekündigt: Samstag, 25. Juli von 15 bis 16 Uhr: https://www.aubergededieu.lu/de/radio_horeb.html

Dabei scheint der Geistliche in diesen „Sprechstunden“ zwischen den Anrufen von gläubigen Ratsuchenden plötzlich höhere Einsprechungen bzw. besondere Ahnungen  zu erhalten oder bezieht sich auf kürzlich erlebte visionäre Eindrücke. Wenn Anrufer/innen von ihren Ängsten oder Depressionen erzählen, erklärt Pfr. Franck mitunter an Ort und Stelle, sie seien jetzt davon „gelöst“ und „freigesetzt“.

In diesem typisch charismatischen Sinne und Unsinne sind auch einige seiner schriftlichen Stellungnahmen abgehalten.

BILD: Buchtitel „Briefe an Dich“ von Pfr. Albert Franck

Der zweitletzte Absatz dieses Schreibens ist aufschlußreich: https://www.horeb.org/fileadmin/eigene_dateien/Neue_Seite/Downloads/Inhalte__Hab_keine_Angst_/Brief_von_Albert_Franck.pdf

Darin berichtet der Geistliche z.B. von einer Eingebung (oder Vision?), die er von oben erhalten haben will:
„Wo sind die Menschen“, sagt der Herr, ,,die stehenbleiben, erste Hilfe tun, eine Unterkunft besorgen, die Tür öffnen zu einem neuen Anfang?… Wo sind die Menschen, die an die vordere Schiffseite gehen, und Stürmen und Wellen Stille gebieten; die selbst dem Teufel und den Dämonen gebieten ,Verschwinde! Genug ist genug‘? Wo sind die Menschen, die den Kranken und Behinderten sagen ,Steh auf und geh‘?

Solche euphorischen Verstiegenheiten kennt man aus diesem Spektrum zur Genüge  – aber hier geht Pfr. Franck sogar soweit, reihenweise nach Christen zu rufen, die mit Exorzieren und Heilungswundern loslegen.

Dabei wendet er sich allgemein an Gläubige – und nicht etwa speziell an Priester (aber auch diese könnten Kranken nicht einfach sagen: Steh auf! – und ohne bischöfliche Erlaubnis dürfen sie zudem keinen einzigen Exorzismus vornehmen).

Hier werden also vermessentliche und irrgeistige Erwartungen im Kirchenvolk geweckt, was zu fatalen Enttäuschungen führen kann.

Gerade das unbiblische und unkirchliche „Binden und Lösen“ oder auch „Freisetzen“, das in der protestantischen Pfingstbewegung seit langem stark verbreitet ist, aber von katholischen Charismatikern zunehmend „kopiert“ wird, ist seelsorglich und theologisch höchst bedenklich.

Seit Jahrzehnten melden sich bei mir immer mehr Geschädigte (heute auch wieder zwei Betroffene!), die durch derartige Praktiken geistlich und seelisch (manchmal auch psychosomatisch und physisch) beeinträchtigt und in Verwirrung gestürzt worden sind.

Dies ist nichts anderes als geistlicher Missbrauch und seelsorgliche Manipulation!

Bisweilen ging es den Betreffenden zwar nach solchen Pseudo-Exorzismen („Befreiungsgebeten“) kurzfristig scheinbar besser, doch danach folgt der Fall ins Bodenlose, in Depressionen, Angstzustände und tiefgreifende Verunsicherungen. 

Wenn sich Aussteiger bei charismatischen Leitern darüber beschweren, bekommen sie nicht selten zu hören, das läge an ihrem mangelndem „Glauben“, sie sollten nicht soviel „grübeln“  – oder es wird ihnen gleich ein weiteres Befreiungsgebet aufgedrängt und ihrer Angst „befohlen“, zu  „weichen“ usw.

Zurück zu Pfarrer Franck und seinen charismatischen Anwandlungen, erkennbar z.B. auch in diesem Rundbrief: http://begeistert.info/erneuerung/wp-content/uploads/2017/05/K-ANDACHT-A-brief-April-2019.pdf

Darin heißt es (Hervorhebungen von mir):

„So haben wir auch Deiner gedacht im März bei der Wallfahrt nach Medjugorje…. Gott lässt Deine Situation nicht, wie sie ist, er verwandelt Deine Umstände, Dein Leben, Deine Familie, Deine Arbeit, Deine Gesundheit. Er ist stärker als die Finsternis, stärker als Krankheit und Behinderung, als Teufel und Dämonen, als Stein, Grab und Tod. Bei Gott ist nichts unmöglich!“

Auch das paßt  – neben der Anfälligkeit für Medjugorje-„Erscheinungen“  –  in die bekannte schwarmgeistige Mentalität: Nach „Krankheit/Behinderung“ werden gleich „Teufel und Dämonen“ erwähnt – und somit ein äußerst problematischer Zusammenhang hergestellt.

Sodann schreibt Pfr. Franck weiter an seine Leser:
„Wir erwarten einen Strom von Freude und Liebe, von Barmherzigkeit und Bekehrung, von Heilung und Befreiung in der Gegenwart unseres Heilandes… Es werden Tage der Rettung, der Erlösung, Tage der Heilung und Befreiung, Tage des neuen Anfangs in Glauben, Gebet und Eucharistie sein.“

Hier werden erneut sehr hohe Erwartungen geweckt – und was geschieht, wenn diese enttäuscht werden? Wer kümmert sich dann um die Desillusionierten?

Danach folgt erneut eine enthusiastische Ansage von angeblichen Verheißungen Gottes, auf die man sich proklamatorisch berufen solle: 

„Glaube wie Abraham: „Was Gott versprochen hat, das kann er tun“.
Glaube wie Maria: „Was Gott versprochen hat, das kann er tun“.
Glaube wie Petrus und Paulus: „Was Gott versprochen hat, das kann er tun“.“

Was hat Gott denn diesen heiligen Persönlichkeiten konkret „versprochen“?! Das teilt uns Pfarrer Franck keineswegs mit.

Zum Schluß wird dieses Gebet empfohlen:
„….Komm und führe mich, heile und befreie mich, reinige mich durch dein heiliges Blut von jeder Sünde und Schuld; heile mich durch deine Kraft von jeder Krankheit und Behinderung.

Geschädigte Menschen, deren Hoffnungen nach derartigen Zusagen enttäuscht wurden, melden sich seit Jahrzehnten bei mir; mit einigen von ihnen stehe ich seit vielen Jahren im Kontakt. Oft dauert es sehr lange, bis die Betroffenen die (un)geistlichen Folgen solch verstiegener Praktiken überwinden können, wenn es ihnen denn überhaupt gelingt.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM ehrenamtlich betreibt


13 Kommentare on “Seelsorge auf Abwegen: Pfr. Albert Franck und das charismatische „Binden und Lösen“”

  1. Holger Jahndel sagt:

    Der spätantike Theologe Pseudo-Dionysius Areopagita, dessen neuplatonisch geprägte Werke im Mittelalter hohes Ansehen genossen, führte den Begriff „Theurgie“ in die christliche Theologie ein. Er bezeichnete damit das Wirken des Heiligen Geistes und Jesu Christi und insbesondere die von Gott herbeigeführte Wirksamkeit der Sakramente.
    Auch der christliche Mystiker Dionysios Areopagita verwendete das Wort „Theurgie“ also im Zusammenhang mit dem Heiligen Geist als Geist Gottes. (siehe auch Elias Erdmann usw.)
    Der stark vom Neuplatonismus beeinflusste spätantike Theologe Pseudo-Dionysius Areopagita übernahm den Begriff „Theurgie“ in die christliche Theologie.
    Theurgie (griechisch θεουργία theourgía „Gotteswerk“) ist eine antike Bezeichnung für religiöse Riten und Praktiken, die es ermöglichen sollten, mit göttlichen Wesen in Verbindung zu treten und von ihnen Hilfe zu erlangen. Der Ausübende wird „Theurg“ genannt. Nach der gängigen Auffassung der antiken Theurgen wurde nicht versucht, die erwünschte Reaktion der Götter mit magischen Mitteln zu erzwingen, sondern es ging um ein Zusammenwirken von Gott und Mensch, bei dem sich der Theurg göttlichem Einfluss öffnete. Siehe dazu auch Johannes „Scottus“ Eriugena und Clemens von Alexandrien als Heiligen Klemens und seinen Schüler Origenes und den Heiligen und Kirchenlehrer Albertus Magnus zur Hermetik als hermetischen Philosoph und christlichen Hermetiker.

    Offene Geheimnisse – Hermetische Texte und … – FreiDok plus

    https://freidok.uni-freiburg.de/dnb/download/8466

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  2. Claudina sagt:

    Die Pfingstbewegung begann im Jahre 1906. Dann dauerte es mehr als fünf Jahrzehnte, bis die nächste Woge auftauchte. Man konnte sich darauf einstellen. Nur wenigen ist bekannt, dass ein tragendes Kennzeichen der Erweckung von Los Angeles im Jahre 1906 in den Weissagungen über die unmittelbare bevorstehende Wiederkunft Christi bestand, und zwar in der ekstatischen Ich Form – so spricht der Herr – die das neue Testament überhaupt nicht kennt. Man vergleiche 5.Mos. 18,22

    Am 3. April 1960 begann die charismatische Bewegung, wiederum in Los Angeles. Im Gegensatz zur Pfingstbewegung, in der Zungenreden konfessionell beschränkt war, geht diese Bewegung durch alle Konfessionen und Denominationen.

    ********************************

    Im Jahre 1967 begann die katholisch-charismatische Bewegung, deren führender Mann, der inzwischen verstorbene Kardinal Suenes von Belgien, erklärte:

    „Man muss Maria als die Mutter aller Charismatiker nennen.“

    *******************************

    Dann begann im Jahre 1980 die Prophetenwelle, danach die Welle der geistlichen Kriegsführung und der Gebetsmärsche. Am 20. Januar 1994 begann der Toronto-Segen und später die Erweckung in Pensacola. Die Abstände der Wogen werden immer kürzer: Die Seelsorgewelle, die Befreiungswelle, die charismatische Welle, die Lobpreiswelle, die Jüngerschaftswelle, die Gemeinschaftswelle, die innere Heilungswelle, die innere Glaubenswelle, die Heilungswelle, die Wohlstandswelle und zuletzt dann noch die „Dauerwelle“, wenn das so weiterschreitet.

    Gefunden unter Alexander Seibel.de.

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  3. Claudina sagt:

    Durch Umkehr kam ich im NOM zur katholischen charismatischen marianischen (vorallem zur Gospa) Erneuerung. Es war die Zeit, Gott auf neue Weise kennenzulernen, eine Beziehung aufzubauen, wieder zu beten. Für mich persönlich wurde hier ausgesät, was noch wachsen sollte. Es sollte nie Medjugorie sein, sondern Lourdes. Ich fuhr mit einer befreundeten Person, praktizierend in der Tradition nach Lourdes und erlebte ich hier das Christkönigfest. Es war für mich ein Augenöffner. Seither gehe ich zur Tridentischen Messe, befasse mich mit der Lehre der Kirche und möchte nichts mehr anderes.
    Nun zu meiner Auseinandersetzung mit der CE, die auch andere zur Tradition mit dem gleichen Umweg beschäftigt. Das ganze Spektrum von der CE mit Prophezeiung, Zungensprache, Rückwärtsfallen, Geistessegen kennt die Tradition nicht. Kann Gott der Herr so unterschiedlich wirken. Dieser Frage bindet mich nach sechs Jahren immer noch innerlich an die CE und macht mich betroffen. Sie werden von der Diözese getragen und öffnen Alphalive die Türen für Vorträge oder gehen an interkonfessionelle Treffen. Bei uns in der Tradition geht es bedächtig und leiser zu. Warum dieses Wirken Gottes auf so unterschiedliche Weise ist, verstehe ich nicht und gibt mir manchmal richtig Kopfzerbrechen Vielleicht hat jemand eine Antwort.
    Danke und allen einen gesegneten Sonntag.

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    • Guten Tag,
      Sie fragen sich, ob Gott „so unterschiedlich wirken kann“ – nämlich Traditionelles auf der einen und Charismatisches auf der anderen Seite.
      Gegenfrage: Warum sind Sie so sicher, daß die schwarmgeistigen Phänomene (die Sie selber aufzählen), wie selbstverständlich von „oben“ kommen?
      Wie wäre es mit der Antwort: Meist von „innen“ (psychisch) – und unter Umständen auch von „unten“ (wobei sich die Betroffenen natürlich dieser „Herkunft“ i.d. R. nicht bewußt sind).
      Freundlichen Gruß!
      Felizitas Küble

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      • Claudina sagt:

        Guten Abend Frau Küble und Danke für Ihre Antwort.

        Im Zusammenhang mit der Charismatischen Erneuerung ist mir heute noch ein Name eingefallen, den ich mal im Zusammenhang mit der CE gelesen habe.Kardinal Suenens.

        Ich bin in der Internet-Suchmaschine auf die Ansprache von Papst Franziskus an die Bewegung der Charismatischen Erneuerung Petersplatz vom 03.07.2015 aufmerksam geworden. Immer wieder kommen die gleiche Gedanken hoch, wenn ich dies alles der Tradition gegenüberstelle: Wie kann das sein?

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      • Guten Tag,
        Kardinal Suenens war zuständig für die Charismat. Erneuerung in der kath. Kirche und versuchte allerdings, den „Laden“ noch im Zaum zu halten und gewisse Ausuferungen einzudämmen. So äußerte er sich z.B. kritisch über das Rückwärtsfallen in Trance (bei den Pfingstbewegten als „Ruhen im Geist“ schöngeredet, obwohl dieser „Hammersegen“ eher ein Versacken ins Unterbewußte oder gar ein Ruhen im Ungeist ist).
        Was meinen Sie denn genau mit Ihrer letzten Frage?
        Schon vor Franziskus gab es immer wieder anerkennende Worte aus Rom für die CE – vor allem durch Johannes Paul II.
        Lediglich Kardinal Müller hat sich eher kritisch geäußert, wollte zumindest deutliche Grenzen setzen.
        Freundlichen Gruß!
        Felizitas Küble

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    • Holger Jahndel sagt:

      Zeugen der Wahrheit (ZDW)

      http://www.kath-zdw.ch/

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  4. Cornelia Vogt sagt:

    Bei Depressionen gehört man zu einem Facharzt.
    Diese armen Menschen werden vorgeführt und mißbraucht.
    Sie erwarten Hilfe von denen, die den Mund dermaßen voll nehmen, sodaß sie sich sicher fühlen, sich dort in Gemeinschaft fallen zu lassen im Vertrauen auf Heilung.
    Sie fallen danach tiefer, weil sie erkannten, daß ihnen NICHT GEHOLFEN WURDE.
    Vorher den Verstand einsetzen ist WICHTIG.

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    • Holger Jahndel sagt:

      Studie zu Nahtoderlebnissen – Grenzwissenschaft-aktuell

      http://grenzwissenschaft-aktuell.blogspot.com/2014/10/studie-zu-nahtoderlebnissen-legt-ein.html

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    • Neumann Oberpfälzer Wald sagt:

      Liebe Frau Vogt, zu Ihrem Statement: „Vorher den Verstand einsetzen ist Wichtig“.

      Menschen, die mit einer Depression leben, sind oft nicht entscheidungsfähig und können die Hintergründigkeit solcher Angebote nicht überblicken.
      Sie greifen nach dem letzten Strohhalm, und wenn ihnen dann noch vorgemacht wird, dass ein christliches Weltbild dahinter stünde, um so mehr.
      Das ist ja das Schlimme, dass solche Menschen, die in einer Lage sind, sich selbst nicht mehr Helfen zu können, für solche Aktionen angeworben werden.
      Die Enttäuschung über nicht stattgefundene Heilung ist sicher gross, wie Sie in ihrem Kommentar schrieben. Aber am schlimmste ist die Tatsache, dass den Betroffenen von Seiten der „Heiler“ auch noch die Schuld für die nicht zustande gekommene Heilung zugeschoben wird.
      Dann ist das Elende doppelt so gross. „Ich verdiene es gar nicht, dass mir Gott die verheissene Heilung zuwendet!“.

      Ich würde mich interessieren, wie obig genannter Priester gegenüber Betroffenen reagiert, die nicht geheilt wurden. Eine nicht erfolgte Heilung ist ja für ihn ein Fehlschlag, und an ihm wird es ja nicht gelegen haben….
      Entweder: Die Person hat noch ungebeichte Sünden an sich oder es ist eine „Ahnenschuld“.
      Das Argument „Es war vielleicht nicht Gottes Wille“, das man im Bereich von Wundergläubigkeit öfter hört, gibt es hier nicht. Gott verheisst Heilung, die hat auch zu geschehen, wenn der Wundertäter eingreift – wenn nicht – dann hat der Betroffene selbst Schuld.
      Keine Heilung und selbst schuld – das ist furchtbar.

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