Warum mischt sich die kath. Kirchenpresse in den US-Wahlkampf ein?

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Sollten katholische Kirchenzeitungen den allgemeinen Anti-Trump- bzw. den Pro-Biden-Trend praktizieren?

Natürlich ist die Versuchung gegeben, mit dem großen Haufen zu laufen, wie Frau Noelle-Neumann vor vielen Jahren konstatiert hat.

In einer katholischen Kirchenzeitung geschieht das mit der Titelüberschrift „Mit Rosenkranz gegen Gewehre.“

Der Untertitel lautet: „Joe Biden könnte nach John F. Kennedy der zweite Katholik werden, der ins Weiße Haus einzieht.“

Weiter heißt es: „Der demokratische Bewerber beruft sich auf seinen Glauben, der ihm geholfen habe, mit Schicksalsschlägen fertig zu werden.“

Die katholische Haltung Joe Bidens wird mit Zitaten unterstrichen wie „Er hat immer den Rosenkranz dabei“… „Das Versprechen Jesu spendet ihm Trost“, sagt die Ordensfrau Simone Campbell.

„Seit dem Tod seines Sohnes Beau trägt der Katholik stets dessen Gebetskette bei sich… geprägt wurde Biden durch zwei ‚Johns, den ersten katholischen US-Präsidenten John Kennedy und Papst Johannes XXIII. dessen Einsatz für soziale Gerechtigkeit ihn prägte“  – „Mit seiner Nominierung als Präsidentschaftskandidat der Demokraten hat der regelmäßige Kirchgänger derzeit gute Aussichten als zweiter Katholik ins Weiße Haus einzuziehen“.

Soweit die seriös klingende Beschreibung Bidens.

BILD: In den USA wird auch mit Kecksen und Kleingebäck für Biden geworben

Auch der Amtsinhaber Trump wird zitiert mit Worten, die ihn eher ins Abseits stellen: „Er (Biden) ist gegen Gott. Er ist gegen Gewehre“. Biden wolle „eine Welt ohne Religion schaffen… Gott würde die Wahl Bidens ins Weiße Haus ‚weh tun‘“.

Niemand kann beurteilen, in welchem Zusammenhang diese Worte gefallen sind.

Nun werden im gleichen Artikel auch katholische Stimmen gebracht, die auf Bidens „angebliche (!) abtreibungsfreundliche Haltung“ hinweisen.

„Tatsächlich verteidigt“, so heißt es, „der demokratische Kandidat politisch die Selbstbestimmung von Frauen – auch wenn er Schwangerschaftsabbrüche persönlich ablehne“.

Hier werden Katholiken, die ihren Glauben ernst nehmen, hellhörig. Sie wissen, dass die Kirche Abtreibung für ein „verabscheuungswürdiges Verbrechen“ hält.

Es mag stimmen, dass Biden persönlich eine Abtreibung ablehnt, entscheidend ist, was er als Präsident tut.

Informierte Zeitgenossen wissen, dass sich Biden für eine Lockerung der Abtreibungsgesetze ausgesprochen hat. Biden als „katholischen“ Kandidaten herauszustellen, erscheint etwas gewagt. Das kann man wohl nur, wenn man für die „Selbstbestimmung“ der Frauen in der Abtreibung ist, die in Wahrheit eine „Fremdbestimmung“ über das Kind bedeutet.


9 Kommentare on “Warum mischt sich die kath. Kirchenpresse in den US-Wahlkampf ein?”

  1. Anonymous sagt:

    Eine deutsche katholische Zeitung kann sich gar nicht in den Wahlkampf in den USA „einmischen“. denn sie wird dort gar nicht zur Kenntnis genommen. In Deutschland übrigens auch nicht.

    Die katholischen Wähler in den USA stehen in einem Dilemma. Einerseits ist „pro choice“ Kandidat Biden nicht wählbar, weil er Abtreibungen zumindest als „freie Wahl“ der Frau hinnimmt. Andererseits ist Trump, der die amerikanische Verfassung seit seinem Amtsantritt schleift, ebenfalls unwählbar.

    Die Fußnägel kringeln sich aber bei mir hoch, wenn ich folgenden Satz lese:

    „Das kann man wohl nur, wenn man für die „Selbstbestimmung“ der Frauen in der Abtreibung ist, die in Wahrheit eine „Fremdbestimmung“ über das Kind bedeutet.“

    Der Gegensatz ist Unsinn. Denn es geht nicht gegen eine freie Entscheidung von Frauen, sondern darum, dass sie sich frei für das Kind entscheiden.

    Abgesehen davon, dass Kinder bis zur Volljährigkeit erheblicher Fremdbestimmung ausgesetzt sind – man nennt das auch Erziehung – hat es der Autor nicht begriffen, worum es den Frauen EIGENTLICH geht:

    Ernst genommen zu werden.

    Die Zeiten, in denen man Frauen von oben herab „aus höherer moralischer Warte“ sozusagen, befehlen kann, gefälligst ihre Kinder auszutragen, sind vorbei. Wobei es ja hauptsächlich Männer sind bzw. waren, die so agierten.

    Es geht vielmehr um Handeln aus besserer Einsicht. Natürlich sollten Abtreibungen absolut vermieden werden. Denn sie sind in sich böse. Aber eben weil Frauen von innen her dazu motiviert sind. Dazu brauchen sie gerade bei unerwünschten Schwangerschaften Verständnis für die Problematik ihrer Lage und Hilfe und Ermutigung, ein Opfer für das Kind zu bringen. Kalte Moralrigidität hilft da ebenso wenig wie falsche Liberalität.

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  2. Anonymous sagt:

    „Deshalb hat Trump auch in den USA, lt. Untersuchungen, eine Zustimmung zwischen 60 und 70 Prozent.“

    Nein, hat er nun wirklich gar nicht. Selbst das Umfrageinstitut Rasmussen, welches der GOP nahe steht, kommt am 28.09.2020 zu folgendem Ergebnis:

    Zustimmung zum Präsidenten 47 %
    Ablehnung des Präsidenten 52 %

    Tatsächlich sind die Zahlen aber für Trump nicht so günstig.

    Trump hängt auch in den Umfragen bezogen auf das gesamte Land, weit zurück. Er kann aber dennoch die Wahl gewinnen, wenn er in den sog. battle ground states vorne liegt.

    Zu beachten ist, dass in weiten Teilen der USA bereits jetzt die Wahlen begonnen haben.

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  3. Anonymous sagt:

    Eine deutsche katholische Zeitung kann sich gar nicht in den Wahlkampf in den USA „einmischen“. denn sie wird dort gar nicht zur Kenntnis genommen. In Deutschland übrigens auch nicht.

    Die katholischen Wähler in den USA stehen in einem Dilemma. Einerseits ist „pro choice“ Kandidat Biden nicht wählbar, weil er Abtreibungen zumindest als „freie Wahl“ der Frau hinnimmt. Andererseits ist Trump, der die amerikanische Verfassung seit seinem Amtsantritt schleift, ebenfalls unwählbar.

    Die Fußnägel kringeln sich aber bei mir hoch, wenn ich folgenden Satz lese:

    „Das kann man wohl nur, wenn man für die „Selbstbestimmung“ der Frauen in der Abtreibung ist, die in Wahrheit eine „Fremdbestimmung“ über das Kind bedeutet.“

    Der Gegensatz ist Unsinn. Denn es geht nicht gegen eine freie Entscheidung von Frauen, sondern darum, dass sie sich frei für das Kind entscheiden.

    Abgesehen davon, dass Kinder bis zur Volljährigkeit erheblicher Fremdbestimmung ausgesetzt sind – man nennt das auch Erziehung – hat es der Autor nicht begriffen, worum es den Frauen EIGENTLICH geht:

    Ernst genommen zu werden.

    Die Zweiten, in denen man Frauen von oben herab „aus höherer moralischer Warte“ sozusagen, befehlen kann, gefälligst ihre Kinder auszutragen, sind vorbei. Wobei es ja hauptsächlich Männer sind bzw. waren, die so agierten.

    Es geht vielmehr um Handeln aus besserer Einsicht. Natürlich sollten Abtreibungen absolut vermieden werden. Denn sie sind in sich böse. Aber eben weil Frauen von innen her dazu motiviert sind. Dazu brauchen sie gerade bei unerwünschten Schwangerschaften Verständnis für die Problematik ihrer Lage und Hilfe und Ermutigung, ein Opfer für das Kind zu bringen. Kalte Moralrigidität hilft da ebenso wenig wie falsche Liberalität.

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  4. Holger Jahndel sagt:

    Es ist ein beliebter alter Trick der Freimaurerei, einerseits die moralischen Werte auf der einen Seite und andererseits die sozialen Werte auf der anderen Seite gegeneinander auszuspielen.

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  5. ruedigerengelhardt sagt:

    „Mit Rosenkranz gegen Gewehre.“^
    Was würde Atze Schröder dazu sagen? „Ja nee, is klar.“
    Auch ich fange bei so einem Spruch wieder an, an den Weihnachtshasen und Ostermann zu glauben.
    Trump, ein Präsident, der sein Herz auf der Zunge trägt. Solch einer ist mir lieber als alle seine Vorgänger der letzten 60 Jahre. Da ist ein Präsident, der sich seinen Wählern gegenüber verpflichtet fühlt, der seine Wahlversprechen einhält. Wahrscheinlich wird er deshalb von unserer Regierung so gehasst. Immerhin ist eine der „besonderen“ Eigenschaften unseres weiblichen Bundeskanzlers, sich an ihre Wahlversprechen nicht erinnern zu können. Ihre Regierungszeit kann man unter das Motto „Schlimmer geht immer“ stellen.
    Trump setzt sich, auch wenn bestimmte Kreise bei uns es nicht wahrhaben wollen, für seine Bevölkerung ein und zusätzlich für den Frieden in der Welt. Etwas, was sich von Merkel mitnichten sagen läßt. Bei ihr ist es eher das Gegenteil.
    Im Gegensatz zum größten Kriegstreiber der Nachkriegszeit, Obama, beendet Trump die Kriege der USA und vermittelt zwischen den Völkern. U.A. der Friedensvertrag zwischen Israel und den Emiraten sprechen für sich!
    Deshalb hat Trump auch in den USA, lt. Untersuchungen, eine Zustimmung zwischen 60 und 70 Prozent.
    Jetzt zurück zu ja nee, ist klar – Ostermann und Weihnachtshase. Wer will da glauben, daß es Mit Biden besser wird? All meine Kontakte, meine Bekannten in den USA jedenfalls nicht.
    Da stimme ich Ihnen, Frau Küble, zu wenn sie schreiben: „Es mag stimmen, dass Biden persönlich eine Abtreibung ablehnt, entscheidend ist, was er als Präsident tut….. Biden als „katholischen“ Kandidaten herauszustellen, erscheint etwas gewagt. Das kann man wohl nur, wenn man für die „Selbstbestimmung“ der Frauen in der Abtreibung ist, die in Wahrheit eine „Fremdbestimmung“ über das Kind bedeutet.“

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    • Anonymous sagt:

      „Deshalb hat Trump auch in den USA, lt. Untersuchungen, eine Zustimmung zwischen 60 und 70 Prozent.“

      Nein, hat er nun wirklich gar nicht. Selbst das Umfrageinstitut Rasmussen, welches der GOP nahe steht, kommt am 28.09.2020 zu folgendem Ergebnis:

      Zustimmung zum Präsidenten 47 %
      Ablehnung des Präsidenten 52 %

      Tatsächlich sind die Zahlen aber für Trump nicht so günstig.

      Trump hängt auch in den Umfragen bezogen auf das gesamte Land, weit zurück. Er kann aber dennoch die Wahl gewinnen, wenn er in den sog. battle ground states vorne liegt.

      Zu beachten ist, dass in weiten Teilen der USA bereits jetzt die Wahlen begonnen haben.

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  6. Cornelia Vogt sagt:

    Wahlkampf war immer schon so geführt worden. Nicht nur in Amerika.
    Ob Biden regelmäßiger Kirchgänger sei oder ein guter Katholik….
    Das will ich bezweifeln.
    Denn gerade die, die sich gute Katholiken nennen, sind manchmal die schlimmsten und falschen Menschen.
    Ist meine Erfahrung mit Katholiken bislang.
    Als wären diese besonders gerecht.

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