Historiker kritisiert geistigen Diebstahl durch die „Visionärin“ Marthe Robin

Von Felizitas Küble

Wie das Kölner DOMRADIO am 5. Oktober berichtet, wirft der belgische Historiker und Ordensbruder Prof. Dr. Conrad De Meester der bekannten französischen „Mystikerin“ Marthe Robin Betrug bzw. geistigen Diebstahl vor: https://www.domradio.de/themen/papst-franziskus/2020-10-05/hat-die-franzoesische-resl-von-konnersreuth-nur-andere-kopiert-betrugsanschuldigungen-gegen-die

Für die 1981 verstorbene „Stigmatisierte“ läuft in Rom erfolgreich ein Seligsprechungsprozeß, wobei ihr von Papst Franziskus am 8.11.2014 bereits der „heroische Tugendgrad“ zugesprochen wurde, was eine entscheidende Etappe in diesem Verfahren darstellt. (Quelle: http://press.vatican.va/content/salastampa/it/bollettino/pubblico/2014/11/08/0833/01766.html)

Laut Dr. De Meester „sind die betrügerischen Handlungen so häufig und so brillant inszeniert, dass es unmöglich ist, dass Marthe nichts davon wusste“. Die Botschaften der „Seherin“ seien das Kopier-Ergebnis eines „klugen, aber betrügerischen Flickwerks von Dutzenden mystischer Autoren“.

Das Romradio schreibt weiter: „Der Theologe und Spezialist für christliche Mystik war 1988 gebeten worden, Robins Texte mit Blick auf ihren Seligsprechungsprozess zu studieren. Als er im Dezember 2019 starb, entdeckte sein Klostervorsteher das Manuskript des 400 Seiten umfassenden Buches, an dessen Ende De Meester zu einem kompromisslosen Schluss kommt: Robin habe die Welt getäuscht.“

Marthe Robin ist die geistig-geistliche Ziehmutter mehrerer charismatischer und/oder erscheinungsbewegter Gruppierungen, die in den 70er Jahren in Frankreich entstanden sind. Dazu gehören vor allem die „Gemeinschaft der Seligpreisungen“ sowie „Emmanuel“ und die Kommunität „Die Arche“.

Der Postulator des Seligsprechungsverfahrens ist Pater Bernard Peyrous, der aus der Emmanuel-Gemeinschaft kommt und vor 12 Jahren eine sehr wohlwollende Biographie über Marthe schrieb. – Auch das charismatisch orientierte Stift Heiligenkreuz veröffentlichte vor acht Jahren ein positives Buch über die „besondere Sendung der Marthe Robin(mit einem Vorwort von Kardinal Cordes).

Der Religionsphilosophische Salon berichtet unter dem Titel „Mystik als Betrug?“, es handle sich bei den Plagiaten der vermeintlichen Seherin um „Abschriften von spirituellen Texten aus dem 19. Jahrhundert“:

„In mühevoller jahrelanger Arbeit hat das Prof. Conrad de Meester aus Belgien herausgearbeitet, er ist im Dezember 2019 gestorben. Er war ein angesehener Fachmann für Fragen der Mystik und Mitglied in dem auf Mystik sozusagen spezialisierten Orden der Unbeschuhten Karmeliten.“
(Quelle: https://religionsphilosophischer-salon.de/13021_mystik-als-betrug-die-populaere-katholische-seherin-marthe-robin-frankreich-wird-vom-glorreichen-sockel-gestuerzt_religionskritik)

Hier im CHRISTLICHEN FORUM wurde die „Mystikerin“ samt ihren irrigen Botschaften bereits vor acht Jahren kritisch beleuchtet – danach folgten weitere betont skeptische Artikel: https://charismatismus.wordpress.com/category/visionen-und-charismatik-kritik/robin-marthe-mystikerin/


10 Kommentare on “Historiker kritisiert geistigen Diebstahl durch die „Visionärin“ Marthe Robin”

  1. Anonymous sagt:

    @Felicitas Küble (13.10. – 20:01 Uhr)

    Heute am Fest der Hl. Teresa von Avila möchte ich eine frz. der ganzen Welt vollkommen unbekannte Karmelitin zitieren (sie ist vermutl. schon gestorben vor ein paar Jahren):

    „Mein Gott, jetzt hat dieser alte Pater schon wieder ein Buch geschrieben, in seinem Alter. Wer soll denn das lesen ?“

    (Die Karmelitin meinte damit natürlich nicht P. Conrad de Meester OCD.)

    P. Conrad wird nichts daran ändern, dass weibl. gottgeweihte „Vorbilder“ tausendfach aufs Groteskeste instrumentalisiert wurden und werden.

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  2. Anonymous sagt:

    Ein bisschen off-topic… aber ich möchte noch was anderes kritisieren… In extrem vielen aktuellen kirchl. Artikeln wird behauptet, dass der neue Selige Carlo Acutis nach seiner Krebsdiagnose sich entschieden hat, alles für die Kirche usw. zu tun…

    Ulrich Nersinger: Er ist an Leukämie gestorben und hat diese Krankheit auch interessant angenommen. Weil er ein sehr religiöser, ein sehr spiritueller Mensch war. Er hat dann auch die Zeit, die ihm verblieben ist, zum Apostolos genutzt, indem er beides verbunden hat – seine Frömmigkeit, sein Empfinden, auch etwas für die Verbreitung des Glaubens zu tun. Das hat er umgesetzt, mit den modernsten Mitteln, via Computer, via Internet.

    Es gibt da ein Problem anhand der vorhandenen Arztbefunde usw.: Carlo hatte nach der Krebsdiagnose nur mehr +´5 Tage und die hat er sehr schnell auf der Intensivstation verbracht.

    Ja genau, er hat nach der Krebsdiagnose noch extrem viel apostolisch gemacht – für die Verbreitung des Glaubens, da hat es erst begonnen seine Internet-Ära…
    Ja, genau… ich bin beeindruckt.

    Das finde ich total fies, dass in fast allen Medien nachzulesen ist, dass sich niemand die Mühe gemacht hat, herauszufinden, wie lange Carlo Krebspatient war usw. — Wie ist das möglich ? Er hat im Wachkoma keine Algorithmen mehr geschrieben oder an seiner Website weitergearbeitet.

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  3. Anonymous sagt:

    Ich habe folgende Frage bzw. Problem: Was ist das für ein seltsames Karmeliterkloster in Belgien, wo der Pater Prior TOTAL überrascht ist, dass er in der verwaisten Zelle seines Mitbruders P. Conrad de Meester OCD ein fertiges dickes Manuskript findet.

    Marthe Robin hatte ZU VIEL Besuch in ihrem Schlafzimmer, und P. Conrad anscheinend „zu wenig“ – ich meine das nicht zynisch. Aber kann mir das bitte jemand erklären.

    Fehlt nur noch, dass der P. Prior in der Grabrede sagt: „Ich habe mich eh immer gefragt, was mein Mitbruder da immer alleine in seiner Zelle macht.“

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    • Guten Tag,
      Ihre Frage ist berechtigt, ich habe mich auch sehr darüber gewundert, doch weiß ich die Antwort nicht.
      Freundlichen Gruß!
      Felizitas Küble

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      • Anonymous sagt:

        Guten Tag Frau Küble,

        ich habe nun auch „La Croix“ konsultiert. Dort wird überwiegend gegen den verstorbenen Karmeliter gewettert – genau auch aus diesem Grund, dass er bis zum Schluss dieses explosive kritische Werk quasi „unter Verschluss“ gehalten hat.

        Allerdings möchte ich unbedingt einen frz. Priester hier zitieren, der auch in „La Croix“ einen Kommentar hinterlassen hat. P. Bernard Xibaut – BITTE ihn ins Gebet einschließen. Ein sehr guter Analysant der Causa.

        Il semble bien qu’il ne faille pas seulement sauver à tout prix la cause d’une femme à qui, si je vous ai bien lu, le père De Meester reconnaît bien des qualités, mais celle de toutes les structures et toutes les personnes qui se sont réclamées d’elles. Une fois qu’elles avaient affirmé « Marthe m’a dit que… » – je parle d’expérience – il n’était plus possible d’envisager avec elles le moindre discernement.

        P. Xibaut hatte viel mit Menschen zu tun, die Marthe Robins „Worte der Weisheit“ usw. von ihrem Krankenbett aus als „Marthe hat mir gesagt…“ unters Volk gebracht haben. Also diese typ. Berufungsunterscheidungen usw.
        P. Xibaut hat immer die Erfahrungen machen müssen, dass die Leute, die von Marthe kamen total immun waren für jede weitere Unterscheidung der Geister !

        https://www.la-croix.com/Debats/Marthe-Robin-livre-posthume-Conrad-Meester-2020-10-13-1201119178

        Die Theol. Fak.en vermarkten seit Jahrzehnten extrem altbackene dubiose Französinnen als Mystikerinnen, z.b. Simone Weil. Da ärgere ich mich derzeit auch maßlos. Und es nimmt kein Ende.

        Die Missbrauchsopfer der Kath. Kirche, das sind die wahren Mystiker. Deren Leiden will aber niemand bei Tageslicht anschauen. Seltsam ? Wann wird da endlich jemand seliggesprochen. Bei DANIEL PITTET könnte man bereits bei der Beerdigung die Selig- UND Heiligsprechung publik machen. Bei dem fehlt ja echt nix mehr. Da würde ich sogar Geld spenden.

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      • Guten Tag,
        danke für Ihre Hinweise. Diese Mentalität, Marthes Aussagen für eine direkte Anweisung des Himmels zu halten, ist typisch für charismatische und „mystische“ Personen und Gemeinschaften. Dies ergibt sich auch aus dem Buch „Martha“ von Bruder Ephraim, wo sich massenhaft Zeugnisse finden, die bestätigen, daß sie Marthes Worte für eine höhere Offenbarung hielten, auch wenn es um die eigene Berufung und persönliche Lebensentscheidungen ging – gerade dann erst recht.
        Was Simone Weil betrifft, so wird sie eher von linkssozialen Kreisen gewürdigt, die konservative Seite interessiert sich weniger für sie, zumal sie zumindest zeitweise dem Sozialrevolutionären nahestand.
        Frankreich scheint wirklich ein Tummelplatz für pseudomystische Phänomene zu sein (wenngleich es von Italien übertroffen wird), denkt man an die vielen Erscheinungen, Privatoffenbarungen, Seher/innen etc….
        Was nun den verstorbenen Robin-Kritiker betrifft, so spricht es nicht gegen den Inhalt seiner Abhandlung, daß er diese so lange versteckt hielt. Vielleicht traute er sich nicht so ganz, mit der explosiven Wahrheit herauszurücken, immerhin ist Marthe mehr als eine Einzelperson, sie hat ganze Bewegungen inspiriert und zwar weit über Frankreich hinaus.
        Wenn die Ausführungen des Autors in der Sache berechtigt sind, so gilt dies Urteil, ob er lebt oder nicht.
        Das sollte auch seinen Kritikern klar sein.
        Freundlichen Gruß!
        Felizitas Küble

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  4. dorrotee sagt:

    Und wieder wurde einer Stigmatisierter viel zu früh ohne gründlicher Prüfung schon der „heroische Tugendgrad“ verliehen.
    Warum werden besonders diese stigmatisierten in den Heiligsprechungsprozessen schneller als andere durchgelassen? Das kann doch nur an den geistigen Verirrungen liegen, die diese unerklärlichen Wunden bei Menschen und leider Gottes auch bei Gelehrten und Priestern auslösen.

    Dabei soll mal klar gestellt werden, unerklärliche Wunden und blutende offene Stellen kommen auch in anderen Konfessionen und Religionen vor.

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  5. Cornelia Vogt sagt:

    Ich berichtige mich hiermit.
    Die Mutter Jesu ist ebenso heilig zu nennen.
    Gott ist es, der zu entscheiden hat, WER HEILIG IST.
    Und Gottvater weckte mich inmitten der Nacht, um dies zu texten.
    Und GOTT IST ES, DER MIR DIKTIERTE, WORT UM WORT.
    Stigmatisierung kenne ich nur zu gut.
    Böse Zungen habe auch ich erfahren müssen zu GENÜGE.
    Doch es kann und darf niemand einfach urteilen über Menschen, die sich nicht erwehren können, das nicht mal dürfen, denn GOTTVATER gibt den Ton an,
    Wieviele Wunder gibt es, die im Verborgenen geschehen sind, die niemals an die große Glocke gehängt wurden, sondern nur dankbar von den Betroffenen erkannt und angenommen wurden.
    Ich selbst würde davon sehr gern berichten.
    Doch hörte mir niemand zu.
    Meine Stigmatisierung ist unblutig.
    Nichts desto trotz nicht weniger schlimm zu ertragen.
    Alles zur Ehre Gottes.

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  6. Cornelia Vogt sagt:

    Wie dämlich muß ein Mensch sein,der überhaupt keine Ahnung hat,welche Schmerzen Stigmatisierung heißt.
    Eines stimmt jedoch.
    Jede Heiligsprechung ist zu schnell gewesen.
    HEILIG ist für mich einzig GOTT und keine Menschen.

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  7. Anonymous sagt:

    Da gibt es dann wohl wieder eine „Stigmatisierte“, die betrogen hat. Und schlimmerweise schon vom Papst den heroischen Tugendgrad vorschnell zugesprochen bekam.
    Schon der Papst vor Benedikt hat ja sofort sich zu allen möglichen Selig- und Heiligsprechungen hinreissen lassen.
    Auch bei Faustina wurde vorschnell gehandelt. Bei Mutter Teresa ebenfalls. Dann die drei Fatima-Kinder.
    Warum eigentlich?
    Wir haben viele Selige und Heilige in der katholischen Kirche und brauchen meiner Meinung nach nicht vorschnell Weitere. Besonders vorsichtig wäre ich sowieso bei Stigmatisierten. Die könnten es sich selbst zugefügt haben oder psychisch vertieftes Nachsinnen über das Leiden Jesu führte zu unerklärlich erscheinenden Wunden. Sowas gibt es auch in anderen Konfessionen, in Sekten und fremden Religionen. Also nichts, was auf Heiligkeit oder Seligkeit hindeuten würde.

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