Vom religiösen Unfug der „Teufelspredigten“

Von Felizitas Küble

Seit rund 200 Jahren schon geistert (!) eine sogenannte Teufelspredigt im katholischen Volke herum, die in Büchern und Broschüren vielfach verbreitet wird. Auch in erscheinungsbewegten und wundersüchtigen Webseiten wie Gloria-TV oder „Zeugen der Wahrheit“ darf diese angebliche Ansprache aus der Finsternis nicht fehlen.

Ob in Büchlein des Ruhland-Verlags aus Altötting oder in einer „Gemeinschaft aktiver Katholiken“ aus Stettfeld – erst recht in den zahlreichen Biographien des Niklaus Wolf von Rippertschwand – für den übrigens im Vatikan ein Seligsprechungsverfahren läuft – fast überall taucht diese „Teufelspredigt“ auf.

Der katholische Bauer, Politiker, Exorzist und „Heiler“ Niklaus Wolf von Rippertschwand wirkte vor rund 200 Jahren im Kanton Luzern. Obwohl kein Priester, sondern Laie, betrieb er häufig Teufelsaustreibungen und Krankenheilungen „im Namen Jesu„, was ihm große Bekanntheit im Volk verschaffte.

Kirchlicherseits war die Meinung über ihn nicht einheitlich. Wenn er in seinem „Eifer“ von Bischöfen zu bremsen versucht wurde, gab es eine Menge Fürsprecher zu seinen Gunsten, so daß manche einschränkende Maßnahme recht bald wieder zurückgenommen wurde.

Der Titel „Erleuchteter Laie“ (siehe Foto) in der Biographie von Ida Lüthold-Minder ist typisch für diese Volksreligiösität, die sich nicht selten mit (mindestens) einem Fuß auf dem Boden des Aberglaubens befindet.

So hat der „erleuchtete“ Bauer von Rippertschwand am 26. August 1811 eine „Besessene“ beherbergt, die von einer Pilgerreise zu Bruder Klaus von der Flüe zurückkehrte.

Dabei forderte er den „Teufel“, der in dieser aus dem Schwarzwald stammenden Frau gewirkt haben soll, dazu auf: „Sprich, was dir Gott zu sagen befohlen hat; was er dir nicht zu sagen befohlen hat, darüber schweige.“ Darauf folgte eine stundenlange „Predigt“ gleichsam aus der Hölle damit nicht genug: Am Abend verlangte der Bauer eine Wiederholung des Vorgangs, wobei er sein Hofgesinde einlud, so daß 17 Personen zugegen waren, die dieser „Rede zuhörten“, wie Niklaus Wolf zu Rippertschwand in seinem Protokoll berichtet, das u.a. von einem Kaplan Geißhüsler unterzeichnet wurde.

Die seitenlange „Teufelspredigt“ klingt streckenweise ebenso primitiv im Stil wie scheinbar fromm in der Sache, denn angeblich „mußte“ der Dämon, der aus der besessenen Frau sprach, widerwillig auf Befehl des Höchsten eine theologische Ansprache auf Kindergarten-Niveau halten, sozusagen eine Art „Verkündigung von unten“ bzw. Kellergeist-Katechese.

Wenn es nicht so ernst wäre, könnte man lachen über dieses Ausmaß an schaurigem Unfug, der hier im Gewande katholischer und „marianischer“ Frömmigkeit einhergeht.

Grundsätzlich sollte in diesen Zusammenhängen Folgendes klar sein:

  1. Laien wie jener Bauer haben keine Vollmacht zum Exorzismus, selbst Priestern ist diese Tätigkeit nur erlaubt mit einer schriftlichen Erlaubnis ihres zuständigen Bischofs.
  2. Christus hat in keinem einzigen Fall bei einer Teufelsaustreibung mit den Dämonen diskutiert oder ihnen gar ellenlang zugehört, geschweige sie zu einer „Predigt“ ans Volk aufgefordert – er hat ihnen vielmehr energisch das komplette Schweigen befohlen.
  3. Es ist überdies geistlicher Mißbrauch, wenn eine (angeblich oder tatsächlich) besessene Frau von über einem dutzend Zuschauer behelligt wird, so daß sie geradezu umringt ist von Schaulustigen – wo bleibt hier das Seelsorgsgeheimnis, das sehr wohl ein Bestandteil des Exorzismus ist, der schließlich keine Volksbelustigung darstellt
  4. Warum sollte Gott denn die Teufel dazu zwingen (!), gegen deren Willen eine Art „Predigt“ zu halten?! Die Hölle existiert doch gerade deshalb, weil Gott den freien Willen seiner Geschöpfe respektiert – und somit auch ein NEIN gegen ihn – und zwar in alle Ewigkeit! Die Hölle ist daher gleichsam von innen verschlossen, nicht von außen.
  5. Es ist geradezu absurd, wenn Gläubige noch Jahrhunderte später in Broschüren, Webseiten und Büchern zur Lektüre dieser „Teufelspredigt“ angehalten werden, so daß sie gleichsam „andächtig“ einer Dämonenrede lauschen, womit der Erzfeind des Menschen zum Verkündiger des Glaubens aufgewertet wird.

Natürlich erzählt der „Kellergeist“ der geneigten Leserschar genau das, was sie hören will, z.B: „Der Rosenkranz ist das vornehmste Gebet“. – Zweifellos ist er gut und sehr zu empfehlen, aber das vornehmste Gebet ist eindeutig das Vaterunser, zumal es von Christus selbst gelehrt wurde.

Ebenso unsinnig ist diese Teufelsweisheit: „Schon viele haben Gnade gefunden, nur weil sie das Skapulier getragen haben.“ – In Wirklichkeit macht eine noch so fromme Andachtsform „allein“ noch lange nicht selig, wenn die sonstigen Voraussetzungen (z.B. Einhaltung der Gottesgebote, gute Werke) fehlen.

Oder der folgende Unfug über die Kreuzigung Christi: „Wir sind in die Juden gefahren und haben einen Haß an ihm ausüben können.“ – In Wirklichkeit haben römische Schergen den Erlöser getötet, nicht „die Juden“ (wenngleich ein großer Teil der jüdischen Elite darauf hinwirkte).

Zudem erklärt der höllische Geist: „Ich hätte schon Hoffnung zur Reue, für mich ist aber ewig keine Hoffnung mehr.“ – Das ist theologisch völlig falsch, die bösen Geister lehnen Gott und damit jedwede Reue von sich aus kategorisch ab. Hier wird aber so getan, als würde der Teufel eigentlich gerne bereuen, wenn er nur „dürfte“.

Zwischendurch sagt der (angebliche oder tatsächliche) Dämon ironisch: „Der Teufel muß euch die Wahrheit predigen. Welch ein Wunderding.“

Allerdings – gar wunderlich geht es zu, wenn der Erzfeind sich zum Prediger mausern darf, dem das besonders „fromme“ Kirchenvolk auch noch aufmerksam lauscht…


6 Kommentare on “Vom religiösen Unfug der „Teufelspredigten“”

  1. Holger Jahndel sagt:

    Die 36 Strategien zur Zerstörung der Menschheit

    Alle Völker der Welt kennen den Teufel aus ihren Geschichten und Legenden, Traditionen und Religionen. Mal nahm er Gestalt an, um Böses zu tun – mal flüsterte er schmeichelnd oder drohend, doch stets gedankengleich in die Ohren der Menschen und bewegte sie dazu, seine Dinge zu tun.

    Auch in der modernen Zeit führt er – verborgen oder offen – auf jedem erdenklichen Gebiet seinen Kampf gegen die Menschheit: Religion, Familie, Politik, Wirtschaft, Finanzen, Militär, Bildung, Kunst, Kultur, Medien, Unterhaltung, soziale Angelegenheiten und internationale Beziehungen.

    Er verdirbt die Jugend und formt sich eine neue, noch leichter beeinflussbare Generation.

    Er fördert Massenbewegungen, Aufstände und Revolutionen, destabilisiert Länder und führt sie in Krisen. Er heftet sich – einer zehrenden Krankheit gleich – an die staatlichen Organe und die Gesellschaft und verschwendet ihre Ressourcen für seine Zwecke.

    In ihrer Verzweiflung greifen die Menschen dann zum erstbesten „Retter“, der im Mantel bestimmter Ideologien erscheint, wie Kommunismus und Sozialismus, Liberalismus und Feminismus, bis hin zur Globalisierungsbewegung. Grenzenloses Glück und Freiheit für alle werden versprochen. Der Köder ist allzu verlockend. Doch der Weg führt in die Dunkelheit und die Falle ist bereits aufgestellt …

    Für alle Menschen, denen das Schicksal der Menschheit am Herzen liegt.
    Kundenrezensionen

    „Es gibt kein zweites Werk das mir bekannt ist, das in so nachvollziehbarer, dokumentierter und klarer Weise die Kreuz- und Querverbindung der globalen kommunistischen, sozialistischen Bedrohung der Menschheit aufzeigt, den gemeinsamen Nenner der unterschiedlichen sozialistischen Strömungen in Politik, Bildung, Kunst, Kultur, Wirtschaft, Sicherheit, usw. herausarbeitet und dabei nie die notwendige Differenzierung vergisst, welche Anliegen berechtigt sind auf die sich der Sozialismus nur wie ein Aufhocker, als ein böser Geist des Alpdrucks, draufsetzt und welche genuin menschenfeindlicher Natur sind.“ – Dr. Markus Krall, Bestsellerautor

    „Absolute Leseempfehlung – und wichtig: durchhalten bis zum Schluss!“ – Magazin „Smart Investor“

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  2. Siehe auch den Weblog „Philosophia Perennis“ von David Berger als Theologen und Journalisten und Philosophen zum Islam und Islamismus und den Islamisten und siehe Gerhoch Reisegger und den INternetauftritt der Wertkonservativen Eva Hermann und das internationale Schiller-Institut und Judith Reisman und James DeMeo aus den USA.

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  3. Konnersreuther Pilger sagt:

    Die sogenannten Teufelspredigten sind ein rhetorischer Griff in die Trickkiste zur Unterstützung von Volksmissionen gewesen – im 18. Jahrhundert.

    Ausgehend von dem Gedanken, daß ein böser Geist gegen seinen Willen die Allmacht Gottes erkennen muss, sind diese „Predigten“ anstatt „schwarz auf weiß“ in „weiß auf schwarz“ angelegt.

    Auch der Geistliche Johann Josef Gassner hat bei seinen Wunderheilungen und Exorzismen die Dämonen zum Predigen gebracht. (Erst schritt sein zuständiger Bischof dagegen ein, danach Kaiser Joseph II. im Jahre 1777).

    Das „Predigen“ ist das Ergebnis von Suggestiv-Fragen vom ausführenden Exorzisten auf die betroffene Person. Durch die massiven Aufforderungen gibt die Person, welche sich für bessesen hält, Antworten, welche der Geistliche hören will. Antworten, welche dem Allgemeinwissen der jeweiligen Person entsprechen.

    Auch bei dem bekannten Fall, bei dem 1976 in Folge eine Würzburger Studentin zu Tode kam, haben die vermuteten Dämonen jedem der zwei Exorzisten das jeweils bevorzugte Thema geliefert. Der (scheinbar) erzkonservative Salvatorianer Pater Renz, welcher wenige Jahre zuvor wegen sexuellem Missbrauch an einer jungen Frau in Polen wieder nach Deutschland versetzt worden war, wollte von den Dämonen bestätigt wissen, dass es von großem Schaden sei, dass aus den Kirchen die Kommunionbänke entfernt worden seien und die Handkommunion eingeführt sei.
    Der andere Geistliche, Pfarrer Alt, über den mittlerweile ebenfalls sexueller Missbrauch bekannt ist, hatte wieder ein anderes Thema…(Das Bistum Würzburg hat vor wenigen Jahren bekanntgegeben, dass beide Geistliche des sexuellen Missbrauchs beschuldigt wurden und man den Exorzismus-Fall an der Studentin vielleicht auch in diesem Lichte sehen müsse).

    Wie gesagt – diese Predigten sind eine Folge von Suggestivfragen und wurden zeitweise als rhetorische Spielerei bei Volksmissionen verwendet – bei der Gelegenheit so etwas von der Kanzel vorgelesen wurde.

    (Solche unverantwortliche Dinge bei Volksmissionen wurden von der Kirche eingeschränkt und zuletzt streng verboten.)

    Vor 20 Jahren habe ich noch ein Traktat bei einem frommen Verlag erworben, welches „Brief aus der Hölle“ hieß und welcher einer frommen Nonne in Frankreich Anfang des 20. Jahrhunderts (Nonne war mit Foto abgebildet) von einer verdammten Seele diktiert wurde.
    Dieser Text – ähnlich wie oben genannten Predigten, war so geschliffen und so konstruiert, dass ich mir nur vorstellen konnte, dass dieser zuerst lediglich zur „Erbauung“ aufgesetzt wurde und irgendwann als „echt“ in Umlauf kam.

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  4. „Nicht für die Kirche Jesu Christi, sondern für Soros-Projekte“
    9. September 2020 1

    Der Jesuitenpriester Mario Serrano Marte sprach sich erneut für eine Entkriminalisierung der Abtreibung in der Dominikanischen Republik aus. „Ein teuflischer Geist schlängelt sich pausenlos, jeden Tag, immer weiter in die Kirche hinein”, schrieb dazu der promovierte Psychologe und Lebensschützer Mauro Faverzani.

    https://katholisches.info/2020/09/09/nicht-fuer-die-kirche-jesu-christi-sondern-fuer-soros-projekte/

    https://katholisches.info/

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  5. Cornelia Vogt sagt:

    Im Fernseher zeigte man vor kurzem eine Dokumentation über Exorzismus in Mexiko.
    Der Reporter ging dem nach und – man glaubt es kaum – sprach mit einigen, die sich selber für besessen hielten aus unerfindlichen Gründen.
    Wie eine Modeerscheinung geradezu .
    Der Exorzist hat täglich bis zu 200 Personen bei sich, um angebliche Dämonen auszutreiben.
    Furchtbar finde ich sowas Gruseliges.

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  6. dorrotee sagt:

    Von so einem Unsinn lese ich zum ersten mal.

    Ich kann Fr. Küble nur zustimmen in ihren Ausführungen.

    Das sagt einem doch schon der gesunde Menschenverstand, dass man einem Dämon, der angeblich predigt, nicht zuhören soll.
    Es ist schaurig, diese Szene, die sich da abspielte.

    Und so ein „erleuchteter“ Bauer sollte sicherlich nicht selig gesprochen werden.
    Das entbehrt jeder Grundlage!

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