Aus dem Munde der Kinder und Säuglinge hast du dir Lob bereitet

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche:
Psalm 8,2-3.4-5.6-7.

HERR, unser Herrscher,
wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde;
über den Himmel breitest du deine Hoheit aus.
Aus dem Mund der Kinder und Säuglinge hast du dir Lob bereitet
deinen Gegnern zum Trotz;
deine Feinde und Widersacher müssen verstummen.

Seh‘ ich den Himmel, das Werk deiner Hände,
Mond und Sterne, die du befestigt:
Was ist der Mensch, dass du an ihn denkst,
des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?

Du hast ihn nur wenig geringer erschaffen als die Engel,
mit Herrlichkeit und Ehre ihn gekrönt.
Du hast ihn als Herrscher eingesetzt über das Werk deiner Hände,
alles hast du ihm zu Füßen gelegt.


Trost des Glaubens in Wunden des Lebens

Von Pfarrer Felix Evers

Das Stephanusfest verbindet das Weihnachtsfest mit der Karwoche.

Wer an der Krippe kniet, steht unter dem Kreuz. „Warum?“ schreien viele in diesem Coronajahr gen Himmel, auch weil sie vor den Scherben ihrer Existenz stehen, finanziell nicht weiter wissen oder ihr altehrwürdiges Gewerbe aufgeben mussten.

Die Zahl der Suizide wird sehr hoch sein, Gott sei es geklagt. Die Leidfrage hat deshalb am 26. Dezember ihren richtigen Platz.

Wie viele Menschen verlieren ihren Glauben, weil sie nicht verstehen können, weshalb uns ein Gott der Liebe leiden lässt.

Maria bietet uns die Antwort als Pietá: Sie trägt den Gekreuzigten in ihrem Schoß. Dadurch stellt die Frage nach dem „Warum“ nicht länger Gott infrage, sondern wir stellen mit Maria diese Leidfrage Gott – und Gott schenkt uns seinen Sohn, der mit uns leidet und unser Trost wird.

BILD: Schmerzhafte Mutter im westfälischen Wallfahrtsort Telgte

Mit Dietrich Bonhoeffer können wir deshalb zur Jahresneige singen: „Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand, so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern aus deiner guten und geliebten Hand.“

Die Antwort auf die so bittere Theodizeefrage wird uns also nicht theoretisch gegeben – Hiob verzweifelte schier an den theoretisch möglichen Antwortversuchen auf die Frage nach dem letzten Grund für all seine Lebenswunden – , sondern personal: Wir finden Gottes Antwort auf alle Ölbergschreie dieser Welt, weshalb uns Gott verlassen habe, in der Krippe liegen und am Kreuz hängen.

So sehr liebt Gott seine Schöpfung, dass er zu unserem Trost persönlich in unser Leben tritt, sich all seiner Gewalt entäußert (wie aktuell in Zeiten aufzuarbeitenden Machtmissbrauchs kirchlicher Würdenträger) und uns bettelarme Geschöpfe in heiligem Tausch zu einer Königshochzeit einlädt, in der die Dornenkrone Jesu gewandelt wird in einen Lorbeerkranz bzw. eine Krone persönlichen Mitleidens Gottes, die er dem verwundeten Geschöpf behutsam aufsetzt; das Kirchenlied „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ deutet Weihnachten ja genau auf diese mystisch-innige Weise.

Im evangelischen Schweden hat sich bis heute der Brauch erhalten, am 13. Dezember das Fest der „Lichtbraut“ (Lucia bedeutet „die Leuchtende“) zu feiern. Weiß gekleidete Mädchen tragen einen Kranz mit brennenden Kerzen auf dem Kopf, einen zweiten in den Händen.

Zu Epiphanie, dem Höhepunkt der Weihnachtszeit, ziehen die Kinder als Sternsinger, in Königsgewänder gekleidet und mit Kronen auf dem Haupt, von Haus zu Haus und offenbaren – den Luciamädchen gleich – jedem Zeitgenossen, worum es in der Taufe geht: Wir ohnmächtige Kreaturen sind alle Könige, Priester und Propheten, weil der himmelreiche Gott zu unseren Gunsten auf seine Königswürde verzichtet. Jeder Kinderwagen wird so zu einer Krippe, und Erlösung geschieht durch hautnahe Zuwendung, Umarmung und Liebkosung.

Die steinernen Krüge für die Unmengen an Wasser, die Jesus auf der Hochzeit zu Kana in Wein wandelt, können aus gutem Grund als Lakrimarien gedeutet werden, in denen alle Tränen auch dieses „Jahres der Wunden 2020“ vom „sympathischen“, also „mit uns leidenden“ Gott behutsam gesammelt werden, ohne dass ein Tropfen verlorengeht.