Schöner Schein: Wenn Strukturen des geistlichen Missbrauchs undurchsichtig sind

Von Felizitas Küble

Die Versuchungen, von denen wir Christen bedrängt werden, sind nicht alle auf den ersten Blick als negativ zu erkennen. Bisweilen verbirgt sich eine manipulative Struktur unter dem Schein des Guten, ja sogar des Rechtgläubigen. Wie sollen Katholiken dann aber die inneren Gefahren erkennen?

In den letzten Tagen war in kirchlichen Kreisen viel von der öffentlichen Distanzierung die Rede, die Papst Benedikt gegenüber der „Integrierten Gemeinde“ vorgenommen hat. Er sei über die negativen Hintergründe – es geht vor allem um Vorwürfe des geistlichen Missbrauchs – nicht informiert gewesen bzw. getäuscht worden, gab er zu erkennen.

Mancher wird sich fragen: Wie konnte dies bei einer gelehrten Persönlichkeit wie Kardinal Joseph Ratzinger, einem solch hochrangigen Theologen und Kirchenmann passieren?Aber Bildung schützt vor Torheit nicht – auch Rechtgläubigkeit nicht immer.

Es gibt nämlich durchaus Gemeinschaften, denen man inhaltlich bzw. von ihrer Verkündigung her keine nennenswerten Vorwürfe machen kann, die sogar in mancher Hinsicht besonders gute Ansätze zu vertreten scheinen – und in denen dennoch seelsorgliche Manipulationen und Übergriffe nicht nur vereinzelt vorkommen, sondern strukturell begünstigt werden, also gleichsam „system-immanent“ sind.

Nehmen wir diese „Integrierte Gemeinde“ als aktuelles Beispiel. Was mag den einstigen Erzbischof von München und späteren Kardinal Ratzinger bzw. Papst Benedikt vor über vierzig Jahren zu dieser Bewegung hingezogen haben, so daß er ihr jahrzehntelang weiter verbunden blieb?

Hierfür gab es durchaus Anziehungspunkte, die seine Sympathie verständlich erscheinen lassen:

  1. Die Integrierte Gemeinde (IG) betonte – durchaus zu Recht – stark die heilsgeschichtliche Bedeutung des christlichen Glaubens, was der theologischen Ausrichtung Ratzingers entsprach. Es geht hierbei um das Wirken Gottes in der Geschichte, in Schöpfung und Erlösung, in dem Bund mit Israel, seinen rettenden Taten, der Menschwerdung Christi und seinem Heilswerk etc.
  2. Damit verbunden ist die Betonung der Kirche als des „Volkes Gottes“: So wie das erwählte Israel als Gottes Bundesvolk wirkte, so ist auch die Gemeinschaft der Kirche gläubig unterwegs als „Pilgerndes Gottesvolk“. (Gelehrte sprechen hier von der Volk-Gottes-Theologie – und die Integrierte Gemeinde errichtete sogar eine entsprechende Akademie für dieses Anliegen.)
  3. Angesichts dieser heilsgeschichtlichen Zusammenschau von Altem und Neuem Bund ergab sich von selber eine Hinneigung zum Judentum als der „Wurzel“, der Mutterreligion des Christentums. So pflegte man in der IG seit langem intensiv den theologischen Dialog mit jüdischen Vertretern – auch mit Persönlichkeiten aus Israel.

Kardinal Ratzinger hat vor seiner Wahl zum Papst ein einziges Marienbuch verfaßt, das den bezeichnenden Titel trägt: „Tochter Zion“ – er beschreibt darin die Madonna als edelste Frucht aus dem Stamme des jüdischen Volkes, von Gott-Vater erwählt als Mutter seines Sohnes.

Diese Gesichtspunkte sind nicht nur „nicht falsch“, sie sind ausgesprochen richtig und sie waren auch wichtig. Kein Wunder also, daß Papst Benedikt sich der IG zugehörig fühlte – und dies umso mehr, als diese Gemeinschaft angesehene Theologen in ihren Reihen aufweisen konnte (vor allem die Gebrüder Lohfink oder auch die Professoren Weimer und Pesch).

Was lernen wir daraus?

Vor allem dies: Daß eine rechte (rechtgläubige) Lehre noch lange nicht automatisch dazu führt, daß eine Bewegung auch vom richtigen Geist geprägt ist, sonst wäre ein systematischer geistl. Missbrauch gar nicht möglich gewesen. Es gab in der Kirchengeschichte durchaus Fälle, in denen die Rechtgläubigkeit stimmig schien, doch der Geist der Sondergruppe dennoch in die Irre führte, z.B. bei den schwärmerischen Montanisten im 2. Jahrhundert.

Dazu kommt, daß mancher Grundgedanke zwar einerseits gut sein kann, andererseits aber leicht ins Einseitige abgleitet, wenn nicht genau aufgepaßt wird.

So wurde z.B. in der IG gerne von der katholischen Gemeinde als einem „Kontrastprogramm“ zur Gesellschaft gesprochen. Das ist nicht falsch, denn als Gläubige sind wir zwar „in“ in der Welt, aber nicht „von“ der Welt. Wir sollen uns ihr nicht anpassen, geschweige unterwerfen, sondern das ganz „Eigene“ des christlichen Glaubens praktizieren.

Doch dieser an sich berechtigte Ansatz kann leicht ins Elitäre (ver)führen, in die Neigung, eine Art „besseres“ Christentum zu vertreten, somit zu einer gewissen Verachtung der „normalen“ Volkskirche verlocken. Elitäre Anmaßung und Verstiegenheit sind jedoch ein gefährlicher Nährboden für sektiererische Tendenzen, Manipulation und seelsorgliche Übergriffe.

Deshalb sollten Gläubige, wenn sie sich „geistlichen Gemeinschaften“ anschließen, nicht nur auf die „rechte LEHRE“ achten, sondern auch auf den richtigen GEIST. Wachsamkeit, Nüchternheit und Besonnenheit sind hierbei unerläßlichmit anderen Worten: Es geht um die biblisch geforderte „Unterscheidung der GEISTER“(nicht nur der LEHREN).

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt


Berliner Starkoch Tim Raue beklagt Lockdown bei der Gastronomie

Der bekannte Fernsehkoch Tim Raue aus Berlin kritisiert die vom Staat verfügte November-Schließung der Gastronomie unter dem Titel „Meine Geduld ist am Ende“ in der aktuellen „Welt am Sonntag“ von heute (1.11.) auf S. 55.

Der Restaurant-Besitzer und Starkoch beginnt seinen Beitrag mit den Worten:

„Was haben wir Gastromen nicht alles unternommen, um einen sicheren Ort zu schaffen. Wir haben Luftfilter angeschafft und die Hälfte der Tische weggeräumt. Wir haben Trennscheiben montiert, mobile Waschbecken installiert und Desinfektionsgeräte aufgestellt. Service und Köche tragen Masken, alle Mitarbeiter wurden regelmäßig getestet.“

Der Autor weist sodann darauf hin, daß nur zwei Prozent der Corona-Ansteckungen in der Gastronomie stattgefunden habendazu gehört sowohl das Sterne-Hotel wie die Imbißbude oder Kneipe um die Ecke.

In seinem Tim-Raue-Restaurant seien in den letzten sieben Monaten, so berichtet er weiter, über 50.000 Euro für Sicherheit und Hygiene ausgegeben worden. Er habe alle staatlichen Corona-Maßnahmen mitgetragen, wobei er „meist mehr als 12 Stunden am Tag“ eine Maske trage – im Beruf und in der Öffentlichkeit.

Umso unverständlicher wirkt auf ihn die kürzlich beschlossene Maßnahme, wonach die Gastromie am 2. November mindestens vier Wochen lang für Besucher geschlossen bleiben müsse.


Japan kam ohne Lockdown durch Coronakrise

Auf der Webseite von ScienceFiles – Kritische Sozialwissenschaften kommen die Autoren mit Berufung auf eine Studie in Japan zum Schluss, dass ein „Lockdown“ nicht nur überflüssig, sondern sogar schädlich sei. Dies ist das Ergebnis einer Untersuchung, die Sawako Hibino, Kazutaka Hayashida, Andrew C. Ahn und Yasutaka Hayashida gerade auf medRxiv veröffentlicht haben.

Wie Schweden, das viel glimpflicher durch die Corona-Krise kam, hat Japan die Pandemie ohne „Lockdown“ viel besser gemeistert als europäische Länder – obwohl Japan aufgrund seiner Bevölkerungsdichte schlechtere Voraussetzungen hatte, wie ScienceFiles berichtet:

Seit Beginn der Pandemie wurden 96.534 Japaner positiv auf SARS-CoV-2 getestet. 1.711 Japaner sind an COVID-19 verstorben. Japan hat 126,5 Millionen Einwohner, pro einer Million Einwohner sind somit 14 COVID-19 Tote zu beklagen.

In Japan gab es eine Welle im Frühjahr und eine im Sommer, die Ende Juni begann. Die zweite Welle ist von geringerer Mortalität (Sterblichkeit) begleitet als die erste.

In Japan gab es nie einen „Lockdown“, Arbeitsplätze blieben geöffnet, öffentliche Verkehrsmittel fuhren wie eh und je, das soziale Leben war nicht eingeschränkt, Restaurants, Fitness-Studios usw. blieben offen. Die zweite wie die erste Welle sind nach ein paar Wochen von alleine abgeebbt.

Die Studien-Autoren meinen, dass das Ergebnis aus Japan das bisher eindrucksvollste Indiz dafür sei, dass das Zusperren eines Landes mehr Schaden anrichte als es nütze.

Quelle und vollständiger Text hier: https://www.unzensuriert.at/studie-in-japan-zeigt-lockdown-nicht-nur-ueberfluessig-sondern-schaedlich/