Unterdrückte Pressefreiheit in der Türkei

Dutzende Medien unter dem Einfluss der Regierung, viele Hundert kritische Artikel zensiert, Tausende unliebsame Journalisten entlassen: Die massive Unterdrückung der Pressefreiheit in der Türkei dauert unvermindert an – und sie lässt sich in konkrete Zahlen fassen.

Aus Anlass des neuen Prozesses gegen ihren Türkei-Repräsentanten Erol Önderoglu veröffentlicht Reporter ohne Grenzen (RSF) Zahlen, die das Ausmaß der Repression deutlich machen.

Önderoglu und seinen beiden Mitangeklagten, der Ärztin und Menschenrechtsaktivistin Sebnem Korur Financi sowie dem Autor und Journalisten Ahmet Nesin, drohen in dem am Mittwoch (3.2.) beginnenden Prozess bis zu vierzehneinhalb Jahre Haft.

Die folgenden Zahlen hat RSF mit Unterstützung ihrer türkischen Partnerorganisation Bianet zusammengestellt.

90 Prozent
der Medien in der Türkei werden von regierungsnahen Geschäftsleuten kontrolliert.

1358
Online-Artikel oder Links zu Artikeln wurden im Jahr 2020 auf Beschluss von Gerichten und auf Antrag von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan, seines Sohnes Bilal Erdogan, seines Schwiegersohnes Berat Albayrak oder regierungsnaher Geschäftsleute, Politikerinnen und Politiker gelöscht.

3436
Journalisten wurden in den vergangenen viereinhalb Jahren von türkischen Medien entlassen. Allein 2020 waren es 215.

276
Tage lang wurde kritischen Zeitungen in 2020 Werbung staatlicher Institutionen verweigert und damit eine überlebenswichtige Einnahmequelle entzogen.

BILD: Anti-Türkei-Demonstration in Berlin (Foto: M. Leh)

Mehr als 200
Medienschaffende saßen in der Türkei im Laufe der vergangenen viereinhalb Jahre für kürzere oder längere Zeit wegen ihrer Arbeit im Gefängnis, derzeit sind es 13. Damit ist die Türkei eines der Länder, in denen weltweit die meisten Journalisten inhaftiert sind.

48
Journalisten verbrachten im Jahr 2020 jeweils mindestens einen Tag in Polizeigewahrsam. Sie wurden festgenommen, weil sie über Themen wie die Situation syrischer Geflüchteter, die Maßnahmen der Regierung gegen die Covid-19-Pandemie oder die Kurdenfrage berichtet hatten.

27,5 Jahre
Haft verhängte ein Gericht in Istanbul am 23. Dezember 2020 gegen Can Dündar, den ehemaligen Chefredakteur der Tageszeitung Cumhuriyet. Dies ist eine der längsten Gefängnisstrafen, die in der Türkei jemals gegen eine Journalistin oder einen Journalisten angeordnet wurden. Dündar muss die Haft nur deshalb nicht antreten, weil er in Deutschland im Exil lebt, seit er 2016 in Istanbul einen Mordversuch überlebte. Die türkische Justiz verfolgt Dündar, seit seine Zeitung 2015 über Waffenlieferungen des türkischen Geheimdienstes an islamistische Gruppen in Syrien berichtete. Präsident Erdogan hatte nach diesem Bericht erklärt: „Wer diesen Artikel zu verantworten hat, wird dafür teuer bezahlen. Ich werde ihn nicht davonkommen lassen.“

71
Jahre alt ist der älteste derzeit inhaftierte Journalist der Türkei, Ahmet Altan. Obwohl das türkische Verfassungsgericht die 2018 verhängten Strafen für ihn, seinen Bruder Mehmet Altan und den Journalisten Nazli Ilicak im Juli 2019 aufhob, wird er immer noch im Hochsicherheitsgefängnis Silivri bei Istanbul festgehalten. Den dreien wurde vorgeworfen, sie hätten mit dem Putschversuch von 2016 sympathisiert und bei einem Fernsehauftritt „unterschwellige Botschaften“ an die Putschenden übermittelt.

63
Journalisten wurden gemäß Paragraf 299 des türkischen Strafrechts wegen „Beleidigung des Staatspräsidenten“ verurteilt, seit Recep Tayyip Erdogan dieses Amt im August 2014 übernahm. Oft werden Medienschaffende auch nach dem Anti-Terror-Gesetz verurteilt, in der Regel wegen Unterstützung einer verbotenen Organisation oder Mitgliedschaft darin. Wirtschaftsjournalisten werden auch mit Hilfe des Banken- und des Kapitalmarktgesetzes verfolgt.

128.000 Euro
beträgt die Summe der Entschädigungen an acht Journalisten der Zeitung Cumhuriyet, zu der der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte die Türkei am 10. November 2020 verurteilt hat. Das Gericht urteilte, dass der türkische Staat sie 2016 fast ein Jahr lang willkürlich inhaftiert hatte. In den vergangenen viereinhalb Jahren hat das Gericht die Türkei zu insgesamt 234.760 Euro Entschädigung an Journalisten verurteilt.

139
tätliche Angriffe auf türkische Journalisten gab es seit 2016 mindestens. Allein im Jahr 2020 wurden 18 Medienschaffende angegriffen.

160
Medien mussten seit dem Putschversuch von 2016 schließen. Der damals verhängte Ausnahmezustand wurde zum Vorgehen nicht nur gegen jene Medien genutzt, denen Sympathien für den Prediger Fethullah Gülen nachgesagt wurden, dem die türkische Regierung den Putschversuch anlastet. Die Maßnahmen richteten sich ebenso gegen als pro-kurdisch geltende Medien wie den Fernsehsender IMC TV und linksgerichtete Medien wie Hayatin Sesi TV. Beide Sender kämpfen seit mehr als vier Jahren juristisch darum, ihren Betrieb wieder aufnehmen zu dürfen.

154.
Platz von 180 Ländern: So schlecht steht die Türkei in der aktuellen Rangliste der Pressefreiheit.

Mehr zur Lage der Pressefreiheit in der Türkei finden Sie unter reporter-ohne-grenzen.de/türkei.


16 Kommentare on “Unterdrückte Pressefreiheit in der Türkei”

  1. Holger Jahndel sagt:

    Bis heute darf man in der Türkei auch keine Kirchen errichten. Während die türkische Regierung des radikalen islamo-faschistischen Fundamentalisten Erdogan dies aber immer sehr lautstark und verhement von den Europäern als vermeintliches Recht für islamische Moscheen einfordert, sogar einschließlich der öffentlichen Errichtung von hohen und gehirnwaschenden Minaretten an öffentlichen Plätzen.
    Die eigenen arabischen Bruderstaaten haben die Palästinenser und Flüchtlinge durchaus nicht mit offenen Armen aufgenommen. Dieses Verhalten zeigten auch die reichen arabischen Erdöl-Golfstaaten gegenüber den Flüchtlingen aus Syrien. Ihren eigenen muslimischen Glaubensbrüdern.
    Sie forderten eine Aufnahme immer nur sehr stark von den Europäern, die sie mittels der Geburtenbombe demographisch zu überrennen hofften.

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    • Norbert Beutel sagt:

      Was die Türken mit ihren Kanonen vor Wien nicht erreicht haben, versuchen sie (mit Unterstützung weiterer islamischer Völker) nun seit Jahren – leider mit zunehmendem Erfolg – mit Kinderwagen in Berlin (und anderswo).

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      • Holger Jahndel sagt:

        JIhad Watch by Robert Spencer, siehe auch die Artikel des internationalen Gatestone-Institutes und „Philosophia Perennis“ von David Berger und die Epoch Times Deutschland Zeitung
        http://www.jihadwatch.org

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      • Holger Jahndel sagt:

        Leider nehmen die Linken und ideologisch werte-relativistischen postmodernen Liberalen den Islam und Islamismus und die Islamisten auch noch in Schutz und die Medien decken sie mit Zensur und Political Correctness.

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      • Holger Jahndel sagt:

        Leider nehmen die Linken und ideologisch werte-relativistischen postmodernen Liberalen den Islam und Islamismus und die Islamisten auch noch in Schutz und die Medien decken sie mit Zensur und Political Correctness.

        Jihad Watch by Robert Spencer, siehe auch die Artikel des internationalen Gatestone-Institutes und Kopp News und den Weblog „Philosophia Prennis“ des Theologen und Journalisten und Philosophen David Beger und den Orientalisten Hans-Peter Raddatz und den Anthropologen James DeMeo und as patriotische Zuerst! Magazin und das Geolitico-Magazin usw.

        http://www.jihadwatch.org

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      • Holger Jahndel sagt:

        Leider nehmen die Linken und ideologisch werte-relativistischen postmodernen Liberalen den Islam und Islamismus und die Islamisten auch noch in Schutz und die Medien decken sie mit Zensur und Political Correctness.

        Jihad Watch by Robert Spencer, siehe auch die Artikel des internationalen Gatestone-Institutes und den Weblog „Philosophia Prennis“ des Theologen und Journalisten und Philosophen David Beger und den Orientalisten Hans-Peter Raddatz

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  2. Holger Jahndel sagt:

    Zeuge des Völkermords
    Der Völkermord an den Armeniern, für den das Osmanische Reich verantwortlich ist, geschah 1915/16. Bei den Massakern und Todesmärschen starben Hunderttausende Armenier. Bis heute wird der Genozid von der Türkei geleugnet. Der Schriftsteller Armin T. Wegner war als Sanitäter vor Ort und wurde… mehr

    https://www.wissenschaft.de/rezensionen/filme/zeuge-des-voelkermords/

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  3. Holger Jahndel sagt:

    Graue Wölfe in Deutschland

    Der zweite große muslimische Dachverband „Islam Föderation“ hat seit seiner Gründung durch die islamistische Organisation „Milli Görüs“ (IGMG) enge Kontakte zu den Grauen Wölfen.…
    23.01.2021
    Telepolis

    https://www.heise.de/tp/features/Graue-Woelfe-in-Deutschland-5022040.html

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  4. Holger Jahndel sagt:

    JIhad Watch by Robert Spencer, BLOG zu Islam und Islamismus und Islamisten

    http://www.jihadwatch.org

    Siehe auch die Artikel des internationalen Gatestone-Institutes.

    https://de.gatestoneinstitute.org/

    Siehe auch Jaya Gopals Buch „Gabriels Einflüsterungen“ (The misery of Islam)

    https://www.ahriman.com/de/produkt/reihe-unerwuenschte-buecher-zur-kirchengeschichte/gabriels-einfluesterungen/38

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  5. killema sagt:

    /Norbert Beutel. ——— Wenn jeder,auch die Regierenden an Mt 7-3 beherzigen würde,wäre das Wort Lügenpresse nicht erst aufgekommen.So aber trifft der Ausspruch Jesu ins schwarze.

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  6. Adolf Breitmeier sagt:

    Bei uns braucht die Regierung gar nicht unliebsame Berichte zu unterdrücken, da sie sowieso nicht geschrieben werden. Wir sind hier schon einen Schritt weiter, bei uns geht das medial geräuschlos. (Bei Querdenkerdemonstrationen da wird schon mal kräftig zugelangt, aber so was wird nur gezeigt, wenn es in China, Korea oder Weißrussland geschieht. Dort betrachten wir es als das, was es ist: Totale Unterdrückung. Bei uns ist es Verteidigung der Demokratie. Auch die Türken werden irgendwann ,,Schlafschafe“ sein, dann ist Ruhe – und alles ist gut.

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  7. Norbert Beutel sagt:

    Solange unsere Regierung und die vereinigten Systemparteien die Hofberichterstatter-Presse steuert und unliebsame politische Konkurrenz durch Lügen, Weglassen und Halbwahrheiten permanent diffamiert wird, sollte wir uns mit (hier berechtigter) Kritik ausländischer Staaten und Regierungen besser zurückhalten. „Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge und wirst nicht gewahr des Balkens in deinem Auge?“ (Mt. 7:3)

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