Nachdenken über den „Mantel der Liebe“

Der folgende bemerkenswerte Beitrag stammt von dem evangelischen Propst i. R. Dr. Karl-Heinrich Lütcke aus Berlin. Es handelt sich um den ersten Teil seiner Ansprache anläßlich einer Tagung der Paul-Gerhardt-Diakonie am 8.9.2015, die wir mit freundlicher Genehmigung des Autors hier veröffentlichen.

Die Fortsetzung und weitere gehaltvolle Artikel und Predigten finden Sie in der Neuerscheinung „Raum und Zeit – von Gott gewährt“ – mit Beiträgen dem Kirchenjahr entlang sowie Auslegungen von biblischen Psalmen und Aussagen zu Kernthemen des Glaubens.
Das 168 Seiten umfassende Buch ist hier erhältlich: https://www.epubli.de/shop/buch/Raum-und-Zeit—-von-Gott-gew%C3%A4hrt-Karl-Heinrich-L%C3%BCtcke-9783753166704/110376#beschreibung

Pallium – Mantel – Umhüllung

Der Mantel der Liebe ist ein umstrittenes, ambivalentes Kleidungsstück. Das Bild „Mit dem Mantel der Liebe zudecken“ wird oft auch in kritischem Sinn verwendet, z.B. in der Kritik, dass gerade in der Kirche unter dem Motto falsch verstandener Liebe Probleme durch „Zudecken“ entstehen („Habt Ihr´s mal wieder mit dem Mantel der Liebe zugedeckt?“).

Das Bild hat (ohne jeden kritischen Unterton!) einen biblischen Hintergrund im Weisheits-buch der Sprüche: Hass erregt Hader; aber Liebe deckt alle Übertretungen zu. (Spr. 10, 12).

Der Spruch wurde wieder aufgenommen im 1. Petrusbrief: Vor allen Dingen habt unter-einander beständige Liebe; denn »die Liebe deckt auch der Sünden Menge“ (1. Petr. 4,8).


Wie man damit in einem institutionellen Kontext umgeht, ist ein kompliziertes Problem, auf das ich noch einmal zurückkomme. Aber zuvor möchte ich den Mantel der Liebe als ein wärmendes und tröstendes Kleidungsstück vorstellen.

(1) Das Pallium der Liebe – Palliativ-Medizin

Pallium ist das lateinische Wort für der Mantel, Palliare heißt: mit dem Mantel umhüllen. Der Sterbende wird, wenn er schwere Schmerzen hat, durch die Palliativ-Behandlung umhüllt wie mit einem Mantel.

Man denkt dabei zuerst an die schmerzlindernden ärztlichen Mittel. Aber auch die liebevolle Zuwendung durch Ärzte, Pflegende, Angehörige ist in der letzten Phase des Sterbens ein Mantel, der umhüllt, ein Mantel der Liebe.

Bei Jochen Klepper findet sich in einem schönen Morgenlied der Satz: Du (Gott) willst mich früh umhüllen mit deinem Wort und Licht.

Hier werden also das Schöpfungslicht, das nach der Nacht wieder da ist, und das tröstende Wort der Bibel als eine schützende Hülle verstanden, mit der auch ein schwieriger Tag leichter zu bestehen ist. Sein Wort will helle strahlen, wie dunkel auch der Tag, heißt es später in derselben Strophe.

Mit der Zuversicht des Glaubens, die aus diesem Lied spricht, können die nicht immer schmerzfreien Schläge und Verletzungen, die so manch ein Arbeitstag bringt, zwar nicht einfach an einem abprallen, aber sie werden schützend umhüllt.

Matthias Claudius sieht dann auch den Abend und die Ruhe der Nacht ähnlich und mit dem gleichen Bild des Umhüllens: Wie ist die Welt so stille und in der Dämmrung Hülle so traulich und so hold als eine stille Kammer, wo ihr des Tages Jammer verschlafen und vergessen sollt.

Und wieder zurück zur Palliativ-Medizin: Dass auch Worte und Gebete trostreich umhüllen, erleben Menschen, wenn z.B. im Hospiz am Bett eines Sterbenden der 23. Psalm (Der Herr ist mein Hirte) oder das Vaterunser gebetet wird. Über die Palliativ-Medizin und die Hospiz-Arbeit entdecken wir also den Mantel der Liebe als einen Schutzmantel.

In der bildenden Kunst gibt es den Schutzmantel in der Gestalt der Schutzmantelmadonna.

Dort wird Maria mit einem Mantel dargestellt, unter dem sich schutzbedürftige Menschen bergen. Dahinter steht ein alter Rechtsbrauch: Wer einer Person rechtlichen Schutz gewähren wollte, legte seinen Mantel über die schutzbedürftige Person.

Der Apostel Paulus redet von einer Umhüllung und Umkleidung im Sterben bzw. nach dem Sterben, wenn der ewige Gott den Gestorbenen wie mit einem Mantel umhüllt: Denn darum seufzen wir auch und sehnen uns danach, dass wir mit unserer Behausung, die vom Himmel ist, überkleidet werden. (2. Kor. 5,2)

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3 Kommentare on “Nachdenken über den „Mantel der Liebe“”

  1. Holger Jahndel sagt:

    Jesus schätzte das Spezifische des Charimas der Frauen

    Maria 2.0 und radikale Feministinnen reduzieren den Seins-Sinn von Frau großenteils ausschließlich auf einen Kampf um die Teilhabe an „Macht“.

    https://www.die-tagespost.de/gesellschaft/feuilleton/jesus-schaetzte-das-spezifische-des-charimas-der-frauen;art310,216766

    WIEN
    Wiener Alttestamentler: Kein Raum für Dekonstruktion der Geschlechter
    Der Wiener Alttestamentler Ludger Schwienhorst-Schönberger wendet sich in der Tagespost-Beilage „Welt&Kirche“ gegen Versuche, homosexuelle Handlungen als gleichwertig anzuerkennen. Die Ethik des Alten und Neuen Testaments verwerfe einhellig die Homosexualität.

    https://www.die-tagespost.de/kirche-aktuell/aktuell/wiener-alttestamentler-kein-raum-fuer-dekonstruktion-der-geschlechter;art4874,216918

    Stabpuppen aus BaliJacques Derrida wies der Postmoderne den Weg Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung
    Der Philosoph Jacques Derrida wies der Postmoderne den Weg, gegen Gott und die Vernunft.

    Gedanken von C.S. LewisDie Wahrheit kommt im Gewand des Humors Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung
    C. S. Lewis, der Autor der Narnia-Romane konnte mehr zu Papier bringen als seine gerne gelesenen Romane. Mit „Durchblicke“ erscheinen nun weitere ausgewählte Texte des hellsichtigen und begnadeten Autors auch auf Deutsch.

    https://www.die-tagespost.de/gesellschaft/literatur/die-wahrheit-kommt-im-gewand-des-humors;art4882,213709

    BONN 26.10.2020
    Josef Isensee: Glauben in einem freiheitlichen Staat
    Der Staatsrechtler Josef Isensee betont die Bedeutung des Christentums für freie Gesellschaften und warnt vor islambezogenen Herausforderungen.

    https://www.die-tagespost.de/gesellschaft/literatur/josef-isensee-glauben-in-einem-freiheitlichen-staat;art4882,212987

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  2. Holger Jahndel sagt:

    Gottesdienstverbote und dennoch zelebrierte Messen

    https://gloria.tv/post/ZFBHRHV2Yxvv2ENwcSsiBh2Zv

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  3. killema sagt:

    Die große Kirchliche Liebe haben die Zöglinge in den Bodelschwingschen Anstalten in Freistatt großherzig zu spüren bekommen.

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