Plädoyer eines mutigen Bischofs für eine glaubensstarke Erneuerung der Kirche

Rezension von Hans-Michael Müller

Seit Monaten gibt es in Deutschland einen Aufstand gegen die Einheit der römisch-katholischen Kirche:

Selbst deutsche Bischöfe vertreten öffentlich sich diametral widersprechende Positionen, einige von ihnen revoltieren – wie z. B. der Essener Bischof Overbeck zuletzt bei der Segnung homosexueller Partnerschaften – offen gegen den Vatikan, die Glaubenskongregation, Papst Franziskus.
(Gültige Segens-Feiern kann es nur in Übereinstimmung mit dem Vatikan geben! Trotzdem wurde öffentlichkeitswirksam „gesegnet“.)

Eindeutig werden damit Autorität und Hierarchie der Kirche abgelehnt.

Das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken (ZdK), die kfd (Katholische Frauen Deutschlands mit ihrem Logo: „die macht. für dich. für alle.“ ), Maria 2.0 und andere Gruppen mischen in diesem Aufstand gegen Struktur und Lehramt der Kirche kräftig mit.

Was die Weltkirche denkt, ist ihnen anscheinend egal. So winzig klein wir Deutschen in dieser Weltkirche sind: man macht sich selbst zu einer Autorität, suggeriert z. B., dass Schreiben der Glaubenskongregation nicht zu beachten seien und sich jeder aus der Morallehre der Kirche das heraus suchen kann, was ihm passt.

Diese Aktionen sind für die öffentlich-rechtlichen Medien ein „gefundenes Fressen“; sie berichten ausführlich, z. T. sehr einseitig über diese innerkirchlichen Auseinandersetzungen

Aber auch das gibt es: Ein Journalist schrieb dieser Tage: „Der grundsätzliche Denkfehler, der den linken Reformern nicht auszutreiben ist, besteht in der Vorstellung, Kirche und Staat hätten denselben Souverän: das Volk. Der Souverän der Kirche ist aber nicht das Volk, sondern: GOTT.“

In der derzeitigen Bewegung solle „Gott aber gleichsam gezwungen werden, seine Meinung darüber zu ändern, was richtig und was verfehlt ist, weil die Menschen es so wollen.“

Staunend und z. T. hilflos stehen viele Gläubige diesem unseligen Treiben der sog. „Reformer“ – unter ihnen Priester und Bischöfe – gegenüber.

Da ist es gut, auf ein Buch hinweisen zu können, in dem der Bischof von Regensburg, Prof. Dr. Rudolf Voderholzer, mit fundiertem Wissen und in verständlichen Ausführungen geistige Impulse zum Nachdenken in einem argumentativen und spirituellen Dialog anbietet.

Darin veröffentlicht der Regensburger Oberhirte in pastoralem Anliegen eine Sammlung von Stellungnahmen, Predigten / Ansprachen und fachwissenschaftlichen Aufsätzen.

Im ersten Teil geht es um die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals. Außerkirchliche Experten hatten in einer Untersuchung (MGH-Studie) von sexuellem Missbrauch von Kindern und Jugendlichen in kirchlichen Einrichtungen strukturelle Änderungen in der Kirche vorgeschlagen. Das wurde im „Synodalen Weg“ zur Grundlage der Reformdiskussion gemacht.

Bischof Voderholzer sieht darin eine inakzeptable Verengung und versucht, den Blick auf die tieferen Ursachen der Kirchenkrise zu lenken. Mit den Themen „Ehelosigkeit“, „Machtmissbrauch“, „Frauen in der Kirche“ und „Sexualmoral“ habe man beim „Synodalen Weg“ eine „Instrumentalisierung des Missbrauches betrieben“, gehe damit an der „Realität der Glaubenskrise“ vorbei.

Viele Katholiken folgen dem Bischof in dieser Einschätzung, sie kommen aber in der veröffentlichten Meinung kaum vor.

Im zweiten Teil seines Buches geht es dem Autor um den apostolischen Dienst des geistlichen Amtes, nämlich darum, dass es im kirchlichen Amt nicht um Macht, sondern um das Zeugnis für den auferstandenen Christus gehen muss. (Stichworte: „Geschlechterdifferenz und Weihevorbehalt“, „Kollegialität der Bischöfe“, „Mann und Frau – symphonische Komplementarität“, „Vom Mehrwert der Sakramentalität“).

Keine abgesonderten Einzelgruppen, sondern nur die Kirche als Ganzes sei lehramtlich dazu berufen, in der Welt auf den Schöpfer zu verweisen.

Der umfangreiche dritte Teil gilt der Welt und der Kultur, in der sich der christliche Glaube heute zu bewähren habe.

Die Stichworte reichen von „Die Seele Europas ist der christliche Glaube“ über „Fritz Gerlich – ein katholischer Märtyrer im Kampf gegen Hitler“ … „Glaubensverkündigung in kirchenkritischer Zeit / Herausforderung durch Medien und Naturwissenschaften“ bis zum „Synodalen Weg“.

Den Hintergrund seiner Ausführungen sieht Voderholzer in der derzeitigen Problematik unseres kirchlichen Lebens und dem, was wir „Glaubenskrise“ nennen. Diese sei zu einem großen Teil begründet in einem modernen Lebensgefühl, „das Glauben und Wissenschaft, moderne Naturwissenschaft und eine gläubige Hinwendung zu Welt und Geschichte nicht in Einklang zu bringen vermag.“ (S. 225)

Fazit: Wer eine Hilfe sucht, um die täglich in den Medien genüsslich und oft einseitig servierten „Neuigkeiten“ aus unserer katholischen Kirche besser einordnen zu können, ist mit diesem sehr informativen Buch bestens ausgerüstet.

Buch-Daten: Rudolf Voderholzer: Zur Erneuerung der Kirche (Geistliche Impulse zu aktuellen Herausforderungen), Verlag Friedrich Pustet, 2020, 256 S., ISBN 978-3-7917-3138-4, Preis 24,95 €

Kurz-Rezensionen des Buches hier: https://www.amazon.de/Zur-Erneuerung-Kirche-Geistliche-Herausforderungen/dp/3791731386

2. Foto: Bistum Regensburg


7 Kommentare on “Plädoyer eines mutigen Bischofs für eine glaubensstarke Erneuerung der Kirche”

  1. Der Aufruhr gegen die Einheit der Kirche besteht seit dem Essener Katholikentag 1968, tausende Diskussionsteilnehmer forderten dort in Resolutionen ein „Nationalkonzil“. Die Würzburger Synode als Ergebnis dieses Katholikentages schuf eine schleichende Protestantisierung, seitdem blieb die „Mitbestimmung“ der Laien in kirchlichen Strukturen auf der Tagesordnung kirchlicher Funktionsträger. Auf der offiziellen Website wird ja klargestellt, die Kirche in Deutschland fange beim Synodalen Weg „nicht am Nullpunkt an“, sondern u.a. habe die Würzburger Synode „den Boden bereitet“ (https://www.synodalerweg.de/was-ist-der-synodale-weg/rueckblick/).

    Bischof Voderholzer hätte also seit langem klar die Zeichen erkennen können, spätestens seit der am 19. August 2019 erfolgten Ablehnung des von Kardinal Woelki und ihm eingebrachten Alternativ-Entwurfs einer Satzung für den Synodalen Weg durch den Ständigen Rat der DBK mit 21 zu 3 Stimmen (bei 3 Enthaltungen). Wenn man sich wie der Bischof und Kardinal Woelki partout „nicht den Vorwurf der Dialogverweigerung machen lassen“ mochte und daher diesem Gesprächsformat durch seine Teilnahme den Anschein der paritätischen Besetzung gab, sollte man zuerst einmal selbstkritisch das eigene Handeln reflektieren.

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  2. dorrotee sagt:

    Das ist sicherlich ein gutes Buch, um gestärkt zu werden in unserem Glauben und der Glaubenslehre.

    Jedoch am Wochenende ging der Ungehorsam munter weiter.

    Da sprach man wieder von gemeinsamer Mahlfeier auf dem ökumenischen Kirchentag.
    Ich konnte jedoch noch nicht richtig wahrnehmen, ob es auf dem Kirchentag tatsächlich auch umgesetzt wurde.
    Kardinal Müller hat jedenfalls schon ein sehr kritisches Statement zu diesen gemeinsamen Mahlfeiern abgegeben.

    Weiss jemand, ob die gemeinsamen Mahlfeiern stattfanden?

    Man ärgert sich ja nur noch über diese Bischöfe und deren priestliches Gefolge.

    Anstatt mal richtig bei den Menschen zu sein und die Ängste derer ernstnehmen und dringend
    ein grossangelegtes Statement zu den Beschlüssen, die am letzten Ärztetag zum assistierten Suizid erfolgten, abzugeben.

    Da wird den alten kranken Menschen Angst und Bange bei , wenn der Druck diesbezüglich kommt.
    Und viele andere Themen sind zur Zeit wichtig. Auch endlich mal über die teils in der Kirche überzogenen Corona-Massnahmen.
    Dass Singen im Kirchenraum wieder erlaubt sein sollte und auch die Mundkommunion flächendeckend in Deutschland wieder erlaubt werden soll.
    Weihwasserbecken wieder angeboten werden, anstatt nun die Desinektionsflaschen.

    Die meisten Bischhöfe sind mitlerweile weit von uns restlichen Kirchgängern entfernt.
    Aber sie kümmern sich um die, die eh schon weg sind und meinen, durch Modernisierung der Kirche diese Personen wiederzugewinnen.

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    • Guten Tag,
      ja, diese „ökumenischen“ Mahlfeiern hat es tatsächlich gegeben – mehrfach sogar.
      Kardinal Müller erklärt laut Pressemeldungen dazu:
      »Niemand kann eigenmächtig und nach eigenem Gusto die Gegensätze zwischen evangelisch-protestantischem und katholischem Glaubensbekenntnis für nebensächlich erklären oder ignorieren….Wer sich im Widerspruch zur katholischen Lehre und ihrer verbindlichen Auslegung durch das römische Lehramt verhält, ist nicht mehr katholisch.«
      Freundlichen Gruß
      Felizitas Küble

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  3. Anonymous sagt:

    Wer wird das Buch lesen? Je älter ich werde, desto mehr wird mir klar, dass die Menschen da draussen keine anderen Bücher lesen als unser Leben. Wenn unser Leben das Evangelium nicht widerspiegelt, interessiert sich niemand für Christus:

    „Ihr seid unser Brief, in unser Herz geschrieben, der erkannt und gelesen wird von allen Menschen; die ihr offenbar geworden seid, daß ihr ein Brief Christi seid, durch unsern Dienst zubereitet, und geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes, nicht in steinerne Tafeln, sondern in fleischerne Tafeln des Herzens.“ (2. Kor. 3,2)

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    • Guten Tag,
      persönliches Zeugnis und Glaubensverkündigung bitte nicht gegeneinander ausspielen, immerhin war es Gottes Wille, daß seine Offenbarung und Botschaft auch in einem BUCH – der Heiligen Schrift – niedergeschrieben ist, vom Hl. Geist inspiriert. Durch die Bibel wurden sicherlich schon Millionen Menschen zum Glauben geführt oder in ihm bestärkt. Auch gute christliche Bücher können viel bewirken, ich weiß es von Menschen, die neu zu Christus gefunden haben. Gerade heute bat mich eine solche Rückkehrwillige um Hinweise auf glaubensstärkende Bücher.
      Freundlichen Gruß
      Felizitas Küble

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      • Anonymous sagt:

        „Persönliches Zeugnis und Glaubensverkündigung“ sind für mich identisch. Dass mir die Bibel wichtig ist, muss ich sicher nicht begründen.

        Aber die Mitte des christlichen Glaubens ist Jesus Christus und unsere Beziehung zu ihm. Alles Andere wächst daraus und nicht umgekehrt. In der Apostelgeschichte lesen wir, dass die ersten Christen eine Liebe untereinander hatten, die „draussen“ auffiel. Wo ist das heute?

        Franziskus von Assisi soll sinngemäß folgendes gesagt haben: „Verkünde das Evangelium, wenn nötig, gebrauche Worte dazu.“

        Die ganze Rede von Ethik und Moral und den rechten Glauebn an die Eucharistie usw. usf. ist sinnlos für die da „draussen“, wenn nicht die Liebe sichtbar wird, die Gott in Christus zuerst zu uns hatte und die wir dann reflektieren.

        In Matthäus 25, 31 ff sagt uns Jesus, worauf es ankommt. Nicht enthalten sind dort dogmatische Fragen, theologische Fragen und nicht mal Ethik und Moral. Sondern es geht allein darum, IHN in unserem Nächsten zu lieben. Paulus fasst das wie folgt zusammen:

        „Das Ziel der Unterweisung ist Liebe aus reinem Herzen, gutem Gewissen und ungeheucheltem Glauben. Davon sind aber manche abgekommen und haben sich leerem Geschwätz zugewandt. Sie wollen Gesetzeslehrer sein, verstehen aber nichts von dem, was sie sagen und worüber sie so sicher urteilen.“ (1. Tim 1,5-7)

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    • J.WalfischSchnucki sagt:

      Ich glaube > ihr habt beide recht.
      Gute GlaubensBücher sind immer wichtig – bei all dem, was hier manchmal zu recht kritisch hinter fragt. Es gibt sooo viele verschiedene Gläubige da draußen überall. Katholiken brauchen manchmal Katholische Glaubensbücher.
      Ich find deine Artikel sehr überzeugend, besonders die Argumentation.
      Ich arbeite noch dranne.

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