Zum Rücktrittsangebot von Kardinal Marx: Peter Hahne kritisiert eitles Demutsgetue

Von Felizitas Küble

Der Bestseller-Autor und evangelische Theologe Peter Hahne hat sich heute (8. Juni) auf dem Nachrichtenportal „Kath.net“ mit dem Noch-Erzbischof von München befaßt.

Das auf den ersten Blick überraschende Rücktrittsangebot von Kardinal Marx an den Papst bewertet der ehem. ZDF-Moderator (siehe Foto) dabei hinsichtlich der Beweggründe äußerst skeptisch.

Der Münchner Oberhirte sei mal wieder „gewichtig dahergekommen“, so Hahne: „Selbstverliebt, selbstgefällig  und larmoyant.“ – Zu den Kennzeichen seiner Amtszeit gehörten Eitelkeit und herrisches Auftreten, schreibt der Verfasser weiter.

Auf der Pressekonferenz habe Marx keinerlei eigene Schuld eingestanden, sondern „nur Allgemeinplätze“ geboten, „fromm ummantelt“, kritisiert der Autor sodann. Nicht ohne Grund habe die Tageszeitung „Die Welt“ die Selbstinszenierung des Erzbischofs mit der Überschrift „Das Demutsmanöver“ betitelt.

Marxens Vorgehen habe wenig mit „biblischer Kirche“, aber viel mit „verschlagener Diplomatie“ zu tun, moniert Hahne weiter:

Unter dem Strich sollte jeder die wahre Botschaft hören (und die Medien fielen sämtlich darauf rein): der böse Woelki bleibt und klebt an seinem Stuhle. Doch der reine Reinhard poliert sich noch ein Opfer-Image: seht her, ich bin der bessere, der einzige klerikale Gutmensch unter all den Vertuschern, Verkalkten, Verbohrten.

Der reformfreudige Kirchenmann habe „kein Wort vom eigenen Vertuschen“ zu seiner Trierer Zeit als Bischof geäußert, erst recht nichts zum „Verschluss der Mißbrauchsakten in München“ gesagt.

Hahne erläutert dazu:

„BILD hat recht, wenn es jetzt zum Rücktrittsschreiben heißt: „Das klingt edel. Aber nach BILD-Informationen könnte Marx mit diesem Schritt auch einer für ihn peinlichen Enthüllung zuvorkommen. Denn im Herbst wird das nächste Vertuschenungs-Gutachten vorgestellt. Diesmal im Mittelpunkt: das Erzbistum München.“

Auch in der FAZ – so zitiert Hahne einen dortigen Leitartikel – sei die Rede davon, der „Machtmensch Marx“ habe bereits „verdächtig viel Einfluß abgegeben“, z.B. keine weitere Amtszeit als Vorsitzender der Bischofskonferenz. In diesem Mann, „der machtvolle Ämter sammelte wie andere Jagdtrophäen…..verschränkten sich individuelles Scheitern und kollektives Unvermögen“, so die Frankfurter Allgemeine zur Rücktritts-Causa.

Ablehnend äußert sich Hahne auch zum „synodalen Irr- und Holzweg“, denn dieser habe als „Beifall heischender Umweg rund um den Kern des Katholizismus“ letztlich zum Ziel, „noch mehr Gläubige zum Austritt zu treiben“, statt sich daran zu erinnern, daß der evangelischen „Vorbild-Kirche“ die Schäfchen „ebenfalls in Scharen davonlaufen.“

Abschließend schreibt Peter Hahne:

„Ist also die Kirche an einem „toten Punkt“ angekommen, wie Marx meint? Oder nicht vielmehr der Analytiker selbst? Und da spricht das peinliche Foto von Karl und Reinhard vielsagende Bände: die beiden Marxens in Trier…Und wer den Begriff „christliches Abendland“ als „ausgrenzend“ interpretiert, kann als Bischof ohnehin nicht ernst genommen werden. Der Papst sollte dem Rücktritts-Wunsch dankbar entsprechen.

.


Kindeswohl und Elternrecht gerettet: Keine Aufnahme von „Kinderrechten“ ins GG

Es ist ein Riesenerfolg für die Aufklärungskampagne von DemoFürAlle und ihrer Unterstützer: Das Projekt „Kinderrechte im Grundgesetz“ der Regierungskoalition ist vom Tisch. Dies gab Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) nach den erfolglosen Verhandlungen mit den Bundestagsfraktionen gestern Abend bekannt.

Dazu erklärt Hedwig von Beverfoerde (siehe Foto), Sprecherin der DemoFürAlle:

»Eltern und Kinder können aufatmen: Die staatliche Gängelung der Familie, getarnt als „Kinderrechte“ im Grundgesetz, ist abgewendet! Unsere beharrliche jahrelange Aufklärungsarbeit als DemoFürAlle hat sich voll ausgezahlt. Das ist ein großer Sieg für das Elternrecht und den Schutz der Kinder vor dem Zugriff des Staates!«

Dieser Sieg ist hart erkämpft. Nachdem sich die Unionsparteien jahrelang konsequent gegen gesonderte „Kinderrechte“ im Grundgesetz ausgesprochen hatten, erfolgte 2017 die überraschende Kehrtwende:

Auf Drängen verschiedener CSU-Politiker, allen voran Horst Seehofer, wurde dieser ur-linke und zutiefst familienfeindliche Traum in die Wahlprogramme der Unionsparteien aufgenommen.

Im Koalitionsvertrag vereinbarte die Union mit der SPD schließlich, in der gemeinsamen Legislaturperiode „Kinderrechte“ ins Grundgesetz aufnehmen zu wollen.

Hedwig von Beverfoerde erläutert dazu:

»Seit Bekanntwerden der Koalitionsvereinbarungen 2017 haben wir eine riesige Aufklärungskampagne gefahren. Das Grundgesetz schützt immer schon die Rechte aller Menschen, auch aller Kinder. Gesonderte zusätzliche „Kinderrechte“ würden nur einem Ziel dienen: der Aushebelung des Elternrechts. Dagegen haben wir mit aller Kraft beharrlich gekämpft. Das war ein steiniger Weg, denn viele Menschen mussten wir erst von der Gefährlichkeit dieses so wohl klingenden Projektes überzeuge

Mit unserer Petition, die inzwischen fast 100.000 Menschen unterzeichnet haben, unserem viel beachteten Aufklärungsvideo und einem großen Symposium haben wir bei diesem Thema die entscheidenden Argumente für die Diskussion geliefert und damit wichtige Weichen gestellt.

Vor allem durch die vielen Anrufe und Nachrichten engagierter Bürger wurden die kritischen Bundestagsabgeordneten gestärkt und ihr Einfluss ausgeweitet, sodass der Widerstand im Bundestag gegen „Kinderrechte“ im Grundgesetz wachsen konnte. Mit dem endgültigen Scheitern der Verhandlungen gestern Abend trägt unser beharrlicher Protest jetzt Früchte


HERR, ich lechze nach deinen GEBOTEN

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche:
Psalm 119 (118),129-135.

Deine Vorschriften sind der Bewunderung wert;
darum bewahrt sie mein Herz.
Die Erklärung deiner Worte bringt Erleuchtung,
den Unerfahrenen schenkt sie Einsicht.

Weit öffne ich meinen Mund
und lechze nach deinen Geboten;
denn nach ihnen hab‘ ich Verlangen.
Wende dich mir zu, sei mir gnädig,
wie es denen gebührt, die deinen Namen lieben.

Festige meine Schritte, wie du es verheißen hast.
Lass kein Unrecht über mich herrschen!
Lass dein Angesicht leuchten über deinem Knecht,
und lehre mich deine Gesetze!


Kirchliches Präventionspapier vermittelt eine übergriffige Sexualpädagogik

Von Hubert Hecker

Die Bundeskonferenz der diözesanen Präventionsbeauftragten hat im Januar 2021 ein „Positionspapier zur Gestaltung der Schnittstelle von Prävention sexualisierter Gewalt und sexueller Bildung“ erstellt.1 Das Papier ist auf der Seite der Deutschen Bischofskonferenz Prävention-Kirche‘ publiziert.

Es geht mit Hinweis auf die MHG-Studie von der These aus, dass die „Stagnation der katholischen Sexuallehre“ sowie ihre „lustfeindliche Sichtweise“ Risikofaktor und „mittelbare Ursache“ für Missbrauchstaten im kirchlichen Bereich seien. Daher müsse vor jeder Prävention die Sexualmoral der katholischen Kirche neu überdacht werden.

Doch diese Behauptungen haben in der 366-seitigen MHG-Studie nur Fußnotencharakter.2 Jedenfalls ist die These vom Risikofaktor katholische Sexuallehre in keiner Weise Forschungsergebnis der Studie. Die „Zusammenfassung“ der Forschungsarbeit enthält auch keine Empfehlung, die kirchliche Sexualmoral auf den Prüfstand zu stellen.

Die Eingangsthese des Positionspapiers, die katholische Sexualmoral sei missbrauchsfördernd, ist eine Fiktion. Daher sind auch die Folgerungen daraus wie der Ruf nach einer neuen Sexualethik oder sexueller Bildung aus der Luft gegriffen.

Zwielichtige Bezugsautoren

Die Präventionsbeauftragten – und auch der Synodale Weg der DBK (Deutschen Bischofskonferenz) – haben also durch die MHG-Studie vom Herbst 2018 kein wissenschaftliches Mandat bekommen, die Sexuallehre der Kirche zu ändern. Mit der Abwandlung oder Abwendung von der biblisch-kirchlichen Lehre, nach der Sex(ualität) stets in das grundlegende Gebot der Liebe zu integrieren ist, verliert man den Orientierungskompass für die christliche Sexualethik.

Das zeigt sich in der unkritischen Übernahme von sektoralen „Erkenntnissen der Humanwissenschaften“. Die Präventionsbeauftragten stützen sich selektiv auf eine bestimmte Fraktion sexualwissenschaftlicher Autoren und Positionen. Im ersten Kapitel ihrer Schrift unter dem Abschnittstitel ‚Fachlicher Hintergrund‘ ist das Friedrich Nietzsche. Der hatte das Christentum angeklagt, mit seinen normativen Vorgaben „dem Eros Gift zu trinken“ gegeben zu haben.

Erwarten die Autoren mit diesem polemischen Eingangsfanal wirklich „fachliche Rückmeldungen“ zu ihren Ausführungen? Ist der Verfasser von „Der Antichrist“ und der „Umwertung aller Werte“ die angemessene Referenz für ein katholisches Präventionspapier?

Als zweiten Bezugsautor zitiert man ausführlich den französischen Sozialwissenschaftler Michel Foucault mit seinen Thesen, dass Sexualität vielfach mit Machtbeziehungen verschränkt sei und damit durch Macht gebraucht und missbraucht werden könne.

Die Aussagen des 1984 an AIDS Verstorbenen erscheinen aufgrund der kürzlich erhobenen Beschuldigungen eines Journalisten als zwielichtig. Nach denen hat Foucault Ende der 60er Jahre in Tunesien minderjährige Jungen sexuell missbraucht. Die Vorwürfe wurden von zwei weiteren Zeitzeugen bestätigt. Der Missbrauchsverdacht gegen Foucault wird zusätzlich erhärtet durch die Tatsache, dass er einige Jahre später lautstark die Abschaffung des strafbewehrten Verbots von Sexualität mit Kindern unter 15 Jahren forderte.

Er beschimpfte gar den gesetzlichen Schutz der Kinder vor sexuellen Übergriffen als „inakzeptablen Missbrauch“, denn Kinder seien fähig, eigenverantwortlich dem Sex mit Erwachsenen zuzustimmen. (Diese Auffassung von Foucault wird heute fatalerweise unter ‚(Kinder-)Recht auf sexuelle Selbstbestimmung‘ gefasst und als ‚präventiv‘ ausgegeben.) Mit anderen französischen Philosophen wie Sartre und Derrida unterstützte Foucault eine gleichlautende Petition.

Ist ein Autor, der das unaufhebbare Machtgefälle zwischen Erwachsenen und Kindern nicht erkennen kann oder will, als Wissenschaftler noch ernst zu nehmen? Hat er sich und seine Thesen zum Thema Sexualität und Macht damit nicht disqualifiziert – insbesondere für ein Präventionspapier? Wenn die Deutsche Bischofskonferenz solchen Positionen und Autoren zustimmt – beschädigt sie nicht ihre eigene Glaubwürdigkeit bezüglich der gegebenen Präventionsversprechen?

Irrwege deutscher Sexualwissenschaftler

Auch in Deutschland propagierten in den drei Jahrzehnten nach der 68er sexuellen Revolution renommierte Sexualwissenschaftler wie Wolff, Lautmann, Bernard, Sandfort und Helmut Kentler einhellig die Auffassung, dass einvernehmliche Sexualbeziehungen zwischen Erwachsenen und Kindern letzteren nicht schaden würden. Dieses humanwissenschaftliche Fehlurteil zur Rechtfertigung von Kindersex hatte maßgeblichen Einfluss auf die Partei der Grünen, die in den 80er Jahren die Abschaffung des gesetzlichen Kinderschutzes verlangten.

Volker Beck forderte als sexualpolitischer Sprecher der Grünen 1988 die „Entkriminalisierung von Pädosexualität“. Später erklärte er seine Haltung mit den damaligen humanwissenschaftlichen Erkenntnissen. Noch bis 2010 förderte die Humanistische Union die pädophile Szene.

BILD: Aufklärungsschrift von Peter Helmes über pädosexuelle Tendenzen bei den Grünen der 80er und 90er Jahre

Erst im letzten Jahrzehnt haben Uni-Studien die schändliche Rolle Helmut Kentlers als Pädophilenaktivist und Drahtzieher pädokrimineller Netzwerke aufgedeckt. Die destruktiven Folgen seiner emanzipatorisch-antifaschistischen Sexuallehre sind inzwischen bekannt.

Gleichwohl führen heutige Sexualwissenschaftler wie Sielert, Valtl, Schmidt, Henningsen, Tuider u. a. als Schülergeneration Kentlers dessen hedonistische Sexualitätsansätze weiter. Alle genannten Autoren werden in dem Präventionspapier in Text und Literaturverzeichnis aufgeführt.

Der Kieler Uni-Professor Uwe Sielert hat das links-liberale Sexualkonzept von Kentler zur „neo-emanzipatorischen Sexualpädagogik“ ausgebaut. Die Individuen sollen ihre sexuellen Triebenergien grenzenlos ausschöpfen zur größtmöglichen Luststeigerung. Sielert propagiert die Instrumentalisierung des Körpers zur Lustmaximierung einschließlich von Masturbation bei Kindern und frühestmöglichem Geschlechtsverkehr.

Sielert schließt sich der Grundthese Kentlers an, dass Kinder vom Kleinkindalter an bis zum Ende der Latenzzeit sexuelle Bedürfnisse und Triebkräfte hätten. Daraus wird ein kindliches „Recht auf Sexualität“ abgeleitet, das Sielert mit seinem Ansatz zur Frühsexualisierung bedienen will. Tatsächlich wird damit die sexuelle Bedürfnis- und Erfahrungswelt von Erwachsenen auf Kinder projizieren.

Bei Sielert kommt das in einem Zitat zum Ausdruck, in dem er Kindern Bedürfnisse nach sexuellen „Lusterfahrungen und zärtlichen Gefühlen“ zuschreibt. Die These von den sexuellen Bedürfnissen schon von Kindern ist zugleich das Einfallstor für Pädophile.

Sein sexualpädagogisches Programm erweiterte Sielert später zu dem Konzept der „sexuellen Bildung“, das auch die Präventionsbeauftragten in ihrem Positionspapier als Masterplan für Sexualpädagogik bewerben. Danach sollen alle „repressiven“ Grundnormen im Geschlechterbereich verwischt und verwirrt werden.

Insbesondere sollen Ehe und Familie als Kernfamilie „denaturalisiert“ und die Geschlechterdualität von Mann und Frau in eine Gendervielfalt aufgelöst werden. Schließlich sollen die „intergenerativen Sexualitätsnormen zwischen Kindern und Erwachsenen“ aufgeweicht werden. So klingt Rechtfertigung von Pädophilie im Wissenschaftsjargon.

In der Praxisanleitung empfiehlt Sielert den Eltern, ihre „Kinder lustvoll zu streicheln“, damit schon Kleinkinder „die Lust an sich selbst entdecken“.3 

In Kitas und Schulen soll die pädagogische Frühsexualisierung der Kinder mit luststimulierenden Gesprächsimpulsen, Bildern und Handlungen fortgeführt werden. Ist es nicht absurd, in einem kirchlichen Papier zur Missbrauchsprävention das sexualpädagogische Konzept eines Autors zu übernehmen, der pädophile Übergriffe durch Eltern und Erzieher empfiehlt?

Präventiver Ansatz mit missbrauchsfördernden Ergebnissen

Kein Geringerer als der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, moniert an den Beiträgen der Autoren der Sielert-Schule, dass die proaktive Hinführung der Kinder zu sexuellen Themen und Praktiken die Handlungsstrategien von Missbrauchstätern begünstige: Bei Mädchen und Jungen, die schon früh an sexuelle Themen und grenzüberschreitende Sexualpraktiken gewöhnt seien, „haben Täter ein leichtes Spiel“.4

In einer luziden Analyse hat kürzlich Prof. em. Dr. Karla Etschenberg in zwei Beiträgen die Widersprüche der Sielert’schen Sexualpädagogik zwischen emanzipatorisch-präventivem Anspruch und missbrauchsförderndem Ergebnis aufgezeigt.

Sie erläutert in dem Aufsatz: „Helmut Kentlers Erbe und das besondere sexualpädagogische Konzept gegen den sexuellen Missbrauch“ in acht Schritten, wie mit dem emanzipatorischen Ansatz der sexuellen Bildung durch frühsexualisierende Handlungsanleitung, Netzwerkverbreitung und Diffamierung der Kritiker in der Öffentlichkeit der Boden für Missbrauchsförderung bereitet wird.5

 In der Ausarbeitung des Themas zu einem Videovortrag reichert sie die Textvariante mit weiteren Zitaten sowie anschaulichen Bildern und Vergleichen an.6

Schon im Jahr 2000 hatte eine Dozentin für Sexualpädagogik Sielerts Konzept der sexuellen Bildung in einen „Ratgeber für Eltern zur kindlichen Sexualentwicklung“ umgesetzt. Die Autorin gehört neben Sielert zum wissenschaftlichen Beirat des Dortmunder Instituts für Sexualpädagogik.

In der von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung verteilten Broschüre sind mehrere Stellen zu finden, die als „Einladung zur Pädophilie angesehen werden können“. Das gibt die Autorin einem Spiegel-Interview auch selbst zu, versucht aber die Zuarbeit ihrer Methode zu pädophilen Strategien zu verharmlosen.7 

Nach Protesten nahm die damalige Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen die Broschüre als „missverständlich und zweideutig“ aus dem Programm der BZgA.

Übergriffige Sexualpädagogik verdrängt katholische Werte von Liebe, Ehe und Familie

Trotz der pädophilen Kompromittierung beherrscht die Sielert-Schule den Hauptstrom der sexualpädagogischen Literatur und legte deren Standards im deutschsprachigen Raum fest. Besonders einflussreich ist Sielert als Mitbegründer und Vorstand der „Gesellschaft für Sexualpädagogik“ (GSP).

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung verbreitet in ihren Medien die libertäre und übergriffige Sexualpädagogik der GSP. Auch in Teilen der deutschen Kirche konnte sie einsickern, was sich etwa 2016 bei der Fachtagung im Erzbistum Berlin über „Sexualpädagogik unter dem Dach der Kirche“ zeigte.

Dort hatte die GSP-zertifizierte Sexualpädagogin Ann-Kathrin Kahle einen Grundlagentext von Sielert vorgestellt. Seit 2015 ist sie Präventionsbeauftragte des Bistums Münster.

In einem Sammelband von 2016 zu „Sexualpädagogik kontrovers“, im Literaturverzeichnis des Positionspapiers angegeben, hat sie mit dem engeren Kreis der Sielertschule wie Tuider, Timmermanns, Henningsen u. a. publiziert. Kahle ist die (Presse-)Sprecherin des ‚Arbeitskreises sexueller Bildung der Bundeskonferenz der diözesanen Präventionsbeauftragten‘. Vermutlich gehört sie zum Autorenkreis des vorgestellten Textes.

Der Elternverein Nordrhein-Westfalen hat kürzlich in einem Offenen Brief an die Deutsche Bischofskonferenz mit deutlichen Worten gegen das Positionspapier protestiert. Die Elternvertreter verweisen darauf, dass sich unter dem notwendigen Auftrag zur Missbrauchsprävention mit der Übernahme des Sielert-Konzeptes von neo-emanzipatorischer Sexualbildung pädophilnahe Sexualpädagogen im Raum der Kirche breitgemacht haben. Außerdem beklagen sie, dass in dem Papier die katholischen Werte von Ehe und Familie aus Vater, Mutter und Kind(ern) sowie lebenslange Bindung und Treue als Klischees und überholte Normen abgewertet werden.

Die besorgten Eltern fordern, dass die Deutsche Bischofskonferenz den eingeleiteten Paradigmenwechsel in der Sexualpädagogik stoppen und das befremdliche Positionspapier verwerfen sollte. Weiterhin erwarten sie, dass sich die Bischöfe wieder auf die katholischen Werte besinnen mit der Orientierung auf Ehe und Familie als Ziel der Sexualpädagogik, die einen „ganzheitlichen, entwicklungssensiblen und die Schamgrenzen der Kinder“ achtenden Ansatz verfolgen müsse.

Die Präventionsbeauftragten machen sich die Genderideologie zu eigen, wenn sie die Sexualität als eine beliebig gestaltbare gesellschaftliche „Konstruktion“ ansehen. Für die Eltern dagegen ist die Sexualität von Mann und Frau die „identitätsstiftende Grundlage der Person, Körpersprache der Liebe, Zeichen und Kraft der Bindung, Quelle des Lebens und natürlich auch der Lust und des Glücks“.8 

Nach christlicher Auffassung ist die von der biologischen Natur bzw. der Schöpfungsordnung gegebene Sexualität in den Dienst der Liebe und Treue, der Weitergabe des Lebens und der familiären Bindung zu stellen.

Gutgemeinte Zielsetzungen – mit fatalen Folgen

Auf die Kritik des Elternvereins haben der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz wie auch die Autoren des Positionspapiers gereizt reagiert. Der Arbeitskreis der Präventionsbeauftragten ließ verlauten, dass er den Vorwurf zurückweise, „sexuelle Bildung auf einen pädophilen Ansatz stützen zu wollen“.

Die Elternvertreter haben jedoch mit keinem Wort den Autoren einen entsprechenden Willen oder gar die Intention zu einem pädophilen Ansatz unterstellt. Man kann den Präventionsbeauftragten durchaus gute subjektive Absichten zugestehen bei ihrem Ziel, durch sexuelle Bildung „die Stärkung der Sprachfähigkeit und Kompetenzerweiterung aller Kinder und Jugendlichen“ erreichen zu wollen.

Aber indem sie sich auf die „Erkenntnisse aus Forschung und Wissenschaft“ der Sielert-Schule stützen, stellen sie ihr gutgemeintes Vorhaben in einen Bezugsrahmen, der objektiv zu kontraproduktiven Ergebnissen führt.

Genau das haben der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung und andere Kritiker der neo-emanzipatorischen Sexualpädagogik aufgedeckt:

  • Die Heranführung schon kleiner Kinder an sexuelle Themen und Sexualpraktiken arbeitet den Handlungsstrategien der Täter in die Hände (Joh.-Wilhelm Rörig).
  • Die renommierte Pädagogikexpertin Prof. Karla Etschenberg hat die objektiven Widersprüche der Sielert’schen Sexualbildung zwischen emanzipatorisch-präventivem Anspruch und missbrauchsförderndem Ergebnis systematisch dargestellt (siehe oben).
  • Mit der unzulässigen Übertragung der Begriffe wie „Recht auf Sexualität“ und „sexuelle Selbstbestimmtheit“ (auf S. 12 des Papiers) aus dem Kontext ausgereifter Sexualität von Erwachsenen auf vorpubertäre Kinder und sogar Kleinkinder werden den notorischen Missbrauchstätern Stichworte gegeben und Wege bereitet.
  • Auch die Anleitung und Gewöhnung der Kinder an infantilsexuelle Handlungen bedeuten Zuarbeit zu den Tätern, die nach Vertrauensanbahnung selbstverständlich nur dem Kind ‚angenehme‘ Körperkontakte anstreben.
  • Damit wird sowohl die juristische Definition von Missbrauchshandlungen „gegen den Willen“ der Opfer unterlaufen als auch die viel zu enge präventive Zielorientierung als „Schutz vor sexualisierter Gewalt“. Schon aus der MHG-Studie hätten die Präventionsbeauftragten die Forschungserkenntnisse entnehmen können, dass die meisten Täter auf die sanfte Tour der Einvernehmlichkeit hinarbeiten.
  • Im Übrigen zeigen die säkulare Odenwaldschule wie auch das Bonner Aloisiuskolleg der Jesuiten das prekäre Ergebnis, dass sexualliberale Emanzipationspädagogik nicht nur keine Präventionseffekte erbrachte, sondern als systemische Bedingung massenhaften Missbrauch beförderte.

Mit der wissenschaftlichen Kritik an dem Konzept der sexuellen Bildung haben sich Sielert und seine Schüler nie ernsthaft auseinandergesetzt – offensichtlich auch nicht die Präventionsbeauftragten. Es gehört aber grundlegend zum wissenschaftlichen Ethos, sich der Kritik von anderen Wissenschaftlern zu stellen – audiatur et altera pars: Man höre auch die andere Seite!

Die verantwortlichen Bischöfe sollten sich und die von ihnen beauftragten Präventionsexperten in die Pflicht nehmen, den wissenschaftlichen Text oder das Aufklärungsvideo von Prof. Etschenberg zu studieren.9

Solange die schwerwiegenden Bedenken zu dem sexualpädagogischen Ansatz der Sielertschule mit seinen möglicherweise missbrauchsfördernden Ergebnissen nicht ausgeräumt sind, sollte das umstrittene Positionspapier auf Eis gelegt werden.


1 https://www.praevention-kirche.de/fileadmin/redaktion/praevention/portalseite/Downloads/2021–04-06_Positionspapier-Schnittstelle-Praevention-sex-Gewalt-und-Bildung_final.pdf

2 Ein einziger Hinweis auf externe Autoren auf Seite 235 der MHG-Studie

3 Frank Herrath / Uwe Sielert: Elterninformation S. 21, Beilage zu: Lisa und Jan. Ein Aufklärungsbuch und ihre Eltern, Beltz-Verlag 1991

4 Kommentar von Johannes-Wilhelm Rörig, taz vom 16. 2. 2015

5 Quelle: http://www.k‑etschenberg.de/resources/KENTLERS+Erbe.pdf, 2/2021

6 Vortrag von Prof. Dr. Karla Etschenberg auf dem Online-Symposium der ‚Demo für alle‘ mit dem Titel »Heikle Beziehungen: Sexualpädagogik und Kindesmissbrauch« am 17. April 2021.

7 Interview mit Ina-Maria Philipps auf Spiegel online, 6. August 2007

8 http://www.elternverein-nrw.de/wp-content/uploads/2021/05/Offener-Brief-an-die-Deutsche-Bischofskonferenz-12.05.21.pdf

9 https://symposium2021.de/videos/


Willkür-Herrschaft der Mullahs im Iran: Scheinwahlen und fehlender Rechtsstaat

Vor der am 18. Juni stattfindenden Präsidentschaftswahl im Iran weist die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) auf den tatsächlichen Charakter des Politspektakels als einer „scheindemokratischen Farce“ hin. 

Laut IGFM gehe es einzig um die Festigung des autoritäten Herrschaftssystems der Mullahs. Die IGFM prangert zudem anlässlich des bevorstehenden Prozesses gegen die Deutsch-Iranerin Nahid Taghavi die fehlende Rechtsstaatlichkeit im Iran an.

Wenn am 18. Juni im Iran der Nachfolger des Präsidenten Hassan Rouhani gewählt wird, kann von einer wirklichen Wahl keine Rede sein. Es stehen lediglich sieben vorab sorgsam von der religiösen Führung, dem islamischen Wächterrat, ausgewählte Kandidaten zur „Wahl“.

Die IGFM kritisiert, dass der neue Präsident bereits vorab bestimmt wurde und durch die Iraner im Wahllokal nur bestätigt wird. „Seit 42 Jahren wird den Menschen in der Islamischen Republik eine freie Wahl zwischen unterschiedlichen politischen Alternativen untersagt. Frauen, liberale schiitische Politiker, sowie Kandidaten, die die falsche Religion haben oder einer Minderheit zugerechnet werden, haben keine Chance,“ erklärt Martin Lessenthin (siehe Foto), Vorstandssprecher der IGFM.

Der als Favorit gehandelte Justizchef Ebrahim Raisi verantwortete in den 80er-Jahren die Hinrichtung Tausender politischer Gefangener. Sämtliche als „moderat“ geltende Kandidaten wurden dagegen nicht zugelassen, wie etwa 98 Prozent aller Bewerber.

Iranische Justiz: Willkür und Folter statt Rechtsstaatlichkeit
Politische Gefangene
werden nach ihrer Festnahme ohne Kontakt zur Außenwelt endlos verhört, oft begleitet durch körperliche Folter. Bei weiblichen politischen Gefangenen kommen vielmals verbale Erniedrigung und sexueller Missbrauch hinzu. Durch brutale Methoden wie monate- oder jahrelange Einzelhaft, Aufsetzen von Augenbinden bei Verlassen der Zelle, Nonstop-Kameraüberwachung, Schlafen auf dem harten Steinboden der Zelle ohne Kissen sowie verwehrtem Zugang zu medizinischer Behandlung, sollen falsche Geständnisse erzwungen werden.

Gerichtsverfahren sind Scheinprozesse
Auch die Gerichtsverfahren selbst erfüllen keine rechtsstaatlichen Standards, so haben Gefangene oft bis Prozessbeginn keinen Zugang zu einem unabhängigen Rechtsanwalt. Diese erhalten auch nur kurzfristig im Beisein von Sicherheitsbeamten Akteneinsicht. In einigen Fällen werden Angeklagte auch in Abwesenheit ohne Anhörung verurteilt.

Gerichtsprozesse sind somit reine Scheinprozesse, deren Urteile von nicht unabhängigen Richtern längst gefällt wurden. Harte Urteile und grausame Bestrafungen wie Peitschenhiebe oder die Todesstrafe sind keine Seltenheit. Selbst die Anwälte sehen sich staatlicher Verfolgung ausgesetzt, wenn Sie das geltende Recht einfordern. 

Das iranische Justizsystem setzt das fundamentale Rechtsstaatsprinzip der Unschuldsvermutung außer Kraft. Die IGFM betont: „Es kann keine gerechte Gesellschaft ohne Rechtsstaatlichkeit, keine Rechtsstaatlichkeit ohne ein ordentliches Gerichtsverfahren und kein ordentliches Gerichtsverfahren ohne die Unschuldsvermutung geben!“ 

Willkürprozess gegen Nahid Taghavi
Wie die IGFM weiter mitteilt, steht die unrechtmäßig inhaftierte Deutsch-Iranerin Nahid Taghavi ab dem 13. Juni in Teheran vor Gericht. Ihr wird „Propaganda gegen den Staat“ vorgeworfen.  Die IGFM verurteilt den politisch motivierten Willkürprozess gegen die Architektin. Das Verfahren missachtet elementare rechtsstaatliche Normen. Die IGFM fordert die Bundesregierung auf, „jetzt zu intervenieren und sich nachdrücklich für Taghavis sofortige und bedingungslose Freilassung einzusetzen!“.  

Messlatte für deutsch-iranische Beziehungen
Taghavis Schicksal sei von größter Bedeutung für die deutsch-iranischen Beziehungen, so IGFM-Sprecher Martin Lessenthin. Bisher zeigt die Islamische Republik, dass sie weder vor den Menschenrechten noch vor der demokratisch gewählten deutschen Regierung Respekt hat.

„Das Agieren der Bundesregierung im Fall der Kölnerin stellt daher die Messlatte für die deutsch-iranischen Beziehungen dar“, so die IGFM. Die Menschenrechtsorganisation setzt sich im Rahmen ihrer aktuellen Gefängnispost-Kampagne zur Unterstützung politischer Gefangener auch für Nahid Taghavi ein, indem Briefe und Postkarten mit einer von der bekannten Künstlerin Diana Ejaita gestalteten Briefmarke mit dem Portrait Taghavis direkt an die Gefangene geschickt werden können. Die Briefmarken können kostenlos über die IGFM bezogen werden. 

Zur Briefmarken-Aktion für Nahid Taghavi