Zum Rücktrittsangebot von Kardinal Marx: Peter Hahne kritisiert eitles Demutsgetue

Von Felizitas Küble

Der Bestseller-Autor und evangelische Theologe Peter Hahne hat sich heute (8. Juni) auf dem Nachrichtenportal „Kath.net“ mit dem Noch-Erzbischof von München befaßt.

Das auf den ersten Blick überraschende Rücktrittsangebot von Kardinal Marx an den Papst bewertet der ehem. ZDF-Moderator (siehe Foto) dabei hinsichtlich der Beweggründe äußerst skeptisch.

Der Münchner Oberhirte sei mal wieder „gewichtig dahergekommen“, so Hahne: „Selbstverliebt, selbstgefällig  und larmoyant.“ – Zu den Kennzeichen seiner Amtszeit gehörten Eitelkeit und herrisches Auftreten, schreibt der Verfasser weiter.

Auf der Pressekonferenz habe Marx keinerlei eigene Schuld eingestanden, sondern „nur Allgemeinplätze“ geboten, „fromm ummantelt“, kritisiert der Autor sodann. Nicht ohne Grund habe die Tageszeitung „Die Welt“ die Selbstinszenierung des Erzbischofs mit der Überschrift „Das Demutsmanöver“ betitelt.

Marxens Vorgehen habe wenig mit „biblischer Kirche“, aber viel mit „verschlagener Diplomatie“ zu tun, moniert Hahne weiter:

Unter dem Strich sollte jeder die wahre Botschaft hören (und die Medien fielen sämtlich darauf rein): der böse Woelki bleibt und klebt an seinem Stuhle. Doch der reine Reinhard poliert sich noch ein Opfer-Image: seht her, ich bin der bessere, der einzige klerikale Gutmensch unter all den Vertuschern, Verkalkten, Verbohrten.

Der reformfreudige Kirchenmann habe „kein Wort vom eigenen Vertuschen“ zu seiner Trierer Zeit als Bischof geäußert, erst recht nichts zum „Verschluss der Mißbrauchsakten in München“ gesagt.

Hahne erläutert dazu:

„BILD hat recht, wenn es jetzt zum Rücktrittsschreiben heißt: „Das klingt edel. Aber nach BILD-Informationen könnte Marx mit diesem Schritt auch einer für ihn peinlichen Enthüllung zuvorkommen. Denn im Herbst wird das nächste Vertuschenungs-Gutachten vorgestellt. Diesmal im Mittelpunkt: das Erzbistum München.“

Auch in der FAZ – so zitiert Hahne einen dortigen Leitartikel – sei die Rede davon, der „Machtmensch Marx“ habe bereits „verdächtig viel Einfluß abgegeben“, z.B. keine weitere Amtszeit als Vorsitzender der Bischofskonferenz. In diesem Mann, „der machtvolle Ämter sammelte wie andere Jagdtrophäen…..verschränkten sich individuelles Scheitern und kollektives Unvermögen“, so die Frankfurter Allgemeine zur Rücktritts-Causa.

Ablehnend äußert sich Hahne auch zum „synodalen Irr- und Holzweg“, denn dieser habe als „Beifall heischender Umweg rund um den Kern des Katholizismus“ letztlich zum Ziel, „noch mehr Gläubige zum Austritt zu treiben“, statt sich daran zu erinnern, daß der evangelischen „Vorbild-Kirche“ die Schäfchen „ebenfalls in Scharen davonlaufen.“

Abschließend schreibt Peter Hahne:

„Ist also die Kirche an einem „toten Punkt“ angekommen, wie Marx meint? Oder nicht vielmehr der Analytiker selbst? Und da spricht das peinliche Foto von Karl und Reinhard vielsagende Bände: die beiden Marxens in Trier…Und wer den Begriff „christliches Abendland“ als „ausgrenzend“ interpretiert, kann als Bischof ohnehin nicht ernst genommen werden. Der Papst sollte dem Rücktritts-Wunsch dankbar entsprechen.

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10 Kommentare on “Zum Rücktrittsangebot von Kardinal Marx: Peter Hahne kritisiert eitles Demutsgetue”

  1. "GsJC" sagt:

    Rücktrittsangebot von Papst Franziskus abgelehnt. Das Antwortschreiben findet aktuell auf Nachrichtenseiten Verbreitung. Auszug nachstehend:

    Es gefällt mir, wie Du den Brief beendest: „Ich bin weiterhin gerne Priester und Bischof dieser Kirche und werde mich weiter pastoral engagieren, wo immer Sie es für sinnvoll und gut erachten. Die nächsten Jahre meines Dienstes würde ich gerne verstärkt der Seelsorge widmen und mich einsetzen für eine geistliche Erneuerung der Kirche, wie Sie es ja auch unermüdlich anmahnen“.

    Und genau das ist meine Antwort, lieber Bruder. Mach weiter, so wie Du es vorschlägst, aber als Erzbischof von München und Freising. Und wenn Du versucht bist, zu denken dass dieser Bischof von Rom (Dein Bruder, der Dich liebt), indem er Deine Sendung bestätigt und Deinen Rücktritt nicht annimmt, Dich nicht versteht, dann denk an das, was Petrus im Angesicht des Herrn hörte, als er ihm auf seine Weise seinen Verzicht anbot: „Geh weg von mir, denn ich bin ein Sünder“ – und die Antwort hörte „Weide meine Schafe“.

    Mit brüderlicher Zuneigung

    FRANZISKUS

    ——–

    Ich bezweifele, dass Kardinal Marx diese Antwort gefällt. Für mich ist das eine Klatsche, die nichts weiter beinhaltet als: „Mach deinen Job, dort wo du hingestellt wurdest, mach ihn gut und drücke dich nicht vor der Verantwortung!“

    Das Rücktrittsangebot nimmt peinliche Züge an und mir scheint, dass sich Kard. Marx ein Eigentor geschossen hat. Da dachte er, besonders klug zu sein und hat die entsprechende Antwort im Gesuch mit eingearbeitet. Da hat Marx dem Papst die Arbeit abgenommen.

    MfG

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  2. killema sagt:

    Ich möchte das mal deftig ausdrücken: Die R…. will das sinkende Schiff verlassen.

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  3. dorrotee sagt:

    Super-Artikel.
    Diese Gedankengänge hatte ich auch schon im Kopf.
    Und der Papst kann tatsächlich froh sein über das Rücktrittsangebot von Marx.

    Ich hoffe auf einen guten Nachfolger . Es kann ja fast nicht schlimmer kommen. Marx war/ ist für mich ein Paradebeispiel von Machtstreben mit viel Geld für ein schönes Bischofsleben.

    Er soll früher mal ein sehr frommer, teils konservativer und gläubiger Mensch gewesen sein.
    Bis zu den Ämtern, die er dann innehatte. Da wendete sich das Blatt und die moderne Glaubenslehre zog immer weiter seine Kreise in seinen Predigten.

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  4. Petra Golm sagt:

    Kardinal Marx hat 500 000 Euro aus seinem Privatvermögen für eine Stiftung gespendet, eine Stiftung welche für die Missbrauchsopfer da ist. Er hat sich selbst einen Ablassbrief ausgestellt damit: Das muß ihm erst einmal einer nachmachen!

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    • Guten Tag,
      er hat das Geld für eine von ihm selbst gegründete Stiftung gespendet.
      Zugleich hat er dazu im Vorjahr erklärt: „Das System Kirche als Ganzes ist hier schuldig geworden.“
      (Quelle: https://www.bild.de/regional/muenchen/muenchen-aktuell/aus-privatvermoegen-kardinal-marx-zahlt-eine-halbe-million-an-missbrauchsopfer-74298782.bild.html)
      Es gibt aber keine Systemschuld und keine indirekte Kollektivschuld, sondern jeweils die persönliche Verantwortung der betreffenden Amtsträger.
      Wer die Kirche als Ganzes anprangert, will davon entweder ablenken oder er sucht den Beifall der Medien für seine Kirchenkritik.
      Wenn nämlich „alle“ schuldig sind, ist es „keiner“ (die persönliche Verantwortung verschwindet gleichsam im Großen-Ganzen).
      Freundlichen Gruß
      Felizitas Küble

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      • Petra Golm sagt:

        Genau so sehe ich das auch, und deshalb hat er sich vorsorglich in Kirchenfürstenmanier selbst einen „Ablassbrief „ausgestellt – damit er persönlich aus der Verantwortung raus ist. Wenn er zurücktritt, muß er vielleicht sein Umhänge-Kreuz nicht immer tragen, und dann wird auch niemand ausgegrenzt. Herr Hahne hat die anderen Eigenheiten von Marx in dem hier veröffentlichten Artikel genial auf den Punkt gebracht.
        Wer weiß, was noch an Verantwortlichkeiten im Bistum München Freising bezüglich Vertuschung rauskommt – im zu erwartenden Gutachten. Wenn es seine Kollegen und Vorgänger beträfe. Da wäre es doch aus seiner Sicht vernünftig, schnell aus der Schußlinie zu kommen.
        Dann müßte er sich nicht mehr mit den Verantwortlichkeiten seiner Vorgänger befassen. Wer weiß, wen das alles betreffen könnte.
        Selbstlos war der Mann nie.

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    • gerd sagt:

      Ein Kardinal mit 500 000 Euro Privatvermögen….das gibt es nur in Deutschland. im übrigen sollte die rechte Hand nicht wissen, was die linke tut. Es zählt ja nur, was der Vater im Himmel sieht und nicht das, was man vor sich her posaunt!

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      • Oswald Fischer sagt:

        Es hieß, die 500 000 Euro wären „der grösste Teile seines Privatvermögens“, also alles konnte er natürlich nicht spenden. Das hätte auch niemand erwartet.
        Aber wundern tut einen das schon. Von seinem Gehalt wird er das nicht alles erspart haben.
        Vielleicht hat die Familie Marx einfach genug Kapital.

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