Causa Marx und sein versuchter Amtsverzicht: Peter Hahne kritisiert „Winkelzüge“

Kardinal Reinhard Marx bot überraschend dem Papst seinen Rücktritt vom Amt als Oberhirte von München-Freising an. Doch der Pontifex lehnte sein Gesuch ab, so daß sich die Frage stellt: Ist der „gewichtige“ Erzbischof hierüber erfreut – oder eher nicht?

Wollte er mit seinem Rückzug vielleicht möglichen Enthüllungen über Vertuschungen in puncto Missbrauch – vor allem in seiner Trierer Amtszeit zuvorkommen? Wollte sich der Kirchenmann vorschnell aus der Verantwortung stehlen?

Auch über die Beweggründe des Papstes für seine Entscheidung kann munter spekuliert werden: Will der Pontifex das „Davonschleichen“ des Kardinals verhindern oder ihn aus purem Wohlwollen im Amt behalten? Oder gar beides zugleich?

Der ehem. ZDF-Moderator und evangelische Theologe Peter Hahne spricht in seinem aufschlußreichen Artikel auf „Tichys Einblick“ am Schluß ganz zu Recht von „Winkelzügen“ – und dies gilt wohl für beide Seiten diesseits und jenseits der Alpen.

Die „vermeintliche Demut des Kardinals Marx mit seinem Rücktrittsgesuch“ kritisiert der Bestsellerautor deutlich als „Schmierentheater“: „Was Marx da bot, war nicht biblisch, sondern verschlagen diplomatisch.“

Der Papst entschied, „Marx muss (!) im Amt bleiben“ und macht sich den Inhalt von dessen Schreiben „weitestgehend zu eigen“, so Hahne weiter:

„Allerdings mit bühnenreifen Seitenhieben auf den Münchner Domschauspieler, dem inzwischen selbst seine ehemals getreuesten unter den „Qualitätsmedien“ nur noch den Rang eines Laiendarstellers einräumen.

Er fügt hinzu: Und wenn das Zuspiel Rom/München auf dem EM-Rasen die nächsten Tage auch so gut klappt, wird Deutschland Europameister.“

Siehe hierzu auch unser Bericht über Peter Hahnes Äußerungen vor vier Tagen in unserem CF: https://charismatismus.wordpress.com/2021/06/08/zum-rucktrittsangebot-von-kardinal-marx-peter-hahne-kritisiert-eitles-demutsgetue/


6 Kommentare on “Causa Marx und sein versuchter Amtsverzicht: Peter Hahne kritisiert „Winkelzüge“”

  1. Anonymous sagt:

    Macht Marx-Bashing eigentlich Spaß?

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  2. bissiger Wolf sagt:

    Ich bin immer wieder fassungslos, wie die Sprachvergewaltigung auch in kirchlichen Kreisen und damit die christliche Entwurzelung funktioniert. Als hätte man geradezu Angst, Kirche mit Christus zu verknüpfen, wie in den Worten Christenlehre, christliche Veranstaltung, um den modernen Zeitgeist zu gefallen. Auch die Kirchen mit ihrer großen historischen Bedeutung werden einfach zu gebräuchlichen Nutzobjekten degradiert. Dabei sind sie viel mehr, wo Menschen mit dem Schweiß ihrer Arbeit Gott zum Lob geschuftet haben über Generationen, den Gläubigen durch kunstvolle Ausstattung den Gottbezug näher bringen sollen und keine schlichten Bimmel-Häuser für Veranstaltungen.
    Auch hier ist der Sprachgebrauch drauf und dran, unsere christliche Beziehung in Frage zu stellen. Heilig-Geist-Kirchen sind keine schnöden, spärlich ausgestatteten Anhängsel, sie sind viel mehr, wo die durch Krankheit ausgestoßenen Menschen Zuflucht in ihrer Verzweiflung bei der Suche nach Gott finden sollten. Auch hier legt der Zeitgeist der Wortschöpfung teilweise ungesunden Geist an.

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  3. Thomas May sagt:

    Meiner Einschätzung, dass es sich bei Kardinal Marx` Rücktrittsgesuch an Papst Franziskus um einen „Winkelzug“ handelt, habe ich unlängst in meinem Kommentar hier im CF Ausdruck gegeben (https://charismatismus.wordpress.com/2021/06/07/das-forum-deutscher-katholiken-zum-rucktrittsangebot-von-kardinal-marx/).
    Die Erwiderung des Papstes an den Münchener Erzbischof (siehe https://kath.net/news/75423) legt nahe, dass –wie im obigen Artikel angedeutet – auch der römische Pontifex über Bande spielt.
    Gesichert scheint mir zu sein:
    1. Kardinal Marx hat sich überschätzt. Die implizite Katechese des Papstes über den Sinn des Bischofsamts ist eine „Ohrfeige“ für ihn.
    2. Dem Papst widerstrebt jede Flucht vor dem Kreuz („Rücktritt“). Daher muss das „Fleisch“ des Kardinals auf den „Grill“.
    3. Der ontologische Charakter einer Weihe als unauslöschliches Siegel (wie im Fall eines Bischofs) unterscheidet sich von der befristeten Wahl in in ein politisches Amt, von dem man auch zurücktreten kann.
    5. Der Papst denkt nicht daran, mögliche Rücktritte von (deutschen) Bischöfen wegen „sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche“ anzunehmen; wer in seinem Bistum versagt hat, muss gefälligst das Seinige dazutun, die Suppe auszulöffeln.
    6. Die Erwiderung des Papstes ist auch eine Abfuhr an Feministen und Feministinnen außerhalb und innerhalb der Kirche wie zahlreiche Aktivistinnen der Initiative „Maria 2.0“, die meinen, sie könnten Schritt für Schritt vermeintlich oder tatsächlich in sexuellen Missbrauch (bzw. deren Vertuschung) verstrickte Bischöfe wegputzen nach dem Motto „Gutfrauentum statt toxische Männlichkeit“.
    Dieses sexistische Muster, nach dem die Kirche umgewälzt werden soll, wird nicht funktionieren.

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  4. "GsJC" sagt:

    „Was Marx da bot, war nicht biblisch, sondern verschlagen diplomatisch.“

    Sehe ich auch so. Die Enttäuschung über die Antwort war Kardinal Marx im TV anzusehen. Könnte mir vorstellen, dass er von einer Berufung nach Rom geträumt hat.

    Dank sei dem Papst für diese schnelle Reaktion, die den von Marx gewollten Druck auf einen Würdenträger nördlich des Main genommen hat.

    Marx hat sich total verzockt mit seiner Strategie, wollte mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen und wurde selbst zum Geschlagenen.

    MfG

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