Agatha-Christie-Indult: Die traditionelle Messe als „Weltkulturerbe“ erhalten

Britische Dichter und Denker pro überlieferte Liturgie

In der aktuellen Debatte über die „alte Messe“ wird bisweilen auch über jene Stufenleiter diskutiert, wodurch der überlieferte Gottesdienst in lateinischer Sprache nach der Liturgiereform „gerettet“ wurde.

Erst unter dem Pontifikat von Johannes Paul II. gab es weltweit und damit auch in Deutschland die sogenannte „Indultmesse“: dieser päpstliche Erlaß enthielt zwar eine Erlaubnis zur Zelebration der alten Messe (heute amtskirchlich die „außerordentliche Form des römischen Ritus“ genannt), band diese jedoch an die Genehmigung des jeweiligen Ortsbischofs. Damit war es eine Erlaunis „von bischöflichen Gnaden“, kein eigentliches Recht der Gläubigen.

Dann kam ein großer Sprung nach vorne unter der Amtszeit von Papst Benedikt, von dem bekannt war, daß er dem klassischen Ritus wohlgesonnen ist, weil er dies in seinen liturgischen Büchern bereits verdeutlicht hatte.

Er weitete die Vielfalt und Freiheit der Riten aus und sorgte durch eine großzügigere Erlaubnis der alten Messe für eine liturgische Versöhnung in der Kirche. Aus dem vorherigen Gnadenakt wurde gleichsam ein Rechtsanspruch, den eine Gemeinschaft von Gläubigen von ihrem Bischof erwarten durfte.

Vor der Indultmesse – also zur Zeit von Papst Paul VI. – gab es universalkirchlich überhaupt keine allgemeine Erlaubnis zugunsten der alten Messe – mit einer Ausnahme:

1971 wurde für England und Wales eine Ausnahmeregelung gebilligt, die als Agatha-Christie-Indult bezeichnet wird. Damit wurde zwar nicht direkt die vorkonziliare Liturgie erlaubt, aber immerhin das 1966 eingeführte Altarmeßbuch, das eine organische Weiterentwicklung der überlieferten Messe darstellt (aber keinen „Bruch“ wie die nachkonziliare Liturgiereform).

Warum aber wurde dieses Indult nach der bekannten Krimi-Autorin genannt, die zudem keine Katholikin, sondern Anglikanerin war?

Am 6. Juli 1971 erschien in der namhaften Zeitung „The Times“ ein Aufruf zahlreicher, größtenteils nicht-katholischer Künstler, Intellektueller und sogar zweier anglikanischer Bischöfe, in dem der Vatikan dazu aufgerufen wurde, die überlieferte Messe weiterhin zu gewähren. Der Appell war von 57 bedeutsamen Persönlichkeiten unterzeichnet, z.B. von dem weltberühmten jüdischen Musiker Yehudi Menuhin – und eben auch von Agatha Christie.

Deren Argumentation war natürlich nicht theologisch, sondern künstlerisch und kulturhistorisch geprägt. Sie erklärten, daß dieser uralte Ritus nicht nur der Kirche gehöre, sondern als einzigartiges Kulturerbe gleichsam für die ganze Menschheit von großer Bedeutung sei. In der Erklärung heißt es z. B.:

Wenn ein unsinniges Dekret die vollständige oder teilweise Zerstörung von Basiliken oder Kathedralen anordnen würde, dann wären es natürlich die Gebildeten – welchen persönlichen Glauben auch immer sie hätten –, die sich mit Schrecken erheben würden, um sich einer solchen Möglichkeit zu widersetzen.

Hierzu gibt es ein Buch von Gianfranco Amato mit dem Titel Der Indult von Agatha Christie. Wie die tridentinische Messe in England gerettet wurde. Darin beschreibt der Autor, wie die klassische Liturgie für England bewahrt worden ist und welch bedeutsame Rolle dabei die berühmte Krimi-Autorin spielte.


17 Kommentare on “Agatha-Christie-Indult: Die traditionelle Messe als „Weltkulturerbe“ erhalten”

  1. Holger Jahndel sagt:

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  2. Onkel Guido sagt:

    ein hervorragender Artikel nur ein kleiner Fehler seit letzten <Freitag ist die korrekte Bezeichnung wieder tridentinische Messe und nicht mehr außerordentliche Form

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    • Guten Tag,
      mag sein, aber der Ausdrucke tridentinische Messe ist an sich nicht richtig, weil sie viel älter als das Tridentinische Konzil ist, sondern dort nur als einheitlicher Ritus für die westliche Kirche festgelegt wurde – von paar Sonderriten abgesehen.
      Freundlichen Gruß
      Felizitas Küble

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      • Onkel Guido sagt:

        das mag man so sehen nur schreiben Sie: Zitat“ (heute amtskirchlich die „außerordentliche Form des römischen Ritus“ genannt),“ Zitat das ist eben nicht mehr der Fall
        ich lehne übrigens diese Bezeichnung völlig ab da es in der Kirchengeschichte nie einen Ritus in 2 Formen gab .
        Die kirchenamtliche Bezeichnung ist übrigens „Missale Romanum Edition Typica 1962“

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  3. Thomas May sagt:

    Außer dem Geiger Yehudi Menuhin wären aus dem Bereich der klassischen Musik/Oper noch der russisch-isländische Pianist und Dirigent Wladimir Ashkenazy, der britische Dirigent (Sir) Colin Davis und die australische Sopranistin Joan Sutherland hervorzuheben, die das Indult unterzeichnet haben.
    Stars in ihrer Branche. Kultivierte, gebildete Persönlichkeiten.
    Und jetzt droht erneut der Rückfall in die Barbarei.

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  4. Gerhard sagt:

    Danke, toller Artikel!
    Die Argumentation – „dann wären es natürlich die Gebildeten“ – aus einer anderen Weltepoche.
    Traurig: Die Kirche – vor sich selbst geschützt von Ungläubigen, die ein wenig im Denken geübt sind.
    Warum tun sich manche damit schwer zuzugeben, dass damals auch vieles u n n ö t i g und kleingeistig zerbrochen wurde was gut und schön war? Das ist doch das Normale, womit wir immer rechnen müssen. Das absolut Überraschende dagegen ist immer der Glaube und das Glaubensgut.

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    • Die Abschaffung der alten tridentinischen Messe war eine einzige liturgische Katastrophe, in ihnen waren die universellen Prinzipien der Logos-Theologie wie etwa die Elemente-Prinzipien als Elementarkräfte und die „Tattwas“ verarbeitet. Ähnlich wie in der alten byzantinischen Messe der russisch-orthodoxen Kirche und in der Jakobus-Liturgie als liturgischen Schatz und in den alten iro-keltischen bzw. iro-schottischen Gottesdiensten.

      Siehe auch das Kreuzgang-Forum und den Weblog „Philosophia Perennis“ dazu und zur alten tridentinischen Messe und klassischen Liturgie.

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  5. nahkampfhase sagt:

    Da ich mich damit nicht so auskenne: Es wurde zwar die Messe (Worte der Wandlung) in Latein gelesen aber die Predigt während des Gottesdienstes war in der Landessprache. hab ich das richtig verstanden?

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    • Guten Tag,
      die Predigt war schon seit Jahrhunderten in der Landessprache – sonst hätte sie ja kaum einer verstanden. (Natürlich auch in England beim Agatha-Christie-Indult, aber damit wurde nur das Bestehende konserviert.)
      Die biblischen Lesungen wurden vor dem Konzil entweder erst auf Latein und dann auf deutsch gelesen – oder gleichzeitig.
      Das ist heute bei der „alten Messe“ genauso (ich kenne beide Varianten).
      Nicht nur die Wandlungsworte erfolgen auf Latein, sondern außer Lesung und Predigt die ganze Messe.
      Freundlichen Gruß
      Felizitas Küble

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