Werner Bergengruen: ANGELUS DOMINI – Gedicht über das Ave-Läuten der Kirche

In der Lyrik-Sammlung „Herbstlicher Aufbruch“ des Dichters Werner Bergengruen finden wir auf S. 31 das Gedicht „Angelus Domini“ – bezogen auf den „Angelus“, das traditonelle Gebet „Der Engel des HERRN“, der Maria die Botschaft brachte von der Menschwerdung Christi, dem Eintritt des Ewigen in unsere Welt.

Der Höhepunkt des Angelus besteht aus einem zentralen Bibelwort des Johannesprologs: „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.“

In dem erwähnten Buch heißt es erklärend unter Bergengruens Versen: „Nach der Schlacht von Lepanto 1571, dem Sieg der Christenheit über die Türken, wurde das dreimalige tägliche Angelus-Läuten in der katholischen Kirche eingeführt.“ Tatsächlich entstand im Volksmund das Wort „Türkenläuten“. Ein Zusammenhang besteht, doch der Brauch ist noch älter (siehe HIER)

HIer folgt nun im vollen Wortlaut jenes leider weitgehend noch unbekannte Gedicht, das dem katholischen Ave-Läuten und dem Angelus gewidmet ist:

ANGELUS DOMINI

Dreifach, so ist es beschlossen,
ehegestern und heut
kommt von den Türmen geflossen
das triumphale Geläut.
Jenem Siege vor allem,
der die Bedrohung zerbrach,
klang es zuerst und nun hallen
es die Jahrhunderte nach
.

Ach, alle Siege der Erde,
sind sie denn wert des Geläuts?
Unser ist Angst und Beschwerde,
Abgrund und Sterbekreuz.
Sei uns der Friede verliehen,
den die Welt nicht erdacht:
Der Engel des Herrn hat Marien
die Botschaft gebracht.

Dreifach – und so soll es dauern,
gestern, morgen und heut
rinnt über Dächer und Mauern
zärtliches Trostgeläut.
Herzen haben geschrien
bis ans Verbleichen der Nacht:
Der Engel des Herrn hat Marien
die Botschaft gebracht.

Hob über heißem Gewühle
sich das Licht zum Zenit,
wehen Schweigen und Kühle
dunkel im Glockenlied.
Atme. Die Schwüle wird fliehen,
die dich so bange gemacht.
Der Engel des Herrn hat Marien
die Botschaft gebracht.

Ist die Helle geschieden,
ruft es vom Turmgemacht:
sinne, Seele, dem Frieden
heiliger Geheimnisse nach.
Uralte Sternbilder ziehen
heute wie je auf die Wacht.
Der Engel des Herrn hat Marien
die Botschaft gebracht.

So in die irdischen Stunden
schaut das Ewige ein.
Immer aufs neue gefunden
leuchtet der Glorienschein,
von des Geläutes Magien
immer aufs neue entfacht.
Der Engel des Herrn hat Marien
die Botschaft gebracht.

Werner Bergengruen

Foto: Dr. Bernd F. Pelz


4 Kommentare on “Werner Bergengruen: ANGELUS DOMINI – Gedicht über das Ave-Läuten der Kirche”

  1. nathalie sagt:

    Wo ich die Bitte vor längerer Zeit gelesen habe, weiß ich nicht mehr.
    Sonst könnte ich einen Link setzten.
    Es geht um das Angelus Läuten am Mittag um 12 Uhr.

    „Bitte beten sie um den Erhalt unserer Kultur, darum, dass der Westen
    nicht islamisch wird.“

    So ähnlich war die Bitte in einer kath. Zeitung.
    Habe ich hiermit weiter gegeben.
    Und wenn sie an die Kraft des Gebetes glauben, können sie es auch weiter
    geben.

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  2. nathalie sagt:

    Wunderschön wie die Glocken läuten.

    Gott erhalte unsere Kultur.

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  3. dorrotee sagt:

    Wunderbar,

    aber auswenig möchte ich das Gedicht nicht lernen.

    Wusste gar nicht, dass das Angelusläuten aufgrund eines Sieges eingeführt wurde. Hoffentlich bleibt es noch lange.

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    • Guten Tag,
      so steht es im Buch – in Wirklichkeit wurde das Mittagsläuten schon vorher eingeführt, aber als Bitte um einen Sieg vor islamischen Truppen, also der Zusammenhang stimmt grundsätzlich („Türkenläuten“).
      Freundlichen Gruß
      Felizitas Küble

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