Wo bleibt der Respekt vor dem Bürger ?

Von Dr. Axel Bernd Kunze

Es sind „ver-rückte“ Zeiten: Zeiten, in denen alle Maßstäbe und ethischen Grundlagen unseres Zusammenlebens „ver-rückt“ werden. Für mich sind alle Parteien desavouiert, welche diese Freiheitseingriffe zu verantworten haben.

Stefan Rehder schrieb in diesem Monat in der „Tagespost“:

„Der Körper ist das Hoheitsgebiet des Bürgers und kein sozialpflichtiges Eigentum, über das dessen Angestellte auf Zeit, denn das sind Regierende in der Demokratie, nach Gutsherrenart entscheiden könnten.

Am Dienstag [gemeint: 10.8.2021] haben Merkel, Söder und Müller nicht etwa für das Impfen geworben. Dazu hätten sie die Ängste und Sorgen der Menschen ernst nehmen müssen. Stattdessen haben sie ihren mangelhaften Respekt vor dem Souverän demonstriert.“

Als Sozialethiker habe ich mich viel mit staats- und politikethischen Fragen beschäftigt. Alexander Gauland hat Recht, wenn er dieser Tage gesagt hat, dass es diesem Staat [gemeint ist wohl: dieser staatlichen Führung] nicht einmal mehr gelingt, einen letzten Rest an Würde und Anstand zu wahren. Ich sage dies nicht um der Parteipolitik willen, die parteipolitische Bewertung der aktuellen Situation mag jeder für sich vornehmen.

Aber ich sage dies als Mitautor eines Bandes mit dem Titel „Wiederentdeckung des Staates in der Theologie“, das im vergangenen Jahr, gemeinsam verfasst mit drei weiteren Kollegen, erschienen ist.

Gemeint ist allerdings ein freiheitlicher Rechts- und Verfassungssstaat, der wieder in der Lage ist, seine Kernaufgaben zu erfüllen, nicht die Fratze eines affekt- und ressentimentgeladenen „Coronaintensivstaates“ (so war es im „Tagesspiegel“ zu lesen, was schon sprachlich an „Intensivstation“ erinnert).

Ich bin davon überzeugt, dass wir Freiheit und Würde nicht wahren werden, wenn wir nicht auch bereit sind, von Vaterland, Volk und Nation zu sprechen. Denn wer das Eigene nicht liebt, wird am Ende gefühlskalt, unsolidarisch und unfreiheitlich.

Alle politischen Konstrukte, die den Nationalstaat zu ersetzen versuchen, bleiben technokratisch. Das zeigt sich gerade in der Krise.

Wenn Bürger aber nicht mehr glauben, Teil desselben Gemeinwesens zu sein, kann das politische Zusammenleben auf Dauer nicht funktionieren. Identität ist ohne Emotion nicht zu haben; ihre starke Bindekraft zeigt sich mitunter erst dann, wenn andere Mechanismen versagen: Sie hilft, so hat es Francis Fukuyama ausgedrückt, „Gesellschaften, ihre Tiefpunkte zu überstehen, wenn die Vernunft allein zu Verzweiflung über die Arbeit ihrer Institutionen führen würde.“

Und einen solchen Tiefpunkt erleben wir derzeit.

Unser Autor, der Sozialethiker Dr. Axel Bernd Kunze, veröffentlicht viele informative und zeitgeistkritische Beiträge auf seinem bildungsethischen Blog: https://bildung-und-ethik.com/


8 Kommentare on “Wo bleibt der Respekt vor dem Bürger ?”

  1. Holger Jahndel sagt:

    WARUM WIR IN DER NEUEN VÖLKERWANDERUNG DIE IDEE DER PHILOSOPHIA PERENNIS BRAUCHEN
    ALLGEMEIN 12. November 201712
    Es gibt ein starkes philosophisches und gesellschaftliches Ideal, das wir der islamischen Ideologie entgegensetzen können: es ist jenes der philosophia perennis. Dort, wo alles brüchig ist und aus unseren abendländischen Sicht menschenverachtende Barbaren zunehmend die Macht an sich reißen, bekommt die Besinnung auf das Bleibende, auf von Konventionen, Konfessionen, Religionen, Kulturen und weiteren soziologischen Einflussfaktoren unabhängige Werte, die in einer ebenso unabhängigen Metaphysik wurzeln, eine ganz neue Relevanz.

    https://philosophia-perennis.com/2017/11/12/philosophia-perennis/

    https://philosophia-perennis.com/

    DER HEILIGE STUHL, DER ISLAM UND DIE UN-MENSCHENRECHTSCHARTA
    ETHIK 2. August 201713
    (Franz Deckenbrock) Die Menschenrechte stellen jene Rechte dar, die einzelne Personen vom Staat einfordern können. Der Heilige Stuhl ist einer der wenigen Staaten, die diese Rechtsforderungen der Vereinten Nationen nach wie vor ablehnen. Auch die Europäische Menschenrechtskonvention wurde bisher vom Heiligen Stuhl nicht unterzeichnet.

    https://philosophia-perennis.com/2017/08/02/der-heilige-stuhl-der-islam-und-die-un-menschenrechtscharta/

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  2. Bernd L. Mueller sagt:

    …..diese Regierung gibt uns – Bürger/innen – permanent Gefühl, wir seien Untertanen, die zu gehorchen haben, wenn nicht, müssen sie – Bürger/innen – die von ihnen , d.h. Regierung – begründeten fatalen Folgen tragen.

    Das ist absolutes Denken und Handeln in Diktaturen, so wurde – u.a. Mauerbau und Schießbefehl begründet.

    Wer aus der DDR geflohen ist, war Volksverräter oder Schädling , gar Verbrecher, musste die Konsequenzen erdulden.

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  3. dorrotee sagt:

    Eine genauso wichtige Frage wäre, warum lassen die Bürger sich so respektlos behandeln?

    Denn die meisten Bürger begrüßen die C.- Massnahmen und hätten nichts gegen die Impfpflicht.

    Die Menschen, die Respekt von der Politik einfordern, sind anscheinend wenige.
    Die Bundestagswahlen werden uns das wieder vor Augen führen.

    Heute war ich bei einem HNO-Arzt und wurde richtig bedrängt, mir in seiner Praxis einen Impftermin geben zu lassen. Er wolle Fairness von seinen Patienten. Wer ungeimpft ist , steckt andere an und ist rücksichtslos gegenüber seinen Nächsten, wurde mir vorgehaltem. Dabei ging es mir um einen Hörtest und ein Innenohrproblem.

    Also so etwas dämliches habe ich schon lange nicht mehr gehört. Als wäre ich ein infizierte Person, die dann auch noch zum HNO geht. Das ist doch mittlerweile bekannt, dass man bei Erkältungssymptomen zu Hause bleiben soll.

    Und nur mal nebenbei: die Geimpfeten können das Virus auch verbreiten.
    Wer muss jetzt eigentlich vor wem geschützt werden?

    Schon im Wartezimmer tauschten sich die Patienten munter und froh über den Impfstatus aus. So weit sind wir.

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  4. […] Wo bleibt der Respekt vor dem Bürger ? — CHRISTLICHES FORUM […]

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  5. Peter Kiefer sagt:

    „Der Körper ist das Hoheitsgebiet des Bürgers und kein sozialpflichtiges Eigentum, über das dessen Angestellte auf Zeit, denn das sind Regierende in der Demokratie, nach Gutsherrenart entscheiden könnten.“ Wunderbar, Herr Rehder (Tagespost), aber die Regierenden in der Merkel-Demokratie fühlen sich nicht als ‚Angestellte auf Zeit‘, sondern als Herren über ihre Untertanen.

    Damit hat natürlich auch Herr Kunze recht, wenn er ihnen „mangelhaften Respekt vor dem Souverän“ vorwirft. Leider ist das einem großen Teil des ‚Souveräns‘ ziemlich egal, wie das wahrscheinlich am Wahlergebnis abzulesen sein wird – aber wie sagt der Volksmund: ‚Die Hoffnung stirbt zuletzt!‘ Ein Forist ergänzte: „Aber sie stirbt!“

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