Plädoyer eines Geimpften für die Freiheit aller Bürger – auch der ungeimpften

Von Thomas May

Die Zwangskollektivierung des Individuums durch einen „übergriffigen Sozialstaat … unter dem Vorwand staatlicher Schutzpflichten“ (so Dr. Axel Kunze in seinem Artikel „Wie der Corona-Diskurs für andere politische Zwecke vereinnahmt wird“ im „Christlichen Forum“ vom 23.9.2021) ist die eigentliche Revolution, die im Gefolge der Anti-Corona-Maßnahmen der Regierungen in Gang gesetzt wurde und welche das Reaktionsschema für künftige Freiheitseinschränkungen als „Klimaschutzmaßnahmen“ vorgeben dürfte.

Die Konsequenzen wie besonders die verfassungswidrige Entrechtung der Ungeimpften, denen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zunehmend erschwert und demnächst sogar die Lohnfortzahlung im Quarantänefall verweigert wird, werden im veröffentlichten Diskurs nahezu einhellig gutgeheißen. Hier ist der Weg in eine neue Barbarei vorgezeichnet.

Tatsächlich steht die von Regierungen, öffentlich-rechtlichen Medien und den sich ihnen anhängenden Printmedien mitsamt den akkreditierten Vertretern der „Akklamationswissenschaften“ (Josef Kraus) unseriös, paternalistisch und aggressiv beworbene Impfkampagne vor dem Scheitern, weil die

Rechnung einer „Herdenimmunität“ oder „Besiegung“ des Virus selbst bei Erreichen einer sehr hohen Impfquote nicht aufgeht, vielmehr die inzwischen exponentiell steigenden „Impfdurchbrüche“ (https://reitschuster.de/post/rki-daten-zahl-der-impfdurchbrueche-steigt-stark-an/) die mangelnde „Schutzwirkung“ der Impfungen dramatisch ins Licht rücken und sie täglich weiter relativieren, während umgekehrt die Zahl der „NEUinfizierten“ zum Beispiel in neuen Bundesländern bei deutlich höherer Quote an Nichtgeimpften vergleichsweise gering ausfällt (vgl. https://www.corona-in-zahlen.de/bundeslaender/ und https://www.corona-in-zahlen.de/impfungen/).

Nichtsdestotrotz erklären Bundes- und Landesregierungen, mit dem Rücken zur Wand stehend, die Ungeimpften zum Sündenbock. Sie schüren geradezu eine Pogromstimmung gegen sie. Sie brauchen die „Impfverweigerer“ als Feindbild, weil sie anscheinend meinen, nur dadurch die Geimpften auf Linie und bei Laune halten zu können. Nach ihrer Logik ist deren „Belohnung“ mittels „Privilegien“ in Form von 3G und 2G, bei gleichzeitiger Ausgrenzung und Entrechtung der „trotzigen“ Ungeimpften, konstitutiv, ja zwingend.

Scheitert die „Belohnung“, scheitert das Corona- und Impfregime.

Geimpfte agieren souverän, wenn sie sich solchen Anbiederungs- und Korruptionsversuchen entziehen und bei Wahrung eines eigenständigen Denkens gegenüber Manipulation und Einschüchterung durch das Hygieneregime ihren – aus welchen Gründen auch immer – ungeimpften Mitbürgern und Mitbürgerinnen vernehmlich den Rücken und das Rückgrat stärken: in alltäglichen Situationen, in kontroversen Gesprächen mit Kollegen oder in der Familie, im öffentlichen Diskurs. (Das geschundene Wort „Solidarität“ verkneife ich mir.)

Sie zu „mobilisieren“ ist natürlich unverzichtbar: im Sinne einer umfassenden Selbstinformierung über sämtliche mit dieser Impfung zusammenhängenden Faktoren, Chancen, Risiken, Nebenwirkungen, aus möglichst vielen zur Verfügung stehenden Quellen, einschließlich des ganzen Spektrums wissenschaftlicher Expertise.

Eine Begründungspflicht für ihre hoffentlich druck- und angstfrei getroffene Entscheidung obliegt ihnen nicht.

Der (noch) als linksliberal geltende Journalist („Süddeutsche Zeitung“) und Jurist Heribert Prantl legt den Finger in die (schon eingangs angeschnittene) Wunde des fundamentalen Irrwegs und bezeugt beispielhaft, wie man als selbst Geimpfter (wie ich) und als Impfbefürworter sich für die grundgesetzlich geschützten Belange der Ungeimpften einsetzt und deren (Be-)Achtung einfordert:

„Das Corona-Denken ist dabei, die Individualgrundrechte zu vergemeinschaften und der Volksgesundheit unterzuordnen. Die Individualrechte werden kollektiviert. Der einzelne Mensch und seine Rechte treten zurück hinter dem Großen und Ganzen, hinter kollektiven Werten.

Ein freiheitsfeindlicher Zeitgeist diskreditiert Grundrechte als Egoistenrechte. Das ist falsch. Es sind schlicht Rechte, die voraussetzungslos gelten, für jeden; man kann und muss sie sich nicht erwerben, auch nicht durch eine Impfung. Sie gelten für Geimpfte und Ungeimpfte“ (Quelle: https://www.derstandard.de/story/2000129736742/mit-grundrechten-geimpft-zeit-in-der-corona-debatte-abzuruesten).

Darüber hinaus verengt die Kollektivierung der Individualgrundrechte unter der Maxime der Garantie der Gesundheit letztlich die Freiheit der bürgerlichen Existenz aller auf das präpolitische „nackte Leben“ (im strengen Lockdown auf das „Haus“), was einem Zivilisationsverlust entspricht.

Damit es nicht so weit kommt, gilt es Grenzen zu ziehen und überzogene Ansprüche zurückzuweisen: „Niemand hat ein Recht, nicht angesteckt zu werden“ (so die Politikwissenschaftlerin Ulrike Guérot, vgl. https://www.deutschlandfunkkultur.de/coronakrise-die-pandemie-und-der-verlust-des-politischen.1005.de.html?dram:article_id=493752).

Unser Autor Thomas May ist Lehrer i. R. – Er unterrichtete die Fächer Deutsch und Katholische Religionslehre. Der in Sendenhorst (Münsterland) lebende Autor ist ein Neffe des bekannten Prälaten und Kirchenrechtlers Prof. Dr. Georg May (Mainz).


5 Kommentare on “Plädoyer eines Geimpften für die Freiheit aller Bürger – auch der ungeimpften”

  1. Marienzweig sagt:

    Noch ein Nachtrag zu meinem vorigen Kommentar:

    Heribert Prantl, (Süddeutsche Zeitung) wie im sehr guten Beitrag von Thomas May bereits verlinkt) meint u.a.:
    „Die solidarische Gesellschaft ist auch für jene da, die tatsächlich oder angeblich falschliegen. Und wer die Impfung ablehnt, ist auch nicht gleich ein Staatsfeind.“

    Danke für diese Aussage!
    Und jetzt das Gegenteil, das moralisch so absolut „Hochstehende“:
    ZERMÜRBUNGSTAKTIK

    Nämlich:
    Das Redaktionsnetzwerk Deutschland fordert:
    „Jetzt hilft nur noch eine Zermürbungstaktik!“
    „Der Druck muss erhöht werden, so stark und so schnell wie möglich.“

    https://www.presseportal.de/st/RedaktionsNetzwerk%20Deutschland

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  2. Marienzweig sagt:

    Gewisssensfreiheit:
    Sich nach Abwägung für oder gegen etwas zu entscheiden,
    die Freiheit für die jeweilige Entscheidung also,
    das galt früher – heute nicht mehr.

    Der Ungeimpfte wird zum Buhmann, auch wenn es sich dabei um Millionen von Menschen handelt.
    Der Zorn der Gesellschaft soll sich gezielt auf diese Vielen richten.

    Das ist alles so durchschaubar und schäbig dazu.

    Gestern war in den Nachrichten zu hören, dass die Bundesregierung eine Miliarde Euro für Beratungsfirmen ausgab.
    Wer hat diese Riesensumme aufgebracht?
    Nur Geimpfte? – Ungeimpfte nicht?
    Aber Letztere sollen empfindliche Lohneinbußen hinnehmen, falls sie in Quarantäne müssen.
    Das Argument: Man könne von den geimpften Bürgern nicht verlangen, dass sie für die Lohnzahlungen in Quarantäne befindlicher Ungeimpfter aufkommen sollen.

    Wie verlogen das alles ist!
    Falls solche Verlogenheit und Schäbigkeit die Grundlage politischen Handelns sein sollte, dann sind die sog. „westlichen Werte“ purer Hohn.

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  3. gerd sagt:

    Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder wir haben eine tödliche Pandemie, dann wären wir gerne bereit, freiwillig auf unsere Grundrechte zu verzichten und uns zu Hause einzuschliessen, oder wir haben eine herbeigelogene Pandemie und der Staat muss wie ein totalitärer Machthaber auftreten, um unsere Grundrechte, die unveräusserlich sind, einschränken oder verbieten zu können. Nun reicht es aus, in die Realität zu schauen. Dann wissen wir, was hier abläuft.

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