Warum der kirchlich überlieferte Rosenkranz der beste ist

Visionäre Rosenkränze verdrängen den klassischen

HERR, leite mich auf dem altbewährten Weg!“ (Ps 139,24)

Von Stefan Vucina

 Teil I

Es gibt mittlerweile eine Menge verschiedener Rosenkränze im Angebot; etwa 50 sind mir der Benennung nach bekannt, andere auch inhaltlich.

Darunter findet sich eine ganze Reihe „geoffenbarter“ Rosenkränze (die also auf angebliche Visionen bzw. „Privatoffenbarungen“ zurückgehen), z.B. der „Tränenrosenkranz“, der „Endzeitrosenkranz“, der „Heilig-Geist-Rosenkranz“, der „Rosenkranz für die Armen Seelen“ oder der „Rosenkranz zur göttlichen Barmherzigkeit“.

Alle diese „visionär“ entstandenen Rosenkränze bergen gewisse Gefahren in sich, die man bei oberflächlicher, unreflektierter Betrachtung nicht unbedingt erkennt. media-372515-2

Ein Problem liegt zunächst darin, dass man den klassischen Rosenkranz mit seinen Christus-Geheimnissen (das Evangelium!) letztlich verdrängt, wenn man sich den Sonder-Rosenkränzen widmet, die diese wichtigen Geheimnisse nicht oder nur geringfügig enthalten.

Wenn man z.B. in einer Offenbarung an die hl. Schwester Faustina über den „Rosenkranz zur göttlichen Barmherzigkeit“ liest: „Bete unablässig den Rosenkranz, den ich dich gelehrt habe“, dann stellt sich die Frage, wann dann überhaupt noch der klassische Rosenkranz gebetet werden soll, der doch wegen seiner erhabenen Glaubensgeheimnisse (eine Art Kurzform des Evangeliums) weit höher steht  –  und wenn man laut anderen Privatoffenbarungen weitere visionär entstandene Rosenkränze beten soll, etwa den „Rosenkranz für die Armen Seelen“.

Jede Seele, die diesen Rosenkranz betet, verteidige ich in der Stunde des Todes wie meine Ehre“ (ebenfalls offenbart an Sr. Faustina)  –  oder den „Heilig-Geist-Rosenkranz“, welcher der Seherin Katharina Vogl von Maria offenbart worden sein soll:  „Ich bin die Braut des Heiligen Geistes. Rufe mich, sooft es dir möglich ist, im Heilig-Geist-Rosenkranz an.“ 3068

Wo also bleibt bei so vielen „visionären“ Rosenkränzen noch Zeit und Raum für den klassischen, kirchlichen Rosenkranz mit dem Evangelium von Jesus Christus?

Wenn man nämlich alle diese Sonder-Rosenkränze beten wollte – und laut dieser Offenbarungen sollen sie alle gebetet werden  –  der „Rosenkranz zur göttlichen Barmherzigkeit“ sogar unablässig und der „Heilig-Geist-Rosenkranz“ sooft wie möglich etc., dann bleibt für den bewährten, jahrhundertealten Rosenkranz schlichtweg keine Zeit mehr übrig.

Es liegt also auf der Hand, was mit der Flut der geoffenbarten Rosenkränze erzielt wird: Der kirchlich überlieferte Rosenkranz wird verdrängt    –  stattdessen wird man gelockt und gebunden mit Aussagen wie etwa den folgenden:

Jede Seele, die dieses Rosenkranzgebet betet, verteidige ich in der Stunde des Todes wie meine Ehre. Auch wenn andere bei einem Sterbenden so beten, erhält er den gleichen Ablass.“

Ich bin die Braut des Heiligen Geistes. Rufe mich sooft es dir möglich ist im Heilig-Geist-Rosenkranz an. Diese Bitten, die darin enthalten sind, werden auf meine Fürbitte hin von der heiligen Dreifaltigkeit ganz besonders erhört.“

Wer auch immer ihn beten wird, erfährt in seiner Todesstunde meine große Barmherzigkeit.“

Solche Versprechen bzw. Verheißungen sollen den Katholiken an diese visionären Rosenkränze binden, wobei dann der klassische Rosenkranz, den der Heilige Geist seiner Kirche geschenkt hat, mehr oder weniger vernachlässigt wird.

Teil II

Im ersten Teil war die Rede von den geoffenbarten Rosenkränzen, die auf Kosten des kirchlichen Rosenkranzes verbreitet werden.. Hier im zweiten Teil geht es um ein sehr wichtiges Detail, das mehr Licht darauf wirft.

Der klassische Rosenkranz ist wegen seiner erhabenen Glaubensgeheimnisse christuszentriert. Diese Geheimnisse über die wichtigsten Lebensstationen Christi sowie über Christi Wirken über seinen Tod hinaus stehen im Mittelpunkt und ziehen den Blick des Betenden auf das Evangelium, das Wort Gottes, das beim Beten und Betrachten die Seele mit seiner Kraft und Weisheit nährt (Röm. 1,16), denn lebendig ist es, „kraftvoll und schärfer als jedes zweischneidige Schwert; es dringt durch bis zur Scheidung von Seele und Geist, von Gelenk und Mark; es richtet über die Regungen und Gedanken des Herzens.“ (Hebr. 4,12)

In den visionären Rosenkränzen nehmen dagegen spezielle Anliegen bzw. Bitten im wesentlichen den Platz des Evangeliums ein, so dass der Betende sich nicht mehr auf das Evangelium konzentriert,  sondern auf diese speziellen Anrufungen.

Hier geschieht letztlich etwas Unerhörtes: Diese Bitten verdrängen oder ersetzen gar das Evangelium. Für einen gläubigen Christen ist das eine Sackgasse, ist doch das Evangelium Gottes Wort, „das Wort der Wahrheit“, des Heils (Eph. 1,13), des Friedens (Eph. 6,15), der göttlichen Herrlichkeit (1 Tim. 1,11), des Lebens (2 Tim. 1,10), das für das Seelenheil von so großer Bedeutung ist (Röm. 1,16). Deshalb hat Christus seinen Aposteln aufgetragen, der ganzen Menschheit das Evangelium zu verkünden:

Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen! Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet.“ (Mk. 16,15)

Das Evangelium rettet uns, denn es ist Gottes Kraft, göttliches Leben, das von keinem Christen verdrängt werden darf,  weil es so erhaben ist, dass man sogar sein Leben dafür geben muss, wenn es darauf ankommt:

Wer aber sein Leben um meinetwillen und um des Evangeliums willen verliert, wird es retten.“ (Mk. 8,35)

Deshalb schreibt der hl. Paulus im Heiligen Geist an Timotheus: „Leide mit mir für das Evangelium.“ (2 Tim. 1,8)

Wenn also das Evangelium nach der Heiligen Schrift, dem größten göttlichen Offenbarungsbuch aller Zeiten, so groß ist und so viel höher steht als unser Leben, wie könnte es dann sein, dass Christus oder seine Mutter Maria in geoffenbarten Rosenkränzen das Evangelium durch spezielle Bitten ersetzen und so letztlich verdrängen?

Sagt uns doch der hl. Paulus, von Gott inspiriert:

Halte Jesus Christus im Gedächtnis …, von den Toten auferstanden; so lautet mein Evangelium, für das ich zu leiden habe und sogar wie ein Verbrecher gefesselt bin; aber das Wort Gottes ist nicht gefesselt.“ (2 Tim. 2,8f.)

Halte … im Gedächtnis“ heißt es, denke an das Evangelium – auch im Rosenkranzgebet!

Es darf auch aus dem Rosenkranz nicht verschwinden! Und wer es durch Bitten (welcher Art auch immer)  ersetzt, der bereitet dem Evangelium Christi ein Hindernis!

„Damit wir dem Evangelium Christi kein Hindernis bereiten“ (1 Kor. 9,12), sollen wir die Bitten, die meist in Form von Gesätzchen vorkommen, aus dem Rosenkranz verbannen bzw. uns eben an den überlieferten, klassischen Rosenkranz halten.

Wer also ist es, der hier durch Offenbarungen von Bitt-Rosenkränzen dem Evangelium Christi ein Hindernis bereitet? Ist es Christus selbst? Seine Mutter? Nach dem Urteil der Heiligen Schrift unmöglich! Deshalb hören wir auf die Warnung der Apostel:  „Seid nüchtern und wachsam!“ (2 Petr. 5,8)  –  „Liebe Brüder, traut nicht jedem Geist, sondern prüft die Geister, ob sie aus Gott sind“ (1 Joh. 4,1)  –  „Prüft alles und das Gute behaltet! Meidet das Böse in jeder Gestalt!“ (1 Thess. 5,21-22)

Deshalb: Jede „Erscheinung“, die auf welche Art und Weise auch immer das Evangelium verdrängt oder es zu verdrängen versucht, auch im Rosenkranz, ist ein Geist, der nicht aus Gott sein kann.

Das bestätigen nicht nur das fehlende Evangelium in den geoffenbarten Rosenkränzen und diese „Visionen“ solche, die zum beständigen Beten dieser Spezial-Rosenkränze auffordern, so dass für den echten Rosenkranz und sein Evangelium keine Zeit und kein Raum bleibt, sondern zudem meine eigenen Erfahrungen, die ich mit diesen „visonären“ Rosenkränzen gemacht habe: sie haben mich nicht nur vom Beten des kirchlichen Rosenkranzes abgehalten, sondern in mir kam auch ein schlechtes Gewissen auf, als ich sie dann doch nicht mehr beten wollte, weil mir der echte Rosenkranz fehlte. Hinzu kam eine unterschwellige Angst, weil ich nun befürchtete, dass mir die entsprechenden Verheißungen nicht zuteil würden, die an diese geoffenbarten Rosenkränze gebunden sind. Mit Hilfe von Felizitas Küble bin ich  aus dieser Sackgasse herausgekommen!

In Anbetracht dieser Erfahrungen, die mich unter Druck setzten, und der Analysen, die ich gemacht habe, kann ich nur jedem raten, in aller Gelassenheit den kirchlichen Rosenkranz mit dem Evangelium zu beten und zu betrachten  –  und zwar so als ob es die geoffenbarten Rosenkränze gar nicht gäbe – denn was soll größer, stärker und mächtiger sein als Gottes Wort, das Evangelium von Jesus Christus?!

Lassen wir uns also nicht von irgendwelchen Privatoffenbarungen binden, gefangennehmen und in die Irre führen. Christus hat uns nämlich zur Freiheit der Kinder Gottes berufen  –  und nichts und niemand soll sie uns nehmen!

Teil III

Die Bitten, die in den geoffenbarten Rosenkränzen anstelle des Evangeliums im Mittelpunkt des Betrachtens stehen, können im echten Rosenkranz, den uns der Heilige Geist durch die Kirche geschenkt hat, ggf. vor dem jeweiligen Gesätz vorgetragen werden. Warum sollen sie nun ihren Platz im Gesätz haben  – also dort, wo sonst ein Glaubensgeheimnis aus dem Evangelium steht?

In diesem dritten Teil will ich an einigen Beispielen aufzeigen, dass die geoffenbarten Rosenkränze noch in einer anderen Hinsicht problematisch sein können, nämlich wenn sie durch die „Visionen“ mit Irrlehren bespickt sind; ob diese nun offensichtlich oder weniger offensichtlich sind.

So wird zB. im „Tränenrosenkranz“ hinsichtlich der Madonna zu Jesus gebetet:  „…die dich auf Erden am meisten geliebt und dich am innigsten liebt im Himmel

Der zweite Teil des Gebets ist eine massive Irrlehre, die darauf abzielt, den Betenden zu dem Irrglauben zu führen, Mariens Liebe zu Christus sei inniger und damit größer und stärker als die des Vaters und des Heiligen Geistes.

Doch tatsächlich ist es so, dass im Himmel nicht etwa die Gottesmutter Jesus am innigsten liebt,  sondern der Vater und der Heilige Geist!

Durch diese Irrlehre, vermittelt durch einen Irrgeist, der sich als „Engel des Licht“ tarnte, wird Mariens Liebe über die Liebe Gottes gestellt  – und damit das Geschöpf über den Schöpfer!  – Eine Gotteslästerung, die von nicht wenigen Katholiken gebetet wird (bis vor kurzem auch von mir) und die vom Unterbewusstsein aufgenommen wird, auch dann, wenn sie einem nicht bewusst ist, was die Sache noch gefährlicher macht!

Als weiteres Beispiel nehme ich den „Heilig-Geist-Rosenkranz“ mit seinen fünf Bitt-Geheimnissen. Beim Lesen dieser Geheimnisse habe ich nicht nur den Eindruc, als wäre der Heilige Geist bloß eine unpersönliche Kraft, die Jesus Christus für uns erst erbitten und zum Wirken anregen müsse, sondern es wird durch den Gebetstext letztlich auch verhindert, dass man den Heiligen Geist, der die dritte göttliche Person ist, im Namen Jesu Christi selbst um seine Gnaden und sein Wirken bittet:

Erstes Anliegen-Geheimnis: Jesus, der unser Herz für die Gnadenfülle des Heiligen Geistes empfänglich machen wolle.

Zweites Anliegen-Geheimnis: Jesus, der uns den Heiligen Geist erbitten und in uns die drei göttlichen Tugenden vermehren und stärken wolle.

Drittes Anliegen-Geheimnis: Jesus, der uns durch den Heiligen Geist stärken, erleuchten, leiten, regieren, führen und heiligen wolle.

Viertes Anliegen-Geheimnis:  Jesus, der unser Herz, mit der Liebe des Heiligen Geistes entzünden und mit tiefster Demut, Sanftmut, Geduld, Ergebung, Hingabe, Kraft und Heiligkeit erfüllen wolle.

Fünftes Anliegen-Geheimnis:  Jesus, der uns die sieben Gaben und zwölf Früchte des Heiligen Geistes erflehen, alles Gute verleihen und alles Böse abhalten wolle.

Im zweiten Geheimnis wird indirekt gesagt, dass wir Katholiken den Heiligen Geist nicht hätten, also sollen wir darum bitten, dass Jesus ihn uns erbeten wolle. Die Lehre unserer Kirche lautet aber: Jeder empfängt den Heiligen Geist durch die Taufe!

Zudem werden in der fünften Heilig-Geist-Bitte die „Sieben Gaben“ des Heiligen Geistes erfleht, obwohl uns diese im Sakrament der Firmung verliehen werden.

Also Finger weg von geoffenbarten Rosenkränzen, die den überlieferten Rosenkranz verdrängen (der eine Kurzform des Evangeliums darstellt)   – und die mitunter sogar Irrlehren enthalten – unsere Seele soll aber auch beim Rosenkranzgebet von der Wahrheit, vom Wort Gottes genährt werden!

Also was bleibt uns nach all diesen Überlegungen?

Nich mehr und nichts weniger als das, was uns der Heilige Geist über Jahrhunderte hinweg geschenkt hat: der klassische, der bewährte, der kirchlich verkündete Rosenkranz! So können wir mit dem von Gottes Geist inspirierten Psalmisten beten:

HERR, leite mich auf dem altbewährten Weg!“ (Ps 139,24)

ERGÄNZENDER HINWEIS auf einen ausgezeichneten Artikel der „Ankerperlenfrau“: http://rosenkranzbeten.info/rosenkranzbeten/falsche-anleitung-zum-rosenkranzbeten/

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Visionärer Endzeit-Rosenkranz zu teils unbekannten „Engeln“ mit 21 Verheißungen

Von Felizitas Küble

Seit Jahrzehnten wird das fromme katholische Volk mit einer wahren Flut von Sonder-Rosenkränzen „beglückt“ bzw. verführt, die den überlieferten und bewährten Rosenkranz verdrängen, in dem die Heilsgeheimnisse des Evangeliums im Mittelpunkt stehen.  rosa-mystica6

Hingegen bieten jene kuriosen Extra-Rosenkränze, die fast alle auf Erscheinungen, Visionen oder angeblich himmlische Einsprechungen zurückgehen, im besten Falle weitgehend überflüssige Banalitäten, ansonsten viel Sonderbares  –  und im schlimmsten Fall eine Ansammlung von Irrlehren und magischen Vorstellungen, oft verbunden mit „Verheißungen“ von oben.

Ob jene Rosenkränze nun von „unten“ oder von „innen“ sind, ob sie dämonisch inspiriert oder einfach nur psycho-bedingte „fromme“ Einbildungen sind, in jedem Falle haben sie den Nachteil, daß sie dem kirchlichen Rosenkranz Konkurrenz machen und ihn tendenziell verdrängen – dies umso mehr, wenn mit den Extra-Rosenkränzen auch noch bestimmte Heilszusagen verknüpft sind, die quasi als Köder auf naive Gläubige wirken.

Ein solch irrgeistiges Beispiel ist auch der hier auf Gloria-TV empfohlene und vorgestellte „Endzeit-Rosenkranz“ mit seinen 21 durchgeknallten „Verheißungen“: https://gloria.tv/article/yWKeccrXwM8t49nSQPRTXAqfS

Natürlich geht auch diese Sonder-Andacht auf eine „begnadete“ Person zurück. (Allein schon der für erscheinungsbewegte Kreise typische Ausdruck „begnadet“ läßt außer Acht, daß jeder Gläubige begnadet ist  –  durch Christus bzw. die Taufe und andere Sakramente nämlich!).

Silvano Marini wurde der Engels-Rosenkranz geoffenbart…

Diesmal geht es um Silvano Marini, seines Zeichens also „mystisch begnadet“ und aus Cascia in Italien stammend. Angeblich ist ihm am 1. Dezember 2009 die Madonna als „Rosa Mystica“ (siehe Foto oben) erschienen.  Der Kult um die Rosa Mystica ( = geheimnisvolle Rose) geht auf Erscheinungen in Montichiari zurück, die kirchlich nicht gebilligt sind.

Dem erwähnten Seher wurde demnach Folgendes vom Himmel mitgeteilt:  vision

,,Die ,,Rosa Mystica“ fleht unter Tränen, diesen Endzeit-Rosenkranz zu beten, um die schlimme Zeit abzukürzen und den Triumph der Vereinten Herzen und Ihres Unbefleckten Herzens zu beschleunigen!“

Schon dieser einzige Satz ist eine mehrfache Zumutung: Die echte Madonna ist im Himmel hundertprozentig glückselig und kommt nicht tränenreich auf die Erde – schon gar nicht, um einen irrgeistigen Rosenkranz einzufordern mit dem Zweck, „die schlimme Zeit abzukürzen“. (Welche Zeit denn genau?! Waren nicht alle Zeiten irgendwie „schlimm?!).

Der Rosenkranz hat in Wirklichkeit den Sinn, sich gleichsam „an der Hand Mariens“ in die christlichen Heilsgeheimnisse zu vertiefen und die Kernpunkte des Evangeliums zu betrachten  – aber hier geht es stattdessen panisch um das „Abkürzen schlimmer Zeiten“….

Sodann ist es völlig unlogisch, wenn von der vermeintlichen Madonna weiter gesagt wird, man solle damit „den Triumph der Vereinten Herzen und ihres Unbefleckten Herzens beschleunigen“. Bei den „Vereinten Herzen“ (Jesu und Mariens) ist sie schon dabei  –  warum also eine weitere Extra-Erwähnung ihres unbeflekten Herzens?! – Und worin soll deren „Triumph“ denn bestehen?

Auf den Perlen des Bluttränen-Rosenkranzes….

Dann wird dieser Endzeit-Rosenkranz zu den „Perlen des Bluttränen-Rosenkranzes“ (!) von Montichiari gebetet, also zwei falschgeistige Rosenkränze (und damit zwei kirchlich nicht anerkannte Erscheinungen) werden miteinander verbunden, was den Unfug noch steigert.

Foto: Paul BaddeDanach kommen statt der üblichen Rosenkranz-Gebete (Vater-Unser, Ave Maria) sieben „Anrufungen“ zu sieben Engeln, wobei die ersten drei von der Kirche zwar namentlich verehrt werden (Michael, Gabriel, Raphael), weil sie biblisch bezeugt sind, die weiteren in diesem Extra-Rosenkranz genannten „Engel“ aber nicht, nämlich Uriel, Jehudiel, Sealtiel und Barachiel.

Offenbar sind diese vier Namen den kirchlich abgelehnten Botschaften von Gabriele Bitterlich aus dem sog. „Engelwerk“ entnommen, womit dieser Endzeit-Rosenkranz nunmehr Elemente von d r e i  falschmystischen Erscheinungen (Marini, Montichiari, Engelwerk) beinhaltet.
Typisch für dieses Spektrum ist es, daß nun jedesmal schwere Sünden oder Wurzelsünden mit einem Dämon verbunden werden, zB. bei der Anrufung des Erzengels Michael: „Führe uns zur Bescheidenheit, um den Dämon des Hochmuts zu bekämpfen….“

Damit wird dem in solchen Kreisen weitverbreiteten Besessenheitswahn Vorschub geleistet. (Damit soll nicht in Abrede gestellt werden, daß es Besessene geben kann und gibt, aber eben nicht in Hülle und Fülle!)

„Göttliche Verheißungen“ bieten Zahlenmagie und Apokalypse-Schutz

Entsprechend unsinnig sind auch die 21 „göttlichen Verheißungen“, welche an das Beten dieses Sonder-Rosenkranzes geknüpft sind.

Ob die Zahl 21 wohl durch zahlenmystische Denkspiele zustandegekommen ist? – Nach der Devise: Multiplizieren wir die heilige Zahl 7 mit der heiligen Zahl 3, dann ist die Summe hiervon ganz besonders heilig….

Die erste Verheißung läßt die geplagte Menschheit schon schwer hoffen: „Derjenige, der den Engel-Rosenkranz beten wird, wird beim Strafgericht bewahrt werden und vermeidet den ersten Tod während der Zeit der ,,Sieben Siegel“ der Apokalypse.“

Damit nicht genug, gibt es bei Zusage Nr. 4 von den Sieben Erzengeln für dergestalt fromme Seelen eine Sonderschutzzulage: „Derjenige, der den Engel-Rosenkranz beten wird, wird von den Sieben Erzengeln einen speziellen Schutz erhalten. Sei es vor oder während der Zeit der Apokalypse.“

Dämonenvertreibung auf der Erde, über der Erde, unter der Erde…

2422858308_09948afd14Weil es in der Endzeit rund geht mit dem Kampf gegen die Teufel, erhalten die Spezial-Rosenkranz-Beter laut fünfter Verheißung wirksame übernatürliche Vollmachten: „Derjenige, der den Engel-Rosenkranz beten wird, wird dazu beitragen, jede Art von Dämonen (der Erde, unter der Erde, des Wassers, des Feuers, der Luft) zu vertreiben.“

Freilich weiß man nicht so recht, ob es um ein irdisches oder himmlisches Jerusalem geht, denkt man an die nächste Verheißung: „Derjenige, der den Engel-Rosenkranz beten wird, wird zu den Bewohnern des Himmlischen Jerusalems gehören, das auf Dozule‘ hinabsteigt.“  –  Im französischen Dozule‘ soll die Seherin Madeleine Amontin endzeitliche Jesus-Botschaften empfangen haben  – natürlich ebenfalls kirchlich abgelehnt.

Damit wären wir schon bei der vierten Falsch-Erscheinung, die in diesen Endzeit-Rosenkranz hineinverwoben wird.

Besonders drollig wirkt die 7. Ankündigung: „Derjenige, der den Engel-Rosenkranz beten wird, wird nie den Glauben an Christus und an die kath. Kirche verlieren.“  – Bedauerlicherweise hat er diesen Glauben im Grunde schon verloren und durch offensichtlichen Aberglauben ersetzt, weil er einen irrgeistigen Rosenkranz betet, der ein absonderliches Sammelsurium von Irrlehren und Falschmystik in sich vereinigt.

Daß es hier darum geht, den Hochmut jener erscheinungsfixierten „Frommen“ zu züchten, geht aus der letzten, der 21. Verheißung klar hervor:
„Derjenige, der den Engel-Rosenkranz verbreitet, wird bei anderen Nationen unter den Auserwählten und unter den neuen König der erneuerten Welt einen speziellen Platz im neuen Jerusalem erhalten.“

Weiterer Kommentar überflüssig….

Felizitas Küble leitet den katholischen KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt


Warum der FATIMA-Zusatz nicht zum eigentlichen Rosenkranz gehört

Von Felizitas Küble

Jeder Gläubige kann den kirchlich überlieferten Rosenkranz privat beten, wie er will: mit Zusätzen, Anrufungen und Anfügungen noch und nöcher, angereichert freilich am besten durch weitere biblische Betrachtungen, Impulse aus der Hl. Schrift, Psalmen-Verse etc.

Hierbei sind der katholischen Fantasie im Grunde keine Grenzen gesetzt, solange alles noch mit rechten bzw. rechtgläubigen Dingen zugeht.  3068

Allerdings dürfte es sich in frommen Kreisen allmählich herumsprechen, daß der öffentlich in Kirchen und Kapellen gebetete Rosenkranz vor „kreativen“ Zusätzen verschont bleiben sollte.

Anfügungen aus Botschaften kirchlich anerkannter Privatoffenbarungen mögen für manche Katholiken eine hilfreiche Anregung für ihr persönliches Gebetsleben sein, doch sie gehören nicht zum „amtlichen“, seit Jahrhunderten bewährten und überlieferten Rosenkranz der Kirche.

Das gilt erst recht für Anmutungen oder gar Zumutungen aus kirchlich nicht genehmigten „Erscheinungen“, diversen „Botschaften“ und sonstigen trüben Quellen.

Häufig wird nicht nur in der Familie, in Fatimakreisen und Gebetsgruppen, sondern auch beim öffentlichen Rosenkranz in Gotteshäusern der sogenannte „Fatima“-Zusatz gebetet. Dies ist bei Licht betrachtet allerdings nicht korrekt  – und auch die weit verbreitete Gewohnheit macht diese „Übung“ nicht besser.

Aus dem Psalmengebet entstanden

Der Rosenkranz hat sich seit dem 15. Jahrhundert aus den besten Quellen biblischer und monastischer (klösterlicher) Gebetstradition entwickelt und zu einem beliebten Volksgebet entfaltet.

Dabei ist er vor allem aus dem Psalmengebet der Mönche und Kleriker (Geistlichen) entstanden:2_atk2926-170x115

Da das einfache Kirchenvolk oft nicht lesen und schreiben konnte, waren ihnen die 150 Psalmen des Alten Testaments nicht ohne weiteres zugänglich. Dies empfanden viele Gläubige zu Recht als schmerzlichen Mangel.

So wurde der Rosenkranz mit seinen ebenfalls 150 Ave-Marias gewissermaßen der Ersatz, das „Psalterium“ des Kirchenvolkes. So entstand auch das Wort „Psalter“ für die drei Rosenkränze: den freudenreichen, schmerzhaften und glorreichen.

Diese Herleitung ist deshalb so wichtig, weil dieses Gebet zutiefst vom biblischen Geist geprägt ist:

Es ist „durchwirkt“ von der Betrachtung der Heilsgeheimnisse, wie sie uns im Neuen Testament bezeugt (und vielfach im AT angekündigt) sind. Es ist entstanden aus der unerfüllten Sehnsucht des Volkes nach dem Psalmengebet der Heiligen Schrift!

Kurzformel biblischen Glaubens

So ist der einerseits erfreulich schlichte und zugleich theologisch so gehaltvolle Rosenkranz eine optimale „Kurzformel des Glaubens“, denn er verbindet uns in nachdenklich-meditativer und einprägsamer Weise mit dem Erlösungsgeschehen und dem Leben unseres HERRN Jesus Christus, Mensch geworden durch den Heiligen Geist und geboren aus Maria, der Jungfrau. 011_7A

Wir „wandern“ und wandeln gleichsam an der Hand der Madonna, begleitet vom Gruß des Engels, durch die Evangelien. Wir betrachten die Heilsgeschichte Gottes durch die „Brille“ Mariens  – womit wir uns die beste Sicht aneignen, denn die Gottesmutter ist das höchstbegnadete Geschöpf des Ewigen, die „erste Christin“ und zugleich die Vor- und Erst-Erlöste des Neuen Bundes (Immaculata).

In diese vertiefende Betrachtung, die sich um die zentralen Glaubenswahrheiten „rankt“ und diese betend „umkreist“, paßt der Fatima-Zusatz nicht ohne weiteres  –  diese Anrufung fügt sich kaum in den vorgegebenen Rahmen, weder sprachlich noch der Sache nach. Zudem ist der Fatima-Zusatz noch nicht einmal 100 Jahre alt, der Rosenkranz aber entstand vor weit über 500 Jahren!

Der Rosenkranz ist „aus einem Guß“

Doch der springende Punkt ist das grundsätzliche Anliegen, den klassischen Rosenkranz, wie ihn die Kirche seit alters her überliefert, zumindest beim öffentlichen Beten nicht durch Zusätze zu verändern bzw. zu verlängern, welcher Art auch immer, denn dies führt unweigerlich zu einer „Verschlimmbesserung“.

Schließlich ist der Rosenkranz ein Gebet „aus einem Guß“, keine freie Vorlage für schöpferische Gestaltungen nach frommer Lust und kreativer Laune. pic_526a50cce0863 Zudem ist er ein betrachtendes Gebet, wobei Christus und die biblischen Heilsgeheimnisse im Mittelpunkt stehen.

Dazu kommt, daß der sog. Fatima-Zusatz durchaus erklärungsbedürftig ist teilweise bzw. theologisch mißverständlich bis irreführend wirkt.

Hier folgt zunächst sein Wortlaut (Linien zur Hervorhebung merkwürdig erscheinender Stellen):

„O mein Jesus, verzeih uns unsere Sünden, bewahre uns vor dem Feuer der Hölle, führe  a l l e  Seelen in den Himmel, besonders jene, die deiner Barmherzigkeit am meisten bedürfen.“

Viele Katholiken stellten sich selbst und mir schon die Frage, warum eigentlich jene, welche die göttliche Barmherzigkeit am „meisten“ nötig haben, „besonders“ in den Himmel geführt werden sollen. Welchen logischen und theologischen Sinn hat diese „Bevorzugung“? Kann das Hinführen in den Himmel irgendwie noch „gesteigert“ werden? Läßt sich die ewige Seligkeit „optimieren“?

(Abgesehen davon ist nicht einmal sicher, ob es wirklich heißt „Bewahre uns  v o r  dem Feuer der Hölle“ –  oder sogar in ganz irriger Weise: „…rette die Seelen aus der Hölle“. – Näheres hier: https://charismatismus.wordpress.com/2015/07/11/unklarheiten-um-den-fatima-zusatz-aus-der-dritten-erscheinung-vom-13-7-1917/)

Auf Bewahrung vor Todsünde kommt es an!

Zudem erscheint es seltsam, daß es in der Anrufung nicht heißt: „Bewahre uns, HERR, vor der schweren Sünde“, denn darauf  kommt es an. Die Hölle ist lediglich die jenseitige Auswirkung des unbußfertigen Verbleibens im „Stand“ der Todsünde.

Nun könnte man einwenden, in unserer heutigen Zeit, in welcher vielfach die Existenz der ewigen Verdammnis geleugnet wird, sei die Erwähnung der Hölle besonders wichtig.

Das mag insoweit richtig sein. Freilich stellt sich auch dann die Frage, warum es im Fatima-Gebet nicht heißt: „Bewahre uns vor der Hölle“, sondern: „…vor dem Feuer der Hölle“.

Warum diese Betonung eines Aspektes, der nicht der entscheidende ist?  –  Das eigentlich Entsetzliche an der Hölle ist aber die ewige Gottesferne, das ist die eigentliche Tragödie der Verlorenen – weniger die scheinbar „sinnlichen“ Strafen, wobei der Weltkatechismus das „Feuer“ ohnehin als Bild/Symbol auslegt.  kreuz1

Wird hier also die bloß menschliche (allzumenschliche) ANGST angesprochen, statt den Beter in die theologische Tiefe zu führen? Warum sollte dies denn pastoral sinnvoll sein?

Vielmehr gehört es zur göttlichen „Pädagogik“, die Menschen schrittweise zur Hochform der Gottesliebe zu führen.

Die menschliche Reue kennt im wesentlichen drei Qualitäts-Stufen:

1. Die emotionale, oberflächliche Angst-Reue aus bloßer Furcht vor den möglichen Folgen der Sünde, den damit verbundenen Peinlichkeiten, Strafen, Nachteilen etc. 
2. Die Furcht-Reue aus Ehrfurcht vor Gott und aus dem  – durchaus schon religiös geprägten  –  Vermeidenwollen der Hölle als einem Zustand ewiger Gottesferne.
3. Die Liebes-Reue: Abscheu vor der Sünde aus Liebe zu Gott und seinen Geboten, auch aus Liebe zum Nächsten als einem Gottesgeschöpf.

Welche Stufe wird nun mit der Betonung des „Feuers“ der Hölle angesprochen?  –  Nicht einmal ernsthaft die zweite, sondern eher die erste, die „primitivste“ also. Bei der zweiten Stufe würde der Satz immerhin lauten: „Bewahre uns vor der Hölle“, besser noch: „Bewahre uns vor der ewigen Gottesferne der Hölle“.

Gegen eine Kombination von Stufe 2 und 3 wäre übrigens durchaus nichts einzuwenden, etwa mit folgender Formel: „Bewahre uns vor Todsünde und Hölle.“

Insgesamt wirkt die Hervorhebung von Himmel und Hölle in einer solch kurzen Anrufung fast wie eine Art Zuckerbrot-und-Peitsche-Mentalität. Eine solche religiöse „Achterbahn der Gefühle“ findet sich aber weder im Vaterunser-Gebet, das Christus selbst uns lehrte, noch im Ave Maria, auch nicht im Glaubensbekenntnis.

Ähnlichkeiten mit Koran-Äußerungen

Auch deshalb paßt der Fatima-Zusatz weder der Sache noch der Sprache nach in den Rosenkranz-Kontext.

Er paßt aber durchaus zum Islam bzw. Koran. Dort ist in zahllosen Suren vom „Höllenfeuer“ die Rede (hingegen in der Heiligen Schrift meist von „Hölle“ oder „Verdammnis“, weitaus seltener vom Höllenfeuer).

Der Feuerhöllen-Satz aus dem Fatima-Zusatz findet sich zudem fast wörtlich im KORAN: in Sure 3, dort am Ende von Vers 191: „Bewahre uns vor der Strafe des Höllenfeuers!“ 

Die Lieblingstochter Mohammeds hieß übrigens „Fatima“ (es handelt sich hier um einen arabischen Begriff). Auch sie wird nebst anderen Verwandten von ihrem Vater gewarnt, wie in der Hadithe Nr. 303 überliefert ist, wonach Mohammed zu seiner versammelten Sippe sagte: 

„O ihr Söhne des `Abdel Mottalib, rettet eure Seelen vom Feuer! O Fatima, rette deine Seele vom Feuer! Denn ich kann euch vor Allah nicht retten. Ich werde aber immer meine verwandtschaftliche Beziehung zu euch bewahren und pflegen.“  (Quelle: http://islamische-datenbank.de/option,com_bayan/action,viewhadith/chapterno,2/min,100/show,10/

Was bedeutet „Führe alle Seelen in den Himmel?“

Überdies ist auch der Satz „Führe  al l e  Seelen in den Himmel“ im Grunde unlogisch, weil eine Erfüllung dieser „Aufforderung“ schlicht nicht möglich ist, denn es gibt auch verworfene „Seelen“ in der Hölle, die Gott nur zwangsweise in den Himmel führen könnte, denn die Hölle ist quasi von innen verschlossen: geistig und faktisch „zugeriegelt“ durch die absolute Verweigerungshaltung jener verdammten Seelen gegenüber Gott.

Der HERR wiederum respektiert die Freiheit des Menschen in Zeit und Ewigkeit  –   auch die Freiheit und Verantwortung des Gottlosen und verstockten Todsünders. Die Hölle ist die logische Folge dieser Achtung Gottes vor der von ihm selbst geschaffenen und gewollten FREIHEIT des Menschen.

Daher ergibt die Anrufung „Führe alle Seelen in den Himmel“ keinen Sinn, wenn man sie beim Wort nimmt  – und warum sollte man sie nicht beim Wort nehmen?

Es müßte also zumindest einschränkend heißen: „Führe alle Menschen in den Himmel“, wobei hier die Formulierung „Hilf allen Menschen in den Himmel“ theologischer klarer wäre, damit keinerlei Allerlösungs-Fantasien auftreten.

Denn genau genommen ist der Aufruf an Christus, alle (!) Seelen (!) in den Himmel zu führen (!), irreführend, denn Gott will zwar, daß alle Menschen gerettet werden, aber das erlaubt nicht die Aufforderung an ihn, auch  a l l e  in den Himmel zu   f ü h r e n , denn der Mensch selber muß auch zum ewigen Heil bereit sein  – das sind aber erwiesenermaßen eben nicht „alle“. Also können sie auch nicht alle in den Himmel „geführt“ werden!

Der Aufruf „Führe alle Seelen in den Himmel“ ist auch deshalb merkwürdig, weil sich die Seelen der Heiligen und Seligen doch ohnehin bereits im Himmel befinden.

Zudem stehen beide Gebets-Aussagen in einem unlogischen Zusammenhang: Denn wenn doch ohnehin „alle Seelen“ in den Himmel kommen sollen, wozu dann jene, die es am meisten „nötig“ haben, ganz „besonders“? Welchen Sinn soll dieser Nachsatz haben? Soll er die vorgehende Aussage etwas verschleiern, damit die Tendenz zur Allerlösungslehre im Empfinden des Beters verundeutlicht wird?

Dazu kommt, daß die kleine Fatima-Seherin Jacinta gerne ein Gebet sprach, das die Anrufung an Maria enthält, die Seelen „aus“ der Hölle zu „erretten“. Näheres dazu hier: https://charismatismus.wordpress.com/2015/07/11/unklarheiten-um-den-fatima-zusatz-aus-der-dritten-erscheinung-vom-13-7-1917/

Wie man es auch dreht und wendet, eines steht fest:

Der Rosenkranz ist in seiner kirchlich überlieferten, biblisch geprägten Weise unschlagbar gut, er benötigt keine „Zusätze“ aus Privatoffenbarungen, Erscheinungen, Visionen, kreativen Erleuchtungen usw.

Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Jugendverlag und das Christoferuswerk in Münster

Zur weiteren Lektüre empfehlen wir diesen ausgezeichneten Artikel der “Ankerperlenfrau”: http://rosenkranzbeten.info/rosenkranzbeten/falsche-anleitung-zum-rosenkranzbeten/

Fatima-Kritik des traditionsorientierten Theologen Prof. Dr. Wigand Siebel: http://www.monarchieliga.de/index.php?title=Fatima-Kritik_%28Siebel%29#Gebetssturm

Grundsätzliches zum Thema kirchlich approbierte („anerkannte“) Privatoffenbarungen HIER: https://charismatismus.wordpress.com/2013/10/29/was-bedeutet-die-kirchliche-approbation-einer-privatoffenbarung-genau/


Engagiertes Plädoyer für die Mundkommunion

Rezension von Thomas May

Buchdaten: Wilhelm Schallinger. Das Lamm in Menschenhand. Geleitwort: Bischof Dr. Athanasius Schnei­der. – Patrimonium Verlag 2016, 2. Auflage 2017, 135 Seiten, kartoniert, ISBN-10: 3864170699 / ISBN-13: 978-3864170690. – 14,80 €

Das jetzt in 2. Auflage erschienene, 135 Seiten „starke“ Buch mit dem doppelsinnigen Titel „Das Lamm in Menschenhand“ des 1941 im ober­bayerischen Traunstein geborenen Priesters Wilhelm Schallinger ist gleich in mehrfacher Hinsicht eine kostbare Rarität auf dem katholischen Büchermarkt.

Thema ist die historisch be­deutsame Zulassung der Handkommunion in Deutschland durch Papst Paul VI. ab dem Jahr 1969, die nicht nur aus Sicht des Autors erheblich zum Schwund des katholischen Glaubens und zum anhaltenden Niedergang der katholischen Kirche beigetragen hat. Kaplan Schallinger positioniert sich bereits früh, im Herbst 1974, in einem persönlichen Ge­wissensentscheid gegen die Handkommunion, die er – selbst unter massivem Gegen­druck seitens der kirchli­chen Oberen und einzelner Gläubiger – bis auf den heutigen Tag nicht mehr austeilen wird.

Gründe gegen die Handkommunion

Schallinger präsentiert die Gründe für seinen ablehnenden Gewissensentscheid einleuchtend und nach­vollziehbar. Die Handkommunion hat „zu einer verheerenden Ehrfurchts- und Glaubenslosigkeit hin­sichtlich der realen Gegenwart des Herrn in der Eucharistie geführt“ (S. 24); ihre illegale Einführung in Holland zuvor ging „bereits mit der offenen Leugnung der wirklichen Gegenwart Jesu in der Eucharis­tie“ (S. 25) einher.

Demzu­folge kann die Handkommunion beiderlei sein: Folgeerscheinung eines schon vorhandenen Unglaubens wie auch Ursache des nachfolgenden, oft unmerklich schleichenden Verlustes der Ehrfurcht und des Glaubens. Der Autor verweist auf den mit der Handkommunion erst ermöglich­ten, unbestreitbaren massenhaften Hostienfre­vel einschließlich Hostienraub, der im Fall eines ungläubi­gen Kommunikaten, der sich bei einer Papstmesse in Rom die Hostie in die Hand hatte geben lassen und sie später zur Versteigerung im Internet anbot, weltweites Aufsehen erregte (vgl. S. 112).

Auch aus seiner seelsorglichen Praxis als Kaplan weiß Schallinger Beispiele des missbräuchlichen Um­gangs mit dem Leib Christi zu nennen, wobei keineswegs immer böse Absicht im Spiel ist, sondern auch Unbedarft­heit, Gedankenlosigkeit oder Ungeschicklichkeit zugrunde liegen kann: „…Das Böse liegt … in der fortdau­ernden Fahrlässigkeit, daß der am Boden zertreten werden kann, der nach der kla­ren Lehre der Kirche auch im kleinsten Partikel anwesend ist, ‚mit Leib und Blut, mit seiner Seele und seiner Gottheit‘ (Konzil v. Trient)“ (S. 27 f.). 

Die Abwärtslinie setzt sich fort in der verderblichen Um­deutung des realen Leibes Christi zum (heili­gen) Brot, das – wie der Geistliche aus Gesprächen vor al­lem mit Jugendlichen erfährt – „nur [noch als] ein an Jesus erinnerndes Zeichen der Einheit im Gottes­volk“ (S. 25) verstanden wird, oder noch eine Spur „entkern­ter“: „Die Hostie in der Hand als Symbol der Weltverbrüderung“ (S. 109). Hier ist das Zerstörungsprogramm der Freimaurerloge, wie es 1968 in der Pariser Zeitschrift „L’Humanisme“ bzw. 1976 in der französischen Zeitschrift „Vers demain“ fixiert worden war, an sein Ziel gekommen (S. 26f.).

Aufgrund dieses negativen Befundes und seiner persönlichen Erfahrungen kommt Schallinger zu dem Schluss: Die Frage der Handkommunion ist nicht eine Frage der Form, sondern eine Frage des Glau­bens. Fol­gerichtig fordert er die Rückkehr zur ehrfürchtigen knienden Mundkommunion (während heute manche genau umgekehrt die Mundkommunion für nicht mehr zeitgemäß halten).

Bei aller Würdigung der Argumente des Autors erscheint der folgende Einwand angebracht:

Die Fülle des „be­lastenden Materials“ gegen die Praxis der Hand­kommunion ist so überwältigend, dass es schon deshalb nicht er­forderlich gewesen wäre, zum zusätzlichen „Be­weis“ der Verunehrung des Allerheiligst­en „Privatoffenba­rungen“ geltend zu machen, welche von der Kir­che nicht aner­kannt sind (Pierina Gilli, Franziska Sen­ninger, Prof. Albert Drexel, Marguerite in Belgien; vgl. den Abschnitt „Stimmen des Him­mels in der Wüste“, vgl. S. 33–36).

Für Schallinger persönlich mögen Visionen oder Einsprechungen von aus seiner Sicht begnadeten Perso­nen eine wichtige Bestätigung und Bestärkung seines „Son­derweges“ gewe­sen sein; andererseits büßt seine Veröffentlichung da­durch vom Standpunkt der katholischen Glau­benslehre aus an Seriosität und Nüchternheit ein.

Theologisch unzureichend gebildete oder für Schwär­merei anfällige Leser, die sich auf diesen Punkt ka­prizieren, könnten sich bestätigt fühlen und somit durch umstrittene Privatoffenbarungen spirituell leicht in ein irreführendes Fahrwasser geraten. Aller­dings nehmen diese kritikwürdigen Passagen insgesamt kei­nen bestim­menden Platz in Schallingers Ge­samtargumentation ein.

Vorgeschichte der Handkommunion

Ein weiteres Verdienst des Autors ist es, dass er die heute nur noch wenig bekannte Vorgeschichte der Hand­kommunion, die näheren Umstände ihrer zunächst regional begrenzten Einführung, ihre kritische Bewertung durch hohe Repräsentanten der Kirche und schließlich ihren Siegeslauf zur Sprache bringt und mit Dokumen­ten belegt.

­Die Erlaubnis der Handkommunion musste Papst Paul VI. abgerungen werden. Die damaligen Kar­dinäle Juli­us Döpfner (München-Freising) und Lorenz Jäger (Paderborn) konnten trotz dreimaligen Vor­sprechens beim Heiligen Vater in dieser Frage ihn zunächst nicht zur Zustimmung bewegen (vgl. S. 38, FN 4).

Das Ergebnis der Umfrage an die Bischöfe der Weltkirche vom 12. März 1969, in welcher der Papst seine Sorge um „Ver­minderung der dem Heiligsten Sakrament schuldigen Ehrfurcht, ja Entwei­hung und Verfälschung der Glau­benslehre“ (zit. S. 26) zum Ausdruck brachte, war eindeutig: Eine über­wältigende Mehrheit von 1233 Bischö­fen (bei 56 Zustim­mungen und 315 Zustimmungen unter Vorbe­halt) lehnte die Einführung der Handkommuni­on ab.

Dennoch gab der unter Druck gesetzte Papst schließlich nach und erlaubte im Juni 1969 die Handkom­munion in Deutschland (später in weiteren Ländern), die schon „vorwegnehmend“ praktiziert worden war, un­ter der Auf­lage, dass „jede Gefahr der Ehrfurchtslosigkeit gegenüber der Eucharistie vermie­den we­rde[..­.]“ (z­it. S.­ 25). ­

Dass d­iese Anforder­ung n­icht e­rfüllt­ wurde­, wie ­nicht ­nur Ka­plan S­challi­nger i­n sein­er seelsorgli­chen ­Praxis­ bald erfahr­en mus­ste, i­st der­ entsc­heiden­de Aus­löser ­für se­ine Ge­wissen­sentsc­hei­du­ng, di­e Hand­kommunion ni­cht me­hr aus­zuteil­en.­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­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Die Handkommunion nach ihrer Einführung

Hochinteressant sind in diesem Zusammenhang die vom Autor angeführten späteren Bewertungen hoher Wür­denträger, vor allem derer, welche die Einführung der Handkommunion ursprünglich befürwortet hatten. Kar­dinal Carmel Heenan von Westminster ordnet 1972 die Beendigung der Handkommunion für England an, nachdem er sich noch kurz zuvor für sie eingesetzt hatte (vgl. S. 28).

Vom Mainzer Bischof Hermann Volk, dem Vorgänger Kardinal Lehmanns auf dem Bischofsstuhl, ist der Satz überliefert: „Ich leide sehr darunter, dass ich zur Handkommunion meine Zustimmung gegeben habe“ (zit. S. 57).

Gera­dezu einen Offenbarungseid leistet der Münchner Kardinal Döpfner: „Der mit ihm befreundete Univer­sitätsprofessor Richard Egenter [ka­tholischer Moraltheologe an der Ludwig-Maximilians-Universität München 1945–1968; T. M.] bezeugt seine Äußerung: ‚Zwei Jahre habe ich um die Handkommunion gekämpft. Ich würde es nicht mehr tun, weil ich die Folgen sehe. Aber nun weiß ich keinen Weg, das wieder rückgängig zu machen!’“ (zit. S. 38).

Ein fei­nes De­tail, das die grundsätzliche Frage nach der Ratlosigkeit und Verantwortung von Bischöfen aufwirft, die Irrwe­ge in ihrer Diözese oder in der Kirche durchaus erkannt haben mögen, aber keinen Weg zurück mehr wissen und sie weiter in den Abgrund treiben lassen.

Gegenläufige Entwicklung: Johannes Paul II. und Benedikt XVI.

Im Weiteren macht Schallinger auf die gegensätzliche persönliche Entwicklung aufmerksam, welche die bei­den Päpste Johannes Paul II. und Benedikt XVI. in der Frage der Handkommunion genommen ha­ben.

Der Pole ist nach seiner Wahl zum Pontifex zunächst Hoffnungsträger derjenigen Priester und Gläubigen, die sich eine Rücknahme der Handkommunion wünschen.

Bei seinen Apostolischen Reisen ignoriert er die Praxis der Handkommunion in Ländern, wo sie üblich geworden ist; der Frau des fran­zösischen Staatspräsidenten reicht er bei einer Messe in Notre-Dame im Mai 1980 trotz deren ausge­streckter Hände die Mundkommunion (vgl. S. 61); bei seinem Deutschlandbesuch im November 1980 wird in Köln und Osnabrück auf seine persönliche Ablehnung der Handkommunion zunächst Rücksicht genommen, doch in Mainz legt man ihn schlicht herein, indem er durch provokative Jugendliche gegen seine Überzeugung zur Spendung der Handkommunion genö­tigt wird (vgl. S. 62, 109) – der „Bann“ ist gebrochen.

In der Folge rückt Papst Johannes Paul II., der noch in sei­nem Gründonnerstagsbrief 1980 „Über das Geheimnis und die Verehrung der heiligsten Eucharistie“ ent­schieden gegen die Praxis der Handkommunion Stellung bezogen hatte (vgl. S. 48f.), auch verbal in relativie­renden Äußerungen da­von ab; damit entzieht er „Widerständlern aus Gewissensgründen“ wie Kaplan Schal­linger „jeglichen kirchenrechtlichen und moralischen Schutz“ (S. 110).

Gegenläufig ist die Entwicklung bei Kardinal Ratzinger/Papst Benedikt XVI.:

Während der Erzbischof von München und Freising den widerborstigen Jungpriester anfangs noch streng ins Gebet nimmt, sei­nen „Starr­sinn“, seine „Rechthaberei“ in Sachen Handkommunion tadelt (S. 43ff.) und den Einsatz sei­ner ungeteilten Arbeitskraft als Priester anmahnt, beginnt er langsam „zurückzurudern“, als der Unbeug­same mit Verweis auf den erwähnten Gründonnerstagsbrief des neuen Papstes frische Argumente für die erneute Bekräftigung seines ablehnenden Gewissensentscheids geltend machen kann.

Als Präfekt der Glaubenskongregation hat Joseph Ratzinger dann seine ursprüngliche Befürwortung der Handkommuni­on revidiert. Sein kniender Mundkom­munionempfang in dieser Zeit ist durch P. Fidelis Stöckl O.R.C. bezeugt (vgl. S. 115).

Mit seinem Motupro­prio „Summorum Pontificum“ vom 7. Juli 2007 rehabilitiert Benedikt XVI. die Tridentinische Messe und da­mit die kniende Mundkommunion. Ab dem Fronleich­namsfest und dem Weltjugendtag in Sydney 2008 spen­det das Oberhaupt der katholischen Kirche das Allerheiligste nur noch in dieser Form. Welch glänzende Bestä­tigung und nachträgliche Rechtfertigung (vielleicht auch Genugtuung) für den Priester Wilhelm Schallinger, der schon als „kleiner“ Kaplan auf der gottgefälligen Spur war und sie gehalten hat!

GOTT mehr gehorchen als den Menschen

Schallingers 1974 getroffene, unwiderrufliche Gewissensentscheidung, den Gläubigen keine Kommuni­on mehr in die Hand zu spenden, ist nicht nur der roten Faden, der das Buch durchzieht. Sie bestimmt auch seine „gesamte priesterliche Existenz und Zukunft“ (S. 23).

In dieser schwierigen Zeit, die er als „vierzigjährige Wüstenwanderung“ erlebt, muss er seinen wechselnden Oberhirten Rede und Antwort stehen: Kardi­nal Döpfner, Kardinal Ratzinger und Kardinal Wetter. Zu deren Ehre sei gesagt, dass sie schließlich alle drei die strikte Weigerung ihres Mitbruders respektieren und nach Möglichkeit mit ihrer Autorität schützen, wobei der liberale ehemalige Moderator des Zweiten Vatikanischen Konzils menschlich gesehen am besten abschnei­det.

Die umfangreichen Schriftwechsel zwischen Vorgesetzten und Untergebenem, die im Wortlaut wiederge­geben sind, erweisen sich als unschätzbare Zeitdo­kumente, welche die Heftigkeit, den Ernst, die Leidenschaft des damaligen Ringens um die angemessene Form des Kommunionempfangs widerspiegeln – eine wissen­schaftlich noch auszuwertende Fundgrube.

Hierbei ist dem „kleinen“ Kaplan nicht selten eine argumentative Überlegenheit zu bescheinigen. Letzt­lich ist die ihn bindende Gewissensentscheidung durch keine Macht der Welt umzustoßen, wenn er mit Blick auf die bei der Handkommunion auf den Boden fallenden und zertretenen Partikel schreibt:

„Für mich gilt darum ana­log zum Zweiten Gebot: Du sollst den Namen Gottes nicht verunehren – Du sollst den Leib des Herrn nicht ver­unehren! Im Bereich eines göttlichen Gebotes aber hat eine gegenteilige Forderung keinerlei Verbindlich­keit. ‚Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen!‘ (Apg 5,29)“ (Brief an Ratzinger vom 1. Mai 1980, S. 48).

Damit beherzigt er einen Leitsatz des 1943 von den Nazis hingerichteten und 2007 von Papst Benedikt XVI. seliggesprochenen österreichischen Widerstands­kämpfers Franz Jägerstätter, dem der Autor das Schluss­kapitel widmet (S. 124–132).

Lebhaft schildert Schallinger Pflichttermine mit den Vorgesetzten: seine Befind­lichkeiten, Versuchungen, seine Ratlosig­keit, das Hadern mit seiner Verwegenheit bis hin zur Taktlosigkeit (vgl. S. 48), seine Stoßgebete, seinen inneren Kampf um Gehorsam gegenüber dem Erzbischof oder einer „göttlichen Macht“ (S. 38).

Der Preis des Gewissens

Der Preis, den der Geistliche Schallinger für das unbeirrbare Festhalten an seinem Gewissensentscheid zahlen muss, ist sehr hoch: Es kostet ihn praktisch jede Möglichkeit einer innerkirchlichen „Karriere“; er sieht sich an den Rand gedrängt, verfemt, ins Zwielicht gesetzt, lächerlich gemacht, von einem Mon­signore sogar als irren­hausreif abgefertigt (vgl. S. 114).

Dankbar ist er, dass er 14 Jahre als Lang­zeit-Hilfspriester in der Wallfahrts­pfarrei St. Maria-Thalkirchen am Münchner Tierpark wirken kann. Der Diözesanleitung und den „Herren Prä­laten des Erzbischöflichen Ordinariats“ (S. 57) ein Dorn im Auge, darf er schließlich ab 1993 im Dekanat Ra­mersdorf/Perlach bei München zelebrieren und wird als Aus­hilfe, besonders bei Begräbnisfeiern, eingesetzt.

Heute feiert er die tägliche heilige Messe nur noch in seiner kleinen Hauskapelle. Geblieben ist ihm die „Ge­betsgemeinschaft Mariensäule“, mit der er seit über 45 Jahren jeden Samstag an der Münchner Mariensäule den Rosenkranz betet.

Von Anfang an ist es ihm verwehrt, Pfarrer zu werden, weil „er sich für den Fall der Übernahme einer Pfarrei bereit erklären muß, Gläubigen, die die Handkommunion wünschen, diese nicht zu verweigern…“ (Brief Rat­zingers an den Oberregierungsrat Schlebusch vom 28. Juli 1979, zit. S. 55), erst recht, als er sich auch gegen die „Spendung der Handkommunion durch eine andere beauftragte Person in seinen Gottesdiensten“ sperrt (Antwortschreiben des Stellvertretenden Generalvikars Haringer an einen Gebetsteilnehmer vom 20. Septem­ber 1993, zit. S. 86), womit wohl Laienkommunionhelfer ge­meint sind.

In diesem Zusammenhang wird ihm vom Ordinariatsvertreter entgegengehalten, auch die Gläubigen träfen eine „Gewissensentscheidung“ zwi­schen Hand- und Mundkommunion, die es zu re­spektieren gelte (vgl. S. 79). Diese Behauptung ist allerdings theologisch unhaltbar.

Kein Geringerer als der damalige Glaubenspräfekt Kardinal Šeper, bei dem Kaplan Schallinger im Rah­men seiner von 243 deutschen Priestern unterschriebenen Petition zur Abschaffung der Handkommuni­on im deut­schen Sprachraum vorstellig wird (die nach einem erfolgversprechenden Auftakt vom Glau­benspräfekten noch im selben Jahr aus unbekannt gebliebenen Gründen zurückgewiesen wurde), erklärt am 2. April 1979 im Ge­spräch mit ihm:

„Ich glaube, daß hier für die Priester eine echte Gewissensfrage besteht. Nicht begreife ich je­doch, wenn die Gläubigen eine daraus machen. Niemand kann wohl sein Gewissen anführen, das ihm gebietet [!], Handkommunion zu verlangen“ (zit. S. 79 u. S. 97).

Dieser punktgenaue Satz beleuchtet wie nebenbei den Missstand, wie oberflächlich und leichtfertig heutzutage innerhalb der Kirche das „Gewissen“ oft in Anspruch genommen wird, wo es im Grunde doch eher um Unwilligkeit, Bequemlichkeit oder Mitläufertum geht.

Hand- oder Mundkommunion: eine Abwägung

Seit der Einführung der Handkommunion in Deutschland durch Papst Paul VI. ist fast ein halbes Jahr­hundert vergangen. Die heftigen Auseinandersetzungen um diese folgenschwere „Reform“ vor allem in den 70er und 80er Jahren können heute die meisten Katholiken nicht mehr nachvollziehen.

Das hat nicht zuletzt damit zu tun, dass vielfach Gespür und Wertschätzung für das Heilige, das Allerheiligste gelitten haben oder verloren­gegangen sind, von der auch „normalen“ Gläubigen fremd gewordenen Anbetung Gottes ganz zu schweigen. Damit verknüpft ist die weitverbreitete Leugnung der Realpräsenz Jesu Christi unter der Gestalt des Brotes durch Laien wie durch Kleriker oder die indifferente Ansicht, „dass das nicht so wichtig ist“.

Wer in der Hos­tie nur noch ein Stück profanes Brot sieht, tut sich leichter, es einfach so in die Hand zu nehmen. Warum sollte man ehrfürchtig sein?

Jenseits manch merkwürdigen, unangemessen anmutenden Gebarens (vom schlendernden Gang bis zu hinter dem Rücken verschränkten Händen beim Anstehen) vor dem Kommunionempfang ist  festzuhal­ten und anzuerkennen, dass zahlreiche Gläubige die Handkommunion ehrfürchtig und würdig empfan­gen.

Das daraus abgeleitete Argu­ment, die Form des Empfangs sei nicht entscheidend, auf die innere Haltung komme es an, greift jedoch zu kurz. Der schwerwiegende und letztlich durchschlagende Ein­wand, dass trotz Umsicht bei der Spendung in die Hand Partikel herunterfallen und verlorengehen kön­nen, in denen der Heiland gegenwärtig ist, kann nicht ent­kräftet werden.

Dagegen ist man bei der Mund­kommunion mit Patene auf der „sicheren Seite“, die zudem dem Ausdruck und der Haltung des Empfan­gens näherkommt; wer das nicht mehr „zeitgemäß“ findet, sollte vielleicht in sich gehen und sein per­sönliches Verhältnis zu Gott/Christus überprüfen oder grundsätzlich das der Kreatur zu ihrem Schöpfer reflektieren (Partner? Auf Augenhöhe?).

Außerdem darf der Zusammenhang zwischen äußerer Form und innerer Haltung nicht unbeachtet bleiben: Der Empfang der Hostie in die Hand verleitet viel eher zu mangelnder Ehrfurcht als die Mundkommunion, weil bei Ersterem nicht unterschieden wird von der Art, „wie man gewöhnlich Nahrung berührt und sie sich dem Munde selbst zuführt“ (so Weihbi­schof Atha­nasius Schneider im Geleitwort S. 12), also eine heilsame Differenzierung entfällt.

Zurückzuweisen ist das Argument, wer sowieso entschlossen sei, die Hostie zu missbrauchen, benötige dazu nicht die äußere Form der Handkommunion, also könne man diese auch zulassen. Nach derselben Logik könn­te man einem Hauseigentümer anraten, künftig auf jedwede Sicherungsmaßnahmen zu ver­zichten, da ein zum Einbruch bereiter Täter ohnehin einen Weg finden werde, ins Haus zu gelangen.

Auch die gern herangezoge­ne, dem Cyrill von Jerusalem (313 – 386 n. Chr.) zugeschriebene mystagogische Ka­techese, die Anweisungen zum richtigen Empfang der Handkommunion enthält, erweist sich bei näherer Betrachtung als wenig brauchbar, weil die Si­tuation der frühen Kirche nicht einfach auf die heutige übertragbar ist; schon Cyrill, der die „Hal­tung der An­betung und Ehrfurcht“ sichergestellt wissen will, warnt, wie Papst Paul VI. Jahrhunderte später, vor der glei­chen Gefahr des Partikelverlustes: „Denn was du zugrunde gehen läßt, sollst du so betrachten, als ginge eines deiner Glieder verloren“ (zit. S. 28).

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Unter Anlegung des Maßstabes, dass das Aller-Heiligs­te das Aller-Höchste ist, lässt sich kein zwingendes Argument zugunsten der Handkommunion vorbrin­gen. Weihbi­schof Schneider führt aus:

„Alle Menschen verteidigen gewissenhaft und mit größter Vor­sicht die eigenen Wertgegenstände und kostbaren Schätze. Unser Herr Jesus Christus unter der Gestalt der kleinen konsekrierten Hostie ist mehr wert als alle Schätze auf dieser Erde. Wir müssen folglich die Heilige Kommunion aufs Höchste schützen und verteidigen. … Jeder, der an unseren Eucharistischen Herrn wahrhaft glaubt und Ihn brennend liebt, darf sich nicht an den Zustand der Handkommunion gewöhnen und muss alles, was in seiner Kraft steht, unternehmen, um diesem elenden Zustand abzuhelfen“ (S. 12f.).

In diesem Zusammenhang ist es allerdings unerlässlich, eine wichtige Unterscheidung anzumahnen. Es ist das eine, die Einführung der Handkommunion mit ihren schädlichen Folgen für eine Katastrophe zu halten und, wie Weihbischof Schneider, Abhilfe des „elenden Zustand[es]“ zu verlangen; ein anderes ist es, noch weitergehend die Praxis der Handkommunion grundsätzlich als „gottwidrig“ zu brandmarken, wie Schallinger es tut (S. 22 u. Rückseitentext).

Hier ist Widerspruch anzumelden. Mit dieser Zuspit­zung schießt der Geistliche im Eifer für die Mundkommunion übers Ziel hinaus und erweist seinem An­liegen auch keinen guten Dienst. Wie schwerwiegend und erschütternd die beschriebenen Folgen auch sein mögen – die Handkommunion an sich ist mitnichten gegen Gott gerichtet, andernfalls wäre die Möglichkeit ihres würdigen, gottesfürchtigen Empfangs von vornherein ausgeschlossen. Dem ist aber keineswegs so.

An diesem Punkt scheint der Autor den Pfad seiner eigenen Argumentation zu verlassen: Er selbst rekurriert wiederholt auf die inakzeptablen negativen Begleitumstände der Handkommunion, welche die sittliche Verwerflichkeit erst hervorrufen, wenn er beispielsweise die „fortdauernde […] Fahr­lässigkeit“ (S. 27) im Umgang mit der geweihten Hostie anprangert, womit ja keine Zwangsläufigkeit festgeschrieben, sondern eine korrigierbare „innere Einstellung des Täters gegenüber dem von ihm verwirklichten Tatbestand“ (Wikipedia, Stichwort „Fahrlässigkeit“) impliziert ist.

Angemerkt sei auch noch, dass Ausübung von „moralischem“ Druck auf die Kommunikanten in dieser Frage kon­traproduktiv wirkt.

Auf dem Weg zur Mundkommunion

Wie Weihbischof Schneider kann freilich nur einer aus der Tiefe seines Glaubens sprechen und Korrek­turen anmahnen. Statt peripherer und meist wenig zielführender „Strukturdebatten“ in der Kirche ist die Frage des angemessenen, Gott geschul­deten Kommunionempfangs tatsächlich ein Feld, auf dem sich konkret Ursachen und Folgen des Niedergangs der nachkonziliaren katholischen Kirche in Deutschland nachweisen – und beheben! – lassen.

Es wäre an der Zeit, dass kirchliche Würdenträger, insbesondere Bischöfe, die Konsequenzen aus den schon frühzeitig nach Einführung der Handkommunion erkannten schlimmen Folgen der Sakrilege, des Verlustes von Partikeln, der Verminderung der Ehrfurcht und der Verfälschung des Glaubens ziehen, zur Mundkommunion zurücklenken und das gläubige Volk auf die­sem Weg „mitnehmen“.

Ein erster Schritt wäre die Wiedereinführung von Kom­munionbänken oder zu­mindest (beweglichen) Kniebänken, um dem bei passender Gelegenheit gern für mün­dig erklärten Laien tatsächlich die kniende Mundkommunion stressfrei zu ermöglichen, statt ihn zu bevormun­den und zur stehenden Handkommunion zu nötigen. In Kirchen, wo Reste von Kniegelegenheiten erhalten ge­blieben sind, zeigt sich schon heute durchaus nicht selten, dass diese zum Kommunionempfang auch genutzt werden. Flankierend könnten Priester einen wesentlichen Beitrag leisten, indem sie den Gläubigen emp­fehlen, die kniende Mundkommunion zu praktizieren.

Auch die außerordentliche Spendung der Kommunion durch Laien wäre zu überden­ken, gemäß den Worten Papst Johannes Pauls II.: „Die heili­gen Gestalten zu berühren und mit eigenen Händen auszuteilen, ist ein Vorrecht der Geweihten…“ (Gründonnerstagsbrief 1980, zit. S. 49). Eine exklusive Han­d-Habung schärft grundsätzlich den ehr­fürchtigen Sinn des Volkes Gottes für das Allerheiligste.

Es ist das große Verdienst des Münchner Kurats Wilhelm Schallinger, dass er mit seinem Buch in leicht ver­ständlicher Sprache und dokumentarisch vielfältig belegt eine entscheidende, auf breiter Basis dis­kussionswürdige Ursache für die Erosion der deutschen Kirche nach dem Zweiten Vatikanum ins Be­wusstsein hebt, die viele nicht (mehr) auf dem „Schirm“ haben.

Sein mutiges Glaubenszeugnis des Wi­derstands gegen den inner­kirchlichen Zeitgeist und dessen mächtige Repräsentanten, sein geduldiges, auf Gott vertrauendes Verharren in der Wahrheit, seine persönlichen Opfer, insbesondere der Verzicht auf eine „Karriere“ als Preis für den unbe­irrbar durchgehaltenen Gewissensentscheid, fordern zu Hoch­achtung, Dank und Unterstützung seiner „Sache“ heraus: nach je eigenem Vermögen und Platz in der Kirche die Praxis der Handkommunion einzudämmen, um schließlich die vollständige Rückkehr zur Mundkommunion zu erwirken.

Unser Autor Thomas May ist katholischer Religionspädagoge und lebt in Sendenhorst (Münsterland).  –  Erstveröffentlichung dieses Beitrags in der Zeitschrift „Theologisches“ (Nr. 1 – 2/2018)


Lungenschmids „Jenseitsreisen“: Allerlei Richtigkeiten sowie theologischer Unsinn

Von Felizitas Küble

Seit Jahren tourt Helmut Lungenschmid durch deutsche und österreichische Lande, um von Ort zu Ort jenes „Sterbe-Erlebnis“ zu schildern, das er als 15-jähriger Junge erfahren haben will – und zwar beim Zahnarzt. Sicherlich für eine Nahtoderfahrung eine recht ungewöhnliche Stätte, doch der Redner begründet das Vorkommnis mit einer Überdosierung der Betäubung…

Wie dem auch sei: Tatsache ist jedenfalls, daß die Visionen und Einsprechungen, die Lungenschmid   – eigenen Angaben zufolge  –  seinerzeit als Jugendlicher erlebte und nach 42 Jahren erstmalig veröffentlichte, auf ein fromm-naives Publikum eindrucksvoll wirken mögen, aber nicht einmal einer einfachen theologischen Prüfung standhalten.

Derzeit befindet sich der Autor wieder auf einer Vortragsreise von Deutschlands Süden bis zum Norden: An Fronleichnam (14.6.) sprach er im westfälischen Hembergen vor rund 100 Zuschauern, am Tag zuvor war er in Obereschach bei Ravensburg (Oberschwaben).

Wir haben uns im CHRISTLICHEN FORUM bereits im Jahre 2011 über Lungenschmids „Nahtoderfahrung“ geäußert: https://charismatismus.wordpress.com/2011/11/03/gelang-helmut-lungenschmids-ein-%e2%80%9eblick-ins-jenseits%e2%80%9c/

Auf die im Raum stehende „Frage“, warum er seine Jenseitsvisionen erst nach über 40 Jahren in Buchform brachte, antwortet der Verfasser gleich auf der Titelseite (siehe Foto): „Den Zeitpunkt, mit diesem Erlebnis an die Öffentlichkeit zu gehen, bestimmte im Jenseits die Gottesmutter selbst.“  – Diese praktische, um nicht zu sagen unschlagbare Ausrede „Auskunft“ erwähnt Lungenschmid auch in seinen Einladungszetteln zu den Vorträgen.

Kritisches Nachfragen scheint sich insoweit zu erübrigen  – wobei gleichwohl ungeklärt bleibt, ob der hohe Preis (22 €) der ziemlich billig produzierten Publikation (große Schrift, Paperback, nur 1 Foto) samt den überdimensionalen Versandkosten (von Österreich nach Deutschland: 9,50 €) wohl auch auf Eingebung höherer Gewalten entstanden sein mag.

Für den kommenden 2. Band werden übrigens satte 33 € angekündigt  – alle Daten sind auf des Autors Webseite nachlesbar: http://www.meinsterbeerlebnis.com/medien-bestellung/

Nun wissen wir es also  – dank Helmut Lungenschmid und dem Untertitel seines Buches: „Himmel – Hölle – Fegefeuer  –  gibt es doch!“

Seit zweitausend Jahren lehrt die Kirche genau dies auch ohne Jenseitsvisionen, doch so mancher Fromme sucht wohl unterschwellig  – also doch Kleinglaube?  – nach einer Art „Bestätigung“ mittels besonderer Erlebnisse.

Die kann der Autor auf über 350 Seiten freilich kreativ liefern  – den 2. Band nicht mitgerechnet.

Lungenschmid: Christus ist nicht GOTT in Ewigkeit

Was der Knabe damals auf dem Zahnarztstuhl in kurzer Zeit alles an bücherfüllenden Erlebnissen und Erkenntnissen erfuhr, scheint ihm gleichwohl ein merkwürdiges „Gottesbild“ vermittelt zu haben, ganz zu schweigen von zahlreichen theologischen Irrtümern, sogar über den Erlöser selbst, wobei indirekt, aber in der Sache eindeutig sogar die Gottheit Christi geleugnet wird:

Auf S. 93 heißt es schon im Zwischentitel in fetter Schrift: „Jesus hat im Gegensatz zu Gott Vater einen Anfang.“ 

Da Christus GOTT ist, existiert ER in Ewigkeit, folglich ohne Anfang und Ende. (Anders ist dies bei der menschlichen Natur Jesu, die natürlich einen Beginn kennt, was aber eine Selbstverständlichkeit darstellt und keiner erstaunten Erwähnung bedarf.)

GOTT ist nicht nur unsterblich wie die menschliche Seele (ohne Ende), sondern ewig  – also unerschaffen, ohne Anfang. Gott-Vater ist innerhalb der heiligen Dreieinigkeit zwar gleichsam das Ursprungsprinzip, was aber nicht bedeutet, daß die anderen beiden göttlichen Personen einen „Anfang“ hätten, denn die ganze dreifaltige Gottheit ist unerschaffen und ewig, also ohne Anfang  – dies ist ein unabdingbares Wesensmerkmal das Göttlichen.

Lungenschmid schreibt zunächst zutreffend, daß es für den Menschen als geschaffenes Wesen einen Anfang gibt. Er fährt fort: „Aber nicht so verhält es sich bei Gott, der keinen Anfang und kein Ende hat.“ – Auch richtig, doch dann folgt jener erwähnte häretische (irrlehrende) Satz über Christus „mit Anfang“.

Er führt diese für die Christenheit „bahnbrechende“ Erkenntnis auf Gott-Vater selbst zurück, denn dieser habe ihm erklärt: „Jesus hatte einen Anfang und jetzt aber auch kein Ende.

Dies stelle, so schreibt der Autor mit Berufung auf „Gott-Vater“ weiter, gewiß ein „großes Geheimnis“ dar, das ihn freilich „sehr nachdenklich“ gemacht habe  – immerhin räumt Lungenschmid ein, daß er „bis zu diesem Zeitpunkt der Meinung war, dass es Jesus doch auch immer schon gegeben hätte“.

Folglich ließ sich der Jenseitsreisende durch einen Irrgeist (sei es nun sein eigener oder ein „unter-natürlicher) von einer richtigen zu einer falschen Ansicht verführen.

Offenbar knabberte der Verfasser durchaus an dieser neuen „Einsicht“, denn er schreibt zum dritten Mal: „Nein  – Jesus hatte tatsächlich einen Anfang, wie mir Gott ganz persönlich versichert hatte“  –  nun denn, gegen Visionen ist natürlich kein theologisches Kraut gewachsen.

Der Versuch der Lungenschmid-Anhänger, diesen Satz auf die menschliche Natur Jesu zu beziehen (die natürlich einen Anfang hat), leuchtet nicht ein, denn das wäre beileibe kein „großes Geheimnis“, sondern eine derart schlichte Einsicht, daß sie nicht einmal die Ungläubigen leugnen.

Betet Maria den Rosenkranz mit den Armen Seelen?

Das Buch wimmelt von weiteren inhaltlichen und logischen Fehlleistungen, wobei schon die Seite zuvor wieder ein handfestes Beispiel liefert:

Auf S. 92 heißt es nämlich, daß die Madonna bei ihren „Erscheinungen im Fegefeuer jedes Mal den Rosenkranz gemeinsam mit den Armen Seelen betete“.

Auf S. 217 erzählt der Autor von einer Vision, bei welcher die Gottesmutter selber den „Engel des HERRN“ betete, wobei gar die „Grundfesten der Hölle erschüttert“ worden seien, so daß die Unterwelt „einzustürzen drohte“. Leider hat es nicht ganz geklappt, die Hölle ging bei der schönen Gelegenheit nicht wirklich unter  –  aber fest steht jedenfalls, daß die selige Jungfrau weder den Rosenkranz noch den „Engel des Herrn“ bzw. Angelus selber betet.

Jeder möge sich die dazugehörenden Anrufungen selber aufsagen, z.B. hinsichtlich der Vaterunser-Bitte „Vergib uns unsere Schuld“ oder „Erlöse uns von dem Bösen“ sowie „Bitte für uns Sünder“ im Ave-Maria. Die Seligen im Himmel; bedürfen keiner Sündenvergebung, sie sind bereits Erlöste.; das gilt erst recht für Maria, die Vor-Erlöste, die Immaculata.

Offenbar ist Herr Lungenschmid  –  Jenseitserlebnisse hin oder her  –  mit diesem einfachen Gedankengang überfordert.

Wir werden sein Buch bei nächster Gelegenheit gerne einer weiteren Durchsicht unterziehen….

Unsere Autorin Felizitas Küble ist Leiterin des Christoferuswerks und des KOMM-MIT-Verlags in Münster


USA heute: Donna – vom Leben und Überleben einer amerikanischen Indianerin

Von Dr. med. Edith Breburda

Jeden Donnerstag und Samstag kann man Donna in der letzten Bank einer Stadtkirche in Scottsdale im Bundesstaat Arizona finden. Ihr immer zu ihrem Kleid passender Hut umrahmt ein sympathisches, fast jungenhaftes Gesicht der Anfang 70-jährigen Dame. Dr. Breburda

Tief in Gedanken versunken, lässt sie ihren Rosenkranz durch ihre Hand gleiten. Es sind kaum noch Leute in der Kirche, das Allerheiligste wurde nach der Messe wieder eingesetzt, und die Schlange der Beichtenden hat sich verflüchtigt.

So wage ich es Donna anzusprechen. Es interessiert mich ob sie mit den vielen Christen an der 54ig-tägigen Rosenkranz-Novene für einen guten Ausgang der Wahl teilnimmt. Vielleicht hätte ich es nicht tun sollen, denn wir beide saßen geschlagene zwei Stunden und plauderten, leise und verhalten, obwohl die Kirche nun wirklich leer war. Nur der Kirchendiener schlich an uns vorbei, schloss die Tür jedoch nicht ab und verschwand nach ein paar Sekunden wieder.

Donna hatte etwas sehr Einnehmendes an sich; ihre Mutter war Deutsche und Ihr Vater Indianer. Ja, jetzt wo sie es sagt, sah man es  –  warum ich da nicht sofort drauf gekommen bin?

Donna erzählt von den letzten Jahren in den USA, von der großen Rezension: „Nein, es war keine Rezension, es war eine Depression, schlimmer als in den zwanziger Jahren.“

Sie und ihre Familie waren in Kalifornien. Sie waren sehr wohlhabend, haben jedoch 2007 alles verloren. Donna und ihr Mann fuhren damals durch die Stadt und schauten sich die Brücken an, bis sie eine fanden, wo ein Fastfood-Restaurant gleich um die Ecke war. img_1349

„Hier ist es schön”, sagten wir zueinander, „dort gibt es ein McDonald, so müssen wir wenigstens nicht verhungern.“

So viel realistischer Optimismus inmitten einer Notlage ist erstaunlich: „Ich sitze hier immer und übergebe alles dem lieben Gott, er wird sich wohl denken: ‚Oh schon wieder unsere Donna! Ich kann es nicht mehr hören!’“

FOTOS: Viele Menschen wohnen in „Homeless“, in Zelten im Freien, da sie sich keine Wohnung leisten können

Und dann wurde ihr Mann sehr krank. Er hatte 30 Jahre nicht mehr die Sakramente empfangen. Doch er kam zurück, verlangte nach einem Priester und ging plötzlich zur Beichte. Donna berichtet:

„Ich habe ihn nicht darum gebeten. Er wollte das von sich aus. Vor 3 Jahren ist er gestorben. Viele haben ihn danach gesehen. Es geht ihm gut. Selbst hier in der Kirche sah ihn eine Frau. Sie sprach mich nach der Messe an und sagte zu mir: ‚Wie schön, dass du mit deinem Sohn da warst!’  –  Ich war ganz perplex: ‚Mein Sohn? Der geht nicht in die Kirche mit mir. Das ist unmöglich.’ – ‚Aber doch, es war ein junger Mann, und er ging hinter dir zur Kommunion und betete ganz andächtig.’

Als ich nachfragte, wir er aussah, beschrieb sie ihn mir wie meinen Mann, als er 20 Jahre alt war. Auch zu mir kam er, und ich konnte ihn umarmen. Es war in einem Traum. Die Umarmung spürte ich ganze 3 Wochen lang. img_1126

Wissen Sie, meine Großmutter hatte als Indianerin die Gabe der spirituellen Träume. Sie betete und betete. Als ich 19 Jahre alt war, besuchte ich sie. Mir wurde ganz anders. Sie redete von Engeln, die vom Himmel kamen und mit ihr beteten. Sie hörte wunderbare Musik.

Diese Gabe, von den lieben Verstobenen zu träumen, wird vererbt, und mein Bruder hatte diese Gabe. Ich war damals verwundert, wieso ich davon nicht betroffen war. Mein Bruder war doch gar nicht so fromm wie ich.“

Und dann kommt Donna auf ihren Sohn zu sprechen. Seine Frau Michaela war ein Engel. Sie waren reich, und Michaela gab so viel weg, wie sie konnte. Sie half den Obdachlosen, besorgte ihnen eine Stelle und eine Wohnung. Sie hatten in Kalifornien eine gutgehende Firma.

Michaela fand ein Mädchen, das total entstellt war. Keiner wusste, wo sie dieses Mädchen gefunden hatte. Sie sei aus einem speziellem Behinderten-Heim, hat Michaela berichtet.

Und weil sie sehr intelligent sei, wolle Michaela ihr unbedingt helfen. In ihrer Firma richtete sie ihr ein Büro ein, dort, wo sich keiner an dem Aussehen der Mitarbeiterin störte.

Ihr Mann hatte Schwierigkeiten, der jungen Dame ins Gesicht zu sehen. Michaela hatte keine Probleme. Oft ging sie zu ihrem Schützling und versuchte alles, dass sie sich in ihrer Firma wohl und angenommen fühlte.

Doch auch sie verloren ihr Gewerbe 2007. Alles war so gut gegangen – und nun standen sie vor dem Nichts. Mein Sohn arbeitete, wo er nur konnte, er nahm mehrere Jobs an… es war ihm ganz egal was, und langsam, sehr langsam hat er sich wieder hochgearbeitet.  img_1353

Es gab Firmen, die sagten, es könne nichts passieren –  und 3 Monate später konnten sie die Löhne nicht mehr zahlen. Die Mittelschicht kämpft um’s Überleben. Aber einen Mittelstand gibt es im Grunde gar nicht mehr.

Diejenigen, denen nichts passiert ist, haben den Touch zur arbeitenden Klasse verloren, sonst gäbe es ja nicht all die ‚homeless’, jene Menschen, die vor allem in Los Angeles in Zelten hausen.

Doch Michaela ließ sich nicht unterkriegen, sie half weiterhin den Leuten. Sie ging ins Gefängnis und betete mit den Frauen. Oft wird man hier ja wegen nichts eingesperrt. In den letzten Jahren sind so viele Leute deportiert worden wie noch nie. Das weiß kaum einer.

Michaela gab den Frauen Hoffnung. Jeder wollte sie im Gefängnis sehen. Die Gebetsgruppe sei zu groß, hieß es dann von der Gefängnisleitung, es sei ein Sicherheitsrisiko. Als ob es ein Risiko ist, wenn man betet. Als ich Michaela das letzte Mal vom Gefängnis abholte, liefen ihr alle Frauen nach. Jeder wollte sie berühren.

Sie war wie ein Engel. Sie war Französin und hatte eine ganz weiße Hautfarbe. Als ich Michaela das erste Mal sah, bin ich ganz erschrocken. Sie kam hinter mir auf mich zu und sprach mich mit ‘Mama’ an. Ich drehte mich um und sagte: ‚Oh, bist Du weiß!’ Sie fragte, ob das schlimm sei  – und dann mussten wir lachen.

Mit ihrem blonden Haar stand sie auf dem Gefängnishof. Mir würde kein Mensch nachrennen, aber ihr schon. ‚Ich helfe euch’, versicherte sie, ich komme wieder, macht euch keine Sorgen!’

Doch dann wurde sie krank. Keiner wusste was sie hatte  –  und eine Woche später starb sie. Sie war 42 Jahr alt. Mein Sohn hat das nicht überwunden. Er ist an keiner anderen Frau mehr interessiert,  wenngleich Michaela schon seit 2008 tot ist. Er träumte von ihr. Sehen Sie, auch er hat diese Gabe der ‚spirituellen Träume’. Michaela kam und er umarmte sie. Sie wollte ihm etwas sagen, doch in diesem Moment klingelte der Wecker. Das war der schlimmste Tag im Leben meines Sohnes.IMG_0873

Vor sieben Monaten dachte ich, ich darf nun auch sterben. Ich hatte unerklärliche, starke Blutungen. Nur hatte ich – wie so viele ohne Arbeitsplatz – keine Krankenversicherung mehr. Früher, ja da war ich gut versichert, doch seitdem wir unser Unternehmen verloren haben, habe ich nichts mehr und jetzt brauchte ich plötzlich eine Versicherung.

Meine Schwester, die 15 Kinder hat, sagte mir, ich solle ins Hospital der Indianer gehen, dort werde ich umsonst behandelt.

Als die Blutungen immer stärker wurden, rief ich im Krankenhaus an. Ich solle sofort kommen. So war ich in der Notaufnahme. Ich dachte: ‚Heute darf ich also sterben. Was für ein schöner Tag. Ich habe keine Versicherung, also lassen sie mich hier sterben.’

Die Ärzte schauten mich ganz entgeistert an. Wer will schon sterben –  außer mir! Ich brauchte sofort eine Operation, doch in ganz Phoenix war kein einziges Bett frei. Endlich fanden sie ein Bett in der Mayo-Klinik in Scottsdale. Stellen sie sich vor, die beste Klinik, die es gibt.

Natürlich hatte ich – wie immer – alles dem lieben Gott überlassen, so wie ER will. Das sagte ich auch den Krankenhauspersonal. Sie sollten sich keine Gedanken machen, alles ist gut.

Als ich in der Mayo-Klinik ankam, fragte man mich sofort nach meiner Versicherung. ‚Ich habe keine’, sagte ich. Die Frau bei der Aufnahme erwiderte: ,Dann können wir sie nicht operieren.’  – Und so freute ich mich, dass ich jetzt eben in der Mayo-Klinik sterben darf. Doch nach zwei Minuten kam die Frau zurück und erklärte, sie hätten jetzt einen Weg der Finanzierung gefunden  – und so wurde ich doch operiert.

Ich hatte Unterleibskrebs und brauchte eine anschließende Chemotherapie. Die kann ich mir aber nicht leisten. Ich sagte, man möge mich einfach in Ruhe lassen. Das ist jetzt sieben Monate her. Mir geht es prima –  ganz ohne irgendwelcher Medikamente.

Ich habe meine Haare abgeschnitten, weil sie mich einfach ärgerten. Und nun kann ich endlich Hüte tragen. Zuvor sah ein Hut aus wie eine Krone, weil ich so dicke Indianerhaare hatte.

Jetzt bin ich ‚hutsüchtig’. Ich habe 18 Hüte. Eine Frau brachte mir einen Hut: ,Donna’, sagte sie ,das ist ein Hut für dich, nur du kannst so etwas tragen.  –  Und außerdem bekam ich den Hut mit einem 70-prozentigen Rabatt.’  – Dieser Satz hätte von meiner Schwiegermutter stammen können.“

Donna lächelt, es ist nun schon spät geworden, sie musste zu ihrem Sohn, bei dem sie wohnt. So lange wie mit mir hat sie noch nie mit jemandem geredet. bookcoverimage

Und so gab mir Donna einen erneuten Einblick in das Leben des Durchschnitt-Amerikaners  – kurz vor der Wahl 2016.

Unsere Autorin Dr. med. Edith Breburda (von ihr stammen auch die Fotos) ist Bioethik-Expertin und Veterinär-Medizinerin (Tierärztin); sie lebt in den USA.

Weiterführende Literatur, Artikel und Bücher von Dr. Edith Breburda: http://scivias-publisher.blogspot.com/p/blog-page.html

Ediths Buch-Neuerscheinung REPRODUKTIVE FREIHEIT: https://charismatismus.wordpress.com/2015/06/20/neuerscheinungbuch-empfehlung-reproduktive-freiheit-von-dr-edith-breburda/

Dieses sachkundige und zugleich verständliche Buch “Reproduktive Freiheit” (viele bioethische und aktuelle Themen) kann portofrei für 22,30 Euro bei uns bezogen werden: felizitas.kueble@web.de (Tel. 0251-616768)

 


Theologische Einwände zu den „Visionen“ der Schwester Faustyna Kowalska

Von Felizitas Küble

Am 29. Oktober 2016 veröffentlichte eine Userin mit dem Nicknamen „Maria lieben“ auf der katholischen Webseite „Gloria-TV“ einen Beitrag über die „Botschaften“ von Sr. Faustyna Kowalska, einer von Johannes Paul II. heiliggesprochenen polnischen Ordensfrau.

Vor jeder Debatte über Einzelheiten jener Visionen wollen wir uns klarmachen, daß die katholische Kirche noch nie jemanden aufgrund von Erscheinungen oder sonstigen außergewöhnlichen Phänomenen zur Ehre der Altäre erhoben hat. Es geht hierbei allein um den sog. „heroischen Tugendgrad“, also die sittliche Qualität der vorbildlichen Persönlichkeit.  faustine

Damit ist keineswegs gesagt, daß die theologischen (geschweige sonstigen) Ansichten oder etwa gar „Privatoffenbarungen“ der heiliggesprochenen Person unfehlbar sind. „Irren ist menschlich“ – dies gilt auch für Selige und Heilige.

Ein bekanntes Beispiel dafür ist die hl. Katharina von Siena, die sogar zur Kirchenlehrerin ernannt wurde, obwohl sie nachweisbar eine völlig unzutreffende „Botschaft“ verkündet hatte, wonach die Madonna ihr mittels einer Erscheinung geoffenbart habe, sie – Maria – sei nicht unbefleckt empfangen. (Näheres dazu HIER)

Außerdem sind auch kirchlich „anerkannte“ (genauer gesagt: approbierte  = genehmigte, gebilligte) Erscheinungen für Katholiken nicht verbindlich. Eine Approbation beinhaltet also keine Verpflichtung, sondern stellt lediglich eine Erlaubnis dar.

Nun zu den Visionen der Schwester Faustine, die vor allem durch das Bild und die Andacht zum „Barmherzigen Jesus“  sowie durch den „Barmherzigkeits-Rosenkranz“ weltbekannt geworden sind.

Die erwähnte Schreiberin „Maria lieben“ ist hell empört, daß auf der Webseite ZEITSCHNUR eine ausführliche Kritik am Kult um den „Barmherzigkeits-Jesus“ geübt wird.

Dies ist aber jedem Katholiken selbstverständlich erlaubt – und zwar grundsätzlich gegenüber allen (!) Privatoffenbarungen.

Dies gilt erst recht in diesem Falle, denn der Vatikan hatte die „Botschaften“ jener Nonne noch im Jahre 1959 nicht nur amtlich abgelehnt, sondern den auf Faustyna zurückgehenden Kult um den „Barmherzigen Jesus“ sogar strikt verboten. In Polen mußten seinerzeit diese (Kitsch-)Bilder aus den Kirchen entfernt werden, auch schriftliche Werbung für jene Visionen wurde untersagt. Radio Vatikan

Das Nein des hl. Offiziums bzw. der Glaubenskongegration war immerhin jahrzehntelang gültig  – bis Papst Johannes Paul II., der eine persönliche Verehrung für diese Ordensfrau pflegte, für einen kompletten Schwenk in dieser Causa sorgte:

Bereits als polnischer Bischof mit Namen Karol Wojtyla ließ er in den 60er Jahren sogar einen diözesanen Seligsprechungsprozeß für Sr. Faustyna durchführen. Zudem wies er die Pfarreien seines Bistums an, Bilder des „Barmherzigen Jesus“ in Pfarrkirchen wieder aufzuhängen, nachdem sie aufgrund der vatikanischen „Notifikation“ abgehängt worden waren. Dabei kann sich jeder an seinen fünf Fingern abzählen, daß der Vatikan seine handfesten theologischen Gründe gehabt haben wird, die zu seiner ablehnenden Haltung führten.

Es ist also jedem Katholiken völlig freigestellt, ob er diese „Visionen“  –  wie die Kirche unter Papst Johannes XXIII.  –  ablehnt oder sie im Sinne von Papst Johannes Paul II. befürwortet. Diese Meinungsfreiheit demonstrieren indirekt auch die Leserkommentare unter dem erwähnten Beitrag der Maria-lieben-Userin, die von Pro bis Contra wechseln oder unschlüssig erscheinen.

 Vor ca zehn Jahren erschien das Buch „Geschichte einer großen Sehnsucht“ (siehe Abbildung oben).christus

Darin beschreibt der Autor, Kaplan Ulrich Filler, das Leben und die Visionen von Sr. Faustine. Die Schrift ist immerhin differenziert und von Sachlichkeit geprägt, wenngleich sie eindeutig für den Kult um den Barmherzigkeits-Jesus eintritt.

Der Verfasser erwähnt aber immerhin, daß kirchlich „anerkannte“ Privatoffenbarungen für die Gläubigen nicht verbindlich sind, weil sie nicht zur „göttlichen Offenbarung“ (Bibel und Dogma) gehören, nicht einmal zum allgemeinen Glaubensgut der Kirche.

Ich frage mich ohnehin, warum der Himmel nach ca. zweitausend Jahren auf die Idee kommen sollte, die Lehre von der Barmherzigkeit Gottes wie etwas aufregend Neues zu präsentieren. Immer schon wurde das Erbarmen des Ewigen verkündet (übrigens bereits im Alten Testament), so daß dieser Kernpunkt biblischer Lehre nicht erst durch eine polnische Nonne „geoffenbart“ werden mußte.

Darüber hinaus scheint es in unserer Zeit wichtiger, die Heiligkeit und Gerechtigkeit Gottes wieder etwas stärker zu betonen, denn seine Gnade und Barmherzigkeit wird doch seit Jahrzehnten geradezu inflationär hervorgehoben.

Zurück zu Fillers Buch „Geschichte einer großen Seele“:

Auch er erwähnt auf S. 142 jene vatikanische Instruktion von 1959, in welcher den Bischöfen weltweit eingeschärft wurde, auf die Einhaltung des Verbotes betr. der Faustyna-Visionen zu achten. Die Verfügung des Hl. Offiziums wurde auch in den kirchl. Amtsblättern veröffentlicht.

Der Verfasser beschreibt die erste angebliche Christus-Erscheinung der Visionärin, die damals noch keine Ordensfrau war. Bei einer Tanzveranstaltung zeigte sich ihrchrkn der „entblößte“ (!) Jesus als leidender Heiland. Wer mag denn wirklich glauben, daß ihr der verklärte Gott-Mensch splitterfasernackt erschienen ist? 

Bekanntlich gehört zum Kreuzweg auch die Station „Christus wird seiner Kleider beraubt“.  –  Diese Aktion der römischen Soldaten sollte ihn demütigen und geschah gegen seinen Willen. Der Auferstandene ist weder den Frauen am Grab noch seinen Aposteln „entblößt“ erschienen. Warum sollte er es fast zweitausend Jahre später bei einer Ordensfrau plötzlich anders halten?

Auf S. 145 des Filler-Buches findet sich folgender Traum, der Sr. Faustine in einer Begegnung mit Therese von Lisieux angeblich zuteil wurde; er spricht wohl für sich – genauer: gegen die wahre Demut dieser „Seherin“, weil sich hier offenbar eine „Heilige“ in ihrer vermeintlichen „Heiligkeit“ gefällt  – so etwa wohl, als wäre man stolz auf die eigene „Demut“?!

Ich (Sr. Faustine) fragte sie: „Hl. Therese, sag mir, werde ich im Himmel sein?“ –  „Ja Schwester, Sie werden im Himmel sein“.  –  „Und werde ich heilig sein?“  – „Ja Schwester, Sie werden heilig sein.“   –  „Aber Therese, werde ich so heilig sein wie du  –  auf den Altären?“  – „Ja, du wirst heilig sein wie ich, aber du mußt Jesus vertrauen.“

Auf S. 64 wird erneut eine „Vision“ der „Seherin“ beschrieben, diesmal während einer Hl. Messe, in der sie die „Nähe“ Christi besonders „gespürt“ (!) habe:

 „Jesus, ich  möchte Dir so gerne etwas sagen.“  –  „Und was wünschest Du mir zu sagen?“  – „Jesus, ich bitte Dich kraft Deiner unbegreiflichen Barmherzigkeit, daß alle Seelen, die heute sterben, vor dem Feuer der Hölle bewahrt bleiben, auch wenn es die größten Sünder wären. Heute ist Freitag, der Gedenktag Deines bitteren Todes am Kreuz. Weil aber Deine Barmherzigkeit unbegreiflich ist, werden die Engel sich darüber nicht wundern.“  –  Jesus drückte mich an Sein Herz und sagte: „Geliebte Tochter, du hast die Tiefe meiner Barmherzigkeit gut erkannt. Ich werde tun, wie du bittest, aber vereinige dich ohne Unterlaß mit Meinem sterbenden Herzen und leiste Meiner Gerechtigkeit Genugtuung. Wisse, daß Du Mich um eine große Sache gebeten hast; aber ich sehe, daß sie dir die reine Liebe zu Mir diktiert hat, deshalb komme ich deiner Forderung entgegen.“

Hierzu ergeben sich aus katholischer Sicht folgende Fragen:   Kreuzkuppel

  1. Wie ist solch ein „Vorgang“ vereinbar mit der Lehre von der Willensfreiheit des Menschen, die Gott respektiert?  Wurden die Menschen, die an jenem Freitag starben, also allesamt in den Himmel oder ins Fegefeuer versetzt, auch wenn sie „eigentlich“ reif für die Hölle waren?!  Oder wurden sie vorher schnell von Gott zwangsbekehrt?!  – Im Gegensatz hierzu steht der biblische Bericht von den beiden Schächern am Kreuz, wobei einer sich bekehrte, der andere lästerte.
  2. Nachdem es also dem Kreuzesopfer unseres HERRN und Millionen von hl. Messen nicht gelang, zu erreichen, daß an einem einzigen Tag keine einzige Seele in die Hölle wandert,  klappt das mit Hilfe einer Bitte von Sr. Faustine mal eben im Vorübergehen? –  Ist die göttliche Lösung vor 2000 Jahren auf Golgotha sowie das höchste Sakrament der Kirche (hl. Messe) nicht optimal genug, um alle Heils-Chancen zu vermitteln?!
  3. Diese Causa mit einer Allerlösung (!) an einem bestimmten Freitag begünstigt die allgemeine Allerlösungs(Irr-)Lehre.  Denn wenn es einer Nonne mühelos gelingt, alle Seelen eines Tages per Appell an Christus zu „retten“, dann könnte doch  d a s , was dieser Freitag „bietet“,  grundsätzlich immer denkbar sein.   –   Offenbar ist das „Potential“ der göttlichen Barmherzigkeit nur nicht genügend ausgeschöpft worden, vermutlich weil der Kirche 2000 Jahre lang die Spezial-Andacht zum „Barmherzigen Jesus“ noch fehlte?!
  4. Diese Allerlösungs-Forderung der „Seherin“ ist keineswegs von der „reinen Liebe“ zu Christus geprägt (wie die „Erscheinung“ lobend konstatiert), sondern vielmehr  von der indirekten Unterstellung, die ewige Verdammnis sei nicht gerecht  –  und daher müsse Gott nur an seine Barmherzigkeit „erinnert“ werden, damit die Hölle 0022zugeklappt wird.

Dazu kommt, daß die „Visionärin“ hier eine angemaßte Mittlerfunktion zur umfassenden Seelenrettung einnimmt, die jene des priesterlichen Amtes weit übersteigt, ja anscheinend sogar jene des göttlichen Erlösers selbst.

Würde man in konservativ-katholischen Kreisen pro Frauenpriestertum plädieren, würde dies (mit Recht) Widerspruch hervorrufen.  Wenn jedoch eine Ordensfrau sich quasi-erlösende Vermittlerfunktionen zuspricht, soll das ok. sein und plötzlich allen Lobes wert? – Wo bleibt hier die (Theo-)Logik?

Offensichtlich fragwürdig erscheint mir zudem Folgendes:

  1. Durch die von der „Erscheinung“ geforderte Einführung des „Barmherzigkeits-Sonntags“ ausgerechnet am Sonntag nach Ostern wird der klassische „Weiße Sonntag“ verdrängt, also ein Sakrament, die (Erst-)Kommunion, wird durch ein „Fest“ ersetzt, das nur auf eine Privatoffenbarung zurückgeht. (Außerdem wird die liturgische Einheit der Osterzeit durchbrochen!)
  2. Das Sakrament der Beichte und der Krankensalbung bzw Letzten Ölung  wird verdrängt durch diverse „Andachtsübungen“ (Anrufungen und Novenen zum „Barmherzigen Jesus“ etc), zumal in den „Botschaften“ öfter suggeriert wird, es handle sich quasi um den „letzten Rettungsanker“ (!)  für die „Menschheit“ (!).
  3. Der überlieferte, fast 1000 Jahre alte Rosenkranz mit seinen 150 Ave-Marias wird indirekt weggeschoben durch den „Barmherzigkeits-Rosenkranz“, der schon seiner Kürze wegen bequemer ist, was n atürlich seine weite Verbreitung begünstigt.media-373855-2

Unsere Schlußfolgerung hieraus:

3 Sakramente und 1 Sakramentale (Rosenkranz) werden durch eine fragwürdige „Andacht“ verdrängt, wodurch unfaßbarer Schaden für das Heil der Seelen entsteht. Daher ist die gesamte „Botschaft“ der Sr. Faustine wegen ihrer problematischen Tendenzen nicht empfehlenswert.

Höchst bedenklich sind zudem die mit der Faustyna-Andacht verbundenen „Verheißungen“ samt absoluter Heilssicherheit. Laut Dogma (Konzil von Trient) gibt es, solange wir auf Erden leben, durchaus keine Heilsgewißheit. Dies wurde in Abgrenzung zu protestantischen Vorstellungen als unfehlbare Lehre definiert. Ein Dogma steht selbstverständlich  ü b e r  einer Privatoffenbarung.

Die Faustyna-Zusage (Wer das Barmherzigkeits-Bild verehrt, der ist gerettet) widerspricht diesem Glaubenssatz. Es wäre eine „billige Gnade“, des heiligen Gottes nicht würdig, wenn man sich allein aufgrund einer bestimmten frommen Übung das ewige Heil sichern könnte – frei nach der Devise: „Die Andacht allein macht selig“.  Dies entspräche einer pseudo-katholischen Variante zu Luthers Leitwort: „Der Glaube allein macht selig.“

Demgegenüber besteht die katholische Kirche darauf, daß auch die Beachtung der Gebote Gottes notwendig ist. Immerhin hat Christus selber gelehrt: „Willst Du zum Leben eingehen, dann halte die Gebote.“  (Mt 19,17)  – Wenn der sog. „Barmherzigkeits-Jesus“ etwas anderes verkündet, handelt es sich nicht um unseren Erlöser – so einfach ist das.

Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag in Münster und das Christoferuswerk, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt

Ergänzende Kritik am Faustine-Kult siehe hier: https://www.deutschland.world/home/katholische-schriften/der-herz-und-wundenlose-barmherzige-jesus/


Wir trauern um unsere Freundin und ehrenamtliche MITarbeiterin Ursula Reinsch

Von Felizitas Küble

Am heutigen Samstag, den 27. August 2016, ist unsere liebe KOMM-MIT-Freundin und ehrenamtliche Helferin Ursula Reinsch im gesegneten Alter von 90 Jahre verstorben. Die traurige Nachricht traf mich heute Vormittag ziemlich überraschend, wenngleich „unsere Ursel“ bereits schwerkrank war und in diesem Jahr mehrfach in der Klinik lag (auch vor drei Wochen war es wieder soweit).  Scannen0001 - Kopie - Kopie - Kopie

Als ich Ursula vor zwei Tagen im Klarastift besuchte, konnte sie noch kurze Worte sprechen, wenngleich sie schon recht müde wirkte, was ich vor allem auf das schwüle Wetter zurückführte.

Wir haben gemeinsam für einen älteren Freund, der zur Zeit im Krankenhaus liegt, gebetet. Besonders schön fand es Ursel immer, wenn ich ihr Psalmen, geistliche Hymnen oder klassische Gedichte vorlas. Gestern schien sie vormittags und nachmittags im Tiefschlaf zu sein, so daß ich sie nicht wecken wollte, doch rechnete ich nicht mit einem solch schnellen Heimgang in die Ewigkeit.

Ursula Reinsch und ich können seit Jahrzehnten am selben Tag unseren Geburtstag feiern, nämlich am 28. April. Dieses Mal fiel die „Party“ aber bescheiden aus und bestand aus gesundheitlichen Gründen (sie war schon seit einiger Zeit bettlägerig) nur aus Schokoladeneis mit Sahne. Trotzdem war die Stimmung gut, zumal Ursel von ihrem Gemüt und ihrer Lebenseinstellung her ein zufriedener Mensch war, der auch aus einer unerfreulichen Situation noch das Beste machte.

Leider ist unsere KOMM-MIT-Freundin vor 4 bis 5 Jahren weitgehend blind geworden, denn sie bekam Macula-Degeneration (Netzhautablösung). Dadurch konnte sie Menschen, Möbel und Gegenstände etc. nur noch in Umrissen erkennen.Scannen0001 - Kopie - Kopie - Kopie - Kopie

Das war auch der Grund, warum sie ihre ehrenamtliche Arbeit in unserem gemeinnützigen Christoferuswerk und KOMM-MIT-Verlag mit etwa 85 Jahren beenden mußte, was sie recht traurig stimmte, denn sie hat mit großer Freude, echtem Teamgeist, Regelmäßigkeit und Selbstverständlichkeit über 15 Jahre lang bei uns mitgeholfen.

Bis ins hohe Alter fuhr sie mit ihrem Elektro-Wägelchen ca zehn Kilometer hin und zurück, um bei uns z.B. für die Adressenverwaltung am Computer (!) zu sitzen, bei Versand und Buchhaltung mitzuarbeiten, Texte abzutippen oder unsere Manuskripte zu korrigieren.

Wir hatte immer viel Spaß mit ihrer humorvollen und geselligen Art, wie das Foto oben ahnen läßt, wo sie bei einem unserer Verlagsfeste ihre Kräfte stemmte…

Das zweite Bild zeigt Ursel mit unserer damaligen Buchhalterin Martina Bremshey beim 80. Geburtstag unseres Verlagsgründers Günter Stiff, der im September 2002 verstarb.Kurz vor seinem Tod hat sie ihn noch in der Klinik besucht.

Günter und Ursel waren immer ein fröhliches Gespann, die sich gegenseitig gerne neckten. Kein Wunder auch: Günter war ein typischer Rheinländer, immer gut gelaunt und zu Flaxereien aufgelegt – und unsere Ursula ist in Niederschlesien (Strehlen) aufgewachsen und kannte natürlich das Sprichwort, daß die Schlesier die „Rheinländer des Ostens“ seien. Jedenfalls verstand sie sich mit unserem Team und vor allem mit Günter hervorragend.  Scannen0002

Beide waren aber nicht nur lustig, sondern auch nachdenklich, vor allem, wenn es Weihnachten zuging. Dann gerieten Günter und Ursel in feierlich-romantische Stimmung  –  wie das dritte Foto zeigt, wobei unser Günter ein Stofftierchen von ihr geschenkt bekam, das er erfreut in der Hand hält…

Wenngleich Ursel evangelisch-konservativ (also evangelikal) war, sind wir uns in den meisten religiösen Fragen weitgehend einig gewesen. Als sie Anfang der 90er Jahre mit ihrer MITarbeit bei uns begann, fand sie es ganz selbstverständlich, gemeinsam mit uns das Kreuzzeichen beim Tischgebet zu machen.

Auch das Ave-Maria und den „Engel des HERRN“ betete sie gerne mit uns. Gerade die Marien- und Heiligenverehrung schätzte sie sehr an der katholischen Kirche, ebenso ihre Lehre über die Eucharistie bzw. das Altarsakrament. Die Lebensbeschreibungen von Heiligen suchte sie aus  Büchern heraus und tippte sie auf ihrer Schreibmaschine ab  – für jeden Heiligen ein eigenes Blatt.

Als Ursula noch lesen konnte, wünschte sie von mir zu Weihnachten das gerade erschienene Jesus-Buch von Papst Benedikt, ein Jahr später seine Meditationen über die Heilige Schrift. Mit diesem Pontifex fühlte sie sich eng verbunden. Ihre Frömmigkeit war christozentrisch und speiste sich stark aus der Bibel und geistlichen Liedern.

In ihrer Handtasche trug Ursel eine Anleitung zum Rosenkranzgebet sowie eine kleine Marienbroschüre. Zudem sammelte sie Madonnen-Postkarten aus aller Herren Länder und vielerlei Kunstepochen. In ihrer Wohnung stand eine geschnitzte Marienstatue mit Christkind aus schwarzem Elfenbein, die aus Afrika stammte. Scannen0001 - Kopie - Kopie

Als unser Verlagsleiter Günter Stiff verstarb, wir natürlich viel „um die Ohren hatten“ und eine Menge Dinge regeln mußten, fragte Ursula uns bei Tisch etwas verblüfft: „Sagt mal, wann gehen wir denn jetzt zu Günter und beten den Rosenkranz?!“ – Oho, dachte ich mir,  d a s  muß uns von evangelischer Seite gesagt werden, vielleicht hätten wir es sonst noch verbummelt…

Jedenfalls wußten wir nun, was die Stunde geschlagen hatte und fuhren mit Ursel los zum Beerdigungsinstitut  – gemeinsam mit unserem damaligen Praktikanten Olaf Pioch, unserer Ferienhelferin Michaela Koller (heute ist sie IGFM-Mitarbeiterin in Frankfurt) und mir.

Das letzte Foto zeigt Michaela, Ursel und Olaf  –  wir waren ein tolles Team und werden „unsere Ursel“ sehr vermissen, denn sie war ein warmherziger, hilfsbereiter und im guten Sinne frommer Mensch, zudem sehr belesen, vielseitig und vor allem bibelkundig.

Auch in ihrer evangelischen Kirchengemeinde (der Friedenskirche in Münster-Gremmendorf) war sie jahrzehntelang gerne aktiv, vor allem in der Evangelischen Frauenhilfe von Münster-Gremmendorf, wo sie noch bis Anfang dieses Jahres, wenn es irgendwie möglich war, an den monatlichen Treffen teilnahm, obwohl sie bereits einen Rollstuhl benötigte.

Als Ursel noch besser auf den Beinen war, besuchte sie öfter Vorträge und Seminare von katholischer wie von evangelischer Seite. Beruflich war Ursula vielseitig tätig, als Krankenschwester, Kontoristin, Stenotypistin, Sekretärin und als evang. Gemeindeschwester in Münster-Wolbeck.

Nun weilt unsere bewährte liebe Freundin seit dem heutigen Tage nicht mehr irdisch unter uns, doch in unserem Herzen und auch in unseren Gebeten bleibt sie unvergessen: R.I.P.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

HINWEISE: Der Trauergottesdienst ist am Mittwoch, den 7. September 2016, um 10 Uhr in der evangelischen Friedenskirche in Münster-Gremmendorf. Die Beisetzung um 11 Uhr auf dem 1 – 2 km entfernten Friedhof „Hohes Ufer“.

Kontakt: Felizitas Küble, 48167 Münster, Schlesienstr. 32, Tel. 0251-616768, Fax 0251-614020, Mail: felizitas.kueble@web.de

 


Lucia und Jacinta am 13. Oktober 1917 in Fatima: „Der Krieg geht heute zu Ende“

Von Felizitas Küble

In Europa sind zwei kirchlich genehmigte Marienerscheinungsorte besonders bekannt, nämlich Lourdes und Fatima.

Wenn die Kirche eine Privatoffenbarung approbiert (billigt, gestattet, „anerkennt“), dann bedeutet dies keine Glaubensverpflichtung für Katholiken, sondern lediglich eine Erlaubnis zur Zustimmung. Erscheinungen sind also weder heilsnotwendig noch Bestandteil des Glaubensgutes („depositum fidei“) oder der amtlichen kirchlichen Verkündigung.fatima-von-anfang-an Daher ist den Gläubigen eine sachliche Kritik an Privatoffenbarungen seit jeher erlaubt.

Das 360 Seiten starke Buch „Fatima von Anfang an“ gehört zwar durchaus zur Fatima-begeisterten Literatur, ist aber nicht in allem stromlinienförmig; so wird zB. den Aussagen von Sr. Lucia nicht immer voll zugestimmt und die Erzählweise der Publikation ist insgesamt recht nüchtern.

Dieses Buch von Pater Joao de Marchi schildert u. a. die Befragung von Seherkindern durch Prof. Dr. Formigao am Abend des 13. Oktober 1917, also einige Stunden nach dem spektakulären Sonnenwunder in der Nähe von Fatima.

Dabei wird das damalige Protokoll des portugiesischen Geistlichen zitiert  –  auch das Gespräch mit Jacinta (S. 201):

Der Priester fragte das Seherkind: „Was hat die Dame gesagt?“  – „Sie sagte, wir sollen jeden Tag des Rosenkranz beten, und daß der Krieg heute zu Ende geht.“  – „Zu wem sagte sie das?“ – „Zu Lucia und mir, Francisco hörte nichts.“

Was nun das Interview mit Lucia am selben Abend betrifft, so ist die entsprechende Stelle gestrichen worden. Auf die Frage, was Maria ihr kurz vor dem Beginn des Sonnenwunders mitgeteilt habe, antwortete die Seherin demzufolge (S. 199):

„Sie sagte, wir sollen unser Leben bessern und unseren Herrn  nicht mehr beleidigen, der sei schon so viel beleidigt worden und daß wir täglich den Rosenkranz beten und um Verzeihung unserer Sünden bitten sollen.“

In Wirklichkeit geht es an dieser Stelle in Dr. Formigaos Protokoll wie folgt weiter: „….daß der Krieg heute aufhören werde und daß wir unsere Soldaten sehr bald erwarten sollen.“

„Ernsthafte Zweifel an der Echtheit“

Nachdem der Krieg an diesem Tag des Sonnentanzes keineswegs zu Ende ging (sondern erst im nächsten Jahr), fragte Dr. Formigao die Seherkinder am 19. Oktober 1917 noch einmal. Dieses Protokoll wird in dem erwähnten Buch ab S. 205 wiedergegeben. 0022

Eingangs heißt es: „Am 13. Oktober sagten beide, Lucia wie auch Jacinta, daß sie aus dem Mund der Seligen Junfrau die Worte „Der Krieg wird heute zu Ende gehen“ gehört hatten.“ 

Der Verfasser dieses Pro-Fatima-Buches räumt ein: „Diese Aussage der Seher konnte ernsthafte Zweifel an der Echtheit der Erscheinungen hervorrufen“.

Daher habe sich Dr. Formigao am 19. Oktober erneut zu den Kindern aufgemacht, um sie zu befragen.

Jacinta reagierte zunächst eher ausweichend („sie sagte, der Krieg würde zu Ende gehen“) und verwies auf Lucia, weil diese die Erscheinung besser verstanden habe. Lucia blieb ihrer ursprünglichen Aussage treu und beharrte zweimal darauf („Ich weiß nur, daß ich sie sagen hörte, der Krieg gehe an diesem Tag zu Ende“), wobei bereits klar war, daß diese Ankündigung ein Irrtum war.

Wie aus der wissenschaftlichen Studie „Rosenkranz und Kriegsvisionen“ von Monique Scheer hervorgeht, worin jenes Protokoll ausführlicher abgedruckt ist, hat sich Lucia im weiteren Verlauf des Interviews dann doch noch verunsichert geäußert: „Ich erinnere mich schon nicht mehr gut, was sie (Maria) sagte. (…) Vielleicht habe ich Unsere Liebe Frau nicht gut verstanden.“ – Und Jacinta erklärte auf erneute Nachfrage, wann der Krieg zu Ende gehe: „Ich glaube, er geht am Sonntag zu Ende.“ – Dies war dann freilich auch nicht der Fall (vgl. S. 52).

„Widersprüchliche oder unklare Aussagen“

Abschließend schreibt Pater Joao de Marchi, der Buchautor, trotz seiner sonstigen Fatima-Anhänglichkeit folgendes dazu: „Wie man sieht, handelt es sich bei der Frage, das Ende des Krieges betreffend, um widersprüchliche oder unklare Aussagen.“

Auf S. 211 schildert der Verfasser die kirchenamtliche Befragung der Untersuchungskommission vom 8. Juli 1924. Auch dort habe Lucia  – ca sieben Jahre nach dem Ereignis – daran festgehalten, daß die Madonna betreff des Kriegsendes von „heute“ gesprochen habe. 

Zugleich erwähnte sie damals eine ganz neue Variante hinsichtlich ihrer Cousine Jacinta, denn diese habe ihr „später“ gesagt, die Gottesmutter habe am 13. Oktober 1917 folgendes mitgeteilt: „Die Menschen müssen sich bekehren, der Krieg wird innerhalb eines Jahres zu Ende gehen.“ 

Diese Version taucht allerdings in den drei diesbezüglichen Gesprächen von Dr. Formigao mit Jacinta nicht auf. Dort hat sie beim ersten Mal „heute“ gesagt, dann beim zweiten Interview (wie bereits erwähnt) verunsichert auf Lucia verwiesen, beim dritten Mal (am 2. November 1917) plötzlich wieder eindeutig „heute“ gesagt (vgl. S. 213).   Titel

Vom schwierigen Umgang mit einer Schwierigkeit

Im Fatima-Schrifttum wird das offensichtliche Problem größtenteils auf zweifache Weise umgangen:

Teilweise bleibt diese HEUTE-Aussage einfach unerwähnt, so etwa in dem weitverbreiteten Buch „Rom – Moskau – Fatima“ von Pater Dr. Otto Bohr. Dort werden die Ereignisse des 13. Oktober 1917 zwar auf 14 Seiten breit geschildert, dieser Satz aber ausgelassen.

Neben Kürzungen gibt es unrichtige Darstellungen, die da lauten: „Der Krieg geht seinem Ende entgegen“ (das wäre ohnehin eine banale Aussage des Himmels, zumal jeder Krieg mal seinem Ende entgegengeht)  – oder „Der Krieg geht bald seinem Ende entgegen.“

Eine weitere Variante, diese Schwierigkeiten zu umgehen, besteht darin, sie in eine Wenn-Dann-Prophetie umzuwanden.  So heißt es in dem vom Clarentinerpater Abilio Ribeiro verfaßten Buch „Fatima  – Botschaft und Weihe“ auf S. 22: „Wenn die Menschen sich bessern, wird der Krieg heute noch zu Ende gehen.“  –  Es ist zwar hier zutreffend das Wort „heute“ erwähnt, aber eine ursprünglich nicht vorhandene WENN-Einschränkung vorgenommen: „Wenn die Menschen sich bessern…“Buch

Eine gewisse Glättung der Problematik wird auch darin erkennbar, bei diesem Thema nicht mehr wörtlich zu zitieren, sondern auf eine indirekte Schreibweise umzusteigen, so zB. in dem bekannten Buch „Fatima und Pius XII.“, das der katholische Verlagsleiter Johannes M. Höcht verfaßte. Dort kann man lesen: „Der Krieg gehe dem Ende entgegen.“ (S. 75)

Prof. Fonseca verbannt das Problem in Fußnoten

Das bekannteste Fatima-Buch ist wohl der Klassiker „Maria spricht zur Welt“ von Prof. Dr. Gonzaga de Fonseca.

Er schreibt in der 18. Auflage hierzu auf S. 91 hinsichtlich der Äußerungen Lucias betr. dieser Marienbotschaft: „Sie fügte hinzu, der Krieg gehe dem Ende entgegen und die Soldaten würden bald heimkehren.“Fatima

Allerdings wird immerhin in einer Fußnote erwähnt, Lucia und Jacinta hätten bei verschiedenen Befragungen geäußert, die Madonna habe gesagt: „Der Krieg wird heute zu Ende gehen….“ (Es wird danach versucht, diese Aussagen zu relativieren.)

In dem 1975 erschienenen Buch „Schwester Lucia spricht über Fatima“ berichtet die Seherin selbst auf S. 158 über die Ereignisse des 13. Oktobers. Dort wird die Marienbotschaft von ihr wie folgt zitiert:

„Ich möchte dir sagen, dass hier eine Kapelle zu meiner Ehre gebaut werden soll; ich bin unsere Liebe Frau vom Rosenkranz; man soll weiterhin täglich den Rosenkranz beten. Der Krieg geht zu Ende und die Soldaten werden in Kürze nachhause zurückkehren.“

Auf S. 159 gibt es dazu aber ein „Nachwort“ von ihr, das Sei damals an ihren Bischof sandte. Darin heißt es:

„Ich hatte so viel damit zu tun, mich an die zahllosen Gnaden zu erinnern, um die ich Unsere Liebe Frau bitten sollte, dass mir dadurch möglicherweise ein Irrtum unterlaufen ist, als ich nämlich sagte, der Krieg werde am selben Tag, dem 13., zu Ende gehen.“

Tatsache ist also: Die Hauptseherin Lucia beharrte von 1917 bis 1924 auf dem Wort HEUTE. Wenn dies auch ein objektiver Irrtum war, so wollte sie diesem immerhin persönlich „treu“ bleiben und sich nicht hinterher um ihre Ursprungs-Worte „herummogeln“.

Ende der 30er Jahre, als sie für den damaligen Diözesanbischof eine Niederschrift über die Fatima-Ereignisse anfertigte, kehrte sie diesen Ausdruck zunächst unter den Tisch, um dann in einem Nachwort den damaligen Fehler endgültig einzuräumen.

Abschließend noch eine Bemerkung zur  –  ebenfalls von Lucia erzählten  –  Marienbotschaft vom 13. Oktober 1917, dem Tag des Sonnenwunders: „Sie sagte, wir sollen unser Leben bessern und unseren Herrn  nicht mehr beleidigen, der sei schon so viel beleidigt worden und daß wir täglich den Rosenkranz beten und um Verzeihung unserer Sünden bitten sollen.“ 

Schön und gut, aber warum ist hier nicht von der Beichte die Rede? Wäre das nicht sehr passend?  –  Natürlich ist der Rosenkranz ratsam und die Reue bzw. Bitte um Verzeihung unentbehrlich. Das ändert nichts daran, daß das Sakrament der Buße bei schweren Sünden notwendig und bei läßlichen Sünden sehr empfehlenswert ist.

WEITERE ARTIKEL zum Thema Fatima, Sonnenwunder usw. hier: https://charismatismus.wordpress.com/category/fatima-und-thema-sonnenwunder/

Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.


Die Engelserscheinungen von 1916 und das Schweigen der Seherkinder von Fatima

Von Felizitas Küble

Derzeit wird in katholischen Zeitungen und Zeitschriften, in Sonderblättern und Themenheften vielfach auf das hundertjährige Jubiläum der Engelserscheinungen von Fatima hingewiesen, die dort in Portugal im Jahre 1916 stattgefunden haben sollen  –  also ein Jahr vor den weltbekannten Marienerscheinungen. fatima-ruft-2-2016

In der schwäbischen Gebetsstätte Marienfried findet anläßlich dieser Vorgänge von 1916 sogar ein dreitägiges Symposium mit hochrangiger Besetzung statt, das am Montag, den 18. Juli 2016 beginnt. (Plakat siehe hier: http://www.marienfried.de/new/index_htm_files/Grosser%20Gebetstag%202016%20Plakat__.pdf)

FOTO: Titelbild eines Themenheftes der Zeitschrift „Fatima ruft“ über die Engelserscheinungen von 1916

Was jedoch in fast allen Vorträgen und Veröffentlichungen unerwähnt bleibt (sei es bewußt oder wohl eher doch aus mangelnder Kenntnis der Sachlage), ist die merkwürdige Tatsache, daß die drei Seherkinder von Fatima damals über diese immerhin monatelang andauernden Engelsvisionen komplett geschwiegen haben.

Daß die Phänomene überhaupt stattgefunden haben sollen, erfuhren Welt und Kirche erst mehr als zwei Jahrzehnte später von Sr. Lucia, der einzig noch lebenden Seherin von Fatima.

Die beiden anderen Visionärinnen, nämlich Jacinta und Francesco, waren krankheitsbedingt schon im Kindesalter verstorben. Aber auch sie haben ebenso wie Lucia bei den Befragungen durch Ortspfarrer Manuel Ferreira (der zwar anfangs, aber später nicht mehr an die Fatima-Erscheinungen glaubte und sich daher in eine andere Pfarrei versetzen ließ) oder sonstige Kirchenvertreter kein Wort von jenen Begegnungen mit dem Engel berichtet, der sich den drei kleinen Hirtenkindern als „Schutzengel Portugals“ und als „Engel des Friedens“ vorgestellt hatte.

Unter den drei Hirtenkindern von Fatima spielt Lucia   –  die älteste von ihnen  –  die Hauptrolle; sie allein sprach mit der Marienerscheinung, Jacinta konnte sie nur anschauen und anhören. Francisco hingegen konnte sie nicht einmal hören, sondern nur sehen (und natürlich hören, was Lucia sagte). Somit ist Lucia eindeutig die Hauptseherin. Lucia als Nonne

Als einige Jahre nach den Marienerscheinungen eine bischöfliche Untersuchungs-Kommission eingerichtet wurde, in der Lucia (die anderen beiden Kinder waren schon verstorben) eingehend befragt wurde, hat sie sich mit keiner Silbe über jene Engelserscheinungen geäußert.

Dabei besteht freilich eine strenge Pflicht, die ihr auch bekannt war, gegenüber den kirchlichen Vertretern alle Einzelheiten über die erlebten Kundgaben und Botschaften des Himmels zu berichten. Diese Forderung ist völlig berechtigt und logisch: Wie soll eine Kommission sonst imstande sein, ein vernünftiges, sachgerechtes Urteil über eine „Privatoffenbarung“ zu fällen, wenn ihr wesentliche Merkmale und Vorgänge nicht bekannt sind?

Tatsache ist aber, daß die Visionärin Lucia dos Santos (siehe Foto) erst Jahrzehnte später, als sie längst als Ordensfrau in einem Kloster lebte, erstmals über jene Engelserscheinungen von 1916 Auskunft gab. Daher findet man in der älteren Fatima-Literatur bis Ende der 30er Jahre keinerlei Hinweise darauf, natürlich auch nicht in den Akten der kirchlichen Untersuchungskommission.

Sr. Lucia begann erst in den Jahren 1936 bis 1941, bislang von ihr komplett verschwiegene Vorgänge im Zusammenhang mit den Fatima-Erscheinungen aufzuschreiben und ihrem Diözesanbischof zu übermitteln. Über jene Engelsvisionen berichtet sie in ihrer sog. „Zweiten Erinnerung“, die sie am 21. November 1937 zu Ende schrieb.sievernich

Das bedeutet, daß sie über zwanzig Jahre nach jenen Engelsvisionen erstmalig darüber informiert hat. Die Frage stellt sich, ob sie denn nach so langer Zeit wirklich noch alle Einzelheiten (einschließlich z.T. recht langer Gebete des Engels) wissen konnte? Und mit welcher Berechtigung hat sie diese Vorgänge so lange verschwiegen?

„Nach 20 Jahren schlug diese Enthüllung wie eine Bombe ein“, schreibt Pater J. de Marchi auf S. 8 in seinem Buch „Fatima von Anfang an“.

Warum hat Sr. Lucia gewartet, bis am 13. Mai 1930 die bischöfliche Approbation (Billigung, Erlaubnis) der Fatima-Erscheinungen erfolgte – und erst viele Jahre später Auskunft über jene drei Engelserscheinungen gegeben? (Der zuständige Bischof von Leiria hat den Glauben an Fatima natürlich  – wie kirchlich in solchen Fällen üblich  –  nicht etwa vorgeschrieben, sondern lediglich erlaubt; wörtlich heißt es in seinem Dekret, daß „die öffentliche Verehrung Unserer Lieben Frau von Fátima gestattet“ sei.)

Dazu kommt, daß Lucia die einzige „Zeugin“ dieser Ereignisse ist, nachdem die beiden anderen Seherkinder schon lange verstorben waren. Es hängt somit das gesamte Geschehen von 1916 allein an ihrer persönlichen Glaubwürdigkeit.

Hier stellt sich aber die Frage, warum sie nicht nur die drei bekannten und vieldiskutierten „Geheimnisse“ von Fatima jahrzehntelang für sich behielt, sondern auch diese Engelsvisionen, obwohl sie doch in keinerlei Zusammenhang mit den sog. Geheimnissen stehen.

Am 13.2.2005 stirbt Lucia dos Santos im Alter von 97 Jahren in ihrem Kloster in Coimra. Der portugiesische Ministerpräsident Pedro S. Lopes ordnete damals eine landesweite Staatstrauer an, war die Verstorbene doch die weltbereit berühmteste Seherin des Landes.

Angeblich soll sie ihren Todestag schon im voraus gewußt und angekündigt haben, wie in einigen Fatima-Zeitschriften zu lesen ist. Freilich fragt man sich nach dem theologischen Sinn eines solchen Mirakels. Zudem hätte man gerne gewußt, warum dies angebliche Vorauswissen des eigenen Sterbe-Tages erst  n a c h  ihrem Tod bekannt wurde. Solche „Nachher-Prognosen“ gibt es öfter in der Causa Fatima!

Weitere Infos zu den Engelserscheinungen: https://charismatismus.wordpress.com/2014/03/09/fatima-fragen-zum-gebet-des-engels/

Hier Nachfragen und Einwände zum Fatima-Zusatz (Rosenkranz): https://charismatismus.wordpress.com/2014/03/06/warum-der-fatima-zusatz-nicht-zum-eigentlichen-rosenkranzgebet-gehort/