Freiburg: Fachschaft Katholische Theologie wirbt mit Karl Marx als „Jesus“

Von Felizitas Küble

Bei der Fachschaft Katholische Theologie in Freiburg (Schwarzwald) ist man Kummer gewohnt  – etwa als dort unlängst für Maria 2.0 mit einem sexistischen Motiv bei der Darstellung der Madonna „geworben“ wurde. (Siehe hier: https://charismatismus.wordpress.com/?s=freiburg+maria)
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Damit nicht genug, geht diese Theologenschaft jetzt  einen provokanten Schritt weiter und verunglimpft den auferstandenen Christus (siehe Foto).
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Das Reklameplakat für einen Vortrag des häretischen Professors Magnus Striet am 18. November in Freiburg zeigt die Figur  Jesu mit einer siegreichen Auferstehungsfahne in der Hand – sein Gesicht ersetzt durch das Konferfei von Karl Marx. In der weißen Fahne ist das marxistische Hammer-und-Sichel-Symbol enthalten.
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„Wäre Jesus Sozialist gewesen?“ – so lautet der Titel des Referats von Dr. Striet – wobei Marx allerdings nicht „nur“ Sozialist war, sondern Kommunist (so heißt auch sein bekanntes Manifest).
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Man stelle sich nur vor, rechtsradikale Gruppen würden einen Vortrag zum Thema „Wäre Jesus ein Nationalsozialist gewesen?“ organisieren und das Haupt Christi durch ein Bild von Hitler oder Goebbels austauschen – die Empörung wäre zu Recht sehr groß.
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Passenderweise erwähnt das Plakat  – sei es als Reklame, sei es als Mit-Organisator – links unten auch die Jungsozialisten (Hochschulgruppe Freiburg) mit ihrem Logo. Dieser SPD-Jugendverband ist schon lange mehr marxistisch als sozialdemokratisch orientiert. Er wirbt jedenfalls begeistert für die Veranstaltung: https://www.facebook.com/JusoHsG.Freiburg/photos/gm.930935243950529/10159069117394816/?type=3&theater
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Man kann wohl davon ausgehen, daß Prof. Striet darüber im Bilde ist, auf welch blasphemische Weise für seinen Vortrag geworben wird. Andernfalls hätte er sich von diesem Plakat öffentlich distanzieren können.
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Zudem ist Bischof Burger von Freiburg jetzt gefordert   – immerhin handelt es sich hier um eine katholische Theologenschaft, was ihn als verantwortlichen Oberhirten durchaus etwas angeht.
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Es gibt kaum ein grundlegendes Glaubensdogma, das Prof. Striet nicht leugnet – siehe hier: https://charismatismus.wordpress.com/2013/05/15/absurde-welten-ein-katholischer-theologe-leugnet-das-abc-des-christentums/

Das Skandal-Transparent in der Freiburger Universitätskirche wurde abgehängt

In Freiburg hing im Rahmen der Aktion „Maria 2.0“ an der katholischen Universitätskirche ein riesiges Textil-Banner das die Darstellung einer betenden Gottesmutter mit einer Vulva kombinierte, wobei sich das Mariengewand in Form einer entblößten Vagina öffnet.

Das Skandalbild war ebenso geschmacklos wie sittenwidrig war und beinhaltete eine üble Herabsetzung und Verspottung der Jungfrau Maria.  (Es ist wohl klar, daß wir dieses würdelose Bild hier nicht „dokumentieren“.)

In der Aufschrift des Transparents, das die „Fachschaft Theologie“ aufgehängt hatte, war zu lesen: „Maria 2.0 gegen Missbrauch und die Ausgrenzung von Frauen in der Kirche.“ 

Als ob ausgerechnet eine solch sexistische Darstellung sich als Symbol gegen „Missbrauch“ eignet – und ein Zeichen im Sinne der Frauenwürde ist es noch weniger.

Zuständiger Präfekt dieser Uni-Kirche ist kein Geringerer als der Priester und Theologe Prof. Dr. Eberhard Schockenhoff, der noch vor zehn Jahren als eher konservativ galt.

Es gab zahlreiche Proteste gegen das Skandal-Banner im Internet – darunter eine Petition – und Beschwerden aus dem empörten Kirchenvolk. Dies führte dazu, daß das Transparent am vergangenen Samstag entfernt wurde. Offenbar war dem bischöflichen Ordinariat der Druck aus der Basis zu stark geworden, so daß es die Notbremse zog.

Auch unsere Leserin Marion F. aus dem Bistum Freiburg hatte sich per Mailbrief an Diözesanbischof Burger gewandt und ihm folgendes geschrieben: 

Sehr geehrter Herr Bischof Burger,

bitte unternehmen Sie etwas gegen solche Aktionen: Diese Abscheulichkeit hängt an der Kirche der Albert-Ludwigs-Universität zu Freiburg! Aufgehängt hat es die Fachschaft der Theologischen Fakultät der ALU Freiburg. Dies ist eine abgrundtiefe Beleidigung der Heiligen Jungfrau Maria! 
Ich hoffe sehr, Sie reagieren angemessen!!!
Mit freundlichen Grüßen,
Marion F…

BILD: Eine würdige, ikonenartige Darstellung Mariens mit ihrem göttlichen Sohn

Am 17. Mai  – also einen Tag vor dem Entfernen des Transparents  – erhielt die katholische Familienmutter folgende Antwort des bischöflichen Pressesprechers Dr. Michael Hertl, wobei er die Betreiber der Verunehrung Mariens als „engagierte Christinnen“ würdigt:

Sehr geehrte Frau F….,

Ihre Zuschrift bezüglich des Unterstützungs-Plakates der Aktion „Maria 2.0“ an der Fassade der Freiburger Universitätskirche haben wir erhalten.

Erzbischof Stephan Burger ist darüber im Gespräch mit dem zuständigen Kirchenrektor, der das Aufhängen des Transparents für eine begrenzte Zeit genehmigt hat. Diese zeitliche Begrenzung der Erlaubnis stellt einen Kompromiss zwischen dem Anliegen engagierter Christinnen innerhalb der Hochschulgemeinde und der Ablehnung der Aktion durch andere dar.

Wir bitten Sie um Verständnis und Toleranz, damit eine inhaltliche Auseinandersetzung möglich und keine weitere Eskalation heraufbeschworen wird.

Mit freundlichen Grüßen,
Dr. Michael Hertl

Daraufhin antwortete unsere Leserin dem Freiburger Pressesprecher mit einigen Klartext-Zeilen, die einmal mehr aufzeigen, daß manche Christen heutzutage glaubensstärker und mutiger sind als etliche höhere Kirchenvertreter: 

Sehr geehrter Herr Dr. Hertl,

danke für Ihre schnelle Antwort. Ich muß mich doch allerdings wirklich wundern, wie ein Kirchenrektor zu solch einem Transparent seine Zustimmung geben konnte.

Die Abbildung stellt ohne Frage eine absolute Verunglimpfung der Heiligen Jungfrau Maria dar. Ihre Formulierung läßt mich auch aufhorchen: ein „Kompromiss“ zwischen „engagierten“ Christinnen? Es sind wohl eher ungläubige oder verwirrte Christinnen.

Die Bibel, also Gott höchstpersönlich, spricht klar über die Rolle der Frau. Dies stellt keine Diskriminierung dar, sondern die ORDNUNG GOTTES! Soweit ich weiß, ist dies auch die Lehre der katholischen Kirche.

Die „Ablehnung der Aktion durch andere“ sehe ich als UNBEDINGTE und RICHTIGE Reaktion eines jedem Christen, der noch die nüchterne und in unserer heutigen Zeit unbedingt erforderliche Gabe der Unterscheidung der Geister besitzt. Ich stelle mich selbst auf die Seites eines jeden solchen Christen!

Ich habe für solche blasphemischen Aktionen weder Verständnis noch Toleranz und hoffe, dass der Bischof – seines Amtes nach „Aufseher“ über seiner ihm anvertrauten Kirche – angemessen reagiert.

Eine Eskalation wird allein mit dem Aufhängen solcher unchristlichen Aktionen „heraufbeschworen“!

Mit freundlichen Grüßen
Marion F.


Freiburg: Junger Afghane ermordete Studentin

Im Fall der ermordeten Medizinstudentin Maria L. hat die Polizei einen Tatverdächtigen verhaftet. Es handelt sich dabei um einen 17 Jahre alten afghanischen Flüchtling. Der Verdächtige habe bislang keine Angaben gemacht, teilten die Ermittler auf einer Pressekonferenz am gestrigen Samstag mit. Der Mann soll 2015 illegal nach Deutschland eingereist sein. Er war bei einer Familie untergebracht.Facebook-Zitat-Stein

Ausschlaggebend war vor allem ein „markantes Haar“, das rund 18 Zentimenter lang, schwarz und blond gefärbt in der Nähe des Tatorts gefunden wurde. Anhand von Videoaufzeichnungen gelang es den Ermittlern daraufhin, einen jungen Mann mit einer auffälligen Frisur in einer Straßenbahn zu entdecken.

Der leblose Körper der Studentin war am 16. Oktober an der Dreisam hinter dem Freiburger Schwarzwald-Stadion gefunden worden. Sie war laut Polizei mit ihrem Fahrrad auf dem Rückweg von einer Studentenparty, als sie am Ufer des Flusses von einem Unbekannten vergewaltigt und ermordet wurde.

Ermittler konnten an dem Körper der Toten später männliche DNS sicherstellen. Zudem wurde in der Nähe des Tatorts ein Fahrrad gefunden, auf dem dieselbe männliche DNS gefunden worden war. Insgesamt hatte die „SoKo Dreisam“ mehr als 100 Spuren gefunden.

Wenige Wochen nach dem Mord an Maria L. wurde in dem rund 30 km entfernten Endingen die Joggerin Carolin G. vergewaltigt und ermordet. In diesem Fall wurden bislang noch keine brauchbaren DNS-Spuren des Täters gefunden. Die Polizei kann einen Zusammenhang zwischen den beiden Taten deshalb nicht ausschließen.

Die JUNGE FREIHEIT hatte Mitte November berichtet, daß die Polizei nicht das gesamte DNS-Material vollständig auswerten darf. Neben der DNS-Spur selbst und dem Geschlecht dürfen laut Strafprozeßordnung keine weiteren Merkmale ausgewertet werden.

Quelle: Wochenzeitung JUNGE FREIHEIT


Wortlaut der Papst-Predigt bei der Jugendvigil in Freiburg am 24.9.2011

„Wagt es, glühende Heilige zu sein!“

Liebe jungen Freunde!

Ich habe mich den ganzen Tag auf diesen Abend gefreut, hier mit euch zusammen zu sein und Gemeinschaft im Gebet mit euch zu haben.

Einige von euch werden schon beim Weltjugendtag dabei gewesen sein, wo wir die besondere Atmosphäre der Ruhe, der tiefen Gemeinschaft und der inneren Freude erleben durften, die über einer abendlichen Gebetsvigil liegt.

Diese Erfahrung wünsche ich uns auch für diesen Moment: dass der Herr uns anrühre und zu frohen Zeugen mache, die miteinander beten und füreinander einstehen, nicht nur heute Abend, sondern unser ganzes Leben.

In allen Kirchen, in den Domen und Klöstern, überall wo sich die Gläubigen zur Feier der Osternacht versammeln, wird die heiligste aller Nächte mit dem Entzünden der Osterkerze eröffnet, deren Licht an alle Anwesenden weitergereicht wird. Eine winzige Flamme verbreitet sich im Kreis vieler Lichter und erhellt das dunkle Gotteshaus.

In diesem wunderbaren liturgischen Ritus, den wir in dieser Gebetsvigil nachgeahmt haben, offenbart sich uns in Zeichen, die mehr sagen als Worte, das Geheimnis unseres christlichen Glaubens.

Er, der von sich sagt: „Ich bin das Licht der Welt“ (Joh 8,12), bringt unser Leben zum Leuchten, damit wahr wird, was wir soeben im Evangelium gehört haben: „Ihr seid das Licht der Welt“ (Mt 5,14).

Es sind nicht unsere menschlichen Anstrengungen oder der technische Fortschritt unserer Zeit, die Licht in diese Welt bringen. Immer wieder müssen wir es ja erleben, dass unser Mühen um eine bessere und gerechtere Ordnung an seine Grenzen stößt.

Das Leiden der Unschuldigen und letztlich der Tod eines jeden Menschen sind ein undurchdringliches Dunkel, das vielleicht von neuen Erfahrungen her für einen Moment, wie durch einen Blitz in der Nacht, erhellt werden mag. Am Ende bleibt aber doch eine beängstigende Finsternis.

Es mag um uns herum dunkel und finster sein   –  und doch schauen wir ein Licht: eine kleine, winzige Flamme, die stärker ist als die so mächtig und unüberwindbar scheinende Dunkelheit.

Christus, der von den Toten auferstanden ist, leuchtet in dieser Welt und gerade dort am hellsten, wo nach menschlichem Ermessen alles düster und hoffnungslos ist. Er hat den Tod besiegt  –  Er lebt  –  und der Glaube an ihn durchbricht wie ein kleines Licht all das, was finster und bedrohlich ist.

Wer an Jesus glaubt, hat sicherlich nicht immer Sonnenschein im Leben, so als ob ihm Leiden und Schwierigkeiten erspart bleiben könnten, aber stets gibt es da einen hellen Schein, der ihm einen Weg zeigt, der zum Leben in Fülle führt (vgl. Joh 10,10). Wer an Christus glaubt, dessen Augen schauen auch in der dunkelsten Nacht ein Licht und sehen schon das Leuchten eines neuen Tages.

Das Licht bleibt nicht allein. Rings herum flammen weitere Lichter auf. In ihrem Schein erhält der Raum Konturen, so dass man sich orientieren kann. Wir leben nicht allein auf der Welt. Gerade in den wichtigen Dingen des Lebens sind wir auf Mitmenschen angewiesen. S

o stehen wir besonders im Glauben nicht allein, wir sind Glieder in der großen Kette der Gläubigen. Niemand kann glauben, wenn er nicht durch den Glauben der anderen gestützt wird  – und durch meinen Glauben trage ich wiederum dazu bei, die anderen in ihrem Glauben zu stärken.

Wir helfen uns, einander Vorbilder zu sein, lassen die anderen am Unsrigen teilhaben, unseren Gedanken, unseren Taten, unserer Zuneigung. Und wir helfen einander, uns zurechtzufinden, unseres Standpunkts in der Gesellschaft gewahr zu werden.

Liebe Freunde: „Ich bin das Licht der Welt – Ihr seid das Licht der Welt“, sagt der Herr. Es ist geheimnisvoll und großartig, dass Jesus von sich selbst und von jedem von uns das gleiche sagt, nämlich „Licht zu sein“.

Wenn wir glauben, dass Er der Sohn Gottes ist, der Kranke geheilt und Tote erweckt hat, ja selbst aus dem Grabe erstanden ist und wirklich lebt, so verstehen wir, dass er das Licht, die Quelle aller Lichter dieser Welt ist.

Wir dagegen erleben doch immer wieder das Scheitern unserer Bemühungen und das persönliche Versagen trotz bester Absichten. Die Welt, in der wir leben, wird trotz des technischen Fortschritts scheinbar letztlich nicht besser. Noch immer gibt es Krieg und Terror, Hunger und Krankheit, bittere Armut und erbarmungslose Unterdrückung.

Und auch die, die sich in der Geschichte als „Lichtbringer“ verstanden haben, ohne aber von Christus, dem einzigen und wahren Licht entzündet zu sein, haben gerade kein irdisches Paradies geschaffen, sondern Diktaturen und totalitäre Systeme errichtet, in denen selbst der kleinste Funke wahrer Menschlichkeit erstickt wurde.

An diesem Punkt dürfen wir nicht darüber schweigen, dass es das Böse gibt. Wir sehen es an so vielen Orten in dieser Welt; wir sehen es aber auch  – und das erschreckt uns  –  in unserem eigenen Leben.

Ja, in unserem eigenen Herzen gibt es die Neigung zum Bösen, den Egoismus, den Neid, die Aggression. Mit einer gewissen Selbstdisziplin lässt sich das vielleicht einigermaßen kontrollieren.

Schwieriger wird es aber mit einem eher verborgenen Schlechtsein, das sich wie ein dumpfer Nebel auf uns legen kann, und das ist die Trägheit, die Schwerfälligkeit, das Gute zu wollen und zu tun.

Immer wieder in der Geschichte haben aufmerksame Zeitgenossen darauf hingewiesen: Der Schaden der Kirche kommt nicht von ihren Gegnern, sondern von den lauen Christen. Aber wie kann Christus dann sagen, die Christen und damit wohl auch diese schwachen und oft so lauen Christen seien das Licht der Welt?

Vielleicht verstünden wir, wenn er uns zuriefe: Bekehrt euch! Seid das Licht der Welt! Ändert euer Leben, macht es hell und strahlend!  –  Müssen wir nicht staunen, dass der Herr keinen Appell an uns richtet, sondern sagt: Wir sind das Licht der Welt, wir leuchten, wir strahlen im Dunkeln?

Liebe Freunde, der heilige Apostel Paulus scheut sich nicht, in vielen seiner Briefe seine Zeitgenossen, die Mitglieder der Ortsgemeinde, „Heilige“ zu nennen. Hier wird deutlich, dass jeder Getaufte  –  noch ehe er gute Werke oder besondere Leistungen tun kann  –  geheiligt ist von Gott.

In der Taufe entzündet der Herr gleichsam ein Licht in unserem Leben, das der Katechismus die heiligmachende Gnade nennt. Wer dieses Licht bewahrt, wer in der Gnade lebt, der ist in der Tat heilig.

Liebe Freunde, immer wieder ist das Bild der Heiligen karikiert und verzerrt worden, so als ob heilig zu sein bedeute, weltfremd, naiv und freudlos zu sein. Nicht selten meint man, ein Heiliger sei nur der, der asketische und moralische Höchstleistungen vollbringe und den man daher wohl verehren, aber im eigenen Leben doch nie nachahmen könne. Wie falsch und entmutigend ist diese Meinung! Es gibt keinen Heiligen, mit Ausnahme der seligen Jungfrau Maria, der nicht auch die Sünde gekannt und niemals gefallen wäre.

Liebe Freunde, Christus achtet nicht so sehr darauf, wie oft ihr im Leben strauchelt, sondern wie oft ihr wieder aufsteht. Er fordert keine Glanzleistungen, sondern möchte, dass Sein Licht in euch scheint.

Er ruft euch nicht, weil ihr gut und vollkommen seid, sondern weil Er gut ist und euch zu seinen Freunden machen will. Ja, ihr seid das Licht der Welt, weil Jesus euer Licht ist. Ihr seid Christen  –  nicht weil ihr Besonderes und Herausragendes tut, sondern weil Er, Christus, euer Leben ist. Ihr seid heilig, weil seine Gnade in euch wirkt.

Liebe Freunde, an diesem Abend, an dem wir uns im Gebet um den einen Herrn versammeln, ahnen wir die Wahrheit des Wortes Christi, dass die Stadt auf dem Berg nicht verborgen bleiben kann.

Diese Versammlung leuchtet im mehrfachen Sinn des Wortes  –  im Schein unzähliger Lichter, im Glanz so vieler Jugendlicher, die an Christus glauben.

Eine Kerze kann nur dann Licht spenden, wenn sie sich von der Flamme verzehren lässt. Sie bliebe nutzlos, würde ihr Wachs nicht das Feuer nähren. Lasst es zu, dass Christus in euch brennt, auch wenn das manchmal Opfer und Verzicht bedeuten kann.

Fürchtet nicht, ihr könntet etwas verlieren und sozusagen am Ende leer ausgehen. Habt den Mut, eure Talente und Begabungen für Gottes Reich einzusetzen und euch hinzugeben  –  wie das Wachs einer Kerze  –  damit der Herr durch euch das Dunkel hell macht.

Wagt es, glühende Heilige zu sein, in deren Augen und Herzen die Liebe Christi strahlt und die so der Welt Licht bringen.

Ich vertraue darauf, dass ihr und viele andere junge Menschen hier in Deutschland Leuchten der Hoffnung sind, die nicht verborgen bleiben: „Ihr seid das Licht der Welt.“  – Amen.


Erzbischöfe Woelki und Burger verteidigen die Nicht-Segnung von Homo-Partnerschaften

Kardinal Rainer Maria Woelki hat sich hinter das „Nein“ der vatikanischen Glaubenskongregation zur Segnung homosexueller Paare gestellt, wie die „Tagespost“ berichtet.

Nach der Pressekonferenz am Dienstag erklärte der Kölner Oberhirte, er sehe in dem vom Papst unterzeichneten Responsum eine „Stärkung des katholischen Ehe- und Familienverständnisses“.

Zudem wolle er sich weiter dafür einsetzen, so Woelki, „dass wir Menschen einander – gleich welcher sexuellen Orientierung auch immer – mit Respekt, gegenseitiger Achtung und Wertschätzung begegnen“.

Zudem hat sich auch der Freiburger Erzbischof Stephan Burger hinter die Entscheidung der Glaubenskongregation gestellt, die eine Segnung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften verbietet.


Falsche Weichenstellung: Eine „andere Kirche“ ist das Ziel des Synodalen Weges

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Wer in der Geschichte der Menschheit den „roten Faden“ sucht, wird mit einer Fülle unterschiedlichster Ereignisse konfrontiert. Es fehlt ein Navi.

Es gibt eine andere Betrachtungsweise, die allerdings nur religiösen Menschen weiterhilft: Die Geschichte ist die Auseinandersetzung um den Menschen zwischen Gott und seinem Widersacher.

BILD: Prof. Gindert leitet das „Forum Deutscher Katholiken“

In den Dienst des Widersachers stellen sich auch solche, die nicht an seine Existenz glauben. Sie lehnen Gott ab, weil sie die absolute Autonomie für sich beanspruchen.

Wer die Lehre des menschgewordenen Gottes und seiner Kirche annimmt, kann trotz aller Widerstände und Verfolgung beruhigt bleiben. Weil der Kirche vom HERRN zugesagt ist, dass „die Pforten der Hölle sie nicht überwältigen“ werden. Mit diesem Navi kann man in die Zukunft fahren. Auch heute erfahren wir den Kampf gegen die Kirche.

Der ehemalige Bundesrichter Thomas Fischer hat die Berichterstattung über den sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche als „Hysterisierung“ bezeichnet. Er spricht von einer „Generalabrechnung“ mit der Kirche. Hier wird das eigentliche Ziel deutlich. Es ist die „Diskreditierung“ der Kirche als „Institution“.

Niemand braucht sie mehr ernst zu nehmen, was sie in ihrer Lehre sagt. Die Kirche wird noch eine Stufe unter die Diktatur des Relativismus, wonach alle Meinungen gleichberechtigt sind, weil es die Wahrheit nicht gibt, herabgedrückt. Sie kann sich dann nur mehr in der Gesellschaft äußern, wenn sie sich das neue Credo diktieren lässt.

Die „sprunghafte Feindseligkeit“ funktioniert nur, wenn herausragende Repräsentanten als „vorgestrig“ (Benedikt XVI.) oder moralisch angeschlagen (Kardinal Woelki) vorgeführt werden – und die Kirche sich nicht mehr wehrt.

Fischer erinnert daran „dass es massenhaften (sexuellen) Missbrauch im Sport, in Schulen oder mit psychotherapeutischen Praxen und vielen anderen Strukturen gab und gibt.“

Wenn es tatsächlich um das Wohl von Kindern und Jugendlichen ginge, müsste die Kirche, im Interesse der gefährdeten Kinder und der unbescholtenen Priester und Mönche – neben der Aufarbeitung in den eigenen Reihen – auf die geschätzten 97% der Missbrauchsfälle, hinweisen.

Gleiches gilt für eine blasphemische Darstellung von Christus, dem Sohne Gottes. Der Chefredakteur von Idea schreibt dazu: „Wenn es um Mohamed ginge, würden wohl inzwischen Schüsse fallen, Häuser in Brand gesetzt werden“… „Von Kirchen war nichts zu hören.“

Der Kabarettist Jürgen Becker bekam am Rosenmontag in der Kölner Kirche St. Agnes, in einer als „Gottesdienst“ bezeichneten Veranstaltung „ganz offiziell“ eine Bühne, auf der er über die katholische Kirche wettern, Kardinal Woelki herabsetzen und Kardinal Meisner als „Hassprediger“ bezeichnen konnte.

Hauptzelebrant der Veranstaltung war der ehemalige Generalvikar des Erzbistums Köln. Diese Veranstaltung hat sicher das Ansehen der Kirche nicht erhöht.

Für den ehemaligen Bundesrichter Thomas Fischer ist die „Zeit-Taktung der Empörung, der Skandalisierung inzwischen dermaßen Eng geworden, dass die Öffentlichkeit und die Medien, die diese Öffentlichkeit beherrschen, mit ihren Nachrichten kaum mehr Zeit haben, länger als zwei Wochen warten bis endlich irgendwas abgeschlossen ist. Alles müsse stets so aussehen, als ob es gerade zwangsläufig auf einen Höhepunkt hinliefe und etwas ganz Spektakuläres passieren müsste“.

Der „Synodale Prozess“ wurde vorgeblich einberufen, um die Glaubwürdigkeit der Kirche bei den Katholiken und der Gesellschaft zurück zu gewinnen.

Der weltweite Skandal der sexuellen Missbrauchsfälle an Kindern und Jugendlichen hat sich auch in der Kirche eingenistet. Priester, Ordensleute und sogar Bischöfe sind daran beteiligt. Das verschafft den Kirchengegnern die Möglichkeit, der Kirche die Glaubwürdigkeit abzusprechen, um sie zu schwächen.

Der Regensburger Bischof Voderholzer äußert: „Verlorenes Vertrauen wieder zu erlangen, wird nur gelingen, wenn wir darauf hinweisen, dass die katholische Kirche die erste und bislang noch immer einzige Institution der Zivilgesellschaft in Deutschland ist, die sich diesem großen gesellschaftlichen Problem in ihren eigenen Reihen schonungslos stellt“.

Die Agenda, um das „System aufzubrechen“ liegt seit langem vor: Kirchliche Hierarchie, Priesterbild, Abschaffung des Zölibats, Änderung der kirchlichen Sexualmoral, Neubewertung der Homosexualität, Frauenpriestertun etc. Diese Forderungen kommen aus dem Inneren der Kirche, von Theologen, Priestern, aus katholischen Laienverbänden (ZdK, BDKJ, katholische Frauenverbände).

Aber auch in dieser Situation gibt es Hirten, die den Weg in die Zukunft weisen, ohne sich vor der Verantwortung für die sexuellen Missbrauchsfälle vor ihrer Zeit zu drücken, z.B. Bischof Rudolf Voderholzer (siehe Foto unten). Er sagt:

„Erneuerung der Kirche ist nicht von einer Anpassung an Zeitgeist diktierte Vorstellung oder durch Verbilligung der biblischen Botschaft zu erwarten. Die Geschichte zeigt, dass wahre Erneuerung immer aus einem tieferen Gehorsam gegenüber der Botschaft des Evangeliums… aus einer verstärkten Bemühung um Katechese und Verkündigung, sowie aus einer radikalen Christusnachfolge erwachsen sind“.

Es ist klar, dass Bischöfe von einer solchen Statur für Kirchenveränderer ein Dorn im Auge sind, weil sie den Weg zu einer „anderen Kirche“ blockieren.

Die deutschen Bischöfe haben am 25. September 2019 das Statut des „Synodalen Prozesses“ beschlossen.12 Bischöfe stimmten dagegen. Einer enthielt sich der Stimme.

Erzbischof Woelki und Bischof Voderholzer hatten zuvor dem „Ständigen Rat“ der Diözesanbischöfe einen „Alternativentwurf“ vorgelegt, dessen Ziel die Ausrichtung auf Neuevangelisierung, katechetische Berufung der Laien, oder, um es mit den Worten von Papst Franziskus zu sagen, der „Primat der Evangelisierung“ war.

Die Diözesanbischöfe lehnten jedoch den „Alternativentwurf“ am 19. August 2019 mit der deutlichen Mehrheit von 21 Stimmen, bei drei Enthaltungen und drei Jastimmen ab.

Wie Bischof Voderholzer in seiner „Persönlichen Erklärung“ nach der Abstimmung in der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) am 25. September 2019 darlegt, geht die inhaltliche Ausrichtung der vier Foren „an der Realität der Glaubenskrise in unserem Land“ vorbei. Es werden die „wahren Probleme nicht angegangen“. Es gebe „kein Forum Evangelisierung“.

Beim Thema „Laien“ geht es „von vornherein nur um Partizipation, statt um eine Theologie einer in Taufe und Firmung gründenden Sendung in alle weltlichen Lebensbereiche hinein“ (Weltcharakter der Laien). Der Verdacht einer „Instrumentalisierung des Missbrauchs“ sei nicht “ausgeräumt“.

Vom 30. Januar bis 1. Februar 2020 fand die erste Zusammenkunft der Mitglieder des „Synodalen Prozesses“ statt. Dort wurden mit der Geschäftsordnung die Weichen für den Ablauf des zweijährigen „Synodalen Weges“ gelegt. Auf dieser Grundlage werden die vier Foren beraten und abgestimmt werden.

Bei der Weichenstellung wurde deutlich, dass die Mehrheit der Synodenteilnehmer die Synode als Vehikel versteht, um ihre „Reformvorschläge“ durchzusetzen. Bei einem solchen Verständnis geht es dann nur mehr darum, wie in der Politik, Mehrheiten zu organisieren. In der Vorbereitung zum ersten Treffen ist durch die Auswahl der Teilnehmer die Basis für die gewünschten Mehrheiten gelegt worden.

Die Bischöfe von Köln, Regensburg, Passau, Eichstätt und Görlitz, die sich an die Lehre der Kirche halten, mussten eine erste Abstimmungsniederlage hinnehmen. Sie hatten vorgeschlagen, dass Vorlagen die einmütige Zustimmung der anwesenden Mitglieder des Synodalforums erfordern. Bei „Einmütigkeit“ dürfe es höchstens drei Gegenstimmen geben. Dieser Antrag wurde mit 26 gegen 181 Stimmen abgeschmettert. Das waren 87% (!) der stimmberechtigten Mitglieder.

Die Synodalversammlung legte fest, dass die absolute Mehrheit für die Beschlussfassung genüge. Die lehramtstreuen Bischöfe hatten auch vorgeschlagen, dass ein Beschluss nicht gültig werden kann, wenn „Widerspruch zwischen der Textvorlage und der Lehre der Kirche vorliegt“. Auch dies wurde abgelehnt.

Auf dem Weg zum zweiten Synodentreffen

…gibt es coronabedingt neue Dialogformen, z.B. „digital synodal“. Das ist eine Veranstaltungsreihe des Bundes der deutschen Katholischen Jugend (BdKJ). Sie soll einen Einblick in eines der Synodalforen geben.

Dorothea Schmidt schildert in der Tagespost (25.6.20) den Ablauf des ersten „digital synodal“ für das Synodalforum „Leben in gelingenden Beziehungen“. Im Mittelpunkt stand die Veränderung der kirchlichen Morallehre durch „eine neue Deutung der menschlichen Sexualität“. Das angestrebte Ziel ist die „polyvalente Sexualität“.

Um dies zu erreichen sollen die „lehramtlichen Schranken für Sexualität“ gesprengt werden. Dieser Aufgabe stellten sich die familienpolitische Sprecherin des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken (ZdK) Birgit Mock und der Aachener Bischof Helmut Dieser als Redner. Dieser konstatierte, dass die „Meinungen“ so kontrovers waren, wie die „verschiedenen Grundüberzeugungen im Forum vorhanden sind, so dass zwischen ihnen eine Vermittlung kaum möglich“ sei.

Ein Dialog zwischen den beiden „Lagern“ kam kaum zustande. Den selbsternannten „Reformern“ ging es um die Anpassung an den Zeitgeist, den lehramtstreuen Bewahrern um ein tieferes Verständnis der menschlichen Sexualität, wie sie beispielsweise in der „Theologie des Leibes“ von Johannes Paul II. vorliegt. Sie wurde als das „traditionell-katholische“ von den „Reformern“ abgelehnt.

Der Kernpunkt des Dissens liegt in der Streitfrage: „Hat Sexualität zwei Sinngehalte, nämlich, Liebe zwischen Mann und Frau und Fruchtbarkeit, oder ist Sexualität polyvalent? Bischof Dieser beklagte, die Kirche „sei in punkto Sexualmoral nicht auf dem heutigen Stand“, was er ändern wolle. Die Kirche müsse in säkulare Milieus aufbrechen.

Bischof Dieser ging es besonders um die Frage, können „Partnerschaften gesegnet werden, die nicht in eine Ehe münden oder außerhalb der Ehe gelebt werden“. Er wäre zufrieden „dass es keine Sünde ist, was da gelebt wird, sondern ein Versuch… Identität zu leben und die Liebe mit anderen Menschen zu teilen“. Eine solche Segnung mit Druck durchzusetzen, schließt Dieser nicht aus.

Frau Maria Palmer berichtet in der gleichen Ausgabe der Tagespost (25.6.2020) über das „digital synodal“, indem der BdKJ über „Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche“ diskutiert. Das Gespräch wurde von Katharina Norpoth, Bundesvorsitzende des BdKJ geleitet. Bischof Bode und Prof. Dorothea Sattler brachten die Statements.

Die Kernfrage war: „Wie gehen wir damit um, dass die Lehre der Kirche nicht mehr mit der Wirklichkeit vieler Menschen übereinstimmt“. Die Verbindlichkeit der Lehrtexte sei sinnvoll, so Bode, aber Lehrtexte müssten auch „zeitgebunden“ sein. Wenn sie die Gesellschaft nicht mehr versteht, sei Modifizierung anzustreben.

Online-Konferenz

Die Mehrheit hatte sich gegen eine Online-Versammlung ausgesprochen. Das Präsidium des „Synodalen Prozesses“ berief sie trotzdem ein. Die beiden Präsidenten zeigten den unbedingten Willen zu Entscheidungen zu kommen. Über Entscheidungen soll ein Druck auf die Weltkirche ausgeübt werden.

„Nach dem zweitägigen unverbindlichen Austausch beim Digitalforum des ‚Digitalen Weges‘, sollen schon bei der nächsten Begegnung im Herbst 2021 klare Aussagen an Rom und Beschlüsse folgen“. Die Foren: „Macht- und Gewaltenteilung“, „Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche“, „Leben in gelingenden Beziehungen“ haben schon einen Textentwurf vorgelegt. Das Forum „Priesterliche Lebensform“ bereitet einen Text vor. (Tagespost, 11.2.2021)

Was die Synodalen im Herbst 2021 auf dem Weg in eine „andere Kirche“ erwartet, soll anhand der Forderungen von Forum 1 „Macht- und Gewaltenteilung in der Kirche“ am vorliegenden Text „Notwendige Schritte auf dem Weg zur Reform kirchlicher Machtstrukturen“ erläutert werden.

Das Papier untergräbt „jede Bejahung des Kirche seins“ (Tagespost, 25.2.2021) und versucht seine Grundthese einzuhämmern: „Sexualisierte Gewalt von Klerikern (hat) … auch systemische Ursachen“. Die geltende innerkirchliche Machtordnung habe „kriminelle und übergriffige Handlungen begünstigt und deren interne Bekämpfung erschwert“. Deswegen sei die „effektive Reform innerkirchlicher Machtverhältnisse“ der einzige Weg, um die „Sendung der Kirche in der Welt von heute zu verwirklichen“.

Der Text von Forum 1 instrumentalisiert, wie schon Bischof Voderholzer am Anfang des „Synodalen Weges“ vermutet hatte, den sexuellen Missbrauch, um das Ziel „eine andere Kirche zu schaffen“ zu erreichen. Dieses Ziel wird mit der Forderung nach „Inkulturation in eine demokratisch geprägte freiheitlich – rechtsstaatliche Gesellschaft“ deutlich angesprochen.

Ein weiterer Satz taucht ebenfalls immer wieder auf, was nicht mehr verstanden und nachvollzogen werden könne, muss geändert werden. Im Papier des Forum 1 heißt es: Die moderne Gesellschaft könne „kirchliche Ordnung von Macht nicht mehr verstehen und nachvollziehen“. Weil die Kirchenverfassung der demokratischen Umgestaltung im Wege steht, wird sie als „missbrauchsfördernd“ moralisch abqualifiziert und „durchschaut“. Nicht persönliche Schuld wird angeprangert, sondern nur „strukturelle Schuld“.

Der „Synodale Weg“ hat das Kirchenrecht nicht auf seiner Seite. Dieser Umstand wird ausgehebelt mit dem Satz „gegenwärtig sieht das Kirchenrecht vor, dass nur Bischöfe Entscheidungsrecht auf Synoden haben. Diese Engführung gilt es zu überwinden… die Synodalität ist mehr als die Kollegialität der Bischöfe“. Synoden sollen künftig „nicht nur beraten, sondern auch entscheiden“.

Dieses Modell soll auf Pfarreien, Diözesen, Bischofskonferenzen „bis hin zur weltkirchlichen Ebene“ ausgeweitet werden. Künftig sollen demokratisch-legitimierten Räten „auch legislative Aufgaben zukommen, die der Bischof mit ihnen gewährleistet“. Dafür müssen „qualifizierte Mehrheiten festgeschrieben“ werden, mit denen das „Vetorecht des Bischofs überstimmt werden kann“. „Wem ein Leitungsamt in der katholischen Kirche übertragen wird, muss dazu vom Kirchenvolk gewählt werden… Wer ein Amt antritt, wird auf Zeit berufen“. „So wird dem Bischofsamt eine völlig neue Bedeutung gegeben“ (Tagespost, 25.2.2021, S. 11).

Der „Synodale Prozess“ deckt die Krise der katholischen Kirche in Deutschland schonungslos auf. Das Konradsblatt (Nr. 25, 21.6.2020), die Kirchenzeitung der Erzdiözese Freiburg, zitiert die FAZ. Dort heißt es …

“Der ‚Synodale Weg‘ mit seinen Themen Macht, Frauen und Sexualmoral (wird) nun endgültig zur Arena, in der es für die katholische Kirche… um alles oder nichts geht“. Kurienerzbischof Georg Gänswein spricht von einer „wahrhaft endzeitlichen Krise, in der sich die katholische Kirche inzwischen seit langem befindet“.

Joseph Ratzinger sieht die sich anbahnende Krise seit 1958 („Die neuen Heiden in der Kirche“ Hochland I/59). Jetzt bricht sie mit aller Gewalt im Inneren der Kirche aus. Die sexuellen Missbrauchsfälle verdecken die eigentliche Ursache: Sie heißt fehlende Bereitschaft zum Wort Jesu und zur Lehre der Kirche.

George Weigel, ein kompetenter Beobachter sagt in seinem Beitrag in der Tagespost vom 11.3.21 …“Die Kirche in Deutschland scheint immer weiter vom Glauben abzufallen: ein Leugnen der Wahrheiten des katholischen Glaubens lässt ein dräuendes Schismal befürchten“…

Die Krise trifft die Kirche in einer geistigen Befindlichkeit, die Kardinal Sarah als „eine Art Depression, eine Ermattung, ein geistiger Überdruss, ein gewisses Schwinden der inneren Lebensfreude, eine Entmutigung und eine Erschlaffung der Seele“ diagnostiziert.

Der Kirchenhistoriker Kardinal Brandmüller will die Katholiken aufrichten („Lasst euch nicht so schnell aus der Fassung bringen). Er zählt ähnliche Fälle aus der Geschichte auf, wo es nach einem tiefen Niedergang zu neuer Blüte kam. Er erinnert an Bischof Bonifatius, den Apostel der Deutschen. Als er im achten Jahrhundert in Deutschland sein Reformwerk begann, fand er in weiten Teilen eine verschlampte und verkommene Kirche vor. Mit trunksüchtigen Bischöfen, die im Konkubinat lebten. Die Unwissenheit vieler Priester war unbeschreiblich.

Als der über 80jährige Bonifatius zu seiner letzten Missionsreise nach Friesland aufbrach, wo er bei Dokkum erschlagen wurde, hinterließ er eine wohlgeordnete und wieder aufblühende Kirche. (vgl. Der Fels, 6/2019, S. 179)

Weil die Homosexualität bei den Missbrauchsfällen eine besondere Rolle spielt, erinnert Brandmüller an eine ähnliche Situation im 11. Jahrhundert… Auch diese Krise wurde überwunden. (vgl. Der Fels, 6/2019, S. 179)

Kardinal Brandmüller erinnert an die Wende zum 19. Jahrhundert. Ausgehend von Frankreich kam es zu einem „vorher kaum zu erwartenden Aufbruch des religiösen Lebens… es entstanden zahlreiche Ordensgemeinschaften – allein unter dem Pontifikat Pius IX. (1846-1878) waren es mehr als hundert (!) – die sich der Glaubensvermittlung, Erziehung, Krankenpflege und der außereuropäischen Mission widmeten. Auch das Mönchtum erlebte einen neuen Frühling.

Eine beeindruckende Entwicklung in einem Europa, dessen führende Schichten von unerhörtem Fortschritt in Wissenschaft und Industrie, aber auch von den materialistischen, atheistischen Strömungen der Philosophie geradezu benommen waren“ (kath.net).

Natürlich geschahen solche Neuaufbrüche nicht von selber. Viele Schritte von Reformern in der Kirche führten dazu. Das ist heute nicht anders!

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Wir trauern über den Tod des katholischen Theologen Prof. Dr. Joseph Schumacher

Von Felizitas Küble

Unser theologischer Wegbegleiter, Autor und Mitstreiter Prof. Dr. Joseph Schumacher ist am 27. September nach langer Krankheit mit 87 Jahren in der Universitätsklinik Freiburg verstorben. Die Beisetzung des Priesters erfolgt am Dienstag, den 6. Oktober, in Littenweiler (Freiburg).

Mit dem Fundamentaltheologen Schumacher verband uns vor allem das Eintreten für den vollständigen katholischen Glauben, für seine dogmatischen Grundlagen, für die Fundamente des Christseins, die uns durch die Heilige Schrift und die apostolische Tradition überliefert worden sind.

Jenseits von Skeptizismus auf der einen und Schwarmgeisterei auf der anderen Seite, frei von Neigungen zum Unglauben oder Aberglauben, betonte Professor Schumacher ebenso anspruchsvoll wie bodenständig die Bedeutung des kirchlichen Lehramtes für eine klare Glaubens-Orientierung.

Seine von Nüchternheit und Besonnenheit geprägte Kritik an Wundersucht und Erscheinungsfixiertheit geht z.B. aus den Artikeln hervor, die er im CHRISTLICHEN FORUM  veröffentlichte: https://charismatismus.wordpress.com/?s=Joseph+Schumacher

Wer heute Theologie lehrt und zugleich unbeirrbar den Standpunkt der Kirche Christi vertritt, befindet sich zwischen allen Stühlen, auch innerhalb des katholischen Spektrums. 

Davon konnte auch dieser Fundamentaltheologe ein Lied singen:  seine Positionen sind vom bibel- und kirchenkritischen Rationalismus „moderner“ Theologen  ebenso weit entfernt wie von jenem scheinmystischen Irrationalismus, der sich in einigen konservativen Kreisen leider immer größerer Beliebtheit erfreut.

Für Joseph Schumacher waren Glaube und Vernunft (Ratio) keine Gegensätze, sondern Ergänzungen, freilich stets unter dem Vorrang des Glaubens: Dieser Professor, der sich in erster Linie als Priester verstand, dachte rational, ohne rationalistisch zu sein  –  und er vertrat eine gediegene Frömmigkeit jenseits von Pseudomystik  oder einem „reformkatholischem“ Rebellentum.

Der 1934 in Nottuln bei Münster (Westfalen) geborene Gelehrte war nach 10-jähriger Dienstzeit in der Pfarrseelsorge im Bistum Münster einige Jahre als Religionslehrer in Oldenburg tätig, bis 1971 seine wissenschaftliche Laufbahn an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg begann.

1973 promovierte er zum Doktor der Theologie, ein Jahr später führte sein Weg nach Münster zurück, diesmal zur wissenschaftlichen Arbeit im Bischöflichen Generalvikariat.

1977 erfolgte Schumachers Habilitation in Freiburg mit der Arbeit „Der apostolische Abschluß der Offenbarung Gottes“, die  –  ebenso wie die Dissertation über den „Denzinger“ –  im Herder-Verlag erschien. Insgesamt umfaßt sein Publikationsverzeichnis weit über 100 Titel.

1978 begann er seine Lehrtätigkeit als Privatdozent und wurde 1983 zum Professor für Fundamentaltheologie ernannt. Noch heute ist er mit seinen Lehrveranstaltungen an der Freiburger Universität präsent. Prof. Schumacher ist stets als Priester erkennbar  –  an der Hochschule wie im alltäglichen Leben.

Der glaubenstreue Geistliche war seit 1989 ordentliches Mitglied der „Pontificia Academia Theologica Romana“ und seit 1996 korrespondierendes Mitglied der „Internationalen Päpstlichen Akademie für Mariologie“.  

Gerade die Mariologie, die theologische Lehre über die Gottesmutter, lag Joseph Schumacher stets am Herzen, wie sich aus seinen Büchern, Vorträgen und Veröffentlichungen ergibt, zudem aus seiner Mitarbeit am „Marienlexikon“, das vom bekannten Mariologen Kardinal Leo Scheffczyk herausgegeben wurde.

Auch in diesem Bereich zeigt sich die nüchterne Spiritualität Schumachers, zumal er seine große Verehrung für die Jungfrau Maria freihielt von schwärmerischen Nebengleisen  –  ganz im Sinne seiner Habilitations-Schrift über den „apostolischen Abschluß der Offenbarung Gottes“, lehrt doch die Kirche seit jeher, daß die göttliche Offenbarung mit dem Tod des letzten Apostels abgeschlossen ist.

Daher gehören „Privatoffenbarungen“ grundsätzlich nicht zum Glaubensgut der Kirche, erst recht fehlt ihnen jeder dogmatische Charakter   –  das gilt auch für kirchlich approbierte (genehmigte) Erscheinungen, weil diese Billigung der Kirche keine Glaubensverpflichtung darstellt, sondern lediglich eine Erlaubnis („Es ist den Gläubigen gestattet, daran zu glauben“ – so lautet die übliche Approbationsformel).

Der glaubenstreue Theologe äußerte sich in seinen Vorlesungen und Büchern, Artikeln und Aufsätzen  – etwa in der Zeitschrift „Theologisches“ –   stets fundiert, kompakt und auf hohem Niveau,  aber auch verständlich und ohne hyperakademische Verstiegenheit.

Auch sein im Bonifatius-Verlag erschienener Klassiker über „Esoterik  – die Religion des Übersinnlichen“  ist gehaltvoll und faktenreich,  zugleich aber leserfreundlich verfaßt.

Der Esoterik-Experte Schumacher warnte bereits 1991 im Ministranten-Magazin “Turibulum“ vor dem Okkultismus und der damals aktuellen New-Age-Bewegung. Für ihn ist es selbstver-ständlich, seine Aufsätze in Fachpublikationen ebenso zu veröffentlichen wie in einer Zeitschrift für Meßdiener, die der Fe-Verlag herausbrachte. Dort erschien auch sein Buch „Beten mit der Kirche“, das die wichtigsten kath. Gebete in verschiedenen Sprachen enthält.

Für den lehramtstreuen Theologen war es auch selbstverständlich, sich moderner Medien zu bedienen, um den Glauben der Kirche zu verkünden. In seiner eigenen Internet-Präsenz www.theologie-heute.de finden sich weit über 10.000 Seiten mit Vorlesungen, Predigten, Aufsätzen, Referaten, Kommentaren und Erklärungen.

Er veröffentlichte seine Vorlesungen bereits im Internet, als keiner seiner Kollegen daran dachte. Seit Jahrzehnten setzte er auch seine Predigten auf seine Homepage.

Joseph Schumacher war stets bereit, dem Zeitgeist die Zähne zu zeigen, wenn es darum ging, sich unerschrocken zu Glaube, Kirche und Papstamt zu bekennen. Damit machte er seinem Beruf alle Ehre, denn Professor heißt übersetzt „Bekenner“.


Coronakrise 2020: Darf die Kirche auf ihr Grundrecht der Religionsfreiheit verzichten?

Von Dr. Heinz-Lothar Barth

Das, was im Frühjahr 2020 in Folge der Covid 19-Epidemie vorgefallen ist, hat zu Recht die Gemüter fast aller Menschen irgendwie berührt, ja oft erschüttert, wobei wir in Deutschland noch relativ glimpflich davongekommen sind.

Im folgenden wollen wir nicht im großen Stil die Maßnahmen der Politiker kommentieren, deren Radikalität in manchen anderen Ländern wie Italien, Spanien und Frankreich mit totalen Ausgehverboten noch einschneidender waren. Da ist sicher aber einiges auch bei uns schiefgelaufen.

Eine kritische Vorüberlegung

Das wird schon an einem besonders auffälligen Beispiel gleichsam symbolhaft deutlich. Man betrachte nur, wie man mit den Schutzmasken umgegangen ist: „Sie waren erst schädlich, dann überflüssig, schließlich nützlich und heute sind sie unbedingt notwendig.“[1]

In einem Interview vom 17. April riet selbst Prof. Christian Drosten noch vom Tragen der Mund-Nase-Schutzmasken ab[2] (wie übrigens zuvor auch die WHO und das Robert Koch-Institut), dann aber wurden sie unter drastischen Geldstrafen für bestimmte Bereiche (Geschäfte, Busse und Eisenbahn) sogar verbindlich vorgeschrieben.

An eine Aufhebung dieser Verordnung ist nicht zu denken, obwohl der „Maulkorb“ fast immer falsch gehandhabt wird und mindestens dadurch mehr gesundheitlichen Schaden anrichtet als er nützen könnte – von Menschen mit Schwächen der Atemwege und Belastung unter großer Sommerhitze einmal ganz abgesehen.

Jüngst nahm der Bonner Virologe Prof. Hendrik Streeck, in einigen Fragen Antipode seines Kollegen Drosten, warnend zum Gebrauch der Maske Stellung. Der Bonner „General-Anzeiger“ (11./12. Juni 2010, 28) titelte: „Maske als Nährboden für Mikroben. Bonner Virologe warnt vor falschem Gebrauch“.

Da man die verantwortlichen Politiker weder als Vollidioten noch als Sadisten einschätzen möchte, drängt sich vielen Zeitzgenossen ein dringender Verdacht auf: Auf solche Weise soll offenbar  das Symbol der „Neuen Normalität“[3] (so bezeichnen Politiker wie Bundeskanzlerin Merkel die jetzige Situation, „Realität“ oder „Wirklichkeit“ scheinen nicht auszureichen) weiter stets sichtbar bleiben, die Bevölkerung an den Krisenmodus erinnern und dadurch eine gewisse Stimmung der Angst aufrecht erhalten. Wohl nicht ganz ohne Grund sprach Stefan Homburg, Professor für Finanzwissenschaften in Hannover, von der „Sklavenmaske“[4].

Das war, bei aller rhetorischen Übertreibung, schon deshalb nicht ganz unberechtigt, weil das Gesicht in besonderer Weise mit der durch Art. 1 GG geschützten Würde des Menschen zusammenhängt. Denn diese zeichnet ihn als Ebenbild Gottes aus.[5]  

Die Entstellung des Gesichts erschwert auch die so notwendige Kommunikation mit dem Nächsten, der ja seinerseits ebenso ein entsprechendes vernunft- und sprachbegabtes Geschöpf, ja Ebenbild Gottes ist. Nicht ohne Grund war ein Leserbrief von Dr. Paul Georg Fischer aus Augsburg in der katholischen Zeitschrift Die Tagespost mit der Überschrift versehen „Das Gesicht ist Ort der Gottesbegegnung“. (DT vom 4. Juni 2020)

Da mir zu einer ganz sicheren Beurteilung der getroffenen Hygiene- und Gesundheitsmaßnahmen aber zuverlässige naturwissenschaftliche Kenntnisse fehlen (immerhin sind sich allerdings auch die Fachleute weltweit keineswegs einig!), möchte ich mich auf diesem Gebiet eher zurückhalten. Freilich kann ich nicht gänzlich auf die eine oder andere Bemerkung verzichten, ohne die die Dramatik der kirchlichen Einschränkungen nicht in vollem Umfang zu verstehen wäre.

Die Kirche in der Coronaepidemie

Wir wollen uns in den folgenden Zeilen auf das Verhalten der staatlichen Behörden gegenüber den Kirchen[6] in Deutschland und auf die Reaktionen der katholischen Bischöfe konzentrieren, wie es sich für einen theologischen Beitrag gehört. Hier ist es zu einer Einschränkung des Kultes gekommen, die historisch ihresgleichen sucht, für die Geschichte Deutschlands in den letzten Jahrhunderten stehen die Maßnahmen jedenfalls singulär dar.

Sobald mir Mitte März 2020 die verfügten Gottesdienstverbote bekannt wurden, habe ich darauf als einer der Ersten mit einem Leserbrief an die katholische Zeitung „Die Tagespost“ reagiert, zu dem ich dann einige Zeit später aus gegebenem Anlaß einen weiteren hinzufügte.

Zunächst lege ich diese Zuschriften, die beide abgedruckt wurden (die erste am 19. 3., die zweite 14. 5.), in unwesentlich veränderter Fassung hier noch einmal vor, da sie bereits wesentliche Punkte der m. E. unbedingt notwendigen Kritik enthalten. 

Erster Leserbrief:

Nun sollen alle Gottesdienste bis zum 19. April ausfallen, also über die Karwoche und Ostern, den Höhepunkt des Kirchenjahres. Bei allem Verständnis für notwendige Schutzmaßnahmen wegen der Covid 19-Epidemie: Wieso dürfen auf der anderen Seite z. B. Baumärkte offen bleiben, wo man sich besonders nahekommt? Die Kirche hat früher in Seuchenzeiten vermehrt Gottesdienste abgehalten, so z. B. unter dem Mailänder Erzbischof Federico Borromäus im 17. Jh.; man erinnere sich an Manzonis Roman „I promessi sposi“ („Die Verlobten“ oder „Die Brautleute“). Gewisse Vorsichtsmaßnahmen wurden dabei sicher auch damals nicht mißachtet.

Es existiert in der klassischen römischen Liturgie übrigens sogar ein eigenes Meßformular „Zur Abwehr von Sterblichkeit“ („Tempore mortalitatis“), an das man sich vielleicht erinnern sollte. Der bekannte Staatsrechtler Christian Hillgruber aus Bonn schrieb mir auf meine Anfrage zur juristischen Beurteilung eines solchen Vorgehens von seiten der Politiker: „Staatliche Eingriffe in die Religionsfreiheit müssen angemessen sein; das erfordert, dass so etwas wie die ‚religiöse Grundversorgung’ gewährleistet sein muss.“

Und er schlug vor, „mehr und nicht weniger Messen zu lesen, um auf diese Weise bei gleichmäßigem Messbesuch den Abstand zwischen den Einzelnen so vergrößern zu können, dass die Ansteckungsgefahr vergleichbar niedrig gehalten wird.“ Warum wehren sich die deutschen Bischöfe auf der juristischen Ebene nicht? Wofür bezahlen wir den Klerus mit unseren Kirchensteuergeldern? In Italien waren die Bischöfe sogar mit Meßverboten vorangeprescht! – Soweit der erste Leserbrief.

Leider gilt das, so kann man ergänzen, auch für Papst Franziskus mit seinem riesigen Petersdom, wo er doch mühelos etliche Gläubige mit entsprechendem Sicherheitsabstand an den Messen hätte teilnehmen lassen können, zumal da er souveränes Staatsoberhaupt der Vatikanstadt ist und sich nicht unbedingt und in aller Radikalität an italienische Bestimmungen halten muß. Sein einsames Gebet für die ganze Welt vor dem Pestkreuz aus San Marcello und dem Marienbildnis „Salus Populi Romani“ (die leider beide durch den einsetzenden Regen leichten Schaden erlitten) auf dem Petersplatz mit anschließendem Segen „Urbi et Orbi“ war allerdings eine beeindruckende Geste.[7]

Zweiter Leserbrief

Man mag die eine oder andere Formulierung des Internetaufrufs Veritas liberabit vos von Erzbischof Carlo Maria Viganò, Kardinal Gerhard Ludwig Müller und weiteren Bischöfen, z. Auxiliarbischof Laun, kritisieren. Man müßte aber zugleich erwähnen, worum es den Verfassern vor allem geht: Sie wollen weltweit die Freiheit der Menschen allgemein und insbesondere die bedrohte Religionsfreiheit schützen, die bei uns im Art. 4 GG fixiert ist.

Hierfür setzen sich in Deutschland seit Wochen auch namhafte Verfassungsrechtler ein. Die Regierungen vieler Staaten haben Gottesdienste mit Gläubigen rigoros verboten, während sie bei anderen Veranstaltungen großzügiger waren. Gerade für die katholische Kirche entspricht die Feier der hl. Messe göttlichem Auftrag. Hierauf kann sie nicht verzichten.

Einzelnen Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie verweigert sie sich natürlich nicht. Leider reagierten auch einige deutsche Bischöfe beinahe aggressiv auf den Aufruf ihrer Mitbrüder im hohen Amt. Der Grund liegt auf der Hand: Genau dieser Pflicht zum geistlichen Schutz ihrer Herde und des ihnen anvertrauten höchsten religiösen Gutes sind sie nicht im gebotenen Umfang nachgekommen. 

Soweit der zweite Leserbrief.

Unsinnige Verschwörungstheorien?

Als weiteres Zeitdokument aus dem Kampf für die Freiheit der katholischen Religion übernehmen wir mit Zustimmung der Verfasserin einen Leserbrief von Felizitas Küble aus Münster (abgedruckt in der DT vom 14.5.2020).

Unfaire Kampagne gegen Kardinal Müller

Die Angriffe vieler Medien, aber auch mancher kirchlicher Amtsträger gegen Kardinal Gerhard Müller sind ebenso unsachlich wie unfair. So schreibt die linke Tageszeitung „taz“ in einer Schlagzeile, er sei im „braunen Milieu“ angekommen – und der Generalvikar von Essen wirft dem ehem. Glaubenspräfekten wegen dessen Unterzeichnung des  Viganò-Aufrufs öffentlich „krude Verschwörungsmythen“ vor.

Sachkritik ist das eine, Diffamierung das andere. Schließlich hat der Kardinal selber –  auch im Interview mit Ihrer Zeitung  –  zu einer kontroversen Debatte über dieses Manifest aufgerufen und erklärt, er habe damit zu Nachdenklichkeit und Diskussion aufrütteln wollen. Tatsächlich sollte es doch um die Grundanliegen gehen und nicht darum, „jeden Satz auf die Goldwaage zu legen“, wobei der strittige Appell ohnehin nicht von Kardinal Müller, sondern von Erzbischof Viganò verfaßt wurde.

In Ihren Interview-Fragen wird zweimal bemängelt, das Manifest führe keine Belege für seine Aussagen an. Dabei dürfte klar sein, dass ein öffentlichkeitswirksamer Aufruf keine akademische Arbeit mit Anmerkungsapparat darstellt, sondern bestimmte Anliegen mehr oder weniger schlagwortartig auf den Punkt bringt – und das nicht selten zugespitzt, zumal bei einem „Weckruf“ zu aktuellen Fragen.

Der Vorwurf gegen den Viganò-Appell gilt vor allem seiner Warnung vor dem Streben nach einer Weltregierung, die sich jeder Kontrolle entziehe. Diese Besorgnis ist für sich genommen kein „Verschwörungsmythos“ – und zugleich kann nüchtern beobachtet werden, dass die Forderung nach einem Weltstaat verstärkt von prominenter Seite erhoben wurde – wobei die Coronakrise teils durchaus für dieses Gedankengut vereinnahmt wird.

Der frühere britische Premierminister Gordon Brown hat die Viruspandemie im März dieses Jahres zum Anlaß genommen, um seine schon länger vertretene Forderung nach einer Weltregierung zu bekräftigen. Zur selben Zeit erklärte der langjährige „Spiegel“-Auslandskorrespondent Bernhard Zand: „Falls es der Klimawandel und die Migrationstragödien der letzten Jahre noch nicht bewiesen haben – Covid-19 beweist es uns jetzt von Tag zu Tag: Krisen wie diese bräuchten eine Art Weltregierung – so vorläufig und unvollkommen sie unter dem Druck der sich überschlagenden Ereignisse auch sein mag.“

Auch ein finanzstarker Lobbyist wie Bill Gates, der mit seiner Stiftung erheblichen Einfluss  – auch auf die Weltgesundheitsorganisation  –  ausüben kann, sehnt sich offenbar nach einem Weltstaat. Im Gespräch  mit der „Süddeutschen Zeitung“ erklärte er bereits im Januar 2015 sein entsprechendes Plädoyer mit seuchenschutzpolitischen Motiven. „Gäbe es so etwas wie eine Weltregierung, wären wir besser vorbereitet“, betonte er damals.

Für ein solches Megaprojekt plädieren zudem namhafte Personen des öffentlichen Lebens, darunter der Soziologe Jürgen Habermas oder der Philosoph Richard Rorty. Auch in der Politikwissenschaft ist das Thema seit langem verankert. Meist wird dabei über eine strukturelle Stärkung der UNO mit dem Ziel eines Weltstaates debattiert, was bereits der frühere schwedische UN-Generalsekretär Dag Hammarskjöld anstrebte.

Es ist also legitim und durchaus keine „krude Verschwörungstheorie“, hinsichtlich des Themas Weltregierung öffentlich seine Besorgnis zu äußern  – abgesehen davon, dass von einem Weltstaat auch in der Heiligen Schrift die Rede ist (vgl. Apokalypse, Kap. 13)   – und zwar hinsichtlich einer endzeitlichen Weltherrschaft des Antichristen.

Sicherlich gibt es bei Debatten über dieses Themenspektrum auch tatsächlich wirre Köpfe und abstruse Komplott-Ideen   – aber ein Zerrbild spricht nicht gegen die Sache selbst und kann kein Tabu oder Quasi-Diskussionsverbot begründen.

Soweit der Leserbrief.

Auf Felizitas Kübles Blog Christliches Forum findet man in den Monaten Mai und Juni noch weitere Argumente, die die unfairen Angriffe gegen angebliche „Verschwörungstheoretiker“ widerlegen. Nur ein Beispiel: „ZEIT-Korrespondentin Andrea Böhm wünscht sich dringend eine Weltregierung“ (Christliches Forum vom 7. Juni 2020).

Viele derartige Stimmen betonen immer wieder, daß eine solche einheitliche Weltführung notwendig sei, um nicht nur die Gefahren von Seuchen einzudämmen, sonder auch um den (angeblichen) Klimanotstand (womit nicht bestritten werden soll, daß es durchaus massive Umweltprobleme gibt!) zu beseitigen und die weltweite Migration zu steuern.

Einen ausgewogenen Beitrag zu dieser Diskussion hat jüngst auch der katholische Politikwissenschaftler Prof. Felix Dirsch in einem Interview geleistet: Warnungen vor einer Weltregierung stellen keinen Verschwörungsmythos dar. Der von vatikanischen Würdenträgern initiierte Aufruf „Veritas liberabit vos“ hat eine faire Diskussion verdient (Kirchliche Umschau 23,6/2020, 7-12).

Freimaurerei und Welteinheitsregierung

Es möge mir gestattet sein, den zuletzt zitierten Leserbrief, der gattungsbedingt keine genauen Belege nennt, die man aber im Internet leicht finden kann, noch um einige Gedanken zu ergänzen.

Schon das II. Vatikanum hat hier einen gefährlichen Weg eingeschlagen, weil nach katholischem Glauben ein Zusammenwachsen der Menschheit nicht in irgendeinem abstrakten Humanismus, sondern nur in der Wahrheit, sprich in Jesus Christus möglich ist.

So heißt es in GS 55[8]: „Immer größer wird die Zahl der Männer und Frauen jeder gesellschaft­lichen Gruppe und Nation, die sich dessen bewußt sind, selbst Gestal­ter und Schöp­fer der Kultur ihrer Gemeinschaft zu sein. Immer mehr wächst in der ganzen Welt der Sinn für Autonomie (vgl. auch GS 36,1) und zugleich für Verantwort­lich­keit, was ohne Zweifel[9] für die geistige und sitt­liche Reifung der Menschheit von größter Bedeutung ist. Die­se tritt noch deutlicher in Erscheinung, wenn wir uns die Einswerdung der Welt und die uns auf­erlegte Aufgabe vor Augen stel­len, eine bessere Welt in Wahrheit und Gerechtigkeit aufzubauen. So sind wir Zeugen der Geburt eines neuen Humanismus, in dem der Mensch sich vor allem von der Verantwor­tung für seine Brüder und die Ge­schichte her ver­steht.“

Der erbitterte Kampf jener „aufklärerischen“ Aktivi­sten des 18. und 19. Jahrhunderts, wie sie sich besonders deutlich in den Logen artikulierten, galt sowohl der christlichen Wahrheit als auch dem Vaterland. Das er­klärte höchste Ziel war dabei letzt­lich der areli­giöse oder, so die meisten Vertreter derartiger Konzepte, eher noch der synkretistische Welt­einheits­staat.

Man lese hierzu nur einmal Lessings berühmte „Freimäu­rer­gespräche“, wo sich folgende Sätze finden, die die beiden Unterredner, Ernst und Falk, vortragen: „Nicht genug, daß die bürgerliche Gesell­schaft die Men­schen in ver­schiedene Völker und Religionen teilet und trennt.“ – „Wie, wenn es die Frei­mäurer wären, die sich mit zu ihrem Geschäfte gemacht hätten, jene Trennungen, wodurch die Menschen einander so fremd werden, so eng als möglich wieder zusammen zu ziehen?“ – „Denn allenfalls dächte ich doch, so wie du angenommen hast, daß alle Staaten einerlei Ver­fassung hätten, daß sie auch wohl alle einerlei Religion haben könn­ten. Ja ich begreife nicht, wie einerlei Staats­verfassung ohne einer­lei Religion auch nur möglich ist.“[10]

Manch einer mag vielleicht glau­ben, hier werde eine Ideolo­gie des 18. Jahrhunderts vorgetragen, die mittler­weile historisch über­holt sei. Man nehme jedoch zur Kennt­nis, daß anläßlich einer szeni­schen Darbietung des Les­singschen Dialogs das offizielle deutsche Freimaurer­magazin „Humani­tät“ im Jahre 1999 von „zeitlos gültigen Aussagen über Freimaurerei“ sprach und gerade den auch von uns oben an zweiter Stel­le angeführten Satz wörtlich zitierte.[11]

Man ver­gleiche auch fol­gen­de Aussage aus dem gültigen „Ritu­al­buch“ der deut­schen „Großloge der Alten Freien und Angenom­menen Maurer“: „Seine (d. h. des Uni­ver­sums, H-L B) irdische Ent­spre­chung ist der Tempel der Humanität, dem wir als lebendige Bausteine und Werkzeuge dienen. Er ist das Symbol einer idealen Welt, der Religion geweiht, in der alle Menschen übereinstimmen, um die Mensch­heit einem besseren und glück­licheren Leben näherzubringen.“[12]

Katholische Stellungnahmen zur Welteinheitsregierung

Solche aufklärerisch-freimaurerischen Gedan­ken lassen sich mittler­weile sogar in einer Fülle katholischer Publika­tionen nachwei­sen – womit im übrigen keineswegs behauptet werden soll, daß die entsprechenden Verfasser immer selbst Mitglieder von Logen sein müßten; vielmehr ist deren Denken heute einfach weitgehend zum Allgemeingut geworden.

Hier nur ein einziges Beispiel, das deshalb besonders aufschlußreich ist, weil der Autor seine wahren Absichten nicht verschleierte:

Fried­helm Hengsbach, damals Direktor des Oswald von Nell-Breuning Instituts für Wirtschafts- und Gesellschafts­ethik an der Philosophisch-theologi­schen Hochschule St. Georgen in Frankfurt am Main, setzte sich für eine „zukünftige Weltgesellschaft“ auf der Basis einer „dialogi­sche(n) Multikul­tur“ ein, die im Augen­blick u. a. noch von denjenigen behindert werde, „die sich an national geprägten Werten und Ordnungs­gefügen orientieren“. Mit entwaffnender Ehrlich­keit bezeichnete Hengs­bach „die jetzt noch beobachtbare kultu­relle Pluralität“ als eine bloße „Zwischenphase und Zwischenwelt“, das erstrebte Ziel sei „die eine Weltkultur“, der „Eine Welt-Kapitalismus“![13]

Man sieht, wie weit derartige Pläne des von Hengsbach vorhergesagten „Eine Welt-Kapitalismus“ vom Modell eines christlichen Univer­salismus entfernt sind, der die wahren Rechte des Individuums schützt und zugleich den Nationen mit ihren jeweiligen Kultu­ren nicht ihr Eigen­recht nimmt, alles aber in eine höhere, am dreifal­tigen Gott orien­tier­te Ordnung einbindet – eine Ordnung, von der z.B. die Re­formpläne des letzten Habsburger-Kaisers, des seligen Karls I., geprägt wa­ren.[14]

Christian Geyer dürfte den (meist wohl eher indirekten) Einfluß freimaureri­schen Gedanken­guts auf weitreichende Tendenzen innerhalb der nachkonziliaren katho­lischen Kirche nicht überbe­wertet haben, wenn er schrieb: „Schließ­lich scheint auch das einstige metaphysische Sondergut der Freimaure­rei zum religiösen Allgemeingut geworden zu sein. Zumindest sieht es so aus, als gehöre die Anerken­nung eines deistischen ‚Großen Baumei­sters aller Welten‘, die vor noch nicht allzu langer Zeit von der katholischen Kirche mit der Exkommunikation belegt wurde, inzwischen auch in kirchlichen Kreisen zum interreligiös vertretbaren Glaubens­gut, solange sich damit dem Ethos der einen Welt näher kommen und dem clash of cultures vorbeugen läßt.“[15]

Ganz auf dieser Linie liegend, erklärte der damalige Trierer Diözesan-Bischof Hermann Josef Spital in seiner Silvester­predigt zum Übergang ins Jahr 2000: „Wir bräuchten dringend eine Weltregierung – aber wir haben keine. Wie wir den unaufhaltsamen Prozeß der Globalisierung bewältigen, wissen wir nicht.“[16]      

Selbst Papst Benedikt XVI. schrieb in seiner Enzyklika Caritas in veritate (Nr. 67) Gedanken nieder, die zur Rechtfertigung einer gefährlichen politischen Entwicklung herangezogen werden könnten, wohl nicht unbedingt müßten. So forderte er zur Bewältigung internationaler Aufgaben „das Vorhandensein einer echten politischen Weltautorität“ („vera Auctoritas politica mundialis“); sie müsse „über wirksame Macht verfügen, um für jeden Sicherheit, Wahrung der Gerechtigkeit und Achtung der Rechte zu gewährleisten.“

Vor allem gehe es darum, „eine geeignete vollständige Abrüstung („tota armamentorum ademptio“) zu verwirklichen, die Sicherheit der Ernährung und des Friedens zu erreichen, den Umweltschutz zu gewährleisten und die Migrationsströme zu regulieren („migrantium turmae ordinentur).“

Was soll die Welteinheitsregierung politisch bewirken?

Wird es also keine Kriege mehr geben können – trotz der erbsündlichen Belastung aller Menschen? Bräuchte man demnach auch keine Verteidigungsarmeen mehr aufzustellen, wie sie die Deutsche Bundeswehr ursprünglich gewesen war (Art. 26 und 87 a GG)? Soll etwa Kants utopischer Ansatz vom „ewigen Frieden“ Wirklichkeit werden? Hat das die UNO – trotz einiger nicht zu bestreitender Erfolge[17] – bisher auch nur ansatzweise geschafft? Mit welchen Maßnahmen soll der Umweltschutz durchgesetzt werden, mit vernünftigen oder mit grün-rot ideologisch aufgeladenen?[18]

Man gebe acht, daß man nicht den Vertretern des angeblichen „Klimanotstands“ in die Hände spielt und somit indirekt eine „Klimadiktatur“ mit ersatzreligiös-eschatologischem Hintergrund fördert (was Papst Benedikt sicher fern lag)![19] Und was heißt schließlich: die „Migrantionsströme zu regulieren“? Sollte dies etwa im Sinne des mittlerweile vorliegenden „globalen UN-Migrationspakts“ vom 10./11.Dezember 2018 verlaufen?

Spätestens seit diesem Datum müßte jedem Beobachter der Weltpolitik klar sein, was da auf uns zukommen kann. Stets wurde betont, dieses Abkommen binde juristisch niemanden, es verpflichte höchstens moralisch und politisch. Was sollen solche Sophistereien? Sie dienen doch nur dazu, die Kritiker mundtot zu machen! Und wenn man den ganzen Text liest, wie es durch die kommentierte und mit Markierungen versehene vollständige Veröffentlichung in der Jungen Freiheit(Nr. 47/2018) erleichtert wurde, dann entdeckt man, daß die Begriffe verpflichten und Verpflichtung mehr als 80 mal im Text vorkommen!

Die Dimensionen der Zuwanderungen, mit denen wir möglicherweise rechnen müssen, sind gigantisch: P. Stefan Frey hält es anhand einer früheren Quelle der Europäischen Kommission vom Juli 2010 für möglich, daß Deutschland mit seiner Einwohnerzahl von etwa 82,5 Millionen mehr als das Doppelte an Migranten auf Dauer gesehen aufnehmen könnte[20] Der Artikel enthält übrigens anhand der Lehre des hl. Thomas von Aquin wichtige Differenzierungen des Begriffs der christlichen Liebe, die heute bei der Migrationsfrage schmählich mißachtet werden:

Die Liebe des Wohlwollens, die allen Menschen das irdische und überirdische Heil wünscht, gilt universal; bei der affektiven Liebe des Herzens und der effektiven Liebe der Wohltätigkeit gibt es sehr wohl Abstufungen je nach verwandtschaftlicher oder geistiger Nähe zu den jeweiligen Menschen.[21] Mögen die genannten geradezu utopischen Zahlen auch sehr spekulativ erscheinen, so ist hier in jedem Fall geistiger Widerstand geboten. Denn es wird klar, in welche Richtung die Entwicklung läuft!

Jedenfalls war bereits am 25. September 2015, also im Krisenjahr der Massenimmigration vor allem nach Deutschland, auf dem UN-Gipfel in New York ein Weltzukunftsvertrag unterzeichnet worden. Er enthielt 17 Sustainable Development Goals (Nachhaltige Entwicklungsziele), zu denen ausdrücklich folgendes gehörte: „Geordnete, sichere, geregelte und verantwortete Migration und Mobilität der Völker zu erleichtern, insbesondere durch Einführung einer geplanten und gut durchgeführten Migrationspolitik“.

Auf diesem Gipfel trat Papst Franziskus auf, der sich schon mehrfach in ähnlichem Sinne geäußert hat, und erklärte zu seiner Eröffnung: „Die Annahme der ‚2030-Agenda für Nachhaltige Entwicklung’ auf dem Gipfeltreffen, das noch heute beginnen wird, ist ein wichtiges Zeichen der Hoffnung.“ Ja, er hielt die „feierlich übernommenen Verpflichtungen“ für einen „mit Sicherheit notwendigen Schritt auf dem Weg zu den Lösungen“.[22]  

Wie kann ein Papst so etwas pauschal bekunden, wo doch auf jenem UN-Gipfel nicht nur besagte Migrationspolitik, sondern auch Ansätze der Genderpolitik und der modernen Sexuallehre sowie sozialistische Bildungseinrichtungen wie Gesamtschule und Ganztagsbetreuung propagiert wurden? Von nationaler Souveränität war wenig die Rede. Sie kam überhaupt nur noch im Zusammenhang mit der Wirtschaft und zu ihr gehörigen Aspekten vor.[23] Und doch müßte sie berücksichtigt werden, wenn man das grundkatholische Sozialprinzip der Subsidiarität bei Staatenbünden ernst nehmen will.[24]

Die Welteinheitsregierung – ein erstrebenswertes Ziel?

Sicherlich darf man Papst em. Benedikt XVI. für diese Entwicklung nicht  verantwortlich machen. Aber seine Gedanken, für die er sich übrigens nicht ohne Grund auf seinen Vorgänger Johannes XXIII. berief, könnten für derartige Konzeptionen herangezogen werden.

Im Augenblick sind die postulierte Klimakatastrophe, der Flüchtlings- bzw. Migrationsdruck und jetzt auch noch die weltweite Gesundheitsbedrohung die Probleme, auf die sich Politiker und etablierte Presse immer wieder berufen, um die angebliche Notwendigkeit einer Weltregierung plausibel zu machen. Die zentrale Frage, die man an ein solches Ziel  einer „One World“ mit entsprechender Regierungsmacht als katholischer Christ richten muß, lautet jedoch: Wie soll ein solcher Plan ohne christliches Fundament umgesetzt werden?[25]

Immerhin hatte der emeritierte Papst schon im Jahre 1971 im Anschluß an die Kirchenväter klar bekundet, daß sich eine wahre Einheit unter den Menschen ohne die Einheit in Christus und  Seinem Mystischen Leib nicht verwirklichen läßt.[26]

Wir sehen ja in der BR Deutschland schon seit längerem, wohin die Aufgabe christlicher Grundsätze führt – bis zur Relativierung sogar der Menschenwürde, die wie nichts anderes in der Verfassung geschützt ist! Alte jüdische Weisheit hat diese Verfallenheit an ein gottloses Denken und Handeln so erklärt: „Wer das Joch des Himmelreiches abwirft, der gerät unter das Joch irdischer Herrscher und irdischer Belange.“[27]

Das rechte, heute so oft mißachtete Verhältnis zwischen Liebe zum eigenen Vaterland und universaler Ausrichtung des katholischen Christen betonte aus aktuellem Anlaß Papst Pius XII. in seiner gegen die Diktaturen roter und brauner Prägung gerichteten Enzyklika „Summi pontificatus“ vom 20. Oktober 1939[28]:

„Man fürchte nicht, daß das Bewußtsein des umfas­senden brüderlichen Bandes, wie es die christliche Lehre nährt, und die ihr entsprechende Gesinnung in Gegensatz zur Anhänglichkeit an das Erbgut und an die Größe des eigenen Vaterlandes treten; man fürchte ebensowenig, daß dies alles sich hindernd in den Weg stellt, wenn es um die Förderung des Wohls und der berechtigten An­liegen der eigenen Heimat geht.

Dieselbe Lehre zeigt nämlich, daß es bei der Übung der Liebe eine von Gott gefügte Ordnung gibt und nach dieser muß man mit gesteigerter Liebe und mit Vorzug diejenigen umfassen und bedenken, die besonders eng mit einem verbunden sind. Auch der göttliche Meister zeigte durch sein Beispiel, daß er der Heimat und dem Vaterland in besonderer Weise zugetan war; er weinte ob der drohenden Ver­wüstung der Heiligen Stadt. Aber die begründete und rechte Liebe zum eigenen Vaterland darf nicht blind machen für die Weltweite der christlichen Liebe, die auch die andern und ihr Wohl im befriedenden Licht der Liebe sehen lehrt. Wunderbar ist diese Lehre von der Liebe und vom Frieden.“

Grundmotiv der Enzyklika war es, die Einheit des Menschengeschlechts gegen Ideologien zu sichern, die sie bestritten – wie vor allem die Nationalsozialisten mit ihrer elenden Rassenlehre.[29]

Diese universale Ausrichtung des Christen auf den Frieden ist meilenweit vom heutigen Einheitsbrei einer multikulturellen und globalisierten, hochfinanzgestützten One World entfernt! Schon Papst Benedikt XV. hatte in seinem „Motu proprio“ Bonum sane vom 25. Juli 1920 einen gottlosen, sozialistischen und diktatorischen Welteinheitsstaat aufs schärfste verurteilt.[30]

Und jene heute immer häufiger und offener verteidigte potentielle Weltregierung würde ja über Möglichkeiten der Machtausübung verfügen, an die ein Propagandaminister Josef Goebbels und das Verbrecherregime der Nationalsozialisten nicht im Traum gedacht hätten und vor denen selbst einem ganz nüchternen Menschen nur angst und bange werden kann, vor allem wenn er Christ ist und ahnt, in welchem Kontext solche Pläne geschmiedet werden. 

Welcher Bedrohung wir heute schon ausgesetzt sind, kann man vielfach belegt finden in einem aufrüttelnden Buch einer katholischen Christin, die selbst in der IT-Branche tätig ist und weiß, wovon sie spricht: Yvonne Hofstetter, Das Ende der Demokratie. Wie die künstliche Intelligenz die Politik übernimmt und uns entmündigt (2016, 2München 2018). Die Autorin führt uns die Konsequenzen eines „digitalen Imperialismus“ (63) vor Augen, der dazu führt, daß weltweit „totale Herrschaft ausgeübt werden kann“ (69).  

Gläubige haben ein Recht auf seelsorgerische Betreuung!

Kommen wir auf das Verhalten der kirchlichen Hierarchie während er Coronaepidemie noch näher zu sprechen. Sie hätte sich niemals einen solchen Eingriff in den göttlichen Kult bieten lassen dürfen: Beachtung gewisser Abstandsregeln, kein Weihwasser, Gebrauch von Desinfektionsmittel, über all so etwas kann man reden.

Derartige Vorsichtsmaßnahmen billigte auch der hl. Bischof von Mailand Karl Borromäus während der Pest in den Jahren 1576 f. und förderte sie sogar. Aber zugleich setzte er sich als Guter Hirt mit seinen Priestern in heroischer Weise pastoral für seine Schafe ein, obgleich die Bedrohung für Leib und Leben damals unverhältnismäßig größer war. So wurden auf den Straßen und Plätzen auch heilige Messen gelesen, damit möglichst viele Menschen am heiligen Opfer, wenn auch aus gewisser Entfernung, teilnehmen konnten, Bußprozessionen fanden unter großer  Anteilnahme von Klerus und Volk statt.[31]

Für die Gläubigen Wochen, ja Monate lang (in Großbritannien sogar bis zum Juli 2020), die hl. Messe zu verbieten, wie es jetzt die Kirchenfürsten duldeten, ja oft aktiv mittrugen, während alle möglichen anderen Begegnungen wieder möglich waren, wäre damals und in der gesamten Kirchengeschichte unmöglich gewesen! Dagegen hätte man sich bei uns wehren müssen. Die Bischöfe haben, von wenigen Ausnahmen abgesehen, hingegen jämmerlich versagt. Das darf und muß man in aller Klarheit sagen.

Auch von den traditionellen Gemeinschaften hätten viele Gläubige mehr Mut und Engagement erwartet, obwohl sie es natürlich ohne Hilfe durch die Oberhirten schwer hatten und zugegebenermaßen mit ihren geringen Kräften sich vor eine ganz neue und ungewohnte Situation gestellt sahen, auf die kurzfristig zu reagieren war.

Gehorsamspflicht gegenüber dem Staat muß differenziert werden

Auf jeden Fall hätte man im kirchlichen Raum nicht einen so weitgehenden Gehorsam gegenüber den heutigen Staaten verlangen sollen. Und dafür berief man[32] sich auf verschiedene Stellen in der Hl. Schrift, nämlich besonders zum einen auf 1 Petr 2,13-17 und zum andern auf Röm 13, 1 f. Bei Paulus heißt es nun: „Jedermann ordne sich den vorgesetzten Obrigkeiten unter. Denn es gibt keine Obrigkeiten außer von Gott; die bestehenden sind aber von Gott eingesetzt. Wer sich daher der Obrigkeit widersetzt, widersteht der Ordnung Gottes.“

Wir wollen gar nicht auf die vielen Fälle in der Kirchen- und Profanhistorie, z. B. in der jüngeren Geschichte während des Nationalsozialismus, eingehen, wo diese Sätze geradezu im Sinne einer nahezu absoluten Gehorsamspflicht mißbraucht wurden. Vielmehr ist zu klären, was denn eigentlich gemeint ist und was die heiligen Worte für die politische Praxis unserer Zeit bedeuten. Die heutigen Staaten sind ja seit vielen Jahren immer mehr  vom antichristlichen und antigöttlichen Geist geprägt, wie eine Reihe von Büchern zeigt[33], weshalb hier besondere Vorsicht geboten ist.

Man hätte sich hier besser theologisch absichern sollen, indem man einschlägige Arbeiten wie die von Josef Spindelböck berücksichtigt hätte: Die Problematik der sittlichen Legitimität von Gewalt in der Auseinandersetzung mit ungerechter staatlicher Macht (St. Ottilien 1994, 75 f.; 79 f.).

Der gelehrte Autor stellt hier klare Kriterien auf, die sich aus der sicheren Lehre des Aquinaten ergeben (die gelehrten Fußnoten mit den Belegstellen übergehen wir):

In dreifacher Weise kann die Staatsgewalt nach der Lehre des heiligen Thomas von Gott stammen: 1. an und für sich genommen, d. h. was das Verhältnis der Über – und Unterordnung betrifft, 2. hinsichtlich des Erwerbs oder Ursprungs der konkreten Machtstellung und 3. hinsichtlich des Gebrauchs der obrigkeitlichen Gewalt. Während die Form der Gewalt (1.) immer von Gott kommt und darum schlechthin gut ist, ist ein zweifacher Mißbrauch hinsichtlich des 2. und 3. Aspekts möglich, der jedoch nie Gott selbst angelastet werden kann. Die Herrschergewalt kann nämlich ungerecht erworben sein und/oder ungerecht ausgeübt werden …

Die Ungerechtigkeit der Ausübung liegt in ausdrücklicher Mißachtung göttlicher Gebote und/oder in einfacher Überschreitung der Kompetenz.“ Im folgenden wird für die Reaktion der Bürger auf solche Fehlleistungen eine Differenzierung vorgenommen:

Kategorie 1 ist immer anzuerkennen. Kategorie 2, die die Herkunft der staatlichen Gewalt in Frage stellt, betrifft uns hier nicht. In der dritten Kategorie, wenn es nicht um göttliche Gebote geht, darf eine Güterabwägung zwischen Gehorsam und Ungehorsam nach Maßgaben praktischer Klugheit stattfinden. Also selbst hier wird kein absoluter Gehorsam für jeden nur möglichen Fall eingefordert. Bei der Mißachtung göttlichen Rechts durch den Staat hingegen darf man nicht nur, sondern muß sogar den Gehorsam verweigern und zumindest passiven Widerstand leisten. 

Theologische Beurteilung des Meßverbots

Zwar handelte es sich beim Meßverbot  (das übrigens in NRW sogar von der Erzdiözese Köln und nicht einmal von der Landesregierung ausging, wie Ministerpräsident Laschet betont hat) um ein positives Gesetz bzw. eine entsprechende staatliche Verordnung, der zunächst einmal scheinbar Folge zu leisten war. Ihr durfte man jedoch nicht gehorchen, falls sie sich gegen göttliches Gebot richtete. Das ist zwar bei der Sonntagspflicht nicht direkt der Fall. Die deutschen Bischöfe waren ja sogar so „großzügig“, daß sie sie ganz ausgesetzt haben, was offenbar auch für die Zeit gültig geblieben ist, wo hl. Messen mit gewissen Auflagen wieder gefeiert werden dürfen.

Man darf aber nicht vergessen, daß die Sonntagspflicht im Neuen Bund zwar „nur“ auf ein positives Gebot der Kirche zurückgeht, das, so könnte man vielleicht annehmen, nicht unter schwerem Nachteil oder bei großer Not verpflichte. Aber so einfach liegen die Dinge nicht. Denn die Sonntagspflicht löst die Sabbatbestimmungen des 3. Gebots vom Sinai ab, die Sonntagsheiligung führt in eine neue heilige Ordnung hinüber.[34]

Wie streng schon die AT-Bestimmungen zum Sabbat waren, mag man in Jes 58, 13 f. nachlesen. Für den Sonntag, in gewisser Hinsicht (nicht vollständig!) also den Sabbat des Neuen Bundes, gilt die Anweisung des Gottmenschen Jesus Christus: „Tut dies zu meinem Gedächtnis.“ (siehe z. B. 1 Kor 11, 24 b) Vom Beginn der Kirche an ist man diesem göttlichen Auftrag gefolgt, wie man an dem vom hl. Paulus gefeierten Gottesdienst in Apg 20,7 ff. sehen kann.

Es liegt also der Fall einer gewissen Mischung aus einem Kirchengebot mit einem Gebot Gottes selbst vor. Man lese zu derartigen Fällen die Auskunft  der Kanonisten Ludwig Müller und Christoph Ohly: „Auch innerhalb des menschlichen Kirchenrechts gibt es ein qualitatives Gefälle, je nach der Nähe zum göttlichen Recht.“[35] Und die ist beim Sonntagsgebot sehr hoch! Insofern hätte man hier nicht bedingungslos gehorchen müssen, ja nicht einmal dürfen.

Zu Recht haben die 12 unterzeichnenden Bischöfe von „Veritas liberabit vos“ hier die Freiheit der Kirche weltweit durch antichristliche Kräfte bedroht gesehen. Rein staatsrechtlich kann man sich in der BR Deutschland für eine solche Freiheit auf den Art. 4 des Grundgesetzes berufen, wo die Religionsfreiheit garantiert ist.

Dieses wichtige Grundrecht darf nicht einfach für Wochen außer Kraft gesetzt werden, auch wenn den Politkern die Beziehung der Bürger zu Gott gleichgültig ist und sie deshalb Gottesdienste nicht als „systemrelevant“ ansehen – an sich vom religiösen Standpunkt aus ein skandalöser Irrtum! Selbst die FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg betrachtet die Kirchen als „existenzrelevant“![36]

Ihre Kollegin von der CDU, die ehemalige Ministerpräsidentin des Freistaates Thüringen, Christine Lieberknecht, meinte, nach den negativen Erfahrungen während des „Shutdown“ der Coronakrise müsse unbedingt über die hohe Bedeutung der christlichen Kirchen für unser Land eine Debatte stattfinden.[37] Verschiedene führende Juristen haben das gleichfalls angemahnt, wie wir noch sehen werden.

Dabei hätte man zunächst einmal gar nicht direkt  ungehorsam sein müssen. Denn unser Staat ist als Rechtsstaat konzipiert, und man kann gegen seine Gesetze und Verordnungen Gerichte anrufen. Ja die Bundesrepublik kennt sogar aufgrund der Erfahrung mit dem Verbrecherregime der Nationalsozialisten ein aktives Widerstandsrecht, das in Art. 20 § 4 GG fixiert ist; zweifellos ist es eng auszulegen, damit nicht der Willkür einzelner Tür und Tor geöffnet wird.[38]

Sich hierauf zu berufen wäre aber weder angebracht noch nötig gewesen. Man hätte anders vorgehen können und müssen. Leider ist dieser Weg nur selten beschritten worden.

Propst Dr. Gerald Goesche vom traditionellen St. Afra-Institut in Berlin hat mit seiner Klage ein leuchtendes Vorbild gegeben. Zwar wurde diese zweimal bei Berliner Verwaltungsgerichten und dann beim Bundesverfassungsgericht abgewiesen. Aber immerhin brachte der Geistliche das oberste deutsche Gericht zu dem – an sich selbstverständlichen – öffentlichen Eingeständnis, „daß die Religionsfreiheit ein sehr hohes Gut ist, das nicht leichtfertig eingeschränkt werden kann.“[39]

Somit war wenigstens ein Zeichen für einen wahrhaft katholischen Widerstandsgeist gesetzt.

Ein solcher Einsatz hat nichts mit innerer Unausgeglichenheit, falschem Aktivismus, mangelnder Geduld oder gar fehlender Demut zu tun, wie ich leider schon lesen und hören mußte. Im Gegenteil, echter christlicher Mut und echte christliche Demut gehören eng zusammen. Wenn derartige rechtstaatliche Mittel, die unser Gemeinwesen ausdrücklich vorsieht, nicht fruchten und auch andere Mittel keinen Erfolg bringen sollten, wäre nach Maßgabe der praktischen Klugheit sogar Widerstand erlaubt, den einige wenige Geistliche geleistet haben, indem sie beispielsweise insgeheim in Privathäusern mit Gläubigen die hl. Messe feierten – unter Wahrung von Sicherheitsmaßnahmen.

Die Kirche als ganze hat da in der Regel nichts getan und ihre treuen Priester und Laien sogar noch im Stich gelassen, wie z. B. Propst Goesche erfahren mußte; hier und da war sogar von Abmahnungen wegen Gehorsamsverweigerung gegenüber dem Diözesanbischof oder dem Ordensoberen die Rede.

Wird die Eucharistiefeier „überbewertet“?

Man hat den Eindruck gewonnen, daß manchen Apostelnachfolgern – man wagt es kaum auszusprechen, aber die Fakten sind erdrückend –  an der hl. Messe nicht sonderlich viel liegt. Das sieht man deutlich an Bemerkungen der Bischöfe Wilmer und Feige.

Der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer, der mit dem Essener Bischof Franz-Josef Overbeck immer wieder durch Kommentare von zweifelhaft katholischer Qualität auffällt, nahm zu dem Verbot aller Gottesdienste (neudeutsch/“denglisch“: lock down) während der Corona-(Covid 19)Epidemie Stellung. Manche Priester und Gläubige protestierten immerhin und retteten so die Ehre ihrer Kirche.

In deren Reaktionen, so ließ Bischof Wilmer verlauten, werde die Eucharistie „überbewertet“.

Treffender Kommentar in der katholischen Zeitschrift Die Tagespost: „Eine Kirche, die die Eucharistie und damit die Heilsrelevanz ihres Herrn für ‚überbewertet’ hält, braucht niemand mehr.“[40] Und einer seiner Mitbrüder im hohen Amt, Bischof Gerhard Feige von Magdeburg, sekundierte Exzellenz Wilmer mit der unglaublichen rhetorischen Frage: „Sind unsere Gottesdienstausfälle nicht fast Luxusprobleme?“[41]

Hatte nicht Kardinal Henri du Lubac, wahrlich kein traditioneller „Hardliner“, recht, wenn er sagte: „Um … die Kirche zu verstehen, muß man sie in der Handlung betrachten, wo sie die Eucharistie vollzieht.“[42]

Was würden orthodoxe Christen zu Äußerungen wie denen der Bischöfe Wilmer und Feige sagen? [43] Ihnen ist die Göttliche Liturgie einfach ihr Ein und Alles, alles ist gleichsam Liturgie! So  trägt ein Buch von Archimandrit Kallistratos N. Lirakis den Titel  „I orthodoxia os liturgiki paradosi“ (Athen 1990)  auf Deutsch: „Die Orthodoxie als liturgische Tradition [sic!]“. Was ist das für eine Kirche bei uns im Westen, von der offenbar so manche deutsche Bischöfe träumen, die jetzt mit Laien des ZdK zum Synodalen Weg vereinigt sind?     

Benutzt man die Corona-Krise, um progressive Forderungen durchzusetzen?

Ja manche hoffen jetzt sogar darauf, daß durch die Entwicklung der letzten Wochen und Monate das angeblich urchristliche Hauskirchenwesen wiederbelebt würde, bei dem dann offenbar auch Nichtgeweihte den Vorsitz übernehmen dürften.[44] Ein Blick in das neue Buch von Stefan Heid könnte sie belehren, daß sie einer falschen Ideologie aufgesessen sind: Stets haben Bischöfe und Priester die hl. Messe an Altären in heiligen Räumen zelebriert, die dann anfänglich natürlich auch einmal in einem Privathaus untergebracht sein konnten (Altar und Kirche. Prinzipien christlicher Liturgie, 2Regensburg 2019).

Offenbar verfolgt man in Teilen der Kirche nun auch das Ziel, die Mundkommunion zu verbieten.

So ließ der Limburger Generalvikar Rösch am 5. Juni 2020 in einer Feier des alten Ritus in Limburg verkünden, auch für die traditionelle hl. Messe sei die Austeilung der Mundkommunion verboten.[45] Besonders hervorgetan hat sich hier z. B. Kardinal Antonio Marto, der Bischof von Leiria-Fatima, der darüber hinaus auch eine vom portugiesischen Staat ermöglichte vorzeitige Wiedereröffnung der Wallfahrtsstätte Unserer Lieben Frau ablehnte.[46] Das soll wohl ebenso für den alten Ritus gelten.

Es sieht so aus, als wenn bestimmte Bischöfe den Gläubigen generell deren ehrfurchtsvolle Haltung vor dem Allerheiligsten abgewöhnen möchten. Sehr gelungen ist zu diesem Fragekomplex die im Internet greifbare Presseerklärung der Internationalen Una Voce Föderation Kommunionempfang in Pandemie-Zeiten.

Dabei ist bei der Spendung der Mundkommunion, worauf auch hier hingewiesen wird, durchaus keine größere Ansteckungsgefahr gegeben als bei der Handkommunion, wenn der Geistliche sich vorher die Finger desinfiziert und die heilige Hostie vorsichtig und ohne Berührung auf die Zunge legt. Daß letzteres möglich ist, weiß ich aus Jahrzehnte langer Praxis als Ministrant im alten Ritus, der den Priester mit der Patene begleitet.

Einschränkungen der Gottesdienste

Nachdem in beschränktem Umfang Gottesdienste wieder zugelassen waren, hat man hier teilweise, wie in Bayern, das Tragen der Schutzmaske  vorgeschrieben. War dies wirklich nötig, wenn die vorgeschriebenen Ordnungskräfte auf die gebotenen Abstände achten, was nach meiner Erfahrung effektiv geschehen kann? Der Ästhetik an heiliger Stätte ist die partielle Gesichtsverhüllung sicherlich nicht förderlich. Und war es wirklich unumgänglich, das Singen zu verbieten oder zumindest erheblich einzuschränken?

Man könnte doch für ausreichende Belüftung des Kirchenraumes, z. B. durch weites Öffnen der Fenster, sorgen! Am Sonntag gehört für den feierlichen Gottesdienst (katholisch: Hochamt) der Kirchengesang, in katholischen Gemeinden bevorzugt der des lateinischen Chorals (siehe Vaticanum II, Sacrosanctum Concilium Nr. 116), bei den Protestanten im besten Fall die deutschen Choräle, beinahe wesenhaft zum Gottesdienst und ist nicht irgendein Beiwerk, auf das man ohne Schaden auch verzichten kann!

So hielt Papst Pius X. in seinem Motu proprio vom 22. November 1903 (am 4. August war er gerade erst zum Pontifex gewählt worden, so lag ihm die Kirchenmusik am Herzen!) mit der Überschrift „Tra le sollecitudini“ (späterer lateinischer Titel „Inter pastoralis officii“) fest: „Die Kirchenmusik ist ein wesentlicher Bestandteil der feierlichen Liturgie.“ (Art. 1)[47]

Versuch einer Gesamtbeurteilung der Coronakrise 

1) Dystopische Verhältnisse

Wenn man die politischen Maßnahmen der vergangenen Monate insgesamt Revue passieren läßt, so wird man in erschütternder Weise durch ihre Radikalität an einen dystopischen Roman der Bonner Schriftstellerin und promovierten Juristin Juli Zeh erinnert, den diese bereits im Jahre 2009 veröffentlicht hatte.

In ihrem Werk Corpus Delicti – Ein Prozess (24Aufl., München 2010), führt sie eine staatlich verordnete Gesundheits – und Hygienediktatur vor, zu der beispielsweise das Maskentragen und das Meiden körperlicher Kontakte gehört: Durch ständige Überwachung mit elektronischen Maßnahmen (Bakterien-, Schlaf-, Ernährungs- und Sportkontrollen, S. 100) setzt der Staat die METHODE, wie es heißt, brutal durch. Wer sie bekämpft, ist ein Reaktionär, der dem Staat den Krieg erklärt  (S. 89).

Die Entwicklung zu diesem Zwangsstaat, so die Schriftstellerin, wurde durch einen radikalen Werteverfall möglich, bei dem Nation, Religion und Familie ihre Bedeutung einbüßten. (S. 88) Nur noch die Gesundheit, das physische Leben und körperliche Wohl ist als „Wert“ geblieben. Erinnert auch dieser Gesichtspunkt nicht ein wenig an die Politik der letzten Monate?

Man bedenke aber, daß der Schutz der Menschenwürde im Art. 1 unserer Verfassung, der Schutz des Lebens aber erst im zweiten Artikel steht! Wenn das nackte Leben und die unversehrte Gesundheit allem voranginge, dann müßten das Autofahren, das Rauchen, Übermaß bei Essen und Alkoholgenuß, gefährliche Sportarten usw. untersagt werden, und dieses Verbot wäre staatlich zu überwachen – ein Horrorszenario, wie es in Zehs Roman aufgebaut wird!

Ganz zu schweigen von der Tötung des ungeborenen Menschen, dessen Grundrecht auf Leben man in den meisten Staaten mittlerweile mit Füßen tritt und das in der Tat konsequent geschützt werden müßte!

2) Stimmen von Juristen

Eine Reihe von hochrangigen Juristen und auch bekannten Philosophen haben diese Verkürzung des menschlichen Daseins auf das Überleben zu Recht kritisiert. In einem Interview mit der KNA (21. 5. 2020) äußerte der ehemalige Verfassungsrichter und Bonner Juraprofessor Udo di Fabio, der prinzipiell die vom Staat ergriffenen Schutzmaßnahmen für vertretbar hält, trotzdem vorsichtige Kritik an ihnen:

KNA:„Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble hat unlängst gesagt, dass der Schutz des Lebens nicht automatisch Vorrang vor allen anderen Erwägungen habe. Wenn, dann genieße lediglich die Würde des Menschen einen absoluten Wert. Gibt es so etwas wie eine Rangfolge der Grundrechte? 

Di Fabio: Ich glaube, dass der Bundestagspräsident mit seiner Einschätzung richtig liegt. Absolut bedeutet: Man kann dieses Recht mit anderen Verfassungspositionen nicht abwägen. Und diesen absoluten Schutz sieht das Grundgesetz in der Tat nur für die Würde des Menschen vor.

KNA: Das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit…

Di Fabio: … ist ein Höchstwert der Verfassung, aber eben nicht der Höchstwert. Das heißt: Der Staat muss das Leben schützen, aber eine freie Gesellschaft muss auch mit Risiken leben, denn es gibt weitere wichtige Grundrechte.“ Daß Art. 2 nicht absolut gelten kann, sieht man z. B. an der Wehrpflicht, die Jahrzehnte lang in der BR Deutschland grundgesetzmäßig abgesichert bestand: Der Staat verpflichtete junge Männer zum Waffendienst, bei dem sie im Verteidigungsfalle auch ihr Leben hätten verlieren können.

Manche Verfassungsrechtler drückten sich noch schärfer aus. So kann man bei JUDID – Recht verständlich machen (4. Mai 2020) lesen: „Der ehemalige Präsident des Bundesverfassungsgerichts Hans Jürgen Papier sieht im Umgang mit der Coronavirus-Pandemie die Freiheitsrechte in Gefahr“. Im folgenden führte er seine Bedenken im einzelnen aus.

Und das Magazin FOCUS berichtete bereits am 10. April 2020 über damals schon aufkommende Unruhe:

„Unter Verfassungsjuristen wächst der Unmut über die von Bundesregierung und Landesregierungen verfügten Einschränkungen zahlreicher Grundrechte. 

Gegenüber FOCUS sagte der Staatsrechtler und ehemalige Bundesminister Rupert Scholz[48], Teile davon seien verfassungswidrig. ‚Die Situation, in der wir leben, hat einen notstandsähnlichen Charakter angenommen’, sagte Scholz dem Focus. Eine Notstandsgesetzgebung gebe es jedoch nur für den Verteidigungsfall, nicht aber ein Virus wie Covid-19. Zudem müsse bei allen Gesetzen der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit gewahrt bleiben. Für Scholz ist das vor allem mit Blick auf die Schließung von Hotels und Restaurants nicht der Fall.“

Für die Kirchen, so möchte ich ergänzen, wenn sie  Abstandsregeln und hygienische Maßnahmen einhalten, schon gar nicht!     

3) Die Stimme eines Philosophen

Eine der ausgewogensten und rational am besten begründeten Stellungnahmen stammt aus der Feder von Berthold Wald, emeritiertem Professor für Systematische Philosophie der Theologischen Fakultät Paderborn und gläubigem Katholiken, der übrigens den Nachlaß von Josef Pieper betreut.

In einem im Internet greifbaren Interview mit Dominik Lusser von der Stiftung Zukunft CH, das unter der Überschrift erschien Es gibt Tragödien, die durch keine Ethik zu vermeiden sind,  sagte er u. a.:

„Das oberste Rechtsgut, das zu schützen der Staat und die internationale Gemeinschaft verpflichtet sind, ist laut UNO-Charta und Grundgesetz ‚die Würde des Menschen’ und nicht die Erhaltung des Lebens um jeden Preis. Massnahmen, welche die Würde missachten und verletzen, sind unentschuldbar grundrechtswidrig und darum ungerecht, so vor allem die komplette soziale und seelsorgliche Isolation von Schwerkranken und Sterbenden.

Der Mensch ist Person und nicht bloß ein für sich und andere riskantes biologisches Substrat. Es widerspricht der Würde des Menschen, ihn darauf zu reduzieren, potentieller Virusträger  bzw. Opfer einer Viruserkrankung zu sein, das isoliert werden muss zum eigenen Schutz wie zum Schutz der anderen. Manches von dem, was hier staatlicherseits angeordnet und von den Kirchen widerspruchslos hingenommen wird, ist schweres Unrecht.“

Zu der von der Ebenbildlichkeit Gottes abgeleiteten Würde des Menschen, so darf man ergänzen, gehört unaufgebbar eben auch sein Recht auf die Gottesverehrung, ja theologisch betrachtet sogar seine Pflicht hierzu!

4) Stimmen von Geistlichen und Theologen

Immerhin haben auch – neben dem schon erwähnten Berliner Propst Goesche – einige wenige Geistliche als unmittelbar Betroffene ihre Stimme erhoben. Zu ihnen zählt z. B. Pater Justin Minkowitsch.

Die Tagespost (14. Juni. 2020,14) gab die Kritik aus seinem Büchlein Zur Theologie der Eucharistie in der Corona-Krise. Eine dogmatische Erörterung (erschienen im Eigenverlag, Türnitz 2020, 80 Seiten) folgendermaßen wieder; sein Urteil bestätigt unsere obige Einschätzung bezüglich des Sonntagsgebotes:

„Dogmatisch betrachtet seien Äußerungen, das Sonntagsgebot sei nicht unverzichtbar, ein Bruch mit  dem Willen und Auftrag des Herrn sowie mit der apostolischen Tradition. Fernseh-, Radio – und Streamingmessen seien allenfalls ein ‚äußerst fragmentarischer Ersatz’. Besonders kritisch sieht der Zisterzienser die Einschränkung der Krankensalbung.“

Auch der Ständige Diakon und Freiburger Theologe Helmut Hoping sparte nicht mir Kritik. Gernot Facius berichtete in  der Jungen Freiheit (29. Mai 2020) über ihn: „Beim Blick in leere Kirchenbänke wunderte sich im April der katholische Dogmatiker und Liturgieexperte Helmut Hoping, daß die Hirten der Kirche das polizeilich überwachte Gottesdienstverbot ‚nicht einmal im Ansatz’ hinterfragten.“

Auch die klare Stimme des Münchner Pastoraltheologen und glaubenstreuen Priesters Andreas Wollbold aus einem Interview mit Oliver Maksan wollen wir zu Wort kommen lassen (Die Tagespost vom 28. Mai 2020, 2): 

„Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Kirche geradezu servil alles zu 150 Prozent richtig machen wollte, was staatliche Vorgaben erwarteten. Während Eltern, Lehrer, Einzelhandel und Touristik völlig legitim die Interessen ihrer Klientel vertraten, musste man schon manchmal denken, die Kirchenverantwortlichen vertreten Interessen gegen die Wünsche ihrer Gläubigen. Da hat uns sicher die Missbrauchskrise so weichgespült, dass der Blick auf die öffentliche Wirkung den Blick auf das Seelenheil zu ersetzen schien. Dabei ist aber doch das Seelenheil bekanntlich das oberste Gesetz der Kirche.“

Und schließlich soll auch eine protestantische Stellungnahme nicht übergangen werden: „Das Selbstbild der Kirche über ihre angebliche Bedeutung in der Gesellschaft und für die Gesellschaft wurde in der Corona-Seuche ‚zerbrochen’. Das beobachtet und beschreibt der Bochumer evangelische Theologe Günther Thomas im Nachrichtenmagazin ‚Idea Spektrum’. Es zeigte sich: ‚In der Krise sind Baumärkte wichtiger als Gottesdienste, Pinsel wichtiger als Gebete.’ Die Kirchen waren bzw. sind in dieser Situation ‚weder für die Bundeskanzlerin noch für die Wissenschaftler erwähnenswert.’“[49]

Liegt in dieser selbstgewählten partiellen Bedeutungslosigkeit nicht auch einer der Gründe für das neuerlich deutliche Anschwellen der Austrittswelle aus den beiden großen christlichen Konfessionen und für den Rückgang von Spenden und Kirchensteuer?            

5) Die rein virologische Betrachtungsweise war zu einseitig   

Den Verantwortlichen ist vor allem vorzuwerfen, daß sie bei ihrer Reaktion auf Covid 19 fast ausschließlich oder ganz überwiegend immer nur die virologische Seite ins Auge faßten. Diese Unausgewogenheit gilt auch und insbesondere für die Beschränkungen der Gläubigen in ihrem Recht auf gottesdienstliche Feiern. Und dabei stützten sich die Verantwortlichen zu allem Übel noch sehr einseitig vor allem auf Aussagen von Prof.  Christian Drosten in Berlin bzw. des Robert Koch-Instituts, andere Positionen wie die der Professoren Hendrik Streeck oder Klaus Püschel (Rechtsmediziner in Hamburg) ließen sie eher unbeachtet, so daß jene auch kaum Eingang in die herrschenden Medien fanden.

Mit Recht kann man mit dem Bonner prominenten Juristen Josef Isensee hier beinahe von einer „Virokratie“ sprechen.[50] Krankenhausbetten wurden in viel zu hohem Maße für Covid 19-Patienten reserviert, andere Schwerkranke (Krebs, Herzdefekte) wurden auf die lange Bank geschoben, mit zum Teil katastrophalen Folgen für deren Gesundheit. Und dies alles geschah, obwohl man alsbald absehen konnte[51], daß bei aller Bedrohung durch das Virus, die man nicht leugnen sollte, die Todeszahlen, jedenfalls in Deutschland mit seinem im Verhältnis zu anderen Ländern, wie Großbritannien und Italien, relativ leistungsfähigen Gesundheitssystem, weit unter denen z. B. der Influenzaepidemie des Jahres 2018 bleiben würden (unter 10.000 gegenüber damals weit über 20.000[52]).

Dabei traten die weitaus meisten Todesfälle bei alten Personen, die oft die 80 Jahre überschritten hatten, oder gesundheitlich schwer Vorbelasteten auf, so daß man oft gar nicht sicher entscheiden konnte, was genau die Mortalität ausgelöst hatte.[53]

Weitgehend ausgeklammert wurden die weltweit katastrophalen Folgen für das gesamte Wirtschafts- und Finanzleben[54] Das führte – zusammen mit der menschlichen Isolation – zu schweren psychischen Problemen. Ständige Existenzängste, überhöhte Reizbarkeit, häusliche Gewalt, die sogar Scheidungen mit begünstigt hat, waren die Folge; ja nachweisbar hat sich die Selbstmordrate erhöht.[55]

Und in dieser Notlage, die viele Menschen massiv bedrückte, hielt sich die katholische Kirche (bei den Protestanten war es nicht besser!) in bedenklicher Weise mit ihren seelsorgerischen Diensten, vor allem mit der Feier öffentlich zugänglicher Gottesdienste, derartig zurück! Oft genug unterwarf man sich sogar den Quarantänebestimmungen des Staates und ließ alte und todkranke Gläubige in der Isolation, ja manchmal starben sie sogar ohne die Tröstung durch die vom Heiland eingesetzten Sakramente.

Ein solches Fehlverhalten geht natürlich neben anderen Motiven auch auf die Geringschätzung jener die göttliche Gnade bewirkenden Zeichen zurück. Wenn ich der theologischen Sicht verfallen bin, die heute stark verbreitet ist, die Sakramente seien nur äußerliche, letztlich wirkungslose Zeichen einer längst allen Menschen geschenkten Gnade, dann werde ich für ihre Spendung als Priester oder Bischof kein außergewöhnliches Opfer bringen.[56] Wer hier gefehlt hat, sollte umkehren und Buße tun!   

6) Mangelndes Urteilsvermögen der Masse

Um so erstaunlicher ist es, welche Zustimmung gerade Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Mehrzahl der Bevölkerung gefunden hatte. Ihre schwer angeschlagene CDU – nicht zuletzt durch Verlust von ihr vergraulter konservativer Wähler – nahm erheblich in der Wählergunst zu. Wenn man die Deutschen wieder in eine Diktatur führen möchte (ich spreche im Potentialis), dann müßte man so vorgehen.

Es wurde ja auch bewußt massiv Angst verbreitet, wenn man allein daran denkt, daß das „Staatsfernsehen“ der ARD fast jeden Abend nach der Tagesschau um 20.15 Uhr über viele Wochen hinweg geradezu eine Propagandasendung zur Verteidigung der Regierungsmaßnahmen brachte. Zahlen der Genesenen wurden längere Zeit verschwiegen, ohne die man sich gar kein rechtes Bild von der Ausbreitung der Epidemie machen konnte. Soweit ich sehe, wurde fast nie klar genug zwischen symptombehafteten Infektionen und reiner Bildung von Antikörpern ohne Symptome differenziert; letzterer Personenkreis scheint das Virus nach Auffassung der WHO nur sehr selten zu übertragen, was größte gesellschaftliche Konsequenzen nach sich zieht, wenn es stimmen sollte.[57]

Dieser Einwand gilt jetzt auch für die fortlaufenden Tests, z. B. bei der Fleischerei Tönnies in Gütersloh, und deren Ergebnisse.  Kritische Stimmen blieben fast immer unerwähnt. Das war nachweislich eine klare Strategie, über die Andreas Rosenfelder in der WELT vom 5. Mai 2020 (S. 8) schrieb: „Das Worst-Case-Horrorszenario, von dem ein Strategiepapier der Bundesregierung zu Beginn der Krise im März ausdrücklich empfohlen hat, es der Bevölkerung einzuimpfen, ‚um die gewünschte Schockwirkung’ zu erzielen“.

Ja sogar die internationale Presse bewunderte die Bundeskanzlerin. So titelte die bekannte spanische Zeitung El Pais (26. 4. 2020): El éxito de la canciller cientifica que encadila al mundo. – Der Erfolg der Wissenschafts-Kanzlerin, der die Welt  betört.

Einen entscheidenden Grund für einen solchen Erfolg der Schocktherapie ganz allgemein nennt Walter Krämer, Professor für Wirtschafts- und Sozialstatistik in Dortmund und unermüdlicher Streiter für die deutsche Sprache, in seinem Buch Die Angst der Woche. Warum wir uns vor den falschen Dingen fürchten (München 2013, 79): „Dieser Sieg des Bauches über den Verstand ist die mit großem Abstand wichtigste Quelle irrationaler Panik überhaupt.“[58]

So kam es auch, daß der bayerische Ministerpräsident Söder mit seinen rigorosen Kontaktverboten bei der Bevölkerung in Umfragen besser abschnitt als sein großzügigerer Kollege Laschet aus Nordrhein-Westfalen. Mittlerweile werden jetzt aber im Monat Juni, in dem diese Zeilen geschrieben wurden, doch immer mehr Bevölkerungsteile unruhig, weil sie unter verschiedenen Gesichtspunkten vor dem Ruin stehen.

7) Ein Fazit des Althistorikers Egon Flaig

So spricht auch der emeritierte Rostocker Althistoriker Egon Flaig, der bei einem größeren Publikum vor allem durch sein Buch Weltgeschichte der Sklaverei (2München 2011) bekannt geworden ist, im Zusammenhang mit den Maßnahmen der Politiker gegen die Coronaepidemie von einer „Äskulapokratie“, einer Herrschaft der Ärzte, speziell der Virologen.

Ein kleiner Auszug aus seinem Essay Das Politische in der Hyperrealität (Cato – Magazin für neue Sachlichkeit Nr. 4/2020, 11-19, Zitat 19) möge zum Nachdenken über die dramatischen Ereignisse der letzten Monate und ihre weltweiten Folgen anregen:

„Welcher Staatschef oder Minister wird dem Volk offen sagen, daß die WHO eine Fehlwarnung ausgab, daß die Regierungen sich über die Realität grotesk täuschten, daß man sich von einer medial angeheizten Hyperrealität den Verstand vernebeln ließ, das Gemeinwohl einer epidemiologischen Strategie unterordnete, falsche moralische Maßstäbe gebrauchte, eine Vernichtung von Wohlstand organisierte, die sich im Ausmaß von drei Großkriegen bewegt und sieben Milliarden Menschen in finanzielle, ökonomische, soziale, edukative, familiäre und psychische Not gebracht hat – ohne Not?

Um die dramatischen Folgen dieses objektiven Irrsinns wiedergutzumachen, wollen die Regierungen Schulden in Billionenhöhe aufnehmen und die Finanzwelt des Globus in die umkehrlose Hyperrealität hineinschwimmen lassen – den Irrsinn mit einem Wahnsinn heilen, den die nächste Generation abzutragen hat.“  

8) Abschließender Aufruf an die Kirchenführer

Flaig schließt seinen Essay mit einem wichtigen Gedanken. „Die Wahrheit wird uns freimachen.“ Er meint das mehr im profanen Sinne. Für uns Christen ist die Wahrheit aber eine Person, nämlich der Gottmensch Jesus von Nazareth (Joh 8,32).

Nur Er und Seine himmlische Mutter können uns aus der bedrohlichen Lage heraushelfen, in die sich eine außer Rand und Band geratene Menschheit selbst manövriert hat. In erster Linie muß sich Sein Mystischer Leib, die hl. Kirche, wieder ihres wahren Auftrags besinnen, nämlich der Verkündigung des unverfälschten Evangeliums und nicht irgendwelcher soziologischer Modelle.

Papst und Bischöfe haben das Erbe des Heilands weltweit mutig gegen Politiker zu verteidigen, die die Freiheit der Kirche einschränken wollen, weil sie sie letztlich ablehnen, ja oft sogar hassen und am liebsten zerstören möchten.

Zur Abwehr solcher antichristlichen Aktivitäten bedarf es, auch und gerade unter den Laien, tapferer und opferbereiter Christen, die „cum metu et tremore“, mit Furcht und Zittern ihr Heil bei Gott wirken (Phil 2,12), aber furchtlos vor den Menschen agieren. Sie müssen den Jesus Christus bekämpfenden Menschen, falls diese sich nicht bekehren und von ihren bösen Machenschaften ablassen, als „milites Christi“, als „Soldaten Christi“ entgegentreten.[59]

Das, was in den letzten Monaten an falschem Gehorsam, ja an Kollaboration der Kirchenführer mit einem gottfernen Staat (trotz Präambel des Grundgesetzes und trotz der Artikel 1 – Menschenwürde – und 4  – Religionsfreiheit) zu beklagen war, darf nie mehr vorkommen. Eine solche Mahnung wiegt um so schwerer, als man damit rechnen muß, daß die Gottesleugner und Kirchenfeinde unter den Herrschenden sich durch diese Erfahrung ermutigt sehen, künftig die Christen, möglicherweise unter Mitwirkung von Kräften aus deren eigenen Reihen, noch stärker ins Abseits zu drängen.

Das Coronavirus und seine medizinisch sicher nicht zu unterschätzenden Folgen hätten den in der Kirche Verantwortlichen die Gelegenheit gegeben, innezuhalten und den falschen Weg zu korrigieren. Immer hat Gott solche Seuchen zugelassen, damit die Menschen sich ihrer Sünden besinnen, an das ewige Leben denken und umkehren. Das zeigen Zeugnisse sowohl des Alten wie des Neuen Testaments, aber auch der Kirchengeschichte in aller wünschenswerten Klarheit.

Von dieser Einschätzung der Lage darf uns auch die moderne Theologie nicht abhalten, die mit einem solchen Gedanken wenig anzufangen weiß. Denn nicht selten ist sie einem geradezu deistischen Weltbild verfallen, nach dem Gott nicht mehr Herr seiner Schöpfung ist – sofern sie überhaupt auf ihn zurückgeht. Manfred Hauke hat der heilsgeschichtlichen Komponente der Coronaepidemie einen wichtigen und überzeugenden Beitrag gewidmet.[60]

Die Führung der Kirche hätte sich weniger um die gesundheitliche Bedrohung durch das nur in relativ geringem Maße tödliche „Kronen“- (Corona-)Virus kümmern sollen. Das ist Aufgabe des Staates, und ihm ist in solchen Fällen normalerweise, aber wie wir sahen, eben keineswegs immer Folge zu leisten. Vielmehr hätte man sich mehr um die „Krone des Lebens“ bemühen sollen, auch und vor allem in der Verantwortung für die anvertraute Herde.[61]

Wie sagt es der hl. Jakobus so klar? „Selig der Mann, der in der Versuchung standhaft bleibt. Denn wenn er sich bewährt hat, dann wird er die Krone (den Kranz) des Lebens erhalten, die (den) Gott denen versprochen hat, die ihn lieben.“ (Jak 1,12)

Das gilt besonders für Zeiten, die man nur als „apokalyptisch“ bezeichnen kann, wie sie z. B. Rainer Maria Kardinal Woelki charakterisiert hat.[62]  Und wir wissen nicht, ob diese Einschätzung nur im übertragenen, allgemeinen Sinne gilt oder ob man zum Verständnis der Weltlage auch das Buch der Apokalypse, z. B. mit seinen Kapiteln 13 und 17-19, heranziehen muß. Sollte letzteres der Fall sein – ich bin kein Prophet! –  dann können wir nur hoffen und beten, daß die für die Kirche Verantwortlichen ihre wahre Aufgabe erkennen und künftig dementsprechend handeln.

Einem Staat, der sich diktatorische Vollmacht anmaßt, mag dieses Vorgehen augenblicklich zum Teil noch berechtigt erscheinen, darf man als Kirche nicht so willfährig entgegenkommen, wie dies geschehen ist, weil man vielleicht glaubt, so nicht aufzufallen und dadurch irgendwelchen Repressalien zu entgehen. Vielmehr muß man, zunächst so weit wie möglich im Rahmen der Legalität, Flagge zeigen. Sonst wird dieser Staat, weil er keinen Widerstand erfährt und sich stark fühlt, künftig noch unbedenklicher und massiver die Kirche einschränken.     

Die Pflicht zum christlichen Widerstand

Es seien mir hier ein paar Überlegungen zu diesem Thema gestattet, die aus der Erfahrung der letzten Wochen in der Coronakrise erwachsen sind. Dabei will ich nicht behaupten, daß sie direkt auf unsere Verhältnisse anwendbar wären. Aber sie sollen Gefahren skizzieren, die sich m. E. ansatzweise gezeigt haben und noch zeigen und denen man, sollten sie sich verschärfen, ggf. kompromißlos Widerstand zu leisten bereit sein muß.

Wenn man bestimmte Entwicklungen sieht, die weltweit gegen die katholische Kirche gerichtet sind, so bedarf es auf jeden Fall möglichst vieler Menschen, die sich nicht verbiegen lassen, sondern die mit Tapferkeit und Klugheit für ihre christlichen Überzeugungen eintreten, so wie es Max Pribilla S. J. in seinem Buch Mut und Zivilcourage des Christen (Frankfurt/M. 1957) beindruckend gefordert hat.

Der Autor beklagte schon damals ein „verblaßte(s), blutleeres Christentum“, das weit verbreitet sei – was würde er wohl heute sagen? Zur Abwehr einer solchen Degeneration brauche es „die Erziehung zur Tapferkeit und die Heranbildung starker Charaktere, die auf eigenen Füßen stehen können und ernstlicher Belastung gewachsen sind“ (97) – angesichts der heutigen Erziehungssituation eine Herkulesaufgabe!

Die Kardinaltugend der Tapferkeit

Wenn hier Tapferkeit gefordert wird, dann ist an die alte abendländische Tradition der dritten Kardinaltugend (zu der für einen Christen natürlich noch die entsprechende Gabe des hl. Geistes nach Jes 11,2 kommen soll[63]) zu erinnern, die Josef Pieper in seinem Meisterwerk Das Viergespann. Klugheit – Gerechtigkeit – Tapferkeit – Maß (München 1964) so beschrieben hat:

„Ohne Klugheit und Gerechtigkeit gibt es keine Tapferkeit, nur wer klug und gerecht ist, vermag auch tapfer zu sein.“ (172) Man würde sonst von „Draufgängertum“ (173) sprechen, dem mit der Feigheit korrespondierenden Extrem der anderen Seite; die Tapferkeit hält eine mittlere Position, und zwar schon nach der aristotelischen Tugendlehre.[64] Zur wahren Tapferkeit gehört dementsprechend auch die Geduld: Nichts darf überstürzt werden (181).

Alles muß ruhig und unaufgeregt abgewogen werden. Die Kirche hat dementsprechend immer davor gewarnt, sich zur höchsten Form der Tapferkeit, dem Blutzeugnis für die Wahrheit in Jesus Christus, zu drängen; schon Märtyrer wie Polykarp (2. Jh.) und Cyprian (3. Jh.) wandten sich mit entsprechenden Aufrufen hiergegen (167).

Aber auch der Untätige oder Zauderer entspricht nicht dem christlichen Ideal. Es ist ein Ausdruck der „spießbürgerlichen Meinung, daß die Wahrheit und das Gute sich ohne den Einsatz der Person ‚von selbst’ ‚durchsetzen’“ (166). Einem solchen potentiellen Irrtum mußte schon der hl. Paulus wehren (z. B. 2 Kor 7,5; 10,3).

Er betonte, daß es für die Evangelisierung der Welt der Tapferkeit und des (geistlichen) Kampfes bedürfe. Das gilt nicht minder, ja vielleicht in noch höherem Maße in unserer erschlafften Zeit für die immer wieder – an sich zu Recht – für  unsere Breiten, auch von Päpsten, angemahnte Neuevangelisierung.[65]           

Die Menschenfurcht

Der größte Feind dabei ist neben mangelnder Tiefe im Glauben, der immer wieder durch Gebet und inneren Seelenfrieden, vergleichbar der schon paganen „tranquillitas animi“, genährt werden muß, eine bestimmte, selbst in traditionell-katholischen Kreisen zu findende Gefahr: nämlich die der Menschenfurcht. 

Joseph Overath hat über diese Schwäche ein nützliches Büchlein verfaßt. Es trägt den Titel „Von der Menschenfurcht“ und erschien 1997 beim Kral-Verlag in Abensberg. Die weitaus meisten Menschen, so der geistliche Autor, können sich dieser ängstlichen, oft direkt feigen Haltung nicht versagen, nur eine kleine Minderheit ist zum Widerstand und, wenn nötig, zum Kampf bereit (39).

Dabei unterscheidet Overath verschiedene Arten der Menschenfurcht (29-35):

1) Jene um des Irenismus willen, d. h. man möchte kein Störer von Frieden und Einheit sein, mag die Ideologie des Mainstream, vorsichtig ausgedrückt, noch so exotisch anmuten. 2) Damit u. U. zusammenhängend, kann eine weitere Quelle das Gefühl sein, sich dem Zeitgeist direkt selbst verpflichtet zu fühlen. Die Angst vor Isolation kann einen dabei umtreiben.  3) „Neutralismus“, nämlich keine Werte, sondern nur Ziele und Zwecke zu verfolgen, kann ein weiterer Hintergrund dafür sein, sich nicht erklären und exponieren zu wollen.

4) Die Menschenfurcht mag Ausfluß einer falschen Autoritätsgläubigkeit sein. 5) Schließlich kann sie sich auch aus der Angst um Gesundheit und Leben speisen. 6) Öfter entspringt sie  einem übertriebenen Karrierestreben.

In jedem Fall führt der Verlust der Gottesfurcht zur Anfälligkeit gegenüber der Menschenfurcht.

„Verbürgerlichung“ des Christentums als Gefahr

Lesenswert ist in unserem Zusammenhang auch die kleine Schrift „Von der Würde des Christentums und der Unwürde der Christen“ des russischen Philosophen Nikolai A. Berdiajew (dt. Ausgabe Luzern 31936). Sie ist vor zwei Jahren unter dem Titel „Im Herzen die Freiheit – Das Bürgertum zwischen Sinnsuche und Selbstgeißelung“, mit einem Vorwort von P. Michael Weigl versehen, neu beim Renovamen-Verlag herausgegeben worden (Bad Schmiedeberg 2018).

Berdiajews Kritik gilt insbesondere dem verbürgerlichten Christentum, das sich dem Streben nach Macht, Geltung und materiellen Gütern verschreibt und sich dabei den göttlichen Mysterien und der wahren Liebe zu Gott und den Menschen nicht weit genug öffnet oder gar ganz verschließt. Hierbei spielt dann eine gewisse Anpassung an die herrschenden Verhältnisse eine nicht zu unterschätzende Rolle, selbst wenn man ihnen innerlich an sich eher kritisch gegenübersteht. So glaubt man den Anstürmen irgendwie entgehen zu können.

Aber hat der US-amerikanische orthodoxe Christ Rod Dreher nicht recht, wenn er in seinem Bestseller Die Benediktoption. Eine Strategie für Christen in einer nachchristlichen Gesellschaft (deutsche Ausgabe Kißlegg 22018. 146 f.) gegen solche Anpassung kritisch einwendet:

„Ein Teil des Wandels, den wir vollziehen müssen, besteht darin, zu akzeptieren, dass gläubige Christen in den kommenden Jahren möglicherweise vor der Wahl stehen werden, entweder gute Amerikaner oder gute Christen zu sein“?

Man denke nur, um wenigstens ein Beispiel zu nennen, an die vielen Kriege, die die letzten US-Präsidenten (bisher Trump ausgenommen) weltweit geführt haben und die in der Regel schwerlich von der christlichen Lehre vom bellum iustum, dem gerechtfertigten Krieg[66], gedeckt waren!

Eine gottlose Demokratie schützt nicht vor totalitären Strukturen!

Der polnische Philosophieprofessor Ryszard Legutko, der gegen das kommunistische Regime seines Landes im Untergrund Widerstand geleistet hatte und jetzt einen Lehrstuhl an der Jagellonen-Universität in Krakau innehat, warnt in seinem lesenswerten Buch „Der Dämon der Demokratie – Totalitäre Strömungen in liberalen Gesellschaften“ (Wien und Leipzig 2016, 180) vor solch einer zum Irenismus neigenden Haltung: 

„Der zweite Fehler ist zu ignorieren, daß die liberal-demokratische Ideologie[67] schon lange aufgehört hat, offen zu sein (wenn sie es je gewesen ist) und nun in eine Phase der rigiden Dogmatik eingetreten ist. Je siegreicher sie ist, umso weniger sind die Sieger bereit, Nachsicht gegenüber denen zu zeigen, die nicht zu den Siegern gehören.

Die sich in Bescheidenheit übenden Christen, die bereit sind, eine gemeinsame Grundlage im Streben nach einer besseren Welt zu suchen, haben keine Überlebenschance, egal wie weit sie in der Selbsterniedrigung gehen. Früher oder später werden sie bedingungslos kapitulieren und sich dem System anschließen, ohne Ausstiegs- und Gewissensklauseln. Und sollten sie sich plötzlich entschließen, non possumus (Wir können nicht mehr mitmachen, H-L B) zu deklarieren, werden sie sofort zu verächtlichen Feinden der liberalen Demokratie erklärt.“

Das haben wir ja auch während der Corona-Krise erlebt:

Friedliche Demonstrationen wurden als rechtextrem gebrandmarkt, obwohl sie sich aus Menschen ganz unterschiedlicher politischer und weltanschaulicher Richtungen zusammensetzten, die einfach um ihre Freiheitsrechte besorgt waren.

Umgekehrt wurden (übrigens weltweit organisierte!) Massendemonstrationen mit Zehntausenden Teilnehmern gegen angeblichen Rassismus nach Art von Vorfällen in den USA nicht nur medial allenthalben unterstützt, sondern plötzlich spielten auch angeblich doch so notwendige Schutzmaßnahmen gegen die Corona-Epidemie kaum mehr eine Rolle, jedenfalls wurden sie von der Polizei nicht im selben Maße durchgesetzt, wie es zuvor bei Manifestationen zugunsten der von unsrer Verfassung garantierten Grundrechte geschehen war.

Wer bereit ist, sich um seiner Treue zu Christus und der Kirche willen gegen eine so große Übermacht  des Zeitgeistes zu wehren, der wird natürlich ins gesellschaftliche Abseits geraten. Er muß sich bewußt sein, „daß nur ein Bruchteil der großen Menschenmassen fähig ist, den mächtigen Fiktionen der Zeit zu trotzen und der Bedrohung, die sie ausstrahlen“, um die Worte Ernst Jüngers aus seinem Essay von 1951 Der Waldgang[68] zu verwenden.

In jenem lesenwerten, wenn auch nicht immer ganz einfach zu verstehenden kleinen Werk geht es um Menschen, die sich gedanklich von einer erdrückenden Mehrheit um sie herum unabhängig bewahren und bereit sind, Widerstand zu leisten, mag dessen Form auch nicht unbedingt dem katholischen Ideal entsprechen.

Aus den Untersuchungen über  die Schweigespirale von Elisabeth Noelle-Neumann, der Gründerin des Meinungsforschungsinstituts INFAS am Bodensee, wissen wir, daß nur eine kleine Minderheit von vielleicht 10 % zum Widerstand gegen eine erdrückende Mehrheit fähig und bereit ist. Diese teilt sich dann meist noch einmal auf in solche, die sich schließlich an die Majorität anpassen, in andere, die sich völlig radikalisieren und eine kleine Gruppe, die einer gesunden Widerstandslinie treu bleibt.

Beten wir um die Kraft des Hl. Geistes, daß wir zu jener mittleren Gemeinschaft gehören dürfen, möge an Bedrohung auf die Kirche zukommen, was Gott auch immer zuläßt!       

DIESER ARTIKEL, den wir mit freundlicher Erlaubnis des Autors veröffentlichen, erschien zuerst in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift THEOLOGISCHES

Anmerkungen:

[1] Fritz Söllner, Frappierende Parallelen: Zurück in die Zukunft: Rückt 1984 immer näher? Junge Freiheit vom 19. Juni 2020, 18. Der Autor, Lehrstuhlinhaber für Volkswirtschaftslehre an der TU Ilmenau, entdeckte erschreckende Parallelen zwischen Orwells berühmtem dystopischen Roman und der derzeitigen „Normalität“.

[2] Drostens Einlassung ist unter den angegebenen Daten im Internet zu finden.

[3] Siehe Dirk Schümer, Mein Leben als Corona-Neurotiker. Deutschland ist bisher gut durch die Pandemie gekommen. Aber die neue Normalität ist nicht normal. Mit Mundschutz ins Café… DIE WELT vom 6. Juni 2020, 2. Für die Bereitstellung dieses und einiger anderer Zeitungsausschnitte danke ich Frau Barbara Rohs aus Bonn.

[4] Siehe Carolin Amlinger-Oliver Nachtwey, Sie haben noch etwas zu sagen, FAZ vom 27. Mai 2020, 3.

[5] Kaiser Konstantin der Große gab seinem Volk ein Gesetz, nach dem ein Gladiator oder ein Missetäter, der zur Arbeit in den Bergwerken verurteilt war, nicht mehr nach überlieferter Sitte mit einem Zeichen auf dem Gesicht gebrandmarkt werden durfte. Als Grund für dieses Edikt gab Konstantin an: „Das Gesicht, das nach dem Vorbild himmlischer Schönheit gestaltet ist, darf keinesfalls geschändet werden.“ (Codex Theodosianus 9,40,2). Weiteres hierzu siehe Verf., Ursprung und Wesen der Menschenwürde, DIE NEUE ORDNUNG, Sonderheft 2018. In memoriam Joachim Kardinal Meisner, 71-117, hier 102 f. Anm. 45; der Text kann im Netz kostenlos heruntergeladen werden. Es existiert auch eine lateinische Fassung meines Beitrags in der Vox Latina (De origine et natura dignitatis humanae, 54,211/2018, 92-107; 54,212/2018, 190-207).

[6] „Die derzeit weithin übliche Verwendung des Begriffs ‚Kirchen’ bedeutet nicht nur eine oberflächliche Anpassung an den Sprachgebrauch des Zeitgeistes – in Widerspruch zum Credo und zur Erklärung Dominus Iesus -, sondern sie dürfte in vielen Fällen auch Ausdruck eines schwerwiegenden Glaubensirrtums sein, nämlich eines Neo-Nestorianismus im Kirchenverständnis.“ Johannes Stöhr, Maria, „Mutter der Einheit“, Überwinderin des Neo-Nestorianismus in der Ekklesiologie, in: Manfred Hauke (Hg.), Maria, „Mutter der Einheit“ (Mater unitatis), Mariologische Studien XXVIII, Regensburg 2020, 107-136, Zitat 122 f.) Wenn ich also hier trotzdem von „Kirchen“ im Plural spreche, so ist der Begriff rein soziologisch, nicht theologisch gemeint.

[7] Siehe „Franziskus betet auf leerem Petersplatz für Ende der Corona-Pandemie“, Vatican news vom 27. März 2020.

[8] Zitat nach LThK (2.Aufl.1968) 14,457

[9] „Ohne Zweifel“ fehlt im lateinischen Urtext und wird zu Recht in der neuen Übersetzung ausgelassen (Herders theologischer Kommentar zum Zweiten Vatikanischen Konzil, 1,681).

    [10] Gotthold Ephraim Lessing, Ernst und Falk – Gespräche für Freimäurer, Werke Bd. VIII, Hanser-Aus­gabe München 1979, Lizenzausgabe Darmstadt 1996, 463; 465 f.; 462 f.

    [11] Humanität 25,1/1999, 15

    [12] Zitat nach Dieter A. Binder, Die Freimaurer – Ursprung, Rituale und Ziele einer diskreten Gesellschaft, Freiburg/B. 1998, 231.

    [13] Friedhelm Hengsbach, Wirtschaftsethik, 2Freiburg/B. 1993, 131 f.

[14] Siehe Verf., „Nostra autem conversatio in caelis est“ (Phil 3,20). Des Christen Liebe zum ewigen und zum irdischen Vaterland, CIVITAS 21/2014, 1-78, hier 69-76.

    [15] Schwarze Kassen des Geistes – Getrennte Kontenführung und die Attrappe einer Religion: Die Freimaurer werden transparent, FAZ vom 15.12.1999.

    [16] Paulinus vom 9. Januar 2000, S. 10

[17] Siehe Judith Rosen, Der Traum vom ewigen Frieden. Vor 75 Jahren wurden unter dem Eindruck eines verheerenden Weltkrieges die Vereinten Nationen gegründet und die UN-Charta unterzeichnet, General-Anzeiger vom 20./21. Juni 2020, Kulturbeilage S. 4. Rosen schließt mit dem für das Verständnis des Kantschen Ansatzes wichtigen Gedanken: „Die Verwirklichung des ewigen Friedens ist eine ‚ins Unendliche fortschreitende Annäherung’, eine ‚Pflicht’ und ‚zugleich gegründete Hoffnung’.“

[18] In der linken Tageszeitung taz wurde dementsprechend von einer der führenden Klimaaktivistinnen der radikalen „Extinction Rebellion“ – Bewegung, Luisa Neubauer, sogar schon überlegt, ob man dem „Klimanotstand“ mit demokratischen Mitteln über Wahlen überhaupt beikommen könne – und ob es da nicht anderer politischer Formen und Maßnahmen bedürfe. Die junge Dame äußerte sich dort auch zur Bevölkerungspolitik – man sieht also, wie hier alles zusammenhängt: „Ist das Kinderkriegen unseren Mitmenschen gegenüber verantwortungsvoll, da statistisch gesehen nichts einen größeren CO2-Fußabdruck hinterläßt als ein Kind?“ (Tim Sumpf, Öko-Diktatur: Klimaaktivistin Luisa Neubauer stellt demokratische Grundordnung infrage, Epoch Times vom 2. November 2019, aktualisiert am 24. Januar 2020). Auch ein absolut seriöser Gelehrter wie der ehemalige Verfassungsgerichtspräsident Hans-Jürgen Papier warnte schon vor der „Ökodiktatur“ (Die Warnung. Wie der Rechtsstaat ausgehöhlt wird. Deutschlands höchster Richter a. D. klagt an. 2München 2019, 105-107).

[19] „Angesichts dieser Bedeutung ist es sicherlich nicht übertrieben, das CO2 als wichtigste politische Größe der Gegenwart einzustufen. Es geht um nichts weniger als die Weltherrschaft. Etwas zugespitzt erkennt man Tendenzen zur Errichtung einer ‚Klimadiktatur’. Jene einflußreichen Organisationen, die direkt oder indirekt für One-World-Vorstellungen werben, etwa viele NGO’s, benutzen dieses attraktive Betätigungsfeld, um ihre Ziele voranzutreiben.“ So Felix Dirsch, Professor für Politikwissenschaft, in seinem abwägenden und ausgewogenen Aufsatz „Klimakatastrophaler Mythos“ (Die Neue Ordnung 74,3/2020, 174-187, Zitat 178). Dirschs Anliegen war es, alle an der Diskussion Beteiligten zu mehr wissenschaftlicher Seriosität aufzufordern.    

[20] P. Stefan Frey, „Du sollst deinen Nächsten lieben!“ Zum Migrationspakt der UNO, St. Athanasius-Bote Nr. 40/März 2019, 15-18, hier 16 f. Die Quelle ist abrufbar unter folgender Adresse: ec.europa.eu: European Commission, Directorate-General Home Affairs, Final Report, July 2010: „Study on the feasibility of establishing a mechanism for the relocation of beneficiaries of international protection, 2009“. Dort findet man im Annex S. 16 eine Tabelle, aus der hervorgeht, daß Deutschland damals 82.314.906 Einwohner besaß und daß man entsprechend seinem Territorium eine mögliche Einwohnerzahl von 274.539.094 errechnet hatte.

[21] Zur abgestuften Ordnung der Liebe siehe z. B. das bereits ältere, lateinisch geschriebene Buch des Erzbischofs von Mecheln, Kardinal J. E. van Roey: De virtute charitatis. Quaestiones selectae, Mecheln 1929, v. a. 321-340 (De ordine inter diligendos). Wertvoll ist auch die umfangreiche spanische Abhandlung „Teología de la caridad“ von Antonio Royo Marin O.P., BAC, Madrid 21963, dort v. a. 357-363 (Orden de la caridad para con el prójimo).

[22] Immer wieder setzt sich Franziskus für eine weltweite Migration ein. Welches Ziel ihm u. a. dabei vorschwebt, kann man einem Interview mit dem italienischen atheistischen Journalisten Eugenio Scalfari entnehmen: „Auf diese Weise neigen die Völker unserer Spezies dazu, ein neues Volk zu schaffen, in das die Qualitäten und Mängel der Ursprungsvölker zusammenfließen, um eines zu schaffen, von dem man hofft, daß es besser ist. Das ist das Thema der Migrationen und Einwanderungen…“ (La Reppublica vom 16. Januar 2020, Zitat der deutschen Übersetzung nach: katholisches.info vom 17. Januar 2020). Kritische Überlegungen zu diesen oft unkontrollierten Migrationsbewegungen (siehe v. a. die Ereignisse in Deutschland vom Jahre 2015) sind zusammengetragen in: 1) Manfred Spieker, Die neue Völkerwanderung. Pflichten und Grenzen der Solidarität, Die Neue Ordnung 73,1/2019, 4-14. 2) Heinz-Lothar Barth, Muslimische Immigration. Hintergründe und Folgen, ebd. 15-30. Dort findet man auch kritische Stimmen führender Juristen erwähnt (24 f.). Es sind übrigens überwiegend dieselben, die jetzt auch Bedenken gegen die weitgehenden Einschränkungen der Grundrechte in Deutschland wegen der Coronaepidemie geäußert haben.

[23] Zu dem ganzen erschütternden Dokument siehe die ausgewogenen Ausführungen von Wolfgang Koch, „Unsere christliche Überzeugung verpflichtet uns“ … Naturrechtliche und religiöse Grundlagen der jungen Bundesrepublik, CIVITAS 25/2015, 67-116, hier 70-74 (Abschnitt Verpflichtung auf politische Zukunftspläne).

[24] Siehe Verf., Solidarität und Subsidiarität – Zwei Grundprinzipien der christlichen Soziallehre und ihre Mißachtung in der heutigen Politik, CIVITAS Sonderheft 1, 2008.

[25] Das ist auch die Sorge, die Erzbischof Viganò in einem Beitrag äußerte, in dem er sich kritisch mit Aspekten des II. Vatikanums und deren Auswirkungen im Rahmen der derzeitigen Kirchenkrise auseinandersetzt: „The hopes of the tower of Babel cannot be brought back to life by a globalist plan that has as its goal the cancellation of the Catholic Church, in order to replace it with a confederation of idolaters and heretics united by environmentalism and universal brotherhood. There can be no brotherhood except in Christ, and only in Christ: qui non est mecum, contra me est.“ (Maike Hickson, Abp Viganò on the ‚roots of deviation’ of Vatican II and how Francis was chosen to revolutionize the Church, LIFESITE 10. Juni 2020) Man braucht sich nicht allen von Viganò vorgetragenen Gedanken anzuschließen, die hier und da vielleicht etwas überzogen wirken, aber vieles ist doch sehr bedenkenswert. Siehe jetzt auch Taylor Marshall, Weihbischof Athanasius Schneider et alii, Infiltriert: Die Verschwörung zur Zerstörung der Kirche, erscheint Juli 2020.

[26] Joseph Ratzinger, Die Einheit der Nationen – Eine Vision der Kirchenväter (Salzburg 1971, z.B. 34)

[27] Mischna Avot 3,5, zitiert nach: Guido Baltes, Die verborgene Theologie der Evangelien. Die jüdischen Feste als Schlüssel zur Botschaft Jesu, Marburg an der Lahn 2020, 118.

[28] Text im folgenden zitiert nach: Mensch und Gemeinschaft in christlicher Schau, hg. von Emil Marmy, Freiburg/Schweiz 1945, Nr. 1304 f., S. 832                                                                                                                                                                                                                                                                                                                             [29] So richtig Michael Hesemann, Der Papst und der Holocaust. Pius XII. und die geheimen Akten im Vatikan, Stuttgart 2018, 103-105. Viele Stellungnahmen hat Pius XII. dieser Thematik gewidmet. Man kann sie in deutscher Sprache nachlesen in: Von der Einheit der Welt. Das Programm Pius XII.’ für eine internationale Friedensordnung. Aus seinen Briefen, Botschaften und Ansprachen zusammengestellt und erläutert von Karlheinz Schmidthüs, Freiburg/B. 1957.

[30] Text siehe AAS XII/1920, 313-317, v. a. 314.

[31] Konrad Kirch-Adolf Rodewyk, Helden des Christentums, II. Band, (1914) 6Paderborn 1952, 325-348, v. a. 337-341 (Kap. Die Pest)

[32] Ich verfüge über entsprechende Texte, möchte aber die Namen der Autoren nicht nennen, um sie in dieser schwierigen Situation nicht bloßzustellen.

[33] Man lese nur einmal das informative Buch Europa ohne Christus von Stefan Meetschen (Kißlegg 2009), und man erkennt, wie weit die Dinge bereits im Jahr 2009 gediehen waren – so weit, daß Meetschen nicht zu Unrecht von einer immer weiter verbreiteten „Christianophobie“ spricht, einer neuen Form geradezu von (- zunächst noch „nur“? – geistiger) Christenverfolgung (10 f.). Ein ähnlicher Ausdruck, nämlich „Christophobie“, findet sich auch in einem weiteren Buch zu unserer Thematik: Andreas Püttmann, Gesellschaft ohne Gott – Risiken und Nebenwirkungen der Entchristlichung Deutschlands (Asslar 2010, hier 51 ff.) Vier Jahre später ist ein weiteres höchst lesenswertes Werk erschienen, das schon im (etwas reißerischen) Titel an die Zeit des frühen Christentums erinnert: Die Löwen kommen – Warum Europa und Amerika auf eine neue Tyrannei zusteuern (Kißlegg 2014). Der Verfasser heißt Vladimír Palko und war von 2002 bis 2006 Innenminister in der Regierung der Slowakischen Republik. Hinzu nehmen könnte man auch noch das aus ernsthaft protestantischer Perspektive verfaßte Buch Quo vadis, Europa? Die Zukunft des christlichen Abendlandes, hg. von Peter Schäfer von Reetnitz,  ideaDokumentation Dillenburg 2006.

[34] Siehe hierzu Verf., Die Geschichte des Sonntags und seine Bedeutung für Kirche und Gesellschaft, CIVITAS 14/2012.

[35] Ludger Müller – Christoph Ohly, Katholisches Kirchenrecht. Ein Studienbuch, Paderborn 2018, 42.

[36] FDP-Generalsekretärin sieht Kirchen als „existenzrelevant“ – Teuteberg stellt  aber auch die Frage nach deren Zurückhaltung während der Corona-Krise, ideaSpektrum 23/2020, 30.

[37] Hat die Kirche in der Corona-Krise versagt? ideaSpektrum 22/2020, 15. Lieberknecht argumentierte in diesem Interview, das mit jeweils einem Vertreter für die Positionen PRO und CONTRA stattfand, für PRO.

[38] Peter Schade, Grundgesetz mit Kommentierung, 9Regensburg 2012, 100 f.

[39] „Es geht eigentlich alles, bloß nicht das, was Anspruch auf Wahrheit und Gültigkeit erhebt.“ Propst Dr. Gerald Goesche vom Berliner Institut St. Philipp Neri im Gespräch mit der UNA VOCE KORRESPONDENZ, UVK 50,1/2020, 11-17, Zitat 11.

[40] Siehe Simon Kajan, Kommentar um ‚5 vor 12’: Bischof Wilmer – „Überbewertet“, Die Tagespost online vom 14. April 2020.

[41] Bernhard Müller, Editorial in: PUR magazin 5/2020, 3.

[42] Zitat nach: Mons. Gilles Wach, L’ecclésiologie à travers les livres liturgiques, Divinitas 58/2015, 205-233, hier 217.

[43] Siehe den Artikel Orthodoxe Ostergottesdienste in mehreren Ländern trotz Corona, Wochenblatt – Die Zeitung für alle, online-Ausgabe vom 19.4.2020. Ein Beispiel für den dort beschriebenen Protest: „Der russische Patriarch Kirill beklagte in einer Fernsehansprache ‚die schrecklichen Krankheiten, die unser Volk befallen hat’ und sagte, die Kirchenschließungen erinnerten ihn an die Sowjetzeit, als die Menschen ‚ihre Zukunft riskierten’, wenn sie in die Kirche gingen.“ Das wird sicher seinem  Staatspräsidenten Wladimir Putin nicht sonderlich gefallen haben, der die Schließungen verfügt hatte, sonst aber an sich der orthodoxen  Kirche gegenüber sich wohlwollend verhält – aus welchen Motiven auch immer. Dessen belarussischer (weißrussischer) Kollege Präsident Alexander Lukaschenko, wahrlich kein „lupenreiner Demokrat“, handelte da demokratischer: „Ich bin nicht einverstanden mit denen, die den Menschen den Weg zur Kirche verschließen.“ So blieben in seinem Staat die Kirchen auch für die Gottesdienste geöffnet.

[44] Vom Hauskirchenwesen, auch mit Blick auf den bevorstehenden Ökumenischen Kirchentag 2021, schwärmte z. B. der scheidende Rektor der Hochschule St. Georgen in Frankfurt/M., Ansgar Wucherpfennig SJ, in der deutschen Jesuitenzeitschrift Stimmen der Zeit (5/2020).

[45] Für diese Information danke ich Dr. Dieter Fasen.

[46] Giuseppe Nardi, Bischof von Fatima empört: „Gläubige wollen noch immer die Mundkommunion“ – Coronavirus, Katholisches.info, Lissabon, 3. Juni 2020.

[47] Siehe hierzu Johannes Laas, Der hl. Pius X. und die Erneuerung der Kirchenmusik, UVK 35,3/2005, 140-158. Wertvolle Überlegungen zur Kirchenmusik, verbunden auch mit Kritik an der nachkonziliaren Situation, findet man in kleineren Beiträgen zusammengestellt in UVK 14,4/1984.

[48] Scholz gehört übrigens mit zu den Verfassern des berühmten Grundgesetzkommentars von Maunz-Dürig-Herzog-Scholz.

[49] Wenn Pinsel wichtiger sind als Gebete: Corona ohne Theologie, Christ in der Gegenwart Nr. 23/2020, 238.

[50] Josef Isensee, Virokratie. Die Normalität ist weggebrochen, die Verfassung reagiert elastisch. Keine Gesellschaft, erst recht die deutsche, hält freilich auf Dauer ein Notregime aus, FAZ vom 4. Juni 2020, 7

[51] Hätte die Bundesregierung nicht in der Vergangenheit die Notfall-Lazarette der Bundeswehr so stark reduziert und im Anschluß an die Notfallübung des Jahres 2013, wo solch eine Pandemie mit ihren potentiellen Folgen durchgespielt worden war, Vorsorge getroffen, dann hätte man über einen viel größeren Spielraum verfügt! Siehe André Uzulis, Bedingt vorbereitet. Das Coronavirus zeigt die Schwächen der deutschen Krisenvorsorge. Der Mangel an Schutzausrüstung war absehbar. Gehandelt wurde nicht – wider besseres Wissen, in: loyal – Das Magazin für Sicherheitspolitik 5/2020, 10-16.

[52] Siehe die Zahlen, die in einer Skizze von dem Finanzwissenschaftler und Statistiker  Prof. Stefan Homburg zusammengestellt wurden: Tägliche Sterbefälle in Deutschland. Quelle war das Statistische Bundesamt. (https://www.destatis.de).

[53] Das hatte ja vor allem Prof. Püschel herausgefunden. Dank dem enormen Fleiß und der Kenntnis eines in den Naturwissenschaften promovierten Freundes verfüge ich über eine beeindruckende Zusammenstellung solcher Stimmen, die vom „Mainstream“ abweichen. Ich bin gerne bereit, sie Interessenten elektronisch zur Verfügung zu stellen.

[54] Ein besonders drastisches Beispiel: Andreas Boueke, Hungertod durch den Lockdown. Europas Covid 19- Strategie paßt nicht für Lateinamerika, Die Tagespost vom 4. Juni 2020, 30.

[55] Siehe z.B.: Interview Alexandra Philipsen, Ängstlich, gestresst und reizbarer. Die Direktorin der Psychiatrie an der Bonner Uniklinik spricht über Folgen der Corona-Krise, General-Anzeiger vom 16. Juni 2020, 9; Rechtsmediziner warnt vor „Corona-Selbstmorden“, ideaSpektrum 22/2020, 7.

[56] Wie weit sich die Lehre von den Sakramenten bei vielen modernen Theologen bereits der protestantischen Auffassung angenähert hat, zeigt beispielsweise die – in einem Kästchen herausgehobene und fettgedruckte – Definition von Peter Knauer SJ, Der Glaube kommt vom Hören – Ökumenische Fundamentaltheologie, 6., neubearb. und erw. Aufl., Freiburg./B. 1991, 244): „Die Sakramente sind die Zeichen des angenommenen Wortes Gottes“. Wer noch an der Intention des Autors zweifeln sollte, möge folgenden Satz hinzunehmen: „Es ergibt sich also, daß die Sakramente nichts Zusätzliches zum ‚Wort Gottes‘ sind, sondern sich in ihm selbst angelegt finden“ (253 f.). Dem katholischen Theologen Knauer wurde übrigens in einem Urteil des Hanauer Landgerichts vom 11. 12. 1979 im Prozeß um die Rückzahlung eines Darlehens durch einen seiner St. Georgener Studenten bescheinigt, daß er „häretische Thesen vertritt“ (Ein bemerkenswertes Urteil, UVK 10,2/1980, 123-134).

Hubert Jedin bezeichnete es zutreffend als die logische Konsequenz der lutherschen Sakramentenlehre – die meist weder die Neuerer des 16. Jhs. noch ihre „katholischen“ Epigonen des 20. Jhs. in dieser Radikalität gezogen haben -, daß „letztlich das im Glauben angenommene Gotteswort als einziges ‚Sakrament‘ übrigbleibt“ (Geschichte des Konzils von Trient, Bd. II, Freibg./B. 1957, 317). Ähnlich hatte zuvor schon A. Michel in seinem Artikel „Sacrements“ des „Dictionnaire de Théologie Catholique“ argumentiert, jenes Standardwerks katholischer Gelehrsamkeit (DTC 14/1939, 554).

[57] Siehe www.cnbc.com (2020/06/08).

[58] Leider versucht der Autor, der übrigens auch auf Epidemien eingeht, das, was er als oft unberechtigte Ängste der Menschen und gerade der Deutschen richtig analysiert, beinahe ausschließlich nach Darwins Vorbild aus der Evolution zu erklären. So braucht man sich nicht zu wundern, daß er den Menschen zu einem „nackten Affen“ degradiert (122). Willensfreiheit und Leistungsfähigkeit der von Gott geschenkten menschlichen Ratio kommen hier zu kurz.

[59] Für den Begriff der „militia Christi“ und die mit ihm in der Antike verbundene Konzeption ist noch immer maßgeblich die ältere Arbeit des Protestanten A. v. Harnack, Militia Christi. Die christliche Religion und der Soldatenstand in den ersten drei Jahrhunderten, Tübingen (1905). Aus späterer  Zeit wäre z. B. zu nennen: W. Rordorf, Tertullians Beurteilung des Soldatenstandes, VigChr 23/1969,130-138. Einen guten historischen Überblick über die Bedeutung der Militia Christi im Verlauf der Kirchengeschichte bietet J. Auer, Militia Christi: Dictionnaire de spiritualité 10 (1980) 1210/1223. Zur „Militia Christi“ in der Antike siehe auch Vinzenz Buchheit, Glaube gegen Götzendienst (Prud. psych. 21 ff.), RhM 133/1990, 393 f.    

[60] Manfred Hauke, Die Corona-Pandemie und die Frage nach Gott, Theologisches Mai/Juni 2020, 205-228.

[61] Ich verdanke diesen Ratschlag einer Sonntagspredigt von P. Horst Bialek.

[62] Rainer Maria Woelki, Corona ist für Christen Stunde der Bewährung, FAZ vom 28. Mai 2020, 8.

[63] Siehe Ludwig Gschwind, Heiliger Geist. Gaben, Tröstungen, Früchte, Augsburg 1998.

[64] „Dabei ist die Mitte nicht die geometrisch genau berechnete Mitte. Wenn Tapferkeit die Mitte zwischen den Extremen Feigheit und Tollkühnheit ist, dann steht sie der Tollkühnheit doch etwas näher als der Feigheit.“ (Hellmut Flashar, Aristoteles – Lehrer des Abendlandes, München 2013, 78).

[65] Siehe Giovanni Cavalcoli, La dimensione militante dell’ evangelizzazione, in: Gianni T. Battisti (ed.), Verità della fede. Che cosa credere, e a chi. I criteri di discernimento tra Magistero e teologia, Roma 2013, 139-153, zu St. Paulus 148 f.

[66] Siehe hierzu Verf., Die Haltung des Christentums zum Krieg: Antike Stimmen und spätere Entwicklung, CIVITAS 17-18/2013, 1-136.

[67] Anm. H-L B: Wir könnten auch, gerade mit Blick auf das heutige Deutschland, von der links-liberalen Demokratie, der des Kulturmarxismus sprechen. Diese ist weit entfernt von den Anfängen der BR Deutschland unter Konrad Adenauer und dem ursprünglichen Geist des Grundgesetzes. Siehe Dorothea und Wolfgang Koch, Konrad Adenauer. Der Katholik und sein Europa, 3Kißlegg 2018.

[68] Mit Adnoten von Detlev Schöttker, Klett-Cotta 2014, 39.

 


Aufbruch und kirchliches Leben im Südosten Europas zwischen den Weltkriegen

Von Stefan P. Teppert

Nach einem anregenden Auftakt im vergangenen Jahr nahm sich in diesem Jahr abermals eine Tagung der Reformen im religiösen Leben in den Nachfolgestaaten der Habsburger-Monarchie im Südosten Europas zwischen den beiden Weltkriegen an.

Während bei der letztjährigen Tagung die Aufbruchsbewegungen im deutschen Katholizismus der Weimarer Republik bei den Deutschen in Südosteuropa im Vordergrund stand, richtete sich der Fokus diesmal auf Erneuerungen als Antwort auf die veränderte politische Situation, auf ethnische Homogenisierungsbestrebungen und daraus resultierende Ambivalenzen und Verfänglichkeiten 100 Jahre nach dem Friedenvertrag von Trianon.

Wie im Vorjahr leitete Prof. Dr. Dr. Rainer Bendel (siehe Foto) auch die Vorträge und Diskussionen am 18. Juli 2020 im „Weltzentrum der Donauschwaben“ in Sindelfingen.

Als Projektleiter der Arbeitsgemeinschaft katholischer Vertriebenenorganisationen (AKVO), Lehrbeauftragter für Kirchengeschichte an der Universität Hohenheim und Vorsitzender des Instituts für Kirchen- und Kulturgeschichte der Deutschen in Ostmittel- und Südosteuropa hatte er das Programm wieder konzipiert und als Kooperationsveranstaltung des St. Gerhardswerks, des Gerhardsforums und des Hauses der Donauschwaben ermöglicht.

Dr. Bettina Reichmann (siehe Foto) vom Katholisch-Theologischen Institut der Universität Koblenz-Landau beschäftigte sich mit Bischof Ottokár Prohászka (* 1858), einem prominenten Vertreter der katholischen Renaissance nach dem Ersten Weltkrieg, den die Frage umtrieb, wie der Katholizismus mit den Gedanken des Fortschritts versöhnt werden kann.

Der Professor für Dogmatik in Gran und Budapest war von 1905 bis zu seinem Tod 1927 Bischof in Stuhlweißenburg und während des ungarischen Kulturkampfes tonangebend an der Gründung der Katholischen Volkspartei sowie von katholischen Arbeiter- und Sozialvereinen zur Hebung des Lebensstandards beteiligt. In der aktuellen historischen Forschung werde Prohászka, so die Referentin, polarisiert dargestellt.

Als Mitglied der ungarischen Nationalversammlung hatte er 1921 das Andersgläubige benachteiligende Numerus-Clausus-Gesetz mit vorbereitet, was ihm von jüdischer Seite den Vorwurf einbrachte, eine führende Figur antisemitischer Ideologie zu sein.

Demgegenüber gilt er aber auch mit seinem christlich-nationalen Kurs als „leuchtende Gestalt“, die einer zerrütteten Gesellschaft nach den Leiden der Kriegs- und Nachkriegsjahre den schmerzlichen Gebietsverlusten durch den Friedensvertrag von Trianon in einer nunmehr republikanischen Verfassung durch die Erneuerung des Katholizismus eine Festigung im Staatsgefüge brachte.

In Abweichung von dem polarisierten Bild, das viele Kirchengeschichtler in Ungarn von Prohászka gezeichnet haben – entweder Praeceptor oder Antisemit – plädierte Reichmann dafür, das eine mit dem anderen ohne Wertung zusammenzudenken. Beides seien nämlich aufeinander bezogene und sich gegenseitig bedingende Facetten derselben Person.

Man müsse ihr theologisches Denken im historischen Kontext studieren und dürfe die erneuernden Impulse nicht getrennt von den Abgrenzungen sehen, die bei den Suchbewegungen nach einem katholischen Profil für unerlässlich galten.

Dr. Andor Lénár (siehe Foto), der seine Dissertation an der Eötvös-Loránd-Universität Budapest über den Vacer Bischof Árpád Hanauer geschrieben hat, sprach über die ungarische Priesterausbildung der Zwischenkriegszeit innerhalb des katholischen Erneuerungsprozesses .

Die Erneuerung sei auch durch Impulse und Regelungen der Weltkirche mit der päpstlichen Enzyklika rerum novarum angeregt worden, besonders von Priestern, die im Ausland Theologie studiert hatten und die Notwendigkeit von Reformen erkannten.

Dabei blieb sie nicht unter Klerikern isoliert, sondern durchdrang viele Bereiche des katholischen Lebens.

Das positive politische Klima der Zwischenkriegszeit brachte eine Entfaltung der religiösen Presse, Orden und Vereine sowie steigenden Einfluss der katholischen Kirche im Unterrichtswesen. Die Orientierung der Priesterausbildung am Josephinismus wurde zurückgedrängt, um den zentralen Regelungen der Weltkirche zu folgen.

Hatten die Bischöfe zuvor als Grundbesitzer eher das Leben zeitgenössischer Magnaten als das eifriger Oberhirten geführt und einfache Geistliche sich eher als Staatsbeamte und nicht als Seelsorger verstanden, sei in der Zwischenkriegszeit  –  so Lénár  –  eine Priestergeneration herangewachsen, für die eine strengere Disziplin, gründlichere theologische Ausbildung, tiefere Spiritualität und gesellschaftliches Pflichtgefühl charakteristisch waren.

In Ungarn gab es zehn Priesterseminare, die meisten Diözesen unterhielten auch Knabenseminare, Budapest bot zusätzlich ein Zentralseminar.

Lénár erläuterte ihre Organisation und finanzielle Lage, die schwankende Anzahl der Seminaristen und ihren gesellschaftlichen Hintergrund (die Hälfte der Kandidaten stammte aus einfachen Familien) sowie die theologische Ausbildung und Erziehung mit ihren Protagonisten Ottokár Prohászka, István Hanauer und József Petró.

Dr. András Grósz (siehe Foto), ein weiterer Gast aus Ungarn, hat seine Dissertation 2014 über den Führer der deutschen Bewegung in Ungarn, Jakob Bleyer, unter besonderer Bezugnahme auf die katholische Kirche ebenfalls an der Eötvös-Loránd-Universität Budapest vorgelegt.

Sein Thema war die deutsche Muttersprache in der katholischen Liturgie im Ungarn der Zwischenkriegszeit, ein sensibler Bereich, weil er Ausdruck für die Autonomie der Religionsausübung und zugleich Schauplatz der politischen Kämpfe in der Nationalitätenfrage war.

Eigentlich ist die Frage der Liturgie eine kirchliche Befugnis, deren Regelung das ausschließliche Recht des Heiligen Stuhls ist, wie im Codex Iuris Canonici(Kirchenrecht) von 1917 klar festgelegt.

Der Verwendung der Muttersprache in der Liturgie widmeten Bischöfe und Priester daher besondere Aufmerksamkeit, denn die Kirche wollte in liturgischen Angelegenheiten ihre eigenen Entscheidungen nach Kirchenrecht treffen und verwehrte Außenstehenden die Mitsprache.

Die Seelsorge in der Muttersprache galt als ein natürliches Recht der Gläubigen, was freilich in mehrsprachigen Gemeinden zu einem heiklen Problem werden konnte.

Der Gebrauch der Muttersprache in der Kirche hing daher von mehreren Faktoren ab: der Anzahl der in den Siedlungen lebenden Nationalitäten, dem Maß ihrer Bedürfnisse, ihren Sprachkenntnissen, dem persönlichen Verhalten des Diözesanbischofs und des örtlichen Pfarrers, aber auch von der Beeinflussung durch die Verwaltungsbehörden und die Lobbykraft der ungarndeutschen Bewegung.

Man könne – so Grósz resümierend – bei allem Konsens hinsichtlich einer notwendigen Stärkung der ungarischen Identität über unterschiedliche Situationen in jeder Siedlung sprechen, wobei die Pfarrer in der Seelsorge die Rechte der Nationalitäten zu konservieren pflegten, im Unterricht meist jedoch der ungarischen Sprache den Vorzug gaben, um Assimilierung und Integration zu befördern.

Peter Krier (siehe Foto) aus Schweinfurt zeichnete – aus eigenem Erleben und in dankbarer Bewunderung – ein Lebensbild von Schwester Hildegardis Wulff, die in der Zeit von 1927 und 1951 im Banat wirkte und dort zur Leitfigur des religiös-kulturellen Lebens und dessen Erneuerung wurde.

Aufgewachsen in Mannheim in einer evangelischen, vom nationalen Liberalismus geprägten Familie, konvertierte sie 1918 zur katholischen Kirche und stellte ihr Leben ganz in den Dienst Gottes.

Sie wurde Mitbegründerin des Benediktinerordens der heiligen Lioba in Freiburg und verstand sich nach innen als Nonne, nach außen als Apostel mit sozialkaritativem und pädagogischem Auftrag.

1927 wurde das Banat zu ihrer neuen Missionsheimat. Mit ihrer Sprachmächtigkeit und ihrer überzeugenden Ausstrahlung fesselte sie ihre Zuhörer. Mit ihren Themen traf sie genau das, was dem Banater Deutschtum zur Selbstfindung half. Sie organisierte die Banater katholische Jugend.

Als Priorin eines neuen Klosters in Temeswar fand sie noch Zeit, um schriftstellerisch und redaktionell tätig zu sein und Beziehungen zu bedeutenden katholischen Persönlichkeiten zu pflegen. Sie brachte eine Volkshochschule, ein Spital, ein Entbindungs- und ein Altenheim auf den Weg.

Den Nöten der Zeit entsprechend, half sie den von Deportation, Verfolgung und Entwurzelung betroffenen Volksdeutschen mit Nahrung, Kleidern und Papieren und rettete vielen das Leben.

Mutig widersetzte sie sich der Kirchenverfolgung der Nazis und Kommunisten, wurde 1945 interniert und 1952 in einem Schauprozess zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt. In ihrem neunjährigen Martyrium zeigte sie große Glaubensstärke, bis sie 1959 freikam und in ihr Kloster zurückkehrte.

Obwohl das materielle Werk der 1961 verstorbenen Schwester vernichtet ist, bestehe ihr Vermächtnis fort. „Sie hat dazu beigetragen, dass unsere Volksgruppe aufrecht gehen und den ihr bestimmten schweren Weg in Würde gehen konnte.“

Der Musikhistoriker Dr. Franz Metz (siehe Foto), Geschäftsführer des Gerhardsforums in München, der im Jahr zuvor Kirchenlied und Chorgesang behandelt hatte, sprach diesmal über die Folgen des Friedensvertrags von Trianon für die Kirchenmusik der Donauschwaben, besonders über die Forschungen in diesem Bereich, eine Disziplin, die sich als Fach erst 1905 zu etablieren begann.

Als Paradebeispiel dafür hob er die Publikation „Banater Rhapsodie“ des Temeswarer Domkapellmeisters Desiderius Braun (1894 – 1940) hervor, ein wichtiges Quellenbuch, das mit einer Fülle von Dokumenten auf 500 Seiten zwar lediglich den Schauplatz Temeswar erfasst, was aber, so Metz, schon ausreiche, um dieser 1937 erschienenen „Fundgrube“ einen Spitzenrang zu verleihen.

Obwohl das Buch von Fehlern und Satzungetümen wimmelt, der Fußnoten entbehrt und ein Torso geblieben ist, spiegele es wie kein anderes das selbstverständliche multiethnische Nebeneinander im Musik- und Theatergeschehen der damals deutschsprachigen Stadt und sei bis heute Fundament für musikgeschichtliche Forschungen in Südosteuropa und darüber hinaus geblieben.

Das Multiethnische zeige sich auch an der Gründung der ungarischen Spielzeit am Temeswarer Stadttheater. Der pompöse Auftritt und die Ansprache des populären Dichters Jókai Mór wurden dabei hymnisch von der Presse besprochen. 

Mór propagierte zwar die ungarische Nation, in der alle Nationalitäten unteilbar versammelt seien, verlangte aber auch Respekt vor allem Fremden, nicht zuletzt, weil es zur Inspirationsquelle werden könne.

Bis heute versammelt das Temeswarer Theatergebäude als einziges drei verschiedene Staatstheater unter einem Dach. Metz spielte dann die Aufnahme eines Musikstücks für Violine und Orgel des donauschwäbischen Komponisten Anton Horner vor, der eigentlich aus Franzensbad stammte, aber 1912 mit seinen Kompositionen nach Pantschowa kam und im März 1946 im Vernichtungslager Rudolfsgnad an Hunger starb.

Mit anderen Ave-Maria-Vertonungen von Banater Komponisten soll auch diejenige Horners in Kürze auf CD erscheinen.

BILDER: Auch die Referenten-Fotos stammen von Stefan Teppert

 


Hetze gegen die Kirche „locker“ hinnehmen?

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Die Kabarettistin Carolin Kebekus nahm sich in einer ARD-Sendung ihre „Herzensangelegenheit“ vor, nämlich die katholische Kirche und die Frauen.

Kebekus ist ausgetretene Katholikin. Das bestätigt wieder einmal den Satz, die schlimmsten Feinde der Kirche stammen aus ihr selbst

Sie lästerte in ihrer Show „Gleichberechtigung der Frauen“ u.a. mit Versen wie „Der Vater, der Sohn, der Heilige Geist. Drei Männer, keine Frau, oh mein Gott, ist das dreist“.

Der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB) findet den Beitrag von Kebekus gut und sieht darin seine eigenen Forderungen bestätigt. – Maria 2.0 meint: „Die Kirche sollte sich freuen, so lebhaft ins Gespräch gebracht zu werden“.

Die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) qualifiziert die Sendung mit Kebekus als „bitterböse, aber im Kern richtig“. Nur die Initiative Maria 1.0 entgegnete auf diese Show: „Wie kann man für Frauen ein heiliges Amt einfordern wollen, während man gleichzeitig zeigt, dass einem nichts heilig ist?“ –  Die Leiterin Johanna Stöhr bezeichnet die ARD-Sendung als „übelste Hetze gegen die Kirche“.

Die katholische Kirchenzeitung der Erzdiözese Freiburg (Nr. 30, 26.7.2020) bezeichnete die Reaktion von Maria 1.0 als verschnupft. Das ist bezeichnend.

Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) nimmt die Satire , wie das Konradsblatt berichtet, dagegen „locker“. Auch das ist vielsagend. Das ist, wie wenn die eigene Mutter lächerlich gemacht und das „locker hingenommen wird“.

Das drückt auch eine Wertschätzung der DBK gegenüber der eigenen Kirche aus – und provoziert die Frage, was muss eigentlich passieren, damit sich die DBK zur Gegenwehr aufrafft?

Dass im öffentlich-rechtlichen Sender ARD ein solches Stück unter „Kunstfreiheit“ laufen kann, verwundert nicht, auch nicht, dass Carolin Kebekus diese Show abzieht. Sie weiß: Beifall und Moneten sind da immer drin.

Die gleiche Ausgabe der Kirchenzeitung der Erzdiözese Freiburg zitiert unter „Pressestimmen“ (S. 2) auch die Frankfurter Allgemeine wie folgt: “Es ist die Frage, ob Kirche als Institution nicht dort am stärksten an Relevanz verliert, wo sie in ihrem Tun und Lassen die christliche Botschaft, für die sie steht, eher verdunkelt als erhellt“.

Mit der „lockeren“ Haltung gegenüber der Herabsetzung des Glaubens und der Kirche erhellt die DBK die christliche Botschaft sicher nicht.

Unser Autor Prof. Gindert leitet den Dachverband „Forum Deutscher Katholiken“ und die Monatszeitschrift DER FELS