Spezielle Prioritäten von Kardinal Dr. Reinhard Marx in Corona-Zeiten und danach

Von Reinhard Wenner

Im Blog „Katholisches.de“ ist am Gründonnerstag, dem 9. April 2020, ein Interview von KNA-Redakteur Renzikowski mit Kardinal Reinhard Marx, dem Erzbischof von München und Freising, veröffentlicht worden.

Das Interview ist nicht nur interessant, weil der Kardinal seine Ansicht zur Bedeutung der Eucharistiefeier im Leben der Kirche während der Corona-Pandemie mitteilt, sondern auch wegen der Prioritäten für künftige kirchliche Aktivitäten.

Die größte Aufgabe der katholischen Kirche sieht der Erzbischof derzeit nicht darin, trotz der Corona-Pandemie das sakramentale Leben für die Katholiken zu gewährleisten, sondern dass „wir andere schützen“. Der „Gottesdienst“ gilt gegenüber diesem „Menschendienst“ zur Zeit als nachrangig.

Unklar ist, warum Kardinal Marx eine Entweder-Oder-Situation sieht und die derzeitigen staatlichen Einschränkungen der Glaubensfreiheit als „sehr gut begründet“ akzeptiert. Die Grundsätze, die beim Einkauf von Lebensmitteln gelten, lassen sich meines Erachtens auch auf die Teilnahme an gottesdienstlichen Feiern anwenden: Sicherheitsabstände einhalten, keine Begrüßung per Händedruck oder Umarmung, ggf. noch Mund- und Nasenschutz tragen. Außerdem könnte in den Eucharistiefeiern auf Gesang verzichtet werden.

Kardinal Marx aber hält den Hinweis auf „Sicherheitsabstände“ beim Einkauf von Lebensmitteln im Hinblick auf Gottesdienste für „etwas merkwürdig“. Er meint: „Dann müsste man die Zahl der betreffenden Gottesdienstbesucher beschränken und all das auch kontrollieren“.

Aber ist das Prinzip „alle oder keiner“ für die Frage nach der Zulassung zur Eucharistiefeier angemessen?

Wenn das ein legitimes Kriterium wäre, dürfte man z.B. Leute, die am Corona-Virus erkrankt sind, nur dann an ein Sauerstoffgerät anschließen, wenn für alle Corona-Erkrankten ein Sauerstoffgerät zur Verfügung steht.

Die Frage nach einer Erhöhung der Zahl sonntäglicher Eucharistiefeiern wird nicht angesprochen.

Außerdem: Warum soll das, was in Hunderten von Lebensmittelgeschäften und in Baumärkten möglich ist, in den einzelnen Kirchen nicht machbar sein? Sind Priester, Pastoral- und Gemeindereferenten, Pfarrgemeinderäte, Kirchenvorstände, Vorstände kirchlicher Vereinigungen nicht fähig oder nicht willens, entsprechende Vorsichtsmaßnahmen zu treffen und auf die Einhaltung zu achten?

Den Auftrag der Kirche, das „Evangelium zu verkünden“, sieht Kardinal Marx durch die modernen Medien gut gewährleistet. Die Verkündigung (Mt 28,20) ist aber nur ein Teil des Auftrages Jesu. Hinzu kommt Jesu Wort im Abendmahlssaal: „Tut dies zu meinem Gedächtnis“ (Lk 22,19).

Wie kann der Verkündigungsdienst gelingen, wenn Eucharistiefeiern zumindest vorübergehend als nachrangig angesehen werden und den Laien die Teilnahme an den Eucharistiefeiern verweigert wird? Wenn Jesu Wort gilt: „Ohne mich könnt ihr nichts tun“ (Joh 15,5), sollte an der Eucharistiefeier mit Kommunionempfang auch in Pandemiezeiten festgehalten werden.

Kardinal Marx weiß der Pandemie sogar Positives abzugewinnen: „Ich habe den Eindruck, dass viele Menschen offener für unsere Botschaft werden.“

Jesus Christus hat mit seiner Botschaft vom Reich Gottes auch ohne Pandemie Aufmerksamkeit erlangt.

Auf die Frage, wo wir in keinem Fall so weitermachen können wie bisher, nennt Kardinal Marx das Gesundheitswesen, die Klima-Debatte, den entfesselten globalen Kapitalismus. Er fordert „eine neue, wirklich nachhaltige Ordnung, die möglichst allen Menschen nützt“.

Die katholische Kirche in Deutschland muss sich bei diesen Themen nicht zurückhalten. Aber vorrangig sollte sie sich gegen das himmelschreiende Unrecht der Abtreibungen wenden.

Über 42 Millionen Kinder werden nämlich jährlich weltweit vor der Geburt getötet. Vom vorrangigen Einsatz für die Ungeborenen aber ist keine Rede. Kardinal Marx spricht auch nicht das Thema „Ehe für alle“ an – als wenn es keine Schöpfungswahrheiten gäbe. Er schweigt zu all dem, was mit „Gender“ umschrieben wird. Die weltweiten Christenverfolgungen erwähnt er ebenfalls nicht, auch nicht die Kriege.

Kardinal Marx meint in dem Interview weiter, die Kirche müsse ihre Sendung neu begreifen. Sie dürfe „sich nicht in eine museale Vergangenheit zurückziehen“ und manchmal nicht „so sehr an alten Vorstellungen und Traditionen hängen“.

Und welche Kriterien sind maßgeblich? Das Neue ist nicht per se das Bessere, das Alte nicht per se der Feind des Neuen. Das Alte ist nur der Feind des schlechten Neuen. An schlechtem Neuen aber besteht in der katholischen Kirche derzeit kein Mangel.

Ein Blick auf so manchen Wildwuchs in der Messliturgie zeigt das. Und wenn es richtig ist, dass die Weise des Betens dem Inhalt des Glaubens entspricht (lex orandi – lex credendi), sollten einige Zelebranten mal wieder den Katechismus studieren. Außerdem wäre auch einigen vom „Bodenpersonal Gottes“ dringend zu empfehlen, wieder alle Gebote des Dekalogs zu befolgen.

Kardinal Marx verweist im Oster-Interview zweimal auf Papst Franziskus, erwähnt aber nicht, dass der Papst als Souverän des Vatikanstaates an die italienischen Gesetze nicht gebunden ist und damit auch nicht an die Vorschriften, die der italienische Staat zur Eindämmung der Corona-Pandemie erlassen hat.

Meines Erachtens hätten der Papst und die anderen Kleriker im Vatikan zusammen mit der Schweizer Garde etlichen Katholiken die Teilnahme an der Kar- und Osterliturgie ermöglichen können, ohne jemanden gesundheitlich zu gefährden. Papst Franziskus hätte für Kardinal Marx und für alle Pfarreien in Deutschland ein Ideengeber sein können.


Zur Feier der Kar- und Osterliturgie: Wo bleibt der Einsatz unserer Amtsträger?

Von Reinhard Wenner

Bei deutschen katholischen Bischöfen und Priestern ist das Recht auf Glaubensfreiheit (Art. 4 GG) wohl nicht mehr besonders wichtig und das Kirchengebot, an Sonn- und Feiertagen an einer Eucharistiefeier teilzunehmen (can. 1247 f. CIC), ebenfalls nicht – selbst an Ostern, einem christlichen Hochfest, nicht.

Wäre es anders, hätten Bischöfe und Priester wohl nicht ohne eine intensive öffentliche Diskussion die staatlichen Kontakt-Beschränkungen gleichsam 1 zu 1 umgesetzt. Sie hätten längst Wege gefunden wie die religiösen Pflichten der Katholiken trotz der derzeitigen gesundheitlichen Gefahren durch das Corona-Virus erfüllbar sind.

Das Angebot, sich vor der Kirchentür einen geweihten Palmzweig oder das Osterlicht zu holen, ist jedenfalls kein genügender Ersatz.

Der Staat selbst geht bei einigen Gruppen mit seinen Kontakt-Beschränkungen relativ locker um. Ein paar Beispiele:

  • Vor einigen Tagen hat eine Sitzung des deutschen Bundestages stattgefunden, bei der zwar auf genügend Abstand zwischen den einzelnen Abgeordneten geachtet worden ist – aber die Sitzung hat stattgefunden.
  • Pressekonferenzen finden weiterhin statt, so am Montag, 6. April 2020 durch die Bundeskanzlerin.
  • Manche Polizisten und Mitarbeiter von Ordnungsämtern gehen ohne Sicherheitsabstand nebeneinander durch Straßen und Parks um zu kontrollieren, ob andere die staatlich verordneten Kontakt-Beschränkungen einhalten.
  • Der Bundesgesundheitsminister hat erst am 1. April 2020 den Flugzeug-Piloten aus dem Irak, ein Land, das ziemlich stark infiziert sein soll, mit sofortiger Wirkung die Landung in Deutschland untersagt.
  • Im April und im Mai dieses Jahres können jeweils 40.000 ausländische Arbeitskräfte nach Deutschland kommen, um bei Erntearbeiten zu helfen.

Lebensmittelgeschäfte sind geöffnet, um das leibliche Wohl zu gewährleisten. Und wo bleibt die Sorge um das geistliche Wohl? Das kommt offenbar nicht einmal bei allen katholischen Bischöfen und Priestern in den Blick.

Es ist ja auch schon ca. 2.000 Jahre her, dass jemand gesagt hat: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“ (Lk 4,4).

Dabei gibt es etliche Möglichkeiten, den Katholiken in Deutschland auch in Pandemie-Zeiten weiterhin das „Brot des Lebens“ zu reichen.

  • Es gibt große Dome, Pfarrkirchen, Klosterkirchen. Es wäre einfach, z. B. nur jede dritte Kirchenbank freizugeben und auf den freigegebenen Bänken mit kleinen Zetteln die entsprechenden Sicherheitsabstände zu markieren.
  • Es wäre möglich, jenen, die nicht an einer Eucharistiefeier teilnehmen können oder wollen, eine Stunde vor Beginn oder nach dem Ende der hl. Messe einen sog. Kommunion-Gottesdienst in kleinen Gruppen anzubieten, der ggf. auch von Diakonen, Pastoral- und Gemeindereferenten geleitet werden könnte.
  • Es wäre möglich, dass jeder Priester am Sonntag zweimal zelebriert – morgens und abends. Einige tun das schon.

Wahrscheinlich haben die meisten Kirchen mindestens zwei Türen. Eine Tür könnte als Eingang benutzt werden, die andere nur als Ausgang. Bei den gottesdienstlichen Feiern könnte Nasen- und Mundschutz getragen werden.

Alle Priester könnten ab sofort auch montags zelebrieren und zumindest für einige Monate auf ihren freien Tag verzichten, damit den Gläubigen eine weitere Möglichkeit zur Mitfeier einer hl. Messe in einer kleinen Gruppe geboten wird. Wer unbedingt an seinem freien Montag festhalten will, sollte mal bedenken, was wohl passierte, wenn Eltern ihren kleinen Kindern sagten: Mama und Papa brauchen jede Woche einen kinderfreien Tag. Kinder, seht montags zu, wo ihr bleibt.

Einige Priester und Ordensleute sind bei ihrem seelsorgerlichen Dienst vom Corona-Virus befallen worden und gestorben. Da sich aber Ärzte und Pflegekräfte, Kassierer und Kassiererinnen weitgehend zu schützen vermögen, sollte dieser Selbstschutz auch den Seelsorgern möglich sein.

Wer den Katholiken immer mal wieder sagt, die christliche Gemeinde werde vom Altar her auferbaut, sollte begründen, warum das in Pandemie-Zeiten nicht gilt bzw. nachrangig sein soll.

Natürlich ist nicht auszuschließen, dass die eine und andere staatliche Stelle, der eine und andere Politiker gegen Eucharistiefeiern Einwände erhebt. Aber in den Generalvikariaten/Ordinariaten der 27 deutschen (Erz-)Diözesen dürfte es etwa 100 Juristen geben.

Hinzu kommen die Juristen im Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, im Katholischen Büro in Berlin und in den Katholischen Länder-Büros. Falls es noch nicht geschehen ist, dürfte es leicht sein, innerhalb von wenigen Stunden die juristischen Argumente zugunsten der Glaubensfreiheit im Sinne der Teilnahme an gottesdienstlichen Feiern auch in Pandemie-Zeiten zusammenzustellen.

Im übrigen sollte bei jeder Frage nach der Einschränkung von Grundrechten gelten: In dubio pro libertate!

Im vorliegenden Fall besagt das: Im Zweifel zugunsten der Glaubensfreiheit und damit der Freiheit, auch an den Kar- und Ostertagen Gott durch Eucharistiefeiern die Ehre zu geben.

Aber es hat den Anschein, dass staatliche Stellen darauf keinen oder aber nicht allzu viele Gedanken verschwendet haben und insoweit ihrer Prüfpflicht nicht genügend nachgekommen sind.


Wo bleiben Trauer und Entsetzen über den Tod der abgetriebenen Kinder?

Von Reinhard Wenner

Unisono wird von Politikern, Journalisten, Kirchenvertretern über die vielen Toten geklagt, die in diesen Tagen am Corona-Virus Covid 19 gestorben sind.

Etliche Milliarden Euro werden zur Verfügung gestellt, um die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie zu mildern. Von den Menschen in Deutschland wird verlangt, dass sie zeitweise die Einschränkung von Grundrechten hinnehmen, weil der Schutz des Lebens absoluten Vorrang habe. In sog. Notfall-Plänen soll die Verpflichtung zur (Mit-)Hilfe ausdrücklich verankert werden.

In der Tat ist es traurig, dass so viele Menschen an dieser Pandemie gestorben sind und noch kein Ende absehbar ist.

Es ist verständlich, dass die wirtschaftlichen Schäden möglichst ausgeglichen werden sollen, die durch das zeitweilige Schließen von Fabriken, Büros und Geschäften, Gaststätten und Hotels und den Absagen von Kultur- und Sportveranstaltungen entstehen.

Verständlich ist weiter, dass der Schutz des Lebens als vorrangig bezeichnet wird und andere Menschenrechte wie die Glaubensfreiheit und Bürgerrechte wie die Versammlungsfreiheit vorübergehend dahinter zurücktreten sollen.

Aber nicht weniger verstörend als diese Pandemie ist das, was seit Jahrzehnten mit vielen ungeborenen Kindern geschieht:

Mathias von Gersdorff schreibt in seinem Buch „Queere Ideologie gegen Lebensrecht“, Frankfurt/M 2020, S. 105, weltweit seien 42 Millionen Kinder allein im Jahr 2019 im Mutterleib getötet worden.

Wenn es um das Lebensrecht ungeborener Kinder geht, ist das hinsichtlich Corona als vorrangig bezeichnete Recht auf Leben bei etlichen Politikern, Journalisten, Kirchenvertretern allenfalls noch zweit- oder drittrangig. Da wird das Selbstbestimmungsrecht der Schwangeren für maßgebend erklärt. Mit welchem Recht eigentlich?

Welcher Bischof, welcher Priester sieht sich zum Beispiel veranlasst, jeden Monat zu einem Trauergottesdienst für die getöteten Kleinen aufzurufen? Wäre nicht jeden Monat ein päpstlicher Segen a la „Urbi et orbi“ für alle Schwangeren und Ungeborenen angebracht?

Warum stellt der Bundesfinanzminister nicht etliche Milliarden Euro zur Verfügung, um Schwangeren und Familien mit kleinen Kindern finanziell zu helfen? Es dürfte eine gute Investition in Deutschlands Zukunft sein.

Wegen der Pandemie wird auf Balkonen Musik gemacht und gesungen und werden Kirchenglocken geläutet. Priester gehen mit der Monstranz durch die Straßen ihrer Gemeinde.

Und wer von denen, die sich derzeit ehrenamtlich zugunsten der Covid 19-Erkrankten einsetzen, wird aktiv zugunsten der Ungeborenen? Von einer Pflicht aller zum Einsatz für Ungeborene ist keine Rede.

Welche Medien schreiben über die Millionen von abgetriebenen Kindern? Wer berichtet über die seelischen und gesundheitlichen Schäden, die manche Schwangeren erleiden, die abgetrieben haben?

Als Erzbischof DDr. Johannes Dyba als Oberhirte von Fulda vor über 20 Jahren am Fest der unschuldigen Kinder die Kirchenglocken gegen Abtreibung läuten ließ, ist er von Bischofskollegen in Deutschland kritisiert und von Journalisten angefeindet worden.

Wer an einem „Protestmarsch für das Leben“ teilnimmt, muss seit Jahren und wohl auch derzeit damit rechnen, dass er von sog. Gegendemonstranten beschimpft und sogar körperlich angegriffen wird – allein deswegen, weil er für das Lebensrecht auch der Ungeborenen eintritt.

Wie kommt es, dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird und hinsichtlich der Rechte ungeborener Kinder intellektuelle Purzelbäume bei etlichen Leuten zur Selbstverständlichkeit gehören?

Bei manchen Leuten regt sich das Gewissen wohl nur, wenn es in die politische Landschaft passt. Armes Deutschland!

Weitere Beiträge von Reinhard Wenner im CHRISTLICHEN FORUM siehe hier: https://charismatismus.wordpress.com/?s=reinhard+wenner


Fachkräftemangel – ein Fluch der bösen Tat?

Von Reinhard Wenner

In Deutschland soll seit etlichen Jahren ein erheblicher Mangel an Fachkräften bestehen.

Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel will diesem Mangel nun u. a. dadurch abhelfen, dass vermehrt entsprechend ausgebildete Personen nicht nur aus Europa, sondern auch aus Brasilien, Indien, Mexiko und Vietnam angeworben werden sollen. Sie erklärte, die rechtlichen Voraussetzungen dafür seien jetzt durch das Fachkräfte- Einwanderungsgesetz geschaffen worden.

Dr. Merkel will also der deutschen Gesellschaft aus einem Notstand heraushelfen, für den sie selbst mitverantwortlich ist.

Schließlich sie ist seit fast 30 Jahren an den Schalthebeln der Macht: Als Bundestagsabgeordnete, als Ministerin für Frauen und Jugend und seit 2005 als Bundeskanzlerin. Sie scheint – wie viele andere politische Verantwortungsträger – wichtige soziale Bedingungen und demografische Entwicklungen nicht erkannt oder aber ignoriert zu haben.

Wenn die Bundeskanzlerin und alle, die nun für das Anwerben von Fachkräften plädieren und die heute 50 Jahre und älter sind und seit über 30 Jahren nicht erkannt haben, wohin massenhafte Abtreibungen und Kinderarmut führen, haben ihnen wesentliche Voraussetzungen für eine vorausschauende Sorge für den Arbeitsmarkt und insgesamt für das Wohl des deutschen Volkes gefehlt. Sie fehlen ihnen offensichtlich auch heute noch. Denn es genügt nicht, Voraussetzungen für das Anwerben ausländischer Fachkräfte zu schaffen, sondern es ist gegen die Ursachen anzugehen und damit vor allem der Tötung ungeborener Kinder Einhalt zu gebieten.

Derzeit sollen in Deutschland etwa 2,5 Millionen Fachkräfte fehlen. Seit über 30 Jahren aber werden alljährlich erheblich mehr als 100.000 Kinder im Mutterleib getötet. Felizitas Küble hat am 6. Februar 2017 im CHRISTLICHEN FORUM überzeugend dargelegt, dass die „amtlichen Zahlen“ über die alljährlichen Abtreibungen in Deutschland falsch, nämlich erheblich untertrieben sind.

Wenn aber staatlicherseits der Kindermord nicht hingenommen worden wäre, gäbe es in Deutschland derzeit zusätzlich etwa 4 Millionen Jugendliche und junge Erwachsene und damit auch wohl jede Menge zusätzliche Fachkräfte. Denn unter den abgetriebenen Kindern dürften etliche gewesen sein, die hervorragende Krankenpfleger oder Handwerker, Kaufleute, Angestellte, Ärzte, Lehrer, Professoren, Firmenchefs, Priester, Ordensleute geworden wären – Fachleute, die nun sozusagen händeringend gesucht werden.

Wenn in Deutschland ab sofort keine Kinder mehr abgetrieben würden, ständen in etwa 16 bis 19 Jahren ca. 130.00 Jugendliche zusätzlich Jahr für Jahr zum Einstieg ins Berufsleben bereit.

Außerdem sollten sich alle, die für das Fachkräfte-Einwanderungsgesetz sind, fragen, ob die Fachkräfte aus anderen Staaten nicht im jeweils eigenen Land ebenfalls dringend gebraucht werden. Denn die Fachleute in anderen Ländern sind wohl kaum ausgebildet worden, um in Deutschland als Notnägel eingesetzt werden zu können.

Was Deutschland schon vor 30 Jahren gebraucht hätte und auch heute dringend benötigt, sind Politiker, Firmenchefs, Gewerkschaftsführer, Handwerksmeister, Lehrer, Priester, Bischöfe, die aus der Geschichte gelernt haben, wie Zukunft verantwortlich zu gestalten ist, und die die Forderung unseres Grundgesetzes ernst nehmen: „Jeder hat das Recht auf Leben“ (Art. 2 Abs. 2 GG).

Durch das Fachkräfte-Zuwanderungsgesetz wird m.E. eingestanden, dass der Staat auf dem Gebiet der Bevölkerungspolitik ziemlich versagt hat. Und anzufügen ist: Sie lernen es immer noch nicht. Denn sie wursteln in Sachen Abtreibung und Familienpolitik weiter herum wie seit 30 Jahren schon.

Wer aber weiter Abtreibungen hinnimmt, kann auch in 16 Jahren noch im Ausland auf die Suche nach Lehrlingen und Fachkräften gehen, deutsche Botschaften und Konsulate durch weiteres Personal aufstocken – alles Arbeitsbeschaffungsprogramme der besonderen Art, die aus familienpolitischen Fehlentscheidungen und unter Missachtung des Rechts auf Leben erwachsen und damit hausgemacht sind.

Der derzeitige Fachkräftemangel in Deutschland ist eine Folge von Versäumnissen und menschenrechtswidrigem Verhalten.


Wenn Politiker bedroht werden: Empörung! – Bei Abtreibungen: Schweigen!

Von Reinhard Wenner

Als am 2. November 2019 bekannt wurde, dass die beiden Abgeordneten der GRÜNEN, Claudia Roth und Cem Özdemir, Todesdrohungen erhalten haben, wurde  –  zu Recht – Empörung geäußert und rasche Aufklärung gefordert. 

Beim Thema „Abtreibung“ dagegen herrscht bei etlichen Politikern und Medien Schweigen. Bei Bedrohungen und Anschlägen auf Politiker und bei Unglücksfällen, bei denen auch Kinder zu Schaden gekommen sind, gibt es öfter gleichsam eine Empörungs- bzw. Betroffenheitswelle.

Von Schock ist die Rede, unter dem angeblich die ganze Stadt, die ganze Nation stehe. Rufe nach stärkerem Personenschutz von Politikern und ein energisches strafrechtliches Durchgreifen und Erhöhung des Strafrahmens ertönen. Ggf. werden auch weitere technische Sicherheitsmaßnahmen gefordert.

Und wer ist schockiert und findet es himmelschreiend, wenn alljährlich in Deutschland mehr als 100.000 Kinder abgetrieben werden? Von Strafrechtsschutz ist dann keine Rede.

Die armen Kinder – aber nicht, wenn es um Abtreibungen geht.

Bei Fernsehberichten über Flüchtlingssituationen werden immer wieder – Mitleid heischend – Kleinkinder gezeigt und bei Unglücksfällen oder in Notsituationen, bei denen auch Kinder betroffen sind, wird von ARD, ZDF und Deutschlandfunk öfter ihre Anzahl genannt.

Dagegen ist nichts einzuwenden. Sonderbar wird es erst, wenn dieselben Medien nichts über die täglich in Deutschland durch Abtreibung getöteten Kinder berichten. Bei den über 100.000 Abtreibungen pro Jahr sind das durchschnittlich mehr als 275 Kinder pro Tag.

Nach den Morddrohungen gegen Claudia Roth und Cem Özdemir hat Bundesinnenminister Seehofer von einer „Verrohung unserer Gesellschaft“ gesprochen. Aber mir ist nicht bekannt, dass er das jemals im Blick auf die Abtreibungen gesagt hat.

Mir ist weiter nicht bekannt, dass z.B. der derzeitige Bundespräsident wiederholt die Abtreibungen kritisiert hat, auch die Bundeskanzlerin nicht und auch keines ihrer Kabinettsmitglieder. Von Frau Roth und Herrn Özdemir von den GRÜNEN ist mir ebenfalls kein entsprechender Protest bekannt.

Das Recht auf Leben – Art. 2 Abs. 2 GG – gilt bei etlichen Leuten uneingeschränkt wohl nur, wenn Politiker bedroht werden.

Frauen und Männer, die die derzeitige „Abtreibungsregelung“ beschlossen haben und auch jene, die daran festhalten, sind durchaus dafür, in anderen Staaten qualifizierte Frauen und Männer für Kranken- und Altenpflege, für Industriebetriebe, Handwerk und Handel anzuwerben – neuestens Bundeskanzlerin Dr. Merkel in Indien und Bundesgesundheitsminister Spahn in Mexiko.

Wie wäre es, wenn Arbeitgeberverbände, Handwerkskammern, Gewerkschaften, die sich ja alle in Prognosen auskennen (sollten), der Bundesregierung und den Abgeordneten des Bundestages immer wieder sagten, dass all diese getöteten Kinder in Deutschland fehlen?

Denn unter den über 100.000 Kindern, die da seit Jahrzehnten Jahr für Jahr getötet worden sind, dürften etliche gewesen sein, die hervorragende Erfinder, Ingenieure, Handwerker, Dichter, Musiker, Universitätsprofessoren, Ärzte geworden wären – „Fachleute“, die schon aus betriebswirtschaftlicher Sicht dringend gebraucht würden.

Wir brauchen heutzutage zum Glück keine neuen „Kriegerdenkmale“ mehr. Was wir aber dringend brauchen, sind Erinnerungsstätten für die im Mutterleib getöteten Kinder einschließlich jener Kinder, die aus biologisch-medizinischen Gründen nicht lebend zur Welt gekommen sind.

Wenn für jedes im Mutterleib getötete bzw. nicht lebensfähige Kind ein Baum gepflanzt worden wäre, gäbe es inzwischen allein in Deutschland zusätzlich riesige Wälder.

Unser Autor Reinhard Wenner ist Mitverfasser des islamkritischen Sachbuches „Freiheit und Islam. Fakten, Fragen, Forderungen“. Das 848 Seiten starke Werk kann für 34 Euro direkt bei ihm bestellt werden: reinhard.wenner@gmx.de


Anmerkungen zum Evangelischen Kirchentag

Von Reinhard Wenner

In der Predigt beim Abschlussgottesdienst des Evangelischen Kirchentages am 23. Juni 2019 in Dortmund hat die evangelische Pastorin Sandra Bils gesagt: „Man lässt keine Menschen ertrinken. Punkt.“

Meines Erachtens ist dieser Satz zu ergänzen: Man lässt keine Kinder abtreiben. Ausrufezeichen!

Man lässt nicht Millionen von Christen durch islamische und atheistische Staaten verfolgen. Ausrufezeichen!

Der Präsident des Evangelischen Kirchentages, Hans Leyendecker, wird mit den Sätzen zitiert: „Pilatus wusch sich die Hände in Unschuld. Europäische Politikerinnen und Politiker waschen sie in dem Wasser, in dem Flüchtlinge ertrinken“.

Herr Leyendecker könnte gefragt werden, ob er und einige evangelische Präsides sowie einige Pastoren und Pastorinnen ihre Hände in dem Wasser waschen, in dem Mediziner in Deutschland nach hunderttausendfacher Abtreibung pro Jahr jeweils die blutigen Instrumente säubern.


Die Kreuzzüge als Reaktion auf Verfolgung

Von Dr. Udo Hildenbrand

Bei Diskussionen über die Gewaltproblematik im Islam findet sich schnell jemand, der relativierend behauptet: „Die Christen waren ja auch nicht besser. Denk doch nur mal an die Kreuzzüge“. Und schon ist die islamische Gewalt- und Kriegsthematik vom Tisch.

Weit verbreitet ist der  Eindruck, mit dem Aufruf von Papst Urban II. (1095 n. Chr.) hätte der Beginn der Kreuzzüge gleichsam wie ein Blitz aus heiterem Himmel eingeschlagen. Ebenso die Vorstellung, die Muslime  seien in den Jahrhunderten vor Kreuzzugsbeginn  bei  ihren kriegerischen Invasionen in eher unbewohnte Territorien vorgedrungen. Beides ist schlicht falsch.

Welche Gegebenheiten jedoch sind der Urgrund der Kreuzzüge? Welche Ereignisse der frühen Islamgeschichte gingen der Kreuzzugsbewegung in nahezu 500 Jahren voraus? Welche Vorgänge waren die Auslöser zum Kreuzzugsaufruf?

  1. Koran und Mohammed als Urgrund der Kreuzzugsbewegung

Der Koran insgesamt  –  und damit auch die Fülle der (Gewalt-)Suren  –  haben nach dem Verständnis der weit überwiegenden Mehrzahl der Muslime zeitlos-ewigen, unveränderbaren  und universalen Charakter. Folglich bildet der Koran als Basistext des Islam auch die dunkle Folie, in die hinein bereits die Jahrhunderte andauernde leidvolle Vorgeschichte der Kreuzzüge verwoben ist, aber  auch  die durchaus problematische Geschichte der Kreuzzüge selbst.

Dabei wird deutlich: Die gesamte islamische Eroberungs- und Unterwerfungsgeschichte ist keineswegs ein Produkt der Missdeutung oder gar des Missbrauchs dieser Religion. Vielmehr ist diese bedrückende Geschichtswirklichkeit das historische Resultat der koranischen Dogmatik, Ethik und Programmatik. Sie ist ein wesentlicher Teil der islamischen Authentizität.

„Der Terror kommt aus dem Herzen des Islam“, so der deutsch-türkische Schriftsteller Zafer Senoca (zitiert in: DIE WELT, 29.12. 2007).

Zusammen mit dem Koran hat aber auch der Religionsstifter Mohammed mit seiner problematischen Lebensweise, mit seinen normsetzenden Reden und Handlungen, auch  mit seiner stillschweigenden Zustimmung z. B. zum Verhalten seiner Gefolgsleute eine entscheidende Vorbildfunktion für das religiöse und moralische Verhalten von Muslimen und den Islam insgesamt.

Mohammed gilt als unantastbar. Er wird als der  „vollkommene Mensch“, als „generell sündlos“ sowie als „Modell physischer wie spiritueller Schönheit“ verehrt  (vgl. Sure 33,21).  Ihm ist  bedingungslos zu gehorchen  (vgl. Sure 4,80).

Die kriegerischen Erfolge seiner zahlreichen Feldzüge und „Razzien“ (Beutezüge) wurden/werden geradezu als Zeichen seiner Erwählung betrachtet. So liegen auch die islamischen Eroberungskriege nicht nur auf der Linie des Koran, sondern  zugleich auch  auf der Linie der für Muslime vorbildhaften Biographie ihres Propheten.

So hat der Islam von Anfang seiner Geschichte an  großräumig Länder und Regionen in Nordafrika, in Asien und Europa über den Land- und Seeweg mit Kriegen überzogen. Grundmotiv aller kriegerischen Unternehmungen war: Erbeuten von Menschen (Sklaven) und von Wirtschaftsgütern, politischer und wirtschaftlicher Machtzuwachs – und damit immer aufs Engste verbunden  – die Ausbreitung des islamischen Glaubens.

Der Islam war so schon immer ein militärisches, politisches und wirtschaftliches sowie natürlich auch ein religiös-theologisches, kultisches und kulturelles Projekt.

  1. Beginn der islamischen Expansionen in Afrika und Asien

Die erste, gleich erfolgreiche Islamisierungswelle begann mit Mohammed selbst, der 632 n. Chr. verstarb; sie dauerte nur wenige Jahrzehnte bis zum Ende des 7. Jahrhunderts. „Gleichsam aus dem Nichts eroberten arabisch-muslimische Kämpfer innerhalb weniger Jahrzehnte ein Weltreich“ (G. Knopp).

Diese Muslime sahen sich wie selbstverständlich legitimiert, ihre eigene religiöse Überzeugung über die eigene Grenze hinaus auszubreiten. Nach der Überlieferung hatte Mohammed im Jahre 628 n. Chr. den „byzantinischen Kaiser, den persischen Großkönig und andere Potentaten seiner Zeit … aufgefordert, sich zu unterwerfen und den Islam anzunehmen“ (B. Ye´or).

Aufgrund der negativen Antworten sahen sich die Muslime berechtigt, den Dschihad (Glaubenskrieg) gegen diese Staaten zu führen. Als Mohammed 632 n. Chr. starb, waren fast alle heidnischen Stämme auf der Arabischen Halbinsel bereits islamisiert. In einer beinahe unvorstellbaren Geschwindigkeit und martialen Dynamik vergrößerten seine Nachfolger durch „Feuer und Schwert“ das islamische „Haus des Friedens“.

Die gewaltsame Islamisierung führte um 800 n. Chr.  auch zum fast völligen Ausbluten und zur Marginalisierung der zuvor blühenden Ortskirchen in den Ursprungsländern der Christenheit wie Syrien, das Heilige Land mit Jerusalem sowie Persien (Iran), Mesopotamien (Irak) und Ägypten. Die „Allah-Krieger“ überrollten ebenso Nordafrika und dabei auch die Heimat von Tertullian (160 – 220 n. Chr.), Cyprian (210 – 258 n.Chr.) sowie der beiden Kirchenlehrer Athanasius (295 – 373 n. Chr.) und Augustinus von Hippo (354 – 430 n. Chr.).

Afghanistan und die anderen Länder entlang der Seidenstraße waren buddhistisch, Pakistan und Bangladesch buddhistisch und hinduistisch. Heute sind alle diese Länder islamisch.

Zum gewaltsam erweiterten islamischen Herrschaftsbereich zählten um das Jahr 712 Gebiete bis an die Grenzen Chinas und Indiens sowie um das Jahr 719 fast die gesamte Iberische Halbinsel, ebenso die Mittelmeerinseln Rhodos und Kreta. Nur Griechenland und Anatolien, das Gebiet der heutigen Türkei, blieben (damals) Teile des christlich-byzantinischen Territoriums.

  1. Die Bedrängnisse in Jerusalem und im Heiligen Land

Fünf Jahre nach dem Tod Mohammeds wurde im Jahr 637 n. Chr. Jerusalem erobert. Die Heilige Stadt galt als  „Mittelpunkt der christlichen Welt“, als „Mitte des Erdkreises“. 

Bis zum 1. Kreuzzug (1099 n. Chr.) sollte die Stadt über vierhundert Jahre lang in den Händen muslimischer Machthaber bleiben. Historisch gesehen stand die Eroberung Jerusalems durch die Muslime am Anfang jahrhundertelanger Angriffe von Seiten des Islam.

Die Christen im Heiligen Land waren Schikanen der Plünderungen, Massakern und    Kirchenzerstörungen, der Verfolgung und Vertreibung ausgesetzt; diese wurden immer bedrohlicher. Auch die räuberischen und oft blutigen Überfälle von Muslimen auf christliche  Pilger häuften sich. Pilgern ins Heilige Land hieß deshalb immer auch: Leib und Leben riskieren. Gleichzeitig aber waren die Pilgerscharen von den muslimischen Behörden durchaus gern gesehen − als reich fließende Geldquelle.

  1. Muslimische Expansionen im Westen und Süden Europas

Nach der kriegerischen Invasion in Spanien über die Meerenge von Gibraltar anno 711 n. Chr. und der zügigen Eroberung fast der gesamten Iberischen Halbinsel innerhalb von etwa sieben bis acht Jahren wurde durch Karl Martell (688 – 741 n. Chr.) das weitere kriegerische Vordringen des Islam nach Europa, „die arabische Flut“, verhindert durch seinen Sieg über die arabischen Invasoren in der Schlacht bei Tours und Poitiers (732 n. Chr.).

Im Westen mussten die Muslime nach dieser Schlacht sowie nach einem zweiten missglückten Versuch der Eroberung drei Jahre später ebenfalls den Rückzug antreten. Ihr Ziel hatten sie nicht erreicht: die Eroberung Galliens. Seit dieser Zeit ist der Mittelmeerraum in einen islamischen Süden und in einen christlichen Norden geteilt.

Zu unfassbaren Pogromen gegen Christen und Juden kam es in den Jahrhunderten vor den Kreuzzügen auf der Iberischen Halbinsel in Elvira, Sevilla und Granada. Im 9. und 10. Jahrhundert unternahmen die im Mittelmeerraum etablierten islamischen Kalifate ständig Raubzüge. Begleitet von brutalen Massakern brachten die islamischen Eroberer Süditalien und Sizilien für 200 Jahre in ihre Gewalt. Im Jahre 846 plünderten Muslime auch die beiden Kathedralkirchen St. Peter und St. Paul in Rom. Sogar der Papst war zeitweise tributpflichtig. Aus diesem Jahr datiert auch der erste päpstliche Aufruf zu einem „Kreuzzug“

Nach der Eroberung und Plünderung der Stadt Thessaloniki im Jahre 903 n. Chr.  wurden 22.000 Christen von den Muslimen in die Sklaverei getrieben. Mitte des 10. Jahrhunderts drangen Muslime bis nach Chur und St. Gallen vor. Klöster wurden geplündert, Nonnen und Mönche wurden auf den Sklavenmärkten der Mittelmeerhäfen feilgeboten.

In der gesamten mittelalterlichen Geschichte Spaniens geht es um den Kampf, die Rückeroberung („Reconquista“) des ursprünglich christlichen Spaniens gegen den Islam (718 – 1492 n. Chr.).

  1. Die Bitte byzantinischer Kaiser um Beistand der westlichen Kirche

Der Kreuzzugsbewegung gingen jahrhundertelange Abwehrkämpfe gegen die Eroberungszüge muslimischer Araber voraus. Vom 7. Jahrhundert an bis ins 11. Jahrhundert wurde über die Hälfte der christlich besiedelten Regionen erobert und islamisiert.

Im 11. Jahrhundert brachten dann muslimische Seldschuken das Byzantinische Reich bei verschiedenen Angriffskriegen immer mehr in Bedrängnis. Bereits im Jahre 1071 bat der byzantinische Kaiser Michael VII. nach der gegen die Seldschuken verlorenen Schlacht von Mantzikert den römischen Papst dringend um militärische Hilfe gegen den Islam. Obwohl die Wunden noch nicht verheilt waren, die das Schisma von 1054 geschlagen hatte, bat der byzantinische Kaiser den römischen Papst in dieser Not um Hilfe.

Alexius I. Kommenos, sein Nachfolger, überwand „den Stolz und die Vorurteile, die man in Konstantinopel gegenüber der Kirche Roms hegte“ und wiederholte in seiner Verzweiflung diese Bitte an die abendländische Kirche um militärischen Beistand. Es ging jetzt „um das nackte Überleben“ (M. Hesemann). 

Zu jener Zeit gab es wegen der großen Glaubensspaltung von 1054 keinerlei Formen „freundschaftlich-ökumenischer Beziehungen“ zwischen der morgenländischen und der abendländischen Kirche. Diese Hilferufe von Byzanz waren somit keineswegs selbstverständlich, ebenso wenig die von Rom erhoffte Hilfezusage.

Also nicht − wie ständig behauptet − aus Willkür, Habgier, aus Gründen der Glaubensverbreitung u. a. m., sondern aufgrund der flehentlichen Bitten der orthodoxen Christen um Beistand wurde die militärische Gegenreaktion im Jahre 1095 mit dem päpstlichen Aufruf zur „bewaffneten Wallfahrt“, zum Kreuzzug  eingeleitet.

  1. Die ursprünglichen Motive der Kreuzzugsbewegung

Zentrale menschlich-christliche, aber auch kirchenpolitische Motive und Legitimationsgründe für die Kreuzzugsbewegung bzw. für die Kreuzzugsteilnahme waren:

  • Der Schutz der in ihrer Existenz bedrohten orientalischen Christen.
  • Die Solidarität der abendländischen Christenheit mit dem vom Islam bedrängten byzantinischen Kaiserreich und den orientalischen Kirchen, die durch zwei byzantinische Kaiser die westliche Kirche um Beistand baten.
  • Die durch das Prinzip des „gerechten Krieges“ legitimierte Selbstverteidigung der Christen zum Schutz ihrer Freiheit, Kultur und Identität gegenüber den aggressiven Eroberungsfeldzügen islamischer Völker seit dem 7. Jahrhundert und den seither andauernden Repressionen.
  • Das Absichern und Offenhalten der Pilgerwege aus Europa ins Heilige Land hinsichtlich der Überfälle und Raubzüge von Muslimen auf friedliche Pilgergruppen.
  • Die Befreiung Jerusalems von der islamischen Herrschaft nach der erneuten Eroberung durch die islamisch-türkischen Seldschuken im Jahre 1071, und damit verbunden der Schutz der christlichen Stätten im Heiligen Land vor deren Schändungen und der weiteren Zerstörungswut von Muslimen.
  • Das ausdrücklich formulierte Ziel des Papstes: Die Hoffnung auf die Wiedervereinigung der lateinischen mit der byzantinischen Kirche nach dem Schisma 1054.
  • Der Schutz des christlichen Europa vor islamischer Bedrohung und Herrschaft vom Südwesten (Spanien), Süden (Italien) und Südosten (Byzanz) her.  
  1. Weitere Informationen im Kontext der Kreuzzugsproblematik

  • Erst nach etwa 470 Jahren islamischer Raubzüge und Unterwerfungskriege und der Verbreitung des Islam durch das Schwert begannen die etwa zwei Jahrhunderte lang dauernden christlichen Kreuzzüge zur Befreiung des Heiligen Landes.
  • Dem Aufruf von Papst Urban II. zum Ersten Kreuzzug ist kein Missions- und Bekehrungsbefehl  hinsichtlich der Muslime zu entnehmen. (Weitgehend erfolglos blieben die Versuche der Franziskaner zur Missionierung der Muslime in den von den Kreuzfahrern besetzten Gebieten – allerdings erst 100 Jahre später.)
  • Die pauschalisierende These, die Kreuzzüge seien primär ökonomisch motiviert gewesen, insbesondere der Adel sei  aus Gier nach Beute und Land  dem Kreuzzugsaufruf gefolgt, ist aus folgenden Gründen nicht nachvollziehbar, die eher auf eine religiöse Haltung schließen lässt, die hohen Respekt abverlangt: Der außergewöhnliche finanzielle Einsatz privater Mittel – Die Strapazen und Entbehrungen, die Gefährdung für Leib und Leben bei dieser risikoreichen ca. 5000 km langen Reise – Die lange Abwesenheit von Familie und Heimat – Die Befürchtung, Hab und Gut zu verlieren und  nicht mehr heimzukehren.
  • Die Tatsache, dass an den Kreuzzügen Frauen, Kinder, Mönche und alte Menschen teilnahmen, weist darauf hin, dass „keine konsequente Institution eines ‚Heiligen Krieges‘ zustande kam“ (H.-P. Raddatz).
  • „Zu keiner Phase konnte die Idee des Heiligen Krieges im Christentum den Rang einer vorrangigen, geschweige denn einer normativen Glaubenspflicht erlangen“ (H.-P. Raddatz)   wie es umgekehrt im Koran jedoch für Muslime vorgegeben ist.
  • Die Kreuzzüge hatten ein fest umrissenes, geografisch genau eingegrenztes Ziel.
  • Verglichen mit den unzählbaren, ununterbrochenen und weltweit geführten Dschihads (den muslimischen Glaubenskriegen) blieben die Kreuzzüge „sehr selten“.
  • Die Episoden grausamer und willkürlicher Gewalt durch Kreuzfahrer waren weder Ausgangspunkt noch Antrieb für das mittelalterliche Phänomen der Kreuzzugsbewegung.
  • Bestimmte Zusammenhänge auf einen Nenner gebracht: Ohne die Gewaltsuren des Koran und ohne das  kriegerische „Vorbild“ Mohammed keine islamischen Eroberungskriege − Ohne die Aggressionen und Eroberungen von Muslimen auch keine Kreuzzüge der Christen − Ohne die Kreuzzüge der Christen zur Abwehr der islamischen Eroberungskriege bzw. zur Rückgewinnung von verlorenen Territorien keine Weiterentwicklung der jüdisch-christlich abendländischen Kultur und Geschichte.
  • Trotz gegenteiliger Behauptung liegt keine päpstliche Schulderklärung zur mittelalterlichen Kreuzzugsbewegung vor.
  • Die vielgeschmähte Kreuzzugsbewegung war eine not-wehrende, aber auch eine notwendige und zugleich eine not-volle Reaktion auf die jahrhundertelang vorausgegangenen islamischen Aggressionen, Expansionen und Invasionen.

Dieser Artikel ist ein komprimierter Auszug aus der Abhandlung: Die Kreuzzüge und ihre islamische Vorgeschichte, 150 Seiten – veröffentlicht in dem umfangreichen Sachbuch „Freiheit und Islam“ von Dr. Udo Hildenbrand, Dr. Friedrich Rau und Reinhard Wenner, 847 Seiten, Preis 29,80 Euro portofrei.  –  Weiterer Buchhinweis: „Wortmeldungen zum Islam“ von Udo Hildenbrand, 200 Seiten, Preis 10 Euro portofrei; beide Publikationen sind 2016 erschienen und erhältlich bei: Dr. Udo Hildenbrand, Mail: udo.hildenbrand@gmx.de

Erstveröffentlichung dieses Beitrags in der Zeitschrift „Der FELS“ vom Mai 2017.


Warum wird das „Gebet für Volk und Vaterland“ hierzulande vernachlässigt?

Von Reinhard Wenner

Ist die katholische Kirche in Deutschland vertragstreu?  – Wenn es um das Gebet für Volk und Vaterland geht, wohl kaum.

Nach Artikel 30 des Reichskonkordats ist die katholische Kirche in Deutschland verpflichtet, an allen Sonn- und Feiertagen für das Wohlergehen des Deutschen Reiches und Volkes zu beten. Denn in Artikel 30 des nach wie vor gültigen Reichskonkordats ist vereinbart worden:

„An den Sonntagen und den gebotenen Feiertagen wird in den Bischofskirchen sowie in den Pfarr-, Filial- und Klosterkirchen des Deutschen Reiches im Anschluss an den Hauptgottesdienst, entsprechend den Vorschriften der kirchlichen Liturgie, ein Gebet für das Wohlergehen des Deutschen Reiches und Volkes eingelegt.“

Diese Verpflichtung hat die Deutsche Bischofskonferenz 1966 dahin gehend geändert, dass künftig solch ein Gebet nicht mehr nach dem Schlusssegen der hl. Messe zu sprechen ist, sondern dass es im Rahmen der allgemeinen Fürbitte „für die Regierenden und für das Heil der ganzen Welt“ erfolgen soll.

1984 hat die Deutschen Bischofskonferenz nach ihrer Frühjahrs-Vollversammlung eine weitere „Erklärung“ zum „Gebet für Volk und Vaterland“ veröffentlicht. Sie erinnert darin an „diese Verpflichtung und bittet alle Priester und Gemeinden, bei den Fürbitten in den Gemeindemessen aller Sonn- und Feiertage auch für unser Volk und Vaterland zu beten und zwar etwa auf folgende Weise:

„Gedenke der Bedrängnisse unsres Volkes; lenke seinen Weg inmitten aller Gefahren und schenke ihm Eintracht und Einheit, Freiheit und Frieden mit allen Völkern Europas und der ganzen Erde.“

Aber diese Erklärung ist damals nur in elf kirchlichen Amtsblättern veröffentlicht worden.

Welcher jüngere Mitfeiernde hat dieses Gebet wohl jemals in einer Eucharistiefeier bei den Fürbitten gehört? Die älteren Mitfeiernden wären zu fragen, ob sie dieses oder ein entsprechendes Fürbittgebet in den letzten 33 Jahren gehört und innerlich mitgebetet haben.

Wer hat, wenn er an einer Eucharistiefeier im Dom teilgenommen hat, Gelegenheit gehabt, zusammen mit dem Bischof dieses oder ein entsprechendes Gebet für das deutsche Volk und Vaterland zu beten? Hat der Bischof in den letzten Jahren und Jahrzehnten bei den Visitationen in der Pfarrei zusammen mit den Gläubigen dezidiert für das Wohlergehen des deutschen Volkes und Vaterlandes in den Gottesdiensten gebetet und die Priester an diese Pflicht erinnert?

Papst Franziskus hat laut „Radio Vatikan“ vom 18. September 2017 gefordert, für die Regierenden zu beten: „Denn es ist eine Sünde, für die Regierenden nicht zu beten“. Die Regierenden aber hat er aufgefordert, für die zu beten, von denen sie den Regierungsauftrag erhalten haben.

Hat sich seither in dieser Hinsicht in den deutschen Bistümern schon etwas getan? Oder wird Artikel 30 des Reichskonkordats wie seit Jahrzehnten weitgehend missachtet und – folgt man Papst Franziskus  –  also auch weiter „gesündigt“?

Der „Tag der Deutschen Einheit“ könnte und sollte Anlass sein, ab sofort mindestens wieder an jedem Sonn- und Feiertag Gott um seinen Schutz und Segen für das deutsche Volk und Vaterland zu bitten.

Im „Laudate“, dem Gebetbuch und Gesangbuch für das Bistum Münster aus dem Jahr 1955, lautet das Gebet „Für unser Volk und Vaterland“:

V(orbeter): Allmächtiger, ewiger Gott, Herr, himmlischer Vater: Wir bitten Dich voll Vertrauen:
A(lle): Beschütze unser deutsches Volk und Vaterland.
V Wehre ab alle inneren und äußeren Feinde.
A Bewahre uns vor Krieg, Seuchen und Hungersnot.
V Hilf uns im Kampfe gegen die Feinde der Kirche.
A Vernichte in unserem Volke den Geist der Zwietracht und des Haders.
V Hilf, dass alle ein Herz und eine Seele seien, dass alles erneuert werde in Christus, dem König der Welt.
A Hilf, dass sein Friedensreich komme.
V Lass uns im Streben nach leiblicher Wohlfahrt und irdischem Fortschritt nicht vergessen, zu suchen, was droben ist, damit wir einst Erben der ewigen Heimat werden, die bei Dir im Himmel ist. Durch Christus unseren Herrn.
A Amen.
V Heiliger Erzengel Michael, du Schutzpatron des deutschen Volkes,

A Bitte für uns. Amen.

Im „Gotteslob“ aus dem Jahr 2013 ist offenbar kein eigenes Gebet für unser deutsches Volk und Vaterland zu finden.

Im MESSBUCH (Kleinausgabe 1978) für die Bistümer des deutschen Sprachgebietes steht auf Seite 1054 ein Gebet „FÜR HEIMAT UND VATERLAND UND DIE BÜRGERLICHE GEMEINSCHFT“. Es lautet:

„Allmächtiger Gott, du Lenker der Welt, deiner Macht ist alles unterworfen. Wir bitten dich für unsere Heimat (unsere Stadt, unser Vaterland): Gib den Männern und Frauen, die im öffentlichen Leben Verantwortung tragen, Weisheit und Tatkraft. Gib allen Bürgern die rechte Gesinnung. Lass Eintracht und Gerechtigkeit in unserem Land herrschen und schenk uns allezeit Glück und Frieden. Darum bitten wir durch Jesus Christus.“

Aber es ist kein Gebet ausdrücklich für das deutsche Volk und Vaterland, sondern ein allgemeines Gebet.

Interessant wäre es zu erfahren, mit welchen Worten die Christen in anderen Völkern für ihr Volk und Vaterland beten. Und wer erinnert sich, wenigstens das Gebet aus dem MESSBUCH von 1978 schon öfter gehört und mitgebetet zu haben?

Unser Autor Reinhard Wenner ist Mitverfasser des islamkritischen Sachbuches „Freiheit und Islam. Fakten, Fragen, Forderungen“. Das 848 Seiten starke Werk kann für 34 Euro direkt bei unserem Autor bestellt werden: reinhard.wenner@gmx.de

ERGÄNZEND zum Thema „Fürbitten für Deutschland“ siehe hier der Artikel von Pater Lothar Groppe: https://charismatismus.wordpress.com/2012/10/02/zum-tag-der-deutschen-einheit-gebet-und-furbitte-fur-unser-land/