Israels Regierungschef zur Militäroperation gegen den Islamischen Dschihad

Der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu (siehe Foto) sprach am 12.11. zu den Bürgern seines Landes über die Militäroperation gegen den Kommandeur des Islamischen Dschihad, Baha Abu al-Ata, und die gegenwärtige Situation:

„Bürger Israels, die Armee (ZAHAL) zielte in einer Operation auf den hochrangigen Kommandeur des Islamischen Dschihad in Gaza, Baha Abu al-Ata.

Im vergangenen Jahr war dieser führende Terrorist der Hauptverantwortliche für Terror aus dem Gazastreifen. Er initiierte, plante und führte viele Terroranschläge durch. Er feuerte Hunderte Raketen auf die Gemeinden im Umkreis, deren Leid wir miterlebt haben.

Er war gerade dabei, weitere Angriffe für die unmittelbare Zukunft zu planen. Er war eine tickende Zeitbombe.

Die Operation wurde vom Generalstabschef, dem Leiter des Allgemeinen Sicherheitsdiensts (SHABAK) und den Leitern der Sicherheitsbehörden empfohlen. Sie wurde vom Sicherheitskabinett in den vergangenen Monaten in einer Reihe eingehender Treffen besprochen. 

Das Sicherheitskabinett stimmte vor zehn Tagen endgültig und einstimmig für ein solches Vorgehen und autorisierte mich, anzuweisen, dass es zu einem von ZAHAL und SHABAK empfohlenen Zeitpunkt durchgeführt wird.

ZAHAL und SHABAK machten einen Zeitpunkt aus – ein begrenztes Zeitfenster, um die Operation durchzuführen mit optimalen Bedingungen bei maximalen Erfolgschancen und minimaler Gefährdung Unbeteiligter.

Daher entschied ich, ihre gemeinsame Empfehlung zu akzeptieren und der Durchführung der Operation zuzustimmen. Ich gratuliere ZAHAL und dem SHABAK. Ich gratuliere besonders der Luftwaffe und dem ZAHAL-Nachrichtendienst für den erfolgreichen und präzisen Einsatz.

Die grundlegende Annahme ist bei allen Terroristen gleich. Sie denken, dass sie Zivilisten angreifen können, während sie sich gleichzeitig hinter Zivilisten verstecken. Wir haben aber bewiesen, dass es möglich ist, Mörder anzugreifen mit minimalem Schaden für Unschuldige.

Wer denkt, dass es möglich ist, unseren Bürgern zu schaden und damit davonzukommen, irrt sich. Wir haben bewiesen, dass wir Terroristen mit chirurgischer Präzision angreifen können, egal wo sie sich verstecken. 

Bürger Israels, ich bitte Sie, den Anweisungen des ZAHAL-Heimatkommandos strikt Folge zu leisten. Diese Anweisungen retten Leben. Gehen Sie keine unnötigen Risiken ein. Alles, was zu tun ist, ist diesen Anweisungen zu folgen. Wir haben beträchtliche Erfahrung in diesem Bereich und es ist wichtig für Ihre eigene Sicherheit und die Ihrer Familien.

Ich möchte es noch einmal sagen: Israel hat kein Interesse an einer Eskalation, aber wir werden alles Notwendige tun, um uns zu verteidigen. Ich sage es im voraus: Das könnte eine Zeit dauern. Geduld und Gefasstheit sind notwendig. ZAHAL muss ihre Arbeit machen können.

Quelle: Amt des Premierministers


Missbrauch: Überzogene Summen bei Opferentschädigungen sind kontraproduktiv

Von Felizitas Küble

Laut Vorschlag einer Arbeitsgruppe der Deutschen Bischofskonferenz soll künftig pauschal jedes Opfer von sexuellem Missbrauch eine Entschädigung von 300.000 Euro erhalten. Zu dieser Kommission gehören auch Bischöfe – ebenso wie Betroffene.

Derart hohe Beträge kennt man sonst nur aus den USA, die ein grundsätzlich anderes Schadensersatzrecht haben als wir Deutschland und Europa.

Bislang erhält ein Opfer von der Kirche 5000 Euro oder mehr – bei den Regensburger Domspatzen waren es bis zu 20.000 Euro.

Die geplante Entschädigungssumme ist nicht zuletzt deshalb problematisch, weil sie indirekt zu Falschanzeigen ermutigt. Daß solche unwahren Beschuldigungen gegen Priester immer wieder vorkommen, ist längst eindeutig erwiesen und liegt in der Natur der Sache. Durch solche Falschanzeigen leidet aber auch das Ansehen der tatsächlichen Opfer – und genau hier liegt das Problem!

Dieser Einwand gilt ebenso für den zweiten Vorschlag der Arbeitsgruppe, je nach Schwere des Übergriffs zwischen 40.000 und 400.000 Euro zu zahlen. 

Der staatliche Entschädigungsfond, den der „Runde Tisch“ beschlossen hat, sieht höchstens 10.000 Euro vor – und dies normalerweise nur als Sachleistung (Therapiekosten usw).

Das Netzwerk B  –  eine  “Initiative Betroffener von sexualisierter Gewalt” – kritisierte in seinem Positionspapier vom 24.2.2012, daß die Höchstgrenze staatlicher Entschädigungszahlungen lediglich bei 10.000 € liegt.

Hingegen hat zum Beispiel das Kloster Ettal meist 10.000 und bisweilen bis zu 20.000 € Entschädigung pro Opfer von Missbrauch oder körperlichen Misshandlungen (Schlägen usw.) ausgezahlt. (Siehe hierzu diese Ettaler Stellungnahme: https://charismatismus.wordpress.com/2011/09/06/freiwillige-hohe-entschadigungszahlungen-durch-kloster-ettal/

Nun zum früheren Hätschelkind der Linken und Grünen, nämlich der Odenwaldschule, die immerhin eine UNESCO-Modellschule war:

Dieses hessische Landschul-Internat entschädigte seine 132 Missbrauchsopfer zunächst mit einer Gesamtsumme von 50.000 €, wie die Wochenzeitung “Die Zeit” vom 11.4.2011 berichtete   –  also weit unter 400 Euro pro Person. Später wurden durch die nahestehende Stiftung „Brücken bauen“ insgesamt 300.000 € an die 132 Geschädigten ausgezahlt.

Somit liegt der jetzt kirchlich vorgeschlagene Betrag je Opfer fünfzig-mal über der staatlichen Höchst-Summe von 10.000; noch größer ist der Abstand zur Odenwaldschule.

Dazu kommt das Problem, dass diese Entschädigungsleistungen  – zumindest teilweise  –  aus der Kirchensteuer-Kasse entnommen werden, was sich bei dieser Höhe gar nicht vermeiden läßt.

Es ist aber nicht leicht einzusehen, dass die „Solidargemeinschaft“ der Kirchenmitglieder überhaupt für die Geschädigten aufkommen soll (dazu könnte auch ein Fond aus Beiträgen hoher Geistlicher – vor allem Bischöfe  –  errichtet werden). Dies gilt erst recht für derart hohe Beträge, die weit über das hinausgehen, was der Staat oder andere Institutionen wie die Odenwaldschule bereitstellen.

 


Bilder von Unfalltoten sind zukünftig strafbar

Gaffer, die an Unfallstellen Bilder von Verstorbenen machen, sollen zukünftig mit einer Strafe rechnen. Justizministerin Christine Lambrecht hat dazu einen Gesetzentwurf vorgelegt, der auch Freiheitsstrafen vorsieht.

Stefan Pfeiffer, Mitglied der DPolG (Dt. Polizeigewerkschaft) Kommission Verkehr, begrüßt das Gesetzesvorhaben. Gegenüber der „Tagesschau“ sagte er, es sei richtig, ein solch schäbiges Verhalten künftig ahnden zu können.

Bisher gilt solches Fotografieren meist als Ordnungswidrigkeit und wird nur dann als Straftat geahndet, wenn der Täter das Opfer berührt oder zusätzlich beleidigt und erniedrigt.

In jedem Fall können Betroffene die sofortige Löschung, Schadensersatz und gegebenenfalls eine Geldentschädigung verlangen.

Quelle: https://www.dpolg.de/aktuelles/news/haertere-gangart-gegen-gaffer-beschlossen/


Wissenschaftliche Studien zeigen: E-Zigaretten können Lunge, Herz und Gehirn schädigen

Wissenschaftler aus Mainz und Boston veröffentlichen im „European Heart Journal“ neue Erkenntnisse über schädigende Mechanismen von elektronischen Zigaretten.

Die Nebenwirkungen von E-Zigaretten stehen im Fokus einer neuen Studie. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Zentrums für Kardiologie der Universitätsmedizin Mainz, des Instituts für Anorganische Chemie und Analytische Chemie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) sowie der Harvard Universität in Boston (USA) ist es gelungen, neue molekularen Mechanismen zu identifizieren, die zu Schädigungen an Lunge, Herz und Gehirn führen können.

Die Studienergebnisse sind jetzt in der aktuellen Ausgabe des renommierten „European Heart Journal“ veröffentlicht worden.

E-Zigaretten galten lange als gesündere Alternative zu herkömmlichen, brennbaren Zigaretten und wurden zudem als wirksame Methode zur Raucherentwöhnung vermarktet. Zwischenzeitlich mehren sich die Todesfälle nach dem Konsum von E-Zigaretten – nach jüngsten Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC (Centers for Disease Control and Prevention) sind in den USA mehr als 30 Menschen im Zusammenhang mit erhöhtem E-Zigaretten-Konsum gestorben.

Als möglicher Verursacher für die Todesfälle wurde nach Aussagen des Center of Disease Control (CDC) das Vitamin E-Acetat identifiziert.

Jüngste Forschungsergebnisse von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern um Univ.-Prof. Dr. Thomas Münzel vom Zentrum für Kardiologie der Universitätsmedizin Mainz, des Instituts für Anorganische Chemie und Analytische Chemie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und der Harvard Universität in Boston (USA) konnten jetzt mögliche Mechanismen nachweisen, die aufzeigen, dass E-Zigaretten, bestehend aus Propylengykoll und Glyzerin mit und ohne Nikotin, Schäden an Lunge, Herz und Gehirn verursachen können.

Der Kardiologe Prof. Dr. Thomas Münzel, Leiter der Studie, erklärt: „Für die nun publizierte Studie haben wir bei 20 gesunden Rauchern die Wirkung von E-Zigarettendämpfen auf die Durchblutung der Brachialarterie im Oberarm untersucht, und zwar kurz bevor sie eine E-Zigarette dampften und 15 Minuten danach.

Ein entscheidendes Ergebnis ist, dass der Konsum schon einer E-Zigarette, das sogenannte Dampfen, ausreichend ist, damit sich die Herzfrequenz erhöht und die Arterien versteifen. Ein weiteres Ergebnis: Bei den Rauchern war die Endothelfunktion eingeschränkt – ein wichtiger Befund, der sich auf die Funktionalität der Blutgefäße auswirkt.“

Das Endothel kleidet die Arterien von innen aus, es ermöglicht, dass sich die Blutgefäße im gesunden Maß erweitern und verengen. Zudem schützt es durch die Auskleidung das Gewebe vor toxischen Substanzen, es reguliert Entzündungs- und Blutgerinnungsprozesse und verhindert den Prozess der Gefäßverkalkung (Athersosklerose). Ist das System gestört und liegt eine Endotheldysfunktion vor, kann sich eine Herz-Kreislauf-Erkrankung entwickeln.

Die Wissenschaftler/innen untersuchten auch rund 150 Mäuse, die zuvor an einem, drei oder fünf Tagen sechsmal täglich 20 Minuten lang E-Zigarettendampf eingeatmet hatten. Univ.-Prof. Dr. Andreas Daiber, Leiter der molekularen Kardiologie an der Universitätsmedizin Mainz erläutert: „Die Ergebnisse der Untersuchungen am Tiermodell zeigten, dass das Enzym NOX-2 in den E-Zigaretten-Dämpfen die Schädigung von Blutgefäßen, auch in der Lunge und im Gehirn, auslöst.

NOX-2 ist in die Immunreaktionen des Organismus in der Abwehr gegen Bakterien involviert. Es wird durch das toxische Aldhyd Acrolein, das beim Verdampfen entsteht, aktiviert und stimuliert die Bildung freier Radikale in Gefäßen, der Lunge und im Gehirn. Ein wichtiger Befund der aktuellen Studie ist, dass Mäuse, die NOX-2 nicht produzieren konnten (sogenannte NOX-2 knockouts), vor den schädlichen Auswirkungen des E-Zigaretten-Konsums auf Gefäße, Gehirn und Lunge nahezu vollständig geschützt waren.

Wurden die Mäuse mit den pharmazeutischen Substanzen Macitentan oder Bepridil behandelt, zeigten sie keine Anzeichen von einer Dysfunktion des Endothels, oxidativem Stress oder Bluthochdruck. Macitentan wird bei Patienten eingesetzt zur Behandlung von Funktions-störungen des Endothels, des Blutdruckanstiegs in den Lungengefäßen und von oxidativem Stress.

Bepridil findet bislang Einsatz in der Therapie von oxidativem Stress, Zelltod bei hohem Blutdruck, Angina pectoris oder Brustschmerzen. Die positiven Effekte dieser Medikamente lassen auf die zentrale Funktion von zwei Eiweißmolekülen im Körper schließen: das an der Verengung der Arterien beteiligte Protein Endothelin 1 und das vor oxidativem Stress schützende Protein FOXO-3.

Prof. Dr. Thomas Münzel, Direktor der Kardiologie I im Zentrum für Kardiologie der Universitätsmedizin Mainz und Leiter der heute im  „European Heart Journal“ veröffentlichten Studie „Short-term e-cigarette vapour exposure causes vascular oxidative stress and dysfunction: evidence for a close connection to brain damage and a key role of the phagocytic NADPH oxidase (NOX-2)” schätzt E-Zigaretten daher als gesundheitsgefährdend ein:

„Wir wissen, dass E-Zigaretten im Vergleich zu normalen Tabakzigaretten weniger toxisch sind. Unsere Studie belegt jedoch, dass ein Kurzzeitgebrauch von E-Zigaretten den oxidativen Stress in Gefäßen, Lunge und Gehirn erhöhen kann. Dies kann sowohl kurzfristig als auch langfristig negative Auswirkungen auf die Funktion dieser Organe haben. Unsere Daten deuten darauf hin, dass E-Zigaretten keine gesunde Alternative zu herkömmlichen Zigaretten sind.

Es sind dringend Langzeitstudien erforderlich, um die möglichen gesundheitlichen Folgen von E-Zigarettengebrauch besser beurteilen zu können. E-Zigaretten haben ein Suchtpotential, das Konsumenten häufig unterschätzen. Es hat sich gezeigt, dass Kinder, die E-Zigaretten geraucht haben, auch verstärkt dazu neigen, später Tabakzigaretten zu konsumieren. Daher fordern wir ein Werbeverbot von E-Zigaretten. Entscheidend ist auch, Jugendliche und ihre Familien über die Gefahren von Tabakerzeugnissen aufzuklären und die Erforschung der nachteiligen gesundheitlichen Folgen von E-Zigarettengebrauch intensiv voranzubringen.“

Quelle: Universitätsmedizin Mainz  –  Erstes Foto: Peter Pulkowski


Synodaler Weg: Warum der Brief der zehn Generalvikare in die Irre führt

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Der Brief der zehn Generalvikare (Trier, Berlin, Essen, Hamburg, Hildesheim, Limburg, Magdeburg, Münster, Osnabrück und Speyer) vom 21.10.2019 an Erzbischof Kardinal Marx und an den ZdK-Präsidenten Prof. Dr. Sternberg soll die Synodalen darin bestärken, den von der Bischofskonferenz am 25. September 2019 beschlossenen Fahrplan ohne Wenn und Aber weiterzugehen.

Die Generalvikare sehen ihr Schreiben „als Ermutigung für den eingeschlagenen Synodalen Weg“. Sie „unterstützen ausdrücklich die Haltung unserer Bischöfe, die sich… für den Synodalen Weg ausgesprochen haben… wir begrüßen und unterstützen… den Synodalen Weg, seine Themen und seine Zielsetzungen mit Nachdruck“.

Die Generalvikare sind überzeugt, „dass uns Gottes Wille zu deutlichen Schritten der Veränderung ermutigt“. Sie appellieren an alle Mitwirkenden und Beteiligten des Synodalen Weges, „an alle verantwortlichen und engagierten Gläubigen, diesen Geist (Gottes) nicht voreilig einzugrenzen“.

Woher nehmen diese Generalvikare die Sicherheit, dass Gottes Geist auf Seiten derer ist, die „neue Wege“ für unsere Kirche gehen wollen?

Stehen die Forderungen für diesen neuen Weg im Einklang mit dem Wort und Beispiel Jesu und mit der Lehre der Kirche?

Der Regensburger Bischof Dr. Rudolf Voderholzer (siehe Foto) hat dem am 25. September beschlossenen Synodalen Weg attestiert, „dass die wahren Probleme nicht angegangen werden“.

Das ZdK fordert beispielsweise:
Frauen den Zugang zu allen kirchlichen Ämtern zu gewähren.

Den Pflichtzölibat abzuschaffen.
In der kirchlichen Sexualmoral die vielfältigen Lebensformen und Lebenswirklichkeiten positiv anzuerkennen.
Eine Entscheidungskompetenz für alle Getauften auf allen Ebenen der Kirche zu verwirklichen.

Die Generalvikare appellieren, denen, die „neue Wege“ gehen wollen, eine „lautere Motivation und einen ehrlichen Glauben zu unterstellen“ und auf „Unterstellung – oder gar dem Vorwurf mangelnder ‚Rechtgläubigkeit‘ zu verzichten“.

Hier wird versucht, einen Schutzschirm aufzubauen, wenn bei „deutlichen Schritten der Veränderung“ Glaubensinhalte auf dem Spiel stehen.

Diese können nicht wegdialogisiert werden, sondern erfordern geistige Auseinandersetzung, Beurteilung und Abgrenzung.

Es geht um die Wahrheit! Relativismus verbietet sich, auch, wenn er im Gewand von „Pluralität“ und „Diversität“ und als „offene Vielfalt“ daherkommt.

Die Generalvikare haben recht, wenn sie sagen, im „Weiter so–Modus werden wir unserem Auftrag nicht mehr gerecht werden können“.

Dieser jahrzehntelang praktizierte Modus ist schon bisher dem „Auftrag“ nicht gerecht geworden. Das Ergebnis dieser pastoralen Praxis sehen wir in der Massenabkehr der Gläubigen von der Kirche (2018: 220.000), in der geringen Teilnahme an der sonntäglichen Eucharistiefeier (2018: 9,8%), in der katastrophalen Unwissenheit der Katholiken über Glaubensinhalte nach neun Jahren Religionsunterricht.

Diese Phänomene haben wir seit langem, nicht erst seit Bekanntwerden der sexuellen Missbrauchsfälle. Wenn sich die Herde auflöst und zerstreut wird, sollten sich die Hauptverantwortlichen der Kirche fragen, ob sie die Ursachen dafür nicht gekannt und was sie dagegen unternommen haben.

Sie sollten sich auch fragen, ob sie „die gesellschaftlichen Entwicklungen“ mit den Forderungen Jesu und dem Glauben der Kirche konfrontiert haben.

Die Gläubigen können z. B. von den Bischöfen, die ihre Stimme für den Umweltschutz erheben, verlangen, dass sie auch und zuerst die Ökologie für die Menschen einfordern. Auch Menschen sind bedroht, z.B. in der Embryonenforschung, durch die pränatalen Diagnostik, durch die Massenabtreibung, durch die aktive Sterbehilfe, durch den Menschenhandel, um die Bordelle zu füllen – und durch die Leihmutterschaft.

Das Schweigen der Bischöfe, Priester und verantwortlichen Laien zu Fragen, bei denen die Gläubigen zurecht eine Orientierung von der Kirche erwarten, führt zu der fatalen Meinung, dass die Kirche mit dem realen Leben nichts zu tun hat.

Dann braucht man sie auch nicht mehr. Daraus resultiert die Abwanderung von der Kirche und schließlich von Gott. Hier liegen Probleme, mit denen sich der Synodale Weg beschäftigen sollte.

Glaubensvertiefung und den Primat der Neuevangelisierung hat Papst Franziskus in seinem Schreiben an das „pilgernde Volk Gottes in Deutschland“ angemahnt. Die Gläubigen kennen nämlich das Evangelium nicht mehr. Das Wort des Papstes war klar und verständlich. Aber man wollte es nicht verstehen!

Unser Autor Prof. Dr. Hubert Gindert leitet den Dachverband „Forum Deutscher Katholiken“ und die Monatszeitschrift DER FELS


Berlin: Mauerfall-Feier weltweit sichtbar mit antisemitischer „Kunst“

Während der Veranstaltung am Brandenburger Tor zum 30. Jahrestag des Mauerfalls war bei einer Videoprojektion groß ein Schriftzug auf Hebräisch zu sehen, der „Schluss mit der Besatzung“ forderte und sich dabei auf die israelische Politik bezog.

Beatrix von Storch, Vize-Vorsitzende und Antisemitismusbeauftragte der AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag, erklärt dazu:

„Wenn der linke Kultursenator jetzt zurückrudern muss und sich entschuldigt, dann nur wegen des massiven öffentlichen Drucks angesichts dieser unglaublichen Entgleisung, aber nicht aus ehrlicher Überzeugung.

Dass an diesem historischen Tag widerliche Reklame für Antisemitismus in Deutschland betrieben wurde, passt in das bei vielen Linken vorhandene Weltbild, bei dem diese ihren Antisemitismus als Anti-Israel-Politik zu verschleiern versuchen.

81 Jahre nach der Pogromnacht ist es eine Schande, dass in Berlin so etwas passieren kann.

Aber es ist leider festzustellen: In Zeiten, in denen der von Merkel importierte Antisemitismus immer aggressiver und brutaler den Alltag des jüdischen Lebens in Deutschland prägt, wird auch der Antisemitismus der Linken immer stärker.“

 

 


Münster: Moisei Boroda erinnert an die europäische Schuldverkettung im Holocaust

Von Felizitas Küble

Zum Gedenken an die Reichsprogromnacht 1938 veranstaltete die Kirchengemeinde St. Clemens in Münster-Hiltrup am 10. November in ihrem Pfarrzentrum einen Literatur- und Musik-Abend mit dem deutsch-jüdischen Schriftsteller und Komponisten Dr. Moisei Boroda.

Der kompetente Referent und die aufmerksamen Zuhörer wurden von Pfarrer i.R. Ewald Spieker begrüßt, der zugleich den Bernhard-Poether-Kreis leitet. (Kaplan Poether starb im KZ Dachau.)

Der Geistliche erinnerte daran, daß Dr. Boroda in derselben Gemeinde bereits im Vorjahr einen Märtyrer-Gedenkabend in der Kirche geleitet hatte.  (Siehe hier: https://charismatismus.wordpress.com/2018/11/26/muenster-juedischer-kuenstler-dr-mosei-boroda-wuerdigt-christliche-maertyrer-der-ns-diktatur/)

Zu den Teilnehmern im Pfarrsaal gehörte z.B. das Ehepaar Rieke-Benninghaus (verwandt mit dem Dachau-Märtyrerpater August Benninghaus SJ aus Münster) sowie Monika Kaiser-Haas, Vizepräsidentin des Internationalen Karl-Leisner-Kreises (und Nichte des seliggesprochenen Priesters und NS-Opfers Leisner).

Der aus Georgien stammende, seit über 30 Jahren in Nordrhein-Westfalen lebende Autor Boroda, der kürzlich erneut einen Literaturpreis erhalten hat, erinnert seit vielen Jahren durch Vorträge und Diashows an die christlichen Märtyrer in der NS-Zeit, vor allem an die insgesamt viertausend katholischen Priester, die ihren Bekennermut mit dem Leben bezahlen mußten. 

Unter dem Titel „Erinnerung ist der Weg zur Erlösung“ informierte Dr. Boroda vor einem vollbesetzten Pfarrsaal über die Zerstörung zahlreicher Synagogen in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 durch nationalsozialistische Fanatiker.

Dabei zeigte er in einer Dia-Vorführung, die von seinen selbstkomponierten Musikstücken untermalt war, einige Beispiele brennender jüdischer Gebetshäuser, z.B. die große Synagoge in Hannover (siehe Foto).

In der Fotoshow wurden sodann einige Zitate führender NS-Ideologen vorgestellt, aus denen der systematische Plan einer Vernichtung des jüdischen Volkes hervorgeht.

Hitler selbst kündigte in seiner Rede am 30. Januar 1939 die „Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa“ an, falls das „internationale Finanzjudentum“  – so seine Wahnidee  –  die Völker in einen „Weltkrieg stürzen“ werde.

Nach der Dia-Vorführung folgten einige grundsätzliche Anmerkungen des jüdischen Musikwissenschaftlers. Dabei erinnerte er an die besondere Bedeutung der deutschen Juden für die Kultur und Literatur unseres Landes, bevor das nationalsozialistische Zerstörungswerk begann.

Er beklagte zugleich eine „Verrohung der Moral“ auch in anderen europäischen Ländern und nicht zuletzt in den USA, wie dies z.B. bei der Evian-Konferenz sichtbar wurde, als fast alle Regierungen sich weigerten, bedrohte Juden aufzunehmen.

In Politik und Medien säße Deutschland hinsichtlich der NS-Zeit oft allein auf der Anklagebank, erklärte der Schriftsteller. Dabei würden die systematischen Verbrechen und Massaker an Juden – keineswegs Einzelfälle  – ignoriert oder verdrängt, die damals von nichtdeutschen Tätern in Europa begangen wurden, etwa in Polen, Ukraine, Litauen, Jugoslawien – aber z.B. auch in Frankreich.

Diese innereuropäische Schuldverkettung ändere zwar nichts an der Hauptverantwortung seitens der Nationalsozialisten, sei aber andererseits kein Randthema, das man übersehen dürfe.

Hitler habe eine in vielen Ländern verbreitete judenfeindliche Haltung zynisch in seine Strategie einbeziehen können.

So erinnerte eine Dia-Tafeln daran, dass 76.000 Juden von der französischen Polizei verhaftet und in Vernichtungslager geschickt wurden. Der letzte „Judentransport“ sei am 17.8.1944 nach Buchenwald abgefahren, als die Alliierten bereits in der Normandie gelandet waren.

Zudem habe die französische Verwaltung 4000 jüdische Kinder unter 16 Jahren den Gestapo-Schergen geradezu „aufgedrängt“, obwohl diese deren Auslieferung gar nicht angeordnet hatten.

Die „große Kulturnation Frankreich“ habe aber fünfzig Jahre gebraucht, um die eigene Mitverantwortung an der Judenvernichtung amtlich zuzugeben.

Auch in anderen Ländern  – etwa in Litauen – habe ein Teil der Bevölkerung auf den NS-Holocaust reagiert, als ob sie nur darauf gewartet hätten, sich hieran beteiligen zu können.

FOTO: Dr. Boroda im Gespräch mit einigen Teilnehmerinnen nach dem Gedenkabend

Die erste Lesung Borodas trug den Titel „Der Opa“. Es ging in dieser Erzählung um einen litauischen Täter, der einer Hilfspolizei bzw. Miliz angehörte und hierbei hunderte jüdischer Kinder ermordete. Im Gespräch mit einem jungen Juden versucht seine Enkelin, ihren Großvater zu verteidigen und seine Untaten zu verharmlosen.

Dabei kommt es auch zu dem Stereotyp der „reichen Juden“ und „Bolschewisten“; eine in antisemitischen Kreisen bekannte Verallgemeinerung. Deutlich werden Neidkomplexe, Mißtrauen gegen Juden als vermeintlich „fremdes“ Volk und abstruse Verschwörungstheorien. 

Nach dem Musikstück „Av Harachamim“ von Dr. Boroda folgte seine zweite Lesung, die sich mit einem französischen Täter befaßte. Die ebenfalls erschütternde Erzählung  – sie wurde in der aktuellen Ausgabe der „Zeitschrift für christlich-jüdische Begegnung“ veröffentlicht  –  trägt den Titel „Brody…Mstow…Kurszina“.

Es geht um das Streitgespräch eines betroffenen Juden mit einem früheren NS-Polizisten, der seine Eltern verhaftete. Dies war kein Einzelfall; vielmehr wurden „staatenlose Juden“ (die aus NS-Deutschland geflüchtet waren), systematisch festgenommen und deportiert. Der jüdische Junge konnte sich unter abenteuerlichen Umständen retten, mußte aber zuvor mitansehen, wie jener Mörder hochschwangere Frauen und Kinder erschossen hatte. 

Dr. Boroda war bei seiner Lesung mehrfach den Tränen nahe und sprach mit ergriffener Stimme.

In der nachfolgenden Fragerunde ging es um die Einordnung dieser ausländischen Mitverantwortung in das Gesamtbild der Shoa, um den mangelnden kirchlichen Widerstand, um Luthers judenfeindliche Schriften, auch um das Wie und Warum einer Singularität (Einzigartigkeit) des Holocaust.

Eine Teilnehmerin erinnerte daran, dass die Judenverfolgung der NS-Diktatur zugleich eine selbstzerstörerische Dimension besitzt, denn die deutschen Juden waren insgesamt bestens integriert, leisteten viel für Kultur, Literatur und Wissenschaft und sie fühlten sich größtenteils als „Deutsche jüdischen Glaubens“. Somit habe sich unser Land mit der Vernichtung seines jüdischen Bevölkerungsteils auch noch selbst ins eigene Fleisch geschnitten.

Die Zuhörerin erinnerte daran, dass die meisten Juden auch in Osteuropa entweder deutsch oder „jiddisch“ sprachen – wobei es sich dabei ebenfalls um eine germanische Sprache (mit hebräischen und slawischen Einsprengeln) handelt. Dies zeigt die tiefe Verbundenheit zwischen der jüdischen und der deutschen Kultur. In der Literaturgeschichte wird diesbezüglich von der Ära einer „deutsch-jüdischen Symbiose“ gesprochen.

Dr. Boroda bestätigte dies und betonte, die Auseinandersetzung mit den Verbrechen der Vergangenheit sei hierzulande außergewöhnlich intensiv und gründlich. Andere Nationen seien weitaus weniger bereit, sich mit den Schattenseiten ihrer Historie zu befassen.

Die NS-Ideologie und Hitler-Diktatur sei letztlich ein „Aufstand gegen Gott“ und seine Gebote gewesen. Niedere Instinkte seien erwacht und hätten eine breite Spur des Verderbens hinterlassen.

Es gehe aber bei dem Gedenken an jene Zeit nicht um Rache und Vergeltung, sondern um Besinnung auf Gerechtigkeit und das zeitlose Ethos der Zehn Gebote.

WEITERER ARTIKEL zu Dr. Boroda: https://charismatismus.wordpress.com/2019/07/24/ankum-juedischer-autor-moisei-boroda-erhielt-den-christlichen-august-benninghaus-preis/

Hinweis: Dr. Moisei Boroda hat diesem Bericht ausdrücklich zugestimmt.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Jugendverlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.