Buch dokumentiert kirchliche Hilfe für Judenchristen unter dem Nationalsozialismus

Von Dr. Frans du Buy

Buchbesprechung zu: „Kirchlicher Einsatz für verfolgte Juden im Dritten Reich“

Dieses Buch, das im Jahre 2016 in einer von Pater Lothar Groppe bearbeiteten Neuauflage im Gerhard-Hess-Verlag erschienen ist, schreibt über die Arbeit der Erzbischöflichen Hilfsstelle für nichtarische Katholiken in Wien. titel

Es ist ein aufschlußreiches Werk, das eingehend darüber berichtet, unter welchen schwierigen Verhältnissen von katholischen Stellen in Österreich in der Zeit von März 1938 bis April/Mai 1945 bewundernswerte, opferbereite Arbeit geleistet worden ist, um im Rahmen der NS-Rassenideologie in Bedrängnis geratenen, nichtarischen katholischen Juden in Österreich zu helfen und ihnen somit eine  –  wenn auch keineswegs sichere  –  Aussicht auf Überleben im damaligen NS-Machtbereich zu bieten oder sie sogar außer Landes zu schaffen.

Österreich gehörte nach dem im März 1938 vollzogenen Anschluß  –  allerdings unter dem Namen „Ostmark“  – zu diesem Reich und unterstand demzufolge der reichsdeutschen Gesetzgebung, somit auch den reichsdeutschen judenfeindlichen Gesetzesbestimmungen.

Von der besagten Hilfsstelle in Wien ausgehend ist damals großartige Arbeit geleistet worden, die umso mehr beeindruckend genannt werden muß, weil diese Hilfeleistung auch für die arischen bzw. nichtjüdischen katholischen Helfer ständig  mit einem großen Risiko verbunden war.

Die Behauptung von Hochhuth, daß der zur damaligen Zeit amtierende Papst Pius XII. „mitschuldig war am Holocaust“ oder jene von Gräfin Marion Döhnhoff, daß „gegen die Verbrechen an den Juden keine Proteste laut wurden, weder von den Kirchen noch von sonst jemandem“, entsprechen nicht den Tatsachen.

Oberstes Gebot war damals die Überlegung, in welcher Weise gegen die „Judenpolitik“ des NS-Regimes vorgegangen werden sollte und könnte. Lautes Aufschreien würde nur zum Ergebnis führen, daß die Protestierenden selbst von NS-Seite  in irgendeiner Weise „unschädlich“ gemacht werden würden.

In Anbetracht der damals bestehenden wirklichen Machtverhältnisse blieb nur die einzige Möglichkeit, beharrlich, aber dennoch in aller Stille Hilfe zu leisten. Das müssen die die Leiter und die in dieser Hilfsstelle tätigen Mitarbeitenden  –  ein jeder an seinem eigenen Platz  –  wohl auch so empfunden haben. Denn in dieser Weise vorzugehen, war zur damaligen Zeit gewiß die einzige Möglichkeit, bedrängten Mitmenschen zu Hilfe zu kommen und ihnen beizustehen.

Wie unsinnig die Ansichten von Menschen wie Hochhuth, Gräfin Marion Dönhoff und viele andere sind, wird z. B. auch ersichtlich aus einem späten Bekenntnis von Winston Churchill, der nach dem Zweiten Weltkrieg u. a. folgendes von sich gab:Davidstern

„Wir sind 1939 nicht in den Krieg eingetreten um Deutschland vor Hitler  oder die Juden vor Auschwitz oder den Kontinent vor dem Faschismus zu retten. Wie 1914 sind wir für den nicht weniger edlen Grund in den Krieg eingetreten, daß wir eine deutsche Vorherrschaft in Europa nicht akzeptieren konnten.“

Die damaligen Kriegsgegner des Deutschen Reiches hatten ganz andere, „wichtigere“ Kriegsziele, als die Juden im NS-Bereich vor ihrer Ausmerzung zu retten.

Mit Enttäuschung, ja mit Entsetzen muß man aber auf Seite 34 des Buches lesen, daß der Ältesten-Rat der Juden, der Ende 1942 in Wien für die in dieser Stadt verbliebenen Glaubens- und Herkunftsjuden die offizielle Vertretung übernahm, zugleich aber auch die Nicht-Glaubens-Juden vertrat. Eine eigene Vertretung von Nicht-Glaubensjuden im Rahmen des Ältestenrates konnte trotz mehrfacher Interventionen nicht erzielt werden. Hier wäre die Frage berechtigt, weshalb in einer Zeit höchster Gefahr von orthodox-jüdischer Seite den Nicht-Glaubensjuden eine eigene Vertretung im Ältestenrat verweigert wurde. Gab es etwa Juden erster und zweiter Kategorie?

Das vorliegende Buch ist auch darum wertvoll, weil in ihm auf den Seiten 227 bis 268 eine ausführliche Auflistung enthalten ist von „Gesetzliche Regelungen und Verordnungen Juden betreffend, welche Bestimmungen im Wesentlichen auch auf rassische Mischlingen zutrafen“.

Neben den positiven Bemerkungen zu diesem Buch gibt es nach der Meinung des Rezensenten auch einige Formulierungen, die nicht so glücklich verfaßt worden sind, weil diese möglicherweise nicht genau überdacht worden sind oder auch nicht immer unwiderlegbaren Tatsachen widersprechen. So wird vom „Anschluß“ Österreichs im Jahre 1938 geschrieben. Warum muß das Wort Anschluß zwischen Anführungszeichen gesetzt werde?

Foto: Konrad RuprechtDer Wunsch nach Anschluß an das Deutsche Reich war in Österreich bereits Ende 1918 und damals noch mehrmals zum Ausdruck gebracht worden, wurde aber von den Siegermächten des Ersten Weltkrieges verboten und war von ihnen in den Friedensdiktaten von 1919 festgelegt worden. In Anbetracht der schwierigen Lage, in der sich Österreich in den Jahren zwischen den beiden großen Kriegen befand, war der Wunsch der Österreicher nach Anschluß an das Deutsche Reich durchaus verständlich.

Als die Verhältnisse in Mitteleuropa sich in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts wieder geändert hatten, ergriff der Diktator Hitler die Gelegenheit, den nie erloschenen Wunsch der übergroßen Mehrheit der Österreicher nach diesem Anschluß, diesen Wunsch, der auch in seinem Sinne war, zu erfüllen. Mit überwältigender Mehrheit wurde diesem Anschluß in einer Volksabstimmung von den Österreichern zugestimmt.  Es handelte sich hier um eine späte, aber dennoch klare Verwirklichung des Selbstbestimmungsrechts.

Daß die Österreicher mit dem Anschluß an das Deutsche Reich auch mit vielen damals im Deutschen Reiche geltenden, als negativ zu bewertenden Gesetzen und Praktiken konfrontiert wurden und sich zum Teil auch davon distanzierten, sind Tatsachen, die zur Kenntnis genommen und möglichst objektiv bewertet werden sollten. 

Aus derselben Überlegung hält der Rezensent  es nicht für richtig, wie auf Seite 99 des Buches geschehen ist, von Besetzung Österreichs zu sprechen und zu schreiben. Der Wunsch der übergroßen Mehrheit der Österreicher zu diesem Anschluß war klar. Eigenes Staatsterritorium kann nicht von eigenen Truppen „besetzt“ werden. So ist es auch nicht richtig, die im Jahre 1936 erfolgte, von deutscher Seite eigenmächtig vorgenommene Rücknahme des Rheinlandes als „Rheinlandbesetzung“ zu bezeichnen.

Schließlich noch ein Hinweis auf eine Formulierung auf Seite 29, wo geschrieben wird: „Mit den nach Polen Evakuierten (Juden)“. Die Juden wurden nicht evakuiert, sondern die Gebiete, in denen sie bis dahin lebten. Diese Gebiete wurden nach dem Sprachgebrauch des NS-Regimes „judenfrei“ gemacht.

Unser Autor, Dr. Frans du Buy, ist ein in Deutschland lebender, niederländischer Völkerrechtler und Jurist

Hinweis: Diese Neuerscheinung kann portofrei zum Preis von 19,80 € bei uns bezogen werden.

 


Grundlagenwerk über die Machtverhältnisse im globalen Kapitalismus

Besprechung von Dr. Bernd F. Pelz

Buch-Daten: Hans-Jürgen Jakobs: Wem gehört die Welt? – Knaus-Verlag – erschienen am 17.11.2016  – 36 € – geb. mit Schutzumschlag – ISBN 978-3-8135-0736-2

Das Neue an dem Buch von Jakobs in Zusammenarbeit mit dem Handelsblatt Researpelzch Institute und zahlreichen Korrespondenten und Redakteuren des Handelsblatts ist der Versuch, die Machtverhältnisse im globalen Kapitalismus konkret darzustellen.

Von den 680 Seiten sind 324 Seiten der Beschreibung und Beurteilung der weltweit führenden 200 Akteure (zum Teil Familienunternehmen) des Weltfinanzwesens (von denen Sie die meisten wahrscheinlich gar nicht kennen) gewidmet. Diese kommandieren mehr als 40 Billionen US-$ – das sind 60% des Bruttoinlandsproduktes der Welt oder das Dreifache der Wirtschaftsleistung der EU. 

Auf 260 Seiten wird beschrieben, wer davon in welchen Märkten herrscht. Die geschilderten Akteure werden nach den Kriterien ihres Handelns beurteilt: Nachhaltigkeit, Unbestechlichkeit, Steuerehrlichkeit, Humanität und Transparenz. Eine zusammenfassende Darstellung der Sachverhalte und Wechselwirkungen im Ringen um die globale Dominanz erfolgt auf den restlichen 85 Seiten.

Jakobs und seinen 50 Zuarbeitern ist ein gut lesbares, hoch relevantes und in der Zusammenstellung der Fakten einzigartiges Grundlagenwerk gelungen für die Beurteilung des, in den letzten drei Jahrzehnten entstandenen modernen Kapitalismus. Eine Pflichtlektüre für alle, die in Sachen Kapitalismus mitreden und etwas ändern wollen. Die guten Abbildungen erleichtern das Verständnis. Eine empfehlenswerte Lektüre für die kommenden, hoffentlich besinnlichen Tage.

Meine Anregung für eine zweite Auflage:

Der Einfluss der Weltbevölkerungsentwicklung, der die globalen Sehnsüchte bedingt, kommt in der Betrachtung als auslösender Faktor zu kurz. – Ebenso die Bedeutung der regulatorischen Selbstbedienungsmechanismen, die sich die Finanzindustrie in den letzten Jahrzehnten hat einräumen lassen. – Ein Hinweis auf die Verflechtungen der Akteure mit transnationalen Einrichtungen wie BIZ, IWF, Zentralbanken etc. wäre ebenfalls nützlich.cover-jakobs

Verkürzt nun einige Erkenntnisse und Schlussfolgerungen:

Im modernen Kapitalismus fließt das Geld machtvoll zwischen Staaten und Kontinenten und den beteiligten Akteuren in einer ganz eigenen Infrastruktur hin und her.

Die quasi per Fernsteuerung auftretenden Effekte sind vielen Bürgern der westlichen Industrienationen zunehmend suspekt, wohingegen sie von denen, die auf der Welt nach mehr Wohlstand und Beseitigung der Armut streben, solange ihre eigene Wirtschaft wächst, hingenommen werden.

–  Erst mit dem Machtverfall der UdSSR und dem Chaos der GUS-Staaten entwickelte sich die neue Zockerqualität des US-Kapitalismus zu ihrer vollen Blüte.
–  Die Realwirtschaft ist zum Anhängsel der Finanzwirtschaft geworden: Heute machen die Finanzvermögen (270 Billionen US-$) das Vierfache der Gütermärkte (73 Billionen US-$) aus. Das hohe Finanzvermögen erklärt sich aus der hohen Verschuldung auf der Welt. – Einschließlich der spekulativen Finanzgeschäfte der Schattenbanken erreichen die Finanzgeschäfte allerdings bereits ein Volumen von mehr als dem Zehnfachen der realen Weltwirtschaft, was auf zukünftige Krisen hinweist. Anders als Banken müssen die Schattenbanken keine risikogewichteten Reserven vorhalten.

–  Die Finanzkrise 2007/2008 hat die Größenentwicklung der Akteure nicht gestoppt. Allerdings geht die Bedrohung heute weniger von den offiziellen Banken aus, sondern von den immens gewachsenen, und weniger regulierten Schattenbanken, die jetzt das machen, was Banken früher gemacht haben  –  und von denen die offiziellen Banken sogar abhängig geworden sind. 60% der weltweiten Kredite laufen mittlerweile außerhalb des offiziellen Bankensystems. – Die G20 und auch die EU sind ihren Versprechen zur Regulierung der Schattenbanken bis jetzt nicht nachgekommen.
–   Die wahre Macht liegt heute bei den Kapitalsammelstellen: den Vermögensverwaltern (78 Billionen US-$), den staatlichen Pensionsfonds (36 Billionen US-$) und den Staatsfonds (über 7 Billionen US-$)  –  und zunehmend weniger bei den offiziellen Banken (142 Billionen US-$). Deutschland liegt in Bezug auf Kapitalsammelstellen weit hinter den USA und Großbritannien.euros
 –  Über gegenseitige Verflechtungen (wie früher bei der „Deutschland AG“) sind die großen Akteure eng miteinander verbunden. Das Finanzsystem gehört quasi sich selbst. Es beherrscht die Realwirtschaft und stellt eine Gefahr für den Wettbewerb dar. Im Gegensatz zu Realwirtschaft sind die Folgen von Monopol- und Kumpaneiwirtschaft in der Finanzindustrie noch wenig untersucht und nicht in Kartellregeln gegossen.
–   Die exorbitant schnelle Vermehrung des Vermögens hat zu seiner ungleichen Verteilung geführt. Das oberste eine Prozent der Gesellschaft besitzt in Afrika 47% des Gesamtvermögens, in Indien 53%, in Nordamerika 37%, in Europa 32%, in China 39%, in den USA 42%. – Die zunehmende Ungleichheit hat ihre Ursache im völlig aufgeblähten Finanzsektor. Er bringt seit geraumer Zeit viel mehr Geld hervor, als sinnvoll investiert werden kann.
–   Im Kampf der Systeme  –  bei der Auseinandersetzung zwischen dem Staatskapitalismus Chinas, aber auch der arabischen Staaten, mit der Wall-Street-Macht USA  –  ist Europa eher Beobachter als Gestalter. – All denen, die auf der Welt nach mehr Wohlstand und Entrinnen aus der Armut streben, bietet China seine Hilfe als Führungsmacht an.
–  Die größte Macht geht heute von Unternehmen und Institutionen aus, die die Verfügungsgewalt über Geld mit der Verfügungsgewalt über Daten verbinden können. Zusammen sind Alphabet, Apple, Facebook und Amazon rund 1,8 Billionen US-$ wert. Das ist mehr als Russland in einem Jahr erwirtschaftet. Was die Bürger in Europa und den USA langsam erwarten, ist, dass die digitalen Riesen endlich Steuern bezahlen.
–   Die klassische Annahme eines breit gestreuten Eigentums „Streubesitz“ stimmt nicht mehr. Die Realität ist Blockbildung.
–   Staatsfonds und staatliche Pensionskassen haben über die Jahre einen immer größer werdenden Teil der zirkulierenden Finanzsummen in Anspruch genommen. Geld ist so zu einer politischen Waffe geworden, um Macht zu vergrößern und Wohlfahrt zu organisieren. – International zeichnet sich ab, dass öffentliche Pensionsfonds zunehmend große staatliche Infrastruktur-projekte finanzieren und betreiben. be2004_38_551
–   Die Deutschen sind Ausführende einer Geldpolitik der EZB, die in ihrer Not dem japanischen Modell nacheifert und mit dem Kauf von Staatsanleihen und Firmenanleihen die Wirtschaft stimulieren will. Diese Politik hält die Kurse an den Börsen künstlich hoch und die Zinsen für Anleger dramatisch niedrig.
–  Dass China mit seinen 1,4 Milliarden Menschen und dem größten Binnenmarkt der Welt größere Anteile an der Weltwirtschaft für sich fordert, ist offenkundig. Die Strategie dabei ist, möglichst viele wichtige Märkte auf der Welt in die Hand von chinesischen Investoren zu bringen. – Es ist eine logische Folge langjähriger Handelserfolge und einer ehrgeizigen Modernisierungspolitik. – Die Frage ist allerdings, ob die chinesische Bevölkerung auf Dauer bereit ist, auf politische Freiheiten zu verzichten und die Privilegien der kommunistischen Eliten zu akzeptieren.
–  Die Grundfrage ist, ob Deutschland und Europa die Herausforderungen des Weltkapitalismus bestehen können, oder ob wir nicht eher zerrieben werden zwischen dem anglo-amerikanischen Blackrock-Kapitalismus, dem kalifornischen Datenkapitalismus und den Interessen der chinesischen und arabischen Staatsfonds.
–   Familienunternehmen spielen in der Weltwirtschaft immer noch eine bedeutende Rolle, wobei sich viele Familien inzwischen selbst als Finanzinvestor betätigen.

Wie sieht nun die Zukunft aus – was ist zu tun?

Bei dem riesigen Umfang und der Komplexität des Themas und der fortgeschrittenen Entwicklung, denke ich, ist es akzeptabel, dass in dem Buch keine endgültigen Lösungen angeboten werden, sondern nur Diskussionsansätze aufgezeigt werden: eu

–   Notwendig ist eine neue Kultur der Bescheidenheit: Renditeerwartungen müssen auf drei bis vier Prozent durch Umerziehung der Kunden begrenzt werden.
–   Alle Staaten mit Verteilungsproblemen müssen durch ein besseres Schul- und Bildungssystem für den Aufstieg von Bürgern aus der Unterschicht oder der Mittelschicht sorgen. Soziale Durchlässigkeit ist ein Grundversprechen der liberalen Gesellschaft.
–   Die internationale Staatengemeinschaft muss wirksam Steuerschlupflöcher schließen und Einkommen dort besteuern, wo sie entstehen. – Dazu müssen entsprechende Daten verfügbar gemacht werden.
–   Die Begrenzung der Finanzexzesse und die weitere ungehemmte Aufblähung des Kapitalsektors kann nur durch eine Weltschuldenkonferenz oder einen Weltfinanzgipfel aller wichtigen Staaten erreicht werden. Aufgabe einer solchen Konferenz wäre auch die Definition von Investitionsvorhaben in die die vielen Gelder fließen könnten. – Leider scheint in den Köpfen der Politiker der Gedanke zu überwiegen, der Finanzkrise noch einmal davongekommen zu sein.
–   Fakt ist jedoch, dass die Verschuldung trotz aller G20-Maßnahmen weiter zugenommen hat. Auf einer Weltfinanzkonferenz müssten daher konkrete Ziele zur Reduktion von Schulden, zur besseren Sicherung von Geldgeschäften, zu Mindesthaltefristen für bestimmte Finanzprodukte und zur Einführung einer weltweiten und ausnahmslosen Finanztransaktionssteuer zur Reduzierung der Verschuldung und Finanzierung der Gemeinwesen beschlossen werden.
–   Was die EU angeht: Eine gemeinsame Antwort der Europäer – mit seinen noch vorhandenen Stärken  –  ist die Voraussetzung dafür, im künftigen Kampf um Wachstum, Wohlstand und Wertschöpfung eine angemessene Rolle spielen zu können. Dies wird nur gelingen mit einer einheitlichen europäischen Industriestrategie mit wirklich159481-3x2-teaser296en Binnenmärkten und wettbewerbsfähigen Konzernen. – Eine starke europäische Stimme wäre auch nötig, um das ausufernde Shadow-Banking zu regulieren.
–   Was unser Land angeht: Deutschland hat bis jetzt keine Antwort auf die Dominanz des großen Finanzkapitals gefunden. In den Ranglisten der Staatsfonds ist Deutschland nicht vertreten.
–   Die Antwort auf die gestellte Machtfrage hat zu der Erkenntnis geführt, dass unsere Macht in dieser Welt geschwunden ist, dass die Wirtschaft und unser Wohlstand nicht von uns abhängen und unseren Chefs, auch nicht von den gewählten Parlamenten und gipfelsüchtigen Politikern, sondern von all jenen, die in unvorstellbarer Dimension Vermögen verwalten und ihrer Milliarden um den Globus kreisen und jagen lassen.
–   Die Antwort muss eine Politik sein, die den neuen Weltverhältnissen gilt, und nicht den Rückzug ins eigene Land oder ins private Idyll preist. Das Verhältnis Arbeitseinkommen zu Kapitaleinkommen muss thematisiert werden.

Bleibt uns womöglich in 30 bis 40 Jahren die Rolle, die heute Griechenland für die EU spielt, wo wir alle uns fragen, wann die nächste Krisenmeldung kommt, der nächste Alarm vor einem drohenden Zusammenbruch?

Hinweis: Das Buch „Wem gehört die Welt?“ kann portofrei bei uns bezogen werden: Tel. 0251-616768  – Mail: felizitas.kueble@web.de


Das Priestertum aus der Sicht von Papst Benedikt und Kardinal Gerhard Müller

Buchbesprechung von Felizitas Küble

Buch-Daten: Benedikt XVI./Joseph Ratzinger. Die Liebe Gottes lehren und lernen. Priestersein heute. Herder-Verlag. ISBN 978-3-451-37880-5. Gebundene Ausgabe. 312 Seiten. 24,99 €.

Sowohl zeitlich wie inhaltlich passend zum 65. Priesterjubiläum Joseph Ratzingers am 29. Juni 2016 erschien im Herder-Verlag der Sammelband „Die Liebe Gottes lehbuch-benediktren und lernen“ über das „Priestersein heute“. Vor 65 Jahren, am 29. Juni 1951, war Joseph Ratzinger gemeinsam mit seinem Bruder Georg Ratzinger von Kardinal Michael Faulhaber im Dom von Freising zum Priester geweiht worden.

Das Eiserne Priesterjubiläum Benedikts wurde am 28. Juni 2016 im Vatikan feierlich begangen, wobei Papst Franziskus eine Begrüßungsansprache hielt. Der bald 90-jährige Benedikt XVI. rundete den Festakt in der Sala Clementina mit einer Rede ab, die mit der Hoffnung schloß, „dass die Welt nicht eine Welt des Todes, sondern des Lebens sei, eine Welt, in der die Liebe den Tods besiegt hat. Danke Ihnen allen. Der Herr segne uns alle. Danke, Heiliger Vater.“

Der Sammelband, der dem Jubilar bei dieser römischen Feierstunde überreicht wurde, enthält 43 Predigten aus den Jahren 1978 bis 2000, die Benedikt XVI. als Erzbischof von München und danach als Präfekt der Glaubenskongregation über den Klerikerstand, vor allem über Priester und Diakone gehalten hat.

Im Anhang befindet sich überdies sein päpstliches Schreiben vom 16. Juni 2009 zu Beginn des von ihm ausgerufenen Priesterjahres, das er an seine „Mitbrüder im priesterlichen Dienst“ richtete. Anlaß hierfür war der 150. Jahrestag des Geburtstags von Johannes Maria Vianney. Der heilige Pfarrer von Ars gilt als Schutzpatron der Priester bzw. „Schutzheiliger aller Pfarrer der Welt“, wie es in Benedikts Rundschreiben heißt.

Der Jubiläumsband „Die Liebe Gottes lehren und lernen“ beginnt mit einem vierseitigen Vorwort von Papst Franziskus; danach folgt eine ausführliche Einführung von Kardinal Müller über Krise und Erneuerung des Priestertums heute.

Papst Franziskus erweitert die „Theologie auf Knien“

Das Wort von der „Theologie auf Knien“ gilt mittlerweile fast als stehender Begriff, seitdem Papst Franziskus damit die theologische Werke des reformorientierten Kurienkardinals Walter Kasper würdigte, insbesondere dessen Sicht auf die göttliche Barmherzigkeit.Foto Michaela Koller

Es scheint, als habe der Pontifex nun beschlossen, dieses Prädikat zukünftig etwas großzügiger zu verteilen  –  und zwar selbst an jene Persönlichkeiten, die man eher dem gegenteiligen innerkirchlichen „Flügel“ zurechnen möchte.

Tatsache ist jedenfalls, daß Franziskus sein Vorwort für das erwähnte Benedikt-Buch mit den Worten beginnen läßt:

„Jedes Mal, wenn ich die Werke von Joseph Ratzinger/Benedikt XVI. lese, wird mir klar, dass er eine Theologie „auf Knien“ betrieben hat und dies noch tut.“ (S. 11) Auf der nächsten Seite bestätigt er dem „Papst emeritus“ erneut eine „Theologie auf Knien“.

Quasi-Heiligsprechungen zu Lebzeiten des Betreffenden wirken in der Regel eher unangemessen, bestenfalls verfrüht. Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht, was mitunter auch für Lobesworte gilt. Franziskus bescheinigt Benedikt jedenfalls, daß er „wirklich glaubt, wirklich betet“  –  und fügt hinzu: „Man sieht, dass er ein Mann ist, der die Heiligkeit verkörpert“.

Ist das Gebet der „einzige“ Schlüssel zum Herzen Gottes?

Er schreibt sodann, vielleicht könne Benedikt in seiner klösterlichen Zurückgezogenheit auf eine „noch leuchtendere Weise“ jene „innere Mitte des priesterlichen Dienstes bezeugen“, nämlich „das Gebet ohne Unterlass, mit Leib und Seele“, welches der „entscheidende Faktor“ sei. Radio Vatikan

Im päpstlichen Vorwort heißt es weiter: „Das Gebet ist der Schlüssel, der das Herz Gottes aufschließt; der einzige, dem es gelingt, Gott immer wieder aufs Neue in diese unsere Welt hineinzuführen; und auch der einzige, dem es gelingt, die Menschen und die Welt immer aufs Neue Gott zuzuführen.“

So wichtig zweifellos das Beten  –  zumal das fürbittende Gebet  –  für die Frömmigkeit des Geistlichen und für seine Sendung zum Heil der Seelen ist, so scheint gleichwohl in erster Linie die Feier der heiligen Eucharistie der zentrale Dienst des Priesters zu sein, zudem auch die Spendung der weiteren Sakramente, die ihm anvertraut sind; diese Sakramente als wirksame Heilszeichen sind es vor allem, welche „die Menschen und die Welt immer aufs Neue Gott zuführen“.

Papst Benedikt: „Aller Segen kommt aus dem Opfer“

In einer jener Predigten Benedikts, die in dem Gedenkband veröffentlicht sind, heißt es sehr klarsichtig, „dass aller Segen aus dem Opfer kommt“; deshalb sei die „höchste Aufgabe des Priesters das Opfern“. Damit sei zunächst die Feier der hl. Eucharistie gemeint, „in der das Kreuzopfer Jesu Christi von Neuem gegenwärtig wird“. Von Julia Kesenheimer geschickt

Es sei für den Priester entscheidend, „immer mehr aus der Kraft dieses Opfers zu leben“, damit er daraus Segen für sich und andere schöpfen könne (S. 262). Die Sakramente, die der Priester spende, seien gleichsam „ein Segen von gesteigerter Wirksamkeit“ (S.161).

Hinter dieser Haltung solle  –  so erinnert Joseph Ratzinger  –   zugleich immer auch das „persönliche Opfern des Priester stehen, der Tag um Tag seine eigene Liebe, die Sehnsucht seines Lebens nach Glanz und Glück weggibt, um sich ganz Gott zur Verfügung zu halten“ (S. 162).

Theologisch aufschlußreich ist auch die Einführung, die Kurienkardinal Gerhard Müller dem Sammelband voranstellt. Der frühere Bischof von Regensburg und heutige Präfekt der Glaubenskongregation äußert sich unter dem Titel „Jenseits der Krise – der Erneuerung entgegen“ fundiert über das „katholische Priestertum“.

Der Priester wirkt als „Mitarbeiter Gottes“

Dieses sei, so der Autor, dadurch gekennzeichnet, daß der geweihte Amtsträger „Wort und Wirken Gottes“ sakramental  –  als „wirksames Zeichen“  –  weitergebe. Er erinnert an Pauli Worte von den Aposteln als „Diener Christi und Verwalter von Geheimnissen Gottes“ (1 Kor 4,1) sowie als „Mitarbeiter Gottes“ (2 Kor 6,1). media-FZMqzvujo1V-2

Durch das Osterereignis sei der „Grundstein dafür gelegt, jede Krise zu überwinden“ und „von der Tragödie zum Heil“ zu gelangen (S. 16/17), denn „durch die Auferstehung hat Christus die größte Krise des Glaubens überwunden, die es je gegeben hat: die vor-österliche Krise der Jünger“ und folglich „auch die Krise des Priestertums“.

Er fährt fort: „Indem wir (…) unseren Blick auf ihn richten, unsere Augen in die des Hohenpriesters (…) versenken, könne wir jedes Hindernis, jede Schwierigkeit überwinden“ (S.19).

Neben dem Völkerapostel zitiert Kardinal Müller auch Petrus, den ersten Papst, mit seiner Mahnung „an die Priester der Kirche“, die da lautet: „Sorgt als Hirten für die euch anvertraute Herde Gottes…Seid Vorbilder für die Herde nach dem Beispiel Christi, des obersten Hirten“ (1 Petr 5,2-4).

Kritik an bibelkritischer protestantischer Exegese

Die Erfüllung dieser einzigartigen Sendung werde allerdings erschwert, so der Autor, durch eine „radikale Verunsicherung der christlichen Identität“. Als Gründe für die „Krise des Priestertums“ benennt er auch „interkonfessionelle Faktoren“, nämlich zum Beispiel die „naive Aufgeschlossenheit vieler katholischer Kreise für die protestantische Exegese, die in den 1950er und 1960er Jahren in Mode kam(S. 21).AL-0004

Dazu habe auch eine „radikale Kritik am Kult“ gehört, außerdem der „moderne Gedanke von der Autonomie des Subjekts“ sowie das Misstrauen gegenüber „jeglicher Ausübung von Autorität“ (S. 22).

Wie der Verfasser weiter erläutert, unterzog Joseph Ratzinger diese vom Protestantismus getragenen Thesen „nun seinerseits einer genauen kritischen Überprüfung“ (S. 22). Dabei habe Ratzinger zwischen „theologischen und philosophischen Vorurteilen“ auf der einen Seite und dem „Gebrauch der historischen Methode“ andererseits sorgsam unterschieden.

Auf diese Weise könne man durchaus auch mittels moderner Bibelexegese zu jenen dogmatischen Aussagen kommen, „die vor allem von den Konzilen von Florenz und Trient wie auch vom Zweiten Vatikanischen Konzil geprägt wurden“ (S. 22).

Sich den Zerrbildern der Welt entziehen

Kardinal Müller erinnert an den Blick Jesu auf jene, „die er heute wie zu jeder Zeit aussendet, um seine Herde zu weiden. Dieser Blick ist es, der uns auszeichnet und unsere Priesterberufung den Zerrbildern der Welt entzieht (…) Es ist der Blick des obersten Hirten, der seine Hirten seit jeher erneuert und für die leidenschaftliche Sendung frei macht, zu der er sie trotz ihrer Armseligkeit und Erbärmlichkeit berufen hat“ (S. 25). media-373874-2

Dieser Blick sowie die Worte Christi seien, so der Autor abschließend, die „stete Quelle der priesterlichen Identität“  – und sie sind es auch, „die uns die Wüste jeder Krise überwinden lässt, um dem verheißenen Land entgegenzugehen, das es jeden Tag aufs Neue zu erobern gilt: dem verheißenen Land seines Reiches“ (S. 25).

Die in dem Sammelband abgedruckten Predigten Benedikts während seiner Zeit als Erzbischof und Kurienkardinal sind theologisch eindringlich und gehaltvoll, zudem sprachlich anspruchsvoll-elegant und verständlich zugleich, wie bei diesem hochgelehrten und tiefschürfenden Geist nicht anders zu erwarten ist. Dabei gelingt es Ratzinger immer wieder, grundlegende Wahrheiten kurz auf den Punkt zu bringen, so etwa mit seinem Hinweis: „Der Priester muss opfern, segnen, vorstehen, predigen und taufen“ (S. 159).

Dabei verdeutlicht er manche Erkenntnis mit ehrlichen Anekdoten wie etwa der folgenden:

„Wie oft habe ich mich als Student darauf gefreut, einmal predigen zu dürfen. (…) Gefreut darauf besonders dann, wenn mir ein Wort der Schrift, ein Zusammenhang unserer Glaubenslehre, wieder neu aufgeleuchtet war und mich froh gemacht hat. Aber wie war ich enttäuscht, als die Wirklichkeit ganz anders war, als die Menschen offensichtlich nicht auf das Wort der Predigt, sondern vielmehr auf ihr Ende warteten“ (S. 159/160).

Einer verlorenen Welt unbeirrbar Gottes Wort verkünden

Doch er ließ sich von widrigen Erfahrungen nicht beirren in seinem Bestreben,  die Gläubigen mit der Botschaft des HERRN aufzurichten und aufzurütteln, aber auch Ungläubige damit zu konfrontieren:

„Gottes Wort gehört heute nicht zu den Mode-Artikeln, nach denen man fragt und ansteht. (…) Indem die Kirche es wagt, immer noch in einer Welt, in der Lüge, Verstellung und Sensation Trumpf geworden sind, unbeirrbar Gottes Wort zu sagen, schafft sie Gott Platz inmitten dieser Welt“ (S. 160).

Es bleibt zu hoffen, daß dieser tiefgründige Sammelband vielen Lesern die biblischen und kirchlichen Wahrheiten über das katholische Priestertum nahebringt, damit sie den segensvollen und opferbereiten Dienst dieser „Mitarbeiter der Wahrheit“ zu schätzen wissen und ihnen als Laien bzw. „Weltchristen“ hilfreich zur Seite stehen, etwa durch anhaltendes Fürbittgebet, ehrenamtliche Mitarbeit, persönliche Ermutigung und öffentliche Verteidigung des oftmals attackierten katholischen Priestertums.

Erstveröffentlichung dieser Rezension von Felizitas Küble in der Zeitschrift „Theologisches“ (Okt. 2016)  –  Mail: felizitas.kueble@web.de

 

 


Buchpräsentation am 15.10. über Paul Lévy: „Die deutsche Sprache in Frankreich“

Einladung zur Buchvorstellung: Paul Lévy: Die deutsche Sprache in Frankreich. – Band 2: Von 1830 bis 1944.

Im Mai 2013 wurde im Elsässischen Kulturzentrum in Straßburg die deutsche Übersetzung des ersten Bandes des Straßburger Germanisten Paul Lévy über die Geschichte der deutschen Sprache und der Deutschen in Frankreich vorgestellt: „La langue allemande en France. Pénétration et diffusion des origines à nos jours“ (1950 – 1952). paullevy

Der Autor Lévy (siehe Foto) war Elsässer jüdischer Herkunft und promovierter Deutschlehrer, der neben diesem Buch eine bis heute maßgebliche Sprachgeschichte für das Elsass und Lothringen verfasst hat.

Der Verlag Harrassowitz (Wiesbaden) hat nun den zweiten Band dieses Buches herausgegeben, der die Jahre 1830 bis 1944 behandelt. Übersetzt und auf der Grundlage neuerer einschlägiger Studien aktualisiert hat ihn wiederum Prof. Dr. Barbara Kaltz (Université de Provence in Aix-en-Provence/Freiburg).

Die Stiftung Deutsche Sprache stellt dieses Buch gemeinsam mit der René Schickele-Gesellschaft (Straßburg) und dem Verlag Harrassowitz am 15. Oktober 2016 um 17 Uhr im Elsässischen Kulturzentrum (5, bd de la Victoire, 67000 Strasbourg) vor.

Zu dieser Veranstaltung, an der Claire und Michel Gaspard, die beiden Enkel des Verfassers, teilnehmen werden, und zu dem anschließenden kleinen Empfang laden wir herzlich ein.

Wir wären dankbar, wenn Sie sich kurz telefonisch, per Fax oder per E-Mail anmelden würden unter: Tel.: 0231-7948520, Fax: 0231-7948521 oder auskunft@stiftungds.de.
 
gez. Prof. Dr. Helmut Glück


Überlegungen zur Neuerscheinung „Letzte Gespräche“ mit Papst Benedikt

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Das Interview „Letzte Gespräche“ von Peter Seewald mit Papst Benedikt XVI. ist nur die Ouvertüre zu einer umfassenden Biographie über diesen Papst. Aus ihr lässt sich aber schon erahnen, dass die ganze Zeitepoche, die das Leben Benedikts umfasst, aufscheinen wird. 0000009699_3

Wer global denkt, wie der Papst der Weltkirche, kann sich nicht zu lange mit Details aufhalten. Ein solches ist die katholische Kirche in Deutschland und ihr aktueller Zustand. Trotzdem werden auch Details aus „Letzte Gespräche“ in der großen Biographie wie in einem Vergrößerungsglas noch einmal auftauchen.

FOTO: Prof. Gindert leitet das „Forum Deutscher Katholiken“ und den Kongreß „Freude am Glauben“

Auf Fragen von Peter Seewald hat Papst Benedikt XVI. in knappen, treffsicheren Aussagen zur Situation der katholischen Kirche in Deutschland Stellung bezogen. Das hat einigen Lordsiegelbewahrern des Status Quo, wie Daniel Deckers von der FAZ, nicht gefallen.

Andreas Batlock SJ, Chefredakteur von „Stimmen der Zeit“, meinte sogar: „Dieses Buch sollte es nicht geben“. Er sah in der Aussage Benedikts ein „stilloses und taktloses Verhalten“. Erzbischof Gänswein konterte darauf: „Getroffene Hunde bellen“.

Womöglich hat Batlock beim Buch „Letzte Gespräche“ an die angekündigte Gesamtbiographie gedacht, die  –  wie zu erwarten ist  –  auf der Bestsellerliste erscheinen wird, nach seiner Meinung aber auf den Index der verbotenen Bücher gehört.  images

Die Aussagen in „Letzte Gespräche“ räumen zunächst mit verbreiteten Märchen auf, die in Deutschland von der säkularen Presse und von trendkonformen Katholiken für ihre Ziele instrumentalisiert werden. Gemeint ist das angeblich angespannte und schwierige Verhältnis zwischen dem em. Papst und dem regierenden Papst Franziskus, als ob die „Chemie“ zwischen beiden nicht stimmen würde.

Auf die Frage von Peter Seewald „Sie sehen also nirgendwo einen Bruch zu Ihrem Pontifikat?“, antwortete Benedikt XVI.:

„Nein. Ich meine, man kann natürlich Stellen missdeuten, um dann zu sagen, jetzt geht es ganz anders herum. Wenn man Stellen herausnimmt, isoliert, kann man Gegensätze konstruieren, aber nicht, wenn man das Ganze sieht. Es gibt vielleicht neue Akzente, natürlich, aber keine Gegensätze.“

Peter Seewald weiter: „Nun, nach der bisherigen Amtszeit von Papst Franziskus sind Sie zufrieden?“  –  Benedikt verdeutlicht: „Ja. Eine neue Frische in der Kirche, eine neue Fröhlichkeit, ein neues Charisma, das die Menschen anspricht, das ist schon etwas Schönes“. (S. 58/59)

Jesus hat in nicht überbietbarer Kürze und Deutlichkeit klargestellt, was für die gilt, die ihm nachfolgen wollen: „Niemand kann zwei Herren dienen“ und „Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon“. Das ist zugleich eine Aufgabenbeschreibung für seine Kirche.

Hier drängte sich die Freiburger Rede Benedikts auf. Peter Seewald griff sie mit den Worten auf: „In Ihrer großen Rede in Freiburg forderten Sie eine Entweltlichung der Kirche, die notwendig sei, damit der Glaube wieder seine Wirkstoffe entfalten könne… die Rede wurde vielfach fehlinterpretiert, z.T. ganz bewusst, auch von Kirchenleuten. Wie war das überhaupt möglich?“

Darauf Benedikt: „Das Wort Entweltlichung ist offenbar den Menschen sehr fremd… aber ich meine, die inhaltliche Aussage, die war deutlich genug, und wer Radio Vatikansie verstehen wollte, hat sie auch verstanden“. (S. 245)

Um von dieser „revolutionären Aussage“ (Seewald) des Papstes abzulenken, wurde nach Freiburg die Frage, ob der Papst damit die Abschaffung der Kirchensteuer gemeint haben könnte, in den Vordergrund geschoben.

„Exkommunikation von Kirchensteuerverweigerern nicht haltbar“

Auch zur Kirchensteuer hat Benedikt XVI. eine dezidierte Meinung geäußert: „Ich habe in der Tat große Zweifel, ob das Kirchensteuersystem so, wie es ist, richtig ist. Ich meine damit nicht, dass es überhaupt eine Kirchensteuer gibt. Aber die automatische Exkommunikation derer, die nicht zahlen, ist meiner Meinung nicht haltbar“. (S. 246)

Papst Benedikt hat in Freiburg mit der „Entweltlichung“ nicht die Kirchensteuer gemeint, die manche als die Hauptstütze der katholischen Kirche in Deutschland sehen, sondern etwas viel Wesentlicheres: flyerstralsund2

„Um ihrem eigentlichen Auftrag zu genügen, muss die Kirche immer wieder die Anstrengung unternehmen, sich von dieser ihrer Verweltlichung zu lösen und wieder offen auf Gott hin zu werden… Das missionarische Zeugnis der entweltlichten Kirche tritt klarer zutage. Die von materiellen und politischen Lasten und Privilegien befreite Kirche kann sich besser und auf wahrhaft christliche Weise der ganzen Welt zuwenden, wirklich weltoffen sein.“ (Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls, Nr. 189, S. 148/149)

Das „missionarische Zeugnis“ fehlt der verweltlichten Kirche. Peter Seewald bezieht sich darauf mit der Feststellung: „Auch das katholische Etablissement fiel in Deutschland nicht unbedingt durch Engagement auf, etwa für die Neuevangelisierung, auch wenn der Glaubensverlust hierzulande dramatische Ausmaße erreicht hat“. (S. 247)

„Hochbezahlter Katholizismus in Deutschland“

Papst Benedikt XVI. ergänzt dazu: „In Deutschland haben wir diesen etablierten und hochbezahlten Katholizismus, vielfach mit angestellten Katholiken, die dann der Kirche in einer Gewerkschaftsmentalität gegenüber treten. Kirche ist für sie nur der Arbeitgeber, gegen den man kritisch steht. Sie kommen nicht aus einer Dynamik des Glaubens, sondern sind eben in so einer Position. Das ist, glaube ich, die große Gefahr der Kirche in Deutschland, dass sie so viele bezahlte Mitarbeiter hat und dadurch ein Überhang an ungeistlicher Bürokratie da ist.“ (S. 247)

Diese Feststellung Benedikts infrage zu stellen, kann nur aus Ignoranz über die Fakten oder einer bewussten Verschleierung einer dahinsterbenden Kirche kommen, die sich damit zufrieden gibt, dass die Kirchensteuerquellen noch kräftig sprudeln. Das ist aber kein Zeichen von Vitalität. RadioVatikan

Wer die Fakten kennt, weiß z.B., dass die Aufforderung von Papst Franziskus zur Neuevangelisierung beim Ad-limina-Besuch der deutschen Bischöfe kein Echo ausgelöst hat. Insider wissen, dass sich die jährlichen Kirchenaustritte zwischen 180.000 und 200.000 bewegen. Sie wissen, dass an den Sonntagen knapp 10% der Katholiken den Weg zur Kirche finden, die Beichtpraxis bei 1% – 2% der Gläubigen liegt und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) mit ihren Mitgliederverbänden in Gesellschaft und Politik bedeutungslos sind.

Für große Teile Europas hat Joseph Ratzinger schon in den 50er Jahren einen „enormen Glaubensverlust“ vorausgesagt. Diese „Entweltlichung“ geht weiter. (S. 261) Das veranlasste Peter Seewald die Frage zu stellen: „Wie sehen Sie heute die Zukunft des Christentums“?

Auf diese in die Zukunft gerichtete Frage gibt Benedikt die Prognose:

„Dass wir nicht mehr deckungsgleich mit der modernen Kultur sind, die christliche Grundgestalt nicht mehr bestimmend ist, das ist offenkundig. Heute leben wir in einer positivistischen und agnostischen Kultur, die sich gegenüber dem Christentum zunehmend als Intolerant zeigt. Insofern wird die westliche Gesellschaft, jedenfalls in Europa, nicht einfach eine christliche Gesellschaft sein. Umso mehr werden sich die Glaubenden bemühen müssen, dass sie das Wertebewusstsein und das Lebensbewusstsein weiterhin formen und tragen. Wichtiger wird eine entschiedenere Gläubigkeit der einzelnen Gemeinden und Ortskirchen. Die Verantwortung wird größer“. (S. 261)

Der Realismus des Papstes hat Benedikt schon früher den „Ruf eines Pessimisten“ eingebracht. Auch das war eine falsche Etikettierung. Denn Benedikt hat immer auf die Bedeutung „kreativer Minderheiten“ hingewiesen, die sich in Ländern wie Italien oder Spanien häufig zu Massenbewegungen weiterentwickelt haben, in Deutschland aber kleine Gruppen geblieben sind.


Wie Jesuitenpater Ludger Born und Sr. Verena Buben bedrohte Juden retteten

Buch zum kirchlichen Einsatz für verfolgte Judenchristentitel

Dieses kürzlich im Gerhard-Hess-Verlag erschienene Buch informiert über die „Erzbischöfliche Hilfsstelle für nichtarische Katholiken“ in Wien, also über die Rettung von Judenchristen während der NS-Diktatur. Der Titel lautet: „Kirchlicher Einsatz für verfolgte Juden im Dritten Reich“
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Der publizistisch bekannten Jesuitenpater Lothar Groppe SJ hat diese Dokumentation seines Ordensbruders P. Ludger Born SJ bearbeitet und ergänzt. Die ursprünglichen Verlagsrechte gehören der Katholischen Akademie in Wien.
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Kardinal Innitzer hat die Diensträume dieser Hilfsstelle in seinem Erzbischöflichen Palais eingerichtet, um sie  – und die von ihr betreuten Juden und Judenchristen –  dadurch bestmöglich vor Nazi-Angriffen zu schützen.
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Der Leiter dieser Einrichtung war P. Ludger Born, der am 1.12.1940 mit seiner Tätigkeit begann; ihm zur Seite stand ab 1942 die Ordensfrau Sr. Verena Buben von der Wiener „Caritas Socialis“. Beide Katholiken befanden sich unter ständiger Lebensgefahr. Schwester Verena wurde in Yad Vashem von der israelischen Regierung als „Gerechte unter den Völkern“ gewürdigt.
Pater Ludger Born hatte sich bereits in seiner Zeit als Superior in Hamburg für Juden eingesetzt und Hilfsaktionen durchgeführt. 1939 mußte er die Stadt verlassen, weil die Gestapo hinter ihm her war. Der Geistliche erhielt zu seinem 60. Ordensjubiläum ein Dankesschreiben des Nazi-Jägers Simon Wiesenthal: „Ich weiß es zu schätzen, was Sie in einer Zeit ohne Gnade für meine Glaubensbrüder getan haben.“ –  An das Wirken des Jesuiten erinnerte z.B. die Sonder-Ausstellung der Geschichtswerkstätten Hamburg vom 16.4. bis 30.6.2011 in der Gedenkstätte im ehem. KZ Neuengamme.
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Als sich der Holocaust aufgrund der ideologisch begründeten Rassengesetze der Nazi-Diktatur ausweitete, schuf Kardinal Innitzer die Erzbischöfliche Hilfsstelle für Katholiken jüdischer Herkunft  –  gewissermaßen ein Pendant zur IKG (Israelitischen Kultusgemeinde), der die Rechtsvertretung und Fürsorge für die Glaubensjuden (mosaische Juden) oblag. foto-born-u-verena

So lebten bis 31.12.1941 allein in Wien 7.917 getaufte Juden, die nicht jüdischen Glaubens waren; davon bekannten sich 3.836 Personen als römisch-katholisch. Vor allem für sie wurde diese Erzbischöfliche Dienststelle errichtet.

BILD: Rechts Pater Ludger Born, links Schwester Verena Buben im Dienstzimmer der Erzbischöflichen Hilfsstelle

Die Aufgabenfelder waren umfassend: Beratung in Rechtsfragen, Fürsorge und materielle Hilfe, ergänzende Betreuung für Kinder und Jugendliche, Aufbau eines eigenen Schulwesens („nichtarische“ Kinder durften damals keine öffentlichen Schulen besuchen), Kinderhorte.

Hier wurden die Kinder auch auf die hl. Kommunion und Fir­mung vorbereitet. Zudem wurden Nähstuben eingerichtet und eine wirksame Fürsorge für Kranke und Gebrechliche aufgebaut.

In der „Erzbischöflichen Hilfsstelle“ waren 23 Mitarbeiter/innen tätig, von denen neun in ein Vernichtungslager deportiert wurden, nur eine von ihnen überlebte.

Diese Leistungen der Erzbischöflichen Zentralstelle sind ein bedeutender Aufweis (neben unzähligen anderen Hilfsaktionen), dass die Anschuldigungen Hochhuths in seinem Pamphlet „Der Stellvertreter“ ge­schichtlich nicht zutreffen. Dass sich die damalige Herausgeberin der Wochenzeitung „Die Zeit“, Marion Gräfin Dönhoff, in ihrem Artikel „Eine deutsche Geschichtsstunde“ vom 2.2.1971 Hochhuths Behauptungen anschloss, schadete der Reputation ihrer Zeitung.

Das Buch kann portofrei zum Preis von 19,80 Euro bei uns bestellt werden: felizitas.kueble@web.de  – oder per Tel. 0251-616768


Weckruf: Chef der Polizeigewerkschaft sieht „Deutschland in Gefahr“

Dieses alarmierende Buch des durch Funk und Fernsehen deutschlandweit bekannten Bundesvorsitzenden der Polizeigewerkschaft wird am kommenden Montag, den 15.8.2016, im Buchhandel erscheinen. 45074405z

Der Polizist (Hauptkommissar) und fünffache Familienvater Rainer Wendt schildert, wie die Politik schon seit langem den gesamten Öffentlichen Dienst vernachlässigt hat.

Auf 189 Seiten gibt der Autor (er ist CDU-Mitglied) einen Überblick über geschwächte Strukturen und Gefahren für die Innere Sicherheit und den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

BUCH: Deutschland in Gefahr – wie ein schwacher Staat unsere Sicherheit aufs Spiel setzt (riva-Verlag, ISBN 978-3-86883-476-5)

Artikel im Abendblatt

Inhaltsbeschreibung des Buches durch den Riva-Verlag:

Ein schwacher Staat kann die Menschen nicht schützen, die in seinen Grenzen leben. Und deshalb muss Schluss sein damit, Deutschland weiter zu schwächen. Denn unser Land ist längst nicht mehr sicher, deshalb brauchen wir den starken Staat. Denn nur der hat die Macht, die Bürger zu schützen und gegen diejenigen anzutreten, die unsere Demokratie, unsere Verfassung, das Recht und die Gerechtigkeit mit Füßen treten.

Rainer Wendt legt mit seinem Buch den Finger in zahlreiche Wunden. Er beschreibt Versäumnisse, die dazu führten, dass Täter heutzutage häufig besseren Schutz genießen als die Opfer.

Er erklärt, warum der Staat sich bei der Bekämpfung von Verkehrssündern stark macht, aber im Kampf gegen Vergewaltiger, Totschläger oder andere Schwerkriminelle schwach bleibt.

Außerdem nimmt er die Politik ins Visier, die nie vorausschauend handelt, sondern immer erst dann einschreitet, wenn die Probleme unübersehbar geworden sind – etwa dann, wenn bereits 1,5 Millionen Flüchtlinge ins Land gekommen sind. Wendt schreibt deutlich, was sich ändern muss, damit wir weiterhin in einem so wohlhabenden, sicheren und freien Land leben können.

Ein wichtiges Buch, das zeigt, wie sich Deutschland für die anstehenden Herausforderungen wappnen kann und muss.

Quelle: https://www.m-vg.de/riva/shop/article/3388-deutschland-in-gefahr/