Berlin: CDU-Politikerin Sylvia Pantel diskutiert am 15. Juli mit Birgit Kelle

Buchvorstellung und Diskussion über moderne Familienpolitik

Die Publizistin Birgit Kelle hat am 15. Juli 2017 mit „Muttertier  – Eine Ansage“ ihr drittes Buch vorgelegt, das sich mit der Benachteiligung kinderreicher Familien und Frauen in der Mutterrolle beschäftigt.

So besteht nun die Chance, diese Neuerscheinung einem Praxistest aus der Politik zu unterziehen.

Auf Einladung der „Christdemokraten für das Leben“ stellt die Düsseldorfer Bundestagsabgeordnete Sylvia Pantel das neue Buch im Rahmen einer kritischen Würdigung vor und diskutiert mit Birgit Kelle und den Gästen über Mutterschaft und eine moderne Familienpolitik. Die CDU-Politikerin Pantel ist zugleich Koordinatorin des Berliner Kreises in der Union.

Die Buchpräsentation findet statt
am Montag, den 24. Juli 2017, um 20 Uhr
im „Paulaner im Spreebogen“
Alt-Moabit 98 in 10559 Berlin
(Nähe S-Bhf Schloss Bellvue/U-Bhf Turmstr.)

Ablauf:

  • Begrüßung und thematische Einleitung: Stefan Friedrich, Landesvorsitzender CDL Berlin
  • Kritische Würdigung des Buches: Sylvia Pantel, MdB, Koordinatorin des Berliner Kreises
  • Replik: Birgit Kelle, Publizistin und Autorin (siehe Foto)
  • Diskussion

Internetseite der Berliner CDL: www.cdl-berlin.de


Neuerscheinung über Schicksal, Opfer, Helden und Märtyrer der Donauschwaben

Von Felizitas Küble

Auch die Donauschwaben  –  also deutsche Volksgruppen aus Ungarn, Rumänien und Jugoslawien – waren von Flucht und Massenvertreibung am Ende des 2. Weltkriegs und in den Jahren danach betroffen.

Im Mittelpunkt des Gedenkens stehen freilich meist Landsleute aus Ostpreußen, Schlesien und Pommern, zumal aus diesen einst deutschen Provinzen der größte Teil der Heimatvertriebenen stammt.

Doch auch die Donauschwaben  –  darunter die Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben aus Rumänien  –  hatten infolge der damaligen kommunistischen Besetzung Ostdeutschlands und Osteuropas zehntausende Opfer, Verfolgung und Vertreibung zu beklagen.  

Umso erfreulicher, daß in dieser Neuerscheinung „Donauschwäbisches Martyrologium“ des katholischen St.-Gerhards-Werks an jene erinnert, die sich auch in schwerster Zeit heldenhaft für andere eingesetzt haben.

Der redaktionell Verantwortliche Stefan P. Teppert hat damit ein einmaliges Standwerk geschaffen, das zugleich der Ausssöhnung und Verständigung mit unseren östlichen Nachbarvölkern dient. Er weiß um jenes Prinzip, das auch für dem deutsch-jüdischen Verhältnis zugrundliegt: Das Geheimnis der Versöhnung heißt Erinnerung!

Zum Geschichtsbewußtsein und zur Gedächtniskultur gehört auch die umfassende Information und die Solidarität mit den Opfern, vor allem mit den Bekennern und Märtyrern, die für Gott, seine Gebote und die Nächstenliebe gelitten haben oder gar ihr Leben hingaben  –  sei es unter den Nationalsozialisten oder später den Kommunisten.

Erzbischof em. Dr. Robert Zollitsch schreibt in seinem Geleitwort zu diesem 770 Seiten umfassenden Sammelband: „Kaum eine deutsche Volksgruppe hatte unter dem Zweiten Weltkrieg und seinen Folgen so sehr zu leiden wie die Donauschwaben.“ 

Dem Band enthält neben bewegenden Biografien von Glaubenshelden und geschichtspolitischen Informationen zahlreiche Illustrationen und Gedichte donauschwäbischer Schriftsteller und Künstler.

Buch-Daten: Donauschwäbisches MartyrologiumHrsg.:  St.-Gerhardswerk, Stuttgart  – Verlag: Patrimonium  – ISBN: 978-3-86417-084-3  –  Einband:  Hardcover  –  Seitenumfang:  770 (mit zahlreichen Abbildungen)  – Format: 16 cm x 23,5 cm  –  Preis: nur 25.- €

Bestellungen per Mail (Stefan.Teppert@gmx.de) oder hier: http://www.banater-schwaben.org/nachrichten/dokumentation/dokumentation-detail/1782-donauschwaebisches-martyrologium/

 


Lungenschmids „Jenseitsreisen“: Allerlei Richtigkeiten sowie theologischer Unsinn

Von Felizitas Küble

Seit Jahren tourt Helmut Lungenschmid durch deutsche und österreichische Lande, um von Ort zu Ort jenes „Sterbe-Erlebnis“ zu schildern, das er als 15-jähriger Junge erfahren haben will – und zwar beim Zahnarzt. Sicherlich für eine Nahtoderfahrung eine recht ungewöhnliche Stätte, doch der Redner begründet das Vorkommnis mit einer Überdosierung der Betäubung…

Wie dem auch sei: Tatsache ist jedenfalls, daß die Visionen und Einsprechungen, die Lungenschmid   – eigenen Angaben zufolge  –  seinerzeit als Jugendlicher erlebte und nach 42 Jahren erstmalig veröffentlichte, auf ein fromm-naives Publikum eindrucksvoll wirken mögen, aber nicht einmal einer einfachen theologischen Prüfung standhalten.

Derzeit befindet sich der Autor wieder auf einer Vortragsreise von Deutschlands Süden bis zum Norden: An Fronleichnam (14.6.) sprach er im westfälischen Hembergen vor rund 100 Zuschauern, am Tag zuvor war er in Obereschach bei Ravensburg (Oberschwaben).

Wir haben uns im CHRISTLICHEN FORUM bereits im Jahre 2011 über Lungenschmids „Nahtoderfahrung“ geäußert: https://charismatismus.wordpress.com/2011/11/03/gelang-helmut-lungenschmids-ein-%e2%80%9eblick-ins-jenseits%e2%80%9c/

Auf die im Raum stehende „Frage“, warum er seine Jenseitsvisionen erst nach über 40 Jahren in Buchform brachte, antwortet der Verfasser gleich auf der Titelseite (siehe Foto): „Den Zeitpunkt, mit diesem Erlebnis an die Öffentlichkeit zu gehen, bestimmte im Jenseits die Gottesmutter selbst.“  – Diese praktische, um nicht zu sagen unschlagbare Ausrede „Auskunft“ erwähnt Lungenschmid auch in seinen Einladungszetteln zu den Vorträgen.

Kritisches Nachfragen scheint sich insoweit zu erübrigen  – wobei gleichwohl ungeklärt bleibt, ob der hohe Preis (22 €) der ziemlich billig produzierten Publikation (große Schrift, Paperback, nur 1 Foto) samt den überdimensionalen Versandkosten (von Österreich nach Deutschland: 9,50 €) wohl auch auf Eingebung höherer Gewalten entstanden sein mag.

Für den kommenden 2. Band werden übrigens satte 33 € angekündigt  – alle Daten sind auf des Autors Webseite nachlesbar: http://www.meinsterbeerlebnis.com/medien-bestellung/

Nun wissen wir es also  – dank Helmut Lungenschmid und dem Untertitel seines Buches: „Himmel – Hölle – Fegefeuer  –  gibt es doch!“

Seit zweitausend Jahren lehrt die Kirche genau dies auch ohne Jenseitsvisionen, doch so mancher Fromme sucht wohl unterschwellig  – also doch Kleinglaube?  – nach einer Art „Bestätigung“ mittels besonderer Erlebnisse.

Die kann der Autor auf über 350 Seiten freilich kreativ liefern  – den 2. Band nicht mitgerechnet.

Lungenschmid: Christus ist nicht GOTT in Ewigkeit

Was der Knabe damals auf dem Zahnarztstuhl in kurzer Zeit alles an bücherfüllenden Erlebnissen und Erkenntnissen erfuhr, scheint ihm gleichwohl ein merkwürdiges „Gottesbild“ vermittelt zu haben, ganz zu schweigen von zahlreichen theologischen Irrtümern, sogar über den Erlöser selbst, wobei indirekt, aber in der Sache eindeutig sogar die Gottheit Christi geleugnet wird:

Auf S. 93 heißt es schon im Zwischentitel in fetter Schrift: „Jesus hat im Gegensatz zu Gott Vater einen Anfang.“ 

Da Christus GOTT ist, existiert ER in Ewigkeit, folglich ohne Anfang und Ende. (Anders ist dies bei der menschlichen Natur Jesu, die natürlich einen Beginn kennt.)

GOTT ist nicht nur unsterblich wie die menschliche Seele (ohne Ende), sondern ewig  – also unerschaffen, ohne Anfang. Gott-Vater ist innerhalb der heiligen Dreieinigkeit zwar gleichsam das Ursprungsprinzip, was aber nicht bedeutet, daß die anderen beiden göttlichen Personen einen „Anfang“ hätten, denn die ganze dreifaltige Gottheit ist unerschaffen und ewig, also ohne Anfang  – dies ist ein unabdingbares Wesensmerkmal das Göttlichen.

Lungenschmid schreibt zunächst zutreffend, daß es für den Menschen als geschaffenes Wesen einen Anfang gibt. Er fährt fort: „Aber nicht so verhält es sich bei Gott, der keinen Anfang und kein Ende hat.“ – Auch richtig, doch dann folgt jener erwähnte häretische (irrlehrende) Satz über Christus „mit Anfang“.

Er führt diese für die Christenheit „bahnbrechende“ Erkenntnis auf Gott-Vater selbst zurück, denn dieser habe ihm erklärt: „Jesus hatte einen Anfang und jetzt aber auch kein Ende.

Dies stelle, so schreibt der Autor mit Berufung auf „Gott-Vater“ weiter, gewiß ein „großes Geheimnis“ dar, das ihn freilich „sehr nachdenklich“ gemacht habe  – immerhin räumt Lungenschmid ein, daß er „bis zu diesem Zeitpunkt der Meinung war, dass es Jesus doch auch immer schon gegeben hätte“.

Folglich ließ sich der Jenseitsreisende durch einen Irrgeist (sei es nun sein eigener oder ein „unter-natürlicher) von einer richtigen zu einer falschen Ansicht verführen.

Offenbar knabberte der Verfasser durchaus an dieser neuen „Einsicht“, denn er schreibt zum dritten Mal: „Nein  – Jesus hatte tatsächlich einen Anfang, wie mir Gott ganz persönlich versichert hatte“  –  nun denn, gegen Visionen ist natürlich kein theologisches Kraut gewachsen.

Betet Maria den Rosenkranz mit den Armen Seelen?

Das Buch wimmelt von weiteren inhaltlichen und logischen Fehlleistungen, wobei schon die Seite zuvor wieder ein handfestes Beispiel liefert:

Auf S. 92 heißt es nämlich, daß die Madonna bei ihren „Erscheinungen im Fegefeuer jedes Mal den Rosenkranz gemeinsam mit den Armen Seelen betete“.

Auf S. 217 erzählt der Autor von einer Vision, bei welcher die Gottesmutter selber den „Engel des HERRN“ betete, wobei gar die „Grundfesten der Hölle erschüttert“ worden seien, so daß die Unterwelt „einzustürzen drohte“. Leider hat es nicht ganz geklappt, die Hölle ging bei der schönen Gelegenheit nicht wirklich unter  –  aber fest steht jedenfalls, daß die selige Jungfrau weder den Rosenkranz noch den „Engel des Herrn“ bzw. Angelus selber betet.

Wer es nicht fassen kann, der möge sich die dazugehörenden Gebete selber aufsagen und dabei theologisch bis fünf zählen.

Offenbar ist Herr Lungenschmid  –  Jenseitserlebnisse hin oder her  –  damit erheblich überfordert.

Wir werden sein Buch bei nächster Gelegenheit gerne einer weiteren Durchsicht unterziehen….

Unsere Autorin Felizitas Küble ist Leiterin des Christoferuswerks und des KOMM-MIT-Verlags in Münster


Wir trauern um Günter Mayer, unseren Freund, Unterstützer, Ratgeber und Autor

Von Felizitas Küble

Am späten Abend des 20. Mai ist Günter Mayer aus Kaiserslautern im Alter von 83 Jahren im Krankenhaus verstorben. Dieses treffende Porträtgemälde hat der Künstler und Pfadfinder-Autor Otto Lohmüller von ihm gezeichnet. 

Günter Mayer ist Justizoberamtsrat i.R., er war  Dozent an der Hochschule für Rechtspflege in Schwetzingen; ist Autor zahlreicher Bücher, zudem seit 2003 stellv. Vorsitzender unseres gemeinnützigen Christoferuswerks eV, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

Er war jahrzehntelang ehrenamtlich in der katholischen Jugendarbeit (KJG) in Leitungsaufgaben tätig  – von der Jungschargruppe bis zur Bistumsebene. Diese lebenspraktische, bodenständige Erfahrung kam auch seinen Büchern zugute.

Günter verfaßte spannende und lehrreiche Kinder- und Jugendliteratur sowie Ratgeber und Sachbücher, die auch für Laien verständlich sind, außerdem juristische Fachliteratur. Er schrieb fundierte Artikel für dieses CHRISTLICHE FORUM und für die Zeitschrift „Theologisches“.

Unser „jugendbewegter“ Günter Mayer hat unserem KOMM-MIT-Jugendverlag und dem Christoferuswerk jahrzehntelang mit Rat, Tat und praktischer Unterstützung zur Seite gestanden. Noch vor ca. einem Jahr reiste er gemeinsam mit einem Nachbarn nach Münster, um unsere Vereinssitzung in seiner ebenso kompetenten wie freundlichen Art zu leiten.

Wie ich heute von einem seiner besten Freunde aus Kaiserslautern erfuhr, ist unser Günter im Vertrauen auf Gott und auf die Fürsprache der Madonna gut vorbereitet in die ewige Heimat eingegangen, wobei er ganz klar ahnte, daß er sich auf seiner letzten irdischen Wegstrecke befand.

Wir sind in Gedanken und Gebeten weiter mit Günter verbunden und wünschen ihm die immerwährende Freude im Reiche Christi: R.I.P.

HIER einige Bücher aus der Kinder- und Jugend-Literatur von Günter Mayer:

 

Dazu kommt dieses Teenager-Buch „Steffens letzte Ferien“ (ab 13 Jahren) von G. Mayer (Preis hier 12,50): https://charismatismus.wordpress.com/2012/06/19/buch-tip-steffens-letzte-ferien-jungenleben-anno-1970-zwischen-susi-und-franziska/

Interessierte können alles bei uns bestellen: Tel. 0251-616768  – Mail: felizitas.kueble@web.de

 

 


Papst-Franziskus-Buch: Dr. Heinz Althaus schreibt an den Autor Andreas Englisch

Sehr geehrter Herr Englisch!

Neulich wurde mir Ihr Buch „Der Kämpfer im Vatikan. Papst Franziskus und sein mutiger Weg“ geschenkt. Nach der Lektüre von Marco Politis Taschenbuch „Franziskus unter Wölfen“ war ich auf Ihr Buch gespannt. Und so las ich gleich auch Ihr Werk, das sich als wichtige Ergänzung des Taschenbuches von Marco Politi herausstellte.

Doch nun zu Ihrem Buch. Sie können schreiben. Das, was Sie zu erzählen haben, leiten Sie spannend ein. Wortwahl, Stil, Satzbau, Darstellungsart – all das ist kultiviert und angenehm zu lesen. Hinter Ihren nüchternen Berichten schimmert die Leidenschaft des Autors für seinen Gegenstand durch. Sie sind „Vaticanista“ geworden und berichten seit 1987 aus dem Vatikan.

Bekannt sind Ihre Bücher über die Päpste Johannes Paul II., Benedikt XVI. und Franziskus, dem Sie nun schon das zweite Buch widmen. Wenn man das bedenkt, ist man doch sehr erstaunt, daß der Autor in einer frühen Periode seines Lebens den Glauben verloren hatte. Wie Sie selbst mitteilen, haben Sie erst durch Johannes Paul II. zum Glauben gefunden, der unter den geradezu herausragenden Papstgestalten des 20. Jahrhunderts gemeinhin als der größte gilt.

Wie sehr Sie ihn bewundern und verehren, spiegelt sich auch in Ihrem neuesten Werk wider. Wenn dem aber so ist, versteht man nicht, wie Ihre frühere Phase des Unglaubens immer wieder durchschlägt in Formulierungen wie ‚wenn es Gott gibt‘. Dann sprechen Sie auffallend oft von ‚Jesus von Nazareth‘. Das ist die Sprache der Historiker, nicht die des Glaubens und der Theologie, denn Glaube und Theologie sagen „Jesus Christus“.

Da wir nun gerade bei Ihrer „ungläubigen“ Jugend sind, so finde ich es verwunderlich, daß Sie in einem Buch über Franziskus so ausführlich über Ihr Elternhaus schreiben. Es mag sein, daß Sie damit Ihre Nähe zu Franziskus‘ Pauperismus betonen wollen, aber dafür bräuchte es diese Ausführlichkeit nicht.

Im übrigen haben Millionen junger Deutscher nach dem Zweiten Weltkrieg eine Kindheit und Jugend in Armut erlebt – auch ich selbst (geb. 1938). Das war früher nichts Besonderes. Nur heute wird ein großes Bohé über Kinder- und Jugendarmut gemacht, wobei es den „armen“ Kindern und Jugendlichen um ein Vielfaches besser geht als uns früher, denn der Begriff der Armut ist an den gesellschaftlichen Wohlstand geknüpft: 60 % des Durchschnittseinkommens in Deutschland.

Auf S. 83 machen Sie zu Recht darauf aufmerksam, daß die beiden nicht italienischen Päpste vor Franziskus aus sehr einfachen Verhältnissen kamen, im Gegensatz zu ihren italienischen Vorgängern, daß sie aber die Armut nicht zum Thema ihres Pontifikats machten.

Franziskus zieht nicht in die päpstlichen Gemächer des Apostolischen Palastes ein, sondern bewohnt eine kleinere Wohnung in Santa Marta, er ißt mit den Vatikanangestellten in der Kantine, er trägt nicht die roten Papstschuhe, sondern schäbige Alltagstreter, er läßt sich in einem Kleinwagen chauffieren usw.

Man fragt sich unwillkürlich, was das bedeuten soll. Fast alle Päpste im 20. Jahrhundert waren Heilige oder wenigstens Selige, denen jeglicher Luxus fremd war, die persönlich ziemlich bedürfnislos lebten. Johannes Paul II. ist inzwischen heilig gesprochen, aber auch von Ratzinger weiß man, daß ihm ein aufwendiger Lebensstil völlig fremd war. Und wenn er der Sitte in Italien entsprechend Wein zum Essen kredenzen ließ, so nahm er selbst nur ein halbes Glas.

Selbst P. Eberhard von Gemmingen, der sicher nicht zu den Bewunderern Benedikts gehört, betonte am Dienstag, dem 11. April, in der großen Sondersendung des bayerischen Fernsehens, daß Benedikt die roten Schuhe nicht aus Eitelkeit getragen habe, sondern weil man ihm gesagt habe, das seien die üblichen Schuhe des Papstes, und als gehorsamer Sohn der heiligen römischen Kirche, der er zeitlebens war, habe er die Tradition eingehalten.

In diesem Zusammenhang stieß mir Ihre Äußerung „Während Joseph Ratzinger schon als Kind das schicke Auto eines Kardinals bewunderte, dem er zufällig begegnete, verabscheut Mario Bergoglio Priester in teuren Autos …“ unangenehm auf. Der gegensätzliche Vergleich ist nicht nur fehl am Platz, sondern auch unlogisch. Wie kann man das spontane Gefühl eines Knaben mit dem moralischen Habitus eines Erwachsenen vergleichen! Oder wollen Sie gar Benedikt als Liebhaber des Luxus denunzieren? Das wäre infam!

Franziskus macht nun – fast – alles anders. Aber von größerer Bedeutung sind freilich seine doktrinären Äußerungen über die Wirtschaft. Wenn man so ein Wort hört wie „Wirtschaft tötet“, ist man zunächst einmal fassungslos und fragt sich, wie Franziskus so offensichtlich seine Ignoranz in ökonomischen Fragen zu Markte tragen kann.

Daß das „reiche Deutschland“ 1945 völlig am Boden lag, daß das deutsche Volk hungerte, nichts zum Anziehen hatte und im Winter fror, so daß der Kölner Kardinal Frings den Leuten erlaubte, die Güterzüge, die deutsche Kohle für die Sieger abtransportierten, zu überfallen  –  all das scheint Franziskus nicht zu wissen. Insbesondere weiß er nicht, daß sich die Deutschen selbst hochgerappelt haben  –  dank der freien Marktwirtschaft, für die kein anderer so eintrat wie Ludwig Erhard.

Der Marshall-Plan, der wiedergutmachte, was die Alliierten mit der Demontage vorher kaputt gemacht hatten, konnte nur in Deutschland so wunderbar funktionieren, weil die Menschen mit ungeheurem Fleiß und eiserner Disziplin Fabriken und Häuser wiederaufbauten.

Als ich während meines Studiums in den Jahren 1958 bis 1964 Werkarbeit leistete, erzählten mir Fabrikarbeiter in Emsdetten und Rheine von Frühinvaliden, die in den fünfziger Jahren 70 und mehr Stunden in der Woche gearbeitet und damit ihre Gesundheit ruiniert hatten.

Und wie ist es in den Entwicklungsländern heute? Als ich 2010 eine Gruppen-Rundreise durch Äthiopien machte, erzählte uns der einheimische Reiseleiter, daß ein Äthiopier keine 8 Stunden am Tag arbeiten könne! Mehr als 4 Stunden schaffe er nicht.

Und wie sieht es in Lateinamerika, wo ja Franziskus herkommt, aus? Nehmen wir einmal Cuba. Die Mittagspause beträgt mindestens 4 Stunden. Vor 17 Uhr bewegt sich gar nichts. In Vietnam ist es ganz anders. Dort wird auch in der Mittagshitze auf dem Bau gearbeitet. Die Ostasiaten gelten nicht nur als besonders intelligent, sondern sie sind auch ungeheuer fleißig und zäh.

Japan galt schon Anfang der 60er Jahre als Industrieland, China konnte erst nach Maos Tod die Aufholjagd beginnen und ist heute an der Weltspitze. Auch Südkorea ist mit seinem großen Wirtschaftswachstum nicht zu übersehen, ferner Singapur. Doch genug davon.

Franziskus ist einfach von seinen Erfahrungen in Argentinien geprägt. Was heißt das? Das Land der Gauchos war  bis 1945 wohlhabender als Deutschland, aber Korruption und Nepotismus in Verbindung mit verkrusteten Strukturen sorgten für den unaufhaltsamen Niedergang. Inzwischen gab es zwei Staatspleiten. Man denke nur einmal an Peron und die Kirchners.

Daß sich Erzbischof Bergoglio so sehr um die Armen in Buenos Aires gekümmert hat, ist ungeheuer anrührend, taugt aber nicht zur Lösung der tiefen Wirtschaftskrise des Landes. Der von Franziskus hochgeschätzte Kardinal Walter Kasper, der Korreferent meiner theologischen Dissertation, sagte einmal: Christliche Nächstenliebe zeigt sich heute nicht mehr einfach im Almosengeben, sondern in groß angelegten Förderprogrammen wie Misereor, Adveniat und Missio.

Warum schaut Franziskus nicht auf Deutschland, wo diese großen Förderprogramme erfunden und umgesetzt worden sind? Er war doch eine gewisse Zeit zum Studium in St. Georgen. Ludwig Erhards Grundgedanke war nicht, wie die Sozialisten sagten, den „Reichen“ etwas wegzunehmen und dann an die Ärmeren zu verteilen, sondern die Wirtschaft wachsen zu lassen und den Zugewinn gerecht auf Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu verteilen. Und dieses Rezept war ungeheuer erfolgreich. Es hat, wie Ludwig Erhard versprach, Wohlstand für alle gebracht.

Was Ihre historischen Kenntnisse anbelangt, so sieht es ziemlich trübe aus.

  1. Der Sklavenhandel.

Ab S. 55 berichten Sie ziemlich unkritisch von einem Gespräch mit einem lateinamerikanischen Priester, der keine genauen geschichtlichen Kenntnisse hat. Da lassen Sie auf S. 57 den ungenannten Priester sagen, daß die Muslime in sechshundert Jahren nur 1,7 Millionen Christen versklavten, während Christen über 11 Millionen Menschen aus Afrika nach Amerika verschleppten.

Richtig ist folgendes: Die Araber waren von Beginn an Sklavenhändler und fingen Schwarze aus Afrika, um sie nach Arabien und später ins Osmanische Reich zu verschleppen. Daß es keine Schwarzen in der arabischen Welt gibt, liegt einfach daran, daß die Araber die Männer gleich töteten und nur die Frauen und Kinder am Leben ließen. Genaue Zahlen zum arabischen Sklavenhandel liegen nicht vor. Aber es wäre naiv anzunehmen, es habe sich nicht um viele Millionen gehandelt.

Im Mittelalter haben die Mauren viele Christen in Spanien, Frankreich und Italien verschleppt, um sie zu Sklaven zu machen. Nicht umsonst hat Rossini im 19. Jahrhundert die Oper „Die Italienerin in Algier“ geschrieben. Zur Befreiung der Christen aus der Gefangenschaft bei den Sarazenen wurden sogar im Mittelalter zwei Orden gegründet, und zwar die Trinitarier, deren Ordensregel 1198 vom Papst approbiert wurde, und die Mercedarier, deren Ordenssatzung der Papst 1235 approbierte.

Die Trinitarier haben 900.000 Christen aus der arabischen Sklaverei freigekauft. Von 1500 bis 1750 wurden 1,5 Millionen Christen aus ganz Europa von den Sarazenen versklavt, sogar aus England. Überall, wo die Sarazenen oder später die Osmanen auftauchten, verbreiteten sie Angst und Schrecken, und zwar in einem viel schlimmeren Maße, als dies christliche Heere je taten.

Ich war zweimal auf Malta, wo 1565 die große Seeschlacht der weit überlegenen osmanischen Flotte gegen die Johanniter standfand. Aber diese hielten unter ihrem Großmeister la Valette stand, bis eine christliche Flotte aus Richtung Sizilien für den Entsatz sorgte. Von den 40.000 Matrosen der Osmanen waren inzwischen 3/4 gefallen. Was die Osmanen im Falle eines Sieges gemacht hätten, wurde den Maltesern am Schicksal der Nachbarinsel Gozo deutlich. Dort machten die Osmanen alle kurzerhand nieder, Männer und Frauen, Kinder und Greise. Daß Malta das katholischste Land Europas ist, liegt nicht zuletzt daran, daß die Erinnerung an die existenzielle Bedrohung durch die muslimischen Osmanen bis zum heutigen Tage wachgehalten wird.

Auch in anderer Beziehung hat der von Ihnen zitierte Priester keine Ahnung. Es ist ein geradezu unverzeihlicher Irrtum zu meinen, erst Leo XIII. habe 1888 – hundert Jahre nach der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung – die Sklaverei verboten. Schon Eugen IV. hat im 15. Jahrhundert gegen die Sklaverei Stellung bezogen, und Paul III. hat 1537 ausdrücklich die Versklavung eroberter Völker verboten, auch wenn sie keine Christen waren. Gregor XVI. zählte in seiner Konstitution von 1839 im einzelnen die Erlasse seiner Vorgänger zur Sklavenfrage auf.

Was die USA anbelangt, so sollte auch Ihr Gewährsmann wissen, daß gerade wegen der Sklavenfrage der schlimme amerikanische Bürgerkrieg stattgefunden hat. Erst der Sieg des Nordens in Gettysburg 1865 hat den Weg für die Durchsetzung des Verbotes der Sklaverei freigemacht. Hinsichtlich der hehren Ideale der amerikanischen Gründungsväter zeigt sich wieder einmal: Papier ist geduldig. Erst der Sieg auf dem Schlachtfeld führte zur Befreiung der Sklaven.

Also trotz der Unabhängigkeitserklärung von 1776 wurden in den Vereinigten Staaten noch ca. 90 Jahre lang mit größter Selbstverständlichkeit Sklaven gehalten, vor allem in den Südstaaten, wo die Schwarzen besonders in den Baumwollplantagen eingesetzt wurden.

Von dem hohen Roß unserer modernen Moral läßt sich leicht ein Verdammungsurteil über die Geschichte fällen. Aber nur dadurch, daß das junge Christentum eben nicht als sozialrevolutionäre Bewegung mit der Forderung nach Abschaffung der allgegenwärtigen Sklaverei auftrat, konnte es in der antiken Sklavenhaltergesellschaft des Römischen Reiches überleben.

Unter den Schriften des Neuen Testaments findet sich auch der kleine Brief des Apostels Paulus an Philemon, dessen Sklave Onesimos entlaufen war. Paulus schickt ihn seinem Herrn zurück und empfiehlt, den Sklaven wie einen Bruder in Christus aufzunehmen. An anderer Stelle schreibt Paulus, in Christus gelte nicht mehr Mann und Frau, Herr und Sklave, sondern alle seien eins in Christus.

Ich glaube, das haben die lateinamerikanischen Befreiungstheologen bis heute nicht begriffen, für die der Glaube ein Instrument zur Durchsetzung sozialer oder gar sozialrevolutionärer Reformen ist.

Im Islam ist die Sklaverei etwas ganz Normales. Der Koran erlaubt sie ausdrücklich, während das Neue Testament die Sklaverei nur als gegeben hinnimmt, wie oben dargestellt. Und Mohammed selbst hat unterworfene Stämme versklavt. Erst die Herrschaft der europäischen Kolonialmächte hat zur Abschaffung der Sklaverei geführt. 1950 wurden in Saudiarabien noch 500.000 Sklaven gezählt. Erst 1963 hat das Land die Sklaverei offiziell abgeschafft.

  1. Kirche und Nationalsozialismus

Daß Sie das deutsche Volk so mir nichts, dir nichts als „Tätervolk“ bezeichnen, ist geradezu empörend. Daß „Tätervolk“ kein offizieller Begriff ist, daß die deutschen Bischöfe stets eine Kollektivschuld des deutschen Volkes strikt abgelehnt haben, ist Ihnen offensichtlich unbekannt. Man schätzt, daß 300.000 Deutsche wie auch Vertreter anderer europäischer Völker (z.B.  Litauer und Letten) am Holocaust beteiligt waren.

Die Programme zur Judenvernichtung wurden unter strengster Geheimhaltung durchgeführt. Wer darüber sprach, wurde kurzerhand hingerichtet. Ich selbst bin 1938 als Nachkömmling geboren. Weder meine Eltern noch meine fünf Geschwister, die sogar schon zur Wehrmacht eingezogen worden waren, wußten von dem Massenmord in Auschwitz u.a. Was man wußte, war, daß Juden abtransportiert wurden, aber nicht, wohin.

Wenn der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker 1985 im Bundestag behauptete, „alle“ hätten von dem Massenmord gewußt, so stieß er auf den erbitterten Widerstand der ganzen CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Seine falsche Behauptung wurde natürlich von den Linken mit lebhafter Zustimmung aufgenommen und von den linksorientierten Medien in Presse und Fernsehen verbreitet.

Empörend ist auch, wie Sie die Kirche beschuldigen, während des Zweiten Weltkrieges katastrophal versagt zu haben. Die Kirche hat nicht versagt. Die kirchenhistorische Aufarbeitung der Rolle der kath. Kirche zur Zeit des Dritten Reiches ist weitgehend abgeschlossen, wie ein Blick in die neueren „Kirchengeschichten“ zeigt. Was noch fehlt, ist die Veröffentlichung aller Akten aus dem vatikanischen Geheimarchiv.

Allerdings haben die Kirchenhistoriker, die die Rolle Pius XII. für den Seligsprechungsprozeß untersuchen sollten, Einblick in die Quellen erhalten und haben ein abschließendes Urteil gefällt, das diesen Papst in jeder Hinsicht entlastet. Wenn Benedikt XVI. trotzdem den Seligsprechungsprozeß nicht zum Abschluß gebracht hat, so hat das ausschließlich politische Gründe, denn die jüdische Seite hält an ihrem (unbegründeten) Vorurteil fest, daß die namentliche Verurteilung Hitlers und seiner Barberei durch Pius XII. Millionen von Juden vor der Shoah gerettet haben würde. 

Dabei ist das auf jüdischer Seite eine Kehrtwendung um 180 Grad, denn die unmittelbaren Zeugen der Shoah wie Ben Gurion und Golda Meir haben immer Pius XII in Schutz genommen und ihm für die Errettung hunderttausender Juden, die aus Ungarn nach Auschwitz deportiert werden sollten, gedankt. Auch wurde dankbar hervorgehoben, daß der Papst Tausende von Juden in der Stadt Rom in Kirchen und Klöstern vor der SS versteckt hat.

Die Wende leitete Rolf Hochhuth mit seinem Drama „Der Stellvertreter“ ein, in dem er behauptete, eine öffentliche Verurteilung durch Pius XII. hätte Millionen von Juden vor der Vernichtung bewahren können. Das Stück wurde damals viel aufgeführt und brachte die Diskussion in Schwung.

Tatsache aber ist, daß die niederländischen Bischöfe mit ihrer öffentlichen Verurteilung der Judentransporte nach Auschwitz 1942 die NS-Schergen dermaßen in Wut versetzten,  daß sie nun auch die getauften Juden – unter ihnen die Karmelitin Edith Stein – abtransportierten. Daher haben die deutschen Bischöfe den Papst beschworen, von einer namentlichen Verurteilung Hitlers und seiner Judenvernichtung Abstand zu nehmen.

In allgemeiner Form hatte der Papst schon die Judenvernichtung verurteilt. Wie allergisch die Nationalsozialisten auf jegliche Kritik reagierten, zeigt das Beispiel des Berliner Propstes Bernhard Lichtenberg, der in jedem Gottesdienst für die Juden betete. Das kostete ihn das Leben.

9 von 10 christlichen Geistlichen in den Konzentrationslagern waren katholische Priester. Die katholische Kirche war die einzige Großorganisation, die sich im Dritten Reich nicht gleichschalten ließ. Auf Seiten der Protestanten entwickelten sich bald die Deutschen Christen mit ihrem „Reichsbischof“ Müller, gegen die die Bekennende Kirche mit der Barmer Erklärung von 1934 zu Felde zog. Das war eine regelrechte Spaltung der Protestanten. Auf katholischer Seite gab es so etwas nicht.

Daher brauchte die katholische Kirche 1945 auch kein Schuldeingeständnis abzugeben, wie es die Protestanten 1945 taten. Aber sie taten es nicht freiwlllig, sondern gezwungen, denn die amerikanischen Protestanten hatten das Schuldeingeständnis zur Bedingung ihrer Hilfe gemacht.

Da deutsche Kirchenhistoriker die Materie in den vergangenen Jahrzehnten hinreichend erforscht haben, ist es völlig unerfindlich, wie Sie Ratzinger in diesem Zusammenhang noch einen Vorwurf machen können. Sie sind sich wohl bewußt, daß Ratzinger nie Historiker, sondern immer Dogmatiker war, aber Sie vermissen ein Wort von ihm „als Deutscher“. Das ist für einen Menschen, der auch nur halbwegs etwas von Wissenschaft versteht, schlichtweg Unsinn – oder vielleicht Bosheit.

Bei dieser Frage lohnt sich auch ein Blick auf die Praxis in den deutschen Diözesen. Vor mir liegt die Dokumentation „Kirchlicher Einsatz für verfolgte Juden im Dritten Reich. Erzbischöfliche Hilfsstelle für nichtarische Katholiken“ von Pater Ludger Born SJ, bearbeitet und ergänzt durch Pater Lothar Groppe SJ, Neuauflage 2016.

Es ist bewundernswert, welche Hilfe die kath. Hilfsstelle für Juden unter äußerst schweren Umständen geleistet hat. Und es ist erschütternd zu lesen, daß fast alle Hilfskräfte verhaftet und ermordet worden sind. Was hier für Wien bezeugt ist, gilt sicher auch für andere deutsche Bistümer.

  1. Indianermission

Daß in der Indianermission auch Gewalt eine Rolle spielte, ist unbestritten, aber die Indianermission als ganze als Akt der Gewalt darzustellen, geht überhaupt nicht. Das hat auch Papst Johannes Paul II. mit seinem Schuldbekenntnis im Jahre 2000 nicht gesagt. Im wesentlichen ist die Mission vielmehr das Werk von – unbewaffneten, friedlichen  – Missionaren, die unter unglaublichen persönlichen Entbehrungen und Anstrengungen den Heiden das Licht des Glaubens gebracht haben.

Auf meinen großen Reisen durch Lateinamerika habe ich viel über die Geschichte dieser Länder und ihre endogene Kultur erfahren. Wenn heute von bestimmter Seite aus geleugnet wird, das Christentum habe einen Fortschritt in der Zivilisation gebracht, so kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Die Religionen der Inka und Azteken waren grausam, von Milde und Humanität keine Spur.

Eine große Rolle in der Bekehrung der Azteken etwa spielte die Erscheinung der allerseligsten Jungfrau in Guadalupe vor einem Indio. Dieses Ereignis beeindruckte die Eingeborenen so sehr, daß sich viele, viele taufen ließen. Seitdem ist Guadalupe der größte Wallfahrtsort in Mexiko, ja in ganz Lateinamerika. Dort sieht man auch die große Statue von Johannes Paul II in Bronze. Denn dieser große Marienverehrer hat das Marienheiligtum wenigstens einmal besucht, woran die Mexikaner in Dankbarkeit erinnern.

  1. Diversa

Seit 1987 sind Sie in Rom und nehmen an allem, was Papst und Kurie betrifft, innigen Anteil. Aus einem katholischen Elternhaus stammend, haben Sie in Ihrer Jugend den Glauben verloren und erst im Erwachsenenalter wiedergefunden. Eine große Rolle spielen in dieser Hinsicht die Päpste. Von Johannes Paul II. und Franziskus nehmen Sie an, daß man durch ihre Nähe Gott spüren könne. Im Falle von Benedikt aber müßten Sie passen. 

Wenn das Ihre ganz persönliche Erfahrung ist, so muß man das eben so akzeptieren. Allerdings wundert es einen schon, daß Sie so überhaupt keinen Zugang zu dem deutschen Papst fanden. Indes konnte man aus verschiedenen Bemerkungen zu Benedikt merken, daß Ihnen dieser Papst „nicht liegt.“

Dabei ist der Eindruck, den Benedikt auch auf ungläubige Menschen gemacht hat, ganz erstaunlich. So erinnere ich mich noch genau, wie der bekennende Atheist Paul Biedermann, der ehemalige Weltrekordler im Schwimmen, von der Begegnung mit Papst Benedikt tief beeindruckt war. Biedermann spürte hier zum ersten Male in seinem Leben so etwas wie Transzendenz, den Einbruch des Göttlichen in diese materielle Welt.

Für mich ist Joseph Ratzinger eine große Lichtgestalt. 1963 kam er als junger Professor für Dogmatik nach Münster, wo er bis 1966 blieb, um dann nach Tübingen zu gehen. Wir Studenten strömten mit Begeisterung in seine Vorlesung. Er sollte der Korreferent meiner theologischen Dissertation über den griechischen Kirchenvater Gregor von Nazianz werden.

Unvergeßlich ist mir das Vorgespräch mit ihm, in dem sich seine große Kenntnis der Kirchenväter zeigte. Er begegnete mir nicht mit der hochmütigen Herablassung des anerkannten Professors, sondern mit Zuvorkommen und Eleganz. Er war ein echter Gentleman.

Als er zum Papst gewählt worden war, schilderte seine frühere Wirtin hier am Aasee, wie er mit ihr und ihrer Familie Karten gespielt und mit seinen Assistenten und studentischen Hilfskräften im Garten Fußball gespielt hatte. Zur Vorlesung fuhr er immer mit dem Fahrrad. Und als er sich später in Tübingen mit Hans Küng zur Redaktionssitzung der von ihm und Küng gegründeten Zeitschrift Concilium traf, erschien Küng im eleganten Sportwagen, während Ratzinger mit dem Fahrrad kam.

Als er Papst wurde, sagte der Altmeister der kath. Theologie, Prof. Dr. Eugen Biser (+), Benedikt sei seit Leo dem Großen, also seit fast 1600 Jahren, der größte Theologe auf dem Stuhle Petri. Als Papst glänzte er nicht nur durch seine überragende Theologie, sondern auch durch seine Eloquenz und die Beherrschung von ca. acht Fremdsprachen. Und wenn zu seinen Ehren Konzerte in der Aula Pauls VI. stattfanden, dann staunten die Zuhörer über die musikalische Kompetenz des Papstes, der sogar die wissenschaftliche Einleitung zu den aufgeführten Werken selbst vortrug.

Das große Thema seines Pontifikates war Glaube und Vernunft, in denen er keine Gegensätze, sondern polare Ergänzungen sah. Die Welt von Wissenschaft und Kultur nahm staunend wahr, daß hier ein Mann an der Spitze der früher von den Protestanten belächelten und als rückständig eingestuften katholischen Kirche stand, der auch einem philosophischen Disput mit dem führenden Philosophen unserer Zeit, Jürgen Habermas, gewachsen war. Es ist ganz offensichtlich, daß man nicht nur in der Kurie, sondern in Wissenschaft und Kultur ganz allgemein einer solchen Geistesgröße nachtrauert.

All das, was hier ohne Übertreibung von Benedikt gesagt werden kann, fehlt bei Franziskus. Ja, Kardinal Müller, der Präfekt der Glaubenskongregation, sagte einmal über Franziskus: „Er ist kein Theologe, deshalb muß man ihm helfen.“

Von seinen Gegnern werden Benedikt drei Skandale zugeschrieben: die Aufhebung der Exkommunikation des schismatischen Bischofs Richard Williamson, die Regensburger Rede 2006 und der 2010 aufgedeckte Mißbrauchsskandal. Was das Erstere anbelangt, so ist Benedikt einfach nicht informiert worden über Williamsons Leugnung des Holocausts. Er sagte später selbst, wenn er davon gewußt hätte, hätte er die Exkommunikation nicht aufgehoben. Es gab damals noch keinen PC in der Kurie. Erst Benedikt hat im Zuge der Affäre Richardson die Anschaffung von Computern angeordnet. Wie Kardinal Kasper sagte, ist in keinem anderen Land die Sache so hochgespielt worden wie in Deutschland.

Bei der Regensburger Rede wurde ein Zitat des byzantinischen Kaisers aus dem Zusammenhang gerissen und damit verschärft. Während der Rede selbst, nahm keiner der Anwesenden an dem Zitat Anstoß, wie erst noch neulich im Fernsehen gezeigt wurde. Das aus dem Zusammenhang gerissene Zitat führte in der islamischen Welt zu wilden Protesten. Sie besitzen die Unverschämtheit, dem Papst den Tod zweier Ordensschwestern, die der muslimische Mob ermordete, anzulasten. Lasten Sie auch dem Karikaturisten von Jyllands-Posten, Kurt Westergaard,  all die Morde und Brandstiftungen an, die seine Mohammed-Karikaturen in islamischen Ländern auslösten?

Benedikt für die zum Teil Jahrzehnte zurückliegenden Mißbrauchsfälle verantwortlich zu machen, ist in jeder Hinsicht horrend. Schon als Präfekt der Glaubenskongregation hatte sich gerade Joseph Ratzinger für eine härtere Bestrafung der Täter eingesetzt. 2010 aber kam es gewissermaßen zu einer Explosion, die den Pontifikat dieses absolut integren Papstes verdunkelte. 

Für die Gegner und Feinde war es die Gelegenheit, die katholische Kirche, den Fels in der Brandung der modernen Zeit, anzugreifen und ihre moralische Autorität in den Dreck zu ziehen. Daß es auf der evangelischen Seite genau so schlimm war, wurde einfach ignoriert, denn die evangelische Kirche war ja zeitgeistkonform, vor allem im Hinblick auf die Sexualmoral.

Nicht unerwähnt bleiben soll, was alles in staatlichen Heimen passierte. Und schließlich mußten auch die Grünen zugeben, was alles unter dem Deckmantel einer repressionsfreien Erziehung an Unsittlichem und Verbrecherischem geschehen war. Daniel Cohn-Bendit mußte in Frankreich seine Kandidatur für das Europa-Parlament zurückziehen, als bekannt wurde, daß er in einem Kinderladen in Frankfurt Kinder mit seinem Penis spielen ließ.

Zum Schluß noch zwei kleinere Korrekturen. Fabius Maximus cunctator hat Hannibal nicht besiegt. Das blieb Scipio Africanus in der Schlacht bei Zama 202 v.C. vorbehalten. Fabius hat als dictator nach der verheerenden Niederlage bei Cannae 216 die militärische Lage für Rom stabilisiert, indem er konsequent Hannibal ausgewichen ist (S. 266). Ein Priester gelobt keine Armut, das bleibt dem Ordensmann vorbehalten (S. 351).

Zwei Päpste haben mir eine große Wohltat erwiesen: Johannes Paul II. hat  mich zum Ritter des päpstlichen Silvesterordens ernannt, und Franziskus hat mir und meiner Ehefrau zur Goldenen Hochzeit den Apostolischen Segen erteilt. Die Urkunde hängt, golden eingerahmt, in unserem Wohnzimmer.

Umso mehr bedaure ich, daß Franziskus mit unbedachten Äußerungen Anstoß erregt. Vor wenigen Jahren sprach er davon, Eltern könnten ihre Kinder körperlich züchtigen, und die Beleidigung der Mutter könne sogar mit einem Fausthieb geahndet werden. Ich habe das damals noch in einem ausführlichen Schreiben an die Vorsitzende der Katholischen Elternschaft Deutschlands, Frau Marie-Theres Kastner, als Ausdruck der argentinischen Kultur verteidigt.

Aber Flüchtlingslager in der EU als Konzentrationslager zu schmähen, das ist nicht mehr zu verteidigen. Offensichtlich weiß er nicht, welche Erinnerungen der Begriff Konzentrationslager in Europa hervorruft. Zum Glück ist das mediale Echo auf diese Entgleisung relativ gering, weil sich Franziskus großer Sympathien in der Öffentlichkeit erfreut. Es tut der Kirche gut, daß sich die Sympathien für den Papst nicht auf die katholische Welt beschränken, sondern sich auch auf die Protestanten, ja auf die ganze Welt erstrecken.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Heinz Althaus

 


Zum Comeback der „Kelly Family“ erschien eine erw. Biografie von Patricia Kelly

Es ist das Comeback des Jahres: Die legendäre „Kelly Family“ veröffentlichte jüngst eine neue CD und gibt im Mai gleich drei große Hallen-Konzerte. Für die im Januar 2018 beginnende Tour wurden bereits 50.000 Tickets verkauft.

Zum Comeback der Gruppe erscheint am 24. April 2017 die erweiterte Neuausgabe der SPIEGEL-Bestseller-Biografie „Der Klang meines Lebens“ von Patricia Kelly – mit mehreren unveröffentlichten Geschichten aus ihrem Familienleben und zahlreichen neuen Fotos.

„Wir gingen nie auf eine konventionelle Schule. Wir haben in der Schule des Lebens gelernt“, beschreibt Patricia Kelly die Umstände, unter denen sie aufgewachsen ist. Schon als 5-Jährige stand sie auf der Bühne.

Rund 20 Jahre reiste die „Kelly Family“ als Straßenmusiker durch die USA und Europa, bevor sie 1994 ihren großen kommerziellen Durchbruch erzielte. Es folgten weltweite TV-Auftritte und Konzerte vor bis zu 280.000 Fans.

Mit mehr als 20 Millionen verkauften Tonträgern gehören die Kellys zu den erfolgreichsten Musikern in Europa. Anfang der 2000er-Jahre löste sich die Gruppe auf. Seit 2008 ist Patricia als Solo-Künstlerin unterwegs.

Im Jahr 2009 wurde bei Patricia eine aggressive Brustkrebs-Vorstufe diagnostiziert, und erfolgreich operiert. Heute ist Patricia Kelly – die sechs Sprachen spricht – Mutter zweier Söhne und steht seit Frühjahr 2017 wieder gemeinsam mit einigen ihrer insgesamt elf Geschwister als „Kelly Family“ auf der Bühne.

In der Neuausgabe ihrer Biografie erzählt die Künstlerin u. a. von der Gastfreundlichkeit ihrer Eltern, interessanten Begegnungen im Backstage-Bereich usw.

Bestellungen online hier: http://www.adeo-verlag.de/index.php?id=details&sku=835175


Inside Islam: Buch eines ARD-Moderators kritisiert Freitagspredigten in Moscheen

Der Journalist Constantin Schreiber hat sich Freitagsgebete in Moscheen angehört und darüber ein Buch geschrieben. „Inside Islam“ polarisiert und steht nach einer Woche auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste. Die dazugehörige Reportage veröffentlichte die ARD im Internet: „Der Moscheereport“.

Der Autor moderiert in der ARD die Tagesschau und das Nachtmagazin. Für die Moderation der deutsch-arabischen Sendung „Marhaba – Ankommen in Deutschland“ hatte Schreiber 2016 den Grimme-Preis erhalten.

Ende März hat Schreiber, der in Syrien Arabisch gelernt hat, ein Buch über muslimische Freitagsgebete in Deutschland veröffentlicht. Für sein Buch „Inside Islam – Was in Deutschlands Moscheen gepredigt wird“ hat er sich im vergangenen Jahr 13 Freitagspredigten in Arabisch und Türkisch angehört.

Der Verfasser besuchte dazu deutsche Moscheen vorwiegend in Berlin, aber auch in Hamburg, Leipzig, Magdeburg, Karlsruhe und Potsdam. Was er dort hörte, ließ er wenn nötig übersetzen, schrieb es auf und diskutierte anschließend darüber mit Islam-Kennern.

In seinem Buch geht der Autor der Frage nach, ob Moscheen in Deutschland „Räume eines persönlichen Glaubens oder politische Zonen“ sind, was dort gepredigt wird und wie die Imame über Deutschland sprechen.

Nach rund acht Monaten Recherche kommt Schreiber zu dem nüchternen Ergebnis: „Die von mir besuchten Predigten waren mehrheitlich gegen die Integration von Muslimen in die deutsche Gesellschaft gerichtet.“

Der Autor sagt selbst, dass er keine repräsentative Umfrage, sondern eine Reportage vorlegen wollte. Schreiber kritisiert, dass viele der Predigten „die Warnung vor dem Leben in Deutschland“ wie ein „roter Faden“ durchzogen hat.

QUELLE und FORTSETZUNG der Rezension von Norbert Schäfer hier: https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/buecher/2017/04/07/imame-predigen-gegen-integration/