Kardinal Kaspers Reformideen und ihre kulturrevolutionären Folgen

Mathias von Gersdorffmvongersdorff1

Als Antwort zu Kardinal Walter Kaspers Schrift „Evangelium von der Familie. Die Rede vor dem Konsistorium“, in welcher eine Aufweichung der Sakramentenlehre und Praxis der Kirche bezüglich der wiederverheirateten Geschiedenen vorgeschlagen wird, sind zwei wichtige Bücher erschienen:

„In der Wahrheit Christi bleiben: Ehe und Kommunion in der Katholischen Kirche“, herausgegeben von Robert Dodaro und mit Beiträgen der Kardinäle Gerhard Ludwig Müller, Carlo Cafarra, Walter Brandmüller, Raymond Leo Burke und Velasio de Paolis sowie weiterer Theologen.

Das zweite Buch ist „Das wahre Evangelium der Familie. Die Unauflöslichkeit der Ehe: Gerechtigkeit und Barmherzigkeit“ der Professoren am „Päpstlichen Institut Johannes Paul II.“ Juan José Pérez-Soba und Stephan Kampowski. Beide Bücher ergänzen sich und geben insgesamt eine recht vollständige Behandlung des Themas.

Hier soll das zweite Buch näher vorgestellt werden, weil es tiefer in die kulturellen Aspekte des Problems geht. Oder genauer gesagt: Das Buch von Pérez-Soba und Kampowski hat zwei Lesarten: eine theologische und eine kulturelle.

Wer eine systematische und detaillierte theologische Widerlegung von Kaspers „Rede vor dem Konsistorium“ sheader_buchucht, kommt genauso auf seine Kosten wie jemand, der den kulturellen Rahmen der Gedanken Kaspers kennenlernen will. Diese „kulturelle“ Seite des Problems soll nun untersucht werden.

Pérez-Soba und Kampowski stellen gleich am Anfang ihres Buches fest, daß die katholische Ehe- und Sexualmoral in der heutigen Welt auf heftigen Widerstand und Unverständnis stößt.

Nach katholischer Auffassung ist praktizierte Sexualität, die nicht von der Liebe geleitet wird, Egoismus. Damit Sexualität im Geist der Liebe praktiziert werden kann, muß sie ihrem eigentlichen Zweck, der menschlichen Fortpflanzung, offen stehen. Diese wiederum erfordert eine stabile Institution: die Ehe. Sexualität, Liebe und Ehe sind also organisch miteinander verbunden.

Die „Sexuelle Revolution“ hat sich durchgesetzt

Nach „moderner“ Auffassung sind das aber getrennte Dinge, die man zusammenlegt, wenn es zweckmäßig erscheint. Insbesondere die „Sexuelle Revolution“ hat Sexualität von Liebe (und von der Ehe sowieso) getrennt. Und zwar nicht erst in den 1960er Jahren, sondern schon viel früher.

Für den Psychoanalytiker Wilhelm Reich war Sexualität eine menschliche Tätigkeit, die völlig frei von höheren 1511Erwägungen praktiziert werden sollte. Er vertrat also das glatte Gegenteil der katholischen Auffassung.

Bekanntlich hat sich Reichs Sichtweise immer mehr durchgesetzt – inzwischen dermaßen stark, daß sich die katholische Kirche in einer Defensivposition befindet. Viele können gar nicht mehr nachvollziehen, wieso „Sex“ nur in der Ehe stattfinden soll, zudem ohne künstliche Verhütungsmittel.

Diese moderne freizügige Mentalität prägt natürlich unsere Kultur. In Spielfilmen, Fernsehserien, Literatur, Talkshows, Werbung, ja, überall wird eine Sicht von Sexualität verbreitet, die weitgehend der von Wilhelm Reich und seinen Nachfolgern, vor allem Herbert Marcuse und den 68ern, entspricht.

Die moderne Kultur unterstützt nicht die katholische Kirche, ihre Ehe- und Sexualmoral den Menschen begreiflich zu machen. Ganz im Gegenteil: Die moderne Kultur steht in vielen Punkten konträr zum katholischen Lehramt.

Pragmatischer deutscher Ansatz paßt sich den Umständen an

Auf diese Situation gibt es zwei mögliche Antworten: Eine wäre, die Kultur komplett zu verändern. Das war die Haltung des Apostels Paulus und der anderen Apostel, die permanent der antiken Welt die Leviten gelesen und zu einer umfassenden Bekehrung aufgerufen haben.

Dasselbe taten später Menschen wie der hl. Bonifatius oder der hl. Remigius, der Chlodwig I., dem König der Franken, nach seiner Konversion sagte: „Bete an, was du verbrannt hast – verbrenne, was du angebetet hast. Adora quod incendisti, incende quod adorasti!“

Kardinal Walter Kasper ist weit von solchen Vorstellungen entfernt. Er meint, man müsse die Menschen in ihrer Lebenswirklichkeit akzeptieren und mit ihnen ganz behutsam umgehen. Keineswegs solle man sie überfordern oder gar einen drastischen Lebenswandel verlangen. chrkn

Dieser „pragmatische Ansatz“ ist gerade in Deutschland beliebt. Viele Prälaten und Priester sind schnell bereit, sich den gegebenen Umständen anzupassen.

Pérez-Soba und Kampowski schreiben in ihrem Buch, Kardinal Kasper glaube wohl kaum, man könne die Menschen auffordern, sexuell enthaltsam zu leben. Eine solche Forderung scheine für Kardinal Kasper eine „unerträgliche Last“ zu sein. Selbst wenn man die Lehre der Unauflöslichkeit der Ehe aufrechterhält, so müsse man laut Kasper die Möglichkeit einer zweiten Form des Zusammenlebens irgendwie legitimieren, indem man wiederverheiratete Geschiedene zur Kommunion zuläßt.

Wenn man aber so weit ist, wird die tragende Säule der Lehre der Kirche zur Sexualität umgeworfen. „Diese tragende Säule ist das Beharren der Kirche darauf, daß der einzige angemessene Rahmen für den Vollzug menschlicher Sexualität der Kontext ehelicher Liebe ist.“

Es folgen weitreichende kulturelle Konsequenzen

Folgerichtig schlägt Kardinal Kasper eine Änderung der Sakramentenpastoral vor. Das geht aber nicht ohne eine Änderung der Lehre der Kirche hinsichtlich Ehe und Sexualität sowie der Lehre der Kirche hinsichtlich der Sakramente, vor allem der Eucharistie und des Bußsakramentes und somit nicht ohne eine Änderung der katholischen Christologie.
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Im Grunde wird suggeriert, der katholische Glaube, der seit 2000 Jahren gelehrt wird, könne von der Mehrheit der Menschen gar nicht praktiziert werden. Auf diese Einzelfragen gehen Pérez-Soba und Kampowski detailliert ein.

Kaspers Vorschläge in „Evangelium von der Familie. Die Rede vor dem Konsistorium“ hätten im Falle einer praktischen Anwendung jedoch nicht nur weitreichende theologische, sondern auch kulturelle Konsequenzen.

Die Preisgabe der Exklusivität des Geschlechtsaktes in der Ehe ist nämlich nichts anderes als eine Kapitulation vor der „Sexuellen Revolution“, die  –  wie oben schon beschrieben  –  seit Jahrzehnten an Boden gewinnt.

Von wilden Ehen bis zur Gender-Ideologie

Laut katholischer Lehre ist die Ehe aufgrund göttlicher Bestimmung unauflöslich – der Mensch kann das Ehesakrament nicht ungeschehen machen. Eine Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion durch die Kirche entspräche einer Akzeptanz der Zweitehe, die aber im katholischen Sinne gar keine Ehe ist, weshalb sie auch nicht kirchlich geschlossen werden kann.

Wie können dann aber jene Menschen, die gar nicht verheiratet sind, aber in „wilder Ehe“ leben, noch von der Kommunion ausgeschlossen werden? Ihr Zustand ist sogar weniger irregulär als der von wiederverheirateten Geschiedenen. Auch diese müßten also zum Tisch des Herrn zugelassen werden.

Dann ist man aber nicht mehr weit davon entfernt, auch Personen zur Kommunion zuzulassen, die in homosexuellen oder transgender-Partnerschaften leben.slider5-640x360

Kurz: Rasch hätte man sich der „Sexuellen Revolution“ in ihrer ganzen Breite angepaßt. Von wilden Ehen bis hin zur Gender-Ideologie wäre alles drin.

Pérez-Soba und Kampowski schreiben: „Fast alles, was die Kirche über diese Themen sagt, steht und fällt mit der grundlegenden Lehre über den angemessenen Ort der menschlichen Sexualität.“

Kardinal Walter Kasper geht zwar in seiner Rede vor dem Konsistorium nicht so weit. Doch andere, vor allem etliche Theologen und Gruppierungen wie „Wir sind Kirche“, tun es sehr wohl und berufen sich auf Kasper. Sie ziehen die Schlußfolgerungen, die der Kardinal in seiner Rede vor dem Konsistorium nicht ziehen wollte.

Und mit der Zeit werden die Forderungen der Linkskatholiken immer radikaler und unverschämter. Mit seiner Rede hat Kardinal Kasper die Büchse der Pandora geöffnet, wodurch all der Schmutz der „Sexuellen Revolution“ der 68er-Bewegung in die katholische Kirche einzudringen droht.

Menschen suchen Antworten bei der Kirche

Eine Öffnung der katholischen Kirche für die Maximen der „Sexuellen Revolution“ hätte selbst für die heutige Welt fatale Folgen, so die beiden Autoren. Für sie ist unsere zeitgenössische Kultur längst nicht so libertär, wie oft angenommen oder in manchen Medien dargestellt wird.

Selbst in dieser modernen Welt ist die katholische Kirche so etwas wie ein Leuchtturm. Ginge dieser verloren, wären die Folgen unabsehbar:

„Die moderne Welt würde in ihr nicht länger einen Gesprächspartner finden hinsichtlich der Themen, die ihr am Herzen liegen. Was ist gerecht und was ist ungerecht? Wie kann man sein Leben gut führen? 120505288_BV_July und Mike

Wenn die Kirche also über Themen der Moral spricht, von Empfängnisverhütung und künstlicher Befruchtung über Klonen und genetische Manipulationen bis hin zu vorehelichem Geschlechtsverkehr, Scheidung, Abtreibung und Euthanasie, dann hat sie in der modernen Welt einen Gesprächspartner. Die moderne Welt mag nicht zustimmen, sie mag empört und schockiert sein; sie mag Medienkampagnen gegen Einzelpersonen oder die gesamte Kirche starten …

Nichtsdestotrotz zeigt die moderne Welt gerade dadurch, daß sie Ärger, Wut und Unverständnis gegenüber der Morallehre zum Ausdruck bringt, daß sie diese für wichtig hält, und das ist weit entfernt von der einzigen Haltung, die tödlicher ist als Opposition, nämlich Gleichgültigkeit.“

Laut katholischem Verständnis ist die Ehe aufgrund göttlicher Bestimmung unauflöslich. Ist eine Ehe gültig geschlossen, kann sie vom Menschen nicht aufgelöst werden. Wie die Autoren beschreiben, hat die Trennung von Sexualität und Fortpflanzung in der Wahrnehmung vieler Menschen nicht nur das Verständnis für die kirchliche Sexuallehre erschwert, sondern erheblich die moderne Kultur beeinflußt.

Abtreibung, Bindungsunfähigkeit, hohe Scheidungsraten, Frühsexualisierung sind direkte Folgen dieser Mentalität.

Kardinal Kaspers Vorstellungen zu Ende gedacht

Doch die wohl weitreichendste ist die Idee, daß das biologische Geschlecht unwichtig geworden sei: Die Gender-Ideologie „führt einen Bruch zwischen biologischem Geschlecht und sozialem Gender herbei und zieht damit die extremen Konsequenzen aus Simone de Beauvoirs berühmten Worten: ‘Man kommt nicht als Frau zur Welt, sondern wird es.’

Sie leugnet jegliche Bedeutung des sexuellen Unterschieds für die Bildung der eigenen Identität so weitgehend, daß nach Tony Anatrella ‘die Vorstellung der sexuellen Orientierung die Idee der sexuellen Identität vollständig ersetzt und zum Beispiel Homosexualität als Alternative zur Heterosexualität darstellt, was sie in Wirklichkeit nicht ist’ …

Kirche in Augsburg

Es scheint in der Tat so zu sein, daß die Gendertheorie nur in einer Gesellschaft entstehen kann, der jedes Bewußtsein für den Zusammenhang zwischen sexueller Aktivität und Zeugung verlorengegangen ist. Nur in einem derartigen Kontext kann die sexuelle Präferenz wichtiger werden als der Geschlechtsunterschied mit seinem inneren Bezug zur Fruchtbarkeit.“

Wir haben es also mit einer regelrechten „anthropologischen Revolution“ zu tun, in der folgerichtig auch die Mutterschaft und die Vaterschaft verschwinden müssen. Vater und Mutter werden durch die Ausdrücke „Elter 1“ und „Elter 2“ ersetzt.

„Die Genderideologie wurde im Westen in die schulischen Lehrpläne eingeführt, und wenn die Kirche weiter schweigt, dann könnte in ungefähr zwanzig Jahren das ‘Vaterunser’ für fromme, gender-gemainstreamte Ohren anstößig klingen. Es könnte so weit gehen, daß Eltern, die ihren Kindern das Vaterunser beibringen, das Sorgerecht verlieren und ins Gefängnis wandern“, so Juan José Pérez-Soba und Stephan Kampowski.

An solchen Passagen wird die Argumentationsstärke und die Weitsicht der beiden Autoren von „Das wahre Evangelium der Familie. Die Unauflöslichkeit der Ehe: Gerechtigkeit und Barmherzigkeit“ sichtbar.

Die praktische Umsetzung von Kardinal Kaspers Vorstellungen wäre nicht nur eine Schleifung der katholischen Ehe- und Sexualmoral, sondern auch ein ungeheurer Triumph der „Sexuellen Revolution“ mit kaum abzuschätzenden Folgen.

Buch-Daten: Juan José Pérez-Soba und Stephan Kampowski: Das wahre Evangelium der Familie. Die Unauflöslichkeit der Ehe: Gerechtigkeit und Barmherzigkeit, Media-Maria Verlag, geb., 240 Seiten, 19,95 Euro.

Unser Autor Mathias von Gersdorff leitet die Frankfurter Aktion “Kinder in Gefahr” und die Webseite “Kultur und Medien online”

Erstveröffentlichung des Beitrags in der Wochenzeitung “Junge Freiheit”


Brigitta-Gebetsreihe bietet “Verheißungen”: von der Kirche längst abgelehnt

Derzeit verkauft “Kath.shop”, der Vertriebsableger des erscheinungsbewegten Nachrichtenportals “Kath.net”, die sogenannten “Brigitta-Gebete” als Broschüre (siehe Foto) und als Hörbuch noch dazu. Dazu heißt es dort::

Brigitta-Gebete
Fünfzehn Gebete der hl. Brigitta zum leidenden Heiland
Die hl. Brigitta von Schweden – Patronin Europas – erhielt vom Heiland in einer Vision 15 Gebete, mit denen innerhalb eines Jahres seine 5.480 Wundmale verehrt werden können. Die Gebete sind mit zahlreichen Verheißungen für den Beter selbst sowie 15 Verwandte versehen. (Auch als Hörbuch erhältlich)

Allein schon die Merkwürdigkeit, daß von genau 5.480 Wundmalen unseres HERRN die Rede ist, sollte aufhorchen lassen.

Als ob Christus durch Visionen solch überflüssige Neugier, die ja auch in der Heiligen Schrift nicht “gestillt” wird, nachträglich befriedigen würde, indem ER gleichsam die fehlenden biblischen “Fußnoten” nachreicht.

Bereits im 17. Jahrhundert hat die Kirche diese angeblichen “Brigitten-Gebete”, welche der Patronin Europas fälschlich angedichtet wurden, scharf verurteilt.

In späteren kirchenamtlichen Ablaßbüchern wurde die Ablehnung dieser Gebetsreihe bekräftigt, vor allem mit Hinweis auf die geradezu abenteuerlichen und abergläubischen “Verheißungen”, die mit jenen Gebeten verknüpft seien, wobei es bei einer 15er-Gebetsreihe natürlich auch 15 Verwandte sein müssen, die davon angeblich diesseitig bzw. jenseitig profitieren würden… media-390606-2 - Kopie

Typisch für dieses magische Denken, das letztlich die Sakramente verdrängt, ist folgende Behauptung:

“Wenn jemand auch 30 Jahre in Todsünden dahingelebt hätte, sobald er andächtig diese Gebete verrichtet oder sich vornimmt, sie zu verrichten, wird der Herr ihm alle seine Sünden verzeihen und wird ihn gegen alle schlechten Versuchungen verteidigen.”

Von Umkehr, Beichte, guten Werken, zukünftiger Einhaltung der göttlichen Gebote ist mit keinem Wort die Rede. Vielmehr wird hier das protestantische Prinzip “Der Glaube allein macht selig” übernommen und lediglich in neuer Variante serviert: “Diese Andacht allein macht selig!”

Nachzulesen ist dieser theologische Irrsinn z.B. in einer Webseite namens “Lasset uns beten”, wobei der Brigitten-Artikel noch dazu in seiner Einleitung dummen judenfeindlichen Unsinn bietet: http://lasset-uns-beten.blogspot.de/search/label/Brigittengebete

Natürlich ist die dort geäußerte Behauptung, Papst Pius IX. habe diese Brigittengebete angeblich bestätigt und empfohlen, ebenfalls frei erfunden. In Wirklichkeit hat die Kirche durch die Jahrhunderte hindurch offiziell vor diesem abergläubischen Unfug gewarnt.

Näheres dazu haben wir bereits im Jahre 2011 dokumentiert: https://charismatismus.wordpress.com/2011/12/31/%E2%80%9Eabenteuerliche-sonderbarkeiten-und-versprechungen/


Zwischen künstlicher Verhütung und Scheidungsrate besteht ein Zusammenhang

Von Inge Thürkauf     Inge_M._Thuerkauf

„Scheidung ohne Stress, „Scheidung für Eilige, „Scheidung online – Fachkanzlei ermöglicht es.“  – So klingen die Werbeangebote der seit einigen Jahren florierenden Scheidungsindustrie.

Da jede zweite oder dritte Ehe geschieden wird, bedarf es Spezialisten, die diese Krisensituation aufarbeiten. In fast allen Ländern des Westens hat das Geschäft der Scheidungsindustrie ein Übermaß an Aktivität erreicht.

Scheidungsanwälte, Psychocoaches, Heiratsvermittler, Reisebüros, Immobilienmakler einschließlich Konditoren mit Scheidungstorten bieten auf sog. Scheidungsmessen ihre Dienste an.

Es gibt in dieser Branche nichts, was nicht wert ist, vermarktet zu werden. Kann man sich vorstellen, daß noch jemand daran interessiert sein könnte, gebrochene Verbindungen zu heilen und Ehen zu retten?

Auch hier geht es um die Geschichte vom großen Geld, vom Millionengeschäft.

Psychologen und Sozialforscher machen vor allem den gesellschaftlichen Wandel und die völlig veränderten gegenseitigen Ansprüche in der Ehe als Verursacher der in den letzten Jahrzehnten rasant angestiegenen Scheidungszahlen verantwortlich.

Das mag im Einzelnen gesehen nicht falsch sein. Doch Weihbischof Dr. Andreas Laun und seine Mitarbeiter im Referat für Ehe und Familie der Erzdiözese Salzburg sowie seine bischöflichen Mitbrüder Dr. Elmar Fischer und Dr. Klaus Küng gelangten zu einem Ergebnis, das in den Betrachtungen der genannten „Berater“ keine Beachtung findet: der Zusammenhang zwischen künstlicher Empfängnisverhütung und Scheidung. 012_9A

Grundlage ihrer Überlegungen war die Studie der amerikanischen Lebensrechtlerin Mercedes Wilson, die entdeckte, daß Paare, die künstlich verhüten, häufiger in Scheidung enden als jene, die in ihrer Ehe die Natürliche Empfängnisregelung (NER) leben.

Mit Hilfe des Arzt-Ehepaars Walter und Michaela Rhomberg wurde unter den Mitgliedern des Instituts für Natürliche Empfängnisregelung (INER) Vöcklabruck auch im deutschsprachigen Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz und Süd-Tirol) eine Untersuchung durchgeführt, um abzuklären, ob die in Amerika erarbeitete Studie insoweit bestätigt werden kann.

Die Umfrage bezog sich auf die Gründe für die Wahl der Natürlichen Empfängnisregelung (NER) sowie auf die Praxis der Methode, die Zufriedenheit im Familienleben und die Akzeptanz der periodischen Abstinenz.

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Die Sondierung dieses Fragebogens, bei der auch die religiöse Praxis einbezogen wurde, zeitigte erstaunliche Resultate: 61 % bestätigten eine Bereicherung ihrer persönlichen Beziehung zum Partner, 63 % erlebten das Familienleben schöner und glücklicher und 82 % der Befragten beurteilten die periodische Abstinenz als positiv.

Das für die Anwendung der NER sprechendste Ergebnis jedoch ist die Tatsache, daß die Scheidungshäufigkeit in Relation zur religiösen Praxis  –  unabhängig vom Glaubensbekenntnis  –  bei 3 % liegt, bei distanzierter religiöser Praxis allerdings bei 12,5 %.

Doch auch diese Scheidungsrate liegt immer noch deutlich unter den Durchschnitts-Werten der in Frage kommenden Länder (Österreich im Jahre 2007 bei 48 %, Tirol 37 % und Wien bis zu 60 %). Die durchschnittliche Geburtenzahl der befragten Paare liegt bei 3 Kindern.

Die gesammelten Erkenntnisse wurden in einem ansprechenden Band mit dem Titel „Die Dynamik der Liebe“ erfasst, herausgegeben von Weihbischof Dr. Andreas Laun und Mag. Maria Eisl.

Daß über die darin erstellten Gutachten kein Widerhall in den Mainstream-Medien zu finden ist, erstaunt weiter nicht, da über das Wissen um die von Prof. Dr. Josef Rötzer entwickelte sympto-thermale Methode, die nichts mehr gemeinsam hat mit der Knaus-Ogino Rechenregel, weitgehend geschwiegen wird.

Dabei möchte Dr. Rötzer bei dieser Art der Fruchtbarkeitsregelung weniger von einer Methode als von „der eigenen Lebensweise“ sprechen, da durch NER die Möglichkeit gegeben wird, Mann und Frau im Sinne der katholischen Lehre zu einer ganzheitlichen Wahrnehmung und Annahme des Leibes zu führen. ???????

Langjährige Forschungsarbeiten haben gezeigt, daß NER bei sorgfältiger Anwendung ebenso sicher ist wie die “Pille“.

Ein entscheidender Grund des mangelnden Bekanntheitsgrades der NER ist die Dominanz der Pharmalobby, die aus wirtschaftlichen Gründen die zahlreichen gesundheitsschädlichen Nebenwirkungen dieses hochwirksamen Hormonpräparats unterschlägt: wie Thrombosen und Embolien, Infektionen, Demenzentwicklung, sowie ein erhöhtes Krebsrisiko (Brustkrebs, Leber- und Gebärmutterhalskrebs).

Der westliche Mensch pflegt einen oft befremdlichen Gesundheitskult in seinem Trend zur Natürlichkeit. Warum aber wird die Pille, die kein Medikament gegen eine Krankheit ist, sondern ein Mittel gegen die Fruchtbarkeit der Frau, über Jahre hinweg täglich eingenommen?

Überall heißt es „Zurück zur Natur“, doch wenn es um Verhütung geht, ist jedes Mittel recht, selbst wenn es die Gesundheit der Frau ruiniert.

Es ist in unserem aufgeklärten Zeitalter weithin unbekannt, daß die Tage der Fruchtbarkeit selbst bestimmt werden können. Da die Eizelle eine begrenzte Lebensdauer hat, ist nur ein kurzer Zeitraum vorbehalten, in dem der Eisprung stattfinden kann, d. h. wenn die Eizelle nach wenigen Stunden abgestorben, also nicht mehr befruchtungsfähig ist, besteht bis zur nächsten Blutung tatsächlich eine 100-prozentige Unfruchtbarkeit. IMG_1468 (2)

Dem INER liegen 400.000 Zyklen vor, die seit 1956 gesammelt wurden: sie bestätigen, daß in der unfruchtbaren Zeit keine Schwangerschaft zustande gekommen ist.

Ein eigenes Kapitel ist den persönlichen Erfahrungen gewidmet (Seite 18 – 30), in denen Ehepaare in Dankbarkeit über die Zuverlässigkeit der NER-Methode berichten. Hier einige Aussagen:

  • Sie ist eine Lebensweise ohne Nebenwirkungen der Pille…
  • Gibt ein gutes Gesundheitsgefühl ohne Chemie…
  • Die Konsequenzen unseres Handelns werden gemeinsam getragen…
  • Auch der Ehemann wird mit den körperlichen und seelischen Situationen seiner Frau vertraut…
  • Durch die Enthaltsamkeit freute ich mich stärker auf das nächste Beisammensein…
  • In der Zeit der Enthaltsamkeit leben wir von der gegenseitigen Zärtlichkeit…

Was bei den Befragungen immer wieder betont wurde, ist der Schutz der Fruchtbarkeit für die nächste Generation und der Respekt und die Würde vor dem Leben des andern.

Das sexuelle Verhalten vieler Paare wird seit Jahrzehnten durch Verhütung bestimmt, das in der Folge in allen Bereichen der Moral zu einer permissiven Denkweise geführt hat. Die Entwicklung hätte einen andern Verlauf genommen, wenn „der umstrittenste Text der Kirche“ ernst genommen worden wäre: die Enzyklika „Humanae vitae“.

Die Folgen der Verneinung dieses prophetischen Lehrschreibens haben in die uns bekannten Sackgassen geführt: Kontrazeption und Abtreibung  –  und in Weiterführung dieser faulen Früchte zur In-vitro-Fertilisation, Embryonenvernichtung in verbrauchender Embryonenforschung, Präimplantationsdiagnostik (PID) zur Selektion Behinderter und schließlich „assistierte Tötung“ am Lebensende, d. h. Euthanasie.

Am Schluß des Buches findet der interessierte Leser eine Kurzanleitung als Information für Ärzte, sowie wertvolle Erklärungen über die Funktionsweise der sympto-thermalen Methode nach Dr. Rötzer, ebenso Kontaktadressen für den deutschsprachigen Bereich.

Fast ein halbes Jahrhundert ist seit dem Erscheinen von „Humanae vitae“ vergangen. Die Erfahrungen dieser Jahre haben gezeigt, daß die Warnungen und Gefährdungen, von denen Papst Paul VI. einst sprach, in einem kaum erwarteten Maße berechtigt waren.

Daher trifft es zu, was Weihbischof Dr. Andreas Laun in seiner Abhandlung „In der Liebe begründet“ betont:

„Die Abwendung von Verhütung hin zur Natürlichen Empfängnisregelung könnte der Anfang einer neuen, erneuerten Liebesbeziehung werden und Scheidung verhindern,…denn mit Blick auf die Kirchengeschichte gab es noch nie einen günstigeren Zeitpunkt für Katholiken, die Ehelehre der Kirche zu entdecken als heute.“

Unsere Autorin Inge Thürkauf ist katholische Publizistin und Theaterschauspielerin; sie lebt im Schwarzwald


“Die Löwen kommen”: Slowakischer Politiker warnt vor Entchristlichung des Westens

Rezension von Thomas Zimmermanns

Buch-Daten: Vladimír Palko, Die Löwen kommen, fe-Medienverlag, Kislegg, 1. Aufl. 2014, 504 S., 12,80 €, ISBN 978-3-86357-072-9

Der Autor Vladimír Palko, Jahrgang 1957, ist slowakischer Katholik und seit dem Ende der kommunistiscdieloewenkommenhen Herrschaft im Jahr 1989 parteipolitisch tätig. Eine Zeitlang bekleidete er das Amt des slowakischen Innenministers. Seit 2008 ist er Vorsitzender der christlich-konservativen Partei KDS in der Slowakei.

Hauptaussage seines überaus aktuellen Buches ist die Feststellung, dass Christen nicht nur in islamischen und kommunistischen Staaten verfolgt werden, sondern dass sie seit ca. 10 – 15 Jahren auch in zahlreichen Staaten der EU, in den USA und Kanada und anderen westlichen Staaten verfolgt und diskriminiert werden, etwa deshalb, weil sie sich weigern, an Abtreibungen mitzuwirken, ihre Kinder in den staatlichen Sexualkundeunterricht zu schicken oder weil sie Homosexualität öffentlich kritisieren.

Christen, die an den Geboten und Ordnungen Gottes festhalten, würden zunehmend als Feinde des Staates und der Gesellschaft angesehen. Palko bringt hier zahlreiche z.T. schockierende Beispiele v.a. aus Staaten der EU, den USA und Kanada, die er ausführlich darstellt.

Hierauf beruht auch der Titel des Buches: „Haben Sie keine Angst, es wird nur mit einer sanften Verfolgung beginnen. Aber es wird eine Verfolgung sein. Die Löwen kommen“ (S.307). Dennoch müsse man sich nicht davor fürchten.

Er beginnt mit der Feststellung, dass der Kommunismus seit dem Zusammenbruch seiner Herrschaft in den Staaten des ehemaligen Ostblocks nicht tot ist, sondern sich im Neomarxismus fortsetzt und sich dort v. a. in Westeuropa, den USA und anderen westlichen Staaten politisch und gesellschaftlich etabliert hat und v. a. auch maßgeblichen Einfluss auf die Gesetzgebung und Politik der EU hat.40323-90x80

Im Gegensatz zum ursprünglichen Marxismus liege der Schwerpunkt des Neomarxismus nicht auf der Verstaatlichung von Produktionsmitteln und auf der Errichtung einer Diktatur der kommunistischen Partei, sondern auf der Zerstörung der Ordnungen von Ehe und Familie und der Abschaffung christlicher Normen und Ordnungen. Auch die inhaltliche Veränderung christlicher Begriffe sei für unsere Zeit typisch.  

Neomarxismus und Feminismus hätten seit den 60er Jahren zunehmend Politik, Kultur und Medien bestimmt; aufgrund dessen sei in fast allen westlichen Staaten seit Anfang der 70er Jahre die Abtreibung in den ersten Schwangerschaftsmonaten nicht mehr strafbar.

Hinzu komme seit einiger Zeit die Homosexuellenbewegung mit ihrer Zielsetzung, homosexuelle Partnerschaften ethisch anzuerkennen und rechtlich der Ehe gleichzustellen, ihr Verständnis von Sexualität in den Schulen zu lehren und christlich begründete Kritik als „homophob“ zu diffamieren und rechtlich zu untersagen. 20140501 Demo für Alle Banner WordPress

Der politische und gesellschaftliche Widerstand gegen diese Bestrebungen sei zumeist nur relativ gering gewesen. Dies hänge vor allem damit zusammen, dass ein großer Teil der sehr einflussreichen und in zahlreichen Staaten regierenden christdemokratischen und konservativen Parteien in Europa, den USA und anderen Staaten, und zwar vor allem wichtige Spitzenpolitiker, hauptsächlich aus opportunistischen Beweggründen keinen Widerstand geleistet hätten:

„Und so entwickelt sich Europa heute in eine Richtung, an deren Spitze nicht die christlichen und die konservativen Kräfte stehen. … Deshalb verändern nicht sie Europa, sondern Europa verändert sie“ (S. 236).

„Oft haben sich diese Politiker zwischen der Beibehaltung der Macht und der Beibehaltung von Prinzipien entscheiden müssen – und sie haben sich für die Beibehaltung der Macht entschieden“ (S. 238).

Auf die Rolle einiger wichtiger christdemokratischer und konservativer Politiker vor allem in Deutschland, Frankreich, England und den USA geht Palko in diesem Zusammenhang ausführlich ein. Des Weiteren führt er aus, dass sich auch Teile der katholischen Kirche schon seit langem an die vorherrschenden Ideologien angepasst und sich vielfach gleichzeitig auch von der katholischen Glaubenslehre und Ethik abgewandt hätten. christus

In der katholischen Kirche sämtlicher westlicher Staaten gebe es seit langem zwei im Grunde genommen unvereinbare Richtungen, nämlich diejenigen, die an der katholischen Glaubenslehre auch in den Fragen der politischen Ethik festhalten und diejenigen, die diese Lehren ablehnen oder sich mit dem Liberalismus, dem Neomarxismus und dem Feminismus zumindest arrangiert hätten.

Ein ganzes Kapitel (S. 277 – 292) widmet der Autor der unrühmlichen Rolle der Justiz v. a. in den USA, aber auch des EGMR (Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte) bei der Durchsetzung politischer Ziele des Feminismus und der Homosexuellenbewegung und der Einschränkung der Meinungsfreiheit von Christen.

In besonderer Weise geht er auf die politischen, gesellschaftlichen und kirchlichen Entwicklungen in seinem Heimatland, der Slowakei, seit dem Sturz des Kommunismus 1989 ein. In diesem Zusammenhang beschreibt er auch die zunehmende Abkehr der christdemokratischen KDH, der er ursprünglich angehörte, von christlichen Grundpositionen und ihre Öffnung gegenüber liberalen Parteien und Positionen.

Diese Entwicklung veranlasste ihn im Jahr 2008, die Partei zu verlassen und an der Gründung einer neuen Partei mitzuwirken, die an den Grundsätzen christlicher Ethik festhält und weiterhin etwa die Freigabe der Abtreibung und die rechtliche Anerkennung homosexueller Partnerschaften strikt ablehnt. Dass mit solchen Positionen in unserer Zeit auch in der Slowakei keine Wahlen und Mehrheiten mehr zu gewinnen sind, ist Palko dabei völlig bewusst. pc_pi

Im letzten Kapitel entwirft der Autor Grundzüge einer politischen und geistigen Gegenstrategie gegen die liberale Kulturrevolution. Ob es gelingen wird, die christenfeindlichen Tendenzen aufzuhalten und den Übergang der westlichen Welt in christenverfolgende Diktaturen zu verhindern, lässt er dabei offen.

Er warnt die Christen jedoch vor der Anpassung und vor der gleichgültigen Hinnahme dieser Entwicklungen und fordert zum geistigen und geistlichen Kampf auf: „Wir stehen in einer großen kulturellen Wende, die über die Kontinente hinweg stattfindet. Man darf sich nicht mit ihr abfinden und muss sich aber auch nicht vor ihr fürchten“ (S. 498).

Auch wenn dem Buch eine biblische Endzeitperspektive fehlt und manche Ereignisse und Zusammenhänge wohl anders gedeutet werden müssen, gibt dieses Buch sehr aufschlussreiche Einblicke in wichtige europaweite gesellschaftspolitische Fakten und Entwicklungen, die auch unter Christen weithin unbekannt sind.

Schon aus diesem Grund ist das Buch als Informationsquelle sehr zu empfehlen. Und die Forderung des Autors an die Christen, sich nicht anzupassen und auch nicht zu schweigen, sondern den Glauben zu bekennen und für Gottes Gebote und Ordnungen auch öffentlich einzutreten verbunden mit der Bereitschaft, dafür auch schwere Nachteile wie Rufmord, Isolation und selbst strafrechtliche Verfolgung in Kauf zu nehmen, gewinnt von Jahr zu Jahr immer größere Bedeutung.  

Auch wenn die Zeit, in der wir leben, eine „schlimme Zeit“ (2 Tim 3,1) ist, so ist sie immer noch Gnadenzeit. Das wichtigste Anliegen für die Glieder der Gemeinde Jesu muss es deshalb sein, dazu beizutragen, dass in dieser Zeit so viele Menschen wie möglich durch das Blut Jesu Christi Vergebung ihrer Sünden finden und für die Ewigkeit gerettet werden.

Unser evangelikaler Autor Thomas Zimmermanns ist Jurist und Buchautor; er lebt in Köln.


Der Sadomaso-Kinofilm “Fifty Shades of Grey” verharmlost sexuelle Gewalt

Von Dr. med. Edith Breburda

Jeder in den USA kennt den “Valentine’s Day” (Valentinstag). Gleich nach dem 25. Dezember schalten die Geschäfte um und verkaufen alles Vermarktbare in Herzform.    Dr. Breburda
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Am Valentinstag  2015 lief auch der Film: “Fifty Shades of Grey” in den Kinos an.
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2004 war Mel Gibson’s “Passion of the Christ” (Die Passion Christi) ein Bestseller-Film. 83 Millionen Dollars brachte er zwischen Aschermittwoch und dem ersten Fastensonntag ein. Dieser Film, der nun 11 Jahre als Favorit des Monats Februar galt, verliert seine Stellung.
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Im Jahr 2015 wird es voraussichtlich der Film “Fifty Shades of Grey” von E.L. James sein, der die Kinokassen füllt. Sogar für die linke US-amerikanische Zeitung Huffington Post war das Buch zum Film schlecht. Den Menschen scheint das egal zu sein, für sie wird er der Blockbuster.

Sadomaso: Psychische Störungen nicht mehr krankhaft?

Früher bezeichnete jeder rational denkende Mensch die Praktiken des BDSM (bondage-discipline, dominance-submission & sadism-masochism), die sexuellen Faktoren von Hörigkeit und Disziplin, Dominanz und  Unterwürfigkeit, Sadismus und Masochismus als psychische Störung.
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Die Zeiten haben sich geändert. Heute beschreibt die neueste Ausgabe des Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM), welche die Amerikanische Psychiatrische Gesellschaft herausgibt, solche Erscheinungen nicht mehr als krankhaft abnorm.
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Bischof Richard Malone von Buffalo und Erzbischof Dennis Schnurr von Cincinnati verurteilen den Film, weil er sexuelle Handlungen erniedrigend darstellt. Sie machen die Öffentlichkeit über die Lehre der Kirche bezüglich  sexueller Intimität, die ihren Platz in der Ehe hat, aufmerksam.

Gegenstück mit alternativer Filmromanze

Statt einem direkten Protest drehte der Filmproduzent Rik Swartzwelder den alternativen Film “Old Fashioned”. Der Film lief auch am Valetinstag 2015 in den Kinos an.
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Er beschreibt die platonische Beziehung zwischen Amber, die neu in eine Stadt kommt und ihrem neuen Vermieter Clay. Clay hatte sich geschworen, nie alleine mit einer Frau zu sein, es sei denn mit seiner Frau, falls er jemals heiraten sollte.
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Die ganze Stadt scheint über dieses Gelübde von Clay Bescheid zu wissen. Die Bewohner versuchen, Amber zu waKleidung USArnen, nicht ihre Zeit damit zu verschwenden, Clays Absonderlichkeiten zu ändern. Amber zerstört absichtlich Dinge in ihrem Apartment, um Clay zum Richten zu holen.
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Schließlich willigt Clay in ein Date (Treffen) ein, nur damit er nicht mehr weiterhin Dinge reparieren muss. Clay versucht nun, Amber auf die alte Weise zu erobern. Amber, die schon viele zerbrochene Verbindungen hinter sich hat, findet das sehr charmant, obwohl ihre Freunde meinen, es würde nicht funktionieren.
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Swartzwelder sagt: “Ich wollte eine romantische Geschichte beschreiben, die jedem Single passieren könnte, denn ich kenne eben Leuten, die nicht dem Diktat der sexuellen Revolution folgen“. [1]

Hollywoods sadomasochistische Filme

2012  wurde das Buch Fifty Shades of Grey, eine Trilogie, die eine sadomasochistische Beziehung mit einem glücklichen und zufriedenen Ende zeigt, zum weltweiten Bestseller. Eine feministische Journalistin,  Maureen Dowd von der New-York Times, versuchte dieses Phänomen zu erklären.
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Sie schrieb damals, es sei verwunderlich, “warum Frauen so begeistert von einer Geschichte sind, bei der sich ein unschuldiges, ungebildetes, aber hübsches Mädchen in einen superreichen Sadisten aus Seattle verliebt.”
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Der Film repräsentiert die Evolution der Pornographie in einer Zeit, die weit von der biblischen Vision über Sexualität und menschliche Würde entfernt ist. Die Gesellschaft hat die Scham vor dem verloren, was nur als explizit pornographisch beschrieben werden kann.

Die Normalisierung eines zerstörerischen Verhaltens

Das zeigt sich auch in den noch nie dagewesenen hohen Verkäufen des Buches. Früher wären die Handlungsabläufe in “Fifty Shades of Grey als pervers definiert worden. Heute zelebrieren die Medien den Film. Popkornessend verfolgen die Leute, wie die Sexual-Moral auf Pornographie reduziert wird. Fifty Shades
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Christen glauben, Gottes Schöpfung ist gut, wahr und schön. Die Wahrheit hat nichts mit Häßlichkeit zu tun. Der Versuch, das Gute, Wahre, Schöne von der Wahrheit zu trennen, ist unmöglich und sündhaft.
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Unsere menschliche Würde basiert darauf, dass wir nach dem Bild eines liebenden und barmherzigen Gottes geschaffen sind. Die Korruption der Sexualität ist ein Verbrechen gegen die menschliche Würde. Der Versuch, Pornographie als schön und gut zu bezeichnen, zeigt, wie sehr wir unser Schamgefühl verloren haben [2].
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Das erotische Drama von E.L. James wurde mehr als 36 Millionen mal in der ersten Woche seiner Herausgabe bei YouTube angeklickt. Diese Neuigkeit sollte uns nicht überraschen, da mehr als 100 Millionen Bücher von “Fifty Shades of Grey verkauft wurden.

Gewalttaten werden als sexy verkauft

Katholiken, Psychiater, Opfer von Sexualverbrechen und häuslicher Gewalt stehen dem Film äußerst skeptisch gegenüber. Ein Zentrum , das den sexuellen Missbrauch untersucht, ruft auf, den Film zu boykottieren.
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Der Film sollte nicht angeschaut werden und das Eintrittsgeld sollte lieber Opfern von häuslicher Gewalt  gespendet werden. Kritiker bitten die Kinos, den Film nicht zu zeigen. 
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Gewalttaten werden als sexy verkauft. Es sei ok, wenn Frauen geschlagen, angekettet und ausgenutzt werden“, erläutert Mary Anne Layden, Psychotherapeutin und Direktorin des Sexual Trauma und Psychopathologischen Programms der Universität von Pennsylvania.
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Wissenschaftler untersuchen die Auswirkungen, die ein solcher Film hat:
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Es ist gefährlich, ein Verhalten, das Familien und Leben zerstört, als normal dazustellen. Wenn man sexuelle Gewalt verherrlicht, signalisiert man die Botschaft, dass Frauen es lieben, geschlagen zu werden“, sagt Layden.
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Wenn so etwas erlaubt wird, regt man weitere derartige Verhaltensweisen an. Es ist eine Einladung, Frauen zu mißbrauchen und außereheliche Verhältnisse zu haben. Prostitution und Pornographie werden nicht nur zunehmen, sondern als ganz selbstverständlich angesehen.”
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Tagtäglich behandelt Layden Sexualopfer in ihrer Praxis:
Sich davon zu erholen, ist nicht leicht. Der Film endet mit der Hochzeit des Paares. Auf diese Weise kann man keine Psychopathen, wie den Bräutigam in dem Film, kurieren.
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Es wird in dem Film so einfach dargestellt. Er schlägt sie, um dafür ihre Liebe als Gegenleistung zu erhalten. Heute versuchen wir, sexuelle Übergriffe an den Universitäten einzudämmen und  über  sexuelle Beziehungen mit Minderjährigen aufzuklären. Der Film verherrlicht jedoch gerade dieses Verhalten, anstatt es zu verurteilen.
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Der Blog: “A Parent‘s Survival Guide to Fifty Shades of Grey” von Dr. Miriam Grossman, einer Kinder- und Erwachsenen-Psychiatrin, verbreitet sich rasant im Internet. Sie schreibt:
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Der Film wird viel Verwirrung stiften. Man weiß am Ende nicht mehr,  was eine gesunde emotionale sexuelle Beziehung ausmacht. Der Titel alleine sagt es ja schon. Alles ist grau, anstatt schwarz oder weiss.
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Das Verhalten von Christian Grey ist in der einen oder anderen Form kontrollierend, manipulativ und abusiv. Aber der Film und das Buch vermitteln die Botschaft, es sei okay, von Zeit zu Zeit so zu sein. Es gibt Menschen, die so etwas tun und bei ihnen wird es sogar als gut angesehen. Junge Leute vergessen dabei, dass der Film ihrem Wohlergehen  erheblich schadet“, schreibt sie in ihrem Blog.
Sadomasochistische Filme sind zwar eher selten, dieser Film pflanzt jedoch die Saat des Zweifelns, ob Frauen weiterhin den üblichen Formen des Missbrauchs widersprechen sollen.

Bischöfe warnen vor dem Film

Die katholischen Bischöfe fragen sich, warum die Amerikaner sich solch einen verheerenden Film gefallen lassen?
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Warum unterstützen wir eine Industrie, welche Frauen zum Objekt sexueller Gewalt machen?”, fragt Bischof Paul Loverde von Arlington, VA.
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Die Unterhaltungsindustrie bezeichnet den Film nicht als pornographisch, da sie die Verwicklung von Sex und bischofGewalt als normal deklariert. Wir müssen unsere Leute über die zerstörerische Botschaft dieses Films informieren. Aber auch über die Schönheit einer liebevollen Beziehung zwischen Mann und Frau nach dem Plan Gottes“, schrieb der Bischof am 4. Februar in einem Brief an seine Katholiken. Die Presse fragte daraufhin, ob Katholiken sich diesen Film nun ansehen werden, was die Mehrheit verneinte.
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Erzbischof Samuel Aquila aus Denver bemerkt:
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Die Idee des Films ist, dass körperliche, emotionale und psychologische Ausbeutung akzeptabel sei. Gott wünscht sich hingegen, dass jeder von uns Liebe empfangen und geben darf. Wir sollen nicht zu Opfern der Gewalt werden.
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Von Natur aus ist unser Körper so geschaffen, diese Liebe durch unser Handeln zu kommunizieren. Das Buch von Papst Johannes Paul II, Theologie des Leibes, fördert und erhöht die wahre Würde des Menschen. Es ist so das Gegenmittel für minderwertige Sexualität, welche die säkulare Kultur propagiert.”

Viele Frauen sind begeistert

Warum sind jedoch so viele Frauen von dem Buch und nun auch vom Film begeistert, fragen sich Journalisten. Joseph Heschmeyer, ein Student des North American Colleges in Rom, versucht eine Antwort zu geben:
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Es könnte der ungestillte Hunger nach Maskulinität und Führerschaft eines Mannes sein, den Frauen sich wünschen. Die moderne Idee der Geschlechtsneutralität hat Männer entmutigt, ihre Rolle als Verteidiger und Beschützer der Familie wahrzunehmen.
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Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Frauen zufriedener sind, wenn die traditionelle Rolle der Arbeitsteilung in einer Familie aufrecht erhalten wird.
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Die unterdrückte Rolle des Mannes läßt unsere Fantasie mit uns durchgehen. Fifty Shades verherrlicht den Psychopathen Christian Grey. Das hilft nicht die Verwirrung und den Schmerz zu adressieren, der durch den Geschlechter-Krieg entstanden ist.”

Beunruhigende Widersprüche

Die Medien verhalten sich widersprüchlich.  Sexuelle Vergehen werden einerseits angeprangert, zur gleichen Zeit jedoch wird dieser Film glorifiziert. Die Film-Industrie und der Kommerz machen jedenfalls mit dem Film über eine erniedrigende und toxische Beziehung ein Riesengeschäft.
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Die EWTN-Radiomoderatorin Teresa Tomeo ist entsetzt, dass auch viele Katholiken das Buch gelesen haben und sich den Film ansehen wollen: “Die Leute missachten, was die Kirche über Pornographie sagt“.
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Erst als Teresa Tomeo das Thema in ihrer Sendung ansprach, merkten die Zuhörer, dass es falsch war, das Buch zu lesen. Maureen Dowd, die sich als  sex-positive Feministin bezeichnet, sagte, der Film würde sie dazu ermächtigen, Sex als Spielzeug und Vergnügen anzusehen:
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Sind wir doch ehrlich, kann man wirklich allen Ernstes sagen, so ein Film verleiht Macht? Dann kann man doch auch behaupten, Kokain stärkt. Die wahre Macht, lateinisch  “virtus”, bedeutet fähig zu sein, alles zu geben, um nach der Wahrheit zu suchen, welche dich wirklich glücklich macht“, erklärt die Autorin Dawn Eden, die mehrere Bücher über Kindermissbrauch und Keuschheit geschrieben hat [3].  
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Quellenangaben:
[1] Ives D. “Old fashioned! offers Polar opposite of “Fifty shades of Grey”. Aleteia, 13. Feb. 2015
[2] Mohler A.: 50 Shades of Grey isn’t just an evil movie- it’s the next stage in the evolution of porn. LifeSiteNews, 13. Feb. 2015
[3] Desmond J. F.: Fifty Shades of Grey’s meets target. NCRegister, 14. Feb. 2015
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Unsere Autorin Dr. med. Edith Breburda ist Bioethik-Expertin und Veterinär-Medizinerin (Tierärztin); sie lebt in den USA (Bundesstaat Wisconsin).
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Fotos: E. Breburda (1,2), Universal-Pictures (3), IGFM (4), Dr. Pelz (5), Archiv

Wegweisender Sammelband zum Dauerbrenner “Ehe und Kommunion”

Rezension von Felizitas Küble

Die folgende Besprechung erschien in der Zeitschrift „Theologisches“ (Nr. 1-2/2015):

Rudolf Voderholzer (Hrsg). Zur Seelsorge wiederverheiratet Geschiedener. Dokumente, Kommentare und Studien der römischen Glaubenskongregation. Mit einer Einleitung von Joseph Ratzinger / Benedikt XVI. / 116 Seiten, 14 × 22,5 cm, Broschur, € 9,90, Echter-Verlag, ISBN 978-3-429-03760-4. index

Erschienen in der Reihe „Römische Texte und Studien“, hrsg. von Bischof Prof. Dr. Gerhard L. Müller, Band 6, erstmals in deutsch als 2. erweiterte Auflage 2014 (Erstauflage in lateinischer Sprache bei Libreria Editrice Vaticana 1998)

Dieser inhaltsreiche Sammelband, der bereits 1998 im vatikanischen Verlag und nun im September 2014 (und damit noch vor der römischen Familiensynode) in erweiterter Form erstmals auch in deutscher Sprache beim Echter-Verlag erschienen ist, bietet wesentliche Grundlagen für eine theologisch solide Sicht jenes Dauerbrenners, der auch auf der außerordentlichen Bischofssynode im Oktober 2014 kontrovers debattiert wurde:

Sollen geschiedene „Wiederverheiratete“ zum Tisch des HERRN zugelassen werden?

Herausgeber der Dokumentation ist Prof. Dr. Rudolf Voderholzer, der bis zu seiner Ernennung als Bischof von Regensburg im Herbst 2013 als Dogmatiker in Trier lehrte. Er verfaßte zudem das Geleitwort, dem ein Vorwort von Tarcisio Bertone folgt (damals Sekretär der römischen Glaubenskongregation); es stammt noch aus der Zeit der vatikanischen Erstauflage von 1998.

Deutlich umfangreicher gestaltet sich sodann eine thematische Einleitung von Papst-Emeritus Benedikt XVI. bzw. Joseph Ratzinger aus seiner Amtszeit als Präfekt der Glaubenskongregation. Darin faßt der frühere Pontifex die Lehraussagen der Kirche zum erwähnten Thema in übersichtliche Thesen zusammen und geht zugleich auf die häufigsten Einwände ein, die er beantwortet und widerlegt.

Das Buch enthält als wichtiges Dokument das vom 14.9.1994 datierte Schreiben der Glaubenskongregation an die Bischöfe der katholischen Kirche, danach folgen erläuternde Kommentare und Studien einzelner Theologen zu dieser seit Jahrzehnten anhaltenden Debatte, die angesichts der Familiensynode in Rom wieder verstärkt aufgeflammt ist.

„Nicht hinter bereits gewonnene Einsicht zurückfallen“

Bischof Rudolf Voderholzer (siehe Foto) schreibt in seinem Geleitwort, es sei angebracht, die bewährten Dokumente der Glaubenskongregation wieder in Erinnerung zu bringen „und damit der Gefahr vorzubeugen, hinter bereits gewonnene Erkenntnisse und Einsichten zurückzufallen“.  borMedia1840101

Zur lehramtlichen Verkündigung über Ehe, Familie und Fruchtbarkeit gehört sicherlich auch die „umstrittene“ Enzyklika „Humanae Vitae“, deren Wert und Bedeutung von nachdenklicher Seite angesichts des modernen Hedonismus zunehmend erkannt wird.

Der Regensburger Oberhirte schreibt im Hinblick auf die für 2015 geplante ordentliche Familiensynode im Vatikan, diese werde „den zu Unrecht so oft verkannten, epochalen, weil prophetischen Beitrag“ von Papst Paul VI. „neu würdigen und für die aktuelle Lehrverkündigung fruchtbar machen“.

Gott lieben und seine Gebote halten

Abschließend zitiert der Bischof das Bibelwort und erinnert an den Beistand des Heiligen Geistes für die Kirche und die Christgläubigen, „damit wir auch heute seine Gebote halten und ihn lieben können, denn das ist unsere große Berufung als getaufte Christen: Christus lieben und seine Gebote halten.“

Der bischöfliche Herausgeber verfaßte sein Geleitwort sinnigerweise am 24. Juni 2014, dem Hochfest der Geburt von Johannes dem Täufer, der bekanntlich wegen seines unbeugsamen Eintretens für die göttlichen Gebote – gerade im Hinblick auf die Ehelehre – im Auftrag von König Herodes enthauptet wurde.

Papst-Emeritus Benedikt erwähnt in seiner Einleitung die „tiefe Krise“, in der sich Ehe und Familie in vielen Ländern befinden. Allerdings sei die Kirche schon „seit den Zeiten der Apostel“ mit vielfachen „Schwierigkeiten in der Ehepastoral konfrontiert“. Dabei habe man sich aber auch in der Patristik „wie selbstverständlich“ an Christi Lehre von der Unauflöslichkeit der Ehe gehalten. 

Hinsichtlich der orthodoxen Praxis, welche eine Zweit- oder gar Dritt-Ehe erlaubt, schreibt der Verfasser: „Die orthodoxen Kirchen des Ostens betonten das Prinzip der oikonomia, der gütigen Nachsicht in schwierigen Einzelfällen, was allerdings eine fortschreitende Aufweichung des Prinzips der akribia, der Treue zur geoffenbarten Wahrheit, mper ebayit sich brachte“ (S.13).

Außerdem erwähnt Benedikt XVI. mit Berufung auf „Gaudium et spes“ (47-52), daß das 2. Vatikanische Konzil die kirchliche Ehelehre „vertieft und in einer mehr personalistischen Sichtweise vorgelegt“ habe.

Dabei räumt der Verfasser ein: „Aufgrund der Konzilsoption, die Wahrheit positiv zu verkünden, kamen Schwierigkeiten und Probleme weniger zur Sprache.“ – Er fügt freilich hinzu: „Allerdings lehrt das Konzil, dass die Ehescheidung die Würde von Ehe und Familie entstellt (ebd. 47) und mit der ehelichen Liebe unvereinbar ist (ebd. 49)“ (S.14).

Allerdings kümmert sich die Kirche gleichwohl „als Mutter und Lehrmeisterin auch um Gläubige in irregulären Situationen“. Freilich darf diese Fürsorge und Seelsorge nicht auf Kosten der göttlichen Gebote und der von Christus selbst eingesetzt Sakramente gehen.

Deshalb erwähnt der Autor, daß die Glaubenskongregation in ihrem an die Bischöfe gerichteten Schreiben vom 14.9.1994, „die an sich bekannte Wahrheit und Praxis der Kirche“ von neuem „eingeschärft“ habe, um „pastoralen Missbräuchen entgegenzuwirken“ (S.16).

Die Kirche ist an Christi Lehre gebunden

Für Papst-Emeritus Benedikt besteht jedenfalls kein Zweifel: „Die wiederverheiratet geschiedenen Gläubigen befinden sich in einer Situation, die der Unauflöslichkeit der Ehe widerspricht“ (S.17). DSC05485

Eben deshalb ist die Kirche als Leib Christ an ihr Haupt, den göttlichen Erlöser, gebunden und darf hinsichtlich der Ehe weder willkürlich lehren noch handeln, zumal es bei der christlichen Ehe nicht allein um ein göttliches Gebot geht (6. Gebot), sondern um ein heiliges Sakrament und damit um die christliche Heilsordnung für die Gläubigen.

Die „pastorale Praxis“ darf sich von dieser unabdingbaren Voraussetzung keineswegs ablösen. Daher schreibt Benedikt XVI: „Die Kirche glaubt, dass niemand – nicht einmal der Papst – die Macht hat, eine sakramentale und vollzogene Ehe aufzulösen.(…) Eine neue zivile Verbindung kann das vorausgehende sakramentale Eheband nicht lösen.“ (vgl. CIC, can.1141)“ (S.17).

Gleichwohl betont der Autor, daß wiederverheiratet geschiedene Katholiken keineswegs exkommuniziert sind, selbst wenn ihnen der Tisch des HERRN verwehrt ist; sie bleiben „Glieder des Volkes Gottes und sollen die Liebe Christi und die mütterliche Nähe der Kirche spüren“, denn sie sind „nicht von der kirchlichen Gemeinschaft ausgeschlossen“ – freilich unter der Voraussetzung, daß sie „den christlichen Glauben bewahren“ (S. 17).

Benedikt zitiert zur Konkretisierung das nachsynodale Schreiben „Familiaris consortio“ von Papst Johannes Paul II., wonach jene Katholiken keineswegs zur Passivität bzw. einem randständigen kirchlichen Dasein verurteilt seien, sondern vielmehr „berufen sind, aktiv am Leben der Kirche teilzunehmen, insofern dies mit ihrer objektiven Situation vereinbar ist“.

Diese Gläubigen dürfen nicht nur, sondern „sie sollen ermahnt werden, das Wort Gottes zu hören, am heiligen Messopfer teilzunehmen, regelmäßig zu beten, die Gemeinde in ihren Werken der Nächstenliebe und Initiativen zur Förderung der Gerechtigkeit zu unterstützen, die Kinder im christlichen Glauben zu erziehen und den Geist und die Werke der Buße zu pflegen, um so von Tag zu Tag die Gnade Gottes auf sich herabzurufen“ (S.18). abtei-ettal-startseite_01

Mit Recht betont der Verfasser sodann, daß „die Teilnahme am kirchlichen Leben nicht einfach auf die Frage des Kommunionempfangs reduziert werden“ dürfe, wobei er in diesem Kontext auch die „geistliche Kommunion“ erwähnt, die den geschieden-wiederverheirateten Gläubigen empfohlen wird (S.19).

Deren Nichtzulassung zum Tisch des HERRN liegt, so Papst-Emeritus Benedikt, neben dem offensichtlich doktrinellen Grund auch ein pastorales Motiv zugrunde, wobei er sich erneut auf „Familiaris consortio“ beruft: „Ließe man solche Menschen zur Eucharistie zu, bewirkte dies bei den Gläubigen hinsichtlich der Lehre der Kirche über die Unauflöslichkeit der Ehe Irrtum und Verwirrung“ (S.19).

„Viele andere Situationen“ hindern am Kommunionempfang

Die Debatte über den pastoralen Umgang mit „geschieden Wiederverheirateten“ leidet oftmals an einer gewissen Einseitigkeit, insofern diese Personengruppe allein im Focus steht. Leicht wird dabei verdrängt, daß allen Gläubigen der Zugang zum Tisch des HERRN verwehrt ist, die sich im Zustand der schweren Sünde befinden.

Hier rächt sich nun die bedauerliche Tatsache, daß in der kirchlichen Verkündigung vor Ort äußerst selten darüber gepredigt wird, daß allein jene Gläubigen, die sich im „Stand der Gnade“ befinden, zur hl. Kommunion zugelassen sind.

Hierzu schreibt Benedikt XVI. sehr realistisch und treffend: „Freilich – und dies ist in der Kirche weithin vergessen – gibt es auch viele andere Situationen, die einem würdigen und fruchtbaren Kommunionempfang im Weg stehen. In Predigt und Katechese müsste dies wieder viel mehr und deutlicher zur Sprache kommen. Dann könnten auch die wiederverheiratet geschiedenen Gläubigen ihre Situation leicht verstehen“ (S.20). christus

Wie sehr die Kirche versucht, dieser Personengruppe entgegenzukommen, so weit dies mit sakramententheologischen und pastoralen Prinzipien noch vereinbar ist, zeigt sich auch angesichts der Tatsache, daß jene zivil Verheirateten zu den Sakramenten zugelassen sind, die gleichsam „platonisch“ zusammenleben:

„Wenn wiederverheiratete geschiedene Gläubige sich trennen bzw. wie Bruder und Schwester leben, können sie zu den Sakramenten zugelassen werden“ (S. 22).

Die kirchlich erwünschte Lösung in einer solch „irregulären“ Lebenssituation ist zweifellos die Trennung der Partner, aber „wenn dies aus ernsthaften Gründen, zum Beispiel wegen der Kindererziehung, nicht möglich ist, müssen sie sich vornehmen, vollkommen enthaltsam zu leben.“

Auch hier beruft sich Papst-Emeritus Benedikt auf „Familiaris consortio“ (FC 84). – Er fügt hinzu: „Mit Hilfe der alles überwindenden Gnade und ihres entschiedenen Bemühens soll sich ihre Verbundenheit immer mehr in ein Band der Freundschaft, der Wertschätzung und der Hilfsbereitschaft verwandeln“ (S. 22).

Betroffene sollen ihre Hoffnung nicht verlieren

Gleichzeitig betont der Verfasser hinsichtlich jener Betroffenen, denen eine solch platonische Beziehung nicht gelingt: „Die wiederverheirateten geschiedenen Gläubigen dürfen niemals die Hoffnung verlieren, das Heil zu erlangen“ (S. 23). - Er erwähnt, die Kirche vertraue fest darauf, daß jene Gläubigen, „die sich vom Gebot des Herrn entfernt haben“, von Gott die „Gnade der Umkehr“ erhalten können, sofern sie „ausdauernd geblieben sind in Gebet, Buße und Liebe“ (S. 23).

Foto: E. Gründler

Foto: E. Gründler

In ihrer gesamten Lehre und Pastoral ist die Kirche auf den Willen Christi verwiesen, weil unser Heiland die Unauflöslichkeit der Ehe so glasklar eingeschärft und diese gottgewollte Verbindung überdies zum Sakrament erhoben hat:

„Mit dem Kommen des Erlösers wird also die Ehe in ihrer schöpfungsgemäßen Ur-Gestalt wieder hergestellt und der menschlichen Willkür entrissen – vor allem der männlichen Willkür, denn für die Frau gab es ja die Möglichkeit der Scheidung nicht. (…) Nur so kann die Ehe der gottgegebenen Berufung zur Liebe und der menschlichen Würde voll gerecht werden und zum Zeichen der unbedingten Bundesliebe Gottes, d.h. zum Sakrament werden (vgl Eph 5,32)“ (S. 25).

Dabei ist die Natur-Ehe von Nichtchristen zwar ehrenwert und grundsätzlich gottgefällig, aber kein eigentliches Sakrament: „Die sogenannte Naturehe hat ihre Würde von der Schöpfungsordnung her und ist daher auf Unauflöslichkeit angelegt, kann aber unter Umständen eines höheren Gutes – hier des Glaubens – wegen aufgelöst werden“ (S.25).

Freilich beschränkt sich das Ehe-Sakrament keineswegs auf Katholiken, sondern erstreckt sich auf „zwei Getaufte“. Hierzu schreibt Papst-Emeritus Benedikt, daß „nur Ehen zwischen zwei Getauften Sakrament im strengen Sinn des Worte sind und dass für diese im Raum des Christusglaubens stehenden Ehen die unbedingte Unauflöslichkeit gilt“ (S. 25).

An diesen Willen des Ewigen bleibt die Kirche Christi für immer gebunden – und es ist ein erfreuliches und aktuell besonders notwendiges Verdienst dieses Sammelbandes, jene zeitlose Wahrheit von neuem ins Gedächtnis zu rufen. Die weiteren kirchlichen Dokumente und die fundierten Beiträge präzise argumentierender Theologen untermauern dieses Glaubensfaktum auf überzeugende Weise.

Felizitas Küble leitet das Christoferuswerk, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt


27. Internationale Buchmesse vom 8. bis 12. Februar 2014 in Jerusalem

Die 27. Internationale Buchmesse in Jerusalem wird in einigen Tagen eröffnet:

Vom 8. – 12. Februar bringt die Messe hunderte Autoren, Verleger, Buchhändler und Literaturexperten aus aller Welt zusammen. Auch in den kulturellen Einrichtungen der Umgebung werden parallel zur Messe Diskussionen und Lesungen auf Englisch, Französisch, Italienisch, Deutsch und Hebräisch stattfinden, etwa in der Jerusalemer Cinemateque, in Mishkenot Sha`ananim und im The Khan Theater.

BILD: Der albanische Autor Ismail Kadare (Foto: MFA)  

Der Eintritt zur Messe und zu allen angeschlossenen Veranstaltungen ist frei. Zu Ehren des Jubiläums der deutsch-israelischen diplomatischen Beziehungen wird in diesem Jahr eine „Hidden Wall“ aufgebaut. Die zwei Meter hohe Konstruktion setzt sich aus über 5000 Holzblöcken zusammen, auf denen sich Zitate bedeutender deutscher Philosophen, Musiker, Politiker und Akademiker finden.

Die Besucher sind aufgefordert, ihr Lieblingszitat als Memento mit sich zu nehmen. Die Idee für die Hidden Wall stammt von dem deutschen Architekten Professor Werner Sobek, der damit einen interkulturellen Dialog zwischen Israel und Deutschland schaffen will.

Seit ihrer Gründung im Jahr 1963 wurden auf der alle zwei Jahre stattfindenden Jerusalemer Buchmesse schon Verleger aus über 20 Ländern weltweit begrüßt, und wurden zehntausende Bücher in dutzenden Sprachen vorgestellt. Die Messe ist gleichermaßen Handelsplatz und Geschäftsforum, wie auch ein Fest der Literatur, das die internationale Literaturwelt mit der literarischen Szene Israels verbindet.

Den mit 10.000 Dollar dotierten Buchpreis der Messe erhält in diesem Jahr der albanische Autor und Menschenrechtler Ismail Kadare. Jerusalems Bürgermeister Nir Barkat wird den Preis in einer festlichen Eröffnungszeremonie im YMCA-Gebäude überreichen.

Auf der bilateralen Webseite finden Sie aus Anlass der Buchmesse ein Interview mit Tobias Voss, dem Leiter für Internationale Märkte der Frankfurter Buchmesse.

Am Rahmenprogramm zum Thema der deutsch-israelischen Beziehungen sind die deutsche Botschaft in Israel, die S. Fischer-Stiftung und das Goethe-Institut Israel beteiligt.

Quelle: israelische Botschaft in Berlin


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