Werden laut Bibel alle Gläubigen geheilt?

Von Felizitas Küble

Am 24. Juni 2019 veröffentlichte das charismatisch orientierte Nachrichtenportal „Kath.net“ ein Interview mit dem evangelischen Heilungsprediger Chris Gore; er ist leitender Pastor der pfingstlerischen Bethel-Gemeinde in Kalifornien: http://www.kath.net/news/68336

In dem Gespräch geht es  – typisch für dieses schwarmgeistige Spektrum – natürlich darum, daß es angeblich eine göttliche Verheißung sei, alle Kranken zu heilen.

Prediger Gore versteigt sich dabei zu der Behauptung, fehlende Heilungen lägen u.a. an einer „schlechten Theologie“ – und er schildert dann, was er damit meint:

„Wir beten als Christen Gebete wie „Gott, wenn es dein Wille ist, dass sie geheilt wird…“

Schlechte Theologie?

Im Vaterunser hören wir es aber anders  – und das Gebet des HERRN ist mit Sicherheit eine gute Theologie: „Dein Wille geschehe!“

Als Christus auf dem Ölberg vor seinem Leidensweg stand, betete er: „Vater, laß diesen Kelch an mir vorübergehen, aber nicht mein, sondern Dein Wille geschehe!“

Doch Bethel-Pastor Gore pflegt seine eigene Bibelkunde und kontert wie folgt: „In Jakobus 5,15 heißt es, dass das gläubige Gebet den Kranken retten und der Herr ihn aufrichten wird.“

Mit dieser Stelle aus dem NT begründet übrigens die katholische Kirche das Sakrament der Krankensalbung.

Allerdings bedeutet „aufrichten“ keineswegs automatisch eine körperliche Heilung, vielmehr geht es vor allem um das Heil der Seele, um die helfende Gnade Gottes für den Leidenden, damit er seine Krankheit im Hinblick auf das Kreuz Christi besser ertragen kann.

Bei dem Wort „retten“ steht  aus biblischer Sicht erst recht nicht die äußere Genesung im Mittelpunkt, sondern die Rettung der Seele.

Sodann erzählt der euphorische Pfingstprediger den Kath.net-Lesern folgendes: „Ich glaube also nicht, dass Gott im Himmel sitzt und entscheidet, wen er heilen wird und wen nicht. Im Wort Gottes heißt es, dass Jesus alle unsere Sünden und unsere Krankheiten auf sich genommen hat.“

Die alttestamentliche Messiasverheißung aus Jesaja 53 derart verstiegen auszulegen, als ob Gott damit die Heilung aller Krankheiten versprochen hätte, ist völlig unhaltbar.

Das wußten auch die Apostel sowie der Völkermissionar Paulus, die viele Menschen in der Kraft und Vollmacht Christi geheilt haben, aber beileibe nicht alle.

Paulus empfiehlt jedenfalls seinem Mitarbeiter Timotheus, er möge nicht nur Wasser, sondern auch „ein wenig Wein trinken um deines Magens willen und weil Du oft krank bist“ (1 Tim 5,23). Es handelt sich hier um einen vernünftigen Ratschlag, nicht um eine Wunderheilung.
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In 2 Tim 4,20 heißt es: „Erastus blieb in Korinth, Trophimus aber ließ ich in Milet krank zurück.
Paulus hat also einen Gläubigen krank zurückgelassen, ihn somit gerade nicht geheilt.
Als der Völkermissionar einst selber vom Leiden gezeichnet war (es wurde ihm, wie er schrieb, „ein Stachel ins Fleisch gestoßen“), flehte er den HERRN dreimal um Heilung an (2 Kor 12,1 ff):
.„ER aber antwortete mir: Laß Dir an meiner Gnade genügen; denn sie erweist ihre Kraft in der Schwachheit.“
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DAS ist die wahrhaft christliche Haltung, wie sie uns das Vaterunser und Christi eigenes Beispiel lehrt: DEIN WILLE geschehe! – Laß Dir an meiner Gnade genügen!
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Mit anderen Worten: Natürlich kann der Allmächtige die Kranken heilen, aber wichtiger als „Heilung“ ist das HEIL und die Rettung, die uns in Christus geschenkt wurde.
 

Vergleich von „Ruhen im Geist“ und Shaktipat: eine „Geisttaufe“ auf hinduistisch

Von Felizitas Küble

Seit gut dreißig Jahren befasse ich mich kritisch mit charismatischen Ansichten und Phänomenen, vor allem mit dem weit verbreiteten „Ruhen im Geist“, das im amerikanischen Raum als „Slain in the Spirit“ bezeichnet wird: Erschlagen(sein) im Geist. 

Dieser Ausdruck trifft den Sachverhalt besser als die deutsche Übersetzung „Ruhen im Geist“, denn die Betreffenden fallen bei diesem Geschehnis meist „wie erschlagen“ in Trance nach hinten, manchmal auch vorwärts oder seitlich bzw. sie sacken in sich zusammen. Deshalb bezeichne ich diesen Vorgang anschaulicher als „Hammersegen“.

Jedenfalls können sich die Betroffenen gleichsam wie ohnmächtig eine Zeitlang nicht mehr bewegen oder sie geraten in Ekstase, sprechen mit unverständlichen Lauten und es kommt zum „Toronto-Segen“, also solchen Manifestationen wie dem „Lachen im Geist“ (zwanghaftes Gelächter), Weinen oder Zittern im Geist, sie schütteln sich ständig usw.

Dieser Vorgang geschieht in der Regel direkt nach der Handauflegung oder sonstigen Segenshandlung eines charismatischen „Heilungspredigers“, Star-Evangelisten usw.

„Geist-Ausgießung“ oder Energie-Übertragung?

Von pfingstlerischer Seite wird das „Ruhen im Geist“ als eine Geisttaufe bzw. Ausgießung des Hl. Geistes gedeutet und als Zeichen dafür verstanden, daß der Gläubige nun einen spirituellen „Durchbruch“ erlebt hat, der ihn für die außergewöhnlichen „Geistesgaben“ öffnet und mit Geist-Erfahrungen erfüllt.

Das Interessante ist freilich, daß es genau diese körperlich-seelischen Erscheinungsformen auch in fremden Religionen gibt, z.B. im Schamanismus, im Spiritismus, im Voodoo-Kult und vor allem im Hinduismus. Damit wollen wir uns nun etwas näher befassen:

In der Yoga-Tradition wird dabei von Shaktipat gesprochen, was übersetzt in etwa „Kraftladung“ bedeutet – und gemeint ist damit „das Herabsteigen göttlicher Energie“ – so schreibt es z.B. diese hinduistische Webseite: https://wiki.yoga-vidya.de/Shaktipata

Weiter heißt es: „Beispielsweise durch den Segen eines Meisters kann die göttliche Energie, die Shakti im Schüler aktiv werden.“

Diese kosmische Energie wird auch Kundalini genannt und gerne als Schlange (auf dem Rücken bzw. der Wirbelsäule) dargestellt. Das Wort Kundalini kommt aus dem Sanskrit und bedeutet „gewunden, gerollt“.

Angeblich ruht diese Energie nach alter Hindu-Lehre wie eine zusammengerollte Schlange im Kreuzbein eines jeden Menschen; sie kann durch Yoga-Erfahrungen, Mantras, Visionen oder enthusiastische Glücksgefühle nach oben erwachen.

Durch die Segnung eines Guru wird nun seine „spirituelle“ Kundalini-Erfahrung auf den Schüler übertragen bzw. in diesem selbst erweckt und verstärkt.

Dazu schreibt die erwähnte Yoga-Webseite: „Oft wird Shaktipat auch als Übertragen der Energie vom Guru auf den Schüler bezeichnet…Wichtig für Shaktipat ist es, sich voll auf die Energie eines Meisters einzustimmen. Dies kann durch Opfergaben, Meditation oder auch Seva passiern.“

Auf diesem Blog eines Yoga-Lehrers  – http://www.tantra-tradition.de/10.html  – heißt es dazu:

„Nicht zuletzt besitzt ein tantrischer Guru die Fähigkeit, bestimmte Energien direkt zu übertragen und die Kanäle des Schülers für bestimmte Energiephänomene zu öffnen, wenn dieser dazu bereit ist…Dieses Phänomen nennt man Shaktipat“.

In der aufschlußreichen Biographie „Der Tod eines Guru“ (siehe Foto) berichtet ein hoher Hindu-Meister über seine Bekehrung zum Christentum.

Rabindranath R. Maharaj beschreibt darin aus seiner eigenen Erfahrungswelt, wie die Anhänger eines „erleuchteten“ Meisters in Trance auf den Rücken hingeworfen werden bzw. umsinken, wenn dieser ihnen die Hände auflegt, ihre Stirn berührt oder durch sonstige Gesten seine „Energie“ überträgt.

Unter dem Wort „Shakti-Pat“ wird in dem Buch erklärt: „Bezeichnet die Berührung des Guru, gewöhnlich seiner rechten Hand an der Stirn des Anbetenden, die übernatürliche Wirkungen hat…Durch Verabreichung des Shakti Pat wird der Guru zum Kanal der Urkraft, der kosmischen Kraft, welcher das ganze Universum zugrunde liegt…Die übernatürliche Wirkung des Shakti durch die Berührung des Guru kann den Anbetenden zu Boden werfen, oder er kann ein helles Licht wahrnehmen und eine innere Erleuchtung oder eine sonstige mystische oder psychische Erfahrung machen.“

Der evangelische Autor Dr. Kurt Koch berichtet, daß dieser Ex-Guru Maharaj nach seiner Bekehrung an einer charismatischen Veranstaltung in London teilnahm: Alle ca. zweihundert Presonen fielen nach der „Segnung“ um, nur einer blieb stehen – er selber!  (Quelle siehe letzter Abschnitt hier: http://www.schriftenmission.de/index.php?id=436)

Es mag für manche verblüffend sein, wie zum Verwechseln ähnlich diese beiden Phänome aussehen und wirken:

Sei es im Hinduismus das spiritistisch anmutende Shaktipat oder in der Charismatischen Bewegung das Ruhen im Geist, der „Hammersegen“, das „Erschlagenwerden im Geist“ – angeblich eine spirituelle Erfahrung.

Wer den Vergleich auch rein praktisch beoachten will, der kann unter diesem Stichwort googeln: DE 0:00 / 0:14 Live recording of INTENSE SHAKTIPAT TRANSMISSION

So gelangt man zu diversen Shaktipat-Videos: Schon das erste Youtube-Beispiel zeigt „Fälle“ von Guru-Anhängern, die bei einer Handauflegung bzw. „Segnung“ ihres Meisters umfallen, in Trance geraten, vor Ekstase zittern und beben, teils liegend, teils sitzend, teils in merkwürdigen Verrenkungen.

Der Toronto-Segen: Shaktipat auf charismatisch

Gleichartiges geschieht beim charismatischen Rückwärtsfallen bzw. dem „Toronto-Segen“ (der Name bezieht sich auf Toronto in Kanada, weil es dort bei einer charismatischen „Erweckung“ zu schwarmgeistigen Manifestionen kam).

Zum Thema Toronto-Segen heißt es auf Wikipedia hinsichtlich der „beobachteten Reaktionen“, es seien u.a. „folgende Phänomene“ verstärkt aufgetreten:

„Umfallen, was als Ruhen im Geist gedeutet wird  –  Lachen oder Weinen, das dem Heiligen Geist zugeschrieben wird; euphorische Zustände  – Zungenreden – Zittern – Schütteln  – außergewöhnliche Bewegungen und Laute unterschiedlicher Art, z. B. Tierlaute  –  lautes Schreien, das als Ausfahren böser Geister gedeutet wird – Ohnmachten –  lähmungsähnliche Erscheinungen.“

Weitere hilfreiche Infos lesen Sie hier  – verfaßt von einer evangelische Anti-Sekten-Stelle: http://www.relinfo.ch/toronto/info.html

Schon bei den ersten kollektiv-charismatischen Erfahrungen in Deutschland Anfang des 20. Jahrhunderts (beginnend in evangelischen Gemeinschaften in Kassel) wurden genau diese Phänomene beschrieben; die Tumulte damals führten dazu, daß sogar die Polizei eingreifen und für Ruhe sorgen mußte.

Dies war der Startschuß für die hiesige Pfingstbewegung, die sich dann immer weiter ausbreitete und heute weltweit viele hundert Millionen Menschen erfaßt. 

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt


Spiritueller Missbrauch in der charismatischen Jugend-Gemeinschaft „Totus Tuus“?

Von Felizitas Küble

Unter dem Titel „Geistlicher Missbrauch bei Totus Tuus?“ berichtet die neue Juni-Ausgabe der „Herder-Korrespondenz“ aus Freiburg über Beschwerden von Aussteigern wegen sektenähnlicher Strukturen und religiösem Fanatismus bei dieser Bewegung. Auch das „Neue Ruhr-Wort“ berichtet aktuell darüber.

Die Jugend-Initiative „Totus Tuus“ gehört zu den sog. „Neuen geistlichen Gemeinschaften“, ist eng mit Medjugorje verbunden und versteht sich als „charismatisch“ und „marianisch“. Man fühlt sich dabei besonders der „Neu-Evangelisierung“ verpflichtet.

Solidarisch ist diese Gruppierung auch mit dem charismatisch-ökumenischen „Gebetshaus Augsburg“ und dem von dort initiierten „Mission Manifest“.

BILD: Medjugorje ist das Ziel der meisten Totus-tuus-Wallfahrten

Die Gemeinschaft von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die 1997 entstand, veranstaltet seit Jahrzehnten Pilgerfahrten zum Erscheinungsort Medjugorje in Bosnien-Herzegowina.

Da die dortigen Phänomene kirchlich nicht anerkannt sind, tröstet man sich gerne mit dem Hinweis bzw. der Ausflucht, die Anerkennung der Marienerscheinungen sei gleichsam durch das „Gottesvolk“ vonstatten gegangen – wie eine Art Abstimmung mit den Füßen. Damit wird das kirchliche Hirtenamt in diesem Punkt letztlich durch die eigene Anhängerschar verdrängt.

Wir haben uns bereits zur Entstehungszeit unseres CHRISTLICHEN FORUM im Sommer 2011 skeptisch mit „Totus tuus“ befaßt: https://charismatismus.wordpress.com/2011/06/21/%e2%80%9etotus-tuus%e2%80%9c-feiert-medju-jubilaum-in-heroldsbach/

Zuvor hatte ich ausführliche Telefonate und Gespräche mit Totus-Mitgliedern geführt und (vergeblich) versucht, sie von ihrer Erscheinungsfixiertheit abzubringen und Schwärmer-Phänomene wie das sog. „Ruhen im Geist“ (charismat. „Hammersegen“, Rückwärtskippen in Trance) kritisch zu durchleuchten. (Näheres dazu hier: https://charismatismus.wordpress.com/2019/05/30/wie-eine-charismatikerin-die-geisttaufe-bei-alan-ames-und-totus-tuus-erlebte/)  

Laut Herder-Korrespondenz werfen ehemalige Mitglieder dieser Gemeinschaft nunmehr vor, bereits als Jugendliche von ihren Familien isoliert und seelisch-spirituell unter Druck gesetzt worden zu sein. Auch von „blindem Gehorsam“ und religiösem Leistungsdruck ist die Rede.

BILD: Der Paulus-Dom von Münster, in dem die Gruppe „Totus Tuus“ jahrelang ihre Gebetsabende im Beisein des Bischofs gestaltete.

„Totus Tuus“ (das lateinische Wort heißt übersetzt „Ganz Dein“ und bezieht sich auf Maria) ist auch in der Diözese Münster aktiv und kirchlich anerkannt.

Die Gemeinschaft schreibt dazu auf ihrer Webseite: „Aus einer lockeren Gruppe ist ganz langsam eine verbindliche Gemeinschaft gewachsen, die an Ostern 2004 als eine private Vereinigung von Gläubigen diözesanen Rechts durch den damaligen Bischof von Münster, Reinhard Lettmann, kirchlich anerkannt wurde.“

Die Gruppe durfte z.B. allgemeine Gebetsabende und Jugend-Andachten im Paulus-Dom mitgestalten, an denen der Bischof mehrfach persönlich teilnahm. Als Geistlicher Beirat fungierte Weihbischof Christoph Hegge, der früher allgemein für die „neuen geistlichen Gemeinschaften“ zuständig war.

Seit einiger Zeit läuft nun aufgrund der Vorwürfe ehemaliger Mitglieder eine amtliche kirchliche Visitation der Gruppe im hiesigen Bistum, die nächstes Jahr abgeschlossen sein soll. (Näheres hier: https://www.kirche-und-leben.de/artikel/aussteiger-werfen-gruppe-totus-tuus-geistlichen-missbrauch-vor/)

HINWEIS: Wir warnen seit Jahrzehnten vor dem pastoralen (seelsorglich-geistlichen) Missbrauch durch schwärmerisch-fanatische Gemeinschaften.  – Hier finden Sie weitere 27 Artikel (Erlebnisberichte, Analysen, Rezensionen) zu genau dieser Thematik: https://charismatismus.wordpress.com/category/geistlicher-pastoraler-missbrauch/


So läuft eine charismatische Ehe-Therapie…

Von Felizitas Küble

Die evangelisch-charismatische Zeitschrift  „Charisma“ ist für schwarmgeistige Verhältnisse noch erstaunlich nüchtern. Extreme Verstiegenheiten werden im allgemeinen vermieden. Neben enthusiastischen Artikeln gibt es auch lebenspraktische Beiträge oder Reportagen aus Israel bzw. sonstigen Weltgegenden.

Trotzdem kommen die typisch charismatischen Merkmale immer wieder zum Vorschein – und sie sind umso bemerkenswerter, gerade weil das vierteljährlich erscheinende Magazin sich gerne etwas intellektuell und alltagsnah präsentiert.

So finden wir in der Ausgabe 3/2018 einen Bericht über einen charismatischen Ehe-Workshop. Es geht also um die Heilung und Verbesserung ehelicher Beziehungen  – das Seminar nennt sich LAM (Love after Marriage = Liebe nach der Heirat).

LAM geht auf die pfingstlerisch-amerikanische Bethel-Gemeinde zurück, die von Starprediger Bill Johnson und seiner Frau geleitet wird. Wir haben über die mehr als sonderbaren Praktiken in dieser Megagemeinde bereits zwei Artikel veröffentlicht: https://charismatismus.wordpress.com/?s=bill+johnson

Nun ist es natürlich ein ehrenwertes Anliegen, sich um die Therapie von Eheproblemen zu kümmern oder gesunde Ehen  noch gesünder hinzukriegen.

Keine seelische Intimsphäre in der Ehe?

Allerdings zeigt sich bereits hier wieder die typisch charismatische Neigung zu Verstiegenheiten:

Im Artikel „Tiefer verbunden“ (S. 25) wird dazu aufgefordert, „keine Geheimnisse voreinander zu haben“. Begründung von Pastor Martin Heidenreich: „Eine Beziehung ohne Offenheit ist keine echte.“  – Wenn also ein Ehepartner nicht komplett alles ausplaudert, ist die Beziehung „keine echte“?

Zudem wird darauf verwiesen: „Das Ehepaar im Paradies ist für mich ein Bild dafür, ohne Scham äußerlich und innerlich voreinander nackt zu sein. Das ist Gottes Muster für unsere Ehe.“

Hat der LAM-Seminarleiter schon einmal etwas vom Sündenfall gehört? Mit seiner „Logik“ könnten wir heute noch splitterfasernackt herumlaufen, Versuchungen diesbezüglich gab es schließlich im Garten Eden auch nicht. Also alles paletti?!

Durch den Sündenfall ist aber der Mensch moralisch und spirituell geschwächt, grundsätzlich anfällig für die Sünde, daher gibt es als eine Art Schutzwall für ihn sein angeborenes Schamgefühl  – nicht nur fürs Ankleiden, sondern auch für die seelische Intimsphäre.

Natürlich öffnen sich die Eheleute voreinander weitaus mehr als gegenüber Freunden, Verwandten oder Kollegen. Aber es ist schwärmerisch gedacht, dabei völlig auf jede „innere Scham“ zu verzichten und seine Persönlichkeit gleichsam komplett „auszuziehen“.

Weiter heißt es in einer Weise, die auch aus einer gruppendynamischen Sitzung oder Selbsterfahrungs-Stuhlrunde stammen könnte: „Zunächst gilt es, Blockaden aufzuspüren: Schuld, Festlegungen, Ängste sowie Ballast aus der Familienvergangenheit.“

Eheliche Sexualität: „In der Woche zwier….“ – ?

Wie könnte es anders sein bei soviel eingeforderter „Offenheit“ – es folgt diese Klarstellung: „Hohe Priorität hat das Thema Sexualität.“

Die Gruppenleitung vermittelt den Ehepaaren die rechte Lust: „Außerdem gibt es die Hausaufgabe, zweimal pro Woche sexuell aufeinander zuzugehen.“

Die evangelische Zeitschrift denkt hierbei wohl an den alten Luther-Spruch: „In der Woche zwier – schadet weder ihm noch ihr.

Nur ist diese hausbacken wirkende „Weisheit“ so klug nun auch wieder nicht, weil ein Paar mit Anfang 20 das wohl anders empfindet als eines, das auf die Fünfzig zugeht  – oder noch ältere Semester. Zudem hängt die Angelegenheit auch von der bisherigen Dauer der Ehe ab, von den Temperamenten und sonstigen Befindlichkeiten der Eheleute.

Einen solch fraglichen Ratschlag dann auch noch als „Hausaufgabe“ aufzugeben, wirkt womöglich alles andere als „therapeutisch“. Sex als Leistungsanforderung ist normalerweise kein Ehe-Heilrezept, sondern bewirkt eher das Gegenteil.

Warum Weniger MEHR bedeutet

Zudem besteht mit Luthers Spruch die Gefahr der Gewohnheit und Banalität, was zu sexuellem Überdruß und damit Unlust führen kann – einmal abgesehen davon, daß das Judentum schon wissen wird, warum es – wenngleich im Kontext kultischer Reinheitsregeln – gut zwei Wochen pro Monat eine eheliche Enthaltsamkeit vorsieht.

Dasselbe gilt übrigens (zudem bei einem fast identischen Zeitraum nach der Periode) für die Natürliche Empfängsregelung, wie sie gläubige Katholiken praktizieren. Diese Art der Familienplanung ist nicht nur komplett gesund und kostenlos, sondern dient auch einer bleibenden frischen Spannung in der Ehe und einer menschenwürdigen Sexualität mit gegenseitiger Rücksichtnahme und vernünftigen Verzichtsphasen, welche die Vorfreude steigern.

Also genau umgekehrt wird ein Schuh draus: Statt „in der Woche zwier“ hilft es der Ehe, zwei Wochen pro Monat enthaltsam zu sein!

Gläubige jüdische und katholische Ehepaare haben hier die Nase vorn!

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt


Maria 2.0 in der Pfarrei St. Liudger zu Münster

Von Felizitas Küble

Wer kennt nicht das Sprichwort: „Wenn das schon am grünen Holze geschieht, wie wird es erst dem dürren ergehen?“  –  Es handelt sich übrigens – wie bei vielen Redensarten und Spruchweisheiten – um ein Bibelwort, sogar um eine Aussage Christi (vgl. Lk 23,31).

Und so reibt sich der kirchentreue Münsteraner verwundert die Augen, wenn er feststellt, daß die radikal-feministische Initiative Maria 2.0 nicht etwa nur in den „reformkatholischen“ Gemeinden erfolgreich zugange ist, sondern siegreich teils auch in jenen Pfarreien gelandet ist, die als eher konservativ gelten.

Nun geht die „frauenbewegte“ Aktion ursprünglich auch von Münster aus – genauer: von der Kirchengemeinde Heilig-Kreuz, die seit Jahrzehnten für ihren strammen Modernistenkurs bekannt ist.

Doch auch im Pfarrblatt von St. Liudger (Münster-West), das vier Gemeinden zusammenfaßt, war die Kampagne „Maria 2.0“ offenbar der totale Renner, obwohl Pfarrer Timo Weissenberg der charismatischen Gruppe „Emmanuel“ angehört, die sich „spirituell“ und eher konservativ präsentiert, allerdings in kirchenpolitischen Streitfragen gerne „vornehm“ zurückhält.

Nun erwartet niemand von besinnlichen Gebetskreisen, daß sie sich in kirchliche Auseinandersetzungen aktiv einbringen; der fromme Stuhlkreis mag ihnen näher liegen.

Gerade deshalb hätte der erstaunte Leser gerne gewußt, warum ausgerechnet in diesem Pfarrgemeinde-Verbund mit ihrer Emmanuel-Prägung ein derartiger Siegeszug von „Maria 2.0“ möglich ist?

Die Pfarrnachrichten vom 11. bis 19. Mai kommen aus dem Jubel um diese Aktion gar nicht mehr heraus. Schon auf der ersten Seite weist Pastoralreferentin Anne Bußmann  – farblich hervorgehoben und zentral plaziert  – ausführlich den Weg in Richtung „Päpstin“.

Die kirchliche Angestellte erwähnt, der stellv. Vorsitzende der Dt. Bischofskonferenz wolle über ein Diakonat für die Frau nachdenken. Doch für die Pastoralreferentin ist das „keine Ermutigung, sondern ein Schlag ins Gesicht“.  – Wie bitte?

Ganz einfach: Die Dame kennt nur „alles oder nichts“, sie fordert „Gleichberechtigung für sämtliche Ämter“ in der Kirche – also Priesterweihe sowieso, aber auch Bischofsweihe und Papstamt.

Auf Seite 2 darf dann auch der Pfarrer zu Wort kommen –  aber nicht so ganz im Sinne der Gleichberechtigung, denn er erhält nur halb so viel Platz für seine Ausführungen.  Allerdings will (oder „darf“) er dabei nicht über das heiße Eisen Maria 2.0 schreiben, geschweige gar Frau Bußmanns Kanonendonner korrigieren.

Aber nein, der gute Mann aus der Bewegung „Emmanuel“ läßt sich mit Brosamen abspeisen und erzählt der Gemeinde vom ersten bis zum letzten Satz allerlei über die „Umbaumaßnahmen fürs Pfarrzentrum“.

Klar doch: Die großen Zukunftsfragen der Kirche regelt Frau Bußmann – und der Herr Pastor kümmert sich ums Kleingedruckte.

In diesem Sinne bzw. Unsinne geht das bei den „Nachrichten aus den Gemeinden“ weiter vonstatten. Natürlich die erste Meldung wieder einmal Maria 2.0, denn die die Bücherei St. Pantaleon in Roxel erklärt sich mit der Chose solidarisch und schließt in der Aktionszeit ihre Pforten.

Zusätzlich werden alle Interessierten zur zentralen „Mahnwache“ auf den Domplatz (!) eingeladen, bei der die Kirchen-Emanzen sich hingebungsvoll ihrer mentalen Klagemauer widmen.

Auch die Pfarrei St. Anna in Mecklenberg möchte dabei nicht als Schlafmütze gelten, weswegen die Gemeindeschäflein während der Messe mit den Sonder-Stellungnahmen von vier Personen aus dem Maria-2.0-Kreis behelligt werden. Auch nach der Messe geht es mit den „Statements“ munter weiter.

In St. Stephanus (Aaseestadt) wird mitgetreilt: Die Frauen der Gemeinde nehmen an der Aktion „Maria 2.0″ teil….Wir wollen NICHT, dass die Kirche SO bleibt, wie sie ist.“

Man beachte: „Die“ Frauen  – es werden somit alle weiblichen Gläubigen der Pfarrei für diese Initiative vereinnahmt.

Und genauso läuft es auch in vielen Medien: Es wird der irreführende Eindruck erweckt, als vertrete diese Aktion „die“ Katholikinnen in Deutschland, die jetzt quasi den Aufstand proben.

Da tröstet es wenig, wenn im erwähnten Pfarrblatt für die „offenen Abende“ der Gemeinschaft Emmanuel geworben wird. Es gehe darum, so heißt es, den eigenen Glauben „noch mehr in Verbindung mit dem alltäglichen Leben zu bringen.“

Wie wäre es, wenn dabei auch eine Brücke zum Glauben der Kirche gebaut würde? Oder geht es nur um die fromme Nabelschau und das gemütliche Zusammensein unter Gleichgesinnten, wo einem garantiert kein rauher Wind ins Gesicht weht?

Eben dieser Eindruck entsteht auch angesichts der Tatsache, daß Pfarrer Weissenberg eine Woche zuvor in seinem Gemeindeblatt einen windelweichen Eiertanz in puncto Maria 2.0 vollzog, ohne sich inhaltlich eindeutig festzulegen, aber mit viel Verständnis für diese rebellische Aktion.

 


Charismatische Sonderlehren verkünden „Proklamationen“ statt Bittgebete

Von Felizitas Küble

Als die Jünger an Christus die Bitte richteten: „HERR, lehre uns beten!“, verkündete ER ihnen das Vaterunser, zweifellos das bedeutsamste Gebet der Weltgeschichte. 

Dabei fällt auf, daß das Gebet des HERRN mindestens zur Hälfte aus Bitten besteht, nämlich jene um das tägliche Brot, jene um Vergebung der Schuld, um Erlösung von dem Bösen, auch um Bewahrtwerden vor Versuchungen.

Damit hat Christus das Bittgebet –  neben dem Lob- und Dankgebet – gewissermaßen legitimiert, in sein Recht gesetzt.

Als Geschöpfe stehen wir ohnehin ständig als „Bittende“ vor dem ewigen Gott, wir sind angewiesen auf unseren Schöpfer. Durch Bitten und Flehen bringen wir dies aufrichtig und demütig zum Ausdruck.

Nun gibt es aber eine andersgeartete Glaubenshaltung, die vor allem in charismatischen Kreisen oder auch in religiösen Sondergruppen wie z.B. den Adventisten verbreitet ist.

Dort wird das traditionelle christliche Bittgebet durch „Proklamieren“ ersetzt oder zumindest an den Rand gedrängt. Ein Beispiel hierfür bietet das bekannte Pfingstler-Ehepaar Dr. Derek und Ruth Prince aus England. 

Die beiden protestantischen Autoren, die in der Charismatiker-Szene seit Jahrzehnten viel gelesen werden, haben dem Thema sogar eine eigene Schrift gewidmet: „Gebete und Proklamationen“ (siehe Foto).

Im Grunde geht es dabei durchweg ums Proklamieren, was dann als „Gebet“ verstanden wird, obwohl es dies allenfalls in einem weitgefaßten Sinne ist.

Was ist also damit gemeint?

Wir sollen  – so diese Sonderlehre   –   als Gläubige statt üblicher Bittgebete vielmehr die Verheißungen Gottes schlichtweg „in Anspruch nehmen“ und diese Zusagen „proklamieren“.

„Und führe uns nicht in Versuchung…“

Das ist eine verstiegene Form des „Glaubens“, die letzten Endes Gott auf die Probe stellen und die Erfüllung seiner Zusagen gleichsam herbeireden möchte – eine geradezu beschwörende Form des „Betens“.

Davor hat aber schon Christus gewarnt, als ER vom Satan in der Wüste versucht wurde und ihm entgegenhielt: „Du sollst den HERRN, Deinen Gott, nicht versuchen!“

Natürlich präsentiert sich diese Mentalität  bei Charismatikern meist bezogen auf den Heiligen Geist und seine „Segnungen“, die man „in Anspruch nehmen“ sollte; bei der protestantischen Pfingstbewegung gerne garniert mit Hinweis auf „biblische Verheißungen“, die teils direkt so verstanden werden, als ob sich jedes Bittgebet erübrigt, denn was Gott doch ohnehin zugesagt habe, brauche man doch nicht mehr eigens zu erflehen. 

Man spricht in der Religionswissenschaft hierbei von einer Spiritualität der Anamnese (Vergegenwärtigung), wonach wir die Heilsversprechen des Himmels nicht etwa erbitten, sondern „proklamieren“, ausrufen, als gleichsam „schon geschehen“ betrachten sollen.

Gebet und „Segnung“ werden direkt verknüpft, beides als hier und heute gegenwärtig angesehen. Aus dem Gebet wird eine „Verkündigung“, Gottes Zusagen gilt es zu proklamieren.

Genau so läuft das auch bei Derek und Ruth Prince. In der Einleitung der Schrift heißt es bereits: Das Gebet der Christen bestehe aus PROKLAMATION – LOBPREIS  – DANKSAGUNG.

Das Bittgebet kommt gleich gar nicht vor, obwohl uns Christus dies im Vaterunser sehr wohl gelehrt hat.

Der Stab des Moses als „Wunderwaffe“ für die Christen….?

Die Verheißungen Gottes werden wie eine Art „Zauberstab“ oder Wunderwaffe gehandhabt, wobei der Stab des Moses als „biblische“ Begründung herhalten muß, denn mit diesem Stab habe er die Zauberer Ägyptens besiegt:

„Wenn Sie Ihr unbegrenztes [!] Potential verstehen lernen, dann können Sie Ihre Bibel so gebrauchen wie Moses seinen Stab, um Gottes Autorität in jede Situation hineinzusprechen, in der Satan dem Volk Gottes und den Zielen Gottes entgegensteht.“

Typisch verstiegen: „Gottes Autorität in jede Situation hineinsprechen“, die IHM entgegensteht.

Dazu paßt es, daß Derek Prince weiter schreibt:

„Während der vergangenen drei Jahren standen Ruth und ich in einem fortwährenden Kampf gegen Satan, der uns und unserem Dienst auf vielerlei Weise entgegenstand. Sein Hauptziel war es gewesen, Ruth zu töten. In dieser Situation lehrte uns der Heilige Geist, wie wir die Bibel als unseren Stab gebrauchen können, um damit Gottes Autorität auf jedem Gebiet anzuwenden, in dem Satan uns widersteht“ (S. 4/5).

Das Verbreiten von Dramatik („Ruth zu töten“) gehört ebenso zum schwarmgeistigen Lager wie das ständige Erwähnen von Finsternismächten. Anscheinend braucht man dort die dunkle Folie, damit das Licht  –  oder soll man sagen: der „Stab“  – des eigenen Glaubens umso heller erstrahlt.

Die im Grunde dreiste Art, den Allmächtigen gleichsam mit seinen Verheißungen (so wie man diese versteht….) zu konfrontieren, wird natürlich in eine fromme Wolke gehüllt: „Zuerst PROKLAMIEREN [im Original groß geschrieben!] wir die zutreffende Bibelstelle mit kühner, unerschütterlicher Zuversicht“ (S. 5).

Sehr „kühn“ ist das gewiß  – und in diesem hochfliegenden Stil geht es munter weiter:

„Um dabei die bestmögliche Wirkung zu erzielen, personalisieren wir oft die Stelle, die wir zitieren, indem wir alle notwendigen grammatikalischen Veränderungen vornehmen, um die Stelle für uns persönlich anwenden  zu können. Wenn die Bibelstelle z.B. lautet „ihr“, dann ändern wir sie in „ich“ oder „wir.“  

Wenn also Christus etwa seinen Aposteln verheißen hat, der Heilige Geist werde sie „in alle Wahrheit einführen“, dann nehmen diese Charismatiker das einfach für sich „in Anspruch“ und proklamieren das Ergebnis vorweg:

„Der zweite Schritt besteht darin, die Schriftstelle, die wir als Wahrheit proklamiert haben, für uns anzunehmen, noch bevor wir ihre tatsächliche Auswirkung in der jeweilige Situation erleben.“

GOTT hat gewissermaßen keine andere Chance, als das, was die frommen Damen und Herren „proklamieren“, auch gefälligst zu erfüllen, handelt es sich doch angeblich um seine höchst-eigenen „Verheißungen“ – freilich betrachtet durch die Brille charismatisch gefärbter (Miß-)Verständnisse….

 


Die St.-Johannes-Gemeinschaft ist mit Sexaffären ihres Gründervaters belastet

Von Felizitas Küble

Anfang der 70er Jahre entstanden in Frankreich einige katholisch-charismatische Bewegungen und ordensähnliche Kongregationen, darunter die „Gemeinschaft der Seligspreisungen“, die Gemeinschaft Emmanuel und die Gemeinschaft vom Hl. Johannes (nicht zu verwechseln mit der „Johannesgemeinschaft“, einem Priesternetzwerk, das Kardinal Urs von Balthasar gründete).

Alle drei Vereinigungen haben Ableger in deutschsprachigen Ländern.  

Zwei von ihnen hängen in ihrer Gründungsphase eng zusammen mit der französischen „Stigmatisierten“ und Visionärin Marthe Robin, nämlich die „Gemeinschaft der Seligpreisungen“ und die St.-Johannes-Gemeinschaft bzw. die „Brüder vom Hl. Johannes“. 

Genau in diesen beiden Kongregationen sind sowohl der jeweilige Gründervater wie auch führende Ordensbrüder in Sex- und Missbrauchs-Skandale verstrickt, die von diesen Gemeinschaften auch mehr oder weniger reumütig eingeräumt werden.

Merkwürdige Rolle der „Seherin“ Marthe Robin

Man fragt sich, warum die angeblich so hochbegnadete „Seherin“ Marthe Robin, die doch vieles für die Zukunft „prophezeite“, beidesmal die jeweiligen Gründer gleichsam im Namen Gottes (da von ihrem visionären Jesus befohlen…) dazu aufforderte, eigene Gemeinschaften zu gründen.  

Über einige ihrer endzeitschwärmerischen „Botschaften“ haben wir vor sieben Jahren berichtet: https://charismatismus.wordpress.com/2012/08/22/initiative-kinder-von-medjugorje-kundigt-phanomenale-geistausgiesung-fur-frankreich-an/

Derzeit ist die St.-Johannes-Gemeinschaft durch eine Film-Dokumentation in ARTE (Thema: missbrauchte Nonnen) wieder ins Gerede gekommen. Sogar die erscheinungsbewegte, charismatische Seite „Kath.net“ hat sich dazu entschlossen, jetzt zweimal über die Sexaffären des Gründerpaters Marie-Dominique Philippe (siehe Foto) zu berichten: http://www.kath.net/news/67185

Pater Philippe gehörte bis zu seinem Tod im Jahr 2006 dem Dominikanerorden an und war ein gelehrter Philosoph und Universitäts-Professor. Er gründete zugleich  – mit Erlaubnis seiner Oberen – besagte Kongregation „vom heiligen Johannes“, einen männlichen und zwei weibliche Zweige. Die Ordensbrüder sind mehrheitlich Priester. 

BILD: Französische Biographie über Marthe Robin

Papst Benedikt ermahnte die Kongregation allerdings bereits 2006 zu größerer Sorgfalt bei der Aufnahme neuer Mitglieder. Zehn Jahre später kritisierte der Vatikan die „verdächtige Nachsichtigkeit“ dieser Gemeinschaft bei sexuellen Übergriffen. Unlängst äußerte sich auch Papst Franziskus sehr kritisch über sie. (Näheres hier: https://bazonline.ch/ausland/europa/papst-wirft-ordensgemeinschaft-versklavung-von-frauen-vor/story/26852175)

Zu Lebzeiten des Gründervaters  – als von seinen missbräuchlichen Verhältnissen u. a. mit gottgeweihten Frauen noch nichts bekannt war  – wurde der Geistliche viel verehrt, Anhänger verlangten nach seinem Tod sogar die Seligsprechung.

„Kath.net“ führte ein Exklusiv-Interview mit ihm: http://www.kath.net/news/792

Darin betonte der Generalobere seine „marianische“ Frömmigkeit, was freilich zu seinem unsittlichen Lebenswandel nicht passen will.

Er kommt auch darauf zu sprechen, wie Marthe Robin (1901 – 1981) ihn zur Gründung seines Werks inspirierte, nachdem junge Männer ihn um geistliche Begleitung baten:

„Als diese Studenten mich gebeten haben, mich um sie zum kümmern, habe ich mit Marthe Robin, die ich sehr gut kannte, gesprochen und sie hat zu mir gesagt: „Sie müssen diesen Auftrag annehmen!“ Und ich habe zu Marthe gesagt: „Sagen Sie das, weil Sie mich gerne haben, oder sagen Sie das von Gott?“ Und nachdem sie gebetet hat, sagte sie, dass Jesus das von mir verlange. Und so ist die Gemeinschaft entstanden.“

Auf die Kath.net-Frage „Können Sie etwas über Marthe Robin erzählen?“ antwortete der Pater: „Marthe war wirklich eine große Charismatikerin.“ – Sie habe jahrzehntelang „das Leiden Jesu erlebt“. Wenn sie sich in Ekstase befunden „und ganz von Jesus ergriffen“ war, sei sie „nicht ansprechbar“ gewesen. 

Sektiererische Tendenzen und geistlicher Missbrauch

Am 26. Mai 2014 veröffentlichte AVREF  – ein französischer „Verein für religiöses Leben und Familie“ aus Chaville – eine Pressemitteilung, worin bereits ausführlich über geistliche und sexuelle Übergriffe, Manipulation, schlimmste gesundheitliche Verwahrlosung und sektenhafte Strukturen in der St. Johannes-Gemeinschaft berichtet wurde: http://www.prevensectes.com/gris1.htm

Typisch für irrgeistige Tendenzen ist z.B. das vorschnelle Herbeireden angeblicher Besessenheit etwa bei Krankheiten, Lebenskonflikten oder sonstigen psychisch-sozialen Belastungen, um dann schleunigst durch ein charismatisches „Befreiungsgebet“ (einen Quasi-Exorzismus) „geheilt“ zu werden. Natürlich wird damit in Wirklichkeit das Gegenteil bewirkt: die Situation wird psychisch und spirituell für die Betroffenen solcher Panikmache noch verschlimmert.

Zum sexuellen Missbrauch gesellt sich der seelsorgliche, denn wie sollen leitende Personen, die ein Doppelleben führen, von dem die eigene Gemeinschaft nichts weiß, in angemessener Weise eine „geistliche Leitung“ und Begleitung ihrer Untergebenen ermöglichen? Diese fühlen sich zudem ihrem Oberen sowohl zum äußeren wie zum religiösen Gehorsam verpflichtet.

Genau dies ist der eigentlich unverständliche Punkt:

Wenn Gründer und Leiterfiguren schon in sittenloser Weise leben, warum geben sie dann nicht wenigstens die Führung ab – und sei es pro forma altersbedingt, aus gesundheitl. Gründen oder einfach, um einem jüngeren Nachfolger Platz zu machen.  –  Diese Oberen müßten deshalb noch nicht einmal ihr Sündenleben „outen“, sich aber wenigstens aus der 1. Reihe entfernen.

Das geschah weder hier noch bei den „Legionären Christi“ und auch nicht bei der „Gemeinschaft der Seligspreisungen“.

Diese Beispiele, die nicht vollständig sind, zeigen auf, daß in etlichen sog. „neuen geistlichen Gemeinschaften“ intensiv der Wurm drin ist – nicht „nur“ sexuell, sondern grundsätzlich spirituell.

Quelle des 1. Fotos: https://johannesgemeinschaft.at/gruender-der-johannesgemeinschaft/