Der Heilige Geist in Schöpfung und Erlösung

Von Pater Eugen Mederlet OFM

Wir singen und beten so oft am Schluss der Orationen „in der Einheit des Heiligen Geistes“ und im Hochgebet der Messe flehen wir, dass wir „ein Leib und ein Geist“ werden mögen. Was bedeutet das?

Bedeutet es nur, dass wir gesinnungsmäßig übereinstimmen? Wie man so sagt: „ein Herz und eine Seele“, in einem Zusammenklang unserer Seelen? Ist das schon genug?

Jesus fleht zum Vater und gibt es an als Frucht seines Kreuzesopfers, dass wir so eins seien, wie er mit dem Vater eins ist. Die Einheit kann ja nicht nur unter jenen sein, die enger zusammenleben – und die anderen gehen mich nichts an. Das wäre nicht die ganzen Schöpfung.

Dann wären auch im Himmel lauter Einzeleinheiten, so wie man im großen Speisesaal um kleine Tische herum zu Sechsen sitzt, man hat gute Gespräche untereinander, aber mit den anderen ist keine Verbindung vorhanden.

Selbst wenn wir mit allen Menschen, die jetzt leben, in einer inneren Gemeinschaft stehen würden, dann wären wir es noch nicht mit allen vergangenen Generationen und mit den kommenden.

Es ist auf alle Fälle eine Einheit, die alles Psychische übersteigt, denn alle sollen miteinander eins werden, auch die Engel mit den Menschen; denn sonst wären ja wieder zwei Kammern im Himmel, so wie in einer Regierung zwei Kammern sind: Das Oberhaus und das Unterhaus. Da wären die Engel für sich eine Gesellschaft und die Menschen wieder für sich eine Gesellschaft.

Die Schöpfung ist eine. Was bedeutet dies? Wie können wir es vielleicht ein wenig erahnen?

Die gesamte Schöpfung ist eins und ist von Anfang an von Gott so erschaffen, dass sie ein unvorstellbares Kunstwerk der Harmonie darstellt. Beginnen wir einmal mit den Engeln im Himmel, den Ersterschaffenen. Wenn in einem Engel ein Gedanke aufsteigt, ist dieser Gedanke einklingend in alle. Die Gedanken und die Liebesglut eines jeden klingt zusammen in eine einzige, unendliche Fülle, ein nicht mehr vorstellbares Kunstwerk der Harmonie.

Wenn wir uns die herrlichste Symphonie, die je auf Erden komponiert worden ist, von den schönsten und vollendetsten Künstlern gespielt, vorstellen würden, wo dann die eine Geige eine Melodie spielt, aber nicht für sich. Der Geiger wird auch nicht sich selbst wie ein Solo hören. Er spielt sich hinein ins Ganze und klingt zusammen mit der Trommel, mit der Klarinette, mit der Oboe, mit der Bratsche, mit dem Cello, mit der Bassgeige, alles klingt in eine einzige, unerhörte Harmonie, eben das wunderbare Kunstwerk.

Wenn ich eine einzelne Melodie hören würde, wäre das vielleicht schon ganz schön, besonders wenn es die von ersten Geiger wäre, aber ich würde nicht herausspüren, was es eigentlich ist. Der erste Geiger wäre trostlos, wenn er das als Einzelner vorspielen müsste. Er erkennt sich selbst und den Wert seines Spielens in dem, was es im Ganzen wird.

Dieses Zusammenspiel der Musik auf Erden müssen wir als winzig kleines Ahnungsfünklein hineinübersetzen, hineinahnen in die Engel, wo jeder Spieler ja selbst seine Melodie spielt und jeder persönlich denkt, empfängt aus Gott, anbetet, strahlt Ihn wider in allen Variationen herrlichster Kunstwerke des Singens, immer neuer Dichtung höchster Lyrik und höchster Anbetung und Musik, Licht, Farbe.

Alles, was wir hier unten ahnen können, ist in einem unerhörten Zusammenklang, wo nichts allein ist, sondern alles eins, ein einziges Leben, und das zuströmend aus Gott, zuströmend aus der unendlichen Zeugung, in der der Vater seinen Sohn ausspricht.

ER ist ja der Urheber aller Kunstwerke in Seinem Wort, das ER spricht. Dieses eine WORT strömt im Heiligen Geist in die Engel und wird dort zu diesem unendlichen Kunstwerk, wo jeder berufen ist, seine Partie zu spielen, zu singen und zu leben, ein unerhörtes Leben, ein Drama. Die Engel leben ja! Wir sehen doch, in welche Prüfung sie gestellt werden. Die einen stürzen in den Abgrund und vom Abgrund aus durchqueren sie mit Getöse, mit dem Lärm die Harmonie. In der Hölle gibt es keinen Klang mehr, nur noch Lärm. Lärm kommt aus der Unterwelt.

Bei Hildegard von Bingen haben die Teufel immer nur ein Geplärr, sie können nicht singen. Eine Störungsfunktion üben sie aus gegen diese unaussprechliche Harmonie.

Und nun ist in den Engeln gleichsam die ganze Schöpfung schon vorgespielt. Das ganze Schöpfungsdrama, auch das ganze Werden der Schöpfung, jeden Geschöpfes, jeder Blüte, jeder Form der Kristallisation, jedes Windhauchs, der durch die Jahrmillionen und Milliarden geht, und jede Formung der Sterne und ihre Bewegungen, und ihre Gluten, und das Werden der Menschen und ihre Geschichte, alles ist schon vorgeformt in den Engeln und wird nun hineingespiegelt, dass es Erde wird, dass es Mensch wird.

Und der Mensch bekommt nun selbst seine Partie mitzuspielen mit den Engeln zusammen als Mensch, nun noch eine viel größere Herrlichkeit dieses Gesamtgesanges, des gesamten Dramas, des gesamten herrlichen Spieles Gottes. Er spielt auf dem Erdenrund noch herrlicher, es zu gestalten durch das menschliche Einklingen in das Klingen der Engel.

So war es im Paradies bis zum Menschen in der Zeit, da er noch in der Einheit Gottes ist, ist alles ein einziges unendliches Werden eines gesungenen, herrlichen Dramas, einer Oper, eines Welttheaters im tiefsten, herrlichsten Sinn, von Gott erfunden und gespielt durch seine Diener, die Knechte.

Nichts hat gestört, nichts konnte irgendeinen Misston geben, und der Mensch hat, solange er auf Gott so einging, wie die Engel eingehen, in der freien Zustimmung der Liebe auch jeden Gedanken, jede Regung ganz aus Gott empfangen und singend, klingend, handelnd, sprechend, denkend hineinklingen lassen in die immer voranschreitende Symphonie. Die Symphonie wird erst vollendet sein und dann erst eigentlich klingen, wenn die Schöpfung bei der Wiederkunft Christi vollendet ist.

Aber im Paradies begannen die ersten Takte der Ouvertüre, und die waren schon unerhört herrlich und ohne jeden Fehler, makellos gespielt von jeder Regung des Herzens, und deshalb war eben die Liebe zwischen Adam und Eva reinste Gottesliebe. Das Leibhaftige war nur Ausdruck des Brautgeheimnisses, der Leib des Menschen offenbart das Geheimnis der göttlichen Liebe, die als Mann und Frau sich gegenseitig schenkt. So hätte es eingeklungen mit den Kindern, so wäre alles immer weiter eingeklungen.

Natur Mensch Umwelt

Und nun kommt der unheimliche Misston, dass nicht nur irgend einer, sondern der Mensch, der alle Symphonie in sich trägt, aus dem alles hervorgehen soll, sich von Gott, vom Komponisten und vom Dirigenten, von der gesamten Einheit des Kunstwerkes losreißt und es an sich reißt und querdurch falsch hineintönt, und so das ganze Orchester durcheinanderbringt, so dass nichts mehr tönen kann, dass alles Missklang ist, so dass die Engel allein noch im Himmel singen und die Erde verloren außerhalb des Kunstwerkes gefallen ist ins Draußensein. Das ist das Werk Adams. Unheimlich! Wir können uns das nicht vorstellen. Das heißt, wir könnten es ja, wir leben es doch.

Und nun – wie geht es weiter?

Ich möchte zuerst noch einmal zurückkehren zur Einheit des Paradieses und des Himmels. Dieses Einssein ist eben das eine Leben aus Gott. Da ja alle am göttlichen Leben teilnehmen, sind alle inwendig in einem Leben, das aus sich selbst zusammenklingt, wie in einem Leib von selbst alles ein Leben ist. Die Einheit ist real, das eine Leben des Dreieinen Gottes.

Dass die gesamte Schöpfung so in dieser Gnade, der Paradiesesgnade und der himmlischen Gnade der Engel, so von Gott, aus Gott ein Leben hat, dass wir hineingenommen sind in die Heiligste Dreifaltigkeit. Wir haben das Leben des einen Gottes und deshalb ist es ein Leben. Wie Vater und Sohn eines Wesens sind und ein Leben haben, alles gemeinsam in einer Fülle, so besitzen wir alle gemeinsam in einer Fülle den Anteil am göttlichen Leben.

Und das ist zerstört. Das Leben ist ausgelöscht. Das ist der Tod, das ist das Reich der Sünde, das Reich der Finsternis, das der beherrscht, der es herbeigeführt hat mit seinem Missklang, in den er den Menschen hineingerissen hat. Der Mensch hat es aber gewollt.

Und nun – wie geht es weiter?

Nun kommt Gott selbst in diese zerstörte Schöpfung. Wir können nun denken, jetzt macht ER alles wieder gut. ER erlöst uns, und jetzt klingt alles wieder schön. So geht es nicht.

Gott selbst geht den umgekehrten Weg: Weil der Sohn Gottes in dieses Leben hineinsteigt, geht nun die gesamte Zerstörung, der herzzerreißende Missklang und Tod, alles geht auf Jesus, das Lamm, das nun das Sündenlamm wird, beladen mit der ganzen Weltsünde. Dieses Zerrissensein der ganzen Symphonie geht auf Jesus. ER nimmt unsere Last an – und in dieser Zerrissenheit nun stimmt ER ein neues Lied an, das noch viel herrlicher ist als alles, was bisher, als die Welt noch in der Unschuld war, erklungen ist.

Weil jetzt aus diesem Zerstörtsein, aus diesem Tragen von aller Krankheit, von aller Weggeworfenheit, von aller Verdemütigung und Verspottung, das unendlich herrlichere Lied der Liebe erklingt. Darin sagt Jesus: Ja, das soll jetzt mein Loblied des Vaters sein, dass ich von dieser zerstörten, rebellischen, verlorenen Erde aus Ihm das Lob darbringe in all diesen Schmerzen.

Es ist das neue Lied der gekreuzigten Liebe, das viel herrlicher ist, schwerer, aber herrlicher als das Lied der Engel. Sie beneiden uns, dass wir dieses viel herrlichere Lied singen dürfen als sie.

Dieses Lied des Sohnes Gottes am Kreuz, das erfüllt nun auch die Engel, dass sie das gleiche Lied, dieses schmerzvolle Lied der Liebe singen können, weil sie hinabgestiegen sind zu uns Menschen, unsere Schutzengel und alle Engel, in diese zerrissene Welt dienend herabgestiegen sind. So lernen sie ebenfalls das herrliche Lied des Gottesknechtes, der alle Schuld der Welt und alle Krankheit trägt, den Gott zerschlagen hat um unserer Missetaten willen.

Seht, in diese Einheit sind wir hineingestellt.

Wir müssen heute drum beten und auch, wie es uns gegeben ist, darum ringen im Herzen, aus der Isolierung herauszukommen, um uns nicht mehr als Einzelne zu sehen: Ich und Gott – und dann sind andere auch noch da, mit denen ich halt schauen muss, wie ich fertig werde, sondern wir, die gesamte Schöpfung.

Der verborgenste Gedanke, das verborgenste Beten, Opfern oder ein Lied, das in mir erklingt, das ich so gern in Worte fassen und singen möchte, dass es die Welt höre, das ist schon längst gehört. Sobald es aufsteigt, vom Heiligen Geist angeweht, ist es bereits in der ganzen Schöpfung, ist es Einklang in die Symphonie – und einmal wird es als herrlicher Gesang offenbar sein bei der Wiederkunft Christi, wenn die erlöste Schöpfung ins Lied der Liebe einstimmen wird.

Deshalb dürfen wir in unseren Gebeten ganz still verborgen sein, brauchen unsere Opfer von keinem Menschen gesehen werden. Darum sagt Jesus, die linke Hand soll es nicht einmal wissen. Und in dein Kämmerchen schaut der Vater hinein.

Wenn wir die heilige Eucharistie feiern, strömt das in die gesamte Schöpfung. Es ist ja das Opfer für alle, das Jesus hier darbringt in unserem Herzen, und wir es als unser Opfer im Schoß der Kirche darbringen.

Wir meinen immer, wir müssen Solo spielen, wir wollen eine Solo-Geige. Und dann meinen wir: Ich muss wichtig sein, damit meines ebenso gut ist wie das andere. Das muss doch neben dem konkurrieren können. Der spielt ja nur Bratsche, ich will Geige spielen, die erste Geige!

Du bist aufgeblasen, wie es in der Fabel heißt, wie der Frosch, der so groß sein wollte wie der Ochse. Er hat sich aufgeblasen, bis er geplatzt ist. Das ist genau unser Stolz. Wir alle blasen uns auf, und dann ist nichts da als ein missklingendes Quaken. Damit ist die ganze Symphonie zerstört.

Wenn ich aber aufgeben würde, Solo zu spielen, sondern nur meinen schlichten Klang, was jetzt eben in meinem Leben als Beten, als Opfern, als Tun, als Werk gegeben ist, Füße waschen oder eine Krankheit tragen, ja: die ganze Mühe des Belastetseins, weil ständig in mir alles nach unten zieht und ich in jedem Gebet nur Zerstreuungen habe – und zu all dem Ja sage, ist dies mein wahrer Einklang in die herrlichste Harmonie. Sie kommt aus dem Kreuzesopfer Jesu, aus dem Lobgesang des Sohnes, eine Melodie, die ins Ganze hineingehört und die nun im Ganzen zum Glanz gelangt.

Das ist, was der Heilige Geist in uns wirkt, dass ER uns entfacht zu dieser Glut der Liebe, dass ER uns entzündet zu dieser Bereitschaft, das mühevolle, verletzte Leben des Lammes Gottes zu tragen und deshalb jetzt verborgen ein Liebeslied vorzubereiten, das Lied des Lammes, wie es heißt in der Geheimen Offenbarung, dass sie das Lied des Lammes singen werden, das Lied, das Jesus bereitet hat für die ganze Schöpfung.

Wie würden wir dann so vieles leichter tragen, alles, was mich so belastet und wo ich schließlich nur noch Scherben in der Hand habe. Und aus diesen Scherben, die mich so erniedrigen und gering machen, ertönt in meinem Herzen das Loblied, das Anbetungslied, das Lied des Lammes, das die gesamte Schöpfung in eine noch herrlichere Symphonie hineinführt, als es je im Stand der Unschuld hätte sein können.

Bei diesem Text handelt es sich um eine Pfingt-Predigt von Pater Eugen Mederlet OFM. Der Franziskaner und Schriftsteller lebte vom 18.1.1912 bis 5.7.1992. Dieser Beitrag wurde uns von unserem Leser Gerhard Kumerics freundlicherweise zur Verfügung gestellt – er ist stellv. Leiter der von Pater Mederlet gegründeten Stifung St. Bonaventura. (Der hl. Bonaventura war ein großer Theologe des Franziskanerordens.)


Bischof Voderholzer in Pfingstpredigt: Kirche als „Globalplayer“ im Auftrag des Ewigen

Zum Hochfest Pfingsten hat Bischof Dr. Rudolf Voderholzer mit zahlreichen Gläubigen im Hohen Dom St. Peter ein Pontifikalamt gefeiert.

Bischof Rudolf erklärte in seiner Predigt: Schockierend und faszinierend zugleich sei der Sprung des Corona-Virus von einem Tier auf einen Menschen, der sich weltweit ausgewirkt habe. Ohne die Corona-Pandemie mit der Erbsünde auf die gleiche Stufe stellen zu wollen, dränge sich der Gedanke auf:

Das Handeln eines Menschen   –  nämlich Adam im Garten Eden –  hat die ganze Menschheit in Mitleidenschaft gezogen, hat uns aus dem Paradies der heilen Gottesbeziehung fallen lassen. Dass die Menschheit eine Schicksalsgemeinschaft im Guten wie im Schlechten sei, das verdeutliche auch die Globalisierung, das Zusammenrücken der Welt durch gesteigerte Mobilität, moderne Kommunikation und wirtschaftliche Verknüpfungen.

Auf diesem Hintergrund erschließen sich die Worte des Apostels Paulus: „Durch Adams Ungehorsam wurden alle Menschen vor Gott schuldig; aber weil Jesus Christus gehorsam war, werden sie von Gott freigesprochen“ (Römerbrief 5,19).

Christus, der neue Adam, hat uns durch Tod und Auferstehung aus dieser Gottesferne herausgeholt. Fünfzig Tage nach Ostern, nach diesem Großereignis der Heilsgeschichte, feiern wir Pfingsten, den Geburtstag der Kirche.

Beim ersten Pfingsten in Jerusalem verstand ein jeder die Apostel in seiner Muttersprache. Die „babylonische Sprachverwirrung“, die die Menschheit trennte, sie einander nicht mehr verstehen ließ, wurde an diesem Tag durch die verkündete Christusbotschaft aufgehoben. Die Kirche war also vom ersten Tag an ihres Bestehens katholisch: vom Altgriechischen καθολικός / katholikós = allumfassend, weltumspannend. 

Im Zusammenhang mit dem Corona-Virus ist bezüglich seiner Verbreitung immer von einer Pandemie die Rede. Der Begriff bedeutet „das ganze Volk betreffend“. Im Blick auf Jesu Missionsauftrag „Geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern“ (Mt 28,19) könne man also von der Kirche als einer Pan-Ethnie sprechen, alle Völker betreffend und umfassend.

Die Kirche sei „der erste und wirklich funktionierende Globalplayer“. 

Das deutsche Wort Pfingsten kommt vom Griechischen Pentēkostḗ, was den fünfzigsten Tag bezeichnet. Gemeint ist der 50. Tag nach Ostern.

In vielen europäischen Sprachen ist das griechische Wort Pentekoste noch sehr gut zu erkennen. Auch das ungarische Wort „Pünkösd“ erinnert noch stark an den Ursprung. In den Slawischen Sprachen heißt es z.B. im Russischen „trójiza“ und weist auf die Dreifaltigkeit hin, im Kroatischen „duhovi“, und bezieht sich auf den (heiligen) Geist.

Quelle: Bistum Regensburg  – 1. Bild: Carl B. Prämassing


Der Geist des HERRN erfüllt das All…

  Der Geist des HERRN erfüllt das All mit Sturm und Feuersgluten;
er krönt mit Jubel Berg und Tal, er lässt die Wasser fluten.
Ganz überströmt von Glanz und Licht erhebt die Schöpfung ihr Gesicht,
frohlockend: Halleluja.

 Der Geist des HERRN erweckt den Geist in Sehern und Propheten,
der das Erbarmen Gottes weist und Heil in tiefsten Nöten.
Seht, aus der Nacht Verheißung blüht; die Hoffnung hebt sich wie ein Lied
und jubelt: Halleluja.

  Der Geist des HERRN treibt Gottes Sohn, die Erde zu erlösen;
er stirbt, erhöht am Kreuzesthron, und bricht die Macht des Bösen.
Als Sieger fährt er jauchzend heim und ruft den Geist, dass jeder Keim
aufbreche: Halleluja.

 Der Geist des HERRN durchweht die Welt gewaltig und unbändig;
wohin sein Feueratem fällt, wird Gottes Reich lebendig.
Da schreitet Christus durch die Zeit in seiner Kirche Pilgerkleid,
Gott lobend: Halleluja.

Marie Luise Thurmair (1946)


Pfingsten und das Brauchtum in Bayern

Wenn die Wiesen blühen und die Bäume und Sträucher in prachtvollem Grün stehen, dann wird das Pfingstfest gefeiert. „Pentekoste hemera“ lautet der griechische Name, der besagt, dass dieses Fest genau 50 Tage nach Ostern folgt.

Pfingsten ist das Fest des Heiligen Geistes, der auf die Apostel herabkam, als sie in Jerusalem versammelt waren. Dies sollte in früherer Zeit den Kirchgängern auch anschaulich gemacht werden  –  und so kam vielerorts während des feierlichen Amtes der Heilige Geist in Gestalt einer echten, später hölzernen Taube aus dem „Heilig-Geist-Loch“ auf die Kirchenbesucher herabgeschwebt.

Drei Tage dauerte früher das Pfingstfest. Nach der religiösen Feier wurden Spiele und Umzüge abgehalten. Da wurde u. a. die „Pfingsthochzeit“ gefeiert, mit Brautwahl, Hochzeitszug, Pferden und Reitern. Die Feier endete schließlich – wie so oft – mit einem Festmahl.

Ein seltsamer Gesang erklingt noch heute am Abend des Pfingstsonntags im Bayerischen Wald. Der Vorsänger singt litaneiartige Verse, die restliche Gruppe gibt immer dieselbe Antwort: „So reisen, so reisen, so reisen wir daher“.

Fast bedrohlich wirkt der Männerhaufen in Regenkleidung, mit hochgeschlagenen Krägen, die Gesichter unter Kapuzen und Hüten kaum erkennbar, die Hände in den Jackentaschen versenkt. So zieht die Gruppe von Haus zu Haus. Einer ist darunter, der mit einem Korb am Arm immer zuvorderst geht und von den Hausbewohnern rohe Eier oder auch Geldspenden in Empfang nimmt. Dabei kräht er wie ein Gockel, der „Moier“ oder „Oakoda“. Dann werden alle von den Hausbewohnern kräftig mit Wasser übergossen. Und nicht selten entsteht dabei ein Kampf um die Wassereimer und Gartenschläuche, denn Revanche ist erlaubt.

Quelle und Fortsetzung des Artikels hier: https://www.bistum-regensburg.de/news/pfingsten-und-pfingstbraeuche-6067/

 


Der Geist des HERRN erfüllt das All

Das PFINGST-Poster des ECCLESIA-Plakatdienstes in Münster

ECCLESIA-Plakat des KOMM-MiT-Verlags in Münster

ECCLESIA-Plakat des KOMM-MiT-Verlags in Münster


PFINGSTPREDIGT Papst Benedikts vom 27.5.2012 im vollen Wortlaut

Zum Gegensatz zwischen Babel und Pfingsten

Liebe Brüder und Schwestern!
Ich freue mich, mit Euch diese heilige Messe zu feiern, die heute auch vom Chor der „Akademie Santa Cecilia“ und dem Jugendorchester begleitet wird. Ich danke dafür!

Foto: Radio VatikanHeute ist Pfingsten; dieses Geheimnis bedeutet die Taufe der Kirche, es ist ein Ereignis, das ihr sozusagen die ursprüngliche Form gegeben hat und den Anstoß zu ihrer Mission. Und diese „Form“ und dieser „Anstoß“ bleiben gültig, bleiben aktuell und erneuern sich vor allem in der Liturgie.

Ich möchte heute morgen vor allem über einen wesentlichen Aspekt des Pfingstgeheimnisses sprechen, das bis in unsere Tage von großer Bedeutung ist. Pfingsten ist das Fest der Einheit, des Verständnisses und der Gemeinschaft unter den Menschen.

Wir können alle feststellen, wie in unserer Welt – trotz der wachsenden Nähe, die uns die Entwicklung der Medien erlaubt, und auch wenn die geografischen Entfernungen zu schrumpfen scheinen – das Verständnis und die Gemeinschaft unter den Menschen oft oberflächlich und schwierig ist.

Ungleichgewichte bestehen weiter, die nicht zufällig zu Konflikten führen; das Gespräch zwischen den Generationen wird mühsam, und manchmal nimmt der Streit überhand; wir erleben im Alltag Dinge, die uns den Eindruck vermitteln, als ob die Menschen aggressiver und streitsüchtiger würden; es sieht fast so aus, als wäre es zu anstrengend, sich um Verständigung zu bemühen, und als sollte man sich besser an sein eigenes Ich, an seine eigenen Interessen halten.

Wie können wir in einer solchen Lage denn diese Einheit finden und dann leben, die wir so sehr brauchen?

Die Pfingsterzählung in der Apostelgeschichte, die wir in der Ersten Lesung gehört haben (Apg 2,1-11), bezieht sich auf eines der großen Fresken, das wir am Anfang des Alten Testaments vorfinden: Auf die alte Geschichte vom Turmbau zu Babel nämlich (Gen 11,1-9).

Aber was ist Babel?  – Es ist die Beschreibung eines Reiches, in dem die Menschen soviel Macht konzentriert haben, dass sie auf den Gedanken verfallen, sie bräuchten keinen Bezug mehr zu einem fernen Gott, sie wären schon stark genug, um ganz allein einen Weg zum Himmel zu bauen, um seine Tore aufzustoßen und sich selbst an die Stelle Gottes zu setzen.

Doch ausgerechnet in dieser Lage passiert etwas Seltsames und Einzigartiges: Während die Menschen gemeinsam an ihrem Turm bauen, merken sie auf einmal, dass sie ihn nicht mit-, sondern gegeneinander bauen.

Während sie versuchen, wie Gott zu sein, laufen sie Gefahr, in Wirklichkeit nicht einmal mehr Menschen zu sein, weil ihnen etwas Wesentliches vom menschlichen Wesen verlorengegangen ist: die Fähigkeit, sich untereinander abzusprechen, sich zu verstehen, zusammenzuarbeiten.

Diese biblische Erzählung enthält eine ewige Wahrheit; wir können das an allen Epochen der Geschichten ablesen, aber auch an unserer eigenen Welt.

Mit dem wissenschaftlich-technischen Fortschritt sind wir in die Lage versetzt worden, Kräfte der Natur zu beherrschen, die Elemente zu manipulieren, lebendige Wesen  –  ja sogar nahezu Menschen selbst  –  herzustellen.

In dieser Lage scheint es etwas Überholtes, Unnützes, zu Gott zu beten, denn wir können doch selbst alles bauen und realisieren, was wir wollen!

Dabei machen wir uns nicht klar, dass wir die alte Erfahrung von Babel neu erleben.

Es stimmt schon, wir haben die Möglichkeiten multipliziert, untereinander zu kommunizieren, an Informationen heranzukommen, Nachrichten zu übermitteln – aber können wir behaupten, dass auch unsere Fähigkeit gewachsen wäre, uns zu verstehen?

Oder ist es  –  paradoxerweise  –  nicht eher so, dass wir uns immer weniger untereinander verstehen? Herrscht unter den Menschen nicht eher Misstrauen, Verdacht, Furcht vor dem anderen, so dass sie sich gegenseitig geradezu gefährlich werden?

Kommen wir also zu unserer Ausgangsfrage zurück: Kann es wirklich Einheit, Eintracht geben? Und wenn ja – wie denn?

Die Antwort auf diese Frage finden wir in der Heiligen Schrift: Einheit kann es nur geben durch das Geschenk des Geistes Gottes, der uns ein neues Herz geben wird und eine neue Zunge, eine neue Fähigkeit zu kommunizieren. Das ist es, was an Pfingsten geschehen ist.

An diesem Morgen fünfzig Tage nach dem Osterfest brauste ein heftiger Wind über Jerusalem, und die Flamme des Heiligen Geistes kam auf die versammelten Jünger herab, ließ sich auf jedem von ihnen nieder und entzündete in ihnen das göttliche Feuer – ein Feuer der Liebe, das fähig ist zur Verwandlung.

Die Angst verschwand, das Herz fühlte eine neue Kraft, die Zungen lösten sich und begannen, offen zu reden, so dass alle die Verkündigung von Jesus Christus, dem Toten und wieder Auferstandenen, verstehen konnten. Wo zuvor Spaltung und Fremdeln war, da sind an Pfingsten Einheit und Verstehen aufgekommen.

„Der Hl. Geist wird euch in alle Wahrheit einführen“

Aber schauen wir auch auf das Evangelium von heute. Dort sagt Jesus: „Wenn er kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit einführen” (Joh 16,13).

Während er vom Heiligen Geist spricht, erklärt uns Jesus hier, was die Kirche ist und wie sie leben sollte, um sie selbst zu sein: um der Ort der Einheit und der Gemeinschaft in der Wahrheit zu sein.

ER sagt uns: Als Christen handeln heißt, nicht länger ins eigene Ich eingeschlossen zu sein, sondern sich auf das Ganze auszurichten. Es heißt, die ganze Kirche in sich selbst aufzunehmen bzw.  –  besser noch  –  es zuzulassen, dass sie uns in sich aufnimmt.

Wenn ich also als Christ spreche, denke, handle, dann tue ich es nicht durch Verschließen in mein eigenes Ich, sondern ich tue es immer im Ganzen und vom Ganzen ausgehend: So kann der Heilige Geist, der Geist der Einheit und der Wahrheit, weitertönen in den Herzen und Köpfen der Menschen und sie dazu bewegen, anderen zu begegnen und sich gegenseitig aufzunehmen.

Der Hl. Geist führt zum „WIR“ der Kirche

Gerade indem er so handelt, führt uns der Geist in die ganze Wahrheit ein, die Jesus ist  –  er führt uns dazu, sie zu vertiefen und zu verstehen: Wir nehmen nicht an Kenntnis zu, wenn wir uns in unser Ich einigeln, sondern nur, wenn wir fähig werden, zuzuhören und mit anderen zu teilen; nur im „Wir“ der Kirche und mit einer Haltung tiefer innerer Demut.

Und so wird dann auch klarer, warum Babel Babel und Pfingsten Pfingsten ist. Wo die Menschen sich zu Göttern aufschwingen, da können sie sich nur einer gegen den anderen stellen.

Wo sie sich hingegen in die Wahrheit des HERRN stellen, da öffnen sie sich für das Wirken seines Geistes, der sie unterstützt und zusammenführt.

Der Gegensatz Babel-Pfingsten findet auch in der Zweiten Lesung ein Echo, wenn der Apostel Paulus sagt: „Lasst euch vom Geist leiten, dann werdet ihr das Begehren des Fleisches nicht erfüllen“ (Gal 5,16).

Der heilige Paulus erklärt uns, dass unser persönliches Leben von einem inneren Konflikt bestimmt ist, von einem Hin-und-Her-Gerissensein – zwischen den Wünschen des Fleisches und denen des Geistes.

Und wir können nicht allen beiden Folge leisten. Wir können ja nicht gleichzeitig Egoisten sein und großzügig, gleichzeitig der Tendenz des Herrschens über andere folgen und die Freude fühlen, uneigennützig zu dienen.

Wir müssen immer wählen, welchem Anstoß wir folgen wollen – und wir können es nur mit der Hilfe des Geistes Christi wirklich tun.

Der heilige Paulus listet die Werke des Fleisches auf: Es sind die Sünden des Egoismus und der Gewalt, etwa Feindseligkeit, Zwietracht, Eifersucht, Uneinigkeit; es sind Gedanken und Taten, die die einen nicht wirklich auf menschliche und christliche Weise leben lassen, nämlich in der Liebe.

Es ist eine Richtung, die einen dazu führt, sein Leben zu verlieren. Der Heilige Geist dagegen führt uns zu den Höhen Gottes, damit wir schon auf dieser Erde im Keim das göttliche Leben leben können, das in uns ist.

Dementsprechend bekräftigt der heilige Paulus ja: „Die Frucht des Geistes ist Liebe, Freude, Friede“ (Gal 5,22).Wir bemerken da, dass der Apostel den Plural nutzt, um die Werke des Fleisches zu beschreiben, die zum Sichverlieren des Menschen führen, während er den Singular benutzt, um das Wirken des Geistes zu beschreiben – er spricht von der „Frucht“, genau so, wie der Zerstreuung von Babel die Einheit durch Pfingsten entgegensteht.

Liebe Freunde, wir müssen dem Geist der Einheit und der Wahrheit entsprechend leben  –  und darum beten wir darum, dass der Geist uns erleuchte und führe: damit wir nicht mehr fasziniert unseren eigenen Wahrheiten folgen, sondern die Wahrheit Christi aufnehmen, die von der Kirche weitergetragen wird.

Die lukanische Fassung der Pfingsterzählung sagt uns, dass Jesus vor seiner Auffahrt zum Himmel die Apostel bittet, zusammenzubleiben und sich auf die Gabe des Heiligen Geistes vorzubereiten. Und so kamen sie im Gebet mit Maria im Abendmahlssaal zusammen, um auf das versprochene Ereignis zu warten (vgl. Apg 1,14).

Vereint mit Maria betet die Kirche wie im Moment ihrer Geburt auch heute: Veni Sancte Spiritus! Komm, Heiliger Geist, erfülle die Herzen deiner Gläubigen –  und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe!  – Amen.


Apostolat im Supermarkt: „Schmuddelware – nein, danke!“

Unsere Leserin, die Familienmutter Cordula Mohr, schickte uns folgenden interessanten Erlebnisbericht, der hoffentlich viele Christen dazu anregt, auch selber für die Ideale von Glaube und Sittlichkeit einzutreten:

„Kürzlich betrat ich unseren Lebensmittel-Supermarkt. Bereits im letzten Jahr beschwerte ich mich dort über Sexkalender, die schamlos nackte Frauen darstellten.  –  und sich noch dazu genau in Augenhöhe der Kinder befanden. Der Geschäftsführer stimmte meiner Kritik zu und versprach, derartiges in Zukunft zu unterlassen.

Nun wurden in diesem Jahr tatsächlich keine „nackten“ Kalender mehr angeboten, allerdings Adventskalender mit ganz knapp bekleideten Damen und Herren, die bei den üblichen Kinder-Adventskalendern lagen.  Ich beschwerte mich erneut beim Geschäftsführer.

Doch er fand es nicht so schlimm, da die abgebildeten Leute ja etwas anhatten  –  gerade mal eine Mütze und einen Streifen in roten Plüsch über Brüste und Unterleiber.  Immerhin versicherte er mir: „Wir werden diese Kalender nach hinten verlagern.“

Danach fragte er mich, ob ich gläubig sei, was ich bejahte. Er fragte weiter: „Katholisch gläubig?“   – Auch hier stimmte ich zu. Nun wollte er es noch genauer wissen: „Streng katholisch?“ –  Dieses beantwortete ich mit „Richtig katholisch!“

Er erzählte mir sodann, daß er nicht gefirmt sei und deshalb aus der Kirche ausgeschlossen. Ich erwiderte ihm, er sei nicht ausgeschlossen, da er ja getauft sei. Nun erkundigte er sich nach dem Sinn der Firmung. Ich erklärte ihm kurz etwas über die Gaben und Früchte des Heiligen Geistes.

So kamen wir in ein intensives Glaubensgespräch. Zwischendurch wurde der Dauerbrenner „Mißbrauch“ diskutiert. Ich wies ihn darauf hin, daß in den Medien vieles, was die Kirche betrifft, aufgebauscht wird.  Ich hätte die Zeit lieber genutzt, um ihm noch einiges über Glaubenslehre und Sakramente nahezubringen.

Als ich den Laden verließ, dachte ich bei mir: „Bring ihm doch den Katechismus. Dort kann er alles Wichtige über die Sakramente lesen.“

Als ich ihm mittlerweile das Büchlein brachte, nahm er es gerne an. Es handelte sich um den kleinen Katechismus von Pater Martin Ramm (Petrusbruderschaft). Nun meinte er aber, man müsse die Kinder selber entscheiden lassen, ob sie die Sakramente empfangen wollen  – er hatte selber zwei Kinder im Schulalter.

Ich konterte, daß man doch nur über etwas entscheiden kann, was man kennt. Dieses notwendige Wissen sollen die Eltern ihren Kindern weitergeben.  Wenn dies unterlassen wird, können Sekten die Unwissenheit der jungen Leute für ihre Zwecke ausnutzen.  Ich hatte den Eindruck, daß er nachdenklich und ernsthaft zuhörte.

Es war sicherlich eine etwas außergewöhnliche Begegnung.

Ich meine, daß wir Christen die Kaufhäuser kritisch auf Schmuddelware aufmerksam machen müssen, erst recht, wenn Kinder sie sehen können. Gerade zur Adventszeit kommt viel seichter Mist in die Regale. Mich hat diese Begegnung ermutigt, weiterhin die Geschäftsführer anzusprechen, wenn es nötig ist.“


Katholischer Glaube: Leben und Wahrheit in Fülle

Die Kirche ist der „fortlebende  Christus“ und ein Werk des Heiligen Geistes

Alle Jahre wieder hören wir dasselbe Lied, genauer gesagt Klagelied: sobald von vatikanischer Seite ein Wort ertönt, aus dem hervorgeht, daß die katholische Kirche als einzige im Vollsinn „Kirche“ ist, die anderen sog. „Kirchen“ jedoch  –  genau genommen –  allenfalls kirchenähnliche „Gemeinschaften“, dann ertönt ein Aufschrei allenthalben, nicht etwa nur von protestierenden Protestanten, sondern auch von „ökumenisch“ gesinnten Katholiken, zumal von vielen Theologen.

Dabei vergessen diese Kritiker, daß sich die zahllosen protestantischen Konfessionen selbst keineswegs als „Heilsinstitution“ betrachten, daß sie also ein ganz anderes Selbstverständnis vertreten als die kath. Kirche, die sich als „Ursakrament“ oder „Grundsakrament“ ansieht und somit  als Vermittlerin jenes Heiles wahrnimmt, das von Christus kommt und vor allem in den 7 Sakramenten wirksam wird.

Wie wenig sich der Protestantismus selber als „Kirche“ versteht, läßt sich auch an vermeintlichen Kleinigkeiten buchstäblich „ablesen“. Eine der umfangreichsten und angesehensten evangelischen Bibel-Konkordanzen ist die  großformatige „Elberfelder Bibelkonkordanz“ mit fast 1900 Seiten im Kleindruck, erschienen im Brockhaus-Verlag (Wuppertal).

Es gibt kaum ein Alltagswort (vom „Platzregen“ bis zum „Käuzchen“), das man dort entbehren müßte, doch den Ausdruck „Kirche“ sucht man vergebens. Offenbar wird „Kirche“ für Protestanten erst dann interessant, wenn die kath. Kirche diesen Begriff für sich selbst beansprucht.

Nun gibt es nicht wenige Katholiken,  zumal in konservativen Kreisen, die sich relativ innig zur Orthodoxie hingezogen fühlen und ernsthaft die These vertreten, die römische Kirche sei quasi der westliche Teil der Gesamtkirche Christi  –  und die orthodoxe Kirche sei ihr östlicher Teil (oder „Lungenflügel“).

Demnach hätte Christus also wohl einen Kirchenverband in zwei Teilen gegründet oder gar zwei Kirchen, die zwar getrennt, aber auf einer höheren Ebene  doch wiederum vereint sind. Solche Vorstellungen sind biblisch und dogmatisch gesehen aber unsinnig.

Wenngleich nicht bestritten werden kann, daß die orthodoxen Konfessionen dem katholischen Glauben  –  zumal in der Sakramentenlehre  – sehr viel näher stehen als die protestantischen Konfessionen, so ändert dieser unterschiedliche „Entfernungsgrad“ nichts an der grundlegenden Tatsache, daß die Orthodoxie keineswegs eine Stiftung Christi ist, sondern eine vor ca. 1000 Jahren erfolgte  Abspaltung von der Kirche des HERRN.

Warum sind wir Christen?

Weil wir uns auf die Zusage Christi verlassen: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben in Fülle.“ (Joh.10,11)

Dazu gehört nicht allein ein gelingendes Dasein im Diesseits, sondern vor allem die Verheißung ewigen Lebens im Jenseits:  dort werden wir einst das Leben in seiner ganzen Fülle erfahren, weil wir in GOTT die Quelle des Lebens schauen.

Warum sind wir Katholiken?

Weil zur Fülle des Lebens auch die Fülle der Wahrheit gehört.

In Joh. 20,31 heißt es, daß wir „durch den Glauben das Leben haben“.

Der Glaube ist die Annahme der Wahrheit Gottes, das JA zur „Offenbarung“, zur Selbstmitteilung Gottes durch die Propheten des Alten Bundes und besonders durch Christus, seinen eingeborenen Sohn.

Der Glaube kommt von Hören“, wie das bekannte Apostelwort erklärt  –  also nicht vom Fühlen oder rein menschlichen Denken; das sind nur Begleiterscheinungen. Entscheidend ist unser Hören auf Gottes Wort, auf seine Selbstoffenbarung in Christus, die uns die Kirche in Wort und Sakrament verkündet.

Wir sind also Katholiken, weil Christus selbst die Kirche gegründet hat, „damit sie die Wahrheit haben in Fülle“.  

Auch diese Aussage finden wir der Sache nach im Neuen Testament: So bezeichnet Paulus die „Kirche des lebendigen Gottes“  als „Haus Gottes“ und als eine „Säule und Grundfeste der Wahrheit“ (1 Tim 3,15).

Der hl. Apostel nennt die Christen sodann „Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes“, die auferbaut sind „auf der Grundlage der Apostel und Propheten, während Jesus Christus der Eckstein ist, in welchem der ganze Bau zusammengefügt ist zu einem heiligen Tempel im Herrn.“(Eph 2,19)

Aus diesen Worten geht hervor, daß Christus der Kirche vor allem zwei Aufgaben verliehen hat: sie soll als „Haus Gottes“ und „Tempel im Herrn“ die Wahrheit in Fülle verkünden und zugleich das Leben in Fülle vermitteln, also die Menschen durch „Wort und Sakrament“ zum Himmel führen.

Paulus bezeichnet die Apostel als „Diener Christi und Verwalter seiner Geheimnisse“ (1 Kor 4,1). Christus gab seinen Aposteln den Lehrauftrag: „Geht hinaus in alle Welt und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen.“ (Mk 16,15)

WORT und SAKRAMENT in ihrer HARMONIE

Dieser doppelte Auftrag in Wort und Sakrament wird allein in der kath.  Kirche in seiner ganzen Vielfalt, Fülle und Harmonie wahrgenommen.

Während die protestantischen Konfessionen insgesamt gesehen sehr „wortlastig“ sind, ist die Orthodoxie genau das Gegenteil, gewissermaßen „sakramentenfixiert“.

Allein die kath. Kirche hält hier eine gesunde Mitte ein, getreu jener vom Heiligen Geist getragenen Vernunft und Einsicht, die  Einseitiges und Extremes vermeidet.

Die „Wortlastigkeit“ des Protestantismus ist offensichtlich und in den reformierten Bekenntnissen, vor allem bei den Calvinisten, besonders ausgeprägt.

Hingegen haben die Lutheraner vergleichsweise mehr von der „sakramentalen“ Denkweise der kath. Kirche beibehalten. Immerhin vertrat Luther in der „Abendmahlsfrage“  – im Streit um die „Realpräsenz Christi“  – gegenüber Calvin und Zwingli einen Standpunkt, der dem katholischen Glauben relativ nahesteht. Auch die „Bilderstürmerei“ durch Reformierte bzw. „Wiedertäufer“ lehnte Luther ab.

Es handelt sich gleichwohl nur um graduelle Unterschiede innerhalb des Protestantismus. Im Wesentlichen  ist man sich darin einig, daß es in erster Linie Aufgabe kirchlicher Vertreter sei, das Wort Gottes zu verkünden  – die Sakramente dienen eher als Begleitmusik, gelten mit Ausnahme der Taufe als nicht heilsnotwendig, wobei sogar die Heilsnotwendigkeit der Taufe von einigen protestantischen Konfessionen bestritten wird (zB. Freikirchen, Baptisten, Mennoniten, Adventisten).

Die Orthodoxie hingegen vertritt genau das andere Extrem: Dort ist das kirchliche Leben weitgehend auf Gottesdienst und Sakramente konzentriert  – man könnte inso-fern von einem „Sakristei-Christentum“ sprechen. Im orthodoxen Gottesdienst, der sich stundenlang hinziehen kann, fehlt normalerweise die Predigt, ebenso vermißt man Lesungen aus dem Alten Testament (die es nur ausnahmsweise gib).

Bezeichnenderweise gibt es in der Orthodoxie kein  eigentliches, verbindliches  „Dogmengebäude“,  keine präzise,  systematische, klarumrissene, „amtliche“  Glaubenslehre. (Insoweit ist es auch bezeichnend, daß die katholische „Scholastik“ abgelehnt wird  – und das nicht nur deshalb, weil diese zeitlich erst nach der Abspaltung der Orthodoxie auftrat; vielmehr wird die Verstandesbetontheit der Scholastik kritisiert.)

Der orthodoxe Glaube wirkt weniger vernunftorientiert,  er  erscheint mitunter eher wie eine weihrauch-umschwängerte Mysterienreligion, geprägt von spirítuellen Weisheiten und geheimnisvollen Betrachtungen über das „geistliche Leben“ usw.   – Im Vergleich zur Orthodoxie sind sselbst Protestanten mit ihren lehrhaften “Bekenntnisschriften“ strukturell noch stärker dogmatisch und systematisch orientiert.

Allein die kath. Kirche versteht es aber, erleuchtet vom Heiligen Geist, die beiden Grundpfeiler „Wort und Sakrament“ in ihrer ausgewogenen Bedeutung zu erkennen und zu gewichten.

So werden Einseitigkeiten vermieden, die ganze Wahrheit in ihrer Fülle  präsentiert und zur Harmonie eines umfassenden (und daher eben „katholischen“) Glaubens geführt.

Von der KRIPPE über das KREUZ zur HERRLICHKEIT

Diese Ausgewogenheit der Wahrheiten zeigt die kath. Kirche auch auf einer anderen Ebene, nämlich in „heilsgeschichtlicher“ Hinsicht:

Während die lutherische Mentalität bekanntlich auf die „Kreuzestheologie“ fixiert ist (weshalb z.B. der Karfreitag für Evangelische der höchste kirchliche Feiertag ist), konzentriert sich die Orthodoxie auf eine „Theologie der Herrlichkeit“, stark bezogen auf Auferstehung, Himmelfahrt und Pfingsten, auf die glorreichen Heilsgeheimnisse also.

Aus dieser Glaubensweise ergibt sich in spiritueller Hinsicht eine intensive Sehnsucht nach einer „Vergöttlichung“ des Menschen, was in manchen orthodoxen Werken derart stark betont wird, daß der Eindruck entstehen könnte, der grundlegende Abstand zwischen Gott und Mensch, der Abgrund zwischen Schöpfer und Geschöpf werde nicht mehr ausreichend beachtet, der Himmel gewissermaßen „vorweggenommen“. Aber hienieden wandeln wir eben im Glauben und durchaus nicht im Schauen, wie Paulus betont (2 Kor 5).

Allein die kath. Kirche knüpft hier wieder das Band der Harmonie: sie betont auch die „Inkarnations-Theologie“, also das Wunder der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus.

Daher die hohe Bedeutung von Weihnachten, daher die Verehrung der Gottesmutter, daher die vielen Darstellungen der seligen Jungfrau mit dem Christuskind, daher auch die Innigkeit und Wärme einer gesunden katholischen Marienfrömmigkeit.

Nicht zu vergessen der „Angelus“, das Gebet vom „Engel des Herrn“, der Maria die Botschaft brachte, wobei fromme Katholiken das Knie beugen, wenn es im Angelus heißt: „Und das Wort ist Fleisch geworden  – und hat unter uns gewohnt.“

Dasselbe geschieht beim „Großen Credo“ im überlieferten Ritus der hl. Messe: Beim Abschnitt „ER hat Fleisch angenommen vom Heiligen Geist aus Maria der Jungfrau und ist Mensch geworden“ kniet sich die Christenschar hin, um das zentrale Heilsgeheimnis der Menschwerdung Gottes zu ehren.

Gleichwohl weiß auch die kath. Kirche die Bedeutung von Kreuz und Auferstehung zu würdigen. Das Kreuzzeichen, das Freitagsgebot, das Kruzifix, der Kreuzweg und besonders das Meßopfer orientieren sich an Christi Opfertod auf Golgotha, Dreh- und Angelpunkt unserer Erlösung.

Auch von einer Vernachlässigung des Osterglaubens kann nicht die Rede sein, ist Ostern doch das höchste Fest im katholischen Kirchenjahr  – und auch durch Sonntagsheiligung und Sonntagskirchgang feiern wir die Auferstehung des HERRN.

Ergebnis also: Allein die Katholische Kirche gibt allen drei heilsgeschichtlichen Stufen (Inkarnation, Kreuzestheologie, Auferstehung)  den ihnen gebührenden Rang, verfällt in keine Übertreibungen, praktiziert keine Einseitigkeiten, sondern läßt auch hier alles in geordneter Harmonie an seinem richtigen Platz, verkündet und feiert die Heilsgeschichte in ihrer ganzen Vielfalt und Fülle von der Krippe über das Kreuz zur Herrlichkeit.

Von diesen drei Etappen der neutestamentlichen Heilsgeschichte zeugt auch der Rosenkranz, der einen betenden Bogen spannt von der Verkündigung des HERRN über Golgotha bis hin zur himmlischen Glorie.

Während die protestantische Glaubenswelt sehr christozentrisch orientiert ist gemäß dem reformatorischen Prinzip „Christus allein“ (solus Christus), ist die orthodoxe Spiritualität stark auf den Heiligen Geist bezogen, also pneumatisch geprägt.  Das zeigt sich dort auch in der Liturgie, etwa bei der Epiklese, der Herabrufung des Heiligen Geistes vor der hl. Wandlung.

Merkwürdig ist allerdings, daß das Sakrament der Firmung bei den Orthodoxen meist an die Kindertaufe „drangehängt“ wird und dadurch viel an eigenständiger Bedeutung einbüßt.

Auch in der Anbetung der heiligsten Dreifaltigkeit verzichtet die Katholische Kirche auf einseitige Fixierungen; sie läßt die drei göttlichen Personen quasi alle zu ihrem Recht kommen, auch Gott-Vater, den Schöpfer und „Gesetzgeber“. Keine Konfession betont die Bedeutung der göttlichen Gebote so stark wie die Katholische Kirche. Dabei verweist sie auf das zeitlos gültige Wort des HERRN: „Willst Du zum Leben eingehen, so halte die Gebote!“ (Mt 19,17)

Felizitas Küble, Leiterin des KOMM-MIT-Verlags und des Christoferuswerks in Münste


Bischof Peric über die wirkliche Gottesmutter und die „Erscheinungen“ von Medjugorje

Firm-Predigt von Bischof Ratko Peric am  1.7.2000 in Medjugorje

Liebe Firmlinge
und alle anderen frommen Gläubigen!

Gestern wurde der Tag des Heiligsten Herzens Jesu an mehreren Orten in unseren Diözesen festlich gefeiert.  Heute feiert die Kirche den Gedenktag des Unbefleckten Herzens Mariens.

Früher war dieser Gedenktag am 22. August (ich erinnere mich mit Dankbarkeitsgefühl Gott gegenüber daran, dass ich 1969 gerade diesen Mariengedenktag für meine Primiz ausgewählt habe)  –  und seit mehreren Jahren wird er am Tag nach dem Feiertag des Herzens Jesu gefeiert  – nebeneinander: und es ist auch recht so. Der heutige Gedenktag regt uns an, über die Heilige Jungfrau Maria, die vom Heiligen Geist erfüllt war, insbesondere über ihr mütterliches Herz, einige Worte zu sagen.

In der Heiligen Schrift wird zweimal das mütterliche Herz Mariens erwähnt:

1)   Nach allem, was sich um die Geburt Jesu abspielte, schreibt der hl. Lukas: „Maria aber bewahrte alle diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen“ (Lk 2, 19).

2)  Nach der Begegnung im Tempel, als Jesus 12 Jahre alt war, schreibt wieder der hl. Lukas: „Seine Mutter bewahrte alle diese Worte in ihrem Herzen“ (Lk 2,51)

Es ist eine einfache, mütterliche, menschliche Geste und Ausdrucksweise: sie bewahrte mit Dankbarkeit und erwog mit Liebe alle diese Worte  bzw. alle Erinnerungen in ihrem mütterlichen Herzen.

Sowohl in einem wie im anderen Fall wird nicht nur über die Worte geredet, die die Heilige Jungfrau gehört hat, denn in der ursprünglichen griechischen Sprache rhemata heißt Worte: Nachrichten, Lehre, Ereignisse, Erinnerungen.

Die Heilige Jungfrau erwägt es in ihrem Herzen, wie wenn man an den Perlen des Rosenkranzes die freudenreichen Geheimnisse erwägt, bewahrt es wie einen großen Schatz, bedankt sich bei Gott und bittet ihn, all das in ihrem Kopf und Herzen sinnig einzubinden.

Maria erzählte alles höchstwahrscheinlich dem HERRN, nachdem er erwachsen war; von IHM konnte sie den Sinn dessen hören und während seiner und ihrer Lebenszeit den vollen und verwirklichten Sinn all dieser Erinnerungen und Ereignisse erleben.

In den Evangelien erfahren wir einige Male, dass Maria etwas sagte, Fragen stellte, Gebete sprach. In den Evangelien nach Matthäus und  Markus gibt es keine direkte Rede Mariens. In den Evangelien des hl. Lukas und hl. Johannes gibt es einige direkte Äußerungen von ihr:

1)  In Nazareth fragte sie den Engel der Verkündigung: „Wie wird dies geschehen, da ich keinen Mann erkenne?“ (Lk 1, 34). Und nachdem der Engel es auf eigene Art und Weise erklärt hatte

2) nahm sie es an und sagte: „Mir geschehe nach deinem Wort.“ (Lk 1,38).

Diese Aussage Mariens wiederholen wir Katholiken täglich wenigstens einmal, wenn nicht dreimal, im Angelus-Gebet (Engel des Herrn).

3) Gottverherrlichend ist ihr Danklied aus zehn Zeilen, das Magnificat, ähnlich dem Gebet der alttestamentlichen Mutter Hannah:

„Hochpreiset meine Seele den Herrn –  und mein Geist frohlockt in Gott, meinem Heiland…Seine Barmherzigkeit währet von Geschlecht zu Geschlecht über denen, die ihn fürchten…“ (Lk 1, 46-56).

Diesen Lobgesang beten oder singen wir Priester und Ordensleute jeden Abend aus unserem offiziellen Brevier als Pflichtgebet.

Danach zwei Worte, die Maria zu Christus sprach:

4)  Als er 12 Jahre alt war, damals im Tempel, als man ihn fand, sagte sie: „Kind, warum hast du uns das angetan? Siehe, dein Vater und ich suchten dich mit Schmerzen“ (Lk 2, 48), was heute im Evangelium gelesen wurde.

5)  Am Anfang des öffentlichen Wirkens Jesu bei der Hochzeit zu Kana in Galiläa: „Sie haben keinen Wein mehr“ (Joh, 2,3). Und gleich danach

6) sagte sie zu den Dienern: „Alles, was ER euch sagt, das tut“ (Joh 2,5). Möglicherweise ähnlich bei noch weiteren Gelegenheiten.

Über diese Bibelstellen, in denen Maria direkt und ausdrücklich etwas fragt, sagt, betet, und über andere Stellen, wo sie zuhört, wo sie als Jungfrau und Mutter beschrieben und dargestellt wird, wurden tonnenweise theologische Bücher geschrieben, unzählige marianische Tagungen und Abhandlungen abgehalten, ernsthafte mariologische Magister- und Doktorprüfungen abgelegt.

Aus diesen biblischen Worten sprießt auch unser Glaube, unsere Beziehung zu Maria als Mutter Jesu und Leitbild im Glauben; hier ist sie uns Vorbild und Hilfe.

Besonders lieben wir das Wort Mariens, dass die Barmherzigkeit Gottes über denen währet, die ihn fürchten, denen, die in sich die Gabe der Ehrfurcht vor Gott und vor seinen Geboten haben.

Firmlinge, betet heute und immer besonders um die Geistesgabe der Ehrfurcht!

Wenn man das berücksichtigt, wenn man durch die Heilige Schrift Maria als fromme und schweigsame Jungfrau, als sorgsame und besonnene Mutter kennenlernt, die alles in ihrem Herzen erwägt und sehr wenig darüber erzählt, dann kann ein Gläubiger über die Geschichte nur staunen, dass sie hier in Međugorje schon seit fast zwanzig Jahren  –  ein Jahr weniger  –  von Tag zu Tag angeblich „erscheine“ und jeweils fünf, zehn oder fünfzehn Minuten lang den sogenannten „Sehern“ etwas übertrage: entweder in Form von sogenannten „Botschaften“ oder in Form von „zehn Geheimnissen“ (…)

Bedeutet dies, dass diese “Erscheinung, die bis vor kurzem etwa 6.940 Male geschah bzw.19 Jahre mal 365/6 Tage? Und dass sie ständig alltäglich erzählt und sich nur einmal im Monat mit einer öffentlichen “Botschaft” meldet, sich bei den angeblichen “Sehern” bedankend, ihrem Ruf gefolgt zu sein? Und dies zwanzig Jahre lang, und es würde so weiterhin in den nächsten zehn-zwanzig Jahren  –  oder wie lange auch immer  –  fortgesetzt.

Die offizielle Kirche, von den lokalen Bischöfen bis zur Bischofskonferenz, hat in diesem Fall nie eine „Erscheinung“ als authentisch (echt) anerkannt.

Es wurde klar und deutlich erklärt, dass es nicht möglich ist, festzustellen, dass es sich überhaupt um übernatürliche Erscheinungen handelt.

Deswegen habe ich seelenruhig, entschlossen und deutlich am 14. Februar 1998 an den lokalen Pfarrer geschrieben: „Für die angeblichen sogenannten phantasiereichen und von der Katholischen Kirche weder anerkannten noch akzeptierten ‘Erscheinungen’ sollen den ‘Sehern’ für deren „Privatgebrauch’ keine offiziellen kirchliche Räumlichkeiten im Eigentum des Pfarramtes zur Verfügung gestellt werden”.

Der Pfarrer hat dies bereitwillig und gehorsam angenommen. Deswegen gebe ich hier die eindeutige Erklärung ab  –  und zwar als zuständiger Ordinarius bzw. Bischof, dass mich keine sogenannte “Erscheinung”, keine sogenannte „Botschaft“ davon überzeugt, dass es sich um eine übernatürliche Erscheinung handelt.

Die Botschaften über Frieden und Gnade, über Fasten und Gebet, über Liebe und Buße sind ohnehin sowohl auf der biblischen als auch auf der Ebene der Kirchenlehre auf offizielle Weise ausgedrückt.

Und was ist mit den berühmten “Geistesgaben”?

Liebe Gläubige,

immer, indem ihr eine Kirche betretet und gläubig zu Gott betet, eure Sünden aufrichtig bekennt und bereut sowie mit Andacht die hl. Kommunion empfangt, könnt ihr diese Geistesgaben empfangen.

Die Firmlinge empfangen die Siebenfache Gabe des Heiligen Geistes  –  nicht weil sie in Međugorje oder in Mostar oder in Rom sind, sondern weil dies Sakrament von einem rechtmäßigen Amtsträger gültig gespendet wird.

Kein Mensch, der vernünftig ist und an Gott glaubt, würde sagen, dass es in den Pfarreien in der Welt, wo heilige Sakramente gültig und dem Kirchenrecht gemäß gespendet werden, keine Geistesgaben gibt.

Wo der Geist Gottes wirkt, dort gibt es auch die Geistesgaben!

Die Katholische Kirche läßt sich in ihrer Lehre und Bewahrung der heilbringenden Wahrheit nicht von der Anzahl  – ob viel oder wenig  –  der Menschen oder Völker leiten. Die Kirche Christi hält sich daran, was Gott verkündete, sowohl über sich selbst als auch über den Menschen und so auch über Maria, von der wir im Glauben festhalten

dass sie makellos empfangen wurde,
dass sie Muttergottes ist, d. h. dass sie nach dem Heilsplan des Vaters durch den Heiligen Geist unseren Erlöser Jesus Christus, den Sohn Gottes, die zweite Person der Heiligsten Dreifaltigkeit empfing und gebar
dass sie für immer Jungfrau blieb,
dass sie mit Seele und Leib in den Himmel aufgenommen wurde.

Die Kirche hält daran fest und glaubt, dass die hl. Jungfrau Maria erscheinen kann, dass sie im Laufe der Geschichte erschienen ist  –  dass es aber bis heute weder Beweise noch überzeugende Argumente gibt, dass sie in Međugorje jemals übernatürlich erschienen ist.

Wir alle, sowohl ihr Firmlinge als auch wir, beten zur hl. Jungfrau Maria, zur Mutter Jesu und unserer geistlichen Mutter, daß sie mit der Liebe ihres makellosen Herzens bei Gott für uns Fürbitte einlege. Möge sie mit ihrer mütterlichen Fürsorge über uns, über diese Ortschaft, über unser Bistum und die ganze Welt wachen. Amen.

QUELLE:  Internet-Portal des Bistums MOSTAR:

http://www.cbismo.com/index.php?mod=vijest&vijest=429


Die Sieben Gaben des Heiligen Geistes

Der Prophet Jesaja kündigt in einer messianischen Vorschau an, daß Christus auch in seinem Menschsein ganz von den Gaben des Heiligen Geistes erfüllt sein wird. In der Septuaginta  –  der jüdisch-antiken Übersetzung des Alten Testamentes ins  Griechische  –  heißt es in Jesaia 11,2 f.:

„Der Geist des HERRN ruht auf IHM: der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis, der Frömmigkeit und der Gottesfurcht.“ big_33825650_0_1000-666

Aus dieser prophetischen Aussage der Heiligen Schrift hat die katholische Kirche ihre Lehre von den „Sieben Gaben des Heiligen Geistes“ entfaltet, die im Sakrament der Firmung vermittelt werden.

Dies geschieht durch Gottes Gnade und den Dienst der Kirche, nicht aus eigener Anstrengung, denn der Mensch kann sich die Gaben des Heiligen Geistes nicht eigenmächtig „aneignen“, geschweige kann er über den Heiligen Geist, „verfügen“, der nicht etwa nur eine „Kraft“ ist, sondern die anbetungswürdige dritte Person des dreieinigen Gottes.

Die katholische Lehre von den Sieben Gaben des Heiligen Geistes ist also keine selbstgebastelte „Zahlensymbolik“, sondern geht auf den Propheten Jesaja zurück.

Zugleich entspricht die Siebenzahl der Geistesgaben auch der Siebenzahl der Sakramente  – und der Siebenzahl der Tugenden.

7 Sakramente  –  7 Tugenden  –  7 Geistesgaben

Die 7 Sakramente lauten: Taufe, Buße (Beichte), Hl. Kommunion, Firmung, Ehe, Priesterweihe und Krankensalbung.

Die 7 Tugenden teilen sich auf in die drei göttlichen Tugenden (Glaube, Hoffnung, Liebe) und die vier Kardinaltugenden (Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit, Mäßigkeit.)

Zurück zu den Sieben Gaben des Heiligen Geistes, über die leider kaum noch gepredigt oder im Religionsunterricht informiert wird, was zur Folge hat, daß zuweilen nicht einmal die Firmlinge darüber Bescheid wissen.

Die Sieben Gaben, die das Wirken des Heiligen Geistes im Menschen zum Ausdruck bringen, sind also folgende:

Der Geist der WEISHEIT
und des VERSTANDES (der Einsicht),
der Geist des RATES
und der STÄRKE,
der Geist der WISSENSCHAFT (Erkenntnis),
der FRÖMMIGKEIT
und der GOTTESFURCHT.

Mit WEISHEIT ist keine Ansammlung bloßen Wissens gemeint, sondern die Gabe, Gottes Wort zu erforschen und seinen Willen zu erkennen  – und ins eigene Herz aufzunehmen.

Bei der Gabe des VERSTANDES bzw. der EINSICHT geht es nicht allein um die natürlich-menschliche Vernunft, obwohl diese dazugehört, zumal sie von Gott geschaffen ist: Die Gnade baut auf der Natur auf und vollendet sie!  –  Hier ist vielmehr vor allem jene Einsicht gemeint, die immer tiefer in die Glaubensgeheimnisse eindringt und die fähig ist, Gutes und Böses, Wahrheit und Irrtum zu unterscheiden (Gabe der Unterscheidung der Geister).

Die Gabe des RATES hilft uns, den Willen Gottes in unserem Alltagsleben und vor wichtigen Entscheidungen zu erkennen. Wichtig ist es, guten Rat sowohl annehmen wie auch geben zu können   –  dazu hilft uns z.B. das Lesen der Heiligen Schrift, eine ernsthafte Gewissensbildung und die Wahl guter Freunde.

Die Gabe der STÄRKE entspricht in etwa der Kardinaltugend der Tapferkeit: hier geht es um die Bereitschaft, für Gott, seinen Gebote und unseren Glauben falls nötig auch Nachteile, Spott und Verfolgung in Kauf zu nehmen, um standhaft und unerschütterlich dem Willen Gottes gemäß zu sprechen und zu handeln.

Die Gabe der WISSENSCHAFT bzw. der ERKENNTNIS schenkt uns die Fähigkeit, menschliche Vernunft und Wissenschaft in den Dienst des Glaubens und eines sittlich guten Lebens  zu stellen und auf diese Weise der eigenen Ethik und dem Gemeinwohl zu dienen.

Die Gabe der FRÖMMIGKEIT meint keine abgehobene, weltfremde Einstellung, sondern die bewußte Gestaltung unseres alltäglichen Lebens aus einer tiefen Verbindung mit Gott  – etwa durch Gebet, Gottvertrauen, Sakramente, Werke der Nächstenliebe, Einsatz für Glaube und Kirche.

Die Gabe der GOTTESFURCHT hat nichts mit panischer Angst oder irdischer Furcht zu tun, sondern mit der nötigen Ehrfurcht vor Gott und seiner vollkommenen Heiligkeit, Erhabenheit und Herrlichkeit   –   wie dies dem Geschöpf gegenüber seinem Schöpfer geziemt. Die Gottesfurcht ist verwandt mit der Demut, der Bescheidenheit vor dem Ewigen im Bewußtsein unserer geschöpflichen Armseligkeit und unserer Anfälligkeit für die Sünde.

Diese Sieben Gaben des Heiligen Geistes sollen unser Christenleben prägen, gestalten und stärken. Wie wir sehen, geht es hier nicht um „Außergewöhnliches“, nicht um enthusiastische Schwärmerei, nicht um weltfremde Verstiegenheiten, sondern um einen besonnenen, vernünftigen und starkmütigen Glauben, der sich im Alltag bewährt und der auch in Leiden und Nöten standhält und treu bleibt.

Um diese Gedanken zusammenfassend auf einen Nenner zu bringen, können wir feststellen: der Heilige Geist ist ein Geist der Besonnenheit und der Nüchternheit, der Erkenntnis und der Selbstbeherrschung.  Der glaubensstarke Völkerapostel Paulus schreibt in diesem Sinne an seinen Schüler bzw Mitarbeiter Timotheus, daß Gott uns „einen Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit geschenkt“ hat (2 Tim 1,17).

Daher bringt der Heilige Geist keine unnüchternen, schwarmgeistigen Früchte hervor, die seiner Natur widersprechen, zu der eben auch die Besonnenheit gehört. Der heilige Paulus ruft mehrfach dazu auf, auch in seinem Brief an die Römer, worin es heißt, jeder solle „darauf achten, besonnen zu sein“ (Röm 12,3).

Felizitas Küble, Leiterin des KOMM-MIT-Verlags und des Christoferuswerks in Münster

Foto-Quelle: http://www.klosterstudio.de/pfingst-novene.html