Johannes Dyba: Würdigung eines herausragenden Bischofs und Cartellbruders

Von Ehrendomherr Edmund Dillinger

Buch-Daten: Küble, Felizitas (Hg.): Der Löwe von Fulda. Ökumenische Würdigung eines guten Hirten, Komm-Mit-Verlag, Münster 2015, 207 S., Euro 14,80, ISBN 978-3-921090-98-5.  Fürs CF verwenden
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Im Dezember 2015 haben 33 Autoren ihre Begegnungen und Erfahrungen mit dem bekannten und allseits ver­ehrten Erzbischof von Fulda, Cbr Dr. Johannes Dyba, des Urmitglieds der KDStV Fredericia Bamberg, in ­einem Buch veröffentlicht.
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Viele Cartellbrüder sind unter den ­Autoren, z.B. Bischof Heinz Josef Algermissen (G-S), Prof. Hubert Gindert (Alf), Prof. Dr.Dr. Wolfgang Ockenfels OP (Tt), Prof. Dr. Cornelius Roth (PM), Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Cp), Leo Lennartz (ArH) und weitere.
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Berichtet wird über einen Bischof im ausgehenden 20. Jahrhundert, der alle Freuden und ­Traurigkeiten erlebte, die man in Deutschland als Mann der Kirche durchstehen muss. Er war dem überlieferten Glauben treu, stand zum Nachfolger des Apostels Petrus und verteidigte die ­Morallehre, selbst wenn das manchen Zeitgenossen  –  auch inner-
halb der Kirche  –  nicht mehr passte.
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Er wurde der landesweit bekannte Beschützer der ungeborenen Kinder, er kämpfte gegen die Abtreibung und gegen die missbräuchliche Anwendung des Be­ratungsscheines.
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So stand Cbr Erzbischof Dr. Dyba, dem der Cartellverband sehr viel bedeutete (und der auch danach handelte), stets im Kreuzfeuer der Kritik. 200px-Dillingern_PB_Rom
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Vor dem Fuldaer Dom wurden Demonstrationen gegen ihn angezettelt. In Marburg wurde er angegriffen und in Tübingen wurde ihm die Tür zur Kirche, in der er für die CV-Verbindungen die heilige Messe zelebrieren sollte, durch eingespritzten Lack verschlossen.
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BILD: Papst Benedikt und Pfr. Edmund Dillinger auf dem Petersplatz
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In allen Schwierigkeiten und verbalen Angriffen auf seine Person, so schreibt einer der Autoren, „behielt er sein jungenhaftes Lachen“. Er unterstützte die Gründung des „Forum Deutscher Katholiken“, das immer wieder in Fulda tagt(e). 
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Erzbischof Dyba ist eine herausragende Bischofsgestalt der katho­lischen Kirche in Deutschland. Er erinnert an den heiligen Bonifa-­tius. Er hat den Priestern, die heute wie Soldaten an der Front des ­Unglaubens kämpfen müssen, Mut zugesprochen.
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Gabriele Kuby schreibt in diesem Buch: Die Priester „sollen Seelsorger sein und gleichzeitig effiziente Manager immer größerer Seelsorgseinheiten. Sie sollen gute Hirten sein, aber ihre priesterliche Autorität mit ­anspruchsvollen Pastoralreferentinnen und Laienräten teilen (…).  Die Priester werden angegriffen und im Ordinariat angeschwärzt, wenn sie fromm sind“ (S. 99 f.).            
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Diese Buchbesprechung von Ehrendomherr Edmund Dillinger wurde in der aktuellen Ausgabe der ACADEMIA (Nr. 3/2016) veröffentlicht, der Zeitschrift des Cartellverbandes der katholischen deutschen Studentenverbindungen (CV).
Siehe hier (S. 57)http://www.cartellverband.de/index.php?eID=dumpFile&t=f&f=2806&token=00d0228b17bb3218ffeb42c4765341527fa9875c
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Wir danken Chefredakteur Dr. Veit Neumann für die freundliche Abdruckerlaubnis.

Dyba-Erinnerungsband: Neuerscheinung über den mutigen „Löwen von Fulda“

Von Günter Mayer

Die folgende Besprechung ist in der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift „Kirche heute“ erschienen:

Unter dem Titel „Der Löwe von Fulda“ hat Felizitas Küble in ihrem KOMM-MIT-Verlag einen Gedenkband über Erzbischof Dr. Dr. Johannes Dyba herausbracht. In 33 Würdigungen zeigt sie das Lebenswerk des streitbaren Hirten auf.  Fürs CF verwenden

Der von zahlreichen Katholiken getragene Wunsch, den allzu früh verstorbenen Bischof durch eine Seligsprechung als beispielhaften Glaubenszeugen herauszustellen, hat wesentlich zu dieser Publikation beigetragen.

Johannes Dyba war während seiner Bischofszeit in Fulda ein „Stein des Anstoßes“ und zwar nicht nur für die herkömmlichen Gegner der Kirche, sondern auch für jene, die sich  –  nachkonziliar – innerhalb der Kirche eine andere Kirche wünschten.[1]

Seine Amtsjahre fielen in die unruhige Zeit nach 1968, als viele alles verändern wollten, nur weil es bisher so war. Wer sich dem entgegen stellte, wirkte notwendig wie ein Prellbock und wurde zum Brennspiegel der Zeitumstände.

Daher sind die Würdigungen im Buch Der Löwe von Fulda, welche Dyba und sein Werk unter verschiedenen  –  auch stark subjektiv betonten  – Blickwinkeln beleuchten, über die Person des Erzbischofs hinaus ein Spiegelbild der Zeit. Für mich steht deshalb nicht nur seine Person im Mittelpunkt, sondern ebenso das Problem seiner Zeit und seine Not, die er damit hatte. Die verschiedenen Blickwinkel machen das Buch zu einem Werk, das einen unverfälschten Rückblick auf diese Jahre ermöglicht.

Der übernatürliche Glaube

„Credo, Credo, Credo“ überschreibt ein Konvertit (Pfarrer Kemmether) seinen Beitrag  –  und trifft damit das eigentliche Problem der Kirche. Es berührt mich, dass ich bei vielen Predigten heute den Eindruck gewinne, Gott spiele in dieser Kirche keine aktuelle Rolle mehr. Durch den Kreuzestod Jesu und seine Auferstehung sei das Jenseitige geregelt (wir kommen alle, alle in den Himmel) und damit kann man sich dem Diesseitigen widmen, mit dem man eher Beifall der Menge gewinnen kann. 1577

Glaube als Voraussetzung der Umkehr und Barmherzigkeit erst als Frucht dieser Umkehr werden so nicht mehr gesehen. Mehr und mehr wandelt sich die Kirche zu einem Verein für Soziales und Folklore (vgl. Reinhard Dörner, S. 47).

Kein Wunder, wenn sich viele abwenden; denn das können andere besser! Ein solcher Verein braucht keine Priester, nur die Kirchensteuer! Wenn Dyba sagte „Alles kommt und geht, die Kirche aber ist geblieben“ (S. 47), meinte er weniger die äußere Erscheinung, die „gruppendynamischen Prozesse“ und Synoden, sondern die „Gemeinschaft der Gläubigen“, die auch in Katakomben überleben kann, wie wir z.B. aus Albanien wissen. Und für diese Gemeinschaft ist uns der Beistand des Heiligen Geistes zugesagt.

Parallelen zwischen Galen und Dyba

„Die Kriegserklärung gegen die Religion“ ist das zentrale Anliegen unserer Zeit (Inge Thürkauf) und der Beitrag zeigt, welcher Personen und Institutionen sich der Satan heute bedient. Erforderlich wären „Streiter Christi mit beispielhaftem Mut“, die man heute in der organisierten Kirche nur noch selten findet. Haben unsere Bischöfe vielleicht mehr Angst vor den Medien als ihre Vorgänger vor Hitlers KZ?

Wie die Bischöfe Kardinal Galen ab 1945 für ihr eigenes Schweigen (S. 46) als Alibi benutzt und auf ein Denkmal in Münster gestellt haben, so wird sich die bischöfliche Gemeinschaft in vielleicht 50 Jahren auf Dyba berufen, wenn eine neue Generation von ihnen verlangt, sich für die Heutigen an die Brust zu schlagen.

Und so vergleicht Reinhard Dörner Erzbischof Dyba mit Kardinal Galen. Beiden ging es um das Leben, von der Zeugung bis zum Tod. Dyba kämpfte gegen die Abtreibung; Galen  –  der dieses Problem nicht hatte –  gegen die Euthanasie. Auch Dyba wusste schon, dass diese auf uns zukommen wird.

Aber es gibt auch andere Gemeinsamkeiten. Galen durfte das Ende der Nazizeit erleben, Dyba den Fall der Mauer, den er so sehr gewünscht hatte (Kirchenrat Sauerzapf, S. 153). Beide starben eines plötzlichen Todes: Galen nach einer Predigt gegen das Verhalten der Siegermächte, Dyba nach Predigten gegen den Zeitgeist.

Kampf um die Jugend

Dass man gezielt der Jugend die „Andockstellen“ des Glaubens schon in der Kita raubt und damit eine glaubenslose Generation züchtet, zeigt der erschreckende Beitrag von Konrad Badenheuer (S. 23). Frau Meves erinnert sich, dass Dyba entsetzt über die „nicht tolerierbaren Auswüchse der Sexualmoral“ in der Jugendarbeit seiner Diözese war. __Erzbischof_Dyba

Auch ich war als ehrenamtlicher Jugendführer (KJG) nach 1968 damit konfrontiert und versuchte, meine Erfahrungen in der Novelle „Steffens letzte Ferien“ in Form einer Erzählung zu verarbeiten. Hierzu wäre ein Beitrag der KPE, welcher Erzbischof Dyba so nahe gestanden hat, wünschenswert gewesen.

Frau Kuby hebt hervor, dass Dyba staatlich tolerierte Störungen des Gottesdienstes erleben musste, wie sie sich in der Nazi-Zeit nicht ereignet haben. Mich entsetzt der Gedanke, dass so manches Predigt-Thema in jenen – Gott sei Dank – vergangenen Tagen (Ehe, Familie, Abtreibung, Homosexualität, radikaler Feminismus) keine staatliche Stelle gestört hätte; heute aber durchaus den Staatsanwalt auf den Plan rufen kann.

Die Befürchtung von Konrad Badenheuer (S. 22) ist real und bedroht nicht nur den predigenden Priester, sondern auch die gläubigen Hörer. Die kürzlich in juristische Mode gekommene „Neuinterpretation des Beihilfebegriffes“ ermöglicht es, alle Gläubige zu belangen, die bei einer neuerdings strafrechtlich relevanten Predigt die Kirche nicht unter Protest verlassen haben.

Unmissverständliches Zeugnis

Pater Groppe SJ erinnert an Dybas Mahnung, dass wir nicht für die Verbrechen der Nazizeit, sondern für unser eigenes Tun und Lassen von heute Rechenschaft abzulegen haben. Lassen wir uns nicht von nachkonziliaren Priestern beruhigen, es gäbe bei Gott kein Gericht! Wir werden nicht dadurch gerechtfertigt, dass wir im Entschuldigungswahn unseren Vorfahren an die Brust schlagen, um damit zu zeigen, was wir für „tolle Christen“ sind.

Nahezu alle Verfasser erwähnen und loben die glasklare Sprache, die den Erzbischof von seinen Mitbrüdern im Bischofsamt unterschied und diese und andere provozierte. Dass seine juristische Kompetenz bei der Berufung wirklich eine Rolle gespielt hat (S. 45), bezweifle ich.

Doch dürfte seine juristische Ausbildung, welche dem Theologiestudium vorangegangen war, zu seiner deutlichen Rede beigetragen haben. Denn als Jurist lernt man, dass die Wortwahl derart eindeutig sein muss, dass verbal keine andere Auslegung möglich ist. Darin unterscheiden sich Juristen von solchen Theologen, die sich gerne so vage ausdrücken, dass ihnen jeder zustimmen und sie niemand greifen kann.

Die Würdigung von Kardinal Lehmann (S. 48) ist für mich eher ein Kompromiss zwischen Anstand und Ehrlichkeit, jene des „Spiegel“ (S. 44) dagegen konsequent und jene von Scharping (S. 75) glaubwürdig. Auch ich hätte gerne gewusst (Konrad Badenheuer, S. 20), was Erzbischof Dyba zu den Fragen unserer Zeit sagen würde. Eines ist sicher: die Linke würde sein Bild nicht auf ihre Wahlplakate kleben.

Ich bewundere Frau Küble, welche sich diese Herkules-Arbeit praktisch allein aufgeladen hat, nicht nur, um den Erzbischof zu ehren, sondern um unverzichtbares Wissen über unsere Zeit für die Zukunft zu erhalten.

[1] Dass es in höchsten Kreisen Leute gibt, die im Konzil eine Zäsur zwischen alter und neuer Kirche sehen, geht deutlich aus der Erwiderung von Uwe C. Lay auf die Schrift von Kardinal Marx „Kirche überlebt“ in „Theologisches“ 11-12/2015 hervor.

Unser Autor Günter Mayer aus Kaiserslautern ist Justizoberamtsrat i.R., Sachbuchautor und Verfasser christlicher Kinder- und Jugendliteratur; außerdem ist er stellv. Vorsitzender des Christoferuswerks, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.


Erzbischof Johannes Dyba ging als „Löwe von Fulda“ in die Geschichte ein

In der österreichischen Zeitschrift „Vision 2000“ (Nr. 2/2016) erschien eine informative Besprechung des Gedenkbandes „Der Löwe von Fulda“, der im Dezember 2015 im KOMM-MIT-Verlag erschienen ist, um an den glaubensstarken Erzbischof Johannes Dyba aus Fulda zu erinnern.

Die katholische Theologin, Journalistin und Familienmutter Doris de Boer aus Kevelaer verfaßte zu diesem Buch folgenden Beitrag:Unsere PK pro Bischof DYBA (2)

In der Nacht zum 23. Juli 2000 war Erzbischof Johannes Dyba (1929 – 2000) plötzlich verstorben. Die Ordensfrau, die seinen Haushalt machte, fand ihn am frühen Morgen tot im Bett. Die Todesursache ist bis heute unklar.

Eine Woche vorher hatten Homosexuelle vor seinem bischöflichen Haus eine wüste Orgie veranstaltet. Die zum Teil nackt vor dem Bischofshaus tobenden Lesben und Schwulen stießen über Stunden Verwünschungen und Verfluchungen gegen den Fuldaer Erzbischof aus. In Dyba sahen sie ihren am meisten gehassten Gegner, denn er hatte den Mut, sich unerschrocken für die Heiligkeit der Ehe von Mann und Frau einzusetzen.

Der Fuldaer Oberhirte war ein Bischof, wie man ihn sich nur wünschen kann, denn er trat unbeirrbar für die Wahrheit und das Leben ein und ging für Gott und die Kirche keine faulen Kompromisse ein.

Mutig erhob er seine Stimme auch für den Schutz des Lebens, sei es geboren oder ungeboren, behindert oder gesund, alt oder jung. Er ging als „Löwe von Fulda“ in die Geschichte ein und ist heute noch im Herzen vieler Christen unvergessen.

Unter Federführung der Publizistin und Verlagsleiterin Felizitas Küble ist im Münsteraner KOMM-MIT-Verlag anlässlich des 15. Todestages von Erzbischof Johannes Dyba am 23. Juli 2015 ein sehr lesenswerter Erinnerungsband erschienen. Fürs CF verwenden

Der Titel der gut 200 Seiten umfassenden, vierfarbigen Gedenkschrift mit zahlreichen Fotos lautet: „Der Löwe von Fulda. Ökumenische Würdigung eines guten Hirten.“

33 namhafte katholische und evangelische Persönlichkeiten aus Kirche, Kultur, Theologie, Kunst, Wissenschaft und Publizistik berichten darin über ihre persönlichen Erinnerungen an den Fuldaer Erzbischof.

So weiß etwa seine Schwester, Barbara Dyba-Roth, zu berichten:

„Ich habe noch nie einen Menschen mit einem so tiefen Glauben kennen gelernt wie meinen Bruder. Es war der sprichwörtlich Berge versetzende Glaube, deshalb konnte er auch den Glauben so klar und furchtlos verkünden. „Gott ist da und er liebt uns“  –  das war sein 7-Worte-Kurzkompendium des Glaubens.

Manchmal konnte dieser Glaube für mich auch etwas seltsame Blüten treiben. Ich bin von Beruf Apothekerin  –  und als ich ihm einmal einen Plan aufstellte, welche Tabletten und Sprays er für Herz und Bronchien nehmen sollte, sah er mich mit seinem entwaffnenden Lächeln an und sagte: „Es heißt: Kein Auge hat es gesehen und kein Ohr hat es gehört, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben“ (vgl. 1 Kor 2,9)  – Und dann komme ich in den Himmel und sehe all diese Herrlichkeit und dann denke ich, wenn ich nun all diese Medikamente von Bärbel nicht genommen hätte, all diese Herrlichkeit hätte ich dann schon 10 Jahre früher haben können.“

Der Leser erfährt viele interessante Episoden aus dem Leben von Erzbischof Dyba, auch von langjährigen Weggefährten, von Mitkämpfern für den Lebensschutz, von Mitbrüdern im priesterlichen oder bischöflichen Dienst. flyerstralsund2

So kommt etwa seine behütete Kindheit in Berlin und Heiligenstadt zur Sprache sowie die regen Gespräche zwischen Vater und Sohn, die dem vierjährigen Dyba bereits den Ehrentitel „Philosoph“ einbrachten. Sie schildern seinen Mut und seine Entschiedenheit in Glaubensfragen, sein tiefes Vertrauen, das dem Bewusstsein seiner Gotteskindschaft entsprang; seine Schlagfertigkeit, seinen Witz und Humor, die ihn zu einem gern gesehenen Gast in Talkshows machten.

Er war ein impulsiver und entschlossener Charakter. Oft sagte er: „Des Teufels liebstes Möbelstück ist die lange Bank!“  –  Vor vielen Entwicklungen in Kirche und Gesellschaft warnte er, doch oft mit Scherz: „Heute stehen wir am Abgrund, morgen sind wir ein Stück weiter!“ 

Er sah die Krise der Kirche sehr kritisch und forderte oft eine theozentrische Wende. Er sagte: „In der Kirche soll Gott herrschen.“  – Und weiter: „Wir müssen als Kirche zum Wesentlichen unseres Auftrags zurückfinden. Nicht mehr soziale, gesellschaftspolitische, organisatorische Fragen dürfen weiter im Vordergrund stehen. Vor lauter Aktionismus vergessen wir Gott. Wir haben noch nie einen so breiten amtlichen Apparat und gleichzeitig noch nie so wenig Begeisterung in der Kirche gehabt wie gegenwärtig bei uns.“

Immer behielt er einen Blick für die Armen. Vor seiner Bischofsernennung war er Nuntius in Liberia. Dieses Land, das von einem Jahrzehnte langen Bürgerkrieg zerrissen war, hat er oft mit seinem privaten Vermögen unterstützt und auch als Bischof für dieses Land gebettelt.

Sein großes Vorbild in all seinem Kämpfen und Ringen war der heilige Bonifatius. Möge uns dieser große Apostel der Deutschen auch heute Bischöfe vom Format eines Johannes Dyba schenken!

Unterstützungsunterschriften für eine Seligsprechung von Erzbischof Dyba können übrigens online hier abgegeben werden: http://forum-deutscher-katholiken.de/aufruf/

Buch-Daten: Felizitas Küble (Hg.): Der Löwe von Fulda. Ökumenische Würdigung eines guten Hirten. 33 Autoren schreiben über Erzbischof Johannes Dyba. Münster 2015. 207 Seiten im Hardcover, ISBN 978-3-921090-98-5


Der Gedenkband zeichnet ein „sehr lebendiges Bild“ von Erzbischof Johannes Dyba

Von Dr. Friederike Hoffmann-Klein

So verschieden die Persönlichkeiten der 33 Autoren auch sind, die in dem jetzt im KOMM-MIT-Verlag erschienenen Gedenkband über den Fuldaer Erzbischof Johannes Dyba einen Beitrag schreiben, so vollkommen stimmen sie überein, wenn es darum geht, seine Person zu beschreiben, seine Menschlichkeit, seine Zivilcourage und Klugheit, seinen unerschrockenen Mut und seinen Humor, ja bisweilen sogar Galgenhumor. Fürs CF verwenden

Er war Diplomat, aber nicht bereit, sich vor klaren Stellungnahmen zu drücken. „Nicht was ankommt, ist wichtig, sondern worauf es ankommt“, so könnte man Dybas Haltung umschreiben; eine Haltung, die gerade in unserer Zeit Seltenheitswert besitzt.

Geboren in Berlin-Pankow am 15. September 1929, wächst Erzbischof Dyba mit drei Geschwistern in Berlin und Heiligenstadt auf. Zum Studium der Philosophie und Rechtswissenschaft geht er zunächst nach Bamberg.

In Heidelberg  –  dort wird er Mitglied der katholischen Studentenverbindung Arminia  –  legt er 1952 das erste Staatsexamen ab. Mit einer völkerrechtlichen Arbeit wird er 1954 zum Dr. jur. promoviert. Doktor des kanonischen Rechts wird er 1962.

1959 empfängt er die Priesterweihe durch Kardinal Frings, 1979 die Bischofsweihe. Er besucht die päpstliche Diplomatenakademie in Rom und wird 1962 Leiter der deutschen Abteilung im Päpstlichen Staatssekretariat. Als Nuntiaturrat geht er in verschiedene außereuropäische Länder.

Über 20 Jahre verbringt er im diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls. Nicht seine glänzende Karriere stand jedoch für ihn an erster Stelle, sondern die Familie: die Eltern, die Geschwister und deren Kinder. Die Erinnerung an Dyba ist in seinem Bistum bis heute lebendig – und weit darüber hinaus.

Furchtlosigkeit und Freude, Klugheit und Humor

Mit großer Übereinstimmung, die bis in die Wortwahl reicht, zeichnen die verschiedenen Autoren ein lebendiges Bild des Erzbischofs. Erfrischend und humorvoll beschreibt ihn seine Schwester Barbara Dyba-Roth (siehe Foto). Furchtlosigkeit und Freude, Klugheit und Humor seien die ihn zuallererst kennzeichnenden Eigenschaften. 001_INDEX - Kopie

Sein Blick für das Wesentliche wird von vielen Autoren betont, ebenso sein Realismus und seine Zivilcourage. Seine Haltung in Bezug auf die Frage der Abtreibung ist ohne diesen Realismus schwer zu verstehen. Ein klares Verbot wird oft als Einmischung verstanden, statt als eine ethisch-moralische Vorgabe.

„Das verstehen die gar nicht“, so gibt B. Dyba-Roth die Beurteilung ihres Bruders wieder. Als Priester dürfe er, der Diplomat, auch nicht immer nur diplomatisch sein. Abstand von sich selbst und Selbstironie sind Eigenschaften, die einen guten Diplomaten kennzeichnen. „Wenn die sagen, ich solle doch am besten dorthin gehen, wo der Pfeffer wächst, dann kann ich ihnen nur entgegnen: Was soll ich dort?  –  Da komme ich ja gerade her!“  –  eine humorvolle Bemerkung, die ihn beschreibt.

Als Diplomat im Dienst des Heiligen Stuhls hat er die herausragende Rolle verstanden, die der Kirche dabei zukommt, für Frieden und Gerechtigkeit in der Welt einzustehen. Dies muss im Blick haben, wer seinen Kampf gegen Liberalismus und Relativismus besser verstehen will. Hart und unnachgiebig, wie ihn seine Gegner gerne beschreiben wollten, war er nur, wenn es darum ging, Gefahren für die Kirche und für unser Land zu begegnen.

Erzbischof Dyba beschrieb die Situation in Deutschland mit den Worten: „In zwanzig Jahren auf dem spiegelglatten Parkett des vatikanischen diplomatischen Dienstes ist mir nicht so oft bedeutet worden: `Das darf man aber nicht sagen!` wie in einem einzigen Jahr als Bischof in Deutschland“.

„Er war ein Mensch mit Standpunkt“

Dabei ließ Erzbischof Dyba auch seine Gegner nicht gleichgültig. Seine Position forderte heraus. „Er war ein Mensch mit Standpunkt und machte keinen Hehl daraus. Das imponierte vielen, auch wenn sie seine Meinung nicht immer teilten“, schreibt einer der Autoren über ihn. Dyba war aber auch deshalb in den Medien so präsent, weil sich die anderen gerne davor drückten. Die F.A.Z. bezeichnete ihn einmal als „agent provocateur“. 1577

Oft hatte Dyba unter dem mangelnden Mut seiner Mitbrüder zu leiden, die viele seiner Ansichten teilten, aber dann doch nicht den Mut fanden, für ihre Überzeugung in der Öffentlichkeit einzustehen. Mehr als einmal hat er einen seiner Bischofskollegen fragen müssen: „Warum sagen Sie das nicht in der Öffentlichkeit?“

Wesensfremd war ihm eine solch angepasste Haltung seiner Mitbrüder, ihm, der während seiner diplomatischen Karriere die Tapferkeit der afrikanischen Bischöfe erlebt hatte.

Höchste Achtung und Wertschätzung erfuhr er auch von evangelischer Seite. Viele evangelische Christen sahen in ihm „ihren“ Bischof.

Auch als Militärbischof seit 1990 wurde Dyba für seine klare Haltung geschätzt. Der damalige Verteidigungsminister Scharping umriss anlässlich von Dybas Tod seine Rolle, die er als Militärbischof ausgefüllt hat, mit den Worten:

„Militärbischof Dyba hat mit seiner Ausstrahlung den Soldaten der Bundeswehr das Bewusstsein vermittelt, dass Frieden und Versöhnung höchste Güter menschlichen Zusammenlebens sind. In den fast zehn Jahren seines Wirkens für die Katholische Militärseelsorge der Bundeswehr hat er die Herzen vieler Soldaten für sich gewonnen.“

Seine Beliebtheit bei den Soldaten verdankte er nicht allein ihrer Verteidigung gegen den Angriff auf ihre ethische Integrität in Form des Soldaten=Mörder-Urteils des Bundesverfassungsgerichts, gegen das er sich empört gewehrt hat. Dyba selbst hat die Militärseelsorge einmal als seine Erholung bezeichnet.

Das Buch zeichnet ein sehr lebendiges Bild des früheren Fuldaer Bischofs.

Buch-Daten: Felizitas Küble (Hg.), Der Löwe von Fulda. 33 Autoren schreiben über Erzbischof Johannes Dyba, KOMM-MIT-Verlag, 1. Aufl. 2015, ISBN 978-3-921090-98-5, Preis 14,80 €, ab 4 Stück Mengenrabatte

Erstveröffentlichung dieser Besprechung in der Wochenzeitung JUNGE FREIHEIT vom 25. März 2016

Buchbestellungen bei: felizitas.kueble@web.de / Tel. 0251-616768


„Löwe von Fulda“: Würdigung unseres DYBA-Gedenkbandes in der „Tagespost“

Die „Tagespost“ aus Würzburg veröffentlichte am 27.2.2016 eine ausführliche Besprechung der Neuerscheinung aus dem KOMM-MIT-Verlag: „Der Löwe von Fulda“ über Erzbischof Johannes Dyba, den Oberhirten von Fulda, der am 23. Juli 2000 überraschend verstarb.

Der Autor Urs Buhlmann schreibt unter dem Titel „Über die Faszination des echten Hirten“ Folgendes über den von Felizitas Küble herausgebrachten Sammelband mit über 35 Beiträgen katholischer und evangelischer Verfasser:  Fürs CF verwenden

Ein Gedenkband zu Ehren des Fuldaer Erzbischofs Johannes Dyba zeigt, dass klares Profil über die konfessionellen Grenzen hinaus ausstrahlt.

Er fehlt, er fehlt sehr: Johannes Dyba (1929 – 2000) war das Muster eines intelligenten Konservativen, eines vielseitig gebildeten Kirchenmannes, der seine Anliegen mutig und froh vertrat. Ein Bischof mit Herz und  –  das darf man bei einem in Berlin-Wedding Geborenen und in Pankow Getauften wohl sagen  –  „Schnauze“, einer, der sich nicht die Butter vom Brot nehmen ließ.

Das erfuhren auch seine bischöflichen Mitbrüder, die sich häufig genug eine Mitkommentierung bei journalistischen Anfragen durch den seit 1983 als Bischof von Fulda amtierenden vormaligen Kuriendiplomaten gefallen lassen mussten – auch wenn die Anfrage eigentlich dem Vorsitzenden der Bischofskonferenz galt.

Bei Medien gefragt wegen seiner klaren Rede

Mit Dyba wollten die Journalisten sprechen, weil sie wussten, dass er Klartext redete, gerade wenn es um die kirchlichen Reizthemen ging. Darüber waren wieder manche in der Kirche heimlich froh, die sich öffentlich nie so zu Wort gemeldet hätten, auch wenn sie in der Sache einer Meinung mit dem klar formulierenden Fuldaer Oberhirten waren.

Wie gesagt, Dyba fehlt – doch jetzt kann man sich an ihn erinnern. Ein Gedenkbuch versammelt Reflexionen von 33 Autoren, auch aus dem evangelischen Bereich, zum „Löwen von Fulda“, wie er hier leicht verklärend genannt wird.

Der Band ersetzt nicht den 2002 erschienenen Sammelband von Gotthard Klein und Monica Sinderhauf in der empfehlenswerten Reihe „Quaestiones non disputatae“, gibt also keine Zusammenfassung der wichtigsten Predigten und Beiträge des Erzbischofs (und leider nicht einmal seinen Lebenslauf).

Er macht aber deutlich, wie vielen dieser unkonventionelle Kirchenmann etwas bedeutet hat und wie sehr sich offenbar „Normal-Katholische“ einen „unverschämt katholischen“ Hirten wünschen.

Weihbischof Laun über Dyba und den hl. Thomas Morus

Mitten hinein ins Dyba-Universum führt der Salzburger Weihbischof Andreas Laun, der den Verstorbenen zu Thomas Morus in Verbindung setzt und zunächst einräumt: „Mag schon sein, dass er manchmal ,zu hart‘ formuliert hat und ,klüger‘ hätte sein können.“  bildma1

Aber genau diese undiplomatische Verkündigung des gelernten Diplomaten hätte Dyba mit den großen Propheten des Alten Testamentes gemeinsam gehabt. Dem österreichischen Mitbruder gefällt jedenfalls, was der deutsche Bischof einmal einem Journalisten auf die Frage nach seiner „Außenseiterrolle“ antwortete:

„Ich werde in mehr oder weniger kurzer Zeit vor Gott in der Ewigkeit stehen. Da werde ich doch jetzt keine Zeit mehr dazu verschwenden, faulen Kompromissen nachzujagen oder um Mehrheiten, in welchen Gremien auch immer, besorgt zu sein. Die Stunde ist da, um Gottes Botschaft – und dazu gehören auch seine Gebote – in Klarheit und Wahrheit zu verkünden.“

Also sprach der Mann, der auch seinen Amtsbrüdern etwas auszurichten hatte: „Wenn Johannes der Täufer sich verhalten hätte wie die deutschen Bischöfe, wäre er im Bett gestorben.“

Unerschrockener Einsatz für die ungeborenen Kinder

Da mag Dyba auf seine kompromisslose Haltung zum Lebensschutz Bezug genommen haben, die nicht überall geteilt wurde: Er ließ die Glocken läuten für die Ungeborenen, die einer Abtreibung zum Opfer fielen, und stieg 1993 als Allererster aus dem staatlichen System der Schwangerschaftskonfliktberatung aus, weil „Lizenzen zum Töten“ eines ihrer Ergebnisse sein können. Foto von Elstrud Consoir

Dagegen und auch gegen erste staatliche Pläne zu einem Lebenspartnerschaftsgesetz für gleichgeschlechtliche Paare begehrte Dyba leidenschaftlich auf.

Weihbischof Laun erinnert sich an den Vorwurf eines anderen deutschen Bischofs: „Johannes, du operierst ohne Narkose“  –  worauf der Angegriffene antwortete: „Und ihr operiert gar nicht!“

Viele der Beiträge im Würdigungs-Band stammen aus den Reihen der Lebensschützer, die im verstorbenen Erzbischof  –  er führte dieses Rang als persönlichen Titel weiter, weil er ihn als Nuntius bekommen hatte, bevor er nach Fulda ging  –  einen Fürsprecher im Episkopat hatten wie seitdem kaum mehr.

Prof. Dr. Peter Beyerhaus: Er war auch „unser“ Bischof

Der evangelische Missionswissenschaftler Peter Beyerhaus hält fest: „In der Tat sahen viele evangelische Christen in ihm ihren eigenen Bischof. Das zeigte sich darin, dass – wie er uns berichtete – über die Hälfte aller sich hilfesuchend oder dankbar an ihn wendenden Zuschriften von Protestanten kamen, die sich von ihren Kirchenleitungen geistig im Stich gelassen fühlten“.

Der lutherische Pastor Joachim Cochlovius: Wenn „evangelisch“ bedeutet, Grundsätze zu vertreten, dann war Bischof Dyba ein „evangelischer Christenmensch“.

Die Kombination von Eindeutigkeit und Kampfgeist verschaffte Dyba allerdings nicht nur Freunde, in gewisser Weise hat er sein ganzes Leben lang kämpfen müssen. Als Nuntius in Liberia wurde er damit konfrontiert, dass ein Oppositions-Politiker Schutz in der Nuntiatur suchte, wie Leo Lennartz zu berichten weiß. „Auch als Dyba selbst mit Erschießen gedroht wurde, gab er seinen Schützling nicht heraus.“  – Was dazu führte, dass er bei späterer Gelegenheit auf der Straße überfallen und krankenhausreif geschlagen wurde.

Sinn für Humor und Berliner Wortwitz

So war er nun innerlich gewappnet, denn sein Einsatz für den Lebensschutz in Deutschland brachte ihm wiederum Hass und Verfolgung ein  –  bis hin zu wiederholten Handgreiflichkeiten. Bei der „Verarbeitung“ mag ihm sein echter, von Herzen kommender Sinn für Humor, mit Berliner Wortwitz verbunden, geholfen haben. Jeder, der Dyba erlebt hat, erinnert sich an sein offenes Lachen. Jan laechelt von der Mauer des Bischofgartens  - Kopie

Einen „Katalysator“ im eigentlichen Sinn des Wortes nennt ihn sein CV-Bundesbruder Leo Lennartz: „Er provozierte Entscheidungen. Bei Erzbischof Dyba war es eigentlich einfach: Entweder war man für ihn oder gegen ihn. So machte er es Freunden und Gegnern leicht, sie aber keineswegs ihm. Die einen bezeichneten ihn als einen neuen Abraham a Sancta Clara, andere als Axt Gottes.“

Etwas deprimierend ist es, feststellen zu müssen, dass vieles, was Johannes Dyba an unheilvollen Entwicklungen vorausgesehen hat, seitdem noch weit schlimmer geworden ist, als es der hellsichtige Bischof seinerzeit vermuten konnte.

Müssen alle Bischöfe so sein wie Johannes Dyba? Wohl nicht, es wäre jedenfalls recht anstrengend für alle Beteiligten. Aber die Farbe, die er in das ansonsten doch recht einheitliche Spektrum der Bischofskonferenz eingebracht hat, die zugleich gelehrte, glaubensfeste und humorvolle Streitlust, gehört unbedingt mit hinein. Denn wie Stefan Meetschen in dem neuen Sammelband ganz zu Recht folgert: „Die Faszinationskraft echter Hirten vergeht nicht.“

Buch-Daten: Felizitas Küble (Hrsg.): Der Löwe von Fulda – 33 Autoren schreiben über Erzbischof Johannes Dyba, Komm-mit-Verlag, Münster, 2015, 207 Seiten, ISBN 978-3-921090-98-5, Preis 14,80 €

Fotos: KM, Elstrud Consoir, Gaby Kaudel


Erzbischof Dyba hatte viele Gegner, doch seine Anhänger waren und sind viel zahlreicher

Buchbesprechung von Doris de Boer

„Ich werde in mehr oder weniger kurzer Zeit vor Gott in der Ewigkeit stehen. Da werde ich doch jetzt keine Zeit mehr dazu verwenden, faulen Kompromissen nachzujagen oder um Mehrheiten, in welchen Gremien auch immer, besorgt zu sein. Die Stunde ist da, um Gottes Botschaft – und dazu gehören auch seine Gebote – in Klarheit und Wahrheit zu verkünden.“ Fürs CF verwenden

Erzbischof Johannes Dyba (1929 – 2000) war ein Bischof, wie man ihn sich heute wünschen würde, denn er trat mutig für die Wahrheit und das Leben auf und ging für Gott und die Kirche keine Kompromisse ein. Das trieb ihm zu Lebzeiten viele Gegner ein, aber noch zahlreicher waren und sind bis heute seine Bewunderer.

Unter Federführung der Publizistin und Verlagsleiterin Felizitas Küble ist im Münsteraner KOMM-MIT-Verlag anlässlich des 15. Todestages von Erzbischof Johannes Dyba am 23. Juli 2015 ein Erinnerungsband erschienen. Der Titel der gut 200 Seiten umfassenden Gedenkschrift lautet: „Der Löwe von Fulda. Ökumenische Würdigung eines guten Hirten.“

Darin berichten 33 namhafte katholische und evangelische Persönlichkeiten aus Kirche, Kultur, Theologie, Kunst, Wissenschaft und Publizistik über ihre persönlichen Erinnerungen an den Fuldaer Erzbischof. Sie schildern seinen Witz, Charme und Humor, seine offene, herzliche Art und seine Schlagfertigkeit, die ihn zu einem Stammgast bei öffentlichen Talkshows machten.

Sie würdigen seinen unerschrockener Einsatz für das Leben. So machte er sich besonders auch zum Anwalt der ungeborenen Kinder. Am 28. Dezember 1988, dem Tag der Unschuldigen Kinder, ließ er im ganzen Bistum Fulda die Kirchenglocken läuten als Trauerglocken für die vielen abgetriebenen Kinder.

Sein eigenes Bistum Fulda nahm er aus dem staatlichen System der Schwangerschaftskonfliktberatung heraus, denn so lautete seine Begründung: „Wir haben keine Lizenz zum Töten!“Foto von Elstrud Consoir

Vehement warnte er davor, dass die Freigabe der Abtreibung zwangsläufig auch zur Freigabe der Euthanasie führen würde, denn: „Wer Gott nicht mehr als HERRN des Lebens anerkennt, das ER uns schenkt und das ER uns nimmt, wenn ER uns in seiner Güte rufen will, der überlässt sich den Finsternissen menschlicher Willkür.“

Einige Tage vor seinem Tod musste er Attacken homosexueller Gruppen über sich ergehen lassen, da er sich ebenso vehement gegen das geplante Gesetz zur homosexuellen Lebenspartnerschaft wandte.

Viele seiner katholischen Mitbischöfe hielten ihn mehrheitlich für zu radikal, andererseits sahen viele evangelische Christen in ihm „ihren“ Bischof, der die Lehre Jesu in einer glaubensarm und glaubenslos gewordenen Zeit unbeirrt und standhaft vertrat.

In diesem sehr lesenswerten vierfarbigen Erinnerungsband mit vielen Fotos dieses großen Kirchenmannes schildern bedeutende zeitgenössische Christen aller Konfessionen diesen Bischof, der nie nur zeitgemäß sein wollte, sondern ewigkeitsgemäß und der gerade deshalb auch heute noch in den Herzen vieler Christen unvergessen ist.

Buchdaten: Der Löwe von Fulda. Ökumenische Würdigung eines guten Hirten. 33 Autoren schreiben über Erzbischof Johannes Dyba. Feliztias Küble (Hg). KOMM-MIT-Verlag, 208 Seiten. ISBN: 978-3-921090-98-5  –  Preis: 14,80 Euro (Mengenrabatt ab 4 Expl.)

Unsere Autorin Doris de Boer aus Kevelaer am Niederrhein ist Dipl.-Theologin, Journalistin und Familienmutter

Erstveröffentlichung dieses Beitrags in der österreichischen Monatszeitschrift „Der 13. – Glaube und Kirche“ (Februar-Ausgabe 2016)


Dyba-Gedenkband: eine gelungene Würdigung des „Löwen von Fulda“

Von Uwe C. Lay

Buchdaten: Der Löwe von Fulda. Ökumenische Würdigung eines guten Hirten. 33 Autoren schreiben über Erzbischof Johannes Dyba. Herausgegeben von Felizitas Küble, KOMM-MIT-Verlag Münster, 208 Seiten, erschienen 2015, Preis 14,80 € Fürs CF verwenden

Erzbischof Dyba war das „Entfant Terrible“ der Deutschen Bischofskonferenz:

„Der Fuldaer Bischof führte als gebürtiger Berliner in seinem bischöflichen Wappen keinen Teddy, sondern einen Bären und erwies sich oft genug als solcher. In der Bischofskonferenz galt er manchen als ‚enfant terrible‘, die zugleich froh waren, dass er sagte, was sie so deutlich nicht zu sagen wagten; anderen galt er als das Salz in der Suppe. Für die Medien gab es kein Thema, zu dem sie neben, ja oft sogar vor dem Vorsitzenden der Bischofskonferenz nicht auch Johannes Dyba hören wollten.“

So würdigt das Internetlexikon Wikipedia den vor 15 Jahren so plötzlich verstorbenen Bischof Dyba, hierbei die katholische Kirchenzeitung des Erzbisstums Berlin zitierend.

Auch der „Spiegel“ markiert in seinem Nachruf deutlich, warum dieser Bischof kein Liebling der Medien war:

„Als der Vatikan-Diplomat […] 1983 Bischof von Fulda wurde, war er bereits als ironisch-bissiger Kirchen-Fundi europaweit bekannt. Diese Linie  –  es gilt nur das päpstliche Wort  –  behielt er konsequent bei. Mit griffigen Sprüchen machte der gebürtige Berliner alles nieder, was in Deutschland altbackener katholischer Theologie und Moral widersprach: Abtreibung und Beratungsschein, Gays und Grüne, kritische Theologen und zögerliche Bischöfe, selbstbewusste Laien und jeglichen Demokratieversuch der Kirche.“

Mit Bischof Dyba verbindet sich zu allererst sein großer Kampf gegen die durch katholische Beratungsstellen ausgestellten Lizenzen zum Töten von Ungeborenen. Gerade sein Engagement für den Schutz des Lebens machte ihn dann auch zu einem Oberhirten, der weit über die Katholische Kirche hinaus Freunde und Bewunder fand.

Er stand und steht für das Bewahren der kirchlichen Lehre in Zeiten, in denen viele die Anpassung an den Zeitgeist für die wichtigste Aufgabe der Kirche ansehen. Daß er deshalb oft angefeindet wurde und wird, verwundert nicht.

Wer mehr über diese beeindruckende Bischofsgestalt erfahren möchte, ist gut aufgehoben in dem jetzt neu publizierten Buch „Der Löwe von Fulda“, herausgegeben von Felizitas Küble  –  mit dem Untertitel: Ökumenische Würdigung eines guten Hirten.

33 Autoren, katholische wie evangelische, zeichnen ihr Bild von diesem Bischof. Eingeleitet wird das Buch durch ein Geleitwort seines Nachfolgers, des Bischofs Algermissen (Fulda). Es entsteht durch die Polyphonie der einzelnen Beiträge so ein vielseitiges, diesem Bischof gerecht werdendes Portrait in den schweren Zeiten des heutigen Glaubens- und Sittenverfalles.

Es entsteht das Bild eines fest im katholischen Glaubens Stehenden, der mutig und unerschrocken die Fehlentwicklungen innerhalb der Kirche im Zeitgeist der 68er kritisierte und ihnen entgegentrat. Viel Erfolg war diesem Rufer in der Wüste nicht beschieden, auch wenn er maßgeblich an dem Ausstieg der Kirche aus der Praxis der Ausstellung von Tötungslizenzen beteiligt war.  Auch das verheimlichen die Autoren nicht.

So ist sein Werk kein abgeschlossenes, auf das der Leser nun beruhigt zurückblicken kann, sondern ein Auftrag zum Weiterwirken in seinem Geiste. Gerade dies verdeutlichen die vielen facettenreichen Beiträge. In einem Wort: eine gelungene Würdigung eines großen Streiters Jesu Christi.

Der Autor Uwe C. Lay ist Theologie und Konvertit; er war vor seinem Übertritt in die katholische Kirche als evangelischer Vikar tätig. Sein Beitrag erschien zuerst in der Zeitschrift „Theologisches“ (Nr. 1/2016)