Kritik an mangelhafter Ausbildung zum Heilpraktiker und esoterischen Tendenzen

Während in Österreich keine Heilpraktiker zugelassen sind, steht ihnen in Deutschland ein weites Betätigungsfeld zur Verfügung. Diese Freizügigkeit geht auf ein altes Gesetz aus der NS-Zeit zurück. 

Die “Süddeutsche Zeitung” veröffentlichte zu diesem Themenkreis am 15. Februar 2015 einen kritischen Bericht von Anousch Mueller.

Die Autorin hat selbst eine Heilpraktiker-Ausbildung erlebt und schildert aus dieser Zeit einige bedenkliche Erfahrungen unter dem Titel: “Alternativmedizin: Weißbrot gegen Krebs”:   Pillen-568x378

Zugleich stellt die Verfasserin klar: “Heilpraktiker ist nicht mal ein anerkannter Ausbildungsberuf wie Bäcker oder Kinderpfleger – und dies ist ein Erbe des Nationalsozialismus. Die einzige Legitimation ist das Heilpraktiker-Gesetz von 1939.” 

Allerdings regle 
es nicht etwa – wie man wohl erwarten würde –  die Ausbildung und Ausübung des Heilpraktiker-Berufes, sondern verbiete lediglich die Ausübung der Heilkunde ohne staatliche Zulassung.

Hierzu schreibt die Autorin, daß die amtsärztliche Überprüfung zwar “immerhin schulmedizinische Grundkenntnisse” gewährleiste. Allerdings werde die “naturheilkundliche Qualifizierung” nicht staatlich überprüft; zudem gäbe es “keine einheitliche Zertifizierungs-Regelung”.

Außerdem heißt es in dem Artikel von Frau Mueller:

“Auch die Bundesrepublik Deutschland hat es verpasst, diesen Beruf gesetzlich zu definieren. Daher gibt es bislang keine Rechtsverordnung und kein Standesrecht. Es existiert zwar eine Berufsordnung, die ist aber nicht rechtlich bindend. Ebenso fehlt eine Ausbildungsordnung, die Inhalt und Ziele der Ausbildung regeln würde. Heilpraktiker-Anwärter benötigen weder einen Eignungsnachweis noch ein absolviertes Praktikum.”

Die Autorin berichtet ausführlich von vielen esoterisch-abergläubischen Praktiken, die in diesem Spektrum gang und gäbe sind, teils auch von unerlaubten, gesundheitlich gefährlichen medizinischen Grenzüberschreitungen, die sogar in der “Ausbildung” zum Heilpraktiker vorkommen und eingeübt wrden.

Der folgende Kommentar von Frau Mueller trifft den Nagel auf den Kopf: “Eine solch laxe Praxis wäre in anderen Gesundheitsberufen undenkbar.”

Weitere Infos zur Heilpraktiker-Ausbildung hier: http://blog.gwup.net/2014/09/19/heilpraktiker-sind-wie-piloten-die-nur-wissen-wo-sie-nicht-hinfliegen-durfen/


Der FAZ-Herausgeber über wachsenden Aberglauben in einer “aufgeklärten” Welt

Am Samstag, den 7. Februar 2015, erschien in der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” auf der Titelseite ein bemerkenswerter Kommentar von Jürgen Kaube, dem FAZ-Herausgeber und stellv. Leiter des Feuilletons (Kulturteil).

Unter dem Titel “Die Dummheit blüht” äußert sich der Autor über das widersprüchlich erscheinende Phänomen, daß wir einerseits in einer “aufgeklärten Welt” mit moderner Technologie leben, aber “gleichzeitig” ein irrationaler Glaube bzw. Aberglaube wächst, zB. in puncto Esoterik oder Verschwörungstheorien. zeitungen

Kaube erwähnt die schon von Horkheimer und Adorno festgestellte “Dialektik der Aufklärung”, die u.a. darin besteht, daß Technik, Expertentum und Wissensvermehrung neben Fortschritt und Wohlfahrt auch viele verderbliche Entwicklungen befördert haben.

Zudem steigt, so der Verfasser, “täglich die Vielfalt des Aberglaubens”.  Er nennt neben politischen Konspirationsthesen auch den “privaten Bereich”, denn dort “blüht der Glaube an merkwürdigste Heilmethoden, an den Haaren herbeigezogene und dieselben sträubende Deutungsmuster”.

Die “gesteigerte moderne Bereitschaft zum Aberglauben” sieht der Autor mitverursacht durch die neue Medienentwicklung:

“Schon die Druckerpresse erhöhte nicht nur die Reichweite des Wissens, sondern beförderte auch die Übertreibungen. Auf die heutige Lage gewendet: Was vor kurzem noch im Rauch über den Stammtischen sich mitauflöste, steht jetzt im Netz. Jeder Blödsinn wird inzwischen verschriftlicht und findet auf diesem Weg eine Fachgemeinschaft von Mitdummköpfen.”

Hinweis: Den erwähnten Leitartikel gibt es jetzt auch FAZ-online: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/moderne-und-aberglaube-die-dummheit-blueht-13414273.html


Südafrika: Benedikt Daswa wurde Märtyrer, weil er magische Praktiken ablehnte

Papst stimmt einem Seligsprechungsverfahren zu

Für den katholischen Religionslehrer und kirchlich bestätigten “Diener Gottes” Samuel Benedikt Daswa aus Südafrika wird ein Seligsprechungsverfahren eröffnet, wozu Papst Franziskus am 22. Januar 2015 seine ZustimmuDr. Pelz.ng erteilte.

Die Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen empfahl dem Papst diese Entscheidung.

Der Tod des Katecheten wird als Märtyrium anerkannt, denn er starb, weil er sich gegen Magie bzw. Hexerei in seinem Dorf Nweli wandte.

Die Ältesten wollten einen heidnischen Medizinmann einsetzen, doch der glaubensstarke Katholik Daswa widersprach diesem Ansinnen.  Daraufhin wurde er von einem aufgebrachten Mob erschlagen bzw. zu Tode geprügelt.

Schon zuvor hatte der tapfere Lehrer sich wegen seiner Kritik an gewissen “traditionellen” Praktiken bei einem Teil der Bewohner unbeliebt gemacht.

Das Kirchenvolk in Südafrika freut sich besonders über diese päpstliche Entscheidung.

Quelle: Radio Vatikan (englischsprachig)  – Foto: Dr. Bernd F. Pelz

 

 


Der Irrglaube an die Astrologie nimmt zu

Der Glaube an die Astrologie ist ungebrochen, obwohl alle Erkenntnisse gegen sie sprechen. Der Astronom Florian Freistetter warnt vor zu viel Einfluss dieses Irrglaubens. p.txt

“Die Astrologie ist heute vermutlich genauso wenn nicht sogar beliebter als sie früher war”, sagte der Wissenschaftsautor Florian Freistetter im Deutschlandradio Kultur.

“Mittlerweile können wir eindeutig sagen, dass eben die Astrologie nicht geeignet ist, irgendwas über die Zukunft oder das eigene Leben zu erfahren.”

Es gebe für die Astrologie keinerlei physikalischen Grundlagen. Es sei für Astrologen erstaunlicherweise völlig egal, ob Planeten groß oder klein seien oder wie weit sie entfernt seien.

“Das Weltbild der Astrologie basiert ja immer noch darauf, dass die Erde im Zentrum ist und sich alles drum herum bewegt”, sagte er. “Da sind wir auch schon ein bisschen weiter mittlerweile.”

Astrologie sei ein Mittel, um scheinbare Sicherheit zu gewinnen, sagte Freistetter. Deshalb gingen einige Leute zum Astrologen, wenn sie Liebeskummer hätten oder schwerwiegende Entscheidungen fällen müssten.

Quelle und Fortsetzung des Artikels hier: http://www.deutschlandradiokultur.de/astrologie-verantwortung-abschieben-an-die-sterne.1008.de.html?dram:article_id=307506


Alle Jahre wieder – irren sich Astrologen…!

Nicht nur die Nostradamus-Deuter haben sich wieder mal geirrt – für die gesamte Orakelzunft war 2014 ein rabenschwarzes Jahr: avatar92

“Versinkende Pyramiden, ein kippendes Empire State Building und der zumindest teilweise Einsturz des Kolosseums in Rom gehörten für 2014 zu den Lieblingsprognosen des kanadischen Mediums Nikki Pezaro.

Während diese ein besonderes Faible für die Zerstörung weltweit bekannter Gebäude hatte, blieben ihre Kollegen hierzulande mehr bei den klassischen Prognosethemen und sagten Katastrophen aller Art voraus.

Die aktuelle Auswertung der Voraussagen von Hellsehern, Wahrsagern und Astrologen durch die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften zeigte auch für 2014 das gewohnte Bild.

Wahrsager entpuppen sich als Wahrversager, und auch der astrologische Blick in die Sterne liefert keine Informationen über die Zukunft.”

Quelle und Fortsetzung hier: http://blog.gwup.net/2014/12/12/vorhersehbar-astrologenkritik-an-gwup-prognosenauswertung/


NRW-Ministerin Barbara Steffens für kritische Auszeichnung “Goldenes Brett” nominiert

Erklärung der “Gesellschaft für kritisches Denken” in Wien:

Die Jury hat in sorgfältiger Abwägung die Top 3 Anwärter ausgewählt und darf nun verkünden, wer sich im Rennen um die Trophäe gegen die anderen Einreichungen durchgesetzt hat und mit besonderer Skur­ri­li­tät aufgefallen ist:

Barbara Steffens

Die Gesundheitsministerin des Landes Nordrhein-Westfalen ist eine deklarierte Anhängerin von Alternativmedizin  –  damit ist sie nicht alleine.

Besonders problematisch ist allerdings, dass sie als Politikerin die Alternativmedizin auch an Universitäten verankern will. Außerdem ist sie der Meinung, dass Alternativmedizin nicht nach den üblichen wissenschaftlichen Wirksamkeitskriterien beurteilt werden kann  –  eine Sichtweise, die jeden rationalen Diskurs über Alternativmedizin unmöglich macht.

Quelle und Vorstellung weiterer potentieller “Preisträger” hier: http://www.goldenesbrett.at/


Eine Medizin-Journalistin bestätigt: Die Esoterik-Welle wächst weiter

In einem Interview mit der “Wiener Zeitung” vom 10.11.2014 äußert sich die Medizin-Journalistin Dr. Krista Federspiel über den weiter zunehmenden Trend zum “Übersinnlichen”. Der Esoterikmarkt boomt nach wie vor  – und zwar vor allem in den westlichen Ländern.  DSC_0177_ShiftN

In den 80er Jahren hielten viele Beobachter dieses Phänomen für eine kurzfristige Welle, die kommt und wieder vergeht. Diese Vorstellung hat sich nicht bestätigt, die Faszination des Übersinnlichen erweist sich offenbar als stärker und tiefgreifender.

Auf den ersten Blick erscheint es merkwürdig, daß sich abergläubische bzw. esoterische Strömungen ausgerechnet in unserer “hochwissenschaftlichen” Welt so erfolgreich halten können.

Teils wirken sie als Gegenbewegung zu einer technisierten und unübersichtlich erscheinenden Zeit, teils entsprechen diese “spirituellen” Trends durchaus dem heutigen Zeitgeist, weil sie das menschliche “Ich” und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellen: so kann der Mensch seine transzendente religiöse Sehnsucht befriedigen, ohne zugleich an Gebote und sittliche Normen gebunden zu sein – eine “Spiritualität” also ganz nach Wunsch des Einzelnen.

Auf die Frage “Passen esoterische und spirituelle Methoden noch in unsere hochtechnologisierte Welt?” antwortet Frau Dr. Federspiel daher mit Recht folgendermaßen:

“Die Esoterik passt genau in unsere Gesellschaft. Heutzutage ist das Wichtigste, das ICH zu optimieren. ICH muss ins Fitness-Studio gehen, damit mein Körper fit ist, dann muss er operiert werden, damit er dem Schönheitsideal möglichst nahe kommt. ICH muss eine Diät machen, um schlank zu bleiben.

Das ICH steht absolut im Mittelpunkt aller Gedanken. Der Körper und seine Gesundheit sind derzeit nahezu religiöse Projektionsflächen. Auch die Esoterik stellt das ICH in den Vordergrund. ICH muss eine höhere Stufe des Bewusstseins erreichen. ICH kann auswählen, aus einer Palette von Ideen, die MICH ansprechen.

Esoterische Ideen spiegeln die Gesellschaft und waren zugleich immer eine Gegenbewegung zur rationalen Welt, in der bestimmte Bedürfnisse nicht befriedigt werden.”

Quelle und vollständiges Interview hier: http://www.wienerzeitung.at/themen_channel/wissen/mensch/?em_cnt=702579

Foto: Helga Pelz-Wagner


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