Social-Media-Atlas über Anwender-Aktivitäten: Twitter hat bei Teenis die Nase vorn

WhatsApper sehr interaktiv, Instagram und Blogs toppen Themenvielfalt

Für den aktuellen Social-Media-Atlas 2021 von Faktenkontor, IMWF und Toluna haben wir 3.500 im Hinblick auf Alter, Geschlecht und Bundesland repräsentative Internet-Nutzer (ab 16 Jahren) nicht nur gefragt, welche Dienste des Social Web sie in Anspruch nehmen – sondern auch, was sie dort eigentlich tun.

Eines haben alle Kanäle gemeinsam: Die meisten Anwender lesen und betrachten vor allem, was andere dort posten. Jenseits vom reinen Konsum fällt das, wer was wo wie im Web 2.0 macht, von Dienst zu Dienst aber ausgesprochen unterschiedlich aus.

Zum Beispiel WhatsApp: Im Internet-Messenger mit Gruppenchats zeigen sich die Nutzer besonders interaktiv. Hier schreiben mehr Onliner regelmäßig eigene Beiträge und teilen Inhalte Dritter als irgendwo sonst im Web 2.0. Und dies gilt tendenziell umso mehr, je jünger die Teilnehmer sind.  Gerade Unter-40-Jährige klicken in WhatsApp-Meldungen verstärkt auf Links.

Auf Facebook zeigen sich vor allem 30- bis 49-Jährige durch Likes, Kommentare und dem Folgen geposteter Links als überdurchschnittlich interaktiv.

Ein interessantes Detail zeigt sich beim Vergleich der Facebook-Nutzung durch berufliche Social-Media-Influencer einerseits und anderen Meinungsbildnern wie Publizisten oder Führungskräften aus Wirtschaft und Ehrenamt anderseits:

94 Prozent aller professionellen Social-Media-Influencer sind auf Facebook präsent. YouTuber, Blogger, Instagrammer & Co sind damit im Vergleich zur Allgemeinheit (60 Prozent) in Zuckerbergs Sozialem Netzwerk weit überproportional vertreten.

Von den anderen Meinungsbildnern nutzen hingegen lediglich 69 Prozent Facebook. Diese gesellschaftlichen Meinungsbildner verhalten sich dort aber wesentlich aktiver und interaktiver als die Social-Media-Influencer, die auf diesem Kanal sogar weniger posten, liken und teilen als Otto-Normal-Onliner.

Obwohl Twitter ebenso ein Urgestein des Social Webs ist wie Facebook, findet der Klassiker der Microblogging-Dienste im Gegensatz zu Mark Zuckerbergs nur zwei Jahre älterem Freunde-Netzwerk regen Zuspruch unter den jüngsten Netizens. Jeder zweite Onliner in seinen Zwanzigern nutzt Twitter. Im Alter zwischen 16 und 19 Jahren sind es mit 40 Prozent zwar etwas weniger – aber die Teens zeigen sich im Hinblick auf Liken, Kommentieren und Teilen überraschend als (noch) aktivere Zwitscherer als Twens.

Quelle und Fortsetzung der Meldung hier: https://www.faktenkontor.de/corporate-social-media-blog-reputationzweinull/was-machen-die-leute-eigentlich-in-den-sozialen-medien/


Hirnforschung und Spiritualität: Der Mensch neigt von Natur aus zur Religion

Ist der Mensch nicht nur als eine höhere Stufe seiner Kulturentwicklung, sondern vielmehr seit alters her „unheilbar religiös“? Sind das Bedürfnis nach Glaube und Frömmigkeit, nach einem „höheren“ Lebenssinn und „Spiritualität“ tief in seinem Wesen verankerte Neigungen?

Hat der Schöpfer in der menschlichen Natur und sogar in den „Hirn-Regionen“ gleichsam seine Spuren hinterlassen – auch in physiologischer Hinsicht? Oder läßt sich die menschliche Religions-Sehnsucht allein neurologisch oder psychologsich erklären?

Diese Fragen werden zwischen Theologen, Philosophen, Psychologen, Ethnologen und Neurowissenschaftlern seit langem teils kontrovers, teils übereinstimmend diskutiert.

In einem Artikel des Deutschlandfunks vom 15. Juli 2021 heißt es unter dem Titel „Spiritualität ist tief in der menschlichen Natur verwurzelt“ u.a.:

„Neurowissenschaftler konnten nachweisen, dass Spiritualität und Religion in einem überraschend alten Teil des Gehirns verankert sind.“

Christian Röther schreibt weiter über das „aquäduktale Grau“, mit dem ein „ziemlich alter Teil des menschlichen Gehirns“ definiert ist und das auch „zentrales Höhlengrau“ genannt werde:

„Dieses Grau ist an ganz grundlegenden Gefühlen beteiligt, wie Schmerz, Angst und Fluchtreflexen. Und offenbar hat es auch mit Religion und Spiritualität zu tun. Das hat ein US-amerikanisches Forscherteam jetzt herausgefunden, um den Neurowissenschaftler Michael Adam Ferguson.

Laut Verfasser ist Prof. Ferguson Dozent an der medizinischen Fakultät der Harvard University und Neurowissenschaftler in Boston: „Er hat sich spezialisiert auf „Neurospiritualität“ – also auf eine Mischung aus Hirnforschung und Spiritualitätsforschung.“

Der Neuro-Forscher erklärt, die „biologischen Grundlagen“ für die „religiöse Musikalität“ seien nicht in einem „einzelnen Gottesknopf“ zu suchen, vielmehr seien „unterschiedliche Hirnareale an religiösen Gefühlen beteiligt“.

Gleichzeitig gelte natürlich: „Dass alle Menschen diese Hirnareale haben, bedeute aber nicht automatisch, dass auch alle Menschen religiös sein müssten.“

Gemälde: Evita Gründler


Besteht zwischen Klimawandel, Jetstream und Flutkatastrophe ein Zusammenhang?

Politiker der etablierten Parteien bis hinein in die CDU und sogar Innenminister Seehofer (CSU), Grüne sowieso und natürlich auch die öffentlich-rechtlichen Medien sowie selbsternannte Umweltexperten erklären derzeit übereinstimmend, die Erderwärmung bzw. ein „menschengemachter Klimawandel“ sei die Hauptursache für das verhängnisvolle Unwetter in vielen Regionen von NRW und Rheinland-Pfalz.

Doch in Fachkreisen denkt man hierbei differenzierter, z.B. beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach, immerhin eine staatliche Stelle.

DWD-Meteorologe Andreas Friedrich sagte zur BILD-Zeitung: „Ein solches regionales Unwetter ist ein Einzelereignis, das ist Wetter. Die Behauptung, der Klimawandel ist schuld, ist so nicht haltbar.“

In der WELT am Sonntag (WamS) von heute (18.7.) erschien auf S. 3 ein Beitrag unter dem Titel „Ist der Klimawandel verantwortlich?“

Darin wird u. a. auf die Jetstream-Theorie – die vor allem vom ZDF vorige Woche schnell verbreitet wurde – eingegangen, der zufolge die globale Erwärmung Höhenwinde vermehrt ins Schlingern bringe. In Folge dieses Jetstreams würden „Wetterlagen länger verharren, Regen einen Ort verstärkt unter Wasser setzen“.

Dazu heißt es weiter: „Doch das widerspricht dem Stand der Wissenschaft. Eine Häufung verharrender Wetterlagen sei in Mitteleuropa nicht festzustellen, berichten Klimaforscher im Fachmagazin „Geophysical Research Letters“. Dies ist keine Überraschung, wie andere Studien zeigen. Ob der Jetstream verstärkt schlingere, erscheint einer Studie aus „Science Advantes“ zufolge unklar.“

Eher das Gegenteil erscheint klar, so die WamS hierzu, denn die angebliche Wirkung der Erderwärmung auf den Jetstream sei gerade „erneut widerlegt“ worden – dies hätten Klimaforscher im April auf der Jahrestagung der „European Geosciences Union“ berichtet.

Übrigens sind Elektro-Autos mit ihren spannungsgeladenen Hochvolt-Batterien bei Unfällen äußerst riskant und erst recht bei Hochwasser für Fahrer und Retter tödlich. – Näheres zu dieser Problematik hier: https://www.welt.de/wirtschaft/elektrotechnik/article159793495/Bergung-von-Elektroautos-ist-lebensgefaehrlich-fuer-Retter.html

Weitere Infos zu diesem Themenkreis hier: https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2021/meteorologen-klimawandel-flut-politiker1/

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Studie zu Meditationserleben und Bewußtsein

Pressemeldung der Universitäts-Medizin Mainz:

Bei der Meditation kann der Zustand des sogenannten reinen Bewusstseins erlebt werden, in dem das Bewusstsein als solches wahrgenommen wird. Dieser Zustand kann unterschiedlich erlebt werden, aber es gibt offenbar Empfindungen, die spezifisch für ihn sind, und auch Wahrnehmungen, Gefühle und Gedanken, die als solche unspezifisch sind und lediglich begleitend auftreten können.

Das sind nur einige der Ergebnisse der bisher umfangreichsten Befragung von Meditierenden zum Erleben des reinen Bewusstseins, die bisher vorgenommen wurde und deren Ergebnisse nun in der wissenschaftlichen Zeitschrift PLOS ONE erschienen sind.

Für die Studie hatten Prof. Dr. Thomas Metzinger vom Philosophischen Seminar der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und Dr. Alex Gamma von der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich einen Online-Fragebogen mit mehr als hundert Fragen entworfen und ihn von tausenden Meditierenden weltweit beantworten lassen.

„Forschungsziel war für uns aber nicht, mehr über Meditation zu erfahren, sondern mehr über das menschliche Bewusstsein“, sagt Metzinger. „Unsere Arbeitshypothese war, dass das reine Bewusstsein die einfachste Form des bewussten Erlebens ist. Und unser Ziel war es, von dieser Hypothese ausgehend ein Minimalmodell des menschlichen Bewusstseins zu entwickeln.“

Die Studie ist Teil des internationalen „Minimal Phenomenal Experience Project“, das von Metzinger geleitet wird.

Der Online-Fragebogen ist in den fünf Sprachen Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch und Italienisch abgefasst und wurde im vergangenen Jahr von rund 3600 Meditierenden ausgefüllt. Neben Fragen nach Informationen zu den Teilnehmerinnen und Teilnehmern selbst, etwa zum Geschlecht, Alter und den angewandten Meditationstechniken, enthielt das Formular 92 Fragen zum Erleben von reinem Bewusstsein oder „reinem Gewahrsein“, wie es auch genannt wird.

Diese Fragen lauteten zum Beispiel „Hatten Sie Temperaturempfindungen?“, „War Ihre Stimmung positiv?“ oder „Hatten Sie Gedanken?“. Sie konnten jeweils mit einer Art virtuellem Schieberegler von „nein“ bis „ja, sehr stark“ beantwortet werden. 1400 der Fragebögen wurden vollständig ausgefüllt, sodass Metzinger und Gamma sie für eine sogenannte Faktoranalyse verwenden konnten.

Mit dieser Art der statistischen Auswertung suchten sie nach Gruppen von Fragen, die häufig ähnlich beantwortet wurden. „Im Ergebnis fanden wir zwölf Gruppen, wodurch wir wiederum zwölf Faktoren benennen konnten, mit denen sich das reine Bewusstsein beschreiben lässt“, sagt Metzinger. „Typisch für das reine Bewusstsein scheint demnach beispielsweise ein Empfinden von Stille, Klarheit und eines wachen Gewahrseins ohne Ich-Gefühl zu sein.“ Eher unspezifisch sei das Erleben von Zeit, Anstrengung oder Verlangen, das durchaus begleitend auftreten könne.

„Mit diesen zwölf Faktoren haben wir nun die Möglichkeit, prototypisch ein Minimalmodell des menschlichen Bewusstseins zu entwickeln“, sagt Metzinger. Außerdem biete die Studie zahlreiche Ansatzpunkte für weitere Forschungen. Unter anderem hätten bereits Hirnforscher aus den USA, Australien und der Schweiz angefragt, ob sie den Fragebogen für eigene Zwecke verwenden dürften.

Metzinger selbst will herausfinden, ob reines Bewusstsein – also die Qualität der Bewusstheit selbst – auch in anderen Situationen als bei der Meditation erlebt wird: „Durch Berichte, die wir ebenfalls als Antworten bekamen, haben wir Hinweise darauf erhalten, dass reines Bewusstsein auch in anderen Situationen erlebt wird, zum Beispiel bei Unfällen, bei schweren Krankheiten, im Grenzbereich zwischen Schlafen und Wachen oder auch beim versunkenen Spielen als Kind.“


3000 Jahre alte Inschrift in Israel entdeckt: Geht es um den Namen des Richters Gideon?

Biblische Überlieferung erneut archäologisch bestätigt

Zum ersten Mal: Bei Ausgrabungen in Khirbat er-Ra’i, nahe Kiryat Gat, wurde eine Inschrift aus der Zeit der biblischen Richter geborgen, die sich auf das alttestamentliche Buch der Richter bezieht.

Die seltene Inschrift trägt den Namen „Jerubbaal“ in alphabetischer Schrift und stammt aus der Zeit um 1.100 v. Chr. Sie wurde mit Tinte auf ein Keramikgefäß geschrieben und in einer Lagergrube gefunden, die in den Boden gegraben und mit Steinen ausgekleidet war.

Das Keramikgefäß ist ein Krug, der etwa einen Liter fasst und möglicherweise eine wertvolle Flüssigkeit wie Öl, Parfüm oder Medizin enthielt. Offenbar hat der Besitzer des Gefäßes seinen Namen darauf geschrieben, um seinen Besitz zu kennzeichnen.

Die Inschrift wurde vom Epigraphik-Experten Christopher Rolston entziffert. Sie zeigt deutlich die Buchstaben yod (oben gebrochen), resh, bet, ayin, lamed, und Reste anderer Buchstaben deuten darauf hin, dass die ursprüngliche Inschrift länger war.

Prof. Garfinkel und Ganor erklären dazu:

„Der Name Jerubbaal ist aus der biblischen Tradition im Buch der Richter als alternativer Name für den Richter Gideon ben Yoash bekannt. Gideon wird zuerst erwähnt, als er den Götzendienst bekämpfte, indem er den Altar des Baal zerbrach und den Aschera-Pfahl abschlug.

In der biblischen Überlieferung wird er dann als Sieger über die Midianiter erwähnt, die den Jordan überquerten, um landwirtschaftliche Ernten zu plündern. Der Bibel zufolge organisierte Gideon eine kleine Armee von 300 Soldaten und griff die Midianiter bei Nacht in der Nähe von Ma’ayan Harod an.

In Anbetracht der geographischen Entfernung zwischen der Shephelah und dem Jesreel-Tal könnte sich diese Inschrift auf einen anderen Jerubbaal und nicht auf den Gideon der biblischen Überlieferung beziehen, obwohl nicht auszuschließen ist, dass der Krug dem Richter Gideon gehörte. In jedem Fall war der Name Jerubbaal zur Zeit der biblischen Richter offensichtlich gebräuchlich.“

Inschriften aus der Zeit der Richter sind extrem selten und in der israelischen Archäologie fast einmalig. Nur eine Handvoll Inschriften, die in der Vergangenheit gefunden wurden, tragen eine Reihe von nicht zusammenhängenden Buchstaben.

Dies ist das erste Mal, dass der Name Jerubbaal außerhalb der Bibel in einem archäologischen Kontext gefunden wurde – in einer Schicht, die auf etwa 1.100 v. Chr. datiert wird.

„Wie wir wissen, gibt es erhebliche Debatten darüber, ob die biblische Überlieferung die Realität widerspiegelt und ob sie den historischen Erinnerungen aus der Zeit der Richter und der Tage Davids treu ist“, sagen die Archäologen.

„Der Name Jerubbaal taucht in der Bibel nur in der Zeit der Richter auf, doch nun wurde er auch in einem archäologischen Kontext entdeckt, in einer Schicht, die aus dieser Zeit stammt. In ähnlicher Weise wurde der Name Ishbaal, der in der Bibel nur während der Monarchie König Davids erwähnt wird, in Schichten aus dieser Zeit am Fundort Khirbat Qeiyafa gefunden.

Die Tatsache, dass identische Namen in der Bibel erwähnt und auch in Inschriften gefunden werden, die bei archäologischen Ausgrabungen geborgen wurden, zeigt, dass Erinnerungen bewahrt und über die Generationen weitergegeben wurden.“

Quelle und Fortsetzung der Meldung hier: https://embassies.gov.il/berlin/NewsAndEvents/Pages/Seltene-3000-Jahre-alte-Inschrift-gefunden.aspx?utm_source=InforuMail&utm_medium=email&utm_campaign=NL+15.7.2021


Würzburg: Online-Diskussion am 19. Juli 2021 zum Thema: Forschung und Lehre sind frei?!

Datum:19.7.2021, 18:30 – 20 Uhr
Kategorie:Podiumsdiskussion
Ort:online
Veranstalter:Lehrstuhl für Neueste Geschichte (Leitung: Prof. Dr. Peter Hoeres) in Kooperation mit dem „Netzwerk Wissenschaftsfreiheit“

Am 19.7.2021 um 18:30 Uhr findet eine online-Diskussionsrunde zum Thema „Forschung und Lehre sind frei?!“ statt.

In der Diskussionsrunde nehmen folgende Bundestagsabgeordneten teil:

  • Dr. Jens Brandenburg (FDP) Kai Gehring (Grüne)
  • Dr. Marc Jongen (AfD)
  • N.N. (CDU/CSU)
  • Dr. Ernst-Dieter Rossmann (SPD) 
  • Dr. Petra Sitte (Linke)

Die Moderation übernimmt Heike Schmoll (FAZ-Korrespondentin).

Den Livestream kann man auf YouTube verfolgen: Link zum Livestream

Zum Hintergrund:
Gerade die Debatte um die Wissenschaftsfreiheit wird von Verkürzungen und Zuspitzungen geprägt. Angesprochen werden soll daher das gesamte Spektrum von Herausforderungen für die Freiheit von Forschung und Lehre: Von identitätspolitischen Interventionen unterschiedlicher Observanz gegen Lehrende über die Einflussnahme von industriellen Interessen auf Forschung und Hochschulstruktur bis hin zum fachspezifischen Ausschluss abweichender Lehrmeinungen.

Quelle u.a.: https://www.uni-wuerzburg.de/aktuelles/veranstaltungen/detail/news/diskussionsrunde-forschung-und-lehre-sind-frei/


Enkopresis: Das Kleinkind im Spannungsfeld von Anpassung und Selbstbehauptung

Von Christa Meves

Aus meiner Praxiserfahrung als Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin fällt mir eine Verhaltensstörung von Kleinkindern ein, die wenig respektierlich erscheint, weil sie sich auf die Ausscheidungsvorgänge bezieht. Es gibt z. B. bei ihnen eine Phase, in der die Pflegenden ein besonderes Interesse daran haben, dass Ordnung eingewöhnt wird, indem sie um die „Stubenreinheit“ des Kindes bemüht sind.

Russische Forscher haben allerdings festgestellt, dass das eigentlich nicht nötig sei: denn jedes gesunde Kind käme spätestens im 5. Lebensjahr auf die Idee, dass es allgemein die Stimmung verbessert, wenn man den Eigenabfall an einem dafür vorgesehenen Ort ablegt. Und dennoch kommt es bei diesen Bemühungen durch die verantwortlichen Erwachsenen heute gehäuft bei den Kindern zu Störungen, die umso drängender in Erscheinung treten, je mehr man ihnen eine vorrangige Beachtung zubilligt.

Das Kind kommt unverständlicherweise auf die Idee, den Stuhl – oft über lange Zeit – zurückzuhalten, wodurch es zunächst scheinbar zu Verstopfungen kommt. Aber dann – beim fortgesetzten Zurückhalten über Tage hinweg – bricht sich ein unaufhaltbarer Stuhldrang explosionsartig die Bahn und es kommt zum Einkoten. In der medizinischen Fachwelt bezeichnet man das als Enkopresis.

Begreiflicherweise löst diese Gegebenheit bei den Pflegenden Wut aus; denn Kinder, die sich so verhalten, haben die Gewöhnung an eine geregelte Abfall-Abgabe bereits gelernt gehabt und schon beherrscht. Wie verständlich ist es deshalb, dass die Erwachsenen diesen Vorgang nicht begreifen. Sie fassen ihn dann meistens als einen unverschämten Ungehorsam auf.

Nicht wenige der Pflegenden beantworten dann das stinkende Desaster mit Schimpfen und Schlagen. Andere versuchen, durch Befragen des Kindes die Ursache herauszufinden, wodurch dieses geradezu verzweifelt wird – denn schließlich kennt es in diesem Alter die Ursachen der Störung ebenso wenig wie die Erwachsenen. Das Befragen des Kleinkindes danach bleibt ergebnislos, ja, es ist sogar absolut kontraproduktiv und schreibt das Fehlverhalten dadurch geradezu fest.

Um der Schwierigkeit an den Kragen zu gehen, muss der Erwachsene das Kind besser verstehen als es sich selbst mit seinem noch nicht voll ausgebildeten Verstand. Was also treibt das Kind mit solcher Energie dazu, einen natürlichen Vorgang zu verhindern? Böse Feindschaft gegen Mama, frecher Ungehorsam, Ausdruck des Sündenfalls trotz Taufe? Es ist gefährlich, das zu unterstellen; denn es wird der wachsenden Not des Kindes nicht gerecht.

Entwicklungspsychologische Erwägungen führen hier eher zum Ziel: In diesem Alter steht es an, das eigene Ich zu konstituieren, um sich später in den Stürmen des Lebens besser behaupten zu können.

Das ist ein Wachstumsgebot aus Gottes Schöpfungsordnung! Es gibt nun aber – oft tragischerweise gerade bei intensiv bemühten Pflegenden – die Tendenz, das Verhalten des Kindes auf Schritt und Tritt steuern zu wollen. Dadurch können sich in diesem Alter für einige Kinder die Chancen mindern, den natürlichen Entwicklungsschritt zur Selbstbehauptung und damit die Entfaltung seiner Eigenständigkeit hinreichend einzuüben.

Solche Kinder haben aber meistens bereits im Säuglingsalter eine Bindung an die Hauptbezugsperson entwickelt. Durch allzu vieles überreichliches Fordern und Lenken der Erwachsenen gerät nun das Kind in einen Konflikt; denn es möchte einerseits lieb sein, aber andererseits selbstständig werden, und zwar mit einem innerseelischen Bedürfnis danach. Es ist in diesem Alter also ein Zeitfenster vorhanden, sich in Selbstbehauptung einzuüben.

Wenn aber das individuelle Lebensgesetz des Kindes zur Selbstbehauptung in ihm fortgesetzt behindert wird, sucht es unbewusst eine Lösung des Konflikts und findet sie in der Verweigerung der Stuhlentleerung. Äußerlich scheint es, als wenn das Kind lediglich von einem dummen, egoistischen Trotz beherrscht wird. In früheren Zeiten meinte man dann sogar, den „bösen“ Willen des Kindes mit langem Topfsitzen oder mit Schlägen brechen zu müssen, handelt sich aber eher eine Verschiebung auf andere Störfelder ein.

Um dem Kind helfen zu können, bedarf es also zunächst einmal des Wissens um die in diesem Alter vor sich gehenden Entfaltungsvorgänge der Seele und des kleinen Leibes. Das Kind hat sein Sein zu festigen, es strebt z. B. nach Eigenbesitz und es ist in diesem Alter wichtig, dass es – in Grenzen – seinen eigenen Willen erproben und einüben darf, am besten an langer Leine in harmonischem Umfeld. Je nach Anlage der verschiedensten Eigenschaften bekommt das Kind in diesem Alter den Impuls zu eigenem Handeln. Und das geschieht vorrangig beim Spielen mit vielen oft originellen Einfällen.

Das heißt in dieser Phase für die Erziehenden, sich in das Kind einzufühlen, die vitalen Hintergründe zu erlauschen, um ihm dadurch angemessen gerecht werden zu können. Das ist besser als barsches Anordnen und Befehlen!

Ein Enkopresis-Kind sollte die Vorgänge um den Toilettengang in die eigene Regie nehmen dürfen und es sollte ihm lobend über den Kopf gestrichen werden, wenn es damit von sich aus Erfolg hat. Und man sollte sorgfältig darauf achten, dass es weder in der Anerkennung noch in kleinen Besitztümern hinter seinen Geschwistern zurücksteht. Je mehr ein Erzieher das Aufblühen von Seele und Leib seines Kindes als Erziehungsziel im Auge hat, umso geduldiger wird er sein, um dieses Ziel zu erreichen.

Es ist für den Erziehenden eher besser, abzuwarten und zu beobachten, als zu kommandieren. Das ist erfolgreicher, als zu versuchen, das Kind wie Spalierobst im eigenen Garten aufzuziehen. Gewiss heißt das auch, dass das Kind lernen muss, sich in die Umstände seines Umfeldes einzupassen.

Aber die Enkopresis ist ein Zeichen dafür, dass wir als Erziehende uns nicht selbst als Alleinherrscher im Kinderzimmer verstehen sollten, sondern dass auch wir zu erfragen haben, was das richtige Maß und die richtige Einstellung in unserem Bemühen um das Kind ist. Vor zweitausend Jahren schon hat der HERR uns zugerufen: „Lasst die Kinder zu mir kommen und wehrt ihnen nicht“ (Mt. 19, 14).

Vorschläge zur Stärkung der Eigenständigkeit des Kindes finden Sie in meinem Taschenbuch (siehe Foto): „Problemkinder brauchen Hilfe“, S. 22, 11. Aufl. 2015, Christiana Verlag im Fe-Medienverlag, Kisslegg.


Frankreich: Kath. Bischöfe protestieren gegen lebensfeindliches Bioethikgesetz

Gesetz erlaubt Forschung an Mensch-Tier-Embryonen

Erschrocken und bestürzt reagiert die katholische Kirche Frankreichs auf das Bioethik-Gesetz, das das Pariser Parlament beschlossen hat. „Das ist der Triumph einer Ideologie“, reagiert Erzbischof Eric de Moulins-Beaufort auf das Votum.

„Da wird die Würde jeder menschlichen Person ausradiert“, erklärt der Vorsitzende der französischen Bischofskonferenz weiter. Nach zweijähriger Debatte in der Öffentlichkeit hat die „Assemblée Nationale“ das Gesetzeswerk mit deutlicher Mehrheit – 326 JA-Stimmen, 115 NEIN-Stimmen, 42 Enthaltungen – verabschiedet.

Immer wieder hatten die Bischöfe in den letzten Monaten und Jahren Bedenken gegen die von Präsident Macron vorangetriebene Reform vorgebracht. Sie kritisieren vor allem die Ausweitung der künstlichen Befruchtung. War sie bislang heterosexuellen Paaren vorbehalten, kann sie nun auch von lesbischen Paaren oder von alleinstehenden Frauen durchgeführt werden.

Zu den weiteren Kritikpunkten der Kirche zählt die Tatsache, dass künftig „Chimären-Embryonen“ erlaubt sind, also die Injektion menschlicher Zellen in tierische Zellen zu Forschungszwecken. Auch die Liberalisierung der Embryonenforschung und das Eingreifen in die embryonale Keimbahn per Genschere stoßen auf die Kritik der Bischöfe.

Quelle und vollständige Meldung hier: https://www.vaticannews.va/de/welt/news/2021-06/frankreich-bioethik-gesetz-embryo-kirche-bischoefe-lebensschutz.html?utm_source=newsletter&utm_medium=email&utm_campaign=NewsletterVN-DE


Der Fall Galilei zwischen Fakten und Polemik

Von Dr. Josef Bordat

Galileo Galilei ist ein Physiker. Er ist jedoch vor allem ein Sinnbild, ein Symbol, eine Metapher. Er steht paradigmatisch für eine Kirche, die Wissenschaftler unterdrückt, den Fortschritt hemmt und die Moderne ablehnt.

Der historische Verlauf des Prozesses gegen ihn (seine Gründe, die Argumentation in den Verhandlungen, das genaue Ergebnis) ist dabei den wenigsten im Detail bekannt, die Wirkmacht der Metapher reicht diskursiv völlig aus, um die angeblich systematische Wissenschaftsfeindlichkeit der Katholischen Kirche zu zeigen.

Bei genauerer Betrachtung stellen sich jedoch die Dinge ganz anders dar.

Denn der Galilei-Prozess markiert nicht die vermeintliche Bruchstelle zwischen Kirche und Wissenschaft (oder gar Religion und Vernunft), als die er so oft und gern herbeizitiert wird, sondern verdeutlicht vor allem die Differenz von Theorie und Tatsache, einen Unterschied, auf den die Kirche (insbesondere deren Verfahrensbevollmächtigter Robert Kardinal Bellarmin) im Gegensatz zum Angeklagten größten Wert legte, eine Haltung, die auch von der gegenwärtigen Wissenschaftsphilosophie eingefordert wird.

Ob Karl Popper, Paul Feyerabend oder Carl Friedrich von Weizsäcker – sie alle billigen der Kirche des 17. Jahrhunderts implizit oder explizit zu, was der Wissenschaft des 20. Jahrhunderts selbstverständlich werden sollte: Eine Theorie ist keine Tatsache.

Diese und andere Fakten rund um den „Fall Galilei“ leuchtet der Kirchenhistoriker Walter Kardinal Brandmüller in seinem sehr empfehlenswerten Buch kenntnisreich aus. Die Neuauflage im Verlag Media Maria entspricht der bleibenden Relevanz des „Falls Galilei“ im Diskurs über Glaube und Wissenschaft – und der Notwendigkeit, die historischen Fakten gegen polemische Stimmungsmache zu verteidigen.

Hier geht es zur weiteren Buchbesprechung: https://jobosblog.wordpress.com/2021/06/26/dekonstruktion-eines-paradigmas/


Erster Quantencomputer Europas in Ehingen

Seit gestern läuft in Ehingen bei Stuttgart der erste Quantencomputer Europas. Der „Quantum System One“ ist laut Hersteller IBM der „leistungsstärkste Quantencomputer im industriellen Umfeld Europas“.

Die Leistung des Rechners beläuft sich nominell auf 27 Quanten-Bits (kurz Qubit).

Während ein normaler Bit entweder im Zustand 1 oder 0 sein kann, ist es – laut dem Artikel „So funktioniert ein Quantencomputer“ von quarks.de – Qubits möglich „gleichzeitig im Zustand [1] und [0] sein oder auch in theoretisch unendlich vielen Zuständen dazwischen.“

Genau diese Fähigkeit verleiht Quantencomputern ihre Leistungsfähigkeit.

Der „Quantum System One“ steht erst ganz am Anfang dieses Potential.

Bereits jetzt gibt es leistungsfähigere Modelle, wie der Blick auf die Grafik zeigt.

Und die Entwicklung schreitet schnell voran: IBM plant bis 2023 einen Quantencomputer mit 1.121 Qubits zu realisieren.

Quelle (Text / Grafik) hier: https://de.statista.com/infografik/25085/anzahl-der-in-quantencomputern-realisierten-qubits/