Kindeswohl zwischen Gender und Pommes

Von Dr. Axel Bernd Kunze

Kinder seien als selbständige Subjekte und Träger eigener Rechte anzuerkennen. Kinder hätten ein Recht auf wirksame Beteiligung. Kinder sollten die Möglichkeit haben, politisch etwas zu verändern. Bestehende Asymmetrien zwischen Kindern und Erwachsenen müssten abgebaut werden.

So tönt es im Kinderrechtsdiskurs – etwa bei der Sozialethikerin Anna Maria Riedl, deren Dissertation zum Kindeswohlbegriff sich auf Judith Butler stützt.

Riedl lässt keinen Zweifel daran, dass aus einem erweiterten Beteiligungsbegriff auch erweiterte Rechtsansprüche der Kinder gegenüber Staat und Gesellschaft abzuleiten seien. Über den Einfluss der Erzieher und Eltern müsse machtkritisch reflektiert werden.

Solche Überlegungen finden keineswegs allein im akademischen Elfenbeinturm statt. Nur ein Beispiel: Die politischen Pläne der grünen Bundestagsfraktion für ein neues Gesetz zur sexuellen Selbstbestimmung sehen vor, dass Heranwachsende bereits mit dem vierzehnten Lebensjahr ihr Geschlecht wechseln und hormonelle oder operative Maßnahmen einleiten könnten, auch ohne medizinische Indikation und auch ohne Zustimmung der Eltern.

Was in der sexuellen Selbstbestimmung recht ist, muss aber noch keineswegs beim täglichen Mittagessen billig sein. Schauen wir uns noch ein zweites Beispiel an: Kinder seien keineswegs autonom, der Staat trage daher eine besondere Verantwortung für das Wohl der Kinder, erklärte jüngst die Vorsitzende des Nationalen Ethikrates, Alena Buyx, in einem Interview mit dem Fachblog Ernährungsmedizin.

Der Staat müsse sich mehr um die Verpflegung in Schulen und Kindertageseinrichtungen kümmern: „Es ist eben nicht nur Privatsache, was ich esse, denn die Ernährung hat auch viele Effekte nach außen hin: Krankheitskosten, soziale Kosten, ökologische Kosten und so weiter“, belehrt uns die Medizinethikerin.

Zwischen „Selbstbestimmung“ und Paternalismus

Pubertätsblocker ja, Pommes nein. Auf der einen Seite werden Schutzaltersgrenzen abgebaut, auf der anderen Seite wird der Staat zu Eingriffen in das private Ernährungsverhalten ermächtigt. Und alles im Namen von Kindeswohl, Kinderrechten und daraus abgeleiteten Beteiligungsansprüchen.

Ethische Hochglanzbegriffe scheinen beliebig verwendbar: Mal legitimieren sie eine weitreichende Entscheidungsfreiheit, ohne dass Schutzbedürfnisse überhaupt noch Erwähnung finden. Dann wiederum legitimieren sie weitreichende Eingriffe des Staates in alltägliche Entscheidungen – nach dem Motto: Auch das Private ist politisch.

Frühe Maßnahmen einer Geschlechtsangleichung können einen sozialen Druck aufbauen, der die Lösung pubertärer Identitätskonflikte erschwert.

Mit jugendlichem Protest- oder Nachahmungsverhalten wird nicht mehr gerechnet. Heranwachsenden mit noch nicht abgeschlossener Persönlichkeitsentwicklung schon eine voll ausgebildete Entscheidungsfreiheit zu unterstellen, wie es in der Debatte um sexuelle Selbstbestimmungsrechte geschieht, könnte sich als Erwachsenenprojektion herausstellen.

Die Diskussion um erweiterte transsexuelle Kinderrechte zeigt, wie die Vulnerabilität Heranwachsender, auf welche gerade die Kinderrechte reagieren wollen, mit kinderrechtlichen Argumenten übergangen wird.

Doch offenbar lauern die Gefahren eher am Mittagstisch. Und hier soll ein libertärer Paternalismus, wie es in der ethischen Fachsprache heißt, kein Problem sein. Schließlich geht es nicht um staatliche Ernährungseingriffe, wie die Presse böswillig titelte, sondern um „die sinnvolle Gestaltung der Entscheidungsarchitekturen“, wie Alena Buyx es ausdrückt.

Na bitte, das hört sich doch schon ganz anders an. Der fürsorgliche Staat weiß am Ende besser, was der Einzelne tun oder lassen sollte. Man muss die Freiheitseingriffe nur richtig verkaufen: „Entscheidend ist die Ernährungskommunikation, mit der man die Umgestaltung der Entscheidungsarchitektur begleitet.“

Ethische Antworten werden beliebig

Bei permanenter Machtkritik kann schon einmal der Überblick verloren gehen. Offenbar sind eher Eltern, die ihrer Erziehungsverantwortung nachkommen, ein problematischer Machtfaktor als ein Staat, der ja nur unser Bestes will.

Eine Ethik, die alles allein aus machtkritischer Perspektive betrachtet, verliert das Gespür dafür, was Macht von Autorität unterscheidet. Eine Ethik aber, die nicht mehr zu unterscheiden vermag, verliert am Ende selbst an Autorität. Ihre Antworten werden offenbar beliebig. Mal so, mal so – je nach Zeitgeist und eigenem Gusto. Das eine Mal eben für unhinterfragbaere Selbstidentifikation und Entscheidungfreiheit. Das andere Mal für staatliche Bemutterung und Regulierung.

Quelle und Fortsetzung des Beitrags von Dr. Kunze hier: https://bildung-und-ethik.com/2021/10/05/schlaglicht-pubertatsblocker-ja-pommes-nein/


Prof. Jörg Meuthen: Verbot der Gendersprache an Schulen ist Wahlkampf-Theater

„Frauen und Männer in Wort und Schrift sichtbar zu machen ist unsere Absicht und Pflicht“; die Verwendung des generischen Maskulinums sei „von vorgestern“, und sich mit einem Antrag der AfD „beschäftigen zu müssen“, der die Einhaltung der amtlichen Rechtschreib- und Grammatikregeln an Schulen und Behörden fordert, sei „jämmerlich“ – diese Position galt für die CDU im Kieler Landtag noch im Juni 2020.

Doch jetzt, drei Wochen vor der Bundestagswahl, ist alles anders: Karin Prien, CDU-Bildungsministerin in der Kieler Jamaika-Koalition, wird von Armin Laschet in dessen „Zukunftsteam“ berufen und plötzlich tritt sie für eine Verbot der Gendersprache an Schulen ein.

Dazu erklärt AfD-Bundessprecher Prof. Dr. Jörg Meuthen (siehe Foto):

Woher der scheinbare Sinneswandel rührt, ist offensichtlich. Armin Laschet, dessen CDU in Umfragen mittlerweile hinter der SPD liegt, will auf den letzten Metern unbedingt noch Konservative für die CDU gewinnen.

Ministerin Prien wird ihm dabei indes kaum helfen. Denn ihr vermeintlicher Sinneswandel in Bezug auf Gendersprache ist reines Theater. Das zeigt sich allein schon daran, dass sie sich nicht ebenso gegen die Gendersprache an Universitäten und Behörden ausspricht.

Das ideologische Sprachdiktat der Genderisten ist für Prien an Hochschulen und in der Verwaltung also offensichtlich weiter in Ordnung. Kein Wunder, denn Prien ist selbst ideologisch unterwegs: Im Februar 2019 kritisierte sie etwa die Teilnahme von Schülern an FridaysForFuture-Demos während der Unterrichtszeit nicht als Verstoß gegen das Schulgesetz, sondern pries diese als „gelebte politische Beteiligung“.


Sprache begründet Kultur: Offener Brief an den Theaterintendanten Dieter Hallervorden

Lucia Tentrop, Wundtstraße 40-44 in 14057 Berlin

An den Intendanten
des Schlosspark-Theaters in Berlin                                                                              

Sehr geehrter Herr Hallervorden,

großartig! Sie tun genau das, was seit eh und je Aufgabe eines Theater-Leiters ist: Sie schützen unsere Kultur,  hier unser Kulturgut Sprache, vor dem destruktiven Zugriff einer zu allen Zeiten trägen bzw. geistlosen Masse, die den Menschen nicht zum Guten erhebt, sondern herunterzieht, assimiliert und verschlingt.

Die hochentwickelte Sprache unserer Kulturvölker ist neben der christlichen Religion, in der das WORT seinen höchsten Sinn erreicht, eine Grundlage unserer europäischen Geisteswelt.

Sprache dient der gemüthaften, sozialen und sachlichen Verbindung eines Volkes oder einer Gruppe untereinander, aber auch dem Einzelnen zum Begreifen, Verstehen und Ausdrücken seiner inneren Welt.

Wenn wir Menschen unsere Erkenntnisse und Gefühle nicht mehr sprachlich gestalten und mitteilen können, werden wir krank. Sprechen und Denken gehören zusammen. Albert Einstein konnte schwierige Probleme nur im Abseits seiner Englisch sprechenden Kollegen in seiner deutschen Muttersprache durchdenken.

Maßgeblich für die Kraft und des Niveaus  unserer deutschen Sprache sind die Werke unserer Religion, Dichtung, Literatur und vor allem des Theaters. Die Franzosen wissen das besser als wir, weil sie sich im Gegensatz zu uns Deutschen das Selbstbewusstsein ihrer Sprache als hohes Gut bewahrt haben. Wir haben nicht so etwas wie die Académie francaise. Jeder macht, was er will.

Aber noch in meiner eigenen Schul-, Gesang- und Theaterausbildung war die Bühnen-Hochsprache offizieller gesellschaftlicher Maßstab im Deutsch- und Sprechunterricht. Wo ist er geblieben?

Entspricht die öffentlich geduldete Zerstörung unseres Kulturguts dem ausgeleierten Freiheits-Begriff einer Demokratie, die nicht mehr die Kraft hat, die Freiheit des Menschen von egozentrischer Willkür zu unterscheiden?        

Während eine frühere deutsche Mentalität der männlichen Ich-Vergöttlichung sich des weiblichen Mediums unserer Geisteswelt, der Muse, bemächtigte und unser melodisches Liedgut und die deutsche Oper politisch vereinnahmte, so vereinnahmt heute eine weiblich betonte deutsche Politik das männliche Prinzip unserer Kultur: unsere gemeinsame Sprache, das Wort, den Logos.

Ist das feministische Klagen über die ewige Benachteiligung der Frau, der es in unserm Land noch nie so gut ging wie heute, nicht die weibliche Strategie einer ehemals maskulinen Hybris?

Natur Mensch Umwelt

Wer sicht nicht unterwirft und mitmacht, macht sich verdächtig, bekommt schlechtere Noten an der Universität, wird am Arbeitsplatz gemobbt oder erhält erst gar keinen usw. Über Strategien der Angst kann man  auch heute wieder Kultur und Gesetz außer Kraft setzen. Schon 2006 kippte eine lautstarke öffentliche Meinung de facto die staatlich garantierte  Freiheit der Wissenschaften zugunsten ihrer eigenen Politik (Vorlesung von Papst Benedikt XVI. in der Regensburger Universität).   

Auf jeden Fall haben Sie, sehr geehrter Herr Hallervorden, einen Orden für den Schutz unserer Sprache als Grundlage des Denkens und unserer Kultur verdient.

Wie viele Theatermacher sonnen sich mit ihren verqueren Inszenierungen und ihrer Lust am Negativ an den Ufern der Gosse und fördern die destruktiven Orgien unserer Medien und Mänaden, die den Geist unserer Kultur zerrei- reißen!

Ihr mutiger Einsatz für unsere Sprache aufgrund eigener Erfahrungen in einer unseligen Zeit verdient allgemeinen Dank. Er sollte zum Denken anregen und und sachlich reflektiert werden.    

Mit aufrichtiger Hochachtung: 
Lucia Tentrop    

Unsere Autorin Lucia Tentrop ist katholische Theologin, Musikerin, Malerin und Pädagogin; hier ihre Homepage: www.lucia-tentrop.de                                 


Komiker Hallervorden kritisiert Gendersprache

Der Komiker und Theaterbetreiber Dieter Hallervorden hat scharfe Kritik am Gendersprech geäußert:

„Das Schloßpark-Theater wird, so lange ich da ein bißchen mitzumischen habe, sich am Gendern nicht beteiligen. Allen Mitarbeitern steht es natürlich frei, das zu handhaben, wie sie möchten. Aber alles, was von Seiten des Theaters herausgegeben wird, wird nicht dazu dienen, die deutsche Sprache zu vergewaltigen“, sagte er gegenüber Nachrichtenagentur dpa.

Hallervorden betreibt des Schloßpark-Theater in Berlin und ist Ehrenmitglied des Vereins Deutsche Sprache (VDS).

Mit Blick auf die Geschichte äußerte der 85jährige Schauspieler: „Natürlich entwickelt sich Sprache. Aber sie entwickelt sich nicht von oben herab auf Befehl. Es hat in der letzten Zeit nämlich zwei Versuche gegeben. Einmal von den Nazis und einmal von den Kommunisten. Beides hat sich auf Druck durchgesetzt, aber nur temporär – und zwar auf Zwang.“

Quelle und Fortsetzung der Nachricht hier: https://jungefreiheit.de/kultur/gesellschaft/2021/dieter-hallervorden-gendern-vergewaltigt-die-deutsche-sprache/


Umfrage: 73% halten Gendern für unwichtig

Eine repräsentative Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des ZDF ergibt: 73 Prozent der Befragten messen einer gendergerechter Sprache in den Medien wenig Bedeutung bei:

25 Prozent halten das für „nicht so wichtig“, 48 Prozent meinen, das sei „überhaupt nicht wichtig“. Gerade jeder Fünfte (20 Prozent) bewertete die gendergerechte Sprache in Medien als „wichtig“, nicht einmal jeder Zehnte (6 Prozent) hält das für „sehr wichtig“.

In den Sozialen Medien ist die Präsentation der Ergebnisse zur Gendersprache beim ZDF-Politbarometer auf Kritik gestoßen. Dem ZDF wird u.a.vorgeworfen, die Ergebnisse versteckt zu haben.

In der Präsentation auf der ZDF-Seite finden sich die Ergebnisse zum Gendern etwa in der Hälfte der Präsentation, eingebettet zwischen einer Frage nach den Beziehungen Deutschlands zur USA und der sog. „Sonntagsfrage“. Andere Kritiker monierten, dass das ZDF die Ergebnisse nicht einmal in einer Pressemeldung zu der Umfrage erwähnt habe.

Quelle und vollständige Meldung hier: https://www.pro-medienmagazin.de/gendersprache-stoesst-auf-ablehnung


Ungarn: Referendum über Jugendschutzgesetz

Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán hat angekündigt, eine Volksabstimmung über das Anti-Pädosex-Gesetz in seinem Land abzuhalten. Das wahlberechtigte Volk werde über fünf Fragen zu der von Brüssel scharf kritisierten Bestimmung entscheiden.

1. Stimmen Sie zu, daß es staatlichen Erziehungseinrichtungen erlaubt sein sollte, minderjährigen Kindern ohne elterliche Zustimmung Inhalte über sexuelle Orientierungen zu zeigen?

2. Unterstützen Sie die Förderung von Geschlechtsumwandlungen bei minderjährigen Kindern?
3. Stimmen Sie der Forderung zu, daß solche irreversiblen Behandlungen auch für minderjährige Kinder zugänglich sein sollten?
4. Stimmen Sie zu, daß minderjährige Kinder Inhalte uneingeschränkt nutzen können sollten, die ihre sexuelle Entwicklung beeinflussen können?
5. Stimmen Sie zu, daß minderjährigen Kindern Medieninhalte zugänglich sein sollten, die Geschlechtsumwandlungen thematisieren?

Die Europäische Union habe Ungarn in den vergangenen Wochen immer wieder für das Gesetz angegriffen, weil das Land keine „sexuelle Propaganda“ in seinen Kindergärten, Schulen, Fernsehprogrammen und Werbungen dulde, führte der Regierungschef aus.

Es ärgere die Brüsseler Politiker, daß Ungarn sich dem widersetze, was in Westeuropa längst Standard sei. Dort würden LGBTQ-Anhänger die sexuelle Aufklärung von Kindern übernehmen. Wenn der Druck auf Ungarn so groß sei, könne das Volk nur geschlossen die Interessen des Landes verteidigen.

Quelle und vollständiger Text hier: https://jungefreiheit.de/politik/ausland/2021/anti-paedophilie-gesetz1/


Mehrheit der Deutschen kritisch zum Gendern

Eine klare Mehrheit der Deutschen findet die Verwendung sog. geschlechtergerechter Sprache in den Medien unwichtig. Auf eine entsprechende Frage der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des ZDF antworteten 48 Prozent, ihnen sei dies „überhaupt nicht wichtig“. Weitere 25 Prozent sagten, sie fänden dies „nicht so wichtig“. 20 Prozent meinten hingegen, es sei „wichtig“, sechs Prozent finden dies „sehr wichtig“.

Ebenso deutlich war das Ergebnis auf die Frage, ob Medien Trennungszeichen einfügen oder Sprechpausen machen sollten. Hier sagten 71 Prozent, dies sei „nicht gut“. 25 Prozent finden dies hingegen „gut“, vier Prozent gaben „weiß nicht“ an. Die Ergebnisse decken sich mit einer Reihe weiterer Umfragen.

Eine Erhebung des Meinungsforschungsinstituts INSA im Auftrag der JUNGEN FREIHEIT von Anfang Juni ergab, daß eine große Mehrheit der Deutschen den Gendersprech ablehnt. 58 Prozent empfänden es als störend, wenn in den Medien gegendert werde. Dem standen 19 Prozent entgegen, die nicht vom Gendern genervt sind. 16 Prozent antworteten mit „weiß nicht“ und sieben Prozent machten keine Angaben.

Quelle und vollständige Meldung hier: https://jungefreiheit.de/kultur/medien/2021/gendersprech-medien-mehrheit-umfrage/

Gemälde: Evita Gründler


VDS-Vorsitzender droht mit Kirchenaustritt

Prof. Walter Krämer enttäuscht über würdeloses Anbiedern von Kirchenoberen an die Gendersprache

Aus Kirchenkreisen erreicht uns das Schreiben von Prof. Dr. Walter Krämer (siehe Foto) aus Dortmund an den Bischof von Hildesheim. Der Statistik-Experte Krämer ist zugleich Vorsitzender des VDS (Verein Deutsche Sprache) und Sprecher der „Stiftung Deutsche Sprache“. Wir dokumentieren hier nun seinen Brief im vollen Wortlaut:

Ihre Exzellenz
Bischof Dr. Heiner Wilmer

Domhof 25
31134 Hildesheim

12. Juli 2021

Ihre Handreichung zu geschlechtersensibler Sprache

Exzellenz, verehrter Bischof Dr. Wilmer,

für mich war die katholische Kirche immer ein Fels in der Brandung des modernen turbulenten Zeitgeschehens. Ich war Messdiener, bin seit Dutzenden von Jahren Mitglied des Verbandes der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung, zahle als einer der letzten in meinem Freundes und Bekanntenkreis seit 45 Jahren regelmäßig meine Kirchensteuer und verteidige diese glorreiche Institution, wo immer ich kann.

Umso größer ist meine Enttäuschung, ja mein Entsetzen über das würdelose Anbiedern an den schwankenden Zeitgeist, das sich in der von Ihnen zu verantwortenden Bistums­broschüre über geschlechtersensible Sprache äußert.

Diese Gendersprache grenzt aus, ist behinderten- und fremdenfeindlich und einer Unterstützung durch die katholische Kirche dermaßen unwürdig, dass ich es bis heute nicht begreifen kann.

Die Ihnen sicher bekannten Argumente des Kollegen Dr. Kunze in der Ausgabe 26/2021 Ihrer KirchenZeitung muss ich hier nicht wiederholen.

Weitere finden Sie anbei oder auf der Netzseite einer von mir begründeten Bürgerinitiative gegen sprachliche Umwelt­verschmutzung (www.vs-ev.de), der auch viele hochrangige Männer und Frauen aus beiden großen Kirchen angehören, etwa der Vorsitzende des Zentralkomitees der deutschen Katholiken oder Kurienkardinal Walter Brandmüller aus Rom.

Nach 72 Jahren plane ich nun für das Ende des Jahres meinen Austritt aus der katholi­schen Kirche. Haben Sie Argumente, warum ich bleiben sollte? Wenn sich die katholi­sche Kirche weiter an der Vergewaltigung der deutschen Sprache beteiligt, bleibe ich jedenfalls nicht.

Ihr Prof. Dr. Walter Krämer
Fakultät für Statistik, Technische Universität Dortmund
Vogelpothsweg 78 in 4221 Dortmund
walterk@statistik.uni-dortmund.de
https://www.statistik.tu-dortmund.de/kraemer.html

Porträtfoto: Endermann / awk – 2. Foto: Dr. Bernd F. Pelz


Bistum Trier kritisiert Pfarrer wegen seiner Solidarität mit Ungarns Jugendschutzgesetz

Von Felizitas Küble

Wenn katholische Zeitgeistliche gegen die Anordnung aus dem Vatikan rebellieren und Partnerschaften von gleichgeschlechtlichen Paaren öffentlich segnen, was in den letzten Monaten hierzulande hundertfach vorgekommen ist, dann führt das zu keinerlei Konsequenzen für die – gelinde gesagt – „eigenwilligen“ Priester.

Dasselbe gilt ähnlich für jene Pfarrer, die ihre Kirche mit der Homosexuellen-Fahne „schmücken“, obwohl sie damit einen Teil der Gemeinde – manchmal sogar die schweigende Mehrheit – vor den Kopf stoßen. (Siehe dieses Foto von der Heilig-Geist-Kirche in Münster.)

Nicht einmal der Vorwurf, mit solchen Aktionen ihre Gemeinde zu „spalten“, trifft diese Geistlichen, obwohl dies zutreffend wäre, geschweige wird ihnen Ungehorsam gegenüber dem kirchlichen Lehramt vorgehalten.

Ganz anders läuft es freilich, wenn ein Pfarrer sich „erdreistet“, die katholische Sexualethik zu verteidigen und dabei auch das lehramtlich verkündete Elternrecht auf Erziehung (sog. „Elternrecht“) in Schutz zu nehmen, das übrigens auch in unserem Grundgesetz verankert ist.

„Katholisch.de“, das amtliche Portal der Bischofskonferenz, berichtet am 12. Juli dazu Folgendes:

„Ein Pfarrer aus dem Bistum Trier zeigte mit einem Facebook-Post seine Zustimmung zum ungarischen Gesetz zur Verbreitung von LGBT-Inhalten. Dadurch hat er sich Ärger mit der Bistumsleitung eingehandelt: Solche „undifferenzierten Äußerungen“ spalteten.“

Personalverantwortliche des Ordinariats hätten den Priester, so heißt es weiter, darauf „hingewiesen“, „dass solche plakativen, undifferenzierten und abwertenden Äußerungen spalten und Unfrieden bringen“.

Das Posting des Geistlichen entspreche „in keiner Weise“ der Haltung der Diözese. „Dem Bistum geht es um geschlechtersensibles pastorales Handeln.“

Es geht also um die neue heilige Gender-Kuh, nicht um den Schutz von Ehe und Familie, von Jugend und elterlichem Erziehungsrecht. Darauf darf sich also der Klerus aus der Diözese Trier neuerdings einstellen?!

Nun wird es noch drolliger, wenn davon die Rede ist, das Bistum „respektiere zwar die freie Meinung des Geistlichen“, doch die Kirche ziehe dort – hört! – dort eine „Grenze, wo sich ein Priester entgegen der kirchlichen Lehre“ äußere.

Gehört zur „kirchlichen Lehre“ neuerdings die Unterwürfigkeit unter den neuen Götzen Genderismus?

So direkt wird dies natürlich nicht eingeräumt, vielmehr wird eine Nebelwand errichtet und sich scheinheilig auf das Kirchenrecht berufen, denn das verpflichte, „den Frieden und die Einheit so weit als möglich zu wahren und zu fördern“.

Wie schön – daß das Kirchenrecht aber damit gewiß nicht die „Einheit“ mit einer „geschlechtersensiblen“ Ideologie meint und unter „Frieden“ nicht die Anpassung an den Zeitgeist versteht, unterschlägt die dort zitierte Bistumssprecherin.

Der von seiner Kirchenleitung öffentlich kritisierte Pfarrer hat inzwischen beschwichtigt, er habe keineswegs „eine Gruppe von Menschen beleidigen“ wollen (das hat er ohnehin nicht getan).

Allerdings – der Geistliche blieb in der Sache trotzdem standhaft – finde seiner Ansicht nach eine „Ideologisierung der Diskussion“ statt, die Gefahren für Kinder und Jugendliche mit sich bringe.

„Die Schöpfungsordnung und die Gebote Gottes sind dafür entscheidend, dass wir uns nicht nach Befindlichkeiten richten können, sondern unseren Gott, dem wir verpflichtet sind, ernst nehmen“, erklärte der wackere Gottesmann unverdrossen.

Wir leben also in Zeiten, in denen sich katholische Priester gegenüber ihrem Bischof dafür rechtfertigen müssen, daß sie dem Heiligen Geist mehr gehorchen als dem Zeitgeist und den wahren Gott nicht durch einen Gender-Götzen ersetzen wollen.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt


Der Genderwahn in Absurdistan greift jetzt sogar den „Lesbenfrühling“ an

Von Felizitas Küble

Wer kennt nicht den alten Spruch: „Die Revolution frißt ihre Kinder“ – und so manche Ideologie treibt immer wildere Sumpfblüten, so daß sogar einstige Anhänger unter die Räder kommen, wenn sie dem immer stärker um sich greifenden Wahn nicht zu folgen vermögen bzw. ihre Restvernunft nicht am Sargnagel eines verderblichen Zeit(un)geistes abgeben wollen.

Seit vielen Jahren werden wir mit dem Kürzel LGBTIQ (und ähnlichen Varianten) konfrontiert, was für Lesben – Gay (=Schwule) – Bisexuelle – Transgender – Intersexuelle – Queere steht, wobei die Inhalte dieser „bunten“ Community auch meist einen linksque(e)ren Eindruck hinterlassen.

Dabei geht es um das „Canceln“ und somit Ausgrenzen und Anprangern von Personen, die sich nicht zeitgeisthörig dem Genderwahn unterwerfen oder denen man aus dem irrsinnigsten Gründen „Rassismus“ unterstellen kann – vielleicht weil sie noch von „Schwarzfahren“ oder „Schwarzarbeit“ reden?

Gleichwohl trügt der Schein weitgehend, denn in Wirklichkeit dürften gleichgeschlechtlich orientierte Personen, die sich mit ihren Füßen noch auf dem Boden der Realität befinden und nicht im gegenderten Wolkennebel gelandet sind, an deren wahnwitzigen Ideen durchaus keinen Gefallen finden.

Denn wenn das Geschlecht letztlich nur ein soziales Konstrukt ist und in Wirklichkeit frei gewählt werden kann, wenn Transgender und Geschlechtsumwandlungen als „schöne neue Welt“ propagiert werden, dann bleibt letztlich jedwede Identität auf der Strecke – logischerweise auch die männliche Identität von Schwulen oder wie weibliche von Lesben oder Feministinnen etc.

Kein Wunder also, daß sich EMMA-Herausgeberin Alice Schwarzer und Gender-Erfinderin Judith Butler bereits vor Jahren in aller Öffentlichkeit „gezankt“ haben, denn Frauenemanzipation und Genderismus passen eben nur auf den ersten Blick auf eine Kuhhaut.

Dazu kommt, daß große Teile der Trans-Szene sich mit der intoleranten Cancel Culture identizieren, die vermehrt aus den USA nach Europa herüberschwappt und eine Art Radikalisierung der längst bekannten „Political correctness“ darstellt.

Canceln richtet sich – wie der „Spiegel“ in seiner aktuellen Ausgabe im Titelblatt schreibt – vornehmlich gegen den „weißen Mann“ – besonders den „alten“ weißen Mann. Letztlich ist dies ein umgedrehter, ein anti-weißer Rassismus im heuchlerischen Gewand des „Antirassismus“.

BILD: Transgender-Werbung auf einem Plakat in der Kölner Innenstadt

Als Verstärker tritt überdies die damit verwandte „Wokeness“ in Erscheinung, gleichsam eine revolutionäre „Wachsamkeit“ gegenüber allem und jedem, was sich jenseits einer ultralinken Mentalität befindet.

Diese „Vorrede“ scheint sinnvoll, um die nachfolgende Meldung angemessen „einordnen“ zu können:

In der EMMA-Zeitschrift Nr. 4/2021 wird auf S. 33 unter dem Titel „Cancel Culture gegen Lesben?“ darüber berichtet, daß das Lesbenfrühlingsteffen, das seit 47 Jahren in Berlin stattfindet, derzeit von Genderseite massiv attackiert wird.

Man reibt sich die Augen und staunt nicht schlecht, immerhin knöpfen sich Genderisten ansonsten überwiegend die Konservativen oder zumindest klassisch-liberale Zeitgenossen vor.

Jetzt geht es wild zu gegen Teile des mehr oder weniger eigenen Spektrums.

Das Frauenmagazin beklagt, das Lesbenfest sei als „faschistoid“ und „menschenverachtend“ beschimpft worden – doch der Shitstorm hatte anscheinend sehr handfeste Folgen:

Die Bremer Frauenbeauftragte streicht den zugesagten Zuschuss, die Magnus-Hirschfeld-Stiftung „distanziert“ sich…Es hagelt Boykottaufrufe.“

Was war passiert?

Dazu schreibt EMMA: „Referentinnen aus dem In- und Ausland hatten angekündigt, sich mit den problematischen Entwicklungen des Transaktivismus beschäftigen zu wollen…Inzwischen kommen auf einen Jungen, der das Geschlecht wechseln will, 14 Mädchen.“

Sodann wird eine Untersuchung der Britin Angela Wild erwähnt: „Die Befragten schildern einen „großen Druck“, dem Lesben ausgesetzt sind, wenn sie nicht mit biologischen Männern Sex haben wollen, die sich „als Frauen definieren“ – bis hin zu Vergewaltigs- und Todesdrohungen und körperlichen Übergriffen.“

Auf dem Lesbenfrühlingstreffen (LFT) sollte also eine berechtigte Problematisierung derartiger Ausuferungen des Trans-Phänomens erfolgen. Doch dann folgte der Gender-Vorwurf, so EMMA: „Das LFT schließe Transfrauen aus und sei „transfeindlich“ und „transphob“. Das brachte die Boykott-Lawine gegen das LFT ins Rollen.“

Somit ist klar: Kritische Debatten über Gender bzw. Geschlechtsumwandlungen oder offene Diskussionen über „Identitätsfragensind nicht erwünscht, auch keine wissenschaftlichen Erörterungen; derartige Freiräume werden „gecancelt“, gewoked und so lange fanatisch bekämpft, bis auch die letzte denkerische Unabhängigkeit – mag sie nun von Heteros oder von Homos vertreten werden – aus dem öffentlichen Raum verschwindet.

Foto: Heidelore Puttkamer