Das Stillen der Mütter ist mehr als nur Milch

Von Lucia Tentrop

Zu Pressemeldung der Bundesregierung über die geplante Förderung des natürlichen Stillens von Kleinkindern:

Es ist zu begrüßen, im Interesse der Gesundheit das natürliche Stillen von Säuglingen zu begünstigen. Ein allgemeines Umdenken in Richtung Natur dient nicht nur unserer Umwelt, sondern auch uns uns selber.

Warum beenden so viele Mütter trotz staatlicher Hilfen möglichst rasch das Stillen und geizen  mit ihrer für das Kleinkind sinnfälligsten Form der Liebe?

Ich denke da sofort an die vorwurfsvollen Klagen und Demos „ewig zu kurz gekommener“ heutiger Erwachsener, die sich ständig „benachteiligt“, ungerecht behandelt und minderwertig fühlen. Nie haben sie genug, denn was sie nicht haben und was der Andere hat, erscheint ihnen wertvoller als das Eigene. Weil sie ihre innere Leere nicht stillen können, infizieren sie mit ihrer gemütskranken Unzufri denheit unsere Gesellschaft und steigern eine sinnlose Gier.

Äußere Werte können den seelischen Hunger nach Liebe nicht stillen! Welches unbewusste Selbstwertgefühl entwickelt ein Kind, dessen Mutter das zeitraubende Stillen lästig findet, sich durch ihre weibliche Berufung langfristig abgewertet fühlt („Ich bin doch keine Kuh!“) und möglichst schnell wieder ihren „richtigen“ Beruf anstrebt?

Die brisanten Untersuchungen u.a. des Freud-Schülers Prof. René Spitz über die nahezu unersetzliche Wechselwirkung der Mutter-Kind-Beziehung scheinen auf dem wissenschaftlichen Müll gelandet zu sein, denn niemand protestiert gegen die Selbstverständlichkeit, mit der zeitgemäße Mütter ihre Kleinkinder abgeben.

Meine Mutter hat ihre fünf lebend geborenen Kinder jeweils ca. 2 Jahre lang gestillt. Das war einfach und gesund. Kindergeld, Fernsehen, Auto, Urlaubssreisen, berufstätige Mütter, technische Bequemlichkeiten und fertige Babykost kannten wir nicht.

Trotzdem waren die Menschen der Nachkriegszeit allgemein zufriedener und dankbarer. Sie waren  innerlich erfüllter als wir Heutigen, die wir unter der Inflation materieller und technischer Möglichkeiten von einem tieferen Sinn des Lebens abgelenkt werden.

Die Corona-Krise könnte uns und unserer Welt zum Gewinn werden, wenn wir die an Status und Materie orientierte heutige Lebensweise mal ganz sachlich in Frage stellen:  

Ist eine Mutter, die liebevoll mehrere Kinder aufzieht und mehr als nur ganztags die Familie betreut, für unsere Gesellschaft nicht ebenso wichtig wie eine staatlich finanzierte Pädagogin, die ihre Erziehung mit wissenschaftlichen Fremdwörtern aufwertet und ihre eigenen Kinder in die Kita gibt?

In einer Großfamilie dürfte sich das religiös begründete Gefühl für die Menschenwürde des Einzelnen und die menschliche Gemeinschaft eher entwickeln als in einer Kleinfamilie, die die „überflüssigen“ Geschwister in spe aus materiellen oder beruflichen Gründen abtreibt.

Was kostet uns die egozentrische Selbstablehnung der Frau! Und welchen Preis zahlt unsere  Mutter Erde für den Fortschritt der Frau von ihrer elementaren Natur?

Die Vergöttlichung des besitzgierigen Intellekts und der Vielwisserei hat auf ihrer Schattenseite nicht nur den Neid, sondern auch die epimetheische Dummheit, die seit Urzeiten unsere Erde bedroht, nämlich den Verlust des Instinkts, der leibseelischen Intelligenz, des Urwissens der Seele  – und der Demut vor einer höheren Macht, die uns übersteigt. Das ist die Weisheit der Geschichte von Prometheus, Epimetheus und seiner Pandora – aber auch vom Verlust des Paradieses. Sollten wir für uns nicht eine bessere Lösung finden? 

Unsere Autorin Lucia Tentrop ist katholische Theologin, Musikerin, Malerin und Pädagogin; sie lebt in Berlin; hier ihre Homepage: www.lucia-tentrop.de


Durchbruch für die Therapie der Zöliakie

Ein Forscherteam hat unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Dr. Detlef Schuppan, Direktor des Instituts für Translationale Immunologie der Universitätsmedizin Mainz, einen neuartigen medikamentösen Wirkstoff zur Behandlung der Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) entwickelt: den Transglutaminase-Hemmer ZED1227.

Das Medikament basiert auf einem erkrankungsspezifischen Wirkmechanismus. Die bisher einzige wirksame Therapie-Option für Betroffene ist eine streng glutenfreie Diät.

Im Rahmen einer klinischen Phase 2a-Studie haben die Mainzer Wissenschaftler gemeinsam mit internationalen Kollegen gezeigt, dass ZED1227 eine starke schützende Wirkung auf die Dünndarmschleimhaut hat und die Entzündung, Erkrankungssymptome sowie die Lebensqualität der Betroffenen verbessert.

Damit ist ZED1227 das erste Zöliakie-Medikament, für das eine klinische Wirksamkeit belegt werden konnte. Die Studienergebnisse wurden jetzt in der international renommierten Fachzeitschrift New England Journal of Medicine veröffentlicht.

„Zöliakie-Betroffene verspüren durch die dauerhaft notwendige Vorsicht bei der Ernährung einen erheblichen Leidensdruck. Mit dem Transglutaminase-Hemmer ZED1227 wird ihnen zukünftig eine medikamentöse Behandlungsmöglichkeit unterstützend zur glutenfreien Diät zur Verfügung stehen, die ihnen zusätzlich einen erheblichen Zugewinn an Sicherheit und Lebensqualität ermöglicht“, erläutert Univ.-Prof. Dr. Dr. Detlef Schuppan, der zusammen mit Prof. Markku Mäki (Tampere, Finnland) Erstautor der Studie ist.

Professor Schuppan leitet die Klinik-Ambulanz für Zöliakie und Dünndarmerkrankungen an der Universitätsmedizin Mainz, einem bundesweiten und internationalen Referenzzentrum für die Betreuung von Patienten mit Zöliakie und komplexen Dünndarmerkrankungen, insbesondere auch für Patienten mit den therapieresistenten und komplizierten Formen der Erkrankung.

Die Zöliakie ist eine der häufigsten entzündlichen Erkrankungen des Dünndarms. Weltweit ist nahezu ein Prozent der Bevölkerung davon betroffen.

Die Autoimmunerkrankung wird durch den Verzehr des in verschiedenen Getreiden wie Weizen, Roggen, Gerste und Dinkel enthaltenen Klebereiweißes Gluten verursacht. Bei der Erkrankung können unterschiedliche Symptome, beispielsweise Durchfall oder Bauchschmerzen, aber auch vielfältige Symptome außerhalb des Darms, inklusive verschiedener Autoimmunerkrankungen, auftreten.

Wenn die bereits durch kleinste Mengen glutenhaltiger Nahrungsmittel ausgelöste Entzündung der Dünndarmschleimhaut länger anhält, bilden sich die sogenannten Zotten, die Ausstülpungen der Dünndarmschleimhaut, zurück.

Dadurch verkleinert sich die Oberfläche der Darmschleimhaut. In der Folge können die Betroffenen weniger Nährstoffe aus der Nahrung aufnehmen. Unbehandelt kann die Zöliakie zu schwerwiegenden Komplikationen wie Blutarmut, Knochenschwund, Wachstumsverzögerungen, Unfruchtbarkeit bis hin zu Dünndarmtumoren führen.

Quelle (Text / Foto): Universitätsmedizin Mainz


Studie: Gesundheitliche Risikofaktoren für Depressionen sinken im Alter

Risikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankungen wie etwa Rauchen, Bluthochdruck, Diabetes erhöhen auch die Wahrscheinlichkeit, eine depressive Verstimmung oder Depressionen zu erleiden.

Bislang war jedoch unklar, ob sich dieser Einfluss im Laufe des Lebens verändert oder unabhängig vom Alter ist. Eine Studie des Max-Planck-Instituts und der Universität Münster zeigt: Bei Menschen über 65 Jahren sind diese Risikofaktoren im Zusammenhang mit Depressionen weniger entscheidend als bei Jüngeren.

Wer raucht, an hohem Blutdruck, Übergewicht und Diabetes leidet, ist nicht nur einer höheren Gefahr ausgesetzt, einen Schlaganfall, Herzinfarkt, oder Demenz zu erleiden. Für ihn steigt auch das Risiko, von einer depressiven Verstimmung oder Depression betroffen zu sein. Je mehr Risikofaktoren eine Person dabei erfüllt, desto wahrscheinlicher wird das.

Bislang war jedoch unklar, ob diese Wahrscheinlichkeit auch von ihrem Alter abhängt. Frühere Studien hatten bereits für andere Krankheiten wie Demenz oder einen Schlaganfall gezeigt, dass eine Kombination mehrerer Risikofaktoren im Alter zwischen 40 und 65 Jahren häufiger dazu führen, dass die Krankheit ausbricht, als im hohen Alter. Bislang war jedoch unklar, ob das auch für Depressionen gilt.

Die Wissenschaftler haben nun herausgefunden: Wie stark Rauchen und andere Risikofaktoren die Gefahr erhöhen, eine depressive Verstimmung zu erleiden, hängt auch vom Alter ab.

Demnach leiden Personen im Alter zwischen 50 und 80 Jahren, die mehrere der kritischen Punkte erfüllen, also etwa rauchen und übergewichtig sind, häufiger an einer depressiven Stimmung als jene, auf die weniger Risikofaktoren zutreffen. Allerdings zeigte sich auch, dass bei risikobelasteten Personen zwar die depressiven Verstimmungen im mittleren Alter besonders stark ausfallen,  mit zunehmendem Alter aber wieder abnehmen.

Quelle und Fortsetzung der Meldung hier: https://www.mpg.de/16899845/0514-nepf-depressionen-im-alter-sind-rauchen-und-andere-risikofaktoren-weniger-entscheidend-149575-x


Windkraft: Warnung vor Infraschall-Folgen

Wie die „WELT am SONNTAG“ in ihrer Print-Ausgabe vom heutigen 2. Mai 2021 auf der Titelseite berichtet, warnen Mediziner vor „höheren Gesundheitsgefahren“ durch Infraschall, nachdem es eine fehlerhafte Berechnung des Schalldrucks von Windkraftanlagen durch das amtliche BGR gegeben habe:

„Offenbar ist Windkraft schon bei niedrigeren Schalldrucken gefährlicher, als bisher angenommen“, wird Christian Friedrich Vahl zitiert, Chirurgie-Direktor an der Universität Mainz, der die Wirkung von Schall-Emissionen auf Zellgewerbe und Organe untersucht.

Der Mediziner berichtet – so die WamS – über „Stresswirkungen von Infraschall, die auf verschiedenen Ebenen des Organismus gefunden wurden“.

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Coronakrise: Wir essen mehr Salat u. Gemüse

Viele Deutsche sind seit gut einem Jahr stärker auf eine gesunde Ernährung bedacht. Das geht aus einer aktuellen YouGov-Studie hervor.

Fast ein Viertel der Befragten essen mehr Obst und Gemüse essen als vorher – offenbar mit der Absicht, Gesundheit und Immunsystem zu stärken.

14 Prozent sagen allerdings, dass sie jetzt mehr Junkfood (Fastfood, minderwertiges Essen) zu sich nehmen. Demgegenüber stehen 17 Prozent, die ihren diesbezüglichen Konsum reduziert haben.

In anderen Ländern ist die Junkfood-Bilanz deutlich schlechter. In England und den USA gibt jeweils fast ein Drittel der Studien-Teilnehmer an, jetzt mehr Süßwaren, Bonbons und Fastfood zu essen.

Quelle (Grafik/Infos): https://de.statista.com/infografik/24732/veraenderung-des-lebensmittel-konsums-waehrend-der-covid-19-pandemie/


Neue Therapien bei Autoimmunerkrankungen

Immunhemmende Wirkung von Antibiotika entschlüsselt

Bei bestimmten Antibiotika tritt ein immunhemmender Wirkmechanismus auf. Dieser könnte sich auch für die Behandlung von Autoimmunerkrankungen wie beispielsweise Multiple Sklerose (MS) eignen.

Das berichten Wissenschaftler des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene der Universitätsmedizin Mainz in der Zeitschrift „Immunity“. Über diesen Mechanismus konnten im Mausmodell die Symptome der mit der MS vergleichbaren Erkrankung EAE (Experimentelle Autoimmune Enzephalomyelitis) deutlich reduziert werden.

Antibiotika dienen der gezielten Bekämpfung von bakteriellen Infektionen. Ein Antibiotikum, das ausschließlich krankheitsverursachende Bakterien bekämpft, gibt es allerdings nicht. Bestimmte Antibiotika hemmen sogar Bestandteile des Immunsystems.

Im Fokus der Untersuchung stand zunächst das Antibiotikum Linezolid und dessen Wirkungsweise bei MS. Bei dieser und anderen Autoimmunerkrankungen, wie der rheumatoiden Arthritis oder den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, schützt das Immunsystem den eigenen Körper nicht mehr, sondern bekämpft körpereigene Organe und Gewebe, indem es Entzündungsprozesse auslöst.

Das Mainzer Forscherteam konnte zeigen, dass die Wirkungsweise von Linezolid insbesondere die Funktion eines bestimmten Typs von Immunzellen beeinträchtigt: die Th17-Zellen, benannt nach dem von ihnen produzierten Botenstoff (Zytokin) Interleukin-17. Im Rahmen der Studie gelang es den Wissenschaftlern, im Mausmodell zu belegen, dass Linezolid in der Lage ist, die durch die T-Zellen ausgelöste Autoimmunreaktion effektiv zu hemmen.

Das Antibiotikum reduzierte die Anzahl der aktivierten Th17-Immunzellen und der entzündungsfördernde Botenstoff Interleukin-17 wurde weniger ausgeschüttet. In der Folge gingen die Symptome der mit der MS beim Menschen vergleichbaren Experimentellen Autoimmunen Enzephalomyelitis (EAE) deutlich zurück.

Da Linezolid ein wichtiges Reserveantibiotikum ist, kommt es als Therapie für die Behandlung von Autoimmunerkrankungen allerdings nicht in Frage. Die Forscher fanden jedoch heraus, dass das Peptid Argyrin C (ArgC) einem ähnlichen Wirkmechanismus wie Linezolid folgt und demnach einen vielversprechenden, alternativen Therapieansatz darstellt.

Beide Substanzen blockieren in einem sehr frühen Stadium die Herstellung von Botenstoffen, die für die Funktion von Immunzellen notwendig sind. Dieser Eingriff in die sogenannte Proteinbiosynthese in den Mitochondrien, also den für die Energieversorgung des Organismus zuständigen Zellbestandteilen, hemmt somit auch entzündliche Autoimmunreaktionen.

Zudem fanden die Wissenschaftler heraus, dass ein bestimmtes Protein, der sogenannte mitochondriale Elongationsfaktor mEF-G1, für die Proteinbiosynthese unabdingbar ist und eine wichtige Schlüsselrolle bei der Erhaltung der T-Zell-Funktion und der Entstehung von Autoimmunerkrankungen spielt.

Genau diese Auswirkungen auf den mitochondrialen Stoffwechsel und die Funktion der Th17-Zellen könnten auch erklären, warum bei Antibiotikabehandlungen häufig Nebenwirkungen wie Pilzinfektionen auftreten.

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Vom Intensivmediziner zum Krebspatienten

Neuerscheinung „Ins Mark getroffen“ von Prof. Thomas Bein:

„Ich habe mich als Intensivmediziner über Jahrzehnte mit der Hightech-Medizin identifiziert. Meine Krebserkrankung traf mich wie ein Schlag. Am eigenen Leib habe ich erfahren, was es bedeutet, vom erfolgreichen Mediziner zum ausgelieferten Patienten im Getriebe der Hochleistungsmedizin zu werden.“

Prof. Dr. Thomas Bein leitet eine Intensivstation am Universitäts-Klinikum Regensburg, als bei ihm Knochenmark-Krebs (Leukämie) diagnostiziert wird. Fortan ist der Spitzen-Mediziner Patient im Getriebe der Hightech-Medizin:

Er erlebt, wie es sich anfühlt, eine Krebs-Diagnose zu bekommen, was es bedeutet, eine Chemo-Therapie auszuhalten, die Kontrolle über den eigenen Körper zu verlieren und mit der Krankheit Krebs leben lernen zu müssen.

Immer schwingen die Erfahrung und das Wissen des Intensiv-Mediziners mit, der sich vor seiner Erkrankung schon gefragt hat, wie das, was er als Arzt tut, auf seine Patienten wirkt.

Thomas Bein beschreibt, was er über die Autonomie und Würde schwerstkranker Patienten im Klinik-Alltag gelernt hat – und was sich dringend ändern muss, in den Abläufen wie auch im Verhältnis Arzt und Patient. Weil er als Medizin-Ethiker an der Uni-Klinik Regensburg ausgebildet hat, haben seine Erfahrungen als Krebs-Patient ein besonderes Gewicht.

Prof. Dr. Thomas Bein war viele Jahre Ärztlicher Leiter der (intensivmedizinischen) Operativen Station 90 an der Klinik für Anästhesiologie des Universitätsklinikums Regensburg sowie Vorsitzender des Klinischen Ethikkomitees des UKR. Seit seiner Knochenkrebserkrankung ist die Beschäftigung mit Fragen der Medizin-Ethik, vor allem die Beziehung zwischen Arzt und Patient im Klinikalltag der Hochleistungsmedizin ins Zentrum seines Interesses gerückt. 

Infos und Bestellungen hier: https://www.mynewsdesk.com/de/verlagsgruppe-droemer-knaur/pressreleases/vom-intensivmediziner-zum-ausgelieferten-patienten-prof-dr-thomas-bein-ueber-segen-und-abgruende-der-hochleistungsmedizin-3070203


Starke Handy-Nutzung erhöht das Krebsrisiko

Pressemitteilung der diagnose:funk vom 8.12.2020

Studie warnt: 17 Minuten Handy am Tag erhöht Krebsrisiko. Neue Studien zu oxidativem Zellstress, DNA-Schädigungen und verminderter Gehirnleistung

„Weihnachtsgeschenke müssen gesundheitlich unbedenklich sein, das werden alle Eltern und Großeltern sofort bestätigen“, sagt Jörn Gutbier, Vorsitzender von diagnose:funk und zuständig für Verbraucherschutz. „Aus Gesundheitsgründen gehören daher funkende Spielzeuge, Smartphones, Tablets und ‚smarte‘ Technik mit WLAN-Funktion nicht ins Kinderzimmer.

Mobilfunk- und WLAN-Strahlung ist gesundheitsschädlich, das bestätigen die neuen Studien. Oxidativer Zellstress, den die Strahlung im Körper verursacht, ist Auslöser vieler entzündlicher Erkrankungen bis hin zu Krebs. Hinzu kommt verminderte Lernleistung. Diese Nebenwirkungen will niemand verschenken, diesen Risiken sollten wir unsere Kinder nicht aussetzen!“

Funkende und strahlende Geschenke sind neben Smartphones auch SmartWatches, Tablets, Bluetooth-Kopfhörer, per App ferngesteuerte Spielzeuge und generell jegliche „smarte“ Technik, die sich ins WLAN integrieren lässt oder eine SIM-Karte benötigt. Alternative: Tablets und Smartphones lassen sich per LAN-Adapter am heimischen Netzwerkkabel strahlungsfrei betreiben.

Hintergrund der Empfehlung ist die wissenschaftliche Studienlage zu Gesundheit und Mobilfunkstrahlung:

  • Die neueste Metaanalyse und Review zum Krebsrisiko durch Handystrahlung bestätigt: Für Vielnutzer – über 1.000 Stunden bzw. 17 Minuten täglich in 10 Jahren – liegen signifikante Beweise für ein um 60% erhöhtes Hirntumorrisiko vor.
    Metastudie von Choi et al. (2020) siehe https://www.diagnose-funk.org/1635.
  • Neueste Einzelstudien zeigen ebenfalls deutliche Hinweise auf Gesundheitsgefahren durch Mobilfunkstrahlung, von Leberschäden über DNA-Strangbrüche bis hin zu beeinträchtigter Gehirn- und Lernleistung.
    Einzelstudien siehe Auflistung unten und auf https://www.diagnose-funk.org/1636

Im aktuellen ElektrosmogReport 3/4-2020 werden sechs neue Einzelstudien zu Mobilfunkstrahlung und Gesundheit besprochen:

  1. Alkis et al. (2019) kamen zu dem Ergebnis, dass 900, 1800 und 2100 MHz zu DNA-Schädigungen (bei 1800 und 2100 MHz) und oxidativem Stress in den Hoden von Ratten führen und damit Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit haben.
  2. Fahmy/Mohammed (2020) untersuchten die WLAN-Frequenz 2450 MHz. Durch die Bestrahlung waren die Antioxidantien (Glutathione (GSH) und Superoxiddismutase (SOD)) vermindert, die Überproduktion an freien Radikalen führte zu Leberschäden.
  3. Kumar et al. (2020) untersuchten die epigenetische Modulation der DNA-Histon-Methylierung. Die Bedeutung der Methylierung wurde bisher nicht untersucht. Sie bestrahlten mit 900, 1800 und 2450 MHz-(WLAN-)Signalen. Die größten Auswirkungen hatten die WLAN-Signale. Auswirkungen auf die Hirnleistungen, Krebsentstehung und Fortpflanzung werden vermutet.
  4. Yang et al. (2020) bestrahlten mit 1800 MHz das Innenohr. Bei einem SAR-Wert von 4 W/kg wurde eine erhöhte ROS-Konzentration festgestellt.
  5. Boileau et al. (2020) gingen der Frage nach, ob sich die Mobilfunknutzung auf das Wachstum von Embryos auswirken könnte. Das Ergebnis: häufiger Gebrauch kann zu einem geringeren Geburtsgewicht führen.
  6. Die Studie von Tohidi et al. (2020) weist nach, dass die Strahlung von 900 und 1800 MHz die Genexpression verändert (Prozess der Umsetzung genetischer Information in Proteine) und zu einer verminderten Funktion des Hippocampus (Teil des Gehirns, der vor allem für das Gedächtnis wichtig ist) führen kann. Das kann zu einer Beeinträchtigung des Lernens führen

Quelle: https://www.diagnose-funk.org/publikationen/artikel/detail&newsid=1640


Wie funktioniert die Tiefenhirnstimulation?

Wissenschaftler der Universitätsmedizin Mainz decken die Wirkungsweise der Tiefenhirnstimulation bei Morbus Parkinson auf

Wissenschaftler um Prof. Dr. Sergiu Groppa und Prof. Dr. Muthuraman aus der Klinik und Poliklinik für Neurologie der Universitätsmedizin Mainz veröffentlichen eine Publikation zur Wirkungsweise der Tiefenhirnstimulation bei Patienten mit Morbus Parkinson in einer der führenden Zeitschriften auf dem Gebiet der Neurowissenschaften.

Morbus Parkinson ist eine komplexe, neurodegenerative Erkrankung, die für Patienten, ihre Familien und pflegende Angehörige sehr belastend sein kann. Eine etablierte Behandlungsform ist die Tiefenhirnstimulation, bei der Elektroden zur Stimulation in eine kleine Region des Gehirns, genannt Nucleus subthalamicus, implantiert werden. Diese Prozedur wird seit vielen Jahren an der Universitätsmedizin Mainz angewandt.

Die Wirkweise der damit einhergehenden klinischen Verbesserung, vor allem der Motorik, ist allerdings in bestimmten Aspekten noch unbekannt. Daher besteht der Fokus einer Arbeitsgruppe der Klinik und Poliklinik für Neurologie der Universitätsmedizin Mainz darin, die Auswirkungen der Neuromodulation auf die Hirnnetzwerke zu untersuchen.

Die Wissenschaftler um Prof. Groppa untersuchten in ihrer Arbeit die Auswirkungen der Neuromodulation und vor allem der Tiefenhirnstimulation auf das Gehirn und auf dessen Netzwerke. Sie sind insbesondere der Frage nachgegangen, warum diese Therapie so effektiv die Symptome der Parkinson-Erkrankung lindert.

Die Arbeit zeigt eine bisher unbekannte Synchronisation zwischen der Stimulationsfrequenz der Tiefenhirnstimulation und der Aktivität bestimmter Gehirnregionen innerhalb des anvisierten Kortiko-Basalganglien-Netzwerks. Dies konnte mithilfe hochauflösender EEG-Aufzeichnungen in Verbindung mit Algorithmen zur Rekonstruktion der Gehirnaktivität und Analysen der frequenzabhängigen Kopplung nachgewiesen werden.

Das Vorgehen führt im Anschluss zu einer Normalisierung der Aktivität in den verbundenen Arealen, die wieder physiologisch miteinander agieren. Dabei spielt die Modulation zweier Frequenzbereiche, die sogenannte Gamma- und Beta-Aktivität, eine entscheidende Rolle – diese sind auch für die Ausübung motorischer Fertigkeiten entscheidend.

Zum einen wird die pathologische Beta-Aktivität unterdrückt und zum anderen die für die physiologische Funktionsweise im motorischen System notwendige Gamma-Aktivität gefördert.

Die Kopplung zwischen eben diesen beiden Frequenzen ist, wie die Arbeit zeigt, auch eng mit dem Schweregrad der motorischen Symptome verbunden und ihre Modulation tritt ausschließlich bei spezifischen Stimulationsfrequenzen auf, die im klinischen Alltag angewandt werden. Die Forscher nehmen daher an, dass die gezielte Modulation des Netzwerks dynamische neuronale Prozesse fördert und die Erkrankungssymptome minimiert.

Für die klinische Umsetzung erweist sich die Erkenntnis, dass mithilfe nicht-invasiver Verfahren behandlungsbezogene Anpassungen der Stimulationsparameter erfolgen können – und das auch noch Monate nach der Tiefenhirnstimulation. Um den Verlauf der Parkinson-Erkrankung zu verfolgen und optimierte Therapieoptionen anbieten zu können, sind zukünftig weitere Fortschritte bei Netzwerkanalysen und bildgebungstechnischen Charakterisierungen der Patienten notwendig.

Quelle: Pressemeldung der Universitätsmedizin Mainz


Grüner Star: Neues Wissen zur Früherkennung

Gewebshormon Angiotensin II spielt wichtige Rolle bei der Entstehung der tückischen Augenkrankheit

Weltweit ist der Grüne Star (Glaukom) die zweithäufigste Erblindungsursache. Er kann, wird er früh erkannt, gut behandelt werden. Doch das Tückische ist: Der Grüne Star verläuft lange ohne Symptome; man merkt also als Betroffener nichts davon, bis es für Hilfe zu spät ist und man erblindet.

Eine Studie der Universitätsmedizin Mainz zur Pathogenese und Pathophysiologie des Glaukoms legt nun neue Erkenntnisse vor: Eine Rolle bei der Entstehung der Augenkrankheit spielt dabei das Gewebshormon Angiotensin II.

BILD: Augen-Untersuchung (Foto: Uni Mainz / Markus Schmidt)

Diese Erkenntnis der Mainzer Wissenschaftler könnte zukünftig Diagnose und Therapie eines Glaukoms beeinflussen. Detaillierte Ergebnisse der Studie sind im Fachmagazin Redox Biology veröffentlicht.

Unter Glaukomen wird eine Gruppe von Augenkrankheiten verstanden, die in späten Stadien die Nervenzellen der Netzhaut (Retina) und des Sehnervs schädigen können. Die Folge sind Gesichtsfeldausfälle und im schlimmsten Fall die Erblindung der erkrankten Person.

Die Ursachen für die Entstehung des Glaukoms sind vielfältig und die Symptome sehr unterschiedlich. Obwohl der erhöhte Augeninnendruck nach wie vor zu den wichtigsten Risikofaktoren gehört, ist dieser als alleiniger diagnostischer oder prognostischer Faktor unzureichend: Bei ca. 30 Prozent aller Patienten, die bereits einen Glaukomschaden entwickelt haben, konnte niemals ein erhöhter Augeninnendruck gemessen werden.

Bei der Entwicklung eines Glaukoms scheinen in jedem Falle auch vaskuläre Umstände bedeutsam zu sein, die mit der Durchblutung des Auges zusammenhängen. Denn das Sehorgan ist metabolisch sehr aktiv.

Trotz seiner geringen Größe weist es einen wesentlich höheren Energiestoffwechsel als beispielsweise das Gehirn auf. Viele Untersuchungen haben gezeigt, dass Anomalien in der Regulation des Blutflusses mit der Entstehung eines Glaukoms assoziiert sind.

Eines der wichtigsten blutflussregulierenden Systeme ist das Renin-Angiotensin-System (RAS), das bei geringem Blutvolumen über die Freisetzung des Gewebshormons Angiotensin II den Blutdruck erhöht. Eine von der Augenklinik der Universitätsmedizin Mainz in der Zeitschrift Redox Biology veröffentlichte Studie an aus Mäusen isolierten Mikrogefäßen und Retinagewebe bringt nun anhand optimierter Messmethoden Licht ins Dunkel.

Prof. Dr. Norbert Pfeiffer sieht in dem neu etablierten Modell eine hervorragende Ergänzung der bisher vor allem auf die Untersuchungen des Augeninnendrucks fokussierten Glaukom-Modelle an der Augenklinik.

„Dieses neue in vitro-Modell bildet weitere Facetten der Erkrankung ab, an der deutschlandweit über eine halbe Million Menschen leiden und die eine der häufigsten Erblindungsursachen ist. Anhand des Modelles können wir nun verschiedene Erkrankungsursachen erforschen und versuchen, neue Therapien zur Behandlung des Glaukoms, vor allem des Normaldruck-Glaukoms, zu entwickeln“, sagt Prof. Pfeiffer.

Quelle: Pressemeldung der Universitätsmedizin Mainz