Kardinal Müller: Die Zukunft der Kirche hängt nicht von Fatima oder Lourdes ab

Nach Ansicht von Kurienkardinal Gerhard Müller übertreiben manche Katholiken die Bedeutung von Privatoffenbarungen, „als ob sie fast ein Dogma seien“.

Gegenüber der italienischen Nachrichtenagentur ANSA wies der Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation darauf hin, daß auch die von der Kirche approbierten (erlaubten, „anerkannten“) Erscheinungen für die Gläubigen nicht verbindlich sind:

„Selbst wenn sich die Kirche für ein solches Phänomen ausgesprochen hat, ist kein Katholik verpflichtet, dorthin zu gehen oder daran zu glauben.“

In puncto Medjugorje erklärte der Kirchenmann und frühere Oberhirte von Regensburg, die Klärung dieser Ereignisse werde weitere Zeit benötigen, doch im Moment gehe es darum, die pastorale Situation zu regeln. Hinsichtlich der dortigen Visionäre sagte der Glaubenspräfekt: 

„Was die Rolle der Seher anbelangt, muß ich als Katholik sagen, daß wir uns auf Jesus Christus konzentrieren sollen.“ 

Er fügte grundsätzlich hinzu: „Es gibt vielleicht einige Privatoffenbarungen, aber sie ersetzen nicht die einzige Offenbarung Gottes durch Jesus Christus.“

Für die Kirche sei Medjugorje nicht von Bedeutung  –  und auch betreff der kirchlich gebilligten Erscheinungsstätten gelte, daß sie religiös hilfreich sein können, aber die „Zukunft der Kirche“ hänge nicht von Fatima oder Lourdes ab.

Quelle für die Zitate (italienisch): http://www.ansa.it/sito/notizie/topnews/2017/03/03/medjugorje-mueller-troppe-esagerazioni_f2c6e8b5-e3e8-47c0-9e90-42d3a47b93d2.html

Foto: Bistum Regensburg


Kardinal Müller: Barmherzigkeit beinhaltet „keinen Freibrief, um zu sündigen“

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„Schlimm“ und „traurig“: So kommentiert der deutsche Kardinal Gerhard Müller die Tatsache, daß in Belgien aktive „Sterbehilfe“ bzw. Euthanasie gesetzlich erlaubt ist und immer mehr Gruppen offensteht. Müller
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Der Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation betonte in einem Interview mit der belgischen Zeitung „Tertio“, das Leben sei ein Geschenk und stehe nicht in der Verfügung des Einzelnen: „Es ist nicht unsere Aufgabe, zu entscheiden, ob ein Leben noch Wert hat.“
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Kurienkardinal Müller äußerte sich in dem Interview auch zum christlichen Verständnis von Barmherzigkeit; diese sei „kein Freibrief, um zu sündigen oder weiter in Sünde zu leben“, so der Kurienkardinal.
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Er erwähnte auch, dass die Kirche keineswegs an der Unauflöslichkeit der Ehe rüttle. Es gebe „keine Umstände, in denen Ehebruch keine Todsünde wäre“, sagte Müller. Dem habe auch Papst Franziskus in seinem Schreiben Amoris Laetitia nicht widersprochen.
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Quelle: Radio Vatikan – Foto: Bistum Regensburg

Kardinal Müller warnt Katholiken vor Personenkult und Fixierung auf die Päpste

Von Felizitas Küble

Nach einem Bericht der österreichischen Nachrichtenagentur Kathpress befaßt sich der vatikanische Glaubenspräfekt Gerhard Müller in seinem neuen Buch „Der Papst – Sendung und Auftrag“ kritisch mit einem unangemessenen Personenkult um den jeweiligen Papst bzw. die Päpste. Bischof Gerhard Ludwig Müller Internet

Die katholische Kirche sei schließlich keine „Papstkirche“, weil das Zentrum des Glaubens der göttliche Erlöser selber sei.

Der Papst diene mit seinem Amt der kirchlichen Einheit, was aber nicht zentralistisch aufgefaßt werden solle, denn mit „Personenkult um ihn herum“ könne man dem Papst nicht wirklich dienen.

Der deutsche Kurienkardinal beschreibe, so meldet Kathpress, in seinem Buch die historische Entwicklung des Petrusamtes; er sehe die Gefahr, daß in den Medien nur noch die Stimme des Papstes erklinge, „während die Sichtweise von der natürlichen Verfassung der Kirche her eigentlich andersherum ist“.

Die kirchliche Versammlung sei das Urprungs-Prinzip des Christentums. Jede Papstverherrlichung schade dem Petrusamt mehr, als sie ihm nutze. Zu warnen sei auch vor überzogenen Erwartungen, zumal diese bei einer vorhersehbaren Nichterfüllung ins Gegenteil umschlagen würden.

Foto: Vatican.vaSchwächen und Grenzen seien, so Kardinal Müller weiter, ein Wesensbestandteil jedes Menschen und somit auch der amtlichen Vertreter der Kirche bis hinauf zum Pontifex.

Der vatikanische Glaubenspräfekt plädiert für eine größere Verantwortung der Bischöfe, Synoden und Bischofskonferenzen. Eine „heilsame Dezentralisierung“ bedeute jedoch keinen theologischen Richtungswechsel oder gar eine „Revolution im Vatikan“.

Papalismus: seit langem eine wachsende Fehlentwicklung in der Kirche

Hierzu sei angemerkt:

Schon seit Jahrzehnten wendet sich unser Christoferuswerk, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt, gegen die in konservativen Kreisen weitverbreitete Papstschwärmerei und sonstigen papalistischen Enthusiasmus – und zwar ganz unabhängig davon, welche Persönlichkeit gerade das Petrusamt innehat.

Es geht hierbei nämlich gerade nicht um Sympathie oder Argwohn gegenüber diesem oder jenem Papst, sondern ums theologische Prinzip:

Unser Glaube beruht nicht auf dem Papst und seinen Worten oder Taten, sondern auf der Offenbarung Gottes; diese entfaltet sich auf zwei miteinander verbundenen Wegen, nämlich der Heiligen Schrift und der apostolischen Tradition (frühchristlichen Überlieferung).papst_letzter_tag_01

Das „Dach“, das dieses „Glaubensgebäude“ schützt, ist das kirchliche Lehramt, das sich aber nicht etwa im Papst und seiner Verkündigung erschöpft.

Abgesehen von den letzten beiden Dogmen wurden alle vorherigen unfehlbaren Glaubenssätze von Konzilien (allgemeinen, universalen Bischofsversammlungen) verkündet, die freilich vom Papst oder seinem Legaten geleitet (oder zumindest später als rechtens bestätigt) wurden.

Das Papsttum muß der Kirche als wichtigster Garant der Einheit dienen, es soll wie einst Petrus „die Brüder stärken“, ist aber selber nicht die Basis des katholischen Glaubens.

Die Päpste kommen und gehen, doch die Kirche bleibt

Jene durchaus problematische Entwicklung der späten Neuzeit hin zu einer immer stärkeren Fixierung auf den Papst und seine Stellung, die beim 1. Vatikanischen Konzil ihren vorläufigen Höhepunkt fand, führte zu einem wachsenden Personenkult um den jeweiligen Papst oder zu einer allgemeinen papalistischen Schwärmerei, aber zugleich zu einer überzogenen Polemik gegen Päpste, denn je mehr seine Person im Mittelpunkt steht, umso mehr entzündet sich an ihm auch die Empörung  – und zwar durchaus nicht immer nur von „links“ (wie man derzeit im traditionellen Lager zum Thema Papst Franziskus bestätigt sieht).Herz-Jesu_01

Viele konservativen Gläubigen, die mir ihren Unmut über Papst Franziskus mitteilen, sage ich, daß sie ihre  – vielfach durchaus berechtigte  – Enttäuschung nicht überdramatisieren mögen.

Die Päpste kommen und gehen, aber die Kirche bleibt. Das Werk Christi beruht auf seiner Verheißung, nicht auf einer vermeintlichen oder tatsächlichen Großartigkeit von Menschen.

Es ist paradoxerweise sogar so, wie Paulus schreibt, daß sich gerade in menschlicher Schwäche die Gnade des Höchsten umso deutlicher zeigt.

An die Göttlichkeit der Kirche glaube ich – um es zugespitzt auszudrücken  – nicht wegen der guten, sondern gerade wegen der schlechten Päpste.

Nicht daß ich mir solche herbeiwünschen würde, ihr Wirken war oft sehr verhängnisvoll, aber die eindrucksvolle Tatsache, daß die katholische Kirche an diesen unwürdigen Vertretern des Petrusamtes nicht gescheitert ist, daß sie aufgrund der Gnade und Zusage Christi, ihres unsichtbaren Hauptes, stets weiterlebte und es auch in Zukunft tun wird, ist der Hoffnungsgrund unseres Glaubens. 

Felizitas Küble leitet den katholischen KOMM-MIT-Verlag in Münster und das Christoferuswerk, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

HIER wurde unser Artikel als PRESSEMELDUNG veröffentlicht: http://www.news4press.com/Kardinal-M%C3%BCller-warnt-vor-Personenkult-u_972964.html

Fotos: Bistum Regensburg, Radio Vatikan

 


Kardinal Müllers Einwände zu Dubia-Kardinälen steigern die Verwirrung

Mathias von Gersdorff

Der Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Müller, kritisierte das Vorgehen der Kardinäle Burke, Brandmüller, Meisner und Cafarra bezüglich des Apostolischen Schreiben Amoris Laetitia von Papst Franzikus. gersdorff

[Zur Erinnerung: Diese vier Kardinäle haben einen Fragenkatalog mit sog. „dubia“ (Zweifel) an Papst Franziskus gesandt, in welchem um Präzisierungen zu bestimmten Aussagen im päpstlichem Schreiben gebeten wird. Insbesondere geht es um die Frage, ob unter bestimmten Voraussetzungen wiederverheiratete Geschiedene die Kommunion empfangen dürfen. Nach traditioneller Kirchenlehre ist dies nicht möglich. Amoris Laetitia enthält Passagen zu dieser Problematik, die zu völlig konträren Auslegungen geführt haben. Nicht selten werden diese Passagen nach eigenem Geschmack ausgelegt. So sind nun liberale Bischöfe oder sogar Bischofskonferenzen der Auffassung, die früheren Einschränkungen zur Erteilung der Kommunion seien aufgehoben worden. Konservative behaupten, es hätte sich nichts geändert. Der normale Gläubige schaut verblüfft dieser Debatte zu, die zunehmend an Schärfe gewinnt.]

Nun hat sich Kardinal Müller in einem Internet-Fernsehinterview am 8. Januar 2017 zu diesem Thema geäußert und die Vorgehensweise der vier Kardinäle kritisiert, vor allem die Tatsache, dass sie ihre Anfrage an den Papst veröffentlicht haben. Zudem erklärte der Präfekt der Glaubenskongregation, Amoris Laetitia stelle keine Gefahr für den Glauben dar.

In der Tat hat Kardinal Müller seit der Veröffentlichung versucht, das Amoris-Laetitia–Problem dadurch zu lösen, dass er das päpstliche Schreiben im Sinne der Tradition auslegte. Insofern ist seine Haltung nicht ganz neu.

Dennoch wirft sein letztes Fernsehinterview Fragen auf: Bischof Gerhard Ludwig Müller Internet

Es ist schon bemerkenswert, dass Kardinal Müller den Rahmen eines Fernsehinterviews wählt, um seine Brüder im Kardinalskollegium zu kritisieren. Als Präfekt der Glaubenskongregation stehen ihm geeignetere Möglichkeiten zur Verfügung als ein 11-minütigen Interview, in welchem lediglich ca. drei Minuten dem Apostolischen Schreiben gewidmet waren.

Besitzt die Aussage im Fernsehinterview überhaupt eine relevante Autorität? Von einem Präfekten hätte man eine derart gewichtige Stellungnahme, die geradezu ein Erdbeben verursacht hat, entweder im „L´Osservatore Romano“ oder in einer Fachzeitschrift für Theologie erwartet.

Somit stellt sich eine weitere Frage: Kardinal Müller hatte nicht die Zeit, seine Kritik angemessen zu begründen. Ein derart kurzes Format lässt eine ausführliche Begründung, die der Bedeutung der Aussagen entspricht, gar nicht zu.

Doch das wäre wirklich angebracht. Es kann Kardinal Müller unmöglich entgangen sein, dass etliche Bischöfe und Bischofskonferenzen das Schreiben ganz anders als im Sinne der Tradition (und dessen eigener Auffassung) auslegen und die Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene öffnen wollen. Das ist auch die klare Tendenz in Deutschland, dem Heimatland des Glaubenspräfekten.

Foto: Radio VatikanWenn er schon der Meinung war, die Autoren der „dubia“ kritisieren zu müssen, so wäre es angebracht gewesen, auch diejenigen zu kritisieren, die vorpreschen und Amoris Laetitia in Widerspruch zur Tradition auslegen, Kardinal Marx vorneweg.

Durch seine einseitige Kritik hat Kardinal Müller leider die Verwirrung rund um das päpstliche Schreiben gesteigert. Die normalen Gläubigen empfinden eine noch nie dagewesene Kakophonie in einer moraltheologischen Frage, die eigentlich schon seit Jahrhundert von vielen Päpsten, Theologen und Konzilien geklärt wurde.

Es macht sich der Eindruck breit, das Lehramt gelte nicht mehr bzw. sei nicht mehr ernst zu nehmen. Viele fragen sich: Wieso bestätigen der Papst und der zweite Mann im Vatikan, also der Präfekt der Glaubenskongregation, nicht die Lehre der Kirche in dieser wichtigen Frage, wo doch so viele Leute diese Lehre bestreiten?

Unser Autor Mathias von Gersdorff  aus Frankfurt leitet die Aktion „Kinder in Gefahr“ und veröffentlicht seine aktuellen Berichte hier: http://mathias-von-gersdorff.blogspot.de/

HINWEIS: Kardinal Müller und Co. hatten vor der Veröffentlichung von AL viele Verbesserungsvorschläge an den Papst eingereicht, angeblich war es sogar eine „zwanzigseitige Liste mit Korrekturvorschlägen“.  Quelle: http://www.kath.net/news/58114

Fotos: M. v. G., Bistum Regensburg, Radio Vatikan


Kardinal Müller: Abtreibung ist ein Mord, der als „Recht“ dargestellt wird

Der Präfekt der römischen Glaubenskongregation warnt vor dem „Druck eines ideologischen Totalitarismus“ auf die Länder Lateinamerikas, wobei Entwicklungshilfe davon abhängig gemacht werde, Abtreibung und Gender-Ideologie zu akzeptieren. Müller

Kardinal Gerhard Müller erhob diese Anklage in einem exklusiven Interview mit der italienischen Ausgabe von CNA (ACI Stampa):

„Die Staaten und die Gesellschaft Lateinamerikas stehen  –  wie auch jene in Europa und Nordamerika –  unter dem Druck eines neuen ideologischen Totalitarismus, der sich allen Ländern aufzwingen will, indem er die Entwicklungshilfe an die Akzeptanz seiner Postulate koppelt, wie es bei der Gender-Ideologie und dem freien Zugang zur Abtreibung geschieht, die ein Mord ist, der als Recht dargestellt werden soll.

Das sind Bedrohungen, die die Fundamente der modernen Staaten schwächen.“

Quelle und Fortsetzung der Meldung hier: http://de.catholicnewsagency.com/story/kardinal-muller-lateinamerika-wird-gedrangt-die-gender-ideologie-anzunehmen-1466

Foto: Bistum Regensburg


Glaubenspräfekt Müller über Migration und Moral, Kinderehen und Sittengesetz

Im September dieses Jahres erschien im Herder-Verlag das programmatische Buch „Die Botschaft der Hoffnung“ mit dem Untertitel: „Gedanken über den Kern der christlichen Botschaft“.

Darin antwortet Kurienkardinal Gerhard Müller (siehe Foto) auf die Fragen des Theologen Prof. Dr. Carlos Granados, einem spanischen Alttestamentler. 

Dabei beklagt der Glaubenspräfekt z.B. den Niedergang der westlichen Kultur und Größe:

„Diese westliche Kultur, die sich auf der Grundlage falscher philosophischer und theologischer Ansätze eingeredet hat, sie bräuchte Gott nicht als Fundament des Seins und des Menschen, hat nicht nur den Glauben, sondern auch die Hoffnung und damit ihre Größe verloren.“

Redakteur Clemens Fütterer von der Medienplattform „O-Netz“ aus der Oberpfalz nahm die Neuerscheinung zum Anlaß, ein Interview mit dem Präfekten der Glaubenskongregation zu führen und ihm einige Fragen hinsichtlich der Buchthemen zu stellen.

Das Bistum Regensburg gehört in die bayerische Region Oberpfalz. Kardinal Müller war Bischof von Regensburg, bevor der von Papst Benedikt nach Rom berufen wurde, um dort sein Amt als „Hüter des Glaubens“ wahrzunehmen.

Das erwähnte Interview erschien am heutigen 2. Dezember 2016 auf O-Netz unter dem Titel: Gerhard Kardinal Müller für den „mühsamen Weg“.

Derzeit sehr aktuell wirkt die Stellungnahme des Glaubenspräfekten zur Asyl- und Einwanderungspolitik. Er erklärt, daß wir heute vor der Herausforderung ständen, zwei jeweils berechtigte Prinzipien miteinander in Einklang zu bringen:

„Einerseits müssen wir aus christlichen und humanitären Gründen offen sein für Menschen, die als Flüchtlinge unsere Hilfe suchen und brauchen. Andrerseits gibt es das Anliegen, die gewachsene kulturelle Identität eines Landes und Volkes zu bewahren. Es können fremde Kulturen auch kreativ integriert werden, ohne dass die eigene Sprache und Lebensweise an den Rand gedrängt werden.“ mueller-cover

Hinsichtlich der osteuropäischen Staaten, die von westlichen Politikern und Medien wegen ihrer restriktiven Asylpolitik vielfach harsch kritisiert werden, erklärt Kardinal Müller:

„Wir müssen bedenken, wie unseren östlichen Nachbarn die schreckliche Erfahrung präsent ist, dass z.B. ein Stalin durch einen radikalen Bevölkerungsaustausch ganze Kulturen und Staaten ausgelöscht hat. Bei der Kritik an unseren osteuropäischen Nachbarn sollten wir in Westeuropa zurückhaltender sein.“

Sodann unterscheidet der Glaubenspräfekt zwischen Hilfeleistung bei akuter Notlage und einer „gezielten Politik der Einwanderung von Menschen in unsere klassischen Nationalstaaten“. Er erwähnt, daß das „enge Zusammenleben von Deutschen, Polen, Italienern, Spaniern, Franzosen in einem einzelnen europäischen Land kaum noch als Problem empfunden“ werde.

Anders sieht es allerdings aus, so Müller weiter, „wenn es sich um Zuwanderer handelt, die sich in Religion, Kultur, Mentalität und dem moralischen Wertekanon erheblich von uns nicht nur unterscheiden, sondern die uns nicht verstehen können.“

Er erwähnt dabei als Beispiel, daß Kinderehen nicht nur „unserer Kultur“ widersprechen, sondern nach christlicher Auffassung „auch dem natürlichen Sittengesetz“ widerstreiten  – und dieses Sittengesetz gehe „der staatlichen Gesetzgebung voraus“, sei also fundamental gültig und bindend.

Zudem warnt der Kardinal davor, die vielzitierte Religionsfreiheit nur interessengeleitet zu vereinnahmen, sie aber nicht wirklich zu respektieren:

„Man soll von der Religionsfreiheit nicht nur dann reden, wenn man sich in einer Minderheit befindet, sondern auch dann, wenn man einmal einer Mehrheit angehören sollte. Die grundlegenden Menschenrechte darf niemand nur funktional anerkennen, wenn sie einem gerade einen Vorteil bringen, sondern man muss sie prinzipiell sich zu eigen machen als moralische Maximen unter allen Bedingungen.“

Quelle für die Interview-Zitate aus O-Netz: https://www.onetz.de/amberg-in-der-oberpfalz/vermischtes/interview-mit-dem-praefekten-der-glaubenskongregation-gerhard-kardinal-mueller-fuer-den-muehsamen-weg-d1714224.htm

Erstes Foto: Bistum Regensburg


Kardinal Müller: Gläubige sollen kirchlichen Medjugorje-Entscheid abwarten

Wie das erscheinungsbewegte Nachrichtenportal „Kath.net“ am 17.11.2016 berichtet, hat Glaubenspräfekt Gerhard Müller die Gläubigen aufgefordert, in puncto Medjugorje auf eine Entscheidung der Weltkirche – also des Vatikan – zu warten.

Die erwähnte Erscheinungssstätte befindet sich in Bosnien-Herzegowina; dort ist seit 1981 von weit über 40.000 Marienvisionen die Rede, welche sich an ein halbes Dutzend Seher/innen gerichtet haben sollen. Bischof Gerhard Ludwig Müller Internet

Kurienkardinal Müller (siehe Foto) stellte kürzlich in einem Interview klar, daß die katholische Marienverehrung „nicht an Erscheinungen und Offenbarungen“ hänge. Vielmehr beruhe der kirchliche Marienglaube in ihrer Jungfräulichkeit und Gottesmutterschaft, ihrer makellosen Empfängnis und ihrer Aufnahme in den Himmel mit Leib und Seele.  

Wie man sich vorstellen kann, herrscht in den Leserkommentaren auf „kath.net“ nicht gerade eitel Freude über diese Aussagen des Präfekten der Glaubenskongregation, der sich bereits in der Vergangenheit eher skeptisch zur Causa Medjugorje geäußert hat.

Ein Leser schreibt dort ganz klar, seine Marienverehrung hänge sehr wohl an Medjugorje, weil er sich dort bekehrt habe – andere Leser bringen zwar Einwände gegen Müllers Feststellung, akzeptieren sie aber unterm Strich doch mehr oder weniger.

Ein Medjugorje-Pilger stimmt ihm freilich direkt zu: „Was Kardinal Müller meint, ist sicherlich auch, dass man seinen Glauben nicht (praktisch) nur an Medjugorje festmachen soll. Ich war selbst etwa 1987 dort und habe ambivalentes erlebt, ebenso ging es meiner Mutter. Seitdem freut es mich zwar, zu hören, wie viele dort zum Glauben gefunden haben, halte mich aber ansonsten an das Bewährte – gerade in diesen unruhigen Zeiten…“

Foto: Bistum Regensburg