Kerala (Indien): Erscheint „Maria“ in Edavanakkad mit Tiara und Jasminduft?

Von Felizitas Küble

Kerala ist ein Bundesstaat im südlichen Indien mit einem für dortige Verhältnisse überdurchschnittlich hohen Anteil von Christen. Zugleich ist bekannt, daß viele charismatische „Heilungspatres“, die seit Jahren durch Deutschland touren, aus Kerala stammen.

In dieser Region sorgten protestantische Pfingstprediger bereits in den 70er und 80er Jahren dafür, daß sich schwarmgeistige Strömungen auch in der katholischen Kirche Südindiens breitmachen.

Nun sorgt eine Pfarrgemeinde aus der Kleinstadt Edavanakkad in der Erzdiözese Verapoly für erhebliches Aufsehen, denn dort soll es vor einigen Wochen zu Erscheinungen von Jesus und Maria in der Kirche St. Ambrosius gekommen sein.

Unter den Schülern, die zur Schar der ersten „Seher“ gehören, befand sich allerdings nur ein einziges katholisches Mädchen; die meisten „betroffenen“ Kinder und Jugendlichen sind hinduistischen Glaubens.

Geistausgießung und Himmelsverheißung für Ungetaufte?

Das hinderte die vermeintliche „Madonna“ aber nicht daran, diesen Schülern anzukündigen, daß sie ihnen den Heiligen Geistes senden und sie in den Himmel führen werde.

Dergleichen paßt zwar bestens zu den bereits vorhandenen charismatischen Tendenzen in Kerala, nicht jedoch zur biblischen und katholischen Lehre, wonach der dreieinige Gott durch die TAUFE in die menschliche Seele einzieht und seine Gnadenschätze wirksam werden läßt.

Eine allgemeine Geistausgießung über Ungetauften bzw. Anhängern fremder Religionen ist daher theologischer Unsinn. Der Hinduismus ist zudem nicht einmal monotheistisch (= Ein-Gott-Glaube) orientiert, sondern beinhaltet einen fantasievollen Vielgötterkult.

Ähnliches gilt für die pauschale Verheißung der Erscheinung an die Visionäre, in den Himmel zu gelangen. Die Taufe ist auch in dieser Sicht regulär und objektiv das „Tor zum Leben“.

Soll die Bedeutung dieses Grundsakramentes und des spezifisch christlichen Glaubens geschmälert werden? Wird hier auf listige Weise einem gefährlichen Synkretismus (Religionsvermischung) Vorschub geleistet? Soll der Wahrheitsanspruch des Christentums unterschwellig und mittels „frommer“ Vorzeichen unterschlagen werden?

Theologisch unsinnige Vermischung von Attributen

Sodann heißt es in englischsprachigen kath. Agenturberichten (z.B. CNA, ETWN) weiter, die Marienerscheinung habe neben einem blauen Schal auch eine Tiara (dreifache Krone) auf ihrem Haupt getragen und somit eines der bekannten Symbole des Petrusamtes. (Die frühere Krönung der Päpste bis zu Paul VI. fand mit einer Tiara statt.)

Die Gottesmutter ist zweifellos die Königin der Apostel. Dennoch paßt eine Tiara als ein lange Zeit hindurch geläufiges (wenngleich nicht ursprüngliches) Amtszeichen des Papsttums nicht zu ihr, da sie keine Nachfolgerin des Apostels Petrus bzw. keine „Päpstin“ ist.

Zwischen persönlicher Heiligkeit auf der einen Seite und einer „amtlichen“ Aufgabe bzw. Sendung auf der anderen Seite sollte stets unterschieden werden.

Wie so häufig bei irrgeistigen Geschehnissen, ist auch diese Erscheinung von sinnlich-erfahrbaren Phänomenen begleitet, in diesem Fall dem Duft von Jasminblüten. Als ob der Himmel dergleichen zu seiner „Beglaubigung“ nötig hätte!

Natürlich nehmen die zuständigen kirchlichen Stellen  – wie in solchen Fällen üblich  – zunächst eine „abwartende“ Haltung ein.

Die erste „Seherin“ war ein Hindu-Mädchen

Die Erscheinungen sollen am 28. September begonnen haben, als eine Hindu-Schülerin in die kath. Kirche ging, um für ihr Ohrproblem zu beten und Weihwasser zu nehmen. Später erzählte sie, daß ihr dies sofort geholfen habe. Daraufhin sei das Mädchen mit weiteren Schulkameraden (darunter ein einziges katholisches Kind) in das Gotteshaus gegangen, um zu danken und zu beten, worauf sie eine Vision vom gegeißelten Christus erlebt haben wollen.

Als eine Lehrerin dazukam, schilderten die „Seher/innen“ ihr eine Erscheinung der seligen Jungfrau, die „unter dem Altar“ gestanden habe und für den Duft von Jasminblüten sorgte.

Hier erhebt sich die Frage, warum die angebliche „Madonna“ sich denn unter dem Altar (vermutlich ein Hochaltar) präsentiert. Erst trägt sie eine Tiara als Zeichen des Papsttums, nun erhält der Altar als Sinnbild des Priestertums eine zentrale Bedeutung in diesen theologisch geradezu abenteuerlichen Visionen.

Die Gottesmutter ist die größte aller Heiligen, aber weder eine geweihte bzw. amtliche Priesterin noch Päpstin. (Natürlich nimmt sie innerhalb des Laienpriestertums eine bevorzugte Stellung ein – aber das steht auf einem anderen Blatt.)

Wie der Schüler Aquenas Jomon berichtet, habe Maria ihm gesagt, dass seine Mutter geheilt werde und dass die Schulden seiner Familie verschwinden. Zudem erklärte er: „Als ich sie das erste Mal sah, musste ich weinen.“  –  Und warum weinte der Junge denn?  – Ist es zudem die Aufgabe einer Marienerscheinung, irdische Wohltaten („Schulden verschwinden“) auszuteilen? Sollte es dabei nicht gut biblisch „zuerst um das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit“ gehen???

Eine anhängliche Maria fleht die Schulkinder an?

Die anwesenden Erwachsenen konnten von der Erscheinung ohnehin nichts sehen. Als ein Lehrer die Kinder aus der Kirche führte, soll ihnen „Maria“ laut Angaben der Mädchen gefolgt sein und sie „angefleht“ haben, nicht zu gehen. 

Als ob sich die wahre Gottesmutter derart aufdringlich bis lächerlich präsentieren würde!

Am 3. Oktober versammelte sich bereits eine große Menschenmenge in der Kirche. Der Pilgerstrom wuchs täglich an, auch Hindus kamen in großer Schar.

CNA berichtet dazu folgendes:Ein Priester forderte die Kinder auf, den genauen Punkt anzugeben. Die Gemeinde sah ein helles Licht und der Priester sagte, dass er fühlte, wie jemand seinen Kopf tätschelte.“

Zu solchen „Kindereien“ erübrigt sich jeder weitere Kommentar.

Quellen u.a.: http://indianexpress.com/article/india/hundreds-flock-to-kerala-church-after-children-report-seeing-mother-mary-4895237/lite/
https://www.catholicnewsagency.com/news/in-india-schoolkids-say-virgin-mary-appeared-amid-scent-of-jasmine-73012

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Das erlebte ich zu Pfingsten 1985 in Medjugorje

Von Thomas Schönhoff

Als ich zu Pfingsten 1985 zur „Erscheinungsstätte“ nach Medjugorje fuhr, hat mich dort schon die „Massenmesse“ am Volkstisch abgestossen. Die Sakristeischwester rannte ständig im Altarraum hin und her (ohne jede Kniebeuge), in der Kirche lief eine Unterhaltung wie in einer U-Bahn-Station. 

Die Messe für die Deutschen Piger zelebrierte ein älterer Monsignore aus Österreich, ein sehr feiner und frommer Mann. Er sagte uns, dass er perfekt die dortige Landessprache spreche, wobei er dies aber sonst nicht bekannt gab.

Die sog. Marienerscheinungen fanden zu jener Zeit im Pfarrhaus statt. Wir Pilger standen draussen im Hof. Der Monsignore durfte als Priester mit ins Zimmer zu den Seherkindern.

Als die angeblichen Erscheinungen vorbei waren, fragte der Franziskanerpater die jungen Visionäre, was die Gottesmutter ihnen denn gesagt habe  –  und alle Kinder erzählten ihm etwas anderes. Er meinte dann: Jetzt müßt ihr euch schon einig werden; so können wir das den Leuten da draussen nicht vorlesen.

Der Monsignore bekam das alles mit  – er verstand es und sagte danach zu uns, dass Medjugorje für ihn erledigt sei.

Die Anhänger dieser „Erscheinungen“ sind oft hysterisch und verfallen einer charismatischen Sektenmentalität. Die Seher sind alle reich geworden und lassen sich feiern wie Hollywood-Stars. Leider macht die Kirche dem Treiben dort kein Ende  – sie hat hier wieder einmal versagt.

HIER ergänzend ein weiterer Erlebnisbericht: https://charismatismus.wordpress.com/2014/02/17/ein-erfahrungsbericht-zu-medjugorje-hoffentlich-fliegt-der-schwindel-eines-tages-auf/

BILD oben: Das faktenstarke Buch „Der Medjugorje-Betrug“ kann bei uns preisgünstig für nur 14,80 € statt für 19,80 € (Ladenpreis) bezogen werden. Das fundierte Werk ist über 700 gr. schwer und ein echter Augenöffner.  – Bestellungen bitte per Mail: felizitas.kueble@web.de – oder Tel. 0251-616768

 


Sind „Arme Seelen“ falsch im Bilde? – Maria Simma und die Causa Medjugorje

Von Felizitas Küble

Jahrzehntelang will sie Kontakt mit Verstorbenen gehabt haben: Maria Simma, eine sogenannte „Arme-Seelen-Mutter“ aus der Ortschaft Sonntag in Vorarlberg (Österreich).

Die katholische Bäuerin wurde durch ihr Buch „Meine Erlebnisse mit Armen Seelen“ weit über die Alpenrepublik hinaus bekannt. Die Publikation wurde in mehreren Sprachen übersetzt und erreichte eine beachtliche Gesamtauflage von ca. 300.000 Exemplaren.

Um nicht „mistverstanden“ zu werden, sei vorausgeschickt:

1. Es gibt das Purgatorium (im Volksmund „Fegfeuer“ genannt) als „Vorstation“ für den Himmel.  –  2. Den Seelen im Läuterungszustand kann durch die Fürbitte der Gläubigen, besonders aber durch das Gedenken in der hl. Messe wirksam geholfen werden. Dies ist eine wichtige, Himmel und Erde verbindende „Solidarität“ der Christen über den Tod hinaus.

3. Grundsätzlich sind Erscheinungen von „Armen Seelen“ denkbar. Das bedeutet freilich noch lange nicht, daß es sich bei vermeintlichen Manifestationen von Verstorbenen tatsächlich um ein solches Phänomen handelt. (Möglich sind auch innerseelische Selbsttäuschungen, dissoziative Störungen  – oder gar die Trickkiste von  Finsternismächten, die sich als „Arme Seelen“ ausgeben.)

Zu beachten ist vor allem, daß das Jenseits kein Auskunftsbüro ist und nicht der Befriedigung einer unangemessenen religiösen Neugier dient. Überdies ist jedes „Herbeizitieren“ von Toten als gefährlicher Spiritismus zu werten und biblisch sowie kirchlich strikt verboten.

Kein Datenschutz im Jenseits?

Höchst bedenklich sind insbesondere vermeintliche „Dialoge“ mit Verstorbenen, die sich über dies und jenes auslassen, zu religiösen Detailfragen Stellung beziehen oder gar Informationen über das Schicksal anderer Toten geben. Fehlt es in der Ewigkeit etwa an jedem „Datenschutz“? 

Das erwähnte Buch von Simma (siehe Foto) habe ich gründlich durchgelesen. Schon als Schülerin fand ich es aufschlußreich, daß die „Armen Seelen“ passenderweise die persönlichen religiösen Ansichten der Autorin „bestätigen“ und ihr Weltbild gleichsam „absegnen“ und zementieren. Wer wird ihren Auffassungen noch widersprechen wollen, wenn sie sich doch direkt auf das Jenseits berufen kann?

BILD: Ausschnitt aus dem Toten-Gedenkzettel Simmas

Überdies war es in einigen katholischen Kreisen gang und gäbe, sich brieflich (oft mit Geldschein-Spenden) an Simma zu wenden und über diese ohne jene verstorbenen Verwandten, Freunde und Bekannten auszufragen.

Dabei wollte man gerne wissen, wie viele Gebete bzw. Hl. Messen diese oder jene Seele wohl noch benötigt. Interessanterweise sind offenbar fast alle Verstorbenen ins Fegefeuer, manche schon gar bald in den Himmel gekommen (die Hölle scheint es wohl nur noch „auf dem Papier“ zu geben?!). 

Wird für die Verstorbenen weniger gebetet?

Abgesehen von der grundsätzlichen Ausfrage-Problematik sollte man sich zudem rein praktisch und pastoral folgendes klarmachen:

Wenn Simma jemandem z.B. antwortete, seine verstorbene Mutter benötige noch drei Rosenkränze und vier hl. Messen, um zur Anschauung Gottes gelangen, dann schien die Sachlage „geritzt“: Nach „Ableistens“ dieser Forderung waren offenbar keine weiteren Gebete, Fürbitten oder Meßintentionen mehr nötig. Ob das wohl im Sinne der Armen Seelen ist?

Darüber hinaus scheint die „Mysterikerin“ von ihren jenseitigen Informanten nicht immer die richtigen Auskünfte erhalten zu haben:

So pilgerte sie z.B. mehrfach nach Medjugorje, einer kirchlich nicht anerkannten Erscheinungsstätte. In öffentlichen Stellungnahmen berief sie sich darauf, daß ihr eine Arme Seele schon bald nach Beginn der dortigen „Marienbotschaften“ deren Echtheit bestätigt habe. Später sei ihr ein verstorbener kroatischer Soldat erschienen, der sich ebenfalls für Medjugorje ausgesprochen habe. (Quellen: HIER und HIER)

Außerdem setzte sich Maria Simma für den –  schon in den 60er Jahren kirchlich abgelehnten – Erscheinungsort Garabandal in Spanien ein und reiste dorthin.

Alles in allem: Die am 16. März 2004 verstorbene „Arme-Seelen-Mutter“ ist zu bedauern, denn sie ließ sich vorwiegend von „Visionen“ und außernatürlich anmutenden Erlebnissen leiten, nicht von den tatsächlichen Stützpfeilern unseres Glaubens: Der Heiligen Schrift und der apostolischen Überlieferung.

Die geweihten kirchlichen Amtsträger (und nicht etwa angeblich „begnadete Seelen“) erhielten von Christus den Auftrag, die Botschaft Gottes in aller Welt zu verkünden. 

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.


Dokument: Die Glaubenskongregation zur „Frau aller Völker, die einst Maria war“

Jahrzehntelang haben sich die zuständigen Bischöfe in Holland gegen die Glaubwürdigkeit der „Marienerscheinungen“ von Amsterdam gestellt, ebenso der Vatikan mit der seinerzeit von Kardinal Joseph Ratzinger geleiteten Glaubenskongregation (dies geschah freilich auch bereits unter seinen Vorgängerpräfekten).

Dennoch trieb die Verehrung der „Frau aller Völker“ nicht nur in Europa, sondern weltweit reichliche Blüten bzw. Sumpfblüten.   

Trotz eindeutiger kirchlicher Ablehnungen hat der niederländische Bischof Punt im Jahre 2002 diese offensichtlich irrgeistige Privatoffenbarung approbiert (genehmigt).

Als Bischof Luis A. Tagle von Imus (Philippinen) am 25. Oktober 2004 bei der römischen Glaubenskongregation u.a. anfragte, was von der Verehrung dieser „Frau aller Völker“ zu halten ist, erhielt er am 20. Mai 2005 von der Glaubenskongregation (CONGREGATIO PRO DOCTRINA FIDEI  = CDF) bzw. Erzbischof Amato eine Antwort, in der kirchliche Besorgnis ausgedrückt wird hinsichtlich jenes bekannten Amsterdamer Gebets, das sich an die sogenannte „Frau aller Völker, die einst Maria war“ wendet. (Einen Monat vor der Briefabfassung war Kardinal Ratzinger zum Papst gewählt worden; sein Nachfolger als Glaubenspräfekt war Kardinal Levada, dessen Sekretär hieß Erzbischof Amato, der Verfasser des erwähnten Schreibens.)

Unsere holländische Gastautorin Hildegard Alles hat diesen Vorgang und seine irreführende Auslegung durch FaV-Anhänger bereits im CHRISTLICHEN FORUM geschildet: https://charismatismus.wordpress.com/2017/09/02/der-vatikan-und-die-anhaenger-der-frau-aller-voelker-die-einst-maria-war/

Wir dokumentieren hier zudem vollständig das Schreiben der Glaubenskongregation (soweit es die Causa Amsterdam betrifft) in einer deutschen Übersetzung von Hildegard Alles; eine autorisierte vatikanische Übersetzung liegt nicht vor. (Linien zur Hervorhebung von uns). Darunter setzen wir den englischen Originaltext:

Eure Exzellenz,

… Hinsichtlich der Verehrung der “Frau aller Völker“ und der Marienerscheinungen, die die verstorbene Seherin Ida Peerdeman erfahren hat, möchte ich Eurer Exzellenz mitteilen, dass, obwohl die genannten Erscheinungen von Seiner Exzellenz, Hochwürden  Joseph Maria Punt, Bischof von Haarlem (Holland) in einer Mitteilung vom 31. Mai 2002 gebilligt wurden, die Kongregation für die Glaubenslehre ihre Besorgnis ausgesprochen hat bezüglich  eines bestimmten Aspekts dieser Verehrung, wobei im öffentlichen Gebet die Heilige Jungfrau Maria angerufen wird als “Frau aller Völker“, „die einst Maria war”.

In der Tat, dieses  Dikasterium hat in einem Brief an Seine Exzellenz, Hochwürden François Bacqué, Apostolischer Nuntius in den Niederlanden, darauf hingewiesen, dass die marianische Verehrung genährt und entwickelt werden muss in Übereinstimmung mit den Anweisungen des Heiligen Vaters in „Redemptoris Mater“ und „Rosarium Virginis Mariae“ und nicht infolge von Privatoffenbarungen bzw. der Hervorhebung  eines ‘neuen’ Namens, wie ‘Frau aller Völker, die einst Maria war´.

Deshalb wird Eure Exzellenz gebeten, die oben genannten Ratschläge zu berücksichtigen und die Mitglieder der Katholischen Bischofskonferenz der Philippinen darüber zu informieren, dass die Glaubenskongregation keiner katholischen Gemeinschaft Christgläubiger erlaubt, zur  Gottesmutter zu beten unter dem Titel „Frau aller Völker“ mit dem Zusatz „die einst Maria war“. (…)

Ich nehme diese Gelegenheit wahr, um Ihnen meine aufrichtige Hochachtung auszusprechen und verbleibe mit brüderlichen guten Wünschen, 

Mit freundlichen Grüßen im Herrn
Angelo Amato, SDH, Titular-Erzbischof von Sila, Sekretär

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Englisch-sprachiger ORIGINAL-Text:

CONGREGATIO
PRO DOCTRINA FIDEI, 00120 Cita del Vaticana
20 May 2005
Prot. N. 511/93. 242/06 – 21006

Your Excellency,

…With regard to the devotion known as „Lady of all Nations“ and the Marian apparitions experienced by the late visionary Ida Peerdeman, I wish to advise your Excellency that although the said apparitions have received approval from His Excellency, the Most Reverend Joseph Maria Punt, Bishop of Haarlem (Holland), in his communication of 31 May 2002, the Congregation for the Doctrine of the Faith has expressed concern regarding one particular aspect of that devotion whereby official prayers invoke the Blessed Virgin Mary as „Lady of All Nations“ „who once was Mary“.

In fact, this Dicastery, in a letter to the His Excellency, The Most Reverend François Bacqué, Apostolic Nuncio to the Netherlands, has indicated that Marian devotion must be nourished and developed in accordance with the indications given by the Holy Father in „Redemptoris Mater“and „Rosarium Virginis Mariae“ and not according to private apparitions nor according to the emphasis on a „new“ name, such as „Lady of All Nations who once was Mary“.

Therefore, your Excellency is requested to take into consideration the above mentioned advisory and inform the members of Catholic Bishop’s Conference of the Philippines that the Congregation for the Doctrine of the Faith does not permit any Catholic community of Christ’s Faithful to pray to the Mother of God under the title of „Lady of All Nations“ with the added expression „who once was Mary“.

I take this opportunity to express my sincere respect and with fraternal good wishes,
I remain Yours cordially in the Lord
Angelo Amato, SDH, Titular Archbishop of Sila, Secretary

 


Der Vatikan und die Anhänger der „Frau aller Völker, die einst Maria war“

Von Hildegard Alles

Die Fans der Amsterdamer Erscheinungen verbreiten in ihren Schriften, die Gebetsfloskel an die sog. Frau aller Völker, “die einst Maria war”, sei grundsätzlich anerkannt und auf Wunsch der Glaubenkongregation (CDF) lediglich ersetzt worden durch die Worte “die heilige Jungfrau Maria” (in Deutschland wird meist die Formel „die selige Jungfrau Maria“ in diese Anrufung eingefügt).

Diese angebliche ‘Beförderung’ der Frau aller Völker (FaV) zur “heiligen Jungfrau Maria” geistert seit Dezember 2006 durch den FaV-Blätterwald; es handelt sich aber gleichwohl um eine Falschinformation, die durch keinen Beweis gedeckt ist.

Wie konnte es soweit kommen?

Die Vorgeschichte beginnt in den Philippinen, dem katholisch geprägten fernöstlichen Land, in dem die Verehrung der FaV floriert.

Dort hielt eine Gruppe besorgter katholischer Laien die Entwicklungen der FaV im Auge. Im Jahr 2004 verfasste sie ein Dossier über die Irrtümer in den Botschaften der FaV und übergab es dem philippinischen Bischof Vidal, der das Dokument sodann dem Vatikan überreichte.

Die Glaubenskongregation reagierte am 20. Mai 2005 mit einem Brief (prot. N. 511/93. 242/06 A 21006, unterzeichnet vom Sekretär Angelo Amato) an den Vorsitzenden der Philippinischen Bischofskonferenz, Bischof Luis A. G. Tagle.

Auch der Nuntius in den Niederlanden, Bischof Francois Bacqué, wurde in Kenntnis gesetzt und damit auch der für die Verehrung der FaV verantwortliche Bischof Josef Maria Punt.

Kurz zusammengefasst: Die Verehrung Mariens muss übereinstimmen mit den vom Papst angegebenen Richtlinien. Sie darf nicht entwickelt werden aus einer Privatoffenbarung. Es ist überdies keiner katholischen Gemeinschaft erlaubt, die Gottesmutter anzurufen unter einem neuen Titel –  oder unter dem Namen “Frau aller Völker, die einst Maria war”.

Der Brief der Glaubenskongregation vom 20. Mai 2005  ist unmissverständlich: Der Gebetszusatz zur Frau aller Völker, “die einst Maria war” ist nicht gestattet.

Das Schreiben ordnet mit keinem Wort an, den unerlaubten Text zu ersetzen durch den Spruch “die heilige/selige Jungfrau Maria”. Genau das aber suggeriert ein Rundschreiben der Kapelle der FaV im Dezember 2006.

Der niederländische Bischof Punt, Initiator der FaV-Verehrung, hatte seine Mühe mit dieser vatikanischen Anordnung.

Der von ihm für den FaV-Kult angestellte Coordinator der Begleitungskommisssion, Raffael Soffner, verfasste am 9. August 2005 das Schreiben “Die Position des Bischofs von Haarlem”, in dem der Oberhirte u.a. erklärt, dass er sich an die Kongregation gewandt und die Verantwortlichen aufgerufen hat, die ‘pastorale Sorge’ der Kongregation bis auf weiteres zu respektieren und die verbotene Phrase wegzulassen oder “still” zu beten. Das Verbot wird umflort mit dem freundlich klingenden Wort ‘pastorale Sorge’.

In all dem sieht Bischof Punt eine neue Chance, nämlich das ‘Beginnen eines tieferen Dialoges’. Sein  Vorschlag, in einer  Schweigepause die verbotene Phrase dennoch, aber “still” zu beten, kommt einem Boykot gleich. Einige Fans zogen Nutzen aus der peniblen Situation und meinen, es bringe himmlische Gnaden, „einem Bischof Gehorsam zu leisten“.

Im November 2005 begab Bischof Punt sich nach Rom, um Bischof Angelo Amato’s Eingreifen in seine FaV Verehrung mit dem Papst zu besprechen. Über den Inhalt der Audienz schwieg er sich aus. Der Vorsitzende der Stiftung FaV, Arnold Leeman, rief den Anhang der FaV auf, Ruhe zu bewahren. Angesichts der verwirrenden Situation wurde im darauf folgenden Jahr 2006 auf einen Gebetstag verzichtet.

Im Dezember 2006 publizierte die Kapelle der Frau aller Völker einen Rundbrief an die ‘Aktionsführer und Freunde der FaV’, in dem der aktuelle Status der Verehrung der FaV ‘geklärt’ wird. Kurzgefasst:

“Im Juli 2005 kam die Glaubenskongregation mit dem Anliegen in dem Gebet der FaV die Worte “die einst Maria war” weg zu lassen, um denen entgegen zu kommen, die die Bedeuting dieser Worte nicht begreifen. Inzwischen hat die CDF Bischof Punt die Veränderung des Gebetes angegeben. Um deutlich zu machen dass der Titel ‘Frau aller Völker’ sich auf die Muttergottes bezieht, wünscht die CDF, dass im Gebet der FaV die Worte “die heilige Jungfrau Maria” eingefügt werden. Darum lautet das Ende des Gebetes:

Möge die Frau aller Völker,
die heilige Jungfrau Maria,
unsere Fürsprecherin sein.

Die Aktionsführer werden aufgerufen, das neue mächtige Gebet in dieser Form weltweit zu verbreiten, jetzt selbst mit der ausdrücklichen Zustimmung der Glaubenskongregation und in Einheit mit dem Papst Benedict XVI.“

Die Erklärung ist unterzeichnet vom Vorsitzenden Drs. A. W. Leeman namens der Stiftung Frau aller Völker, und von Rector Pater Gabriel Heinzelmann namens der Priester und Schwestern der Kapelle der FaV.

Die Autoren verlegen den Brief der Glaubenskongregation vom 20. Mai 2005 in den Juli 2005. Offensichtlich wurden sie auf dem Gebetstag der FaV in Heroldsbach vom Juli 2005, an dem Bischof Punt teilnahm, von diesem Schreiben in Kenntnis gesetzt. Der vatikanische Brief wurde erst allgemein bekannt, nachdem Laien Wind davon bekamen und an die Öffentlichkeit traten.

Man fragt sich, was in Heroldsbach bekannt gegeben wurde: der ungeschmälerte Brief oder eine günstige Variante? Dem Kapellen-Rundbrief zufolge ist die vatikanische Korrektur ein Grund zur Freude, weil die ‘FaV die einst Maria war’, nun gleichsam ‘erhoben’ ist zur ‘heiligen Jungfrau Maria’.

Der Rundbrief ist insofern ein Musterbeispiel von Verdrehung, Auslassung und irreführender Auslegung. Er erklärt, die Glaubenskongregation habe lediglich die Floskel ‘die einst Maria war’ gelöscht, um denen entgegen zu kommen, die den Sinn der Worte nicht begreifen. ‘Nicht begreifen’ steht aber mit keinem Wort im vatikanischen Schreiben. Dort steht vielmehr, dass die Kirche keiner katholischen Glaubensgemeinschaft erlaubt, die Gottesmutter zu verehren unter dem Titel der „Frau aller Völker“ samt der Zufügung ‘die einst Maria war’.

Das Rundschreiben ist von Selbstüberschätzung geprägt: sie, die Freunde der FaV, begreifen die Worte ‘die einst Maria war’, die anderen sind zu beschränkt, um das zu verstehen. Die Kritiker aber haben begriffen, dass die FaV eine dubiöse Figur  ist.

Der Vatikan hatte schon lange ein Argusauge auf die FaV-Erscheinungen gerichtet. Das Eingreifen begann bereits im Jahr 2000 im Anschluss an den interkonfessional ausgerichteten  Internationalen Gebetstag in den RAI-Hallen zu Amsterdam.

Es gab dort ein den ganzen Hintergrund bedeckendes Spanntuch mit der Abbildung des Petersplatzes,  dem vatikanischem Panorama und einer  Grossdarstellung von Papst Joh. Paul II in segnender Haltung, was insgesamt den Eindruck erweckte, als ob der Papst das Volk im Saal segnet.

BILD: Papst Benedikt hat sich als Präfekt der Glaubenskongregation gegen die FaV-Verehrung gestellt

Dank dieser subtilen Manipulation schien der Gebetstag eine mit dem  Vatikan verbundene Angelegenheit zu sein. Hinzu kam eine Ärgernis erregende, von islamischer Seite eingebrachte Präsentation einer DVD mit dem Titel ‘Die Frau aller  Völker im Koran’, in der z.B. wiederholt die noch zu bauende Kirche der FaV als Replik der Hagia Sophia von Istanbul eingeblendet wurde.

Schon am darauf folgenden Sonntag teilte ein Priester des Bistums Haarlem nach der Sonntagsmesse den Gläubigen im Pfarrgarten mit, dass Rom die Internationalen Gebetstage der FaV beendet hat.

Die Verantwortlichen der FaV hielten sich daraufhin zwei Jahre lang geduckt mit unscheinbaren nationalen Gebetstagen in einer grauen Halle in Amsterdam, um im Jahr 2003 wieder hervorzubrechen mit einer Internationalen Manifestation grossen Stils – und nun mit der am 31. Mai 2002  von Bischof Punt übernatürlich erklärten FaV.

Es folgten zwei Internationale Gebetstage in den Rai-Hallen, danach ein paar bescheidene nationale  Zusammenkünfte in weniger illustren Lokationen in Amsterdam.

Auf der Website des Bistums Haarlem (zuständig für Amsterdam) ist kein einziger Hinweis zu finden über die Verehrung der FaV und die von Bischof Punt approbierte (genehmigte) Erscheinung von Amsterdam. Die Bischöfe Hollands haben noch nie teilgenommen an den Gebetstagen zu Ehren der FaV; sie haben stattdessen am 13. Mai 2017  (Gedenktag 100 Jahre Fatima) in einem gemeinsamen festlichen Akt ihre Bistümer dem Unbefleckten Herzen Mariens geweiht.

Ergänzender HINWEIS vom 5.9. zum Wortlaut des erwähnten vatikanischen Schreibens: https://charismatismus.wordpress.com/2017/09/05/dokument-die-glaubenskongregation-zur-frau-aller-voelker-die-einst-maria-war/

  1. Foto – Quelle: http://www.de-vrouwe.info/

 


Amsterdamer Erscheinung und die kuriose Todes-„Prophetie“ über Papst Pius XII.

Von Felizitas Küble

Die zahlreichen Botschaften der sogenannten Frau aller Völker in Amsterdam füllen ein umfangreiches „Blaues Buch“ (so nennt man es gerne in Anhängerkreisen).

Schaut man sich diese „Offenbarungen“ näher an, kann man sein blaues Wunder erleben: Die Seherin Ida Peerdemann präsentiert sich gerne als Prophetin, die Zukünftiges voraussagt, allerdings gibt sie dies erst bekannt, wenn das Ereignis schon eingetreten ist. 

Eine solche Nachher-Prognose findet der Leser in dem 1967 erschienenen Büchlein „Die Botschaft der Frau aller Völker“ von Pater Hermann Brouwer (siehe Abbildung unten). Der Autor ist ein überzeugter Anhänger der Peerdemann-Visionen und gab die Publikation im Namen des Amsterdam-Komitees heraus.

Auf Seite 20 wird erwähnt, daß Papst Pius XII. (siehe Foto) am 9. Oktober 1958 starb, was immerhin stimmt. Dann heißt es dort, daß die Seherin am 19. Februar 1958, also rund 8 Monate vorher, folgende Botschaft der „Frau aller Völker“ erhalten habe:

„Ich will dir etwas mitteilen, wovon du keinem, selbst dem Sacristan und deinem geistlichen Führer nichts sagen darfst. Wenn es eingetroffen ist, darfst du ihnen sagen, daß die Frau es dir jetzt gesagt hat.

Die Mitteilung lautet: Hör zu, dieser Heilige Vater, Papst Pius XII. wird Anfang Oktober dieses Jahres zu den Unseren aufgenommen werden. Die Frau aller Völker, Miterlöserin, Mittlerin und Fürsprecherin, wird ihn zur ewigen Freude geleiten.“

Fast möchte man sagen: Es darf gelacht werden!

Welchen Sinn hat solch eine „prophetische“ Botschaft, wenn die Empfängerin sie ohnehin niemandem berichten darf, nicht einmal ihrem Beichtvater bzw. Seelenführer? Was soll also dieser (un)heimliche Zirkus?

Außerdem wirkt die Bezeichnung „Heiliger Vater“ für den Papst bei der (angeblichen) Gottesmutter etwas merkwürdig, denn sie ist als Geschöpf die größte Heilige aller Zeiten, während bei den Päpsten zunächst nur das Amt als solches heilig (da von Christus gestiftet) ist – aber damit nicht automatisch auch der jeweilige Träger des Amtes. 

Noch befremdlicher erscheint aber der Ausdruck, Pius XII. werde dann Anfang Oktober „zu den Unseren aufgenommen“. Warum ist hier nicht von Gott, von Christus, wenigstens vom Himmel die Rede? Was heißt „zu den Unseren“ genau?!

Überdies müßte klar sein, daß die Madonna nicht allwissend ist (im Unterschied zu Gott), also von ihren eigenen Möglichkeiten her nicht vorauswissen kann, wann der Papst stirbt und wie sein ewiges Schicksal aussehen wird.

Darüber kann sie nur Kenntnis erlangen, wenn ihr diese vom Ewigen selbst geoffenbart wird. Aber sollte der Höchste dies etwa deshalb tun, damit Maria diese „heiße Info“ der Dame Ida Peerdemann zu Amsterdam ins Ohr flüstert, die diese Causa aber erst nach Eintreffen der Ereignisse „verkünden“ darf, wenn es ohnehin keinen mehr interessiert?!

Natürlich ist auch der Titel „Miterlöserin“, der in dieser Papst-Tod-Prognose vorkommt, keine amtliche kirchliche Bezeichnung für die Gottesmutter, sondern u.a. eine spezielle Marotte diverser „Privatoffenbarungen“, darunter eben auch jener von Amsterdam. (Näheres hier: https://charismatismus.wordpress.com/2012/02/11/papst-titel-miterloserin-fur-maria-verdunkelt-den-wesentlichen-vorrang-christi/)

 

 

 


Amsterdam und die erste „Erscheinung“ der Frau aller Völker am 25. März 1945

Von Felizitas Küble

Wenn es um die Beurteilung von Privatoffenbarungen geht, ist vor allem der Beginn derselben von Bedeutung, besonders die erste der „Erscheinungen“. Dies gilt auch für die angeblichen Marienbotschaften von Amsterdam, die ab 1945 jahrelang an die niederländische „Seherin“ Ida Peerdemann ergingen. 

Zudem erscheint es sinnvoll, möglichst ältere Druckwerke zu verwenden, weil sich beim Abschreiben von Buch zu Buch sonst allzu leicht Änderungen einschleichen können  – sei es absichtlich oder eher leichtfertig.

Die 48-seitige Broschüre „Die Botschaft der Frau aller Völker“ von Pater Herrmann Brouwer (siehe Abbildung) erschien bereits 1967, als Adresse wird im Impressum die holländische Anschrift eines Komitees „Frau aller Völker“ (Vrouwe van alle Volkeren“) angegeben.

In dieser  –  den Amsterdamer Erscheinungen sehr gewogenen  –  Publikation findet der Leser ab Seite 11 eine Beschreibung der ersten „Botschaft“ jener sogenannten „Frau aller Völker“, wobei es sich hier um einen Marientitel handelt, den es bislang in der Kirche amtlich weder gab noch gibt.

In der Schilderung ist auch Pater J. Frehe erwähnt, der damalige „Seelenführer“ von Ida Peerdemann; er war bei jener ersten Erscheinung am 25. März 1945  – also am Fest der Verkündigung des HERRN und inmitten des 2. Weltkriegs  –  direkt anwesend, ebenso eine Schwester der Visionärin.

Pater Brouwer, der Autor, zitiert nun wörtlich aus dem Bericht der „Seherin“ über ihr damaliges Erlebnis in ihrer Wohnung in Amsterdam; darin heißt es:

„Wir unterhielten uns eifrig, als ich plötzlich…ins andere Zimmer hingezogen wurde. Ich schaute und sah dort plötzlich ein Licht ausstrahlen….Ich stand auf und mußte darauf zugehen….Es war ein Meer von Licht und eine leere Tiefe. Es war kein Sonnenlicht und auch kein elektrisches Licht…Aber es war eine leere Tiefe.“

Zunächst fällt die zweimalige Erwähnung einer „leeren Tiefe“ auf. Zudem „mußte“ Frau Peerdemann dem Licht näherkommen. Offenbar war es nicht ihre freie Entscheidung, sondern sie wurde gleichsam wie magnetisch dorthingezogen.

Derlei Phänomene sind grundsätzlich problematisch, da der wahre Gott die Willensfreiheit des Menschen respektiert, die ER ihm selber verliehen hat.

Zurück zur „leeren Tiefe“; der Fortgang des Berichts lautet: „Und aus dieser Tiefe sah ich plötzlich eine Gestalt hervortreten…, eine weibliche Figur…Sie stand da mit gesenkten Armen und die Handflächen mir zugekehrt.“

Die vermeintliche Madonna kam also wohlgemerkt aus der „Tiefe“ (!) – sicherlich aufschlußreich. Sie hielt die Hände überdies nicht zum Gebet gefaltet, sondern hatte „die Handflächen“ der Seherin „zugekehrt“. In der Schilderung heißt es weiter: „Ich dachte, das muß doch die Heilige Jungfrau sein, etwas anderes ist nicht möglich.“

Damit wurde schon der erste Schritt falsch gesetzt, denn  „etwas anderes“ ist sehr wohl möglich   – zum Beispiel innerseelische Ursachen, Halluzinationen, Wunschbilder, intensive Wachträume, aber auch die Gefahr einer dämonischen Täuschung. Immerhin warnte schon Paulus die Urchristen davor, daß der Satan auch als „Engel des Lichtes“ erscheinen könne.

Das erste Wort der „Figur“ lautet: „Sprich mir nach.“  – Tatsächlich begann Peerdemann, ihr Wort für Wort alles nachzusprechen. Pater Frehe, ihr Beichtvater, und ihre Schwester hatten sich um sie geschart, wie der Bericht schildert: „Ich hörte Pater Frehe sagen: „Was tut sie nun, jetzt wird sie auch noch heilig.“

Das klingt eher ironisch, kann aber auch eine ratlose-überraschte Spontanbemerkung sein.

Danach habe er die Schwester aufgefordert, alle Worte Peerdemanns aufzuschreiben. Sodann habe der Geistliche sie aufgefordert, die Erscheinung zu befragen, wer sie sei:

„Und dann fragte ich:  „Bist du Maria?“ – Die Gestalt antwortete: Sie werden Mich die Frau nennen, Mutter.“ – Und während sie das sagte, lächelte Sie….Da hörte ich Pater Frehe sagen: „Die Frau? Davon habe ich noch nichts gehört, die Frau?“ – Und er und meine Schwester, die alles aufschrieb, begann darauf, laut zu lachen.“

Als die Vision zu Ende war, habe der Priester gefragt: „Wie war das nun eigentlich?“  – Sie habe geantwortet, sie wisse es auch nicht, denke aber, „daß es Maria war“: „Ach“, sagte er, doch weiter gab er keinen Kommentar.“

Der Pater war mit Recht erstaunt und wohl etwas ratlos, weil sich die angebliche Marienerscheinung schlichtweg als „die Frau“ vorstellte (später ergänzt durch den  – in der Kirche ebenfalls neuen – Titel „Frau aller Völker“). Interessant auch, daß die beiden Augenzeugen, der Priester und die Schwester, bei dieser ersten Erscheinung „laut lachten“.

Doch das reicht nicht; der Geistliche hätte die „Seherin“ sofort auf die Gefahr von Täuschungen (sei es von „innen“ oder von „unten“) aufmerksam machen sollen, statt sich mit einem „Ach“ und Gelächter zu begnügen.

Wenn die Sache schon derart fragwürdig anfängt, braucht man sich über den „Rest“ der „Botschaften“ nicht weiter zu wundern.

HIER finden interessierte Leser weiter zwölf kritische Artikel über den Mythos um die „Frau aller Völker“, die angeblich „einst Maria war“: https://charismatismus.wordpress.com/category/irrgeistige-erscheinungen/amsterdam-frau-aller-volker/

2. Foto: http://www.de-vrouwe.info/