Das habe ich in charismatischen Kreisen erlebt

Die folgende Schilderung von Erfahrungen in schwärmerisch-katholischen Gruppen stammt von einer Familienmutter und Leserin aus dem Münsterland, die unserer Redaktion seit langem persönlich bekannt ist:

Meine Erfahrungen, die ich in einigen „neuen geistlichen Gemeinschaften“ machte, haben mich dazu veranlasst, diese Bewegungen wieder zu verlassen. Das Lesen kritischer Bücher und dieses CHRISTLICHE FORUM hat mich dann in dieser Entscheidung weiter bestärkt.

Was mich sehr stark gestört hat, war vor allem die fehlende Bereitschaft, vernünftig mit Einwänden und skeptischen Fragen umzugehen. Man wird in dieser Szene, wenn man etwas kritisch hinterfragt – z.B. Medjugorje und die „Marienerscheinungen“ dort – oft schon beim ersten Gespräch mit dem Teufel in Verbindung gebracht.

Kritik wird als ein Angriff des Satans ausgelegt, der es darauf abgesehen hat – so heißt es – den Skeptiker zu Fall zu bringen. Manche haben mir, als ich mich allmählich von Medjugorje abwandte, vorgeworfen, ich würde die „Gottesmutter verraten“ . Man wird aufgefordert, dieser Versuchung aus der Hölle auf keinen Fall nachzugeben.

Wenn ich Schriften zur Aufklärung angeboten habe, wurde das rundweg abgelehnt. Selber hinterfragen diese Erscheinungssüchtigen nur wenig. Das ist klar, sie wollen ja nicht dem „Teufel“ auf den Leim gehen.

EIne weitere nervige Erfahrung ist das unentwegte Leistungsbeten mit lautem Lobpreis und endloser Nachtanbetung besonders auf Fahrten und Seminaren von Charismatikern.

Morgens früh geht es bei Pilgerreisen schon los mit lautem Trommel-Lobpreis. Mein Sohn hat das selber auf einer Fahrt nach Medjugorje erlebt und ist bis heute abgeschreckt davon. Er sagte mir: „Wir bekamen keine Ruhezeiten, immer wieder Lobpreis, Rosenkranzbeten, Trommeln bis in die Nacht.“ – Das war in den 90er Jahren bei einer Medju-Fahrt mit „Totus tuus“.

Von Medjugorje bin ich nicht zuletzt durch das Buch „Der Medjugorje-Betrug“ aus dem Verax-Verlag abgekommen. Die vielen Beweise gegen die Echtheit dieser Erscheinungen haben mir die Augen geöffnet.

Bei der charismatischen „Gemeinschaft der Seligpreisungen“, die ebenfalls für Medjugorje wirbt, erlebte ich außerdem den Versuch, die Gläubigen sozusagen auszuhorchen – natürlich unter einem frommen Vorwand.

Oftmals standen die Mitglieder der Gemeinschaft bei ihren Anbetungsandachten mit bis zu drei Personen um einen herum und wollten fürbittend für die Anliegen beten, die man denen erzählen konnte.

Verpackt wurde dieses „Aushorchen“ als Seelsorge und Fürbitt-Gebet im Kirchenraum. Das war nicht weit entfernt von einer Art „Laienbeichte“ (allerdings ohne Beichtgeheimnis-Verpflichtung).

Zudem hat diese Kummerkasten-Methode manche Besucher von dem Gang zur Beichte abgehalten, denn sie hatten ja schon ihre „Seelsorge“ erfahren.

Unmöglich übergriffig wurde es dann in einer charismarischen Gruppenfahrt bei einem indischen Priester, der mich während der Beichte ständig am Arm streichelte.

Meine Freundin hat sich vor Jahren von dem „Heilungsprediger“ Alan Ames trotz meiner Warnung per Handauflegung segnen lassen. Seitdem ist sie oft erschöpft und längst nicht mehr so leistungsfähig, wie ich sie vorher kannte.

Man kann vor diesen Handauflegungen durch Charismatiker nur warnen. Viele bekommen hinterher echte psychische und physische Beschwerden. Ich bin solchen Betroffenen mehrmals begegnet, auch bei Seminaren und Freizeiten in Klöstern.

Ich bin damals, als ich noch in dieser Szene zugange war, spontan zur „Gemeinschaft der Seligpreisungen“ nach Warstein gefahren. Ich stand dort abends an der Tür, die von ein paar Mitgliedern der Gemeinschaft geöffnet wurde. Das übliche Programm war diesmal ausgefallen. Ich bat um Aufnahme für eine Nacht und darum, in der Kirche still beten zu können, um die Fahrt zu denen nicht vergeblich gemacht zu haben.

Sie sagten mir, sie müssen erst ihren Diakon Karl fragen und ihm meinen Namen nennen. Er könne durch seine besonderen Gnadengaben erkennen, ob Gott wolle, dass ich dort bleiben könne. 10 Minuten später bekam ich den Eintritt, weil Diakon Karl mitteilen ließ: Ja, diese Dame darf herein.

Ähnliches erlebte ich auf einer Wallfahrt nach Wigratzbad, das damals noch sehr charismatisch geprägt war (später änderte sich das erfreulicherweise durch den neuen Direktor Meier).

Auch wurde erst eine Art „Seherin“ befragt, die angeblich mit den Schutzengeln in Kontakt steht, ob ich mitfahren darf. Ich musste ein paar Tage warten, bis die Engelsdame ihr o.k gab. Ich war dann richtig glücklich. Inzwischen sehe ich es als psychisches Spielchen an, das die Leute zum Aberglauben (ver)führt.

Dann fragte ich die Engelsdame auf der Pilgerfahrt neugierig nach dem Schutzengel-Namen meines Patenkindes. Sie sagte mir einen Namen. Später fragte ich noch einmal nach, dann nannte sie mir aber einen anderen Namen des Schutzengels.

Als ich stutzig wurde, weil zwei verschiedene Namen im Raum standen, erwiderte die „begnadete“ Frau: „Manche Menschen haben mehrere Schutzengel.“ Somit war ich erst einmal zufrieden gestellt. Jedenfalls meine ich, dass solche Damen nicht leicht zu entlarven sind, wenn sie so geschickt daherreden.

Wenn man richtig „drin“ ist, fällt es schwer, aus der Charismatik wieder herauszukommen, weil man tatsächliche „Wunder“ erlebt, wie es scheint. Ich bin froh, ausgestiegen zu sein. Auch dafür einen herzlichen Dank an dieses CHRISTLICHE FORUM und Frau Küble, die mich durch viele Informationen auf einen guten und nüchteren Glaubensweg geführt hat.

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Warum eine charismatische Spiritualität den geistlichen Mißbrauch begünstigt

Von Felizitas Küble

Ein Thema, das jahrzehntelang auf katholischer Seite „verschlafen“ wurde, drängt allmählich in die innerkirchliche und gesamtgesellschaftliche Diskussion: Das Problem des geistlichen Mißbrauchs.

Das evangelikale Spektrum hat diese Gefährdung früher erkannt und in Büchern und sonstigen Veröffentlichungen kritisch analysiert, was schlicht auch damit zu tun hat, daß die pentekostale – also pfingstlerische  –  Bewegung dort schon viel länger existiert, nämlich seit Beginn des 20. Jahrhunderts, wogegen die Charismatik in der katholischen Kirche erst ab 1967 in den USA begann und sich bei uns eher schrittweise stärker ausbreitete.

Zunächst war diese Strömung in Deutschland noch vergleichsweise intellektuell ausgerichtet und in eher bildungsbürgerlichen Kreisen präsent, wodurch gewisse emotionale Ausuferungen in Grenzen gehalten wurden, was wohl auch mit der Leitung der halbamtlichen CE (Charismatischen Erneuerung) durch den Paderborner Priester und Theologen Dr. Heribert Mühlen zusammenhing.

Der am 25. Mai 2006 verstorbene Dogmatikprofessor gehörte zu den Konzilstheologen, war exegetisch und liturgisch eher liberal ausgerichtet (wenngleich er beileibe kein progressiver Rebell war). Infolgedessen hielt er als Intellektueller die CE mit Glaubenskursen und Segnungsandachten auf einem halbwegs gemäßigten Kurs. Gleichzeitig konnte er das konservative „Lager“ in der katholischen Kirche kaum für seine Bewegung gewinnen, zumal die Marienverehrung damals in der CE nur eine geringe Rolle spielte und auch sonstige typisch traditionelle Elemente fehlten.

Prof. Mühlen war Mitbegründer des „Katholischen Evangelisationszentrums Maihingen“, dessen pentekostale Ausrichtung in den 90er immer deutlicher wurde.

Von Teilnehmern dortiger „Segnungsgottesdienste“ erfuhr ich, dass sie damals bereits mit Befremden das sog. „Ruhen im Geist“ beobachten konnten, ein in dieser Szene weitverbreitetes Phänomen, das in der englischsprachigen Welt passender als „Slain in the Spirit“ (Erschlagenwerden im Geist) bezeichnet wird.

Die Betreffenden fallen gleichsam wie in Trance nach rückwärts oder sinken quasi ohnmächtig in sich zusammen, was von schwarmgeistiger Seite als „Taufe im Heiligen Geist“ (protestantisch-pfingstlerisch) oder zumindest als „Geistausgießung“ oder „Geisterfahrung“ (katholisch-charismatisch) angesehen wird. Diese Manifestation hat sich durch die „wilde“ Charismatik, die in den letzten beiden Jahrzehnten um sich greifen konnte, noch mehr gesteigert.

Unter der halbwegs gemäßigten Mühlen-Phase der CE bis Anfang der 90er Jahre war dieser „Hammersegen“ (wie ich ihn kritisch nenne) hierzulande noch kein Massenvorgang. Dort konzentrierte man sich eher auf das Zungenreden als Zeichen angeblicher „Geisterfüllung“.

Die seitdem erkennbare Ausbreitung des schwärmerischen Milieus weit über die kirchlich anerkannte CE hinaus ist vor allem auf zwei Ursachen zurückzuführen, nämlich auf Medjugorje und das  – damit durchaus verbundene  – Auftreten zahlreicher indischer „Heilungspriester“ sowie charismatischer Ordensfrauen, die meist aus dem südindischen, christlich geprägten Bezirk Kerala stammen, der schon seit Jahrzehnten durch protestantisch-pfingstlerische Einflüsse aus den Vereinigten Staaten geprägt ist, die dort allmählich auch in die katholische Kirche einsickerten, vor allem in neuere Ordensgemeinschaften und Kongregationen.

Viele dieser „Heilungsprediger“ oder Nonnen arbeiten eng mit Medjugorje-Gruppen zusammen, man spielt sich gegenseitig die Bälle zu und unterstützt sich jeweils mit Referenten und Tagungen.

Dabei war das kirchlich als Erscheinungsstätte nicht anerkannte, sondern lediglich pastoral geduldete Medjugorje von vornherein charismatisch geprägt – also bereits ab Sommer 1981 in der Frühphase der „Erscheinungen“, nicht zuletzt durch die dort ansässigen Franziskanerpatres, was sich für die meisten Wallfahrer aber erst in den 90er Jahren deutlicher herauskristallisierte.

Infolge des regen Pilgerbetriebs zu dieser weltweit bekanntgewordenen Pfarrgemeinde in Bosnien-Herzegowina entstanden zahlreiche charismatische Gebetsgruppen auch in deutschsprachigen Ländern, darunter fest organisierte neue „geistliche Gemeinschaften“, die oft vor allem aus jungen Katholiken bestanden.

Hierzu gehört die „Jugend 2000“, die sich allerdings   – je nach örtlicher bzw. priesterlicher Leitung und Begleitung – teilweise noch einigermaßen nüchtern-besonnen präsentiert, z.B. im Bistum Köln. Die charismatische „Gemeinschaft der Seligpreisungen“ ist zwar älter als das Medjugorje-Phänomen, wird aber stark von diesem geprägt und ist eng damit verknüpft.

Betont charismatisch ausgerichtet ist sodann die durch Medjugorje-Pilgerfahrten entstandene Jugendvereinigung „Totus tuus“, die sich selbst als marianisch, charismatisch und eucharistisch versteht. Der Vereinsname lautet übersetzt „Ganz dein“ und orientiert sich an einer „Ganzhingabe an Maria“ im Sinne von Johannes Paul II. und der damit verbundenen Grignionschen Weiheformel.

Durch diese marianischen und eifrig das Rosenkranzgebet praktizierenden Jugendgruppen erhielt die charismatische Szene einen immer stärkeren Zulauf aus dem konservativen und teils sogar traditionellen Spektrum. Offenbar genügte vielen Gläubigen das Qualitätssiegel „marianisch“, um sich insgesamt der Spiritualität dieser neuen Strömungen anzuvertrauen.

Dies wurde verstärkt durch die Tatsache, dass sich die aus Medjugorje entstandenen Gruppierungen von A bis Z (von Abtreibung bis Zölibat) auch moraltheologisch konservativ positionierten. Was sollte also dagegen sprechen, sich dieser neuen, offenbar doch so frommen Bewegung anzuschließen?

Das Bedürfnis nach solch einer „Fluchtburg“ war umso größer, als es der akademisch-abstrakten Theologie ebenso wie den oft progressiven Zuständen in den Pfarreien nicht gelingen konnte, die spirituelle Sehnsucht heimatlos gewordener Katholiken zu stillen. In dieses Vakuum stieß nun die Medjugorje-Faszination und der Charismatismus, um sich als geeignete Alternative zu präsentieren.

Von amtskirchlicher Seite wurden die „neuen geistlichen Gemeinschaften“ meist mehr oder weniger schnell anerkannt, selbst wenn manche Hierarchen wohl mit derem konservativem „Outfit“ gefremdelt haben mögen. Immerhin glaubte man aber, dadurch diese gläubige Jugend unter die eigenen Fittiche zu bekommen und damit auch eine gewisse Kontrolle ausüben und den Gang der Dinge im eigenen Interesse etwas „kanalisieren“ zu können.

Dabei unterschätzen die vatikanischen und bischöflichen Amtsstuben aber das eigendynamische Potential, das solchen Strömungen ihrer Natur nach innewohnt. Wie sollten sie hierüber auch Bescheid wissen, da sie zum einen vor einem relativ neuen Phänomen standen, zum anderen wegen ihrer eher liberalen bis hin zur progressiven Grundhaltung das konservative Spektrum nicht von innen her kennen – und damit auch nicht die Spezifika, geschweige spirituellen Gefährdungen beurteilen können. Somit sind sie in jeder Hinsicht  – sowohl theologisch wie psychologisch –  gegenüber pentekostalen Tendenzen überfordert und stehen hier ratlos wie der Ochs vorm Berg.

Das zeigt aktuell auch die Causa „Totus tuus“: 1994 gegründet, wurde die Jugendvereinigung zehn Jahre später vom Bistum Münster bischöflich approbiert.

Aber nicht nur dies – die Gruppe durfte sich im Sankt-Paulus-Dom (siehe Foto) jährlich mit einem stundenlangen öffentlichen Gebets-Festival präsentieren, an dem sogar der Bischof regelmäßig teilnahm (damals Reinhard Lettmann).

Diese enorme Aufwertung ist dem Ordinariat später gleichsam auf die Füße gefallen, als sich vor vier Jahren erste Ex-Mitglieder meldeten und über geistlichen Mißbrauch beklagten. Das Bistum Münster ergriff die Flucht nach vorne und startete im Jahr 2017 eine Visitation, die immer noch anhält. Die Zeitschrift „Herder-Korrespondenz“ bot den Aussteigern mehrfach ein Forum und kritisierte die von ihnen geschilderten pastoralen Übergriffe. Die konservative Seite überläßt diese Aufklärungsarbeit gerne den „Skeptikern“, schließlich fühlt man sich diesen „marianischen“ Gruppen mehr oder weniger verbunden und will nicht in die eigene Suppe spucken.

Daß die in manchen charismatischen Gruppen geleistete „Seelenführung“ religiös ungesund strukturiert ist und bis hin zur Verzweiflung oder gar Selbstmord führen kann, ahnt kaum jemand, es sei denn, er hat wie ich seit langem Kontakte zu Betroffenen. Der geringste Vorwurf ist noch jener einer unausgewogenen Leistungsfrömmigkeit (auf Pilgerreisen dauernde Gebete und „Lobpreis“ von früh bis spät) und asketischen Überforderung (Fasten bei Wasser und Brot am Mittwoch und Freitag gemäß Medjugorje-Botschaften).

Schlimmer sind freilich Machtmißbrauch, selbsternanntes Prophetentum, Personenkult um den/die Gruppengründer/in und massiver psychischer Druck auf die Mitglieder, verbunden mit Dämonisierung der Gläubigen, sobald kritische Rückfragen gestellt oder Zweifel am Vereinsgebaren geäußert werden.

Wie hilflos und schmalspurig eine vom Ordinariats-Personal durchgeführte Visitation sein kann, zeigt sich gerade im Fall „Totus tuus“. Der Deutschlandfunk strahlte am 19.9.2019 eine Sendung unter dem Titel „Totale Hingae als Prinzip“ aus, in welcher eine Aussteigerin erklärte, man habe sie und andere Betroffene lediglich „wie Informanten“ behandelt. Seitens des Bistums habe es keine Hilfsangebote gegeben, „auch nicht, was den Glauben anbelangt“. Andere Ex-Mitglieder äußerten sich ähnlich enttäuscht.

Glaubensweitergabe setzt aber erst einmal den Glauben voraus, was man nicht ohne weiteres von allen „Würdenträgern“ erwarten kann. Wie sollen theologisch „moderne“ Priester oder Laienmitarbeiter angemessen auf Katholiken reagieren, die sich in charismatischen Gefilden verlaufen haben und nun eine bodenständige, authentische kirchliche Spiritualität suchen? Es werden ihnen Steine statt Brot gereicht, wenn sie nur informativ für die Visitation abgefragt werden, ohne zugleich eine gediegene theologische und geistliche Wegweisung zu erhalten.

Hier könnte die traditionelle Seite hilfreich zur Seite stehen: Gerade die überlieferte hl. Messe ist mit ihrer Andacht, Feierlichkeit, Sakralität und Nüchternheit geeignet, die allzu emotionale Frömmigkeit aus der Charismatikerzeit in besonnene Bahnen zu lenken und ihr die nötige Tiefe zu verleihen.

Statt einer Achterbahn der Gefühle würde damit eine Glaubenshaltung vermittelt, die nicht auf dem Flugsand subjektiver „Erlebnisse“ beruht, sondern auf den Fundamenten der Kirche: Heilige Schrift, apostolische Tradition, Lehramt und Sakramente. Hierfür reicht aber die klassische Liturgie alleine nicht aus, so hilfreich sie ist  – es bedarf auch der katechetischen und apologetischen Begleitung und Glaubensvertiefung.

Aus meinen jahrzehntelangen Kontakt mit Aussteigern läßt sich resümieren, daß vor allem das neokonservative Spektrum anfällig für Charismatik, Wundersucht und Erscheinungsfixiertheit ist, aber auch ein erheblicher Teil des „halb-traditionellen“ Milieus, zumal jene Besucher der „alten Messe“, die ihr eher aus nostalgischen als aus theologischen Gründen zugetan sind oder sie lediglich aufsuchen, um den liturgischen Experimenten zu entfliehen, die in den meisten Pfarreien an der Tagesordnung sind.

Als emotionalen Ausgleich für die „nüchterne“ Meßform im alten Ritus suchen sie dann auf charismatischen Veranstaltungen das „prickelnde“ Erlebnis einer vermeintlichen „Gotteserfahrung“.

Noch vor wenigen Wochen beklagte sich eine solch altrituell orientierte Dame mittleren Alters bei mir ernsthaft darüber, sie habe noch nie bei einem der von ihr besuchten Heilungsseminare das „Ruhen im Geist“ erlebt.

Foto: Pattayablatt

Auf meinen Hinweis, sie möge Gott auf den Knien danken, daß ihr das erspart geblieben sei, es sich keineswegs um eine Geist-Erfahrung (sondern wohl eher eine Geister-Führung) handelt, mir zudem genügend Psycho-Geschädigte dieses Phänomens bekannt seien, schien sie erst einmal einsichtig. Doch einige Zeit später brach sie jeden Kontakt ab und erzählte anderweitig, sie lasse sich von mir ihren innigen Wunsch nach diesem besonderen Trance-Erlebnis nicht nehmen.

Bereits vor 15 Jahren führte ich ein längeres Gespräch mit einer Büroleiterin von „Totus tuus“ und versuchte, sie hinsichtlich solcher Privatoffenbarungen wie Medjugorje auf ein nüchternes Gleis zu bringen, was ebenso vergeblich war wie mein Bemühen, ihr den irrgeistigen „Hammersegen“ auszureden.

Die Dame verteidigte geradezu euphorisch das „Ruhen im Geist“ als göttlich bewirkte Gnadengabe. Ich verwies z.B. darauf, daß auch der Verstand zu den Sieben Gaben des Heiligen Geistes zähle, der Hl. Geist daher nicht gegen die Vernunft wirke, daß die Gnade auf der Natur aufbaue und unser Frömmigkeitsleben auf den Sakramenten der Kirche beruhe, nicht auf außergewöhnlichen Manifestationen, die zudem ursprünglich aus dem protestantischen Pfingstlertum stammen und in der katholischen Tradition unbekannt sind.

Sämtliche Argumente waren in den Wind geredet, wobei zu bedenken ist, daß der Hinweis auf die „Tradition“ in diesen Kreisen selten zum Nachdenken führt, das gilt auch in liturgischer Hinsicht.

Die Gruppe „Totus tuus“ hat mit der überlieferten Messe schlicht nichts am Hute, was wenig erstaunt, denn ihre euphorischen Schwärmer-Praktiken lassen sich in diesem geregelten Ritus nicht „unterbringen“, was auch für den verstiegenen „Lobpreis“ gilt, der musikalisch in etwa zwischen Gospel, Pop und Rock angesiedelt ist.

Sinn und Zweck dieses enthusiastischen Gesanges ist es letztlich, den „Durchbruch“ zu erleben, eine besonderes „Gotteserfahrung“ zu erhalten, sei es durch den Hammersegen, das Zungenreden, eine „erleuchtete“ Prophetie, das „Wort der Erkenntnis“ (spontane Eingebungen von „oben“), angebliche Herzensschau oder Empfang des Heilungs-Charismas. Diese Lobpreismusik ist also vom kirchlichen Psalmengesang oder gar Gregorianischen Choral so weit entfernt wie der Nordpol vom Südpol.

Es liegt auf der Hand, daß die gefühlsfixierte und erlebnissüchtige Frömmigkeit in pentekostalen Bewegungen den geistlichen Mißbrauch strukturell begünstigt. Das Problem ist geradezu system-immanent und besteht keineswegs nur aus einer Ansammlung von Einzelfällen.

Vielmehr sind einige Faktoren im Wesen dieser Strömung begründet, die  seelsorglichen Übergriffen und Irreführungen Tür und Tor öffnen, darunter z.B. folgende Aspekte:

  1. Wenn die Gründer bzw. Leiter der jeweiligen Gemeinschaft den Heiligen Geist gleichsam gepachtet haben, vom Himmel direkt geführt und inspiriert werden, dann sind diese Personen von einem gleichsam unantastbaren Nimbus umgeben, der sie außerhalb jeder Kritik stellt. Visionär begabte und „begnadete“ Persönlichkeiten stehen quasi unter Denkmalschutz und üben gewissermaßen ein Prophetenamt aus. Es geziemt sich folglich für die Gruppenmitglieder, ihnen den schuldigen Gehorsam zu erweisen, weil alles andere den Heiligen Geist „betrüben“ könnte.
  2. Die nüchterne Vernunft wird durch eine ständige Suche bis Sucht nach „Tabor-Erlebnissen“ allmählich verdrängt. Das Bedürfnis, seelisch auf der „Wolke“ zu sitzen, eine vermeintlich unmittelbare „Gotteserfahrung“ zu erhalten, begünstigt das Ausschalten des kritischen Verstandes. Skepsis wird in diesem Kreisen ohnehin gerne dämonisiert: Den Gläubigen wird eingeredet, es handle sich um teuflische Versuchungen, zumindest aber um „okkulte Belastungen“ oder gar Umsessenheit. Womöglich wird zur „Heilung“ dann ein Quasi-Exorzismus vollzogen, nämlich das sogenannte „Befreiungsgebet“, auf daß die „Finsternismächte“ gebannt werden. Wenn dann besonders erleuchtete Personen mit Visionen in einer Gebetsgruppe mittels Sonderoffenbarung verkünden, welches Mitglied dringend eine „Befreiungsaktion“ benötigt, ist der geistliche Mißbrauch komplett und der/die Betroffene nicht selten für Jahre seelisch „neben sich“. (Ich weiß von etlichen tragischen Schicksalen, manche Geschädigte enden zuletzt in der Psychiatrie.)
  3. Die für charismatische Kreise typische Sehnsucht nach „Heilung und Befreiung“ kann dazu führen, daß die Gruppenmitglieder von einem „Heilungsprediger“ zum anderen laufen, von einem Seminar zum nächsten, von einem Propheten zum noch stärker begnadeten Visionär etc. Es dreht sich alles im Kreise und die Betroffenen kommen kaum noch zur ruhigen Besinnung und zur Distanz. Auch dies erleichtert geistlichen Mißbrauch und bewirkt keine Seelsorge, sondern Seelenverwirrung.

Aus einer klassisch-konservativen und traditionell katholischen Sicht ist die Einsicht entscheidend, daß der Schwarmgeist eine innere Gefährdung des eigenen Spektrums darstellt, was zu entsprechender Vorsicht und Nüchternheit veranlaßt.

Nicht der Skeptizismus ist die typische Versuchung der Frommen, sondern die Verstiegenheit, nicht die Wunderflucht, sondern die Wundersucht, nicht der Unglaube, sondern der Aberglaube, nicht der Rationalismus, sondern der Irrationalismus. Achten wir also darauf, weder links noch rechts vom Pferd zu fallen – auch „rechts“ lauern ernsthafte Gefahren, wie die Kirchengeschichte seit jeher angesichts sektiererischer Bewegungen in Hülle und Fülle belegt.

Erstveröffentlichung dieses Beitrags von Felizitas Küble in der traditionell-theologischen Zeitschrift UNA VOCE (Nr. 4/2020)


„Jesuskind“-Visionen in Sievernich fordern zu Sühnegebeten am 11. Juni 2021 auf

Von Felizitas Küble

Der katholische Publizist und Historiker Michael Hesemann betätigt sich seit Jahrzehnten als Sprachrohr angeblicher Erscheinungen und wundersamer Mirakel – ob es dabei um die kirchlich abgelehnten, einstigen Phänomene von Heroldsbach geht oder um etwas ungewöhnliche Wolkenbildungen, die flugs als Madonnenfigur gedeutet werden usw.

Nun hat der Autor am heutigen Tage (9. Juni) auf dem charismatisch bewegten Portal „Kath.net“ ein besonders dringliches Anliegen vermeldet, denn es geht ihm in seinem Artikel um einen Gebetsaufruf der „Seherin“ Manuela Strack aus Sievernich, die seit über 20 Jahren übernatürlicher Gnaden gewürdigt wird (glaubt man ihrer Fangemeinde).

Dazu heißt es im Hesemann-Bericht, die „Christuserscheinungen“ in der Voreifel-Gemeinde „dauern an“.

Es wird zwar erwähnt, daß Christus der Visionärin „in Gestalt des Prager Jesuskindes“ erscheint, allerdings wird wohlweislich nicht dazugeschrieben, daß Manuela das Christkind in einer Hostie schaut. Wie bereits früher hier im CF klargestellt, handelt es sich dabei von vornherein um ein – gelinde gesagt – merkwürdiges Phänomen:

Warum sollte denn unser Erlöser ausgerechnet im Sakrament des Altares, in dem ER als das „Lamm Gottes“ gegenwärtig ist – somit als der Geopferte und verklärte Auferstandene, so wie ER heute im Himmel lebt – in Form eines kleinen Kindes erscheinen? – Der theologische Unsinn einer solchen Schau ist offenkundig für jeden, der katholisch noch bis drei zählen kann.

BILD: Eines der Bücher über die Phänomene von Sievernich: „Alle Nationen rufe ich zu mir!“

Nun zurück zu dem besonderen Sühneanliegen für den 11. Juni 2021. Die Seherin hatte – so Hesemann – am 13. Mai „während der Eucharistischen Anbetung eine erneute Christuserscheinung“.

Später habe sie „die Worte des Herrn“ notiert, darunter folgende: „Liebt das Gebet der Wiedergutmachung; denn in diesen Tagen wurde gegen den Vater im Himmel gesündigt.“ – Dabei soll es um jene Homopaar-Segnungen gehen, die einige Tage zuvor in etlichen Kirchen abgehalten wurden.

Wir wissen auch ohne Jesuskind-Visionen allein schon aufgrund der Heiligen Schrift und der kirchlichen Lehre, daß derlei Praktiken abzulehnen sind. Aber wer vom Glauben zum Aberglauben“ fortschreitet“, braucht hierfür vielleicht auch noch eine himmlische „Botschaft“ aus Sievernich.

Es stellt sich ohnehin die Frage, warum denn nur „in diesen Tagen“ gegen Gott „gesündigt“ worden sein soll. Dies ist in Wirklichkeit seit Adam und Eva der Fall und wird sich aufgrund der Erbsünde und ihren Folgen auch nicht ändern.

Nach dem in derlei Visionen üblichen Lamentos (z.B. „Wie wird Mir Meine Liebe vergolten?“) wünscht sich der Erscheinungs-„Jesus“ für den 11. Juni ein weiteres „Gebet der Wiedergutmachung“: „Seht, mit eurem Beten und Opfern erreicht ihr das Erbarmen des Ewigen Vaters.“

Es sind wieder einmal die speziellen „Sühneseelen“, die den Himmel besänftigen – obwohl Katholiken wissen müßten, daß bei aller Wichtigkeit persönlicher Gebete der Gläubigen vor allem die heilige Messe ein besonders wirksames Heilsmittel der Kirche ist.

Weiter heißt es: „Betet und leistet Sühne! Dass Ich zu euch spreche, ist ein Akt Meiner Barmherzigkeit; denn Ich will euch nicht verloren sehen, sondern erretten.“

Hat Christus etwa nicht seit 2000 Jahren durch Bibel und apostolische Tradition zu uns „gesprochen“? – Weiß der Verfasser nicht, daß die Offenbarung Gottes – laut amtlicher kirchlicher Lehre – mit dem Tod des letzten Apostels abgeschlossen ist?!

Abschließend schreibt Hesemann, in der „größten Krise“ unserer Kirche in Deutschland „seit der Reformation“ bekämen diese Botschaften eine „ganz eigene Brisanz“, denn nichts könne sie mehr retten „als Gottes Barmherzigkeit“.

Von daher sei es auf jeden Fall „notwendig“ (!), auch dem himmlischen Aufruf zum Wiedergutmachungs-Gebet am 11. Juni „Beachtung zu schenken„, denn – so der Autor – „nichts befreit und heilt uns alle mehr als das Gebet.“

Welcher gläubige Leser mag solch einem frommen Ansinnen widersprechen?!

Allerdings sollte noch bedacht werden, daß unser Beten durchaus frei gewählt werden kann und nicht auf Zuruf einer (noch dazu kirchlich nicht anerkannten) „Erscheinung“ auf ein bestimmtes Datum hin erfolgen muß.

Zudem ist es mit dem Gebet allein nicht getan, das gilt auch für „Sühnegebete“. Zum echten Glauben gehören auch gute Werke, Nächstenliebe, die Einhaltung der göttlichen Gebote und ein Leben aus den Sakramenten der Kirche.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.


Neue „Visionen“ in Sievernich: Seherin Manuela und die „Apostel der Endzeit“

Von Felizitas Küble

Jahrelang erregten die „Botschaften“ von Sievernich im Bistum Aachen großes Aufsehen in erscheinungsbewegten Kreisen und darüber hinaus (auch die weltliche Presse berichtete vielfach über den großen Pilgerandrang dort).

Im Mittelpunkt dieser kirchlich nicht anerkannten Phänomene steht die „Seherin“ Manuela Strack. Ab der Jahrtausendwende will sie fünf Jahre lang Erscheinungen vor allem von Maria erlebt haben, aber auch von Jesus und etlichen Heiligen wie z.B. Theresa von Avila.

Ab 2005 gingen die Wallfahrten zurück, die Erscheinungen schienen beendet zu sein, doch immer wieder ist von neuen Visionen und „Wundern“ die Rede, die auf der Internetseite der Fangemeinde dokumentiert werden.

So berichtet Manuela Strack dort u.a. über ein mystisches Vorkommnis vom 25. April dieses Jahres:

„Während der heiligen Messe, als der Priester die heilige Hostie hochhob, sah ich das gnadenreiche Jesuskind in Prager Gestalt in der Hostie….Als ich die Heilige Hostie empfing, schlug diese wie ein Herz dreimal in meinem Mund…

Dann sah ich das Jesulein vor mir stehen…Es tröstete mich und legte Seine Hand auf meine Schulter…

„Nun höre gut zu! Der Widersacher regt die Seelen an, Fahnen an Meinen Häusern anzubringen, die Zeichen sind, Meinem Wort zu widersprechen und der Heiligen Schrift nicht zu folgen.

Ich aber habe dir die Fahne Meines Kostbaren Blutes geschenkt, die „Die Kinder Gottes, die Apostel der Endzeit“ zum Zeichen haben. Wo diese Fahne Meines Kostbaren Blutes weht, herrscht das Gebot des Ewigen Vaters und wird in Liebe bewahrt. Auch mögen Meine kleinen Apostel in der Drangsal dieses Zeichen tragen.

Die Zeit der Apostel der Endzeit ist gekommen. Komm, ruhe dich an Meinem Herzen aus und erquicke dich einen Augenblick und koste, wie es einmal in Meinem Reiche sein wird.“

Tatsächlich durfte ich einen kleinen Moment an Seinem Herzen ruhen, und es war so wundervoll, ein großer Moment voller Liebe und großer Glückseligkeit und Geborgenheit. Plötzlich war das Jesuskind nicht mehr da.“

SOWEIT die Schilderung von Frau Strack.

Abgesehen von den sentimentalen Ergüssen am Schluß ist es keine „prophetische“ Leistung, am 25. April 2021 über Regenbogenfahnen an Kirchen zu schreiben („Fahnen an Meinen Häusern anzubringen“), die zu diesem Zeitpunkt längst von Homo-geneigten Gruppen und Aktivisten aufgehängt oder angekündigt wurden.

Dessen ungeachtet stellen sich einige grundsätzliche Fragen:

  1. Warum sollte Christus ausgerechnet in der Hostie (!) in der Gestalt des Jesuskindes erscheinen? Die Eucharistie vergegenwärtigt sakramental den Kreuzestod Christi – und nicht seine Inkarnation (Menschwerdung) oder Kindheit. Christus lebt im Himmel als der geopferte und auferstandene HERR und nicht als kleiner Junge.
  2. Wieder einmal handelt es sich bei der Anhängerschar der Seherin gleichsam um die letzten Zehn Gerechten – natürlich der Endzeit. Der Erscheinungs-„Jesus“ hat Frau Strack sogar „die Fahne meines Kostbaren Blutes geschenkt“, was immer das heißen mag; dies sei die Fahne der „Kinder Gottes und Apostel der Endzeit“, die in der „Drangsal“ als Zeichen getragen werden solle.
  3. Die begnadete Visionärin darf an „Jesu“ Herzen ruhen und bereits einen Vorgeschmack des Gottesreiches erleben. Zuvor hatte die Erscheinungsfigur ihr seine Hand auf die Schulter gelegt. Es handelt sich also bei dieser Dame um eine ganz erlesene Vertraute des Himmels.

Jeder weitere Kommentar erübrigt sich.

WEITERE SECHS ARTIKEL zur Causa Sievernich hier: https://charismatismus.wordpress.com/category/irrgeistige-erscheinungen/sievernich-manuela/

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt

Gemälde: Evita Gründler


„Rachemadonna“: Merkmal der Falschmystik

Von Felizitas Küble

Das Prinzip Zuckerbrot und Peitsche“ ist ein häufiges Kennzeichen irrgeistiger „Offenbarungen“. In den entsprechenden Botschaften werden die Seher (meist sind des freilich Seherinnen) von himmlischen Gestalten – oft Jesus oder Maria – über den grünen Klee gelobt, ihre Vorzüglichkeit gepriesen, ihre besondere Sendung und Einzigartikeit verkündet und vielfach bedankt sich die Erscheinung auch bei den „Begnaden“ für ihren eifrigen Einsatz bei der Verbreitung der angeblichen Aufrufe „von oben“.

Auch in Medjugorje bedankt sich die „Madonna“ ständig bei den Visionären, daß sie „ihrem Ruf gefolgt“ seien etc.

Dieses (un)geistliche Zuckerbrot ist nichts Neues in der Kirchengeschichte. Die hl. Teresa von Avila, die selber als große Mystikerin gilt, warnte vor dieser religiösen Sentimentalität:

„Schwer täuschen sich jene, die meinen, die Vereinigung mit Gott bestehe in Ekstasen, Verzückungen und geistlichen Tröstungen. Sie besteht allein in der vollkommenen Übergabe unseres Willens an Gott.“

Das zweite typische Kennzeichen der Pseudo-Mystik ist die „Peitsche“ – natürlich an jene gerichtet, welche die „Botschaften“ nicht annehmen. Ob Sievernich oder Eisenberg (Rasenkreuz), ob Amsterdam oder Garabandal, ob Medjugorje oder die Visionen der Antonie Rädler von Wigratzbad: Stets gibt es eine „Rachemadonna“, die den Skeptikern den Marsch bläst, auch wenn es sich dabei um die kirchliche Obrigkeit handelt, die ja bekanntermaßen mit derartigen Phänomenen sehr vorsichtig ist – immerhin beruht diese Haltung aus einer Erfahrung von 2000 Jahren.

Ganz typisch sind also Drohbotschaften für jene, die nicht spuren, die Zweifel an der Echtheit äußern oder sich sogar dagegen aussprechen.

Fall-Beispiel SIEVERNICH

So erklärte die Erscheinungs-Maria von Siervernich am 4. Juni 2005, derjenige werde sich „vor ihrem Sohn verantworten müssen“, der in das Rohr zum Brunnen „etwas hineinwirft“. (Es ging um eine erfolgte Bohrung für ein angebliches „Heilungswasser“.)

Einen Tag später wiederholt das Phantom ihre Drohung: „Mein Kind, bete und tue alles, was ich Dir sage. Wer auf mein Wort nicht hört, wird dies vor meinem Sohn verantworten müssen.“

Bereits zwei Jahre zuvor, am 14. Juli 2003, wurden jene Geistlichen, die nicht an die Visionen von Manuela Strack glauben, ebenfalls in ein schiefes Licht gerückt:

„Viele Priester glauben nicht an mein Kommen und verleugnen meinen Sohn. Sie sind gegen dich, weil sie auch wider meinen Sohn sind. Sie verwunden täglich mein Herz.“ 

Am 1. März 2004 sandte die angebliche Gottesmutter folgende Kundgabe an Manuelas Verehrerschar: „So wird alles, was sich euch entgegenstellt, wie ein Windhauch vergehen.“

Da kann es manchem Erscheinungsbewegten warm ums Herz werden!

Fall-Beispiel RÄDLER in WIGRATZBAD

Das bischöfliche Ordinariat Augsburg wirft dem Buch „Sieg der Sühne“ von Alfons Sarrach vor, daß es Kritikern der Wigratzbader Privatoffenbarungen von Antonie Rädler mit Unheil und Tod drohe.

Tatsächlich äußert sich der Verfasser – ein allseits bekannter Propagandist von Medjugorje – teilweise eher makaber – vor allem ab Seite 107:

Dort wird ausführlich geschildert, wie es dem Bürgermeister von Hergatz ergangen sei (der als Widersacher der „Seherin“ Rädler vorgestellt wird): Dieser NS-hörige Bürgermeister sei – politisch bedingt – durch Befehl eines SS-Kommandanten aufgehängt und dann „verscharrt“ worden.

Danach heißt es auf S. 108 weiter:
„Übrigens haben die größten Feinde Antonies einen tragischen Tod gefunden. Zu ihnen gehörte auch der Kreisleiter der Partei aus Lindenberg. Er wurde von befreiten Polen aus dem Auto geholt, zu Tode getrampelt und unter die Erde gebracht.“

Auf S.67 wird von einer Marienvision berichtet, die eine Bekannte von Antonie Rädler erlebt haben will. Dabei soll die „Erscheinung“ gesagt haben: „Ich kann die zerschmettern, die gegen diese Sache sind.“ (Gemeint ist der Kapellenbau in Wigratz.)

Ähnlich heißt es auf S. 89 aus dem Munde der „Seherin“ Antonie selbst: „Maria kann alle zerschmettern, die ihr widerstehen.“ – Ob das Geist und Ausdrucksweise der wirklichen Gottesmutter ist? – Gewiß nicht, denn die Mutter des HERRN ist keine „Rache-Madonna“.

Derartige Ausführungen erwecken den Eindruck einer irrgeistigen „Frömmigkeit“, die sich mit dem christlichem Glauben und einer bodenständigen, biblisch orientieren Marienverehrung nicht vereinbaren läßt.

Dabei kann die Ablehnung von Erscheinungen ohnehin kein Anlaß für eine „Strafe Gottes“ sein, zumal Privatoffenbarungen für die Gläubigen grundsätzlich nicht verbindlich sind – noch viel weniger, wo es sich in all dieen Fällen nicht einmal um kirchlich anerkannte Botschaften handelt.

Fall-Beispiel HIGGINSON:

Einige Hinweise aus der „Haupt-Christi“-Verehrung der englischen Visionärin Teresa Higginson (die auch in traditionalistischen Kreisen verbreitet ist):

Zum Zuckerbrot der Heilsgewißheit für Fans ihrer Haupt-Christi-Spezialandacht gehört auch die Peitsche der Verwünschungen für „Übeltäter“, die diese offenbar heilsnotwendige Sonderverehrung nicht pflegen oder sie gar  „behindern“, was wie eine Freveltat bewertet wird.

Derart blutrünstige Bannflüche gegen Skeptiker wie hier liest man freilich recht selten in irrgeistigen „Botschaften“.

Hier folgen ein paar handfeste Drohungen gegen Kritiker:

„Was jene anbelangt, die durch Wort oder Werk versuchen, diese Andacht zu verhindern oder zu verwerfen, werden sie wie zu Boden geworfenes Glas sein oder wie ein gegen eine Mauer geschleudertes Ei, d.h. sie werden in Stücke geschlagen und vernichtet; sie werden verdorren und verwelken wie das Gras auf den Dächern.“ 

„Andererseits läßt Er mich erschaudern vor Schrecken angesichts der furchtbaren Strafgerichte, die das Los jener sein werden, die den Fortschritt dieser himmlischen Andacht hindern oder zu verhindern suchen werden… Sie werden gebrochen und vernichtet  werden.“

Sodann folgt ein „Gebet“, das der „Herr“ seiner „Leidensbraut“ Higginson offenbart haben soll:  „O Heiligstes Haupt, möge Deine Weisheit uns immer lenken… Mögen wir niemals die Verwünschungen vernehmen, die gegen jene ausgesprochen wurden, welche diese Andacht behindern oder verachten werden.“  – 

Sogar im Gebet hat der „Andächtige“ also die Angst im Nacken. Soll so etwa die freiwillige Gottesliebe geweckt werden?  Stattdessen ein System von Fluch und Angst, wie man es sonst nur aus dem finstersten Heidentum kennt.


Sievernich: Seherin bietet neues Mirakel

Auch Sievernich gehört zu den deutschen „Erscheinungsstätten“ der jüngeren Zeit, die zum Dauerbrenner werden (wenn sie auch keine 40 Jahre wie Medjugorje vorweisen können), die zugleich kirchlich nicht anerkannt sind, was aber die Fangemeinde wenig zu stören scheint.

Manuela Strack heißt die „Seherin“ von Sievernich, einer kleinen Pfarrei im Bistum Aachen unweit der Grenze zum Bistum Köln.

Glaubt man der Visionärin, so sind ihr ab der Jahrtausendwende fünf Jahre lang Erscheinungen des Himmels gewährt worden, vor allem die „Madonna“ gab sich gerne ein Stelldichein bei ihr.

Ab dem Ende der Serie im Jahre 2005 wurde es stiller um den vielbesuchten Pilgerort, doch Frau Strack will weiterhin viele „Zeichen und Wunder“ erlebt haben, die auf der Homepage des Verehrerkreises „dokumentiert“ werden.

Am 3. Februar 2021 gab es wieder ein frisches Ereignis, allerdings nicht hinsichtlich des Blasius-Segens (das wäre vielleicht für eine große Seherin nicht aufregend genug), denn sie geht gerne aufs Ganze – diesmal schildert sie ein Mirakel nach ihrem Kommunionempfang, das sie in einer neuen „Botschaft“ verbreitet: https://maria-die-makellose.de/botschaften/2021/2021_02_03.html

So bemerkte Manuela, dass die Hostie nicht wie sonst auf ihrer Zunge zerging (eigentlich schluckt man sie). Sie nahm diese unübliche Abweichung zum Anlass, so schreibt sie, den HERRN in aller Stille weiter anzubeten.

Irgendwann im weiteren Verlauf stellte Manuela fest, dass die Hostie einfach nicht zergehen wollte. Den Kommunionempfang muss sie zeitlich festgehalten haben, denn zu ihrem Erstaunen erkannte sie, dass seitdem bereits zehn Minuten vergangen waren.

Mit Blick auf die Uhr stellten sich weitere Phänomene ein, die Manuela auf ihrer Zunge wahrnehmen konnte. Fassungslos spürte sie, wie sich die Hostie wölbte, gegen ihren Gaumen schlug und sie ein Pochen verspürte, welches sie als Herzschlag deutete. Obwohl sich die Seherin noch in stiller Anbetung befand, konnte sie acht Herzschläge zählen.

Selbstverständlich und wie es sich für ein braves Schäfchen gehört, ist Manuela bereit, das Urteil über diese „Botschaft“ der römisch-katholischen Kirche zu unterwerfen. Die Visionärin scheint zu hoffen, dass sich die Kirche irgendwann mit ihrem Unsinn und seltsamen Wahrnehmungen beschäftigt.

In der Sache ist der „Botschaft“ nicht viel zu entnehmen. Dass Manuela bis acht zählen kann, ist jedoch nicht gering zu schätzen und hoffentlich noch entwicklungsfähig, denn bis zehn ist es nicht mehr weit. Eine weitere Gabe, die durchaus als Empfehlung für die Szene taugt: Konzentriert sich Manuela, so hält sie den Mund geschlossen.

Dieser Beitrag stammt von einem bewährten Leser und Familienvater aus dem Bistum Köln mit dem Nicknamen „GsJC“, der sich seit rund 10 Jahren kritisch mit abergläubischen Geschehnissen und Privatoffenbarungen befaßt.


Hollands Sturmflut und die „Frau aller Völker“

Von Felizitas Küble

Es geschah vor genau 68 Jahren: Eine katastrophale Überschwemmung der Nordsee erroß sich vom 31. Januar auf den 1. Februar 1953 über die Niederlande, Belgien (Flandern) und die britische Küste.

Vor allem die Niederlande waren betroffen, weshalb man vielfach von der „Holland-Sturmflut“ sprach.

Dort starben 1835 Menschen, insgesamt waren es über 2400 Personen. Der Schaden belief sich in unserem Nachbarland auf 5,4 Milliarden Euro.

Angesichts dieser Naturkatastrophe fragt man sich, warum denn die angebliche Erscheinung der „Frau aller Völker“ in Amsterdam dazu nichts zu sagen wußte (weder vorher noch nachher), obwohl sie sonst gegenüber der Seherin Ida Peerdemann dauerhaft so redselig war! (Immerhin liefen die Privatoffenbarungen 15 Jahre lang bis 1959 mit 56 „Botschaften“.)

Warum wurde die Sturmflut nicht prophetisch vorhergesagt? Hätte dies nicht viele Menschenleben durch Vorsichtsmaßnahmen und schnelle Evakuierungen retten können?

Doch die Botschaften der Erscheinungsdame kümmerten sich um ganz andere Themen, um die eigene Spezialverehrung als „Frau aller Völker“ nämlich – somit um einen neuen Marientitel, der weder damals noch heute kirchlich anerkannt istund um jenes theologisch sehr merkwürdige Bild der „Madonna“ (siehe Foto), in welchem sie sich direkt vor das Kreuz stellt und somit unseren Erlöser buchstäblich in den Schatten stellt, ihn sogar völlig verdeckt.

In den damaligen Kundgaben vom 8.12.1952 und vom  20.3.1953 heißt es u.a.:

“Ihr Bild muss über die ganze Welt gehen….Das Bild soll auf einen Altar kommen an der  Evangelienseite…Das Bild soll ‘53 nach Amsterdam kommen….in eine neue Kirche, die Kirche der Frau aller Völker, die so schnell wie möglich gebaut werden muss.“

Tja, schon seltsam, von welchen „Sorgen“ jene Erscheinung damals umgetrieben war.

Übrigens sind die Amsterdamer Phänomene nach wie vor kirchlich nicht anerkannt – was unlängst seitens des Vatikan und des zuständigen Bischofs noch einmal bekräftigt wurde: https://charismatismus.wordpress.com/2021/01/02/niederlande-kirche-bekraftigt-ihre-ablehnung-der-amsterdam-erscheinungen/


Falsche Prognose der Amsterdam-Erscheinung

Von Felizitas Küble

Der erscheinungsbewegte, auf Seher/innen fixierte Miriam-Verlag aus Jestetten hat die „Botschaften der Frau aller Völker“ fein säuberlich chronologisch herausgebracht – also jene Privatoffenbarungen von Ida Peerdemann aus Amsterdam, die kirchlich nicht anerkannt sind, wie der Vatikan unlängst noch einmal bekräftigt hat.
(Näheres dazu hier: https://charismatismus.wordpress.com/2021/01/02/niederlande-kirche-bekraftigt-ihre-ablehnung-der-amsterdam-erscheinungen/)

Liest man im besagten Buch die 54. Botschaft vom 19. Februar 1958, so ist dort im Zwischentitel von einer „Vorhersage des Todes von Papst Pius XII.“ die Rede.

Wie sich aus dem Text der „Marienvision“ ergibt, handelt es sich aber – wie häufig in solchen Fällen – um eine nicht nachprüfbare „Prophezeiung“, denn die Visonärin durfte von dieser „Vorhersage“ niemandem etwas mitteilen, nicht einmal ihrem Seelenführer (Beichtvater).

Wieder einmal wurde erst nach dem Eintreffen des „vorhergesagten“ Ereignisses auf die „Prognose“ hingewiesen, womit jede Beweiskraft fehlt.

Abgesehen davon enthält jene Botschaft der selbsternannten „Frau aller Völker“ eine faustdicke Falschprophetie, denn sie behauptet, der Nachfolger von Pius XII. – also Johannes XXIII. – werde das Dogma von Maria als „Miterlöserin, Mittlerin und Fürsprecherin“ verkünden (was er nicht getan hat – und auch nach ihm kein weiterer Papst).

Hier der volle Wortlaut der vermeintlichen Worte der Madonna:

„Heute Nacht wurde ich wieder mit einem Schlag wach, weil ich gerufen wurde. Es war genau 3 Uhr.
Ich sah wieder das Licht und hörte die Stimme der Frau sagen:
„Da bin ich wieder. Der Friede des Herrn Jesus Christus sei mit dir. Du hast richtig gehandelt. Du hast aus freiem Willen gewählt und die Botschaft deinem Seelenführer gebracht. Dieser Gehorsam wird gute Früchte bringen, die du demnächst erfahren wirst. Dein Seelenführer kennt seine Pflicht. Sei beruhigt.
Ich werde dir eine Mitteilung machen, über die du zu niemand, auch nicht zum Sakristan und zu deinem Seelenführer, sprechen darfst. Wenn es geschehen ist, darfst du ihnen sagen, dass die Frau dies jetzt gesagt hat. Die Mitteilung lautet:
Höre, dieser Heilige Vater, Papst Pius XII., wird Anfang Oktober dieses Jahres bei den Unseren aufgenommen werden. Die Frau aller Völker, die Miterlöserin, Mittlerin und Fürsprecherin, wird ihn in die ewigen Freuden geleiten.“ 
Ich erschrak über diese Mitteilung und wagte kaum dies zu glauben. Die Frau sagte:
„Erschrick nicht, Kind! Sein Nachfolger wird das Dogma verkünden.
Ich dankte der Frau, und sie sagte sehr feierlich:
„Amen.“

Dazu außerdem folgende Anmerkungen:

  1. Die Erscheinung meldet sich mit den flapsigen Worten „Da bin ich wieder“ mitten in der Nacht – nicht gerade rücksichtsvoll gegenüber Frau Peerdemann, die aus dem Schlaf gerissen wird. Aber vielleicht wirkt eine Geisterstunde – nachts 3 Uhr – irgendwie schauriger.
  2. Dann wird die Visionärin psychologisch gestreichelt, solche verbalen Zuckerstückchen gehören zum üblichen Programm: „Du hast richtig gehandelt…aus freiem Willen gewählt….Dieser Gehorsam wird gute Früchte bringen.“
  3. Welchen theologischen oder sonstigen Sinn hat überhaupt die Ankündigung des Todes von Pius XII.? Was soll die Seherin mit der „Geheimbotschaft“ anfangen? Was heißt zudem, der Papst werde „bei den Unseren“ aufgenommen? Von Gott und Christus ist hier nicht die Rede, sondern nur verschwommen von den „ewigen Freuden“.


 


Vatikan/Niederlande: Kirche bekräftigt ihre Ablehnung der Amsterdam-Erscheinungen

Von Felizitas Küble

Im Vatikan ist in den letzten Jahren verstärkt versucht worden, das kirchliche NEIN zu den Privatoffenbarungen der sogenannten „Frau aller Völker“ wieder in Erinnerung zu rufen.

Diese „Amsterdamer Erscheinungen“, die auf eine holländische Seherin namens Ida Peerdemann zurückgehen, wurden allerdings durch den ehem. Bischof Josef M. Punt „anerkannt“, obwohl dieser eigenwillige Oberhirte von Haarlem-Amsterdam sich damit gegen die ablehnenden Stellungnahmen der Glaubenskongregation stellte.

Es ist bekannt, daß die Mutter des Bischofs eine große Anhängerin dieser umstrittenen Erscheinungen war und ihren Sohn der „Frau aller Völker“ geweiht haben soll.

Kardinal Joseph Ratzinger zog als Glaubenspräfekt sozusagen die Notbremse:

Da er den vorpreschenden Bischof Punt offensichtlich nicht amtsentheben wollte, begnügte er sich damit, das Gebet an die „Frau aller Völker“ (FaV) zu korrigieren:

Die Schlußformel von der FaV, „die einst Maria war„, mußte gestrichen werden und durch die Anrufung „die selige Jungfrau Maria“ ersetzt werden.

Zudem hat der Vatikan seine eigene Position in puncto Amsterdam-Phänomene selbst nie geändert, sondern das Vorgehen von Bischof Punt lediglich hingenommen bzw. darauf verzichtet, ihn kirchenrechtlich zu bestrafen.

(Den genauen Ablauf der Geschehnisse um die kirchliche „Aberkennung“ lesen Sie hier: https://charismatismus.wordpress.com/2017/09/02/der-vatikan-und-die-anhaenger-der-frau-aller-voelker-die-einst-maria-war/)

Nun veröffentlichte der neue Bischof Johannes Hendriks am 30. Dezember 2020 eine „Klarstellung bezüglich der Frau aller Völker“, worin er im ausdrücklichen Einvernehmen mit der römischen Glaubenskongegration die eigenmächtige Anerkennung seines Vorgängers gleichsam annulliert (für ungültig erklärt). Schon zuvor hatte es im September 2020 eine kritische Stellungnahme des Apostolischen Nuntius im Libanon zur FaV gegeben.

Der Bischof schreibt an entscheidender Stelle:

„Die Kongregation für die Glaubenslehre betont die Gültigkeit des negativen Urteils über den übernatürlichen Charakter der angeblichen ‚Erscheinungen und Offenbarungen‘ an Frau Ida Peerdeman, ein Urteil, das der hl. Papst Paul VI. am 5.4.1974 genehmigte…Dieses Urteil beinhaltet, daß alle aufgefordert werden, die Verbreitung der angeblichen Erscheinungen und Botschaften der „Frau aller Völker“ einzustellen.“

Bereits im Vorfeld dieser deutlichen Klarstellung zeigten vatikanische Entscheidungen die Richtung an. Bischof Punt wurde nämlich am 1. Juni 2020 von Papst Franziskus vorzeitig in den Ruhestand versetzt, obwohl er das hierfür übliche Alter von 75 Jahren noch nicht erreicht hatte. Zudem wurde ihm schon zu Amtszeiten der jetzige Diözesan-Bischof Hendricks als Bischof-Koadjutor mit Nachfolgerecht zur Seite gestellt und er bereits damals teilweise „entmachtet“.

Nach der schwachen „Notbremse“ unter Glaubenspräfekt Ratzinger ist damit der Vatikan wieder mit aller Klarheit zu seinem NEIN zurückgekehrt, wobei er freilich seine Ablehnung dieser Erscheinungen formal-amtlich nie zurückgenommen hatte. Allerdings entstand natürlich eine gewisse Verwirrung unter den Gläubigen, nachdem Bischof Punt seine „Anerkennung“ aussprach und damit sowohl seinen bischöflichen Vorgängern wie auch der Glaubenskongregation widersprach.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.


Vatikan exkommuniziert T. Vlasic, den ehem. geistlichen Leiter der Medjugorje-Seher

Der bereits im Jahre 2009 mit einem Dekret von Papst Benedikt aus dem Klerikerstand entlassene Priester Tomislav Vlasic ist nun von der Glaubenskongregation exkommuniziert worden, was die stärkste Kirchenstrafe darstellt. Dies wurde dem zuständigen Bischof am 23. Oktober 2020 vom Vatikan mitgeteilt.

Der Franziskaner, der früher die Medjugorje-Seher geistlich betreut hat, lebt schon viele Jahre in der italienischen Diözese Brescia, wo er sich weiterhin priesterlich betätigte, obwohl ihm seit seiner Laiisierung jede seelsorgliche und sakramentale Tätigkeit untersagt war.

Die Kongregation für die Glaubenslehre hatte im Jahre 2008 eine Untersuchung gegen den Medjugorje-Pater eingeleitet wegen der Verbreitung zweifelhafter Lehren, einer Manipulation des Gewissens (von Gläubigen), verdächtiger Mystik, Ungehorsam gegenüber legitimen (kirchlichen) Anordnungen und wegen sexueller Vergehen.

In einer aktuellen Erklärung der Bistumsleitung von Brescia heißt es:

„Leider hat Herr Vlasic im Laufe der Jahre die Verbote, die ihm in der kanonischen Strafvorschrift der Glaubenskongregation vom 10. März 2009 auferlegt wurden, nie eingehalten…Er hat seine apostolischen Aktivitäten mit Einzelpersonen und Gruppen sowohl durch Konferenzen als auch mit computergestützten Mitteln fortgesetzt.

Er hat sich weiterhin als Ordensmann und Priester der katholischen Kirche präsentiert und die Feier ungültiger Sakramente simuliert. Er hat zudem einen ernsthaften Skandal unter den Gläubigen ausgelöst und Handlungen ausgeführt, die die kirchliche Gemeinschaft und den Gehorsam gegenüber der kirchlichen Autorität ernsthaft beeinträchtigen.“

Quelle und vollständige Meldung (englischsprachig) hier: https://aleteia.org/2020/10/23/former-spiritual-director-of-the-6-medjugorje-visionaries-excommunicated/

Weitere Infos zu P. Vlasic hier: https://charismatismus.wordpress.com/2012/01/15/medjugorje-und-der-denkwurdige-werdegang-von-p-tomislav-vlasic/