Jungfrau Maria oder „Frau aller Völker“?

Von Felizitas Küble

Unter Berufung auf die Amsterdamer Marienerscheinungen der „Frau aller Völker“ wird seit Jahrzehnten folgendes „Gebet“ verbreitet:beten

Herr Jesus Christus, Sohn des Vaters,
sende jetzt deinen Geist über die Erde.
Lass den Heiligen Geist wohnen in den Herzen aller Völker,
damit sie bewahrt bleiben vor Verfall , Unheil und Krieg.
Möge die Frau aller Völker, die einst Maria war,
unsere Fürsprecherin sein. Amen.“

Obwohl jene anstößige Formel „…die einst Maria war….“ schon früh zu kritischen Rückfragen führte, blieb die „Seherin“ Ida Peerdemann hartnäckig dabei mit der Begründung, die „Frau aller Völker“ wünsche diese Anrufung ausdrücklich so und nicht anders.

Jene Erscheinung erklärte zB. am 2.7.1951: „Die „einst Maria war“ bedeutet: Viele Menschen haben Maria als Maria gekannt. Nun aber will ich in diesem neuen Zeitabschnitt, der anbricht, die Frau aller Völker sein.“  – Hier meldet sich eine sehr eigenwillige „Maria“ zu Wort („nun aber will ich…“). Im Evangelium weht uns ein anderer Ton entgegen: „Magd des HERRN“, „Was ER euch sagt, das tut“ usw.

Der Vatikan hat vor einigen Jahren die „Notbremse“ gezogen und diese Anrufung an einer entscheidenden Stelle korrigiert: es muß nunmehr heißen „Möge die selige Jungfrau Maria, um als kirchlich erlaubt zu gelten. Foto: Dr. F. Pelz

Viele Amsterdam-Fans stört das wenig, sie bleiben beharrlich bei der „alten“ Formel oder verwenden eine alt-neue Version, die im Grunde fast noch absonderlicher ist  –  z.B. diese: „….Möge die Frau aller Völker, die einst die selige Jungfrau Maria war…“

Das ist besonders schräg daneben – soll Maria jetzt etwa nicht mehr die selige JUNGFRAU sein…?! War sie „einst“ Jungfrau – und jetzt ist sie die „Frau“ aller Völker…? – Ist sie im Himmel keine Jungfrau mehr?!

Man stellt sich ohnehin die Frage, ob es bei der Propagierung des neuen Titels „Frau aller Völker“ letzten Endes auf listige Weise darum geht, den so wesentlichen Titel JUNGFRAU für Maria zu verdrängen  – aber nicht, indem er direkt geleugnet wird, sondern auf scheinbar fromme Art, indem er nämlich durch einen wohlklingenden anderen Begriff ersetzt wird, der aber theologisch banal ist.

Oder welche theologische Weisheit steckt hinter der Anrufung „Frau aller Völker“? Oder geht es womöglich gar um heidnische Anklänge, um eine Art Halbgöttin, eine mythische Symbolfigur? Diese Frage ergibt sich auch angesichts der äußerst problematischen Tatsache, daß sich diese Erscheinungs-Maria direkt vor das Kreuz Christi stellt, so daß man unseren Erlöser nicht mehr sehen kann!

Grundsätzlich gilt bei irrgeistigen Phänomenen das Verdrängungs-Prinzip, daß etwas sehr Gutes durch etwas weniger Gutes oder Fragwürdiges auf raffinierte Weise ersetzt wird, so daß es den meisten Leuten nicht einmal auffällt.

Abgesehen von diesem dicken Brocken gibt es zu diesem „Gebet“ weitere kritische Rückfragen:

1. Was bedeutet: „Sende jetzt Deinen Geist über die Erde“?  –  War dies nicht bereits zu Pfingsten der Fall?  – Und was heißt „über die Erde“?  Warum nicht „über die Christgläubigen“?!  –   Oder soll der Himmel dazu aufgefordert werden, seinen Heiligen Geist unterschiedslos auf alle Erdenbewohner „abzusenden“?!  –  Ist der Glaube an Christus keine Voraussetzung mehr? Von der Taufe ganz zu schweigen!131223-stern-von-bethlehem_b87bfae72c

2. „Lass den Heiligen Geist wohnen in den Herzen aller Völker“  – Haben die Völker jeweils ein „Herz“?  Der einzelne Mensch verfügt über ein Herz, aber doch nicht die Nationen. 

3. „…damit sie bewahrt bleiben vor Verfall, Unheil und Krieg.“  –  In der Heiligen Schrift heißt es: „Die Sünde ist der Völker Verderben.“ (AT, Spr 14,34) Aber im Amsterdamer Gebet ist von „Verfall“ die Rede, was immer das heißen mag  – von „Unheil“ und von „Krieg“  –  aber nicht mit einem einzigen Wort von Schuld oder Sünde!   

Jeder Liberalist, Atheist, Humanist, Agnostiker oder sonstige Freidenker könnte im Grunde dasselbe unterschreiben, nämlich daß die Völker bewahrt bleiben mögen vor…. –  siehe Amsterdam!  Um sich diese netten Floskeln auf die Fahnen zu schreiben, bedarf es keines christlichen Glaubens.

Ganz anders steht es mit einem Gebet wie das von Christus gelehrte Vaterunser: „….Geheiligt werde DEIN NAME….DEIN WILLE geschehe!….Vergib uns UNSERE SCHULD…“

Das Vaterunser könnte ein ungläubiger „Humanist“ eben  n i c h t  unterschreiben.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks und des KOMM-MIT-Verlags in Münster

Nähere Infos über die kirchliche Stellung zu „Amsterdam“ hier von Frau Hildegard Alles im „Theologischen“: http://de.gloria.tv/?media=24933

Marien-Foto: Dr. Bernd F. Pelz


Warum die „Erscheinungen“ von Amsterdam auch formal einen Sonderfall darstellen

Von Felizitas Küble

Auf der kath. Webseite Gloria-TV übernehmen User bisweilen Artikel aus unserem CHRISTLICHEN FORUM oder verweisen darauf, wobei es sich häufig um Beiträge über sog. Privatoffenbarungen handelt.  Scannen0004

Jetzt schrieb dort eine „Gerti Harzl“ unter dem ironischen Titel „Was täten wir, wenn wir den Küble-Blog nicht hätten“ in der ihr eigenen Weise bzw. Weisheit über einen unserer Anti-Medjugorje-Berichtesiehe hier: https://gloria.tv/article/snpe4mpmzsXV6Sz4B7QpgBMYU

Das ist nicht weiter bemerkenswert, gäbe es dort unter dem Artikel nicht einen Kommentar eines mir unbekannten „Winfried“, der folgendes zu berichten weiß:

„Frau Küble ist bekannt dafür, dass sie sich bevorzugt gegen nicht-anerkannte Marienerscheinungen wendet, wie z.B. Medjugorje, welches von dem zuständigen Bischof, bzw. der jugoslawischen Bischofkonferenz abgelehnt wurde. Daraufhin fragte ich sie, was es denn mit der bischöflichen Anerkennung von Amsterdam auf sich hätte. Dies sei etwas anderes, sagte sie. Auch ein Bischof [eine Bischofskonferenz] könne irren.“

Dieser Leser wirbelt einige Zusammenhänge durcheinander, vielleicht fehlt es ihm auch an der nötigen Information.

Diese wollen wir für ihn und seinesgleichen gerne nachliefern:Radio Vatikan

Die „Marienerscheinungen“ von Amsterdam (dort präsentierte sich die „Madonna“ in den 40er und 50er Jahren als „Frau aller Völker“) wurden jahrzehntelang von den zuständigen Ortsbischöfen des niederländischen Bistums Haarlem abgelehnt, außerdem mehrfach von der vatikanischen Glaubenskongregation, so etwa 1974: https://charismatismus.wordpress.com/2015/01/19/vatikan-glaubenskongregation-hat-amsterdamer-erscheinungen-1974-abgelehnt/

Diese Notifikation wurde von Kardinal Joseph Ratzinger am 2.4.1987 erneut bestätigt, indem er die Botschaften der „Frau aller Völker“ ablehnte und ihre Verehrung untersagte.

Bischof Josef Maria Punt gefiel es dann aber im Jahre 2002, sich über den Standpunkt Roms und die kritische Haltung von Vorgänger-Bischöfen hinwegzusetzen und die Erscheinungen der „Frau aller Völker“ zu billigen.

Der Vatikan hat dies gleichsam „geschluckt“, aber immerhin noch die Notbremse gezogen und die von den Amsterdamer Fans propagierte Anrufung der „Frau aller Völker, die einst Maria war untersagt. Es muß laut römischer Verordnung heißen: „…möge die selige Jungfrau Maria…“.

Wer also gerne darauf herumreiten will, daß der gegenwärtige Oberhirte von Amsterdam die Erscheinungen „anerkannt“ habe, sollte nicht verschweigen, daß sowohl die Glaubenskongregation wie auch Amtsvorgänger Punts hierüber ganz anders geurteilt haben.

Weitere Artikel von uns über die Amsterdamer Botschaften: https://charismatismus.wordpress.com/category/irrgeistige-erscheinungen/amsterdam-frau-aller-volker/


Esoterische Umarmung: Amsterdam, Medjugorje und die „Meister der Weisheit“

Von Felizitas Küble

Der Philosoph und Esoteriker Dr. Heinz Kuhberg aus Nordenau (Sauerland), der sich als „Katholik und Christ“ bezeichnet, schildert begeistert die „globale Wunderlogik“, die er seit Jahrzehnten beobachtet und in diesem 250 Seiten umfassenden Buch zusammenträgt, das im Jahr 2001 im Silberschnur-Verlag erschienen ist. titelbiild

„Die Zeichen mehren sich“, so lautet der bezeichnende Titel, der auf dem Cover ein wundersames „Lichtkreuz“ zeigt, das weltweit immer häufiger bemerkt werde, wie der Verfasser beschreibt.

Der Autor ist Anhänger einer gnostischen Jesus(irr)lehre, wie sie in einigen apokryphen Schriften aus den ersten christlichen Jahrhunderten grundgelegt wurde. (Apokryphen wurden von der Kirche bewußt nicht in den biblischen Kanon aufgenommen, gehören also nicht zur Sammlung neutestamentlicher Schriften.)

Laut jener Gnosis ist Jesus nicht wahrhaftig „ins  Fleisch gekommen“, sondern er lebte auf Erden als Geistwesen  –  nur mit einem Schein-Leib bzw. astralen (feinstofflichen) Körper umhüllt. (Diese häretische Auffassung nennt man kirchlicherseits den „Doketismus“.)  Zu eben diesem Doketismus bekennt sich der Verfasser ausdrücklich (S. 206 – 207).

Dr. Kuhberg listet über hunderten von Seiten die zunehmenden Zeichen und Wunder auf, die sich häufig als „Jesus-Visionen“ oder „Marienerscheinungen“ manifestieren würden.

Die „Meister der Weisheit“ vereinigen die Religionen

Dabei ist er sich zusammen mit dem von ihm vielgelobten britischen Esoteriker Benjamin Creme darüber einig, daß es sich bei diesen Phänomenen in Wahrheit um das Kommen von „Meistern der Weisheit“ handelt, welche als „Lehrer der Menschheit“ auftreten, um ein globales „Friedensreich“ einzuläuten und alle Religionen unter „Maitreya“ zu vereinigen. madonna-medj

Jener „Matreja“ wird als eine Art friedensstiftender Allerwelts-Messias angepriesen, in welchem das Gute aus allen Religionen vereint sei. Dieser „Christus“ sei wie einst der sog. „Meister Jesus“ kein Gott, aber eine überirdische „Wesenheit“.  Soweit dieser typisch esoterische Irrglaube.

BILD: Vielgerühmtes „Wunderfoto“ aus dem Fankreis von Medjugorje  –  Näheres dazu HIER)

Aber nun wird es aufschlußreich:

Der Autor erläutert an zahlreichen Stellen seines Buches, daß die wichtigsten himmlischen „Meister“ folgende drei sind:
1. der „Jesus-Meister“ (im Sinne der oben erwähnten Gnosis)
2. Maitreya – der Allround-Messias für unsere Zeit
3. Zudem jener Meister, „der einst die Mutter Jesu war
(vgl. z.B. S. 233).  Auf diesen Ex-Maria-Lehrer werden die weltweiten Marienerscheinungen zurückgeführt und als wunderbare Manifestation jenes „Menschheitslehrers“ beschrieben.

Dabei erwähnt der Verfasser die Zeitschrift „Share“ des Esoterikers Creme sehr häufig – und er fügt hinzu, daß in diesem seit 1982 erscheinenden Blatt nur solche Wunder-Berichte aufgelistet werden, in denen „die drei Meister ihre „Visitenkarte“ gezeigt haben“. (S. 233).

Der gnostische Meister, „der einst Maria war“

Jener Meister, der „einst die Mutter Jesu war“, erinnert freilich sogleich an die „Erscheinungen“ der sogenannten „Frau aller Völker“ in Amsterdam, die sich dort eben als jene vorstellte, die „einst Maria war“.

Die von der Amsterdam-Vision verlangte Anrufung zur „Frau aller Völker“ enthält jenen Satz („die einst Maria war“), den der Vatikan jedoch kirchlich verboten bzw. umformuliert hat („die selige Jungfrau Maria“).

Mindestens ebenso aufschlußreich sind allerdings die Bezüge zu Medjugorje, das in diesem Buch ebenfalls mehrfach positiv erwähnt wird.

Esoteriker Peterson „tief beeindruckt“ von Medjugorjemedia-372515-2

So heißt es auf S. 158 über Wayne Peterson, einen US-amerikanischen Diplomaten, dem sowohl der Maria-Meister wie auch „Maitreya“ erschienen seien, daß er sich zu einer Fahrt nach Medjugorje entschlossen habe, nachdem er von den dortigen Marienerscheinungen hörte:

„Was er dort erlebte, beeindruckte ihn tief. Aber erstaunt war er, als er mehrere Personen traf, die über Maitreya Bescheid wußten. Das war noch vor 1988. Und sie sagten ihm: Wenn Sie wissen, daß Maitreya der Christus ist, kennen Sie das letzte Geheimnis. Er traf auch eine Person, der die Maria eine Vision gegeben hatte. Und Maria sagte ihr, sie solle das Geheimnis über Maitreya noch für sich behalten.“

Ähnlich heißt es auf S. 208 erneut über Medjugorje als einem „Ort zahlreicher Marienwunder“: „Und dort erfuhr er: „Wenn Sie wissen, dass Maitreya der Christus ist, dann kennen Sie das letzte Geheimnis.“

Bereits vier Jahre nach dem Beginn der Medjugorje-Erscheinungen wurden die dortigen Ereignisse in „Share International“ von Benjamin Creme unter dem Titel „The Madonna von Medjugorje“ positiv gewürdigt: http://www.diewunderseite.de/marienerscheinungen/madonna_of_medjugorje.htm

So  kommt zusammen, was zusammengehört!

PS: Wie beliebt diverse Marienerscheinungen, vor allem aber Medjugorje, gerade bei Esoterikern sind, zeigt zB. diese Verkaufsseite mit „heiligem Wasser“ aus Medju, das als Glasfläschchen für sage und schreibe 90 Schweizer Franken verkauft wird: http://www.esoterik-versand.ch/amulett-heiliges-wasser-medjugorje-p-9348.html

Auch auf diesem esoterischen Blog (der sich mit „katholischen“ Inhalten bzw. Charismatischem und Wundergläubigem vermischt) wird für Medjugorje geworben, das Wasser von dort als „Licht-Wasser“ und „Gnaden-Wasser“ bezeichnet, ihm wundersame Wirkungen zugesprochen und die dortigen „Botschaften“ empfohlen: http://www.licht-farben.ch/sichtbares-unsichtbares.htm

 


Vatikan: Die Glaubenskongregation hat die „Amsterdamer Erscheinungen“ 1974 abgelehnt

Kult um die „Frau aller Völker“ von Rom untersagt

Die Vatikanzeitung „L’Osservatore Romano“ berichtete am 28. Juni 1974 folgendermaßen über eine erneute amtliche Stellungnahme der römischen Glaubenskongregation zur Ablehnung der „Amsterdamer Erscheinungen“:  

HL. KONGREGATION FÜR DIE GLAUBENSLEHRE

 NOTIFIKATION*

Der Bischof der Diözese Haarlem (Niederlande) hat am 7. Mai 1956 nach eingehender Prüfung des Falles über die media-444757-2angeblichen Erscheinungen und Offenbarungen der „Frau aller Völker“ erklärt, daß die „Übernatürlichkeit der Erscheinungen nicht feststeht“ und daß er dementsprechend die öffentliche Verehrung des Bildes der „Frau aller Völker“ so wie die Verbreitung von Schriften, die die genannten Erscheinungen und Offenbarungen als übernatürlichen Ursprungs hinstellten, verboten hat.

Am 2. März 1957 hat der Haarlemer Bischof seine obengenannte Erklärung bestätigt, während das Heilige Offizium in einem Schreiben vom 13. März des gleichen Jahres die Klugheit und den pastoralen Eifer des Bischofs begrüßt und seine Maßnahmen gebilligt hat.

Außerdem hat die Kongregation für die Glaubenslehre in Beantwortung eines Gesuches des Bischofs von Haarlem vom 29. März 1972 die bereits in dieser Sache getroffene Entscheidung am 24. Mai des gleichen Jahres bestätigt.

Im Hinblick auf weitere Entwicklungen und nach erneuter, noch tieferer Prüfung des Falles bestätigt die Kongregation für die Glaubenslehre mit der vorliegenden Verlautbarung, daß das von der zuständigen kirchlichen Behörde bereits ausgesprochene Urteil begründet ist, fordert Priester und Laien dazu auf, jede Propaganda für die angeblichen Erscheinungen und Offenbarungen der „Frau aller Völker“ zu unterlassen und ermahnt alle, ihre Verehrung für die heiligste Jungfrau, Königin der Welt (vgl. Enzyklika Ad caeli Reginam, AAS XXX [1954], 625-640), in den von der Kirche anerkannten und empfohlenen Formen zum Ausdruck zu bringen.

Rom, 25. Mai 1974.

Hierzu die vatikanische Original-Quelle: http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/documents/rc_con_cfaith_doc_19740525_signora-amsterdam_ge.html

Unser Artikel über die Serie kirchlicher Ablehnungen zum Kult um die „Frau aller Völker“: https://charismatismus.wordpress.com/2011/06/08/die-kirche-und-die-%E2%80%9Efrau-aller-volker%E2%80%9C/

Die Amsterdamer Erscheinungen fordern das Dogma von der „Miterlöserin“ Maria. Dieser Titel ist jedoch kein Bestandteil der kirchlichen Marienlehre. Auch Papst Benedikt hat sich hierzu kritisch geäußert: https://charismatismus.wordpress.com/2012/02/11/papst-titel-miterloserin-fur-maria-verdunkelt-den-wesentlichen-vorrang-christi/

HINWEIS: Der niederländische Bischof Josef Maria Punt von Haarlem hat sich am 10.6.2002 dennoch pro Amsterdamer „Marienerscheinungen“ geäußert  – und dies trotz jahrzehntelang ablehnender Urteile mehrerer Amtsvorgänger sowie des Hl. Offiziums bzw. der Glaubenskongregation in Rom.


Pater Sigls Amsterdam-Mythos um die „stigmatisierten“ Hände der „Frau aller Völker“

Im Internet sind einige Reden von Pater Paul Sigl dokumentiert, in denen dieser führende Anhänger der Amsterdamer „Erscheinungen“ über die dort verehrte „Frau aller Völker“ spricht und diese Privatoffenbarung nach allen Seiten hin beleuchtet.

Am 22. Juni 2002 hielt Pater Sigl in Köln einen Lichtbilder-Vortrag, der unter dem Leitwort stand: „Die leuchtende und durchbohrte Hand der Miterlöserin.“

Nach einigen Bemerkungen zum sog. „dritten Geheimnis“ von Fatima kommt der Geistliche auf sein eigentliches Anliegen zu sprechen, wonach die „stigmatisierten“ Hände der Gottesmutter, die er mehrfach als „Miterlöserin“ bezeichnet, der Menschheit („dem Globus und den Schafen“) das Heil und die Gnade vermitteln würden.  

Die Madonna ist keine Halbgöttin

Damit erweckt Pater Sigl  –  ob gewollt oder nicht  –  den irreführenden Eindruck, als sei die Madonna eine Art Halbgöttin; zumindest betreibt er einen überzogenen Kult um den  –  kirchlich nicht eingeführten   – Titel „Miterlöserin“, wobei er diese Definition zudem garniert mit einer seit 2000 Jahren unbekannten These von den „mystischen Stigmen“ (geheimnisvollen Wundmalen) der Gottesmutter an ihren Händen.

Geben wir hierzu Pater Sigl das Wort:  „Das Amsterdamer Gnadenbild zeigt die Frau aller Völker mit mystisch stigmatisierten Händen, aus denen drei leuchtende Strahlenbündel von Gnade, Erlösung und Friede auf den Globus und auf die Schafe niederströmen.“

Sodann vergleich er die Visionen von Amsterdam mit denen von Akita in Japan und führt aus:

„Die blutende Han der Frau aller Völker in Akita zeigt uns so augenscheinlich eine entscheidende Wahrheit unseres chrsitlichen Glaubens: Nur die Miterlöserin mit ihrer aus Liebe durchbohrten Hand hat die Macht, als Verteidigerin und Fürsprecherin die Völker vor einer großen Weltkatastrophe zu bewahren. Nur die Miterlöserin mit ihrer aus Liebe mystisch durchbohrten, unsichtbar durchbohrten Hand hat die Macht, als Mittlerin Gnade, Erlösung und Friede zu vermitteln.“

Hierzu stellen wir fest:

1. Die Kirche kennt keine Lehre von einer „mystisch“ oder wie auch immer stigmatisierten Hand der Gottesmutter.

2. Der Titel „Miterlöserin“ kann zwar „mit Mühe“ und x-Erklärungen richtig aufgefaßt werden, ist aber dennoch mißverständlich bis irreführend und daher zu vermeiden.

Genau dies hat auch Papst Benedikt deutlich klargestellt: https://charismatismus.wordpress.com/2012/02/11/papst-titel-miterloserin-fur-maria-verdunkelt-den-wesentlichen-vorrang-christi/

HIER die Chronik der kirchlichen Stellungnahmen zu „Amsterdam“: https://charismatismus.wordpress.com/2011/06/08/die-kirche-und-die-%E2%80%9Efrau-aller-volker%E2%80%9C/

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

Foto: Dr. Bernd F. Pelz


Amsterdam: „Frau aller Völker“ startete einst mit spiritistischer Sitzung / Seance

Kommentar von Hildegard Alles

In Köln findet also am Samstag dem 23. Juni, wieder die jährliche Großveranstaltung „Zu Ehren der Mutter aller Völker“ statt, wie immer im großen Arena-Stil unter Leitung von Pater Sigl, einem Vortragskünstler par excellence, der am Rednerpult, sich selbst demütig zurückhaltend, dem  Publikum immer wieder dieselben Botschaften der ‚Mutter‘ eindringlich liebevoll ans Herz zu legen weiß.

In Amsterdam werden die Gebetstage noch immer unter  dem Leitwort  „Zu Ehren der Frau aller Völker“ veranstaltet. Dort sind die Gebetstage zusammengeschrumpft zu Meetings mit weniger als 1000 Teilnehmern in einer anspruchslosen Halle und ohne den einfühlsam deklamierenden Pater Sigl.

Ist er in Amsterdam nicht mehr gut genug? Dort macht man jetzt Eindruck mit Rednern von höherem Kaliber –  wie dem Laien-Theologen und Mariologen Prof. Dr. Mark Miravalle und dem ehem. CIA-Mitarbeiter Prof. Dr. Richard Russell, der nun als Experte auftritt. Der niederländische Episkopat hält sich von der Veranstaltung fern!

Das Folgende wird den ahnungslosen Anhänger vielleicht aus der Ruhe bringen, aber es sollte einmal gesagt werden:

Der Ursprung der auf den Gebetstagen verehrten ‚Mutter‘ oder ‚Frau‘ kann zurückgeführt werden auf Seances in 1943, auf denen im Beisein von Ida’s Seelenführer, Pater Frehe, Ida’s Hände über die Landkarte von Europa glitten und die verschiebenden Frontlinien andeuteten.

Ab 1944 gab Ida bei solchen Zusammenkünften mehrmals an, Maria gesehen zu haben. Ab 25. März 1945 vermehrten sich  Mariaerscheinungen in hohem Tempo, bis ‚Maria‘ sich am 16. November 1950 in der 24-sten Botschaft an Ida offenbarte als die ‚Frau aller Völker‘.

Es bedarf keiner besonderen Erleuchtung, um einzusehen, dass eine Gestalt, die  beim Befragen des ‚Omens‘ hervortritt, nicht die wahre Jungfrau Maria ist, sondern eine Pseudo-Maria aus der Unterwelt.

Den gutmeinenden Gläubigen wird auf den Gebetstagen und in dem berühmten Büchlein mit den Botschaften der Frau aller Völker in einer schönen Geschichte beigebracht, dass Ida Peerdeman’s „erste“ Begegnung mit der Frau aller Völker am 25. März 1945 stattfand, bei der Ida „eine weibliche Figur im langen weißen Gewand aus einer lichtvollen leeren Tiefe hervortreten sah.“

Der Ursprung dieser weiblichen Figur ist schlichtweg zurückführbar auf  die Seance-Maria.

Die anfängliche ‚Maria‘ aus der Unterwelt hat sich weiter entwickelt. Sie hat in Amsterdam ein eigenes Sekretariat, das mit den modernsten Mitteln an der Verbreitung arbeitet. Sie wird weltweit auf Gebetstagen verehrt. Auf den Gebetstagen steht ihr blumengeschmücktes Gemälde zur Verehrung auf der Bühne, in Köln wurde es beweihräuchert.

Ihre Botschaften wurden in viele Sprachen übersetzt; ihre Anrufung wird vielerorts in das Rosenkranzgebet integriert.

Sie stellt sich vor als Höhepunkt der „marianischen Epoche“, was auf den Gebetstagen verkündet wird. Sie möchte die „Miterlöserin“ sein und stellt sich leidend vor das Kreuz. Sie nennt sich die Miterlöserin, Mittlerin und Fürsprecherin und will als solche dogmatisch anerkannt werden.

Sie hat eine ganze Truppe von Befürwortern hinter sich, die den Heiligen Vater mit Petitionen für die Proklamation des dreifachen Dogmas bestürmen. Zu bedenken ist aber, dass diese ‚Frau‘ und ‚Mutter‘ ihre acte de présence auf einer Seance gab!

Die séances werden vermeldet in dem 2008 herausgegebenen Buch God’s predikers: Dominikanen in Nederland von Prof. Dr. Marit Monteiro, einer niederländischen, in Religionsgeschichte spezialisierten Historikerin. Die Autorin basiert ihr Buch auf extensive Archiv-Forschung.  

Ein Tip für den Leser mit niederländischen Sprachkenntnissen: Seite 423 kann eingesehen werden wie folgt:

Gods Predikers: Dominicanen in Nederland (1795-2000) – M …

books.google.com/books/about/Gods_Predikers.html?id…8_gC

Gods Predikers: Dominicanen in Nederland (1795-2000). Front Cover. M. Monteiro · 0 Reviewshttp://books.google.com/books/abo

Buchcover erscheint, klicken auf Voorbeeld weergeven »   –  abrollen bis Seite 423.

Weitere  Linkhinweise von Hildegard Alles:

http://stichtingvaak.blogspot.nl/
Dieser Link ist aktuell, verfaßt in holländisch, u.a. über „Bischof Punt umarmt Vassula Ryden“  und englische Texte,  wenn vorhanden auch in Deutsch.
 
http://www.stichtingvaak.com
Dies ist das Gesamtangebot unserer früheren drei monatigen Zeitschrift AVE in holländisch, war kurzzeitig offline, aber jetzt zurúck unter neuer www…..(statt .nl jetzt .com)



Fragwürdiger Amsterdamer „Gebetstag“ am 23. Juni 2012 in Köln

Am kommenden Samstag, den 23. Juni, wird in Köln-Deutz der  –  in einer großen Halle durchgeführte  –  Gebetstag der Frau-aller-Völker-Anhänger veranstaltet, der früher in Amsterdam, danach in Heroldsbach (!) und nun seit einigen Jahren in Köln stattfindet  –  erneut mit persönlicher Beteiligung von Kardinal Joachim Meisner: Auch diesmal fungiert der Kölner Erzbischof  als Hauptzelebrant und Prediger.

Die Großveranstaltung steht unter dem Motto „Zu Ehren Mariens, der Mutter aller Völker„.  Mit dem Ausdruck  „Mutter aller Völker“ soll die kirchlich umstrittene Bezeichnung „Frau aller Völker“ umgangen werden.

Daß es hier gleichwohl um die Verherrlichung und Verbreitung der Amsterdamer „Botschaften“ geht, steht außer Frage.

Das Erscheinungs-Bild der sog. Frau aller Völker, die sich bezeichnenderweise direkt vor das Kreuz Christi stellt, findet man bei den Gebetstagen stets im Großformat im Altarraum, jeweils reichlich mit Blumen geschmückt. Auch beim jetzigen Werbeprospekt ist dies wieder klar erkennbar.

Die erscheinungsbewegte Versammlung der Amsterdam-Anhänger beinhaltet diesmal zwei religiöse Schwerpunkte:

Zum einen die Verkündigung der Amsterdamer Erscheinungen, zum anderen die „Botschaften Jesu an die hl. Faustyna Kowalska“ mit Ansprachen (Zitaten aus dem „Tagebuch“), Lichtbildern und speziellem Rosenkranz zur „Göttlichen Barmherzigkeit“ nach Sr. Faustyna  –  obgleich zwischen den beiden Privatoffenbarungen kein direkter Zusammenhang besteht.

Wie steht es nun mit der kirchlichen Position zu den Amsterdamer Botschaften der „Frau aller Völker, die einst Maria war(wie sie sich dort selber bezeichnete)?

Manche Katholiken betonen, daß die „Erscheinungen von Amsterdam“ kirchlich anerkannt seien, weil Ortsbischof  Punt von Haarlem diese befürwortet.

Dabei wird übersehen, daß diese Visionen  jahrzehntelang nicht „nur“ vom zuständigen Bischof, sondern  auch von der vatikanischen Glaubenskongregation sowie von unserem Papst (als er noch Kardinal Ratzinger war) amtlich abgelehnt wurden.

Hier seien einige Beschlüsse erwähnt:

Das Hl. Offizium in Rom (die Vorgängerin der Glaubenskongregation) erklärte am 6.4.1957, daß der Bischof von Haarlem „sehr weise und vernünftig“ vorgegangen sei, als er sich gegen die Echtheit der  Erscheinungen aussprach und die Verbreitung ihrer „Botschaften“ untersagte.  Der römische Offizium stellte fest, daß „Schriften und Broschüren über diese Sache keine kirchliche Genehmigung erhalten können“.

Nachdem viele Amsterdam-Fans trotzdem weiter für die  „Frau aller Völker“  warben und eine erneute Untersuchung forderten, erklärte das Hl. Offizium am 25.8.1961, daß das „Nein“ des Vatikans endgültig sei:

Das Hl. Offizium sieht keine Veranlassung, seine nach reiflicher Überlegung erlangte Entscheidung zurückzuziehen; sie betrachtet die ganze Frage als abgeschlossen. Der Oberste Hirte bittet daher die verehrten Professoren darum, Abstand von einer neuerlichen Untersuchung zu nehmen, da es sich – unter Einbeziehung der vollen Kenntnis der Fakten – um eine Verfügung des Hl. Stuhls handelt.“

Am 25.5.1974 stellte die Glaubenskongregation erneut  fest:

Als Folge weiterer Entwicklungen undnach einer neuen und gründlicheren Prüfung des Falles befestigt die Glaubenskongregation mit dieser Notifikation das bereits von kompetenten kirchlichen Autoritäten ausgesprochene Urteil und fordert Priester und Laien auf, alle Formen von Propaganda für die angeblichen Erscheinungen und Botschaften derFrau aller Völker“ einzustellen.“

Diese Notifikation wurde von Kardinal Joseph Ratzinger am 2.4.1987 nochmal bestätigt, indem er die Botschaften der „Frau aller Völker“ ablehnte und sowohl ihre Verehrung wie auch die Anrufung zur „Frau aller Völker“ untersagte.

Das Ja des niederländischen Bischofs Punt zu den Amsterdamer „Erscheinungen“ steht also im Widerspruch zum jahrzehntelangen kirchlichen Nein sowohl seiner Vorgänger wie auch des Vatikan.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

Nähere Infos über die kirchlichen Ablehnungen von Amsterdam hier: http://de.gloria.tv/?media=24933