Die „Erscheinungen“ von Schio enthalten viele irreführende Botschaften

Von Felizitas Küble

Heute ist für die Anhänger der  – kirchlich nicht anerkannten –  Erscheinungen von San Martino de Schio ein wichtiger Tag, denn am Palmsonntag fand in diesem norditalienischen „Gnadenort“ um 15 Uhr die „Weihe Europas an das Unbefleckte Herz Mariens“ statt, dem sich möglichst viele Menschen „geistig anschließen“ sollten.
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Der am 2.9.2004 verstorbene „Seher“ Renato Baron will seit 1985 hunderte von Christus- und Marien-Visionen erlebt haben; jene angeblichen Botschaften des Himmels werden vierteljährlich in der Zeitschrift „Königin der Liebe“ wiederholt und ausgelegt.
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Zudem wird dabei über allerlei wundersame Ereignisse berichtet, die sich in Shio ereignet haben sollen, z. B. „übernatürlicher“ Rosenduft am „Gnadenbrunnen“, eine atmende, gleichsam lebendige Jesuskind-Statue und dergleichen Mirakel mehr.
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Die von Renato Baron gegründete „Marianische Bewegung Königin der Liebe“ hat  – wie bereits erwähnt – keine kirchliche Approbation (Erlaubnis, Gutheißung, Anerkennung) erhalten. Das scheint die leichtgläubigen Anhänger nicht weiter zu stören; anscheinend ist diese Privatoffenbarung für sie eine Art „fünftes Evangelium“, wie man das bei den Apparationisten (Erscheinungsbewegten) öfter erlebt.
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Nehmen wir als Beispiel für die inhaltlich teils banalen, teils theologischen unsinnigen Aussagen eine x-beliebige Ausgabe der Zeitschrift „Königin der Liebe“, nämlich das Heft Nr 99: http://www.reginadellamore.org/wp-content/uploads/2016/12/99-Ko%CC%88nigin-der-Liebe.pdf
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Auf S. 6 wird eine Marienbotschaft an Renato Baron vom 13. Juli 1991 zitiert, worin es u.a. heißt:
 „Meine Kinder, ihr seid die Werkzeuge für meinen mütterlichen Heilsplan. Danke, weil ihr mich tröstet und bereit seid, mit mir zu arbeiten. Gemeinsam werden wir das Schöpfungswerk zu seinem ursprünglichen Glanz zurückführen, indem wir jeden Menschen zur Heiligung führen.
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Christus ist offenbar überflüssig, der göttliche Heilsplan wird durch einen „mütterlichen“ ersetzt. Die Botschafts-Anhänger werden also gemeinsam mit der „Madonna“ das Schöpfungswerk „zu seinem ursprünglichen Glanz zurückführen“ – und dabei nichts weniger als „jeden (!) Menschen zur Heiligung führen“.
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Diese Aussagen sind von satanischem Hochmut geprägt, weil sich hier Geschöpfe anmaßen, Gottes Heilswerk ausführen zu können – und zudem wird indirekt die Allerlösung gelehrt, denn der erscheinungsbewegte Fanclub mit der angeblichen Himmelsmutter an der Spitze führt ja immerhin „jeden“ Menschen zur „Heiligung“ – und damit logischerweise auch zum Heil. Die Hölle hat offenbar ausgedient!
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Auf derselben Seite 6 wird eine weitere Marien-Botschaft  – jene vom 17. Juli 1991 –  zitiert:
„Ich erlange euch die Gabe des Heiligen Geistes, die es euch erleichtert, das Wort Gottes aufzunehmen, das euch leben lassen wird, damit sich durch euch die ganze Erde erhelle und sich der große Wunsch Jesu verwirkliche: Seine Liebe in jedem Menschen wachsen zu lassen.“
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Tatsache ist hingegen, daß wir die „Gabe des Heiligen Geistes“ bereits durch die Taufe erhalten; zudem die Sieben Gaben des Hl. Geistes durch das Sakrament der Firmung – und nicht durch eine Marienerscheinung oder den (Irr-)Glauben daran.

Falschmystisches Verdrängungs-Prinzip

Hier zeigt sich beides Mal deutlich das für die Falschmystik typische Verdrängungs-Prinzip: Bewährte Glaubenswahrheiten werden durch irreführende, aber fromm klingende Aussagen verdeckt und an den Rand gedrängt – genauer gesagt: ersetzt.
Auf S. 12 ist ein weiteres typisches Merkmal der Falschmystik deutlich erkennbar, nämlich ein falsches Sendungsbewußtsein. Am 6.1.1996 soll Jesus dem Seher Baron folgendes geoffenbart haben:

„Ich habe euch in das größte Werk eingefügt, das Gott der Kirche schenken will. Es ist der Weg der göttlichen und menschlichen Liebe, der den Namen Maria trägt. Die wahre Offenbarerin meines Werkes der Liebe, die Unbefleckte des Heiligen Geistes, wird mit ihrem brennenden Herzen das ganze Feuer der göttlichen Liebe schenken. Das Werk wird die Kirche retten…Das kleine Heer muss alle Heiligkeit der Geschichte in sich zusammenfassen. Jedes Mitglied wird auf seinen Schultern die Kreuze aller jener tragen, die das Heil zurückweisen. Darum wird, wer dies annimmt, heilig sein.

Alles klar: Die Anhängerschaft von Schio „wird die Kirche retten“, ist dies doch „das größte Werk, das Gott der Kirche schenken will“. – Natürlich soll die fromme Schar bzw. das „kleine Heer“ nichts weniger als „alle Heiligkeit der Geschichte in sich zusammenfassen“   –  und sie bewähren sich (wie in diesen Kreisen üblich) als besonders großartige Opferseelen  –  und wer zur getreuen Schar dieser Sühneseelen gehört, „wird heilig sein“  –  aber sicher doch!

So wird zu all den Irrtümern noch dazu eine gefährliche, vermessentliche Heilssicherheit gelehrt – ja sogar eine Heiligkeitsgewißheit. Damit wird ein verhängnisvoller Sumpfboden für geistlichen Hochmut und für Verblendung gelegt.

Doch das ist bei derlei „Botschaften“ bekanntlich nichts Neues unter der Sonne.

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1500 „Botschaften“ in San Martino di Schio

Marianische „Privatoffenbarungen“ an Renato Baron

Die „Erscheinungsstätte“ San Martino liegt in der oberitalienischen Stadt Schio in der Provinz Vicenza.

Seit dem 25.3.1985 will Renato Baron dort etwa 1500 „Botschaften“ der Gottesmutter erhalten haben, die sich bei ihren Erscheinungen als „Königin der Liebe“ vorgestellt habe. Die Privatoffenbarungen von Schio sind kirchlich nicht anerkannt.

Die erste Vision soll sich beim Beten vor einer Marienstatue ereignet haben, die sich angeblich plötzlich bewegte und Folgendes zu Renato Baron sprach:

„Ich habe dich auch gestern erwartet. Von heute an wirst du immer hierher kommen, denn ich muss mit dir über so viele Dinge reden, und dann… wirst du sie aufschreiben, aber inzwischen warte noch. Komm morgen und ich werde dir den Rest sagen.“

Der „Rest“ bestand aus weiteren 1500 „Offenbarungen“ besagter „Königin der Liebe“ zwischen dem 25.3.1985 und dem 2.9.2004, wobei die Erscheinung mitunter einen unerklärlichen „Rosenduft“ hinterlassen habe.

Tausende von Anhängern sammelten sich in einem „Werk der Liebe“, wozu auch eine spezielle „Marienweihe“ gehört.  Der Visionär Renato starb am 2.9.2004 im Alter von 71 Jahren, wobei sein Leben fast 20 Jahre lang von Visionen geprägt war.

Die vermeintlichen „Botschaften des Himmels“  enthalten freilich zahlreiche theologische Merkwürdigkeiten und Irrtümer. Überdies enden sie häufig mit dem sentimentalen Schlußsatz: „Ich drücke euch alle an mein Herz“ oder „Ich drücke euch an mich“.

Es fällt auf, daß von Christus nur selten die Rede ist. Zahlreiche „Botschaften“ beginnen mit den Worten: „Verherrlicht mit mir den Vater“ oder „Lobpreisen wir in Ewigkeit den Vater“ oder „Singt mit mir Ehre dem Vater.“   –  Warum fehlen Christus und der Heilige Geist?

Die „Offenbarungen“ sind zudem nicht frei von merkürdiger Panikmache; so soll die Erscheinung gesagt haben: „Ich könnt nicht sehen, was ich sehe, aber ich versichere euch, daß das, was ich sehe, schrecklich ist“, wie die Zeitschrift „Leben“ (Nr.96, S.15) in einem Jubelartikel über Schio berichtet.

Am 16. April 2000 soll die „Madonna“ dem „Seher“ und seiner Schar erklärt haben:

„Ich seid der Same, den ich gesät habe, um in meiner Kirche die Liebe aufgehen zu lassen; seid also nur Liebe. Das Werk, das mit euch begonnen hat, ist das neue Antlitz der Kirche  – und die Kirche, die Jesus ganz umgewandelt haben möchte in ein Werk der Liebe, in eine einzige Kirche der Liebe, wird das Antlitz des Werkes haben.“

Es handelt sich hier um offensichtlichen Unfug sowie Irrlehren:

1. Die katholische Kirche ist die Kirche Christi. – Maria ist ihr Urbild und Leitbild, ihre heiligste Tochter, aber sie ist nicht Stifterin bzw. Begründerin dieser Kirche.

2. Wir sollen als Christen keineswegs „nur Liebe“ sein, sondern auch die göttlichen Tugenden des Glaubens und der Hoffnung verinnerlichen, zudem Werte wie Wahrheit und Gerechtigkeit.

3. Warum sollte erst nach 2000 Jahren in der Kirche „die Liebe aufgehen“  – war dies bislang nicht der Fall?!

4. Es ist offensichtlich irreführend, wenn behauptet wird, Jesus wolle die Kirche „ganz umgewandelt“ haben in ein „Werk der Liebe“  –  war sie dies als Stiftung Christi nicht immer schon?!

5. Die künftig „ganz umgewandelte“ Kirche soll also das „Antlitz“ tragen vom „Werk der Liebe“, das mit dem Visionär Renato Baron begonnen habe. Damit wird die Kirche Christi mit dem Fanclub einer bestimmten „Erscheinung“ verknüpft, was ebenso unsinnig wie sektiererisch ist.

Es erübrigt sich, die weiteren ca. 1500 „Botschaften“ zu analysieren, wenn bereits eine einzige dieser „Offenbarungen“ derart von Irrlehren geprägt ist.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster