Visionärer „Rosenkranz zum Jesuskind“: Herkunft unklar, Inhalt fraglich bis unsinnig

Von Felizitas Küble

Während der klassische, seit Jahrhunderten bewährte Psalter (der freudenreiche, schmerzhafte und glorreiche Rosenkranz) die biblisch grundgelegten Glaubensgeheimnisse in den Mittelpunkt des Gebetes rückt, handelt es sich bei den Extra-Rosenkränzen  –  die meist auf angebliche „Visionen“ zurückgehen  –  in der Regel um fromme Verse und Anmutungen, die zwar nicht direkt unrichtig sind, aber reichlich kindlich bis fraglich; in keinem einzigen Fall erreichen sie die gehaltvolle Qualität des überlieferten Schneeflocke-DSC_0409-3Rosenkranzes.  

Ein Beispiel dafür ist auch der sogenannte „Rosenkranz zum Jesuskind“ (nicht zu verwechseln mit dem weitaus älteren Jesuskind-Rosenkranz im Zusammenhang mit der Verehrung des Prager Jesuleins).

Hier wird diese Andacht beispielsweise propagiert: http://www.rosenkranzgebete.de/jesus/rosenkranz-zum-jesuskind/herkunft-des-rosenkranzes/index.php

Dieser „Rosenkranz zum Jesuskind“ geht auf eine Sonderbotschaft zurück, wobei die visionäre Person namentlich nicht erwähnt wird. Dies allein macht schon stutzig.

Es heißt dann weiter: „Die allerheiligste Jungfrau Maria gibt diesem Rosenkranz ein Privileg:  Wer auch immer ihn in irgendeinem Bedürfnis beten wird, wird schnell erhört werden.“

Verstiegene Zusagen und Versprechungen

Diese „Verheißung“ ist nicht nur reichlich gewagt, schlichtweg verstiegen, zumal von „irgendeinem Bedürfnis“ die Rede ist. Der allmächtige Gott läßt sich nicht durch eine bestimmte Formel oder einen Sonder-Rosenkranz gleichsam zur Gebetserhöhrung „zwingen“.

Daran ändert auch folgende Hinzufügung nichts: „Das Jesuskind wirkt schnell und unverzüglich.  Nichts verweigert der himmlische Vater dem göttlichen Kind.“  – Gerade Christus selbst lehrt uns doch im Vaterunser die Bitte: „Dein Wille geschehe!“  – Gottes Wille möge also geschehen, nicht der unsrige (auch nicht unter einem scheinbar „frommen“ Mäntelchen).

Zudem heißt es, das Jesuskind habe der visionären Person gesagt: Um was du auch immer bitten wirst, werde ich dir geben – wirst du erhalten. Merke es dir!“

Abgesehen davon, daß Gott sich nicht zu widerholen braucht („werde ich dir geben, wirst du erhalten“), entspricht auch diese Zusage nicht der Haltung, wie sie Christus gelehrt und vor seinem Leiden und Sterben selber vorgelebt („Nicht mein, sondern dein Wille geschehe!“) hat.christus

Falschmystisches Verdrängungsprinzip

Statt der freudenreichen, schmerzhaften oder glorreichen Glaubensgeheimnisse, die wir beim „normalen“ Rosenkranz beten, soll hier die folgende Formel gesprochen werden:

„Jesuleins Herz, geboren aus der allerheiligsten Jungfrau Maria im Bethlehems Stall – segne die ganze Menschheit, erneuere ihre Herzen, umstrahle die Familien, lehre sie Gott lieben.“

Abgesehen davon, daß die Gottesmutter nicht allein „Jesuleins Herz“, sondern den ganzen Christus geboren hat, fragt man sich, warum die Gebetsbitten theologisch eher nebensächlich sind:

„Erneuere ihre Herzen“: Welche Herzen? Etwa die der „ganzen Menschheit“?

Was heißt sodann: „Umstrahle“ die Familien?  – Und warum sollen allein die Familien „Gott lieben“? 

Weshalb ist hier nirgends von Erlösung die Rede? Das wichtigste Heilsgeschehen durch Christus ist nicht der Segen oder die „Herzenserneuerung“, auch nicht das „Umstrahlen“ der Familien, sondern die Rettung der Menschen aus ihrer Verlorenheit.   media-390606-2 - Kopie

Wie so oft bei fromm klingenden  „visionären“ Botschaften wird also das Wesentliche, das Entscheidende durch etwas weniger Wichtiges oder gar Fragwürdiges  v  e  r d r ä n g t  (falschmystisches Verdrängungsprinzip).

Die angeblich „begnadete“ Person, welche diesen Extra-Rosenkranz angeblich von „oben“ erhielt, berichtet außerdem, daß der „ganze Himmel“ diesen Rosenkranz ebenfalls bete, ja sogar folgendes wird geschildert: „Das Jesuskind kniete in der Luft nieder, faltete die Händchen zum Gebet und betete zusammen mit mir den Rosenkranz.“

Dies ist offensichtlich blühender Unfug, zumal auch das Vaterunser zum Rosenkranz gehört; der Gott-Mensch hat es natürlich nicht selber gebetet, sondern seine Jünger aufgefordert: „So sollt ihr beten!“  – Wie sollte denn Christus z.B. sagen: „Vergib uns unsere Schuld“ oder „Und erlöse uns von dem Bösen“.  – ER bedarf ja keiner Erlösung, sondern ER ist selber der Erlöser.

Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt


Von den Merkwürdigkeiten eines Wunderbildes der „heiligen Familie“

Von Felizitas Küble

Dieses vermeintliche Wunderfoto kam mir bereits öfter in die Hände. Ich sah es auch in etlichen Wohnungen erscheinungsbewegter Katholiken. Obwohl ich einer Bekannten in Münster vor ca. zehn Jahren meine kritischen Einwände nannte, hängt es dort immer noch.  media-433119-2

Es sei dahingestellt, ob dieses Bild einer „übernatürlichen“ (also in Wirklichkeit „unterirdischen“) Quelle entstammt oder lediglich die Fälschung (Fotomontage, Gemälde) eines Zynikers ist, der naive Gläubige gerne hinters Licht führen will.

Dieses Wunderfoto ziert auch die Bände der falschmystischen Botschaften „Die Vorbereitung“ (ein ähnlicher Unsinn wie jene der „Warnung“). Zudem findet man es dort auf deren Internet-Startseite: http://www.dievorbereitung.de/index.html

Auch bei „Warnungs“-Anhängern wird dieses wundersame Bild gerne verbreitet, zB. auf der Fanseite von Herrn Roemer. Interessanterweise taucht er es ganz in eine orange Farbgebung ein  –  und dies wohl nicht ohne Grund: https://ssl.kundenserver.de/jochen-roemer.de/Gottes%20Warnung/images/Die%20Heilige%20Familie.jpg

Zunächst einige Anmerkungen zur äußeren Gestalt des Bildes:

  1. „Maria“ strahlt keine Warmherzigkeit aus, alles wirkt ziemlich „spitz“, auch der Augenausdruck mit Tendenz zum stechenden Blick.
  2. Die Fingerhaltung „Josefs“ ist unnatürlich: Man versuche selbst, die Hand so merkwürdig zu halten  –  das ist allenfalls mit großer Anstrengung möglich. Zudem ist der fünfte Finger viel zu lang.
  1. Das „Christkind“ könnte der Nivea-Werbung der 50er Jahre entstammen. Die Ohren sind zu groß und zu tiefliegend. Das Baby hat eine „Geheimratsecke“, als wäre es 70 Jahre alt: rechts oben fehlt das Haar bis zum Hinterkopf, dafür ist es vorne zu weit in die Stirn hineingewachsen.
  1. Wenn die Sonne scheint (links oben), können nicht zugleich die Sterne funkeln.
  2. Die „Heilige“ Familie kommt direkt aus der Dunkelheit, was freilich  h i e r  –  bei „Licht“ betrachtet  – sehr passend ist. Logisch wäre es an sich, daß der Priester die hl. Messe in einem zumindest halbdunklen Raum feiert (eine Kirche ist kein Sonnenstudio)   –  und die heilige Familie aus einem hellen himmlischen Licht kommt.

6. Das Schlimmste jedoch: das „Jesuskind“ ballt die Faust gegen den Priester bzw. die heilige Hostie.

Soll die wirkliche Bedeutung der hl. Messe verdrängt werden?Kreuzkuppel

Zudem ist das Bild insgesamt theologisch unsinnig, denn die hl. Messe ist keine sakramentale Vergegenwärtigung der heiligen Familie, sondern des Kreuzesopfers Christi.  –  Soll diese Glaubenswahrheit durch einem fromm wirkenden Kitsch unterschwellig verdrängt werden?

Auf der Rückseite eines mir vorliegenden Exemplares dieses Wunderfotos wird die angeblich übernatürliche Entstehung geschildert, ergänzt durch die Aussagen einer ebenso anonymen wie  „begnadeten“ Person:

Jemand habe einen Priester bei einer hl. Wandlung fotografiert, wobei dieses Bild herausgekommen sei. Man erfährt aber nicht, wo die hl. Messe stattfand, w e r  der Fotograf war und w e r  jene „begnadete Person“ ist, die das Bild als wunderbar „bestätigt“ bzw. als himmlische Gnadenquelle verherrlicht.

Zu den Aussagen der „Begnadeten“ sei zudem festgestellt:

1. Diese seltsame „Logik“ dreht sich natürlich im Kreise, wenn eine falschmystische Quelle durch eine andere falschmystische Quelle „bestätigt“ wird.  Das ist etwa so, wie wenn die „Madonna“ von San Damiano versichert, daß die Erscheinungen von Heroldsbach echt seien…Natürlich befürworten sich die verschiedenen Irrgeister gegenseitig!

2. Die „Offenbarung“ der  angeblich Begnadeten kann schon deshalb nicht von „oben“ stammen, weil sie die unzutreffende Ansicht äußert, daß durch ein Bild (noch dazu durch dieses Bild!) direkt Gottes „Gegenwart“ ins Haus komme. Die katholische Kirche hat stets daran festgehalten, daß wir nicht die Bilder (oder Statuen) als solche verehren, sondern die himmlischen Personen, die sie darstellen; es geht also um eine symbolische Bedeutung, keine quasi-sakramentale, sonst wäre dies magisch gedacht bzw. abergläubisch untermalt.

Ein religiöser Andachtsgegenstand wird zu einem Sakramentale, wenn er von einem Geistlichen nach kirchlichem Ritus gesegnet wird. Von einer solchen Weihe bzw. Segnung ist in der Botschaft der „Begnadeten“ aber nicht die Rede.

Somit wird zu einem verstiegenen, tendenziell fetischistischen Bilderkult angeregt, der nicht katholisch ist und mehrfach kirchlich abgelehnt wurde. (Nachzulesen etwa im „Catechismus Romanus“, dem jahrhundertelang verbindlichen Weltkatechismus, zB. auf S. 276 im dritten Teil, 2. Hauptstück.)

Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.


Italien: Neuer „Seher“ Mario aus Brindisi tourt bald durch Deutschland

Von Felizitas Küble

Italien gehört sicherlich zu einem von Visionären und besonders „begnadeten“ Personen stark bevölkerten Land. Es wäre ermüdend, die dortige Fülle kirchlich nicht anerkannter Erscheinungsstätten aufzuzählen… Scannen0007

Auch Seher Mario, ein junger Mann aus Brindisi, gehört zu jenen „Sühneseelen“, die der Himmel vorzüglich erwählt hat, um der Menschheit eine bedeutende Botschaft zu übermitteln. Bei „Christus-Erscheinungen“ wird er angeblich als „Kleiner Mario della Quercia“ (von der Eiche) angesprochen. 

Der italienische Visionär erhält  –  eigenen Angaben zufolge  –  seit Jahren Visionen und Einsprechungen von Jesus und Maria; auf der Botschafts-Homepage sind überdies zahlreiche Fotos von einer „Stigmatisation“ Marios veröffentlicht, wobei er merkwürdigerweise neben den Handflächen auch Stigmen (angebliche Wundmale Jesu) an seinen beiden hinteren Unterschenkeln aufweist (statt wie in solchen Fällen üblich an den Füßen).

Wie dem auch sei, jedenfalls will sich der mit vorzüglichen „Gnaden“ ausgestattete Visionär Mitte Oktober 2015 zu einer Tour durch Deutschland begeben, zB. nach Bitburg, Marienberghausen und ins oberschwäbische Amtszell.

Auch in seinem Heimatort in Brindisi findet an jedem 4. Tag des Monats ein Gebetsabend im „Gesegneten Garten Mariens“ statt, zu dem meist mehrere hundert Teilnehmer kommen. Am nächsten Tag ist ebenfalls Gebetstag mit Prozession  – und zudem jeweils pünktlich eine „Erscheinung der Muttergottes“, natürlich ebenfalls in jenem gesegneten Hof rund um einen Olivenbaum, der sich in direkter Nähe zum Flughafen von Brindisi befindet, was für weit herreisende Pilger zweifellos sehr praktisch ist.

Der „Seher“ teilt in einem Interview mit, daß er neben den Erscheinungen auch eine Art „Herzensschau“ empfangen hat:

„Die Madonna kann dich in jedem Augenblick des Tages bezüglich der Menschen, die zu dir kommen, erleuchten. Die Muttergottes führt dich beständig geistlich und innerlich und enthüllt dir etwas aus dem Leben der anderen. Es gibt so viele Dinge.“
Fotolia_23885701_Konzert_470x_

Bei entsprechender Neugier hinsichtlich des „Lebens der anderen“ gibt es sicherlich „viele Dinge“. Der Visionär fügt noch hinzu:Ein so großes Phänomen kann man in so kurzer Zeit nur schwer beschreiben.“

Natürlich fehlt es nicht an weiteren „Zeichen und Wundern“, darunter Blut-Tränen auf Statuen im „Gesegneten Garten Mariens“, sonstigen Andachtsgegenständen  –  selbst Kopien der visionären „Botschaften“ bleiben von derlei Phänomenen nicht verschont. (Näheres hier: http://brindisi-marienerscheinungen.jimdo.com/zeichen-wunder/)

Weiter heißt es dort: „Maria sagt, dass sie und ihr Sohn reichlich Blut vergießen, aufgrund der vielen schweren Sünden, die begangen werden.“

Bislang ging die Christenheit davon aus, daß Christus vor zweitausend Jahren sein Blut am Kreuz vergossen hat, um die Sünden der Welt zu sühnen. Aber vielleicht weiß es Mario aus Brindisi einfach besser?

Angeblich besucht ihn die Madonna unter dem Titel „Jungfrau der Versöhnung“ sowie „Königin und Mutter der Hoffnung“.
131223-stern-von-bethlehem_b87bfae72c

Am 13. August 2009 soll Christus selbst ihm erschienen sein und ihm die Stigmata angekündigt haben (siehe hier: http://brindisi-marienerscheinungen.jimdo.com/ereignisse-botschaften-2009/) – und zwar wie folgt:

„Mein Sohn, nicht mehr lange und ich werde dir an meiner Passion und an meinem Kreuzestod Anteil geben: Ich werde dir meine Wunden als ein Geschenk der Liebe einprägen. Sie werden viele Sünden sühnen und die tausendfachen Beleidigungen der heiligsten Dreifaltigkeit wiedergutmachen.“

Auch hier entsteht der Eindruck, als solle das Heilsopfer Christi verdrängt werden, denn der göttliche Erlöser selber ist es schließlich, der sühnt und wiedergutmacht – und nicht etwa der Seher Mario.

Wie in solchen Fällen üblich, wird gerne mit „Zuckerbrot und Peitsche“ hantiert: Große Gnaden dürfen die Anhänger erwarten, schlimme Strafen drohen hingegen den Kritikern. So soll Christus dem Seher gesagt haben:Es ist nicht von Bedeutung, wenn dich manche verfolgen. Sie sind Mitarbeiter des „Tieres“, und wenn sie keine Buße tun, werden sie dem Verderben anheim fallen.“

Allein schon dieser Gesichtspunkt verweist diese Visionen ins Reich des Aberglaubens.



Erhielt Prof. Albert Drexel wirklich „Botschaften“ von Christus?

Von Felizitas Küble

Seit Jahrzehnten werden in traditionsbewegten Kreisen die Bücher von Prof. Dr. Albert Drexel (1889 – 1977) verbreitet.

Der katholische Priester, Völkerkundler und Theologe aus Hohenems im österreichischen Vorarlberg hat nicht nur Sachbücher veröffentlicht, sondern erhielt Anfang der 70er Jahre  –  eigenen Angaben zufolge  –  auch direkte übernatürliche Einsprechungen von Christus selbst.  christus

Angeblich erklärte der HERR dem Professor in den Jahren 1970 bis 1972 in nächtlichen Freitags-Visionen, wie es in Kirche und Welt zugeht und wo der Schlüssel zur Lösung der Probleme liegt.

Die erscheinungsbeflissene Zeitschrift „Mystik“ (Nr. 1/2009), die der Lippstädter Journalist Claus P. Clausen herausbrachte, war wie so oft des Lobes voll: „Drexel war ein glaubenstreuer Priester und Prophet.“ 

Das theologisch unterbelichtete Blatt bevorzugte „himmlische“ Panik-Botschaften über den bevorstehenden Weltuntergang und setzte sich besonders stark für das seinerzeit kirchlich gemaßregelte „Engelwerk“ und die vom Vatikan abgelehnten „Marienerscheinungen“ von Heroldsbach ein.

Im Rahmen seines Artikels über Drexels Visionen schreibt Clausen: „Das Werk der hl. Engel geht auf Gott zurück.“ –  Wenn das so einfach ist, erübrigen sich freilich alle innerkirchlichen Debatten von selbst…

Das Engelwerk „rettet“ die Kirche…

Sodann zitiert die Zeitschrift eine Vision Drexels vom 7.8.1970 mit angeblichen folgenden „Worten des Heilands“: Marienstatt-DSC_0111-3

„Ich habe zu dir von den heiligen Engeln gesprochen und sage dir, dieses Werk ist ein Werk der Vorsehung Meines himmlischen Vaters und ein Werk für die Rettung der Kirche Roms in der gegenwärtigen und kommenden schweren Verwüstung, Unruhe und Zerstörung.

Von Priestern, den geweihten Dienern und Hirten der Kirche, ist das Unheil in der Kirche ausgegangen, durch Priester, die diesem Werke ausdrücklich oder innerlich angehören, wird die Kirche gerettet.“

Zweifellos eine eindeutige Ansage, schwarz und weiß sind klar getrennt, Schafe und Böcke geschieden: Von Geistlichen ist „das Unheil“ ausgegangen, durch Engelwerkspriester wird „die Kirche gerettet“.

Obwohl die Kirche sich ablehnend über die Privatoffenbarungen der Engelwerks-Gründerin M. Bitterlich äußerte, erfahren wir nun, daß es sich hierbei um ein Werk des Himmels handelt.

Auch Maria von Agredas Visionen sind „von oben“…

Aber auch die kirchlich ebenfalls nicht anerkannten Marienvisionen der spanischen Nonne Maria von Agreda sind ein Werk der „Vorsehung“, wie wir der „Botschaft des Heilands“ vom 4.12.1970 entnehmen dürfen:
media-377708-2
 „Darum war die Vorsehung des himmlischen Vaters am Werke, als sie die Bücher der Offenbarungen an Meine heilige Tochter Maria zu Agreda zur Verherrlichung der heiligsten Jungfrau neu erstehen ließ und dazu Menschen als Helfer wählte.“

Zugleich bieten die „Botschaften“ an Drexel die in diesem Spektrum übliche Mischung aus „Zuckerbrot und Peitsche“, Panik-Offenbarungen wechseln sich mit Endzeitschwärmereien, so zB. bei der im „Mystik“-Heft zitierten Vision vom 1.1.1970:

„Es wird eine Zeit der Finsternis und zugleich eine Zeit der Leuchtens sein. Während die Saat der Bösen und der Gottlosen in Verderbnis enden wird, wird die Saat der Gläubigen zu einer reineren und schöneren Kirche erblühen.“

Kirche steckte in „schwerster Prüfung aller Zeiten“

Clausens zweite Publikation, der wöchentlich erschienene „Schwarze Brief“, brachte mit seiner Nr. 2/2009 ein „Sonderblatt“ heraus. Dort werden die angeblich himmlischen „Botschaften“ an Prof. Drexel weiter dokumentiert.

So heißt es zB. bei den „Worten des Heilands“ vom 5.5.1972, der Visionär erhalte „besondere Gnaden“ um seiner „Aufgabe“ willen vom allwissenden Gott für diese Zeit, „in der Meine heilige Kirche der schwersten Heimsuchung und Prüfung aller Zeiten ausgesetzt“ sei.
0022

Warum, so fragt man sich, soll jene Phase Anfang der 70er Jahre für die Kirche die schlimmste „aller Zeiten“ gewesen sein?!

Aber je dunkler die Zeit, desto heller leuchtet des Sehers Werk, klar doch: „Für diese böseste, gefährlichste und verworrenste Zeit war dein Leben und deine Aufgabe vorgesehen.“   –  Auch das vom Visionär zu schreibende Glaubensbuch ist natürlich das, so wörtlich, „notwendigste Buch für jetzt und die Zukunft“, wie es in der „Botschaft“ vom 7. Juli 1972 heißt.

Die Drexel-Visionen erfreuen sich im traditionellen Lager großer Zustimmung, obwohl dort z.B. unter dem vorhin erwähnten Datum davon die Rede ist, die „eigenen Söhne der Kirche“ seien unter „Satans Eingebung“ darauf erpicht, „den Geist des großen Konzils zu verfälschen“.   – Das 2. Vatikanum und sein „Geist“ wird sonst in diesen Kreisen mitnichten als „groß“ eingeschätzt.

Falschbehauptung: „Priester verlassen ihre Weihe“

Theologisch völlig falsch ist das vermeintliche Jesuswort an Prof. Drexel vom 4.8.1972:DSC_0722-2-3

„Während mein Sohn Paulus“ (gemeint ist Papt Paul VI.) in Tränen und in Schweiß um die Rettung der Kirche ringt und in unsagbarem Schmerz täglich Kenntnis von den Priestern bekommt, die ihre Herde, ihre Weihe und ihr Amt verlassen…“

Kein Priester, selbst wenn er komplett vom Glauben abfallen oder gar zu einer Satanssekte überwechseln würde, kann seine WEIHE verlassen, weil das Sakrament der Priesterweihe dem Empfänger bekanntlich ein unauslöschliches Merkmal einprägt. Gerade weil Drexel selber Priester war, hätte er dies genau wissen müssen.

Daher kann ein Priester zwar sein „Amt“, aber nicht seine Weihe verlassen. Allein schon wegen dieser theologisch offensichtlich falschen Aussage können die Drexel-Botschaften nicht von Christus stammen, da ER die Wahrheit selber ist!


Warum diese „Vision“ von Pater Pio nicht himmlischen Ursprungs sein kann

Von Felizitas Küble

Auf der traditionsbewegten Internetseite „Katholisches.info“ erschien am 29. Oktober 2014 ein Beitrag, der von einer Jesus-Erscheinung berichtet, die der berühmte Pater Pio schon in jungen Priesterjahren erlebt haben will. christus

Sofern jene Vision überhaupt korrekt überliefert wurde, sollten wir vorweg bedenken, daß selbstverständlich auch Heilige von unechten „Erscheinungen“ und „Offenbarungen“ genarrt werden können, denn Heiligkeit beinhaltet durchaus nicht Vollkommenheit oder gar Allwissenheit.

Zudem bedeutet eine Heiligsprechung keineswegs, daß das betreffende Vorbild immer schon heilig war und lebte, sondern daß jene Persönlichkeit zum Zeitpunkt des Todes einen heiligmäßigen, sog. „heroischen“ bzw. heldenhaften Tugendgrad erreicht hat.

Es ist in der Religionswissenschaft seit langem bekannt, daß sich sogar große Heilige hinsichtlich scheinbar „übernatürlicher“ Erfahrungen geirrt haben; bedenken wir zB. jene Marienerscheinung der hl. Kirchenlehrerin Katharina von Siena, bei der die seligste Jungfrau ihr erklärt haben soll, daß sie keineswegs unbefleckt empfangen worden sei. (Der Glaubenssatz von Mariens makelloser Empfängnis war damals im Hochmittelalter noch kein Dogma, sondern wurde unter Theologen kontrovers diskutiert.)

Warum sollte es nun bei Pater Pio nicht ebenfalls Visionen gegeben können, zumal in noch recht jungen Jahren, die offensichtlich nicht übernatürlichen Ursprungs sind?

Gerade die nun von „Katholisches.info“  –  freilich völlig unkritisch präsentierte  – „Jesus-Erscheinung“ enthält zahlreiche typische Merkmal der Falschmystik, was in diesem Fall zudem bereits auf den ersten Blick erkennbar ist.

Doch zunächst zum Bericht von „Katholisches.info“. Dort wird jene Erscheinung als „prophetische Schau des hl. Pater Pio“ gewürdigt und folgendermaßen eingeleitet:

„In unserer Zeit der Verwirrung, der Mystifizierungen, des Betrugs und des Irrtums, zu denen auch falsche „Propheten“ und eine falsche Flucht in zweifelhafte Prophezeiungen gehören, ist es besonders interessant, zu lesen, was der Heilige Pater Pio von Pietrelcina am 7. April 1913 seinem Beichtvater Pater Agostino schrieb. In diesem unter Leiden zustandegekommenen Brief beschreibt der Heilige eine Erscheinung, die er hatte.“

Zunächst hat die Redaktion natürlich recht, wenn sie allgemein vor falschen Propheten und „zweifelhaften Prophezeiungen“ warnt. Merkwürdig aber, wenn diese nüchterne Vorsicht gänzlich unterbleibt, sobald es um Pater Pio und jene Erscheinung geht, welche dieses Traditionsportal so blauäugig präsentiert.

Nachfolgend zitieren wir diese „Offenbarung“ Stück für Stück und kommentieren sie jeweils nach einem entsprechenden Abschnitt:

„Am Freitag morgen war ich noch im Bett, als mir Jesus erschien. Er war völlig entstellt und mitgenommen. Er zeigte mir eine große Zahl von Ordens- und Weltpriestern, unter ihnen hohe kirchliche Würdenträger. Ein Teil zelebrierte, ein Teil weigerte sich und ein anderer Teil legte die heiligen Gewänder ab.“

Warum ist Christus dem Geistlichen denn erschienen, als dieser noch im Bette lag?  –  Ist eine liegende Haltung wohl die passende dafür?  – Kann man sich liegend im Bett ohne weiteres hinknieen, um Christus anzubeten?  chrkn

Sodann: Warum war unser HERR denn „völlig entstellt und mitgenommen“?  Was heißt „entstellt“ angesichts der Tatsache, daß Christus GOTT ist, daß er im Himmel als der auferstandene und verklärte König des Himmels regiert, der zur Rechten des Vaters sitzt und wiederkommen wird in Herrlichkeit?!

„Der Anblick Jesu im Seinem Leiden betrübte mich sehr, weshalb ich Ihn nach dem Grund Seines Leidens fragen wollte. Ich erhielt keine Antwort. Sein Blick richtete sich jedoch erneut auf jene Priester. Doch kurz darauf wandte Er geradezu entsetzt Seinen Blick ab und richtete ihn zu meinem großen Entsetzen auf mich. Ich sah zwei große Tränen, die über Seine Wangen flossen. Er entfernte sich von den betrübenden Priestern mit einem Ausdruck der Abscheu auf seinem Gesicht und rief: „Metzger!“.“

Die Heilige Schrift verheißt uns, daß es im Himmel keine Tränen mehr gibt, keine Leiden und keinen Schmerz, sondern vollkommene Glückseligkeit in der Gottes- und Nächstenliebe. Wenn dies schon die geretteten Menschen dieses unendliche Glück so freudenreich erleben dürfen, um wieviel mehr gilt dies dann für GOTT selbst in seinem Sohn Jesus Christus!

Warum sollte unser göttlicher Erlöser jene Priester auf Erden, die nicht nach seinem Willen leben, als „Metzger“ bezeichnen? –  Eine völlig unsinnige Vorstellung, sowohl inhaltlich wie sprachlich!

„An mich gewandt sagte er: „Mein Sohn, glaube nicht, mein Todesleiden dauerte drei Stunden, nein; ich werde wegen der von mir besonders begünstigten Seelen bis zum Ende der Welt im Todesleiden sein. Während der Zeit meiner Agonie, mein Sohn, soll man nicht schlafen.“

Christus hat sein Heilsopfer ein für allemal auf Golgotha vollzogen; daher dauert sein „Todesleiden“ keineswegs an. Auch die heilige Messe ist keine Wiederholung des Kreuzesopfers, sondern die sakramentale Vergegenwärtigung dieses  e i n e n  einzigen Opfers auf Golgotha!

Foto: E. Gründler

Foto: E. Gründler

Daß Jesus angeblich deshalb „bis zum Ende der Welt im Todesleiden“ lebt wegen der von ihm „besonders begünstigten Seelen“, ist theologisch kompletter Unfug.

„Meine Seele ist auf der Suche nach einem Tropfen menschlicher Ehrfurcht und des Mitleids, aber sie lassen mich allein in ihrer Gleichgültigkeit. Der Undank und der Schlaf meiner Priester verstärken meine Agonie. Wie schlecht erwidern sie doch meine Liebe! Was mich am meisten betrübt ist, daß sie zu ihrer Gleichgültigkeit noch ihre Verachtung und ihre Ungläubigkeit hinzufügen.“

Diese „schmachtenden Seufzer“ nach menschlichem Mitleid etc. sind des göttlichen Erlösers unwürdig und können daher nicht von IHM stammen, ebensowenig der offensichtlich unzutreffende, weil verallgemeinernde Satz: „Der Undank und der Schlaf meiner Priester….“  – Es müßte dann vielmehr heißen: „Eines Teils meiner Priester“.

„Wie viele Male war ich drauf und dran sie dahinzuraffen, wäre ich nicht durch die Engel und die mich liebenden Seelen zurückgehalten worden … Schreib Deinem [Beicht]Vater und berichte ihm, was Du an diesem Morgen von mir gesehen und gehört hast. Sag ihm, er soll Dein Schreiben dem Vater Provinzial zeigen …“

Eine geradezu lächerliche Vorstellung, daß der himmlische Heiland „viele Male drauf und dran“ (!) war, die unwürdigen Priester „dahinzuraffen“ (!)  – und daß sein Zorn von „liebenden Seelen“ und Engeln „zurückgehalten“ wurde. Welch ein primitives Bild wird hier vom göttlichen Erlöser gezeichnet, der sich noch dazu als GOTT angeblich von Geschöpfen (!)  – nämlich frommen Seelen und Engeln  – in seinem Verhalten leiten und lenken läßt.

Zudem entsteht der Eindruck, als würden diese Geschöpfe eine Art „Mittler-Funktion“ zwischen dem Zornes-Jesus und uns sündigen Menschen einnehmen. In Wahrheit ist aber Christus selbst der Mittler zwischen dem himmlischen Vater und der ohne IHN verlorenen Menschheit.

„Jesus fügte noch anderes hinzu, aber das, was Er sagte, werde ich nie irgendeinem Geschöpf in dieser Welt enthüllen können. Diese Erscheinung verursachte mir solche Schmerzen im Körper, aber mehr noch in der Seele, daß ich den ganzen Tag liegenbleiben mußte und gedacht hätte, sterben zu müssen, wenn der süßeste Jesus mir nicht bereits enthüllt hätte.“

Das Christentum bietet keine „Geheimlehre“; es ist keine „Mysterienreligion“ für höher Eingeweihte und besonders „Erleuchtete“, sondern gründet auf einer klaren, für jedermann verständlichen Verkündigung.  Warum sollte nun Christus einem jungen Geistlichen rätselhafte Geheimnisse mitteilen, die der Priester „nie irgendeinem Geschöpf in dieser Welt enthüllen“ kann?

Fragen über Fragen, die aber eines enthüllen –  und das ist sicher kein Geheimnis: Diese Jesus-Erscheinung kann schon aus einfachen theologischen Gründen nicht vom Himmel selbst bewirkt sein.

Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.


Warum die Kirche seit jeher mit Erscheinungen und Visionen vorsichtig ist

Alle großen Heiligen warnen vor Erscheinungen. Sie wissen, dass die gefallenen Geister dem Menschen um ein Vielfaches überlegen sind, und ihnen ohne jede Schwierigkeit etwas vorgaukeln können.

Eine gewichtige Stelle findet sich im 2. Korintherbrief des hl. Apostels Paulus: „Denn diese Leute sind Lügenapostel, hinterlistige Arbeiter, die sich als Apostel Christi ausgeben. Und das ist kein Wunder  –   selbst der Satan erscheint als Engel des Lichtes.“ slider3-640x360

Auf diese Stelle nimmt der hl. Ignatius Bezug, wenn er vom Teufel in der Lichtgestalt spricht:

„Dem bösen Engel, der sich in einen Engel des Lichtes umwandelt, ist es eigen, mit der frommen Seele einzutreten und mit sich selbst wieder auszutreten, das heißt, er pflegt erst gute und heilige Gedanken, die einer solchen gerechten Seele entsprechen, einzuflößen, und dann versucht er langsam beim Weggehen, die Seele in seine versteckten Trügereien und schlechten Absichten hineinzuziehen.“ (Zweite Woche, Regel 4).

Hier ist die ganze Diabolität des teuflischen Wirkens noch einmal zusammengefasst:

Der Teufel tritt mit der frommen Seele ein, das heißt er sagt und bekennt das, was auch der frommen Seele zusagt und sie anzunehmen bereit ist, er tritt aber mit sich selbst wieder aus. Wenn er geht, hat er das Augenmerk der Seele ganz auf sich gerichtet und zwar so, dass es der Mensch in der ganzen Zeit nicht gemerkt hat.

Foto: Dr. Bernd F. Pelz

Foto: Dr. Bernd F. Pelz

Zur Frage, ob es sich nur um Phantasie oder um dämonisches Einwirken handelt, soll M. E. Grialou zur Sprache kommen:

„Meistens handelt es sich (…) nur um ein gewisses Einwirken des Satans auf die überreizte Phantasie, auf die durch Krankheit geschwächten Sinne oder auf Personen mit Veranlagung zur Schwermut. In diesen Fällen bemüht sich der Satan, Phantasiegebilde vorzugaukeln.

Anfangs nutzt er die körperliche Schwäche der betreffenden Personen oder ihr Verlangen nach außerordentlichen Gnaden aus und verleitet sie zu Abtötungen, die sie total erschöpfen.

Durch zunehmende physische Schwäche findet er in den Sinneskräften eine größere Empfänglichkeit für die von ihm bewirkten Vorspiegelungen und Sinneseindrücke. Der Teufel kann seine Macht umso besser ausüben, je weniger sich diese Menschen von der Vernunft leiten lassen.“

Theresia von Avila äußert sich in derselben Weise:

„Manchmal, ja oft kann es Einbildung sein, besonders bei Leuten mit kranker Phantasie oder bei Melancholikern – ich meine solche, die an besonders starker Schwermut leiden. Bei Menschen dieser beiden Gruppen darf man dem meiner Meinung nach kein Gewicht beimessen, auch wenn sie sagen, dass sie es sehen und hören und verstehen.

Man sollte sie aber nicht dadurch beunruhigen, dass man sagt, es sei der Satan; sondern sie anhören, wie man Kranke anhört. (…) Es ist freilich unumgänglich, die Sache insofern zu beachten, als man der betreffenden Person das innere Gebet untersagt und mit allen Kräften darauf hinwirkt, dass sie dem ganzen kein Gewicht beimisst; denn der Satan pflegt kranke Seelen dieser Art zu seinem Vorteil zu gebrauchen  –  wenn nicht zu ihrem eigenen Schaden, so doch zu dem von anderen.“ media-375643-2

Es stellt sich die Frage, wie weit der Teufel himmlische Erscheinungen nachäffen darf. Grialou gibt hier klare Antwort:

„Die übernatürlichen Gnadenerweise Gottes nachzuahmen, ist ein schwierigeres Kunststück. Doch auch daran wagt sich der Satan. Es gibt nicht viele außerordentliche Gnaden, die nicht ihr trügerisches Gegenbild fänden. Sobald sie der Satan beobachtet, scheut er keine Mühe, deren fühlbare Wirkungen zu reproduzieren.

Selbst wenn der Betrug sofort entdeckt wird, hinterlässt er bei seinem Opfer das Gefühl des Unbehagens. (…) Wird der Trug nicht bemerkt, kann er den Menschen in Irrtümer stürzen, die für ihn und seine ganze Umgebung gravierende Auswirkungen haben!“

Dies bestätigt auch Johannes vom Kreuz, der die Meinung vertritt, dass es keine außerordentliche Gnade gibt, die der Satan nicht nachahmen dürfte:

Wenn (die Seele) etwa durch einen guten Engel echte Visionen erhält (…), so gibt Gott doch auch dem bösen Geist Erlaubnis, ihr entsprechende falsche Visionen vorzuspiegeln, die, wie es häufig geschieht, eine unvorsichtige Seele zu täuschen vermögen.“ (Nacht, II 23,7)

Wer immer also von irgendwelchen Erscheinungen hört, muss um dieses Wirken des Satans Bescheid wissen, sonst wird er Opfer der größten Leichtgläubigkeit. (…)

Man muss man immer wieder an die Worte Christi denken: „Es werden falsche Messiasse und falsche Propheten auftreten und Scheinwunder wirken!“

Auszüge aus einem Beitrag von Pater Andreas Steiner FSSPX im „Mitteilungsblatt“ der Piusbruderschaft vom April 2008  – Pius-Webseite: http://pius.info/

 


Irreführende Botschaften der „Seherinnen“ Vassula Ryden und Myrna Koubet al-Akhras

Von DDr. Wolfgang F. Rothe

„Zu allen Zeiten ist der Kirche das Charisma der Prophetie gegeben, die geprüft werden muss, aber auch nicht verachtet werden darf“,  schreibt Kardinal Joseph Ratzinger in einem Kommentar, der im Jahr 2000 zusammen mit der „Botschaft von Fatima“ veröffentlicht wurde.  Rothe_Benedikt_Lit_Vers

Der Maßstab für die Echtheit und Bedeutung einer jeden Prophetie, mystischen Erfahrung und Privatoffenbarung ist das der Kirche anvertraute Glaubensgut.

BILD: Unser Autor, der katholische Priester und Kirchenrechtler Dr. Dr. Wolfgang Rothe (München), überreichte Papst Benedikt sein Buch „Liturgische Versöhnung“

Eine Privatoffenbarung kann nur dann und nur insoweit echt sein, so der damalige Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre, als sie nichts enthält, „was dem Glauben und den guten Sitten entgegensteht“.

Zu fragen und prüfen, ob eine bestimmte Privatoffenbarung mit dem Glauben übereinstimmt, ist daher kein Frevel, sondern ein Dienst am Charisma der Prophetie in der Kirche.

1. Einheit der Kirche / Einheit der Christen nach der katholischen Glaubenslehre

Unter den zahlreichen als Privatoffenbarung verbreiteten „Botschaften“ finden sich seit einigen Jahren vermehrt auch solche, die die Wiederherstellung der Einheit unter allen Christen zum Thema haben.

Wenngleich dieses Anliegen in den meisten Privatoffenbarungen der Vergangenheit und insbesondere auch bei den von der Kirche anerkannten eine eher geringe Rolle gespielt hat, ist dies an sich noch kein Grund, an ihrer Echtheit zu zweifeln  –  im Gegenteil: afc127c26a

Nach dem Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel gehört die Einheit zu den Wesensmerkmalen der Kirche und bildet damit einen Bestandteil des ihr anvertrauten Glaubensguts.

Wenn eine Privatoffenbarung dazu beiträgt, das Bewusstsein der Gläubigen für die Bedeutung der kirchlichen Einheit zu stärken, ist dies durchaus zu befürworten.

Einheit ist bereits Wesensmerkmal der Kirche  

Dasselbe gilt für die Bemühungen zur Überwindung der bestehenden Spaltungen und zur Wiederherstellung der Einheit unter den Christen. Eben weil die Einheit zum Wesen der Kirche gehört, hat das Zweite Vatikanische Konzil im Dekret über den Ökumenismus erklärt:

„Die Sorge um die Wiederherstellung der Einheit ist Sache der ganzen Kirche, sowohl der Gläubigen, wie auch der Hirten, und geht einen jeden an, je nach seinen Fähigkeiten“.

Dementsprechend enthält auch der geltende Codex des kanonischen Rechts (Kirchenrecht) in can. 755 § 1 die lapidare Festjesus in der synagoge von nazarethstellung, dass „die Kirche kraft des Willens gehalten“ ist, die Wiederherstellung der Einheit unter allen Christen zu fördern.

Wohlgemerkt: nicht die Einheit der Kirche, sondern die Einheit der Christen gilt es anzustreben.

Würde man nämlich davon ausgehen, dass die eine und einzige von Christus gegründete Kirche ihre ursprüngliche Einheit verloren hätte und in einzelne, mehr oder weniger gleichwertige Teile zerfallen wäre, dann könnte die Einheit wohl kaum länger als Wesensmerkmal der Kirche gelten.

Demgegenüber ist festzuhalten, dass es (nur) eine einzige von Christus gegründete Kirche gibt  –  und diese von ihrem Wesen her eine und einzige Kirche besteht in der katholischen Kirche.

Kein Ökumenismus des „kleinsten Nenners“

Von daher ist dem großen Anliegen der Wiederherstellung der Einheit unter allen Christen kaum etwas abträglicher als die gar nicht so selten anzutreffende Vorstellung, das Ziel des Ökumenismus bestünde in der Einigung und Zusammenführung der verschiedenen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften (einschließlich der katholischen Kirche) in einer künftigen, neu zu bildenden (und damit von der katholischen Kirche verschiedenen) ökumenischen Kirchengemeinschaft.

Damit würde man den Ökumenismus nämlich auf ein mehr oder weniger diplomatisch-kirchenpolitisches Unterfangen reduzieren, dessen Fundament und Maßstab nicht mehr im unverkürzten und unverfälschten Glaubensgut, sondern in Einigung und Kompromiss auf der Grundlage des kleinsten gemeinsamen Nenners und damit auf Kosten der Wahrheit bestehen würde.

2. Einheit der Kirche / Einheit der Christen nach Vassula Ryden

Derartige Vorstellungen von kirchlicher Einheit und Ökumene wurden lehramtlicherseits stets entschieden zurückgewiesen  –  nicht zuletzt auch dann, wenn sie mit dem Anspruch verbreitet wurden, auf einer Privatoffenbarung zu beruhen.  

So sah sich etwa die Kongregation für die Glaubenslehre am 6. Oktober 1995 veranlasst, eine Mitteilung (Notifikation) zu den angeblichen Privatoffenbarungen zu veröffentlichen, die eine gewisse Vassula Ryden empfangen zu haben behauptete.

Die in den „Botschaften“ dieser „Seherin“ enthaltenen Irrlehren bestanden nicht zuletzt in der zukünftigen Erwartung einer Art „panchristlichen Gemeinschaft“, einem ökumenischen Zusammenschluss aller christlichen Konfessionen unter Einbeziehung der katholischen Kirche.

VASSULA und die „ökumenische Unordnung“

Darüber hinaus rief Frau Ryden mitunter auch dadurch Verwirrung unter den Gläubigen hervor, dass sie  –  obwohl der griechisch-orthodoxen Kirche angehörend  –  unterschiedslos an den Sakramenten der katholischen Kirche teilnahm. 1547 - Kopie

Offenbar hielt sie sich für berechtigt, die von ihr propagierte künftige Kirchengemeinschaft gleichsam im vorauseilenden Gehorsam vorwegzunehmen und sich über jede kirchenrechtliche Ordnung hinwegzusetzen.

Auf diese Weise, erklärte die Kongregation für die Glaubenslehre unter ihrem damaligen Präfekten Kardinal Joseph Ratzinger, verursache Frau Ryden „ökumenische Unordnung“. In Anbetracht all dessen wurden die Gläubigen eindringlich ermahnt, die angeblichen Privatoffenbarungen von Frau Ryden „nicht als übernatürlich zu betrachten und den Glauben, den der Herr der Kirche anvertraut hat, rein zu bewahren“.

3. Einheit der Kirche und Einheit der Christen nach Myrna Koubet al-Akhras

„Einigt euch!“ – so lautet die zentrale und zunächst einmal unverdächtige „Botschaft“ von Myrna Koubet al-Akhras, die seit geraumer Zeit auch im deutschsprachigen Raum großer Bekanntheit erfreut.

Die Spirale von Hass und Gewalt in der Welt könne nur dadurch unterbrochen werden, so die aus Syrien stammende „Seherin“, dass die Menschen sich einigen, Frieden schließen und in Liebe miteinander umgehen.

Myrna, wie die „Seherin“ von ihren Anhängern kurz genannt wird, sieht sich von Gott berufen, die Menschen für das Anliegen der Einheit zu gewinnen. Die Christen sollen dabei mit gutem Beispiel vorangehen, indem sie sich für die Überwindung der konfessionellen Unterschiede und die Wiederherstellung der Einheit einsetzen.

Der an und für sich löbliche Aufruf, sich zu einigen, ist in diesem Zusammenhang jedoch zumindest missverständlich.

MYRNA und die ersehnte „Kirche der Einheit“

Das Ziel des Ökumenismus ist nicht Einigung, sondern Einheit, nicht Kompromiss, sondern Erkenntnis der Wahrheit. Sayn-Abteikirche-DSC_0195-2

Die Einheit, die es anzustreben gilt, ist keine neu zu schaffende Einheit, sondern jene, die zum Wesen der einen und einzigen von Christus gegründeten Kirche gehört, die auf dem Fundament des unverkürzten und unverfälschten katholischen Glaubensguts beruht und die in der katholischen Kirche von jeher bewahrt wurde.

In den „Botschaften“ Myrnas ist hingegen immer wieder von einer erst noch zu gründenden (!) Kirche der Einheit die Rede. Dabei entsteht der Eindruck, als sei diese zukünftige Kirche etwas von den gegenwärtig bestehenden Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften Verschiedenes, etwas Verschiedenes auch von der katholischen Kirche.

Damit würde die Unzerstörbarkeit der in der katholischen Kirche bestehenden Kirche Christi ebenso in Frage gestellt wie die in ihrem Wesen begründete Einzigkeit und Einheit.

Die Kirche Christi ist nicht „gespalten“

Ganz auf dieser Linie liegt auch die in Myrnas „Botschaften“ regelmäßig enthaltene Klage darüber, dass die Kirche gespalten sei. Gespalten ist die Christenheit, nicht die Kirche. Nicht die Einheit der Kirche gilt es wiederherzustellen, sondern die Einheit der Christen. 0018

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass eine auf der Grundlage gegenseitiger Einigung zu gründende Kirche, wie sie in den „Botschaften“ Myrnas propagiert wird, mit dem katholischen Kirchenverständnis nicht zu vereinbaren ist.

Die diesbezüglichen Vorstellungen der syrischen „Seherin“ gleichen in frappierender Weise jener „panchristlichen Gemeinschaft“, wie sie einst von Vassula Ryden propagiert und von der Kongregation für die Glaubenslehre mit Nachdruck verworfen wurde.

Wenngleich im Rahmen der vorliegenden Ausführungen nur ein einzelner Aspekt aus den „Botschaften“ der „Seherin“ Myrna Koubet al-Akhras herausgegriffen und kritisch hinterfragt wurde, ist in jedem Fall Vorsicht vor einer neuerlichen „ökumenischen Unordnung“ geboten.

Ein abschließendes Urteil bleibt freilich dem Lehramt der Kirche vorbehalten.

 


Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 382 Followern an